Personalstärke Mai 2020: Wieder leicht zurückgegangen

Die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr ist im Mai wieder leicht zurückgegangen. Im Vergleich zum Vormonat sank die Personalstärke von 184.489 um 266 auf 184.223. Der Rückgang ist auf leicht sinkende Zahlen bei Zeitsoldaten und Freiwillig Wehrdienstleistenden (FWDL) zurückzuführen, während die Zahl der Berufssoldaten leicht anstieg.

Die am (heutigen) Montag veröffentlichten Zahlen für Mai 2020, wie üblich unter dem immer gleichen Link eingestellt:

Insgesamt leisten 184.223 Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst bei der Bundeswehr.
Bundesministerium der Verteidigung 1.125
unmittelbar nachgeordnete Dienststellen 3.244
Streitkräftebasis 27.809
Zentraler Sanitätsdienst 19.880
Heer 63.795
Luftwaffe 27.633
Marine 16.697
Cyber- und Informationsraum 13.354
Bereich Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen 971
Bereich Ausrüstung, Informationstechnik, Nutzung 1.668
Bereich Personal 8.047
davon bis zu 5.400 Studierende an Bundeswehr-Universitäten

53.975 Berufssoldaten
121.143 Zeitsoldaten
9.105 Freiwillig Wehrdienstleistende

Die Zahl der Frauen in den Streitkräften:

22.772 Soldatinnen sind aktuell bei der Bundeswehr; rund 12 Prozent (beträgt der) Anteil der Soldatinnen bei der Bundeswehr

Heer 4.462
Luftwaffe 2.344
Marine 1.696
Streitkräftebasis 2.922
Sanitätsdienst 8.086
Cyber- und Informationsraum 1.267
Ministerium und andere Bereiche 1.995

Laufbahngruppe/Laufbahnen (auch Anwärterinnen)
Offizierinnen 5.806
Unteroffizierinnen mit Portepee 7.988
Unteroffizierinnen ohne Portepee 3.516
Mannschaften 5.462

Status
Berufssoldatin 3.740
Zeitsoldatin 17.343
Freiwillig Wehrdienstleistende 1.689

Die gesonderte Statistik zu den Zivilbeschäftigten:

Beschäftigt sind 80.381 Zivilistinnen und Zivilisten. Sie verteilen sich wie folgt:
Bundesministerium der Verteidigung: 1.623
Bundeswehrverwaltung, Rechtspflege, Militärseelsorge und weitere, dem zivilen Bereich zuzurechnende Dienststellen: 55.784
Streitkräfte und dem militärischen Bereich zuzurechnende Dienststellen: 22.974

Von den 80.381 Zivilbeschäftigten sind 30.429 weiblich. Das entspricht rund 38 Prozent.

(Stand aller Zahlen: Mai 2020, keine Angabe zum Stichtag)

Die Angabe zur Personalstärke der Auslandseinsätze (weiterhin ohne die anerkannten Missionen wie die NATO-Battlegroup in Litauen), Stand 8. Juni:

Einsatz Einsatzgebiet Stärke davon Frauen davon Reservisten davon FDWL
Resolute Support Afghanistan 1.025 92 79 0
KFORKosovo Force Kosovo 64 5 10 0
UNMISSUnited Nations Mission in South Sudan Südsudan 9 0 0 0
UNAMIDNations-African Union Hybrid Mission in Darfur Sudan 2 0 0 0
UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon Libanon 121 6 1 1
EUTMEuropean Union Training Mission Mali Mali 51 7 10 0
MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali Mali 921 67 52 0
Atalanta Horn von Afrika 79 6 10 0
Sea Guardian Mittelmeer 184 22 3 18
EUNAVOR MEDMediterranean Irini Mittelmeer 18 1 0 0
Anti-IS„Islamischer Staat“-Einsatz/Fähigkeitsaufbau Irak Syrien/Irak 219 21 13 1

 

Weitere Missionen/Unterstützungsleistungen

Einsatz/Mission Einsatzgebiet Stärke
STRATAIRMEDEVACStrategic Air Medical Evacuation Deutschland 48
MINURSOThe United Nations Mission for the Referendum in Western Sahara Westsahara 3
UNMHA Jemen 1

 

Der Service von Augen geradeaus!, die Vergleichszahlen (die der Zivilbeschäftigten ab Mai 2019; die der Auslandseinsätze ab November 2019):

April 2020
März 2020
Februar 2020
Januar 2020
Dezember 2019
November 2019
Oktober 2019
September 2019
August 2019
Juli 2019
Juni 2019
Mai 2019
April 2019
März 2019
Februar 2019
Januar 2019
Dezember 2018
November 2018
Oktober 2018
September 2018
August 2018
Juli 2018
Juni 2018
Mai 2018
April 2018
März 2018
Februar 2018
Januar 2018
Dezember 2017
November 2017
Oktober 2017
September 2017
August 2017
Juli 2017
Juni 2017
Mai 2017
April 2017
März 2017
Februar 2017
Januar 2017
Dezember 2016
November 2016
Oktober 2016
September 2016
August 2016
Juli 2016
Juni 2016
Mai 2016
April 2016
März 2016
Februar 2016
Januar 2016
Januar 2013 bis Dezember 2015

(Foto:  A German Mk88A Super Lynx helicopter piloted by German military service members flies during exercise Baltic Operations (BALTOPS) 2020 while in the Baltic Sea, June 7, 2020 – U.S. Navy photo  by Mass Communication Specialist 2nd Class Damon Grosvenor)

16 Gedanken zu „Personalstärke Mai 2020: Wieder leicht zurückgegangen

  1. Ich bin gespannt wie sich die Stärke die nächsten Monate entwickeln wird.

    Aktuell gehe ich davon aus, dass zunächst keine weiteren Rückgänge verzeichnet werden. Vielleicht bewegt die aktuell angespannte Lage am zivilen Arbeitsmarkt, den ein oder anderen SaZ dazu, seine Dienstzeit zu verlängern.
    Ebenfalls gehe ich von weniger Abbrechern in der Probezeit aus, da die alternativen Jobangebote zurückgehen.
    Allerdings wird sich irgendwann der Notbetrieb der Karrierecenter auswirken, denn das was aktuell dort an Bewerbern getestet wird reicht vielleicht gerade mal für eine Grundausbildungskompanie.

    Jetzt heißt es verstärkten Fokus auf die Weiterverpflichtungen legen.
    KpFw, KpChefs, ZgFhr, TEFhr…kümmert euch um euer Personal. Sprecht sie an, identifiziert die „Guten“ und haltet sie.

  2. Mal schauen, welche Größe an Personalumfang der Bundeswehr wir uns in einem Jahr noch leisten können…

  3. Nebenbei – wenn sich Herr Wiegold schon die Mühe macht –, eine Frage in puncto Frauen; immerhin ist jenes Gerichtsurteil, das ihnen alle Laufbahnen in der Bundeswehr öffnete, jetzt 20 Jahre her: Müssten da jetzt nicht auch außerhalb des Sanitätsdienstes die ersten Damen langsam in Sichtweite goldener Schulterstücke vorstoßen?

    In der verkleinerten, kopflastigen Bundeswehr werden die Beförderungswartezeiten sicher auch regelmäßig überschritten, aber zumindest nach dem Buchstaben der Laufbahnverordnung müsste es gehen: rund 3 Jahre zum Leutnant, von da 15 Jahre zum Oberst.

  4. @Fux

    Sie schrieben: „Mal schauen, welche Größe an Personalumfang der Bundeswehr wir uns in einem Jahr noch leisten können…“

    — Was das angeht, bin ich gegenwärtig behutsam optimistisch. Zuletzt wurde oft die Große Depression beschworen, aber der Vergleich könnte hinken. Die deutsche Wirtschaft gleitet im Sinkflug, sie ist nicht abgestürzt. Insbesondere hat es noch keine branchenübergreifende schlagartige Vernichtung von Vermögenswerten oder Massenentlassungen gegeben. Die Banken wackeln noch nicht. Das Börsenklima ist überraschend gut.

    Was sich an negativen Folgen vollzieht und vollziehen wird, vollzieht sich nicht so schnell, als dass ein Dominoeffekt entstünde. Solange ein solcher ausbleibt, stehen die Chancen auf rasche Gesundung gut, und damit auch auf eine rasche Erholung der Staatsfinanzen. Davon abgesehen kann sich Finanzminister Scholz selbst mittelfristig noch billig verschulden, wozu die Regierung auch gewillt scheint.

    Überdies stimmen mich die Töne aus Berlin in den letzten Wochen einigermaßen zuversichtlich, dass ein fraktionsübergreifender Konsens entstanden sein könnte, die Streitkräfte zur Wirtschaftsförderung zu nutzen; eine Verkleinerung stünde dem entgegen. Im föderalen Staat gibt es nun einmal nicht viele Felder, auf denen der Bund das Geld mit vollen Händen ausgeben kann.

    Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt, aber hätte die Regierung diesbezüglich ernste Sorgen und entsprechende Sparpläne, hätte sie die unlängst angestoßenen Rüstungsvorhaben wohl verschoben oder gar abgebrochen. Vor allem die 4,000 LKW für 2 Milliarden € weisen für mich darauf hin, dass sich an der Größe der Bundeswehr einstweilen wenig ändern dürfte.

    Es besteht meines Erachtens nach sogar eine gewisse Aussicht darauf, dass Truppe und Bundeswehrverwaltung wieder stärker als Wähler in den Blick genommen werden könnten. Beorderte Reservisten eingerechnet, sind das immerhin rund 300,000 Erwachsene, in deren Familien es wiederum erwachsene Wähler gibt, die mit Sicherheit nicht mehrheitlich an dem Ast sägen werden, auf dem sie sitzen.

    Sogar berücksichtigend dass Soldaten häufiger ledig sind als die Durchschnittsbevölkerung, kann man hier gut und gerne 500,000 Menschen ansprechen. Im Konrad-Adenauer-Haus macht man sich sowieso Sorgen, die Uniformträger an die AfD zu verlieren; und der plötzliche verteidigungspolitische Linksschwenk der um Profil ringenden SPD eröffnet im Umkehrschluss unerwartete Profilierungsmöglichkeiten für CDU/CSU. Nein; solange uns im Winter eine zweite SARS-2-Welle erspart bleibt und die Union nach der Bundestagswahl weiter den Kanzler stellt, denke ich nicht, dass 2021 der Rotstift gezückt wird.

  5. … davon FDWL soll doch bestimmt FWDL heißen.

    [Der Tippfehler ist in der Tabelle, die ich von der Bw-Seite übernommen habe – in meinem Text oben steht es richtig. Also der Bundeswehr oder dem Ministerium Bescheid sagen ;-) T.W.]

  6. „Aktuell gehe ich davon aus, dass zunächst keine weiteren Rückgänge verzeichnet werden. Vielleicht bewegt die aktuell angespannte Lage am zivilen Arbeitsmarkt, den ein oder anderen SaZ dazu, seine Dienstzeit zu verlängern.“
    – Aus der Truppe

    Ich bin ebenso gespannt. Gerade die Lage hat gezeigt wie „gut“ es uns durch den Arbeitgeber Bundeswehr geht. Sei es als Angestellter / Beamter oder Soldat.

    Durch den leichten Anstieg an Berufssoldaten kann sich ja bereits erkennen lassen, dass die „Guten“ identifiziert und gehalten werden. Die vergangen Jahre zeigten jedoch auch, dass gerade die Erfahrung der langdienenden Mannschafts- und Unteroffizierdienstgrade verloren ging, da Stellen bereits regeneriert wurden ohne zu prüfen ob etwaiges Personal verlängern möchte.
    Das jedoch wird ja offenbar angegangen und gezielt versucht attraktiver zu machen. Hoffen wir mal, dass es so beibehalten wird.

    Bei den potentiellen „Abbrechern“ bin ich etwas zwiegespalten. Einerseits gebe ich Ihnen Recht einen möglichen Rückgang von Abbrechern durch einen Mangel alternativer Jobangebote.
    Andererseits jedoch, wird durch den rasanten Anstieg an Social-Media Auftritten ein teilweise falsches Bild erzeugt, welches nun einmal mehr zwar zu einem Anstieg an Bewerbern, leider die Quote des „das habe ich mir ganz anders vorgestellt“ Personals erhöht.

  7. @muck

    Bezüglich ihrer Frage, wann die erste Frau (abgesehen vom Sanitätsdienst) einen Generals-/Admiralsrang erreicht haben wird, gibt eine Studie des ZMSBw folgende Antwort:
    „Während Frauen im Sanitätsdienst eine Offiziersausbildung ab dem Jahr 1989 möglich war, gilt dies für Frauen im Truppendienst erst seitdem Jahr 2001, sodass die ersten der damals in die Bundeswehr eingetretenen Soldatinnen im Truppendienst erst seit Kurzem in Führungsverwendungen und als Kompaniechefin oder Kompaniefeldwebel zu finden sind. So erfolgten im Truppendienst die ersten Beförderungen von Frauen zum Major im Jahr 2014. Die erste Ernennung einer Frau zum General wird im Truppendienst nicht vor dem Jahr 2027/28 erwartet.“

    Quelle: „Truppenbild mit General (w)?“ von Gerhard Kümmel. Eine Untersuchung zur Chancengerechtigkeit in den Karrierewegen von Soldatinnen und Soldaten anhand berufsbiografischer Interviews. Forschungsbericht 125.
    http://zmsbw.de/html/einsatzunterstuetzung/downloads/forschungsbericht125truppenbildmitgeneralw.pdf

  8. Die beiden Berichte der Oppositionsparteien zur Untersuchung der Berateraffäre im Verteidigungsministerium sind da. Ich freue mich schon auf Herrn Wiegolds Ausführungen dazu. Die Opposition sieht sowohl Frau von der Leyen als auch Frau Suder in Verantwortung, letztere expressiv verbis administrativ und persönlich.

  9. Ist natürlich die Frage ob es zu wenige Bewerber gibt oder ob die Karrierezentren nicht hinterher kommen.

  10. @Muck 06:10

    Da bin ich deutlich pessimistischer als Sie, aber das muss ja nicht schlimm sein.. Pessimisten werden seltener enttäuscht ;-)

    Die derzeitigen Ad-hoc Investitionen sind in meinen Augen eher ein Hilfsprogramm für die – wie Sie richtig bemerken – absinkende (teils ums Überleben kämpfende) Wirtschaft. Der Staat tritt jetzt kurzfristig aus Käufer auf, wo gerade sonst niemand kauft. Dabei setzt er viel zu lange schon gestreckte notwendige Modernisierungen und Ergänzungsbeschaffungen um oder zieht diese vor. Und das ist auch gut so.

    Den größten Batzen am EPl 14 machen jedoch die Personalausgaben aus. Und somit auch langfristig das größte Einsparpotential.
    Wenn es vor dem Hintergrund der extremen Neuverschuldung im Zusammenspiel mit einer wirtschaftlichen Rezession zur Frage der Verteilung des übrig bleibenden staatlichen Kuchens kommen wird (eher muss), stellen selbst ihre sehr optimistisch gerechneten „300.000 – 500.000“ potentiellen Wähler im Umkreis Bundeswehr/ Soldaten gegen (derzeit noch nur) knapp 3 Mio Arbeitslose und rund 21 Mio Rentner in Deutschland, gegen Familien mit Kindern, gegen Schulen ohne moderne IT-Ausstattung usw. eher willkommenes politisches Streichpotential dar.

    Hinzu kommt der enorme Personalbedarf an anderen Stellen der öffentlichen Verwaltung und inneren Sicherheitsbehörden, welcher auch in dieser schwierigen Lage finanziert werden will. Es würde mich daher nicht wundern, wenn wir zu Lasten einer personell deutlich kleineren Bundeswehr hier eine deutliche Finanzmittel- und ggf. sogar Personalverschiebung vom Hauptfeldwebel zum Regierungshauptsekretär oder Polizeiobermeister (nur als Beispiel) in naher Zukunft sehen werden.

  11. @Fux sagt: 23.06.2020 um 17:23 Uhr
    Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für eine langfristig (!) deutliche Verkleinerung. Ganz im Gegenteil. Eher wirken die Zeichen auf die bereits beschlossene mittelfristige Vergrößerung.

    D.h. nicht, dass es nicht zu einer Streckung oder Verringerung des Aufwuchses kommen kann, aber gegen die von Ihnen skizzierten Verkleinerung aus finanziellen Gründen bin ich bereit zu wetten.

    @Hanseat sagt: 23.06.2020 um 9:58 Uhr und @muck
    „Die erste Ernennung einer Frau zum General wird im Truppendienst nicht vor dem Jahr 2027/28 erwartet.“

    Zutreffend. Ausnahme möglicherweise im Bereich von einer zwei weiblichen Offizieren, die als Seiteneinsteiger mit erhöhtem Dienstgrad eingestellt wurden und aufgrund Spezialverwendung vielleicht ausnahmsweise vorher General werden könnten.

    Zudem ist 2027/2028 auch rein statistisch (das gewünschte politische Zeichen jetzt mal außen vor!) noch positiv geschätzt, denn in 2027/2028 sind Generalsbeförderungen nur bei Frühst(!)förderern möglich, d.h. bei weiblichen Kameraden die für 2**+ vorgesehen sind. Aufgrund der anfangs aber noch sehr überschaubaren Anzahl von weiblichen OA in 2001 f., wäre rein statistisch eher 2030 zu erwarten.

  12. @Fux
    Sie schrieben: „Den größten Batzen am EPl 14 machen jedoch die Personalausgaben aus. Und somit auch langfristig das größte Einsparpotential.“

    — Richtig, aber eben nur langfristig. Käme es so eng, dass man schnell die Ausgaben reduzieren müsste, würde man, denke ich, eher auf der Materialseite den Rotstift ansetzen, wo mehr unmittelbares Einsparpotential besteht.

    Natürlich könnte eine solche Maßnahme (realistisch betrachtet, wenn auch nicht zwangsläufig) in eine Verkleinerung der Streitkräfte münden, doch würde dies einen außenpolitischen Druck erzeugen, dem sich selbst Berlin nicht entziehen kann. Deutschland ist bislang gut durch die Krise gekommen. Wenn selbst Frankreich und Italien ihre Truppen nicht verkleinern, wäre ein entsprechender deutscher Schritt nicht vermittelbar.

    Falls es in puncto Personal überhaupt zu Einschnitten käme, würde man, so denke ich, eher den irischen Weg gehen und den Staatsdienern das Gehalt kürzen.

    Sie schrieben: „Wenn es vor dem Hintergrund der extremen Neuverschuldung […]“

    — Unsere Neuverschuldung ist geringer, als es den Anschein hat. Der Finanzminister wurde ermächtigt, Schulden aufzunehmen, doch steht ein großer Teil der Ermächtigungen unter dem planerischen Vorbehalt einer noch einzutretenden Notwendigkeit. Es ist längst nicht ausgemacht, dass Scholz den Rahmen dieser Ermächtigungen auch ausschöpfen wird.

    Aber selbst wenn die kolportierten Zahlen eine gegenwärtige Neuschuld darstellten, bliebe Deutschland doch mittelfristig in der Lage, sich zu vorteilhaften Konditionen am Markt Geld zu besorgen. Hinzu kommt, dass sich die Geldgeber von Staaten wie Frankreich jetzt mit Bundesanleihen eindecken, um sich gegen Verluste abzusichern.

    Sie schrieben: „Wenn es vor dem Hintergrund der extremen Neuverschuldung im Zusammenspiel mit einer wirtschaftlichen Rezession zur Frage der Verteilung des übrig bleibenden staatlichen Kuchens kommen wird (eher muss), stellen selbst […] potentiell[e] Wähler im Umkreis Bundeswehr/ Soldaten gegen [Arbeitslose, Rentner, Familien] willkommenes politisches Streichpotential dar.“

    — Das mag so sein, aber bislang hat nicht einmal das theoretische Risiko einer negativen wirtschaftlichen Entwicklung auch nur den geringsten Druck auf die Politik erzeugt, die Verteidigungsausgaben zu senken. Das hat mich sehr überrascht, lässt sich aber damit erklären, dass die Wirtschaft wesentlich besser dasteht, als die gegenwärtige Situation vermuten ließe.

    Falls es zu einer andauernden Rezession käme, würden sich ihre Symptome strecken und leichter abzufedern sein. In ihrer Zukunft akut bedroht sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt „nur“ die Selbstständigen und die Reise- bzw. Touristikbranche. Hier droht viel individuelles Leid, aber vorerst kein gesamtgesellschaftlicher Hammer.

    Sie schrieben: „Hinzu kommt der enorme Personalbedarf an anderen Stellen der öffentlichen Verwaltung und inneren Sicherheitsbehörden, welcher auch in dieser schwierigen Lage finanziert werden will. Es würde mich daher nicht wundern, wenn wir zu Lasten einer personell deutlich kleineren Bundeswehr hier eine deutliche Finanzmittel- und ggf. sogar Personalverschiebung vom Hauptfeldwebel zum Regierungshauptsekretär oder Polizeiobermeister (nur als Beispiel) in naher Zukunft sehen werden.“

    — Es gab vor Jahren – um die Jahrtausendwende, wie ich meine – mal einen Jahrgang Kommissaranwärter, den das verschuldete Berlin nicht in die Polizei übernehmen konnte. Bund und Land einigten sich darauf, jedem, der wollte, den Übertritt in die Bundeswehr zu ermöglichen. Dieser Schritt verursachte dermaßen hohe Kosten, dass man seither solche Deals zu vermeiden versucht hat.

    Davon abgesehen gibt die rechtliche Situation es nicht her, einen Soldaten zu zwingen, die Uniform abzulegen und bspw. auf Sachbearbeiter beim Arbeitsamt umzusatteln. Man müsste hier auf die Freiwilligkeit abstellen, was die Wirksamkeit der Maßnahme beeinträchtigen würde.

    Sie schrieben: „Pessimisten werden seltener enttäuscht ;-)“

    — Wie wahr, wie wahr…

    @Koffer

    Sie schrieben: „Eher wirken die Zeichen auf die bereits beschlossene mittelfristige Vergrößerung. D.h. nicht, dass es nicht zu einer Streckung oder Verringerung des Aufwuchses kommen kann, aber gegen die von Ihnen skizzierten Verkleinerung aus finanziellen Gründen bin ich bereit zu wetten.“

    — Dieser Ansicht bin auch ich. Am wahrscheinlichsten wäre die Aufschiebung der selbstgesteckten Ziele. Schlimmstenfalls hätten wir vielleicht für ein paar Jahre einige „Sicherungsbataillone“ ohne Großgerät wie weiland nach Aussonderung des Gepard. Eine Verringerung des Personalumfangs hingegen erforderte so viel Aufwand und würde sich erst mit solcher Verzögerung rechnen, dass er kaum das Mittel der Wahl sein kann.

    [Leute, das mutiert jetzt zu einer grundsätzlichen Haushaltsdebatte. Und ist in diesem Thread schlicht nicht am richtigen Ort. Ich denke, dieser Aspekt ist damit erschöpfend abgehandelt. T.W.]

  13. @Koffer
    „Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für eine langfristig (!) deutliche Verkleinerung“
    „bin ich bereit zu wetten“

    Da wette ich dann mal dagegen. :-)
    Natürlich wird niemand, niemals und auf keinen Fall die Finanzen als Grund angeben. Das käme einem Gesichtsverlust gleich (im Ausland). Diese Wette würden sie also immer gewinnen.
    Aber, ich rechne 2040 mit einer kleineren Bundeswehr als 180.000 Soldaten. Faktisch und auch mit einer geplanten kleineren Bundeswehr als 180.000 Soldaten. (ich schätze eher so 150.000 bis 160.000)

    Anhaltspunkte:
    Demografie – hier einfach mal die Alterskohorten anschauen und dann entscheiden, woher überhaupt die Soldaten herkommen sollen.
    Nicht nur die Wirtschaft konkurriert mit der Bundeswehr, sondern auch der allgemeine öffentliche Dienst und dort gehen dann auch die Babybommer demnächst in Pension/Rente. Zwar wird die Digitalisierung einige Personalstellen vereinfachen, aber nicht in der breiten Masse und schon gar nicht so schnell. Dafür ist die Verwaltung dann doch nicht fortschrittlich genug.
    Auch werden wir in 10-20 Jahren die Soldaten verabschieden müssen, die jetzt weiterverpflichtet wurden (verlängert wurden) um die Personalstärke zu halten. Das wurde ja schon öfter mal angesprochen, dass uns diese Maßnahmen noch einholen werden.

    Europa:
    Die EU wird durch den Brexit militärisch einfach stärker zusammenwachsen müssen und allein deshalb wird es Druck geben, bestimmte Synergieeffekte auch zu nutzen. Dann kommen ganz schnell die Kritiker von Armeen, wieso man denn unbedingt doppelte und dreifache Strukturen haben muss.

    Finanzen:
    Hier sehe ich zwar weniger das Problem allgemein, aber es wird einen internen Verteilungskampf geben in der Bundeswehr zwischen Material und Personal.
    Man merkt schon jetzt, dass bestimmte Großvorhaben Unsummen verschlingen und unter anderem auch wegen der vermehrten Automatisierung das Großgerät technisch komplexer und damit teurer wird.
    Die Automatisierung hat ja den Zweck weniger Personal zu binden. Da wird man dann schon irgendwann die Kritiker der teuren Großvorhaben besänftigen müssen und auch tatsächlich Personal einsparen müssen.

    Innenpolitisches Klima – natürlich ist das ein wenig Glaskugel spielen, aber ich erkenne zumindest ein deutliches „Spalten“ der Wählergruppen.
    Leicht oder auch stark konservativ/rechts, oft vertreten durch die AfD und auch die CDU/CSU.
    Leicht oder auch stark alternativ/links, oft vertreten durch die Grünen und die Linken.
    Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass die AfD irgendwann mal in der Bundesregierung den Koalitionspartner stellt, aber so wirklich glaube ich nicht daran.
    Es ist aber absehbar, dass die Grünen irgendwann mal in der Bundesregierung den Koalitionspartner stellen und vielleicht in 8-16 Jahren auch mal die Linken (dann entfällt nämlich auch das Argument – „alte SED Parteileute“).
    Der linkere Flügel wird aber eher die Bundeswehr verkleinern und kürzen als vergrößern und ausbauen.

  14. @muck

    die Beförderungszeiten können sie der Laufbahnverordnung entnehmen. Im Sanitätsdienst gab es bereits weibliche zwo Sterner im Truppendienst wird das im kommenden Jahrzehnt auch ganz normal kommen. Es gab bereits weibliche Kommandant*inen bei der Marine und auch beim Heer diverse Frauen in Chef und Kommandeurs Verwendungen.
    Auf dem normalen Weg braucht es halt etwa 25 Jahre bis zum Goldstern… also ab 2024 wird auch das Normalität.

  15. @Küstengang01 sagt: 24.06.2020 um 12:30 Uhr
    „und auch beim Heer diverse Frauen in Chef und Kommandeurs Verwendungen.“
    Chef ja, Kommandeur nein. Die ersten weiblichen Kommandeure könnten rein theoretisch bei der diesjährigen Kommandeurauswahl zum Zuge kommen, aber ich vermute eher, dass es die in zwei Jahren sein wird.

    „Auf dem normalen Weg braucht es halt etwa 25 Jahre bis zum Goldstern… also ab 2024 wird auch das Normalität.“

    Wie bereits geschrieben, reichen 25 Jahre nicht aus. Für „Frühstförderer“ mit einer Perspektive **+ sprechen wir eher über 28 Jahre. Üblicherweise kann man von 30+ ausgehen. Eine „Normalität“ von weiblichen Generalen wird also nicht vor 2030 eintreten.

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