Afghanistan: Mehr Tote als in Syrien befürchtet

Der (Bürger)Krieg in Syrien wird hierzulande – und vermutlich generell im Westen – als der derzeit größte Konflikt mit den meisten Opfern wahrgenommen. Dabei gerät völlig aus dem Blickfeld, dass in Afghanistan unvermindert ein bewaffneter Konflikt tobt, der in diesem Jahr mehr Menschen das Leben kosten könnte als die Auseinandersetzungen in Syrien.

Die Kollegen der Nachrichtenagentur AFP haben das mal zusammengestellt:

The Afghan conflict could overtake Syria as the deadliest conflict in the world this year, analysts say, as violence surges 17 years after the US-led invasion. weiterlesen

Afghanistan: Der nächste US-Kommandeur

Fürs Archiv: In einer Zeit anhaltender Unsicherheit in Afghanistan hat ein neuer US-Befehlshaber das Kommando über die internationalen Truppen am Hindukusch übernommen. Am (gestrigen) Sonntag übergab US-General John Nicholson die Führung der Resolute Support Mission an den US-General Austin Scott Miller. weiterlesen

Lesetipp: Cordesmans „Losing by winning“

Der US-Wissenschaftler Anthony Cordesman (wenn der Begriff Wissenschaftler für jemanden, der in mehreren US-Administrationen gearbeitet hat, überhaupt so passt) hat sich die aktuellen Kriege der USA angeschaut und ein recht vernichtendes Fazit gezogen. Das gilt für die aktuelle US-Regierung unter Präsident Donald Trump, aber auch für die vorangegangenen:

Once again, a new Administration seems to have focused on the tactical level of conflict and called this a strategy but has failed to have any clear strategy for ending the fighting on favorable terms. weiterlesen

Afghanistan: 35.000 Sicherheitskräfte weniger als vor einem Jahr

Neben den fast täglichen Horrormeldungen aus Afghanistan (wie dem Anschlag am gestrigen Montag, der offensichtlich gezielt Journalisten galt), empfiehlt sich auch ein Blick auf die längerfristigen Trends am Hindukusch. Und der sieht gerade beim Thema Sicherheit nicht gut aus: Allein die Gesamtzahl der afghanischen Sicherheitskräfte in Armee, Polizei und anderen Bereichen (Afghan National Defense and Security Forces, ANDSF) hat innerhalb eines Jahres um mehr als 35.000 abgenommen.

Das ist deshalb besonders bedeutsam, weil ja der ständig wiederholte Grund für den anhaltenden Einsatz internationaler Truppen in Afghanistan die Absicht ist, die Afghanen zu befähigen, selbst für ihre Sicherheit zu sorgen. Aber genau das scheint immer weniger zu funktionieren, wie aus dem am (heutigen) Dienstag veröffentlichen Vierteljahresbericht des U.S. Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction (SIGAR) hervorgeht. Ein paar Kernaussagen aus dem Bericht:

• U.S. Forces Afghanistan reported that the actual assigned strength of the ANDSF as of January 2018 was 296,409, which includes 165,622 ANA and 130,787 ANP personnel. These figures represent a sharp decline in strength from the same period last year: the ANA saw a 4,818-person decrease, and the ANP a 23,210-person decrease, for a total of 35,999 fewer personnel in January 2018 compared to January 2017. weiterlesen

Afghanischer Luftangriff bei Kundus: NATO-Berater eingebunden? (Update)

Im Norden Afghanistans kamen am vergangenen Montag bei einem Luftangriff zahlreiche Menschen ums Leben. Über diesen Angriff gibt es, wie so oft in den vergangenen Jahren, sehr gegensätzliche Meinungen: Galt er einem Treffen von Aufständischen – oder wurden wehrlose Zivilisten hier zum Opfer? Der Unterschied zu früheren Vorfällen dieser Art: Es sind nicht die USA oder andere internationale Truppen am Hindukusch, die diesen Luftangriff geflogen haben. Es waren die afghanischen Streitkräfte selbst.

Und neben den Einzelheiten des Vorgangs selbst ist aus deutscher Sicht die Frage von Bedeutung: Waren die Berater der internationalen Resolute Support Mission, darunter der Bundeswehr, an der Vorbereitung für oder Entscheidung über diesen Angriff beteiligt? Haben eventuell deutsche Experten den Afghanen in diesem Fall zu- oder abgeraten? Oder lag alles ausschließlich in afghanischer Hand, ohne dass die ausländischen Trainer damit zu tun hatten?

Nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums wird derzeit geprüft, ob Trainer der internationalen Mission bzw. der Bundeswehr in diesem Fall eingebunden waren. Sowohl die afghanische Regierung als auch die UN-Mission UNAMA haben bereits eine Untersuchung angekündigt.

Update 6. April: Auskunft aus dem deutschen Verteidigungsministerium:

An dem Angriff vom 2. April 2018 waren Berater von RESOLUTE SUPPORT weder an Planung oder Vorbereitung noch Durchführung beteiligt.

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