Personalstärke April 2017: Fast keine Veränderung zum März

Die Zahlen zur militärischen Personalstärke der Bundeswehr im April 2017 liegen jetzt vor, wie üblich unter dem immer gleichen Link veröffentlicht. Im Vergleich zum Vormonat sind die Zahlen praktisch unverändert: 178.179 Soldatinnen und Soldaten gegenüber 178.233 im März, 168.047 Berufs- und Zeitsoldaten gegenüber 168.287 im Monat zuvor.

Die Gesamtübersicht:

178.179 aktive Soldaten und Soldatinnen umfasst die Bundeswehr insgesamt. Sie verteilen sich wie folgt:

Bundesministerium der Verteidigung: 983
diesem unmittelbar nachgeordnete Dienststellen: 2.014
Streitkräftebasis: 40.720
Zentraler Sanitätsdienst: 19.819
Heer: 60.245
Luftwaffe: 28.291
Marine: 16.281
CIR: 188
Bereich Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen: 964
Bereich Ausrüstung, Informationstechnik, Nutzung: 1.571
Bereich Personal: 7.103, davon 4.319 Studierende an den Bw-Universitäten

Die Bundeswehr umfasst aktuell 168.047 Berufs- und Zeitsoldaten und 10.132 Freiwillig Wehrdienstleistende (Durchschnitt Januar bis April: 10.082).

Zur Bundeswehr gehören 20.420 Soldatinnen.

Stand: 30. April 2017

Der übliche Service nur von Augen geradeaus!: Die Vergleichszahlen.

März 2017

Februar 2017

Januar 2017

Dezember 2016

November 2016

Oktober 2016

September 2016

August 2016

Juli 2016

Juni 2016

Mai 2016

April 2016

März 2016

Februar 2016

Januar 2016

Januar 2013 bis Dezember 2015

(Foto: Soldaten der 3. Kompanie des Jägerbataillons 292 der Deutsch-Französischen Brigade trainieren das Gefecht auf dem Truppenübungsplatz Altmark im Rahmen der Vorbereitung für den Einsatz bei Enhanced Forward Presence am 29.03.2017 – Bundeswehr/Jana Neumann)

144 Kommentare zu „Personalstärke April 2017: Fast keine Veränderung zum März“

  • ThoDan   |   22. Mai 2017 - 18:36

    @Hans Dampf  

    Wirkt sich „Gruß und Anrede“ nachteilig auf die Kampffähigkeit aus?
    Ich hätte wohl besser geschrieben man soll die heiligen Kühe schlachten, wenn sie mehr Schaden bringen als Nutzen.

    Ich würde ja „Gruß und Anrede“ so ändern(wenn das Praktikabel wäre), das der Dienstjüngere den Dienstälteren zuerst grüßen sollte, Rang irrelevant.

  • Edgar Lefgrün   |   22. Mai 2017 - 19:20

    ThoDan | 22. Mai 2017 – 18:36

    Dienstälter oder dienstjünger, ob das immer leicht und sicher erkennbar und zu Handlungssicherheit führt?

  • Hans Dampf   |   22. Mai 2017 - 20:01

    @ ThoDan

    Ok, dann hatte ich sie falsch verstanden. Ich sah (und sehe) keinen Grund dafür, das Kapitel „Gruß und Anrede“ der alten ZDv 10/8 zu überarbeiten, weil ich es für angemessen und praktikabel hielt – was offenbar nicht jeder so sah. Wobei es nur ein Beispiel sein sollte, ich möchte weiß Gott keine Diskussion darüber entfachen.

  • Hans Schommer   |   22. Mai 2017 - 20:10

    ThoDan | 22. Mai 2017 – 18:36
    “ … Ich würde ja „Gruß und Anrede“ so ändern(wenn das Praktikabel wäre), das der Dienstjüngere den Dienstälteren zuerst grüßen sollte, Rang irrelevant. …“
    Wie kommt man denn auf so eine Idee? Das würd mich schon mal interessieren, bevor Herr Wiegold die OT-Hasskappe überzieht.
    Hans Schommer

  • T.Wiegold   |   22. Mai 2017 - 21:02

    Es ist nicht die Hasskappe, sondern die freundliche Erinnerung, dass nicht jedes irre Klein-Klein hier durchgehechelt werden muss.

    Wer das als Hasskappe begreifen möchte… nun gut. Sagt weniger über mich als über andere.

  • csThor   |   23. Mai 2017 - 7:21

    @ Hans Dampf

    Guten Morgen!

    Natürlich darf bezweifelt werden, ob die Bw ohne Wehrpflicht knapp 500.000 Soldaten hätte aufbieten können ;-).

    Da muß man nichts bezweifeln, das hätte nie geklappt. Es ist ja schon so, daß die Verweigerungsquoten in den 1980er Jahren zu Sorgen führten, daß die damalige Stärke spätestens Mitte der 1990er Jahre nicht mehr zu halten gewesen wäre.

    Aber sei es drum: Ich gebe Ihnen ja recht, die Wehrpflicht ist kein Allerheilmittel. Es ist aber EIN Mittel und sollte auch als solches gesehen werden; sonst hätte man sich das mit der Aussetzung auch sparen und sie ganz abschaffen können. Für nicht wenige scheint sie per se auszuscheiden, was ich nicht nachvollziehen kann.

    Sie ist aber die falsche Lösung für das falsche Problem zur falschen Zeit! Wenn eine Wand vor Nässe tropft spachtelt man die ja auch nicht zu und klatscht ne Tapete drüber, um das Elend nicht mehr sehen zu müssen. Man muß den Putz runterschlagen und das Mauerwerk trockenlegen, erst dann kann man sich Gedanken über die Innenraumgestaltung machen. Die Wehrpflicht-„Debatte“ so wie sie jetzt wieder mal läuft ist nichts anderes als Spachtelmasse und Tapete auf eine nasse Wand zu klatschen, das Grundproblem ist damit nicht mal angegangen. Nochmal: Die Grundprobleme der Bundeswehr sind rein politischer und institutionell-struktureller Natur (wobei erstere letztere in hohem Maß bedingen). Erst wenn der politische Betrieb in Berlin den Putz von der Wand schlägt und das Mauerwerk trockenlegt – also wenn sie die Jahrzehnte überfällige gesamtgesellschaftliche Debatte darüber anstoßen und halten was wir eigentlich als Deutschland im Bereich Militär überhaupt willens zu tun sind (oder eben auch nicht), wenn sie die Ergebnisse dieser Debatte (die im Gegensatz zum Grobgerüst von Weißbuch und Co nicht schon im Vorfeld feststehen dürfen) in ein brauchbares politisches Konzept gießen, daraus belastbare Pläne zu Struktur, Aufstellung, Ausrüstung, Finanz- und Personalbedarf ableiten und das dann auch umsetzen kann die tropfende Wand auch wirklich trockengelegt werden. Erst dann, wenn das Mauerwerk trockengelegt ist und es darum geht wie der „Innenausbau“ aussehen muß, dann kann man über Fragen der Personalgewinnung sprechen. Aber eben nicht vorher.

  • Hans Dampf   |   23. Mai 2017 - 8:12

    @ csThor:

    Ok, eingedampft: Erst Schritt 1, dann Schritt 12, richtig ;-)? Da gebe ich Ihnen natürlich recht. Ich habe mich nur auf das Problemfeld „Personal“ konzentriert und darauf, dass nicht mal die derzeit gültigen Zahlen – so absurd sie auch sind – erreicht werden. Im Grunde müsste man den ganzen Laden auflösen und wieder neu aufstellen, mit dieser (Alters-/Dienstgrad-) Struktur gewinnt man keinen Blumentopf. Und da sind wir wieder bei Ihrem Punkt: Der (Landes-) Politik geht es um nackte Zahlen. Die Zahl 180.000 kam ja auch aus diesem Bereich. Wie sich die Kopfstärke schüttelt, ob es militärisch gesehen Sinn ergibt, spielt eine untergeordnete Rolle, wenn überhaupt. Insofern habe ich wenig bis keine Hoffnung darauf, dass sich hieran etwas entscheidend ändern wird.

  • Wa-Ge   |   23. Mai 2017 - 9:07

    Es gibt da ein Sprichwort welches in etwa lautet:

    „Vier gut geführte Soldaten, schlagen vierzig ohne Führung.“

    Ich zähle mal Ausbildung zur Führung dazu (Stichwort mil Vorgesetzter = Führer – Ausbilder – Erzieher)

    Dem Wort „gut“ unterstelle ich mal aus eigener Erfahrung, dass Masse nicht gleich Klasse entspricht (sprich man nicht unbedingt zwanzig parallele Kommandostrukturen braucht um gut zu Führen).

    Von daher hat der Vorschlag von @ Hans Dampf einen sehr verlockenden Reiz: “ Im Grunde müsste man den ganzen Laden auflösen und wieder neu aufstellen, mit dieser (Alters-/Dienstgrad-) Struktur gewinnt man keinen Blumentopf.“

  • Ulenspiegel   |   23. Mai 2017 - 11:19

    Grashüpfer: „Mal so allg. zu meinen Gedankenspielen bzgl. Kopfstärke unserer Armee: Hab nie von Rußland als Gegner gesprochen! Möchte das auch nicht impliziert wissen.“

    Jetzt wird es lustig. Welche andere Bedrohung wird denn für die Zahlenspiele zugrunde gelegt?

    Wenn man Russland ausklammert, was bleibt den noch übrig? Russland ist, wenn wir über ein VERTEIDIGUNGSfall reden, realistisch die größte Bedrohung; diese sollte mit einer Bündnisstrategie begegnet werden. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

  • Zimdarsen   |   23. Mai 2017 - 11:42

    @Ulenspiegel

    Woher wissen Sie wer ein möglicher innerhalb der nächsten ca 10Jahren für die BRD, EU oder NATO sein wird?

    Was sind die Interessen der Mächte und Bündnisse (welche gibt es und welche könnten entstehen) in der Zukunft?

    Wer hat ABC Waffen und wer wird in der Zukunft welche besitzen?

    Wenn die Regierung der USA so weiter macht, dann wird sie evtl, ggf u.U. kaum noch gemeinsame Interessen mit Europa bewältigen wollen.

    Wir wissen nicht was noch kommt und deshalb müssen wir in Szenarien denken und da ist die Bedrohung durch RUS nur eine von vielen, wenn auch mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten und Risiken.

  • Hans Dampf   |   23. Mai 2017 - 12:43

    Ich hoffe, wir sind uns in einem einig: Streitkräfte sind im besten Fall wie eine Versicherung, man hat sie, benötigt sie aber hoffentlich nie. Je sicherer man gehen will, desto höher der Beitrag. Und so ist es hier auch. Daher ja auch meine Forderung: Man muss definieren, was man als indiskutabel ansieht und dann folgerichtig bereit sein, dafür Geld in die Hand zu nehmen. Wir machen es umgekehrt: Wir definieren, wie viel Geld wir ausgeben und bauen uns darum alle paar Jahre ein Konstrukt, das so (desaströs) aussieht, wie es derzeit aussieht.
    In meinen Augen sind die besten Streitkräfte diejenigen, die durch ihre Disziplin, ihre Moral, ihre Ausrüstung und ihren Ausbildungsstand eine Einsatzbereitschaft entfalten, die einen potentiellen Gegner davon abhält, Dummheiten zu unternehmen. Ich will nicht behaupten, dass der derzeitige Zustand der Bundeswehr einen potentiellen Gegner zu Dummheiten ermutigt, aber unter einer überzeugenden Abschreckung stelle ich mir etwas anders vor, als dass z.B. die Heeresflieger am Krückstock gehen, wenn sie 2 x 4 Hubschrauber in den Einsatz schicken müssen…

  • Zimdarsen   |   23. Mai 2017 - 13:33

    @Hans Dampf

    „Wir definieren, wie viel Geld wir ausgeben und bauen uns darum alle paar Jahre ein Konstrukt, das so (desaströs) aussieht, wie es derzeit aussieht“

    Wer ist wir? Den Haushalt beschließt das Parlament und die Regierung fordert und dies in Anbetracht der SiPo Lage.

    Wo war der Widerstand zur Neuausrichtung? Wo war die Kritik der Bevölkerung? Wo war die Kritik der mili Führung?

    Der einzige Player welcher klare Forderungen aufgestellt hat, war der Verband!

  • ThoDan   |   23. Mai 2017 - 14:43

    Also

    Was hättens gern
    Was wollen sie ausgeben
    Was sollten wir haben
    Was können wir uns leisten

  • Wa-Ge   |   23. Mai 2017 - 15:11

    @ThoDan | 23. Mai 2017 – 14:43
    „Also

    Was hättens gern
    Was wollen sie ausgeben
    Was sollten wir haben
    Was können wir uns leisten“

    Was können wir uns leisten können Sie getrost streichen. Bei Sicherkeit (innere und äußere) MUSS „können“ zwingend durch „müssen“ ersetzt werden. Das sind schließlich Fähigkeiten die im Vorfeld bereitgehalten werden müssen wenn sie ihre Wirkung entfalten sollen.

  • ThoDan   |   23. Mai 2017 - 15:46

    @Wa-Ge  

    Auf lange Sicht sind ungedeckte Schecks für die Sicherheit dieser nicht unbedingt förderlich.

  • Hubi   |   23. Mai 2017 - 15:47

    Die ganze Diskussion hier kommt mir arg bekannt vor.
    Fakt:
    Die Wehrpflicht ist ausgesetzt.
    Eine Wehrpflicht oder ggf. auch allg. Diesntpflicht lässt sich nur mit sehr langem Vorlauf einführen.
    Schwerpunkt sollte die nicht nachvollziehbare Personalplanung sein.
    Und offensichtlich wird hier gewünscht: Gleitende Arbeitszeit, Einheit/Kaserne direkt um die Ecke, kein Auslandseinsatz und keine Versetzung, wenn man nicht will. Dienstliche Belange werden hinten angestellt.
    So etwas nenne ich provokativ eine Freizeitarmee.

  • Hubi   |   23. Mai 2017 - 16:15

    Ich denke mal, die geplante eigene Telefonvorwahl für die Bw wird auf den Personalstamm keine positiven Auswirkungen haben.

  • T.Wiegold   |   23. Mai 2017 - 16:30

    Äh, welche Telefonvorwahl?

  • Jas   |   23. Mai 2017 - 17:44

    80081E5?

    Das würde wenigstens wohl funktionieren…

  • Grashüpfer   |   23. Mai 2017 - 18:19

    Garnix ist lustig was hier diskutiert wird. Ich sag mal zum Beispiel Brexit. Fällt mir mal so spontan ein wenn ich an mögliche Szenare denke die die bisherige Sicherheitsarchitektur bedenklich ins Wanken bringen können. Die Spanier fangen Zoff wegen Gibraltar an und in Nordirland geht das Pulverfass hoch. Gleichzeitig kippt die Lage auf dem Balkan.

    Nur hypothetisch, ich hoffe das alles die nächsten 30-50 Jahre friedlich bleibt. Aber hey, wer weiß das schon. Nur hoffe ich dann, dass wir eine Einsatzbereite Armee vorhalten. Und nicht die homöopathische Dosen die wir jetzt mit letzter Kraft mobilisieren für die diversen Einsätze

  • Hans   |   23. Mai 2017 - 18:59

    @hubi

    Das können Sie provokativ so nennen, ändert aber nix an der Tatsache dass die Bw sich einerseits an die gesellschaftlichen Realitäten anpassen sollte im Vergleich zu denken von vor 50 oder 100 Jahren, andererseits den Anspruch als „attraktivster Arbeitgeber der Republik“ auch mit mehr als nur medienwirksamen Kleinigkeiten oder dem aufholen auf internationalen Standard hinterlegen muss.

    Und nicht nur wegen der im anderen Threat angesprochenen PEW Umfrage muss die Akzeptanz der Bevölkerung (wieder) gewonnen werden, soweit dies möglich ist und dass der Steuerzahler auch etwas bekommt für die jährlichen Milliarden.

  • Insider   |   23. Mai 2017 - 19:11

    Ich kann diese Werbesprüche des attraktivsten Arbeitgebers nicht mehr hören. Soldat zu sein hat in letzter Konsequenz mit Entbehrungen und dem Einsatz des eigenen Lebens zu tun. Das alleine kann schon gar nicht attraktiv sein.
    Man muss die Wichtigkeit dieses Berufes heraustellen und dafür sorgen das er in der Gesellschaft mehr erfährt als freundliches Desinteresse. Und ich muss mein Bestandspersonal bei Laune halten, denn motivierte Soldaten sind die besten Werbeträger für die Bundeswehr

  • Till   |   23. Mai 2017 - 19:54

    Doch, die Bundeswehr muss als attraktiver Arbeitgeber werben. Bei niedriger Arbeitslosigkeit reicht nämlich Idealismus nicht aus. Deshalb muss mehr z.B. in die Aus- und Weiterbildung investiert werden, damit auch sog. Schulversager eine Chance erhalten.
    Alternativ kann man auf die nächste Rezension warten.

  • 0815   |   23. Mai 2017 - 20:57

    @Insider | 23. Mai 2017 – 19:11
    +1

    @Till | 23. Mai 2017 – 19:54
    “ Bei niedriger Arbeitslosigkeit reicht nämlich Idealismus nicht aus.“

    Richtig, aber leider keine unbekannte Tatsache! In BW und BY ist diese Problematik noch aus Zeiten der Wehrpflicht sehr gut bekannt.

    “ Deshalb muss mehr z.B. in die Aus- und Weiterbildung investiert werden, damit auch sog. Schulversager eine Chance erhalten.“

    Aus und Weiterbildung ja, aber….“sog. Schulversager eine Chance “ geben…

    Glauben Sie das sogenannte Schulversager die richtigen Leute sind, weil die dann bei der Bw durchstarten wie eine Atlas V Rakete? Ausnahmen im positiven Sinne gibt es immer wieder…die Masse macht ein paar Jahre Kohle und verschwindet dann wieder irgendwo in der Versenkung. Ein paar wenige machen was aus ihrer Zeit…die breite Masse leider nicht immer. Pauschalisieren darf man dies aber auch nicht, und die Bw auf Teufel komm raus zum Lehr-und Weiterbildungsbetrieb verkommen lassen, leider auch nicht.
    Die sogenannten Schulversager eignen sich meist nur für „Rustikale/Robuste Verwendungsreihen“. Der Anteil der daraus entstehenden Cyber Warrior (nicht worrier) oder Avioniker dürfte eher gering sein…
    Da kann man aber gerne geteilter Meinnung sein.

  • Koffer   |   23. Mai 2017 - 21:19

    @Till | 23. Mai 2017 – 19:54
    „Doch, die Bundeswehr muss als attraktiver Arbeitgeber werben. Bei niedriger Arbeitslosigkeit reicht nämlich Idealismus nicht aus.“

    Die Frage ist doch, ob man „attraktiv“ wird in dem man sich selbst als etwas verkauft, was man nicht ist oder ob man nicht vielleicht selbstbewusst dazu steht, was man ist und dort verbessert, wo es auch zielführend ist…

    Die Frage ist auch, ob man, selbst wenn diese „Verschleierungstaktik“ funktionieren würde, dann eine Armee hätte, die ihren Auftrag tatsächlich erfüllen kann.

    „Alternativ kann man auf die nächste Rezension warten.“

    Der ist nicht schlecht ROTFL

  • Thomas Melber   |   23. Mai 2017 - 21:21

    @0815
    Infanteristen und Sicherungssoldaten werden immer gebraucht. Daneben könnte man auch überlegen UniBw-Studienabbrechern doch noch den Weg zum BS zu ebnen.

  • Insider   |   23. Mai 2017 - 22:42

    @Till
    Wer soll denn die Schulversager in die Spur bringen? Wobei man erst einmal den „Schulversager“ genauer definieren sollte.
    Ist es der, dem das theoretische Lernen nicht liegt und der seine Stärken in der praktischen Arbeit hat oder sind es die oberfaulen Flitzpiepen, bei denen bisher jegliche Erziehung versagt hat?
    Der erste ist sicherlich die Ausnahme und er darf gerne zur Bundeswehr kommen. Die anderen können gerne wegbleiben, denn die erziehen wir auch nicht mehr. Die sind nämlich, nach dem zweiten Tag früh aufstehen, schon wieder weg.

    Ein attraktiver Arbeitgeber zeichnet sich für mich u.a. durch zufriedene Mitarbeiter, gute Aussendarstellung, eine funktionierendes Teamwork und ein anerkanntes, hochwertiges Produkt aus und nicht durch die öffentliche Kommunikation von Führungs- und Haltungsproblemen, die Durchsuchung aller Dienstzimmer wegen pauschalem Verdachts eines falschen Traditionsverständnisses, einem steigenden Aufkommen an Eingaben an den Wehrbeauftragten sowie Rüstungsprodukten die in der Zivilbevölkerung nur noch Kopfschütteln und Gelächter auslösen.

  • Hans Schommer   |   23. Mai 2017 - 23:00

    Wenn diese Bundeswehr eine Zukunft haben soll – im Sinne von „erfüllt die ihr zugedachten und zugewiesenen Aufgaben“, muss bedeutend mehr Geld in die Hand genommen werden. Und dabei denk ich nicht nur an die Ausrüstung. Für die Soldaten muss eine neue Besoldungsordnung her – mit allen dazu gehörenden Peripheriebestimmungen. Ziel: Attraktivitätssteigerung durch bessere Bezahlung, ohne in eine Dienstgradinflation rutschen zu müssen.
    Dann löst sich auch das Nachwuchsproblem. Und nur mal am Rande: Mir wäre es völlig Wurst, ob der Schütze A…. im dritten Glied Demokrat oder Anarchist ist. Hauptsache, er erfüllt seinen Auftrag.
    Hans Schommer

  • gast   |   24. Mai 2017 - 0:45

    Liebe Forumsteilnehmer,

    jetzt lese ich schon eine ganze weile quer beet mit. Zunächst einmal möchte ich die grundsätzlich hohe qualität und das unvergleichbare diskussionsniveau loben.

    Nachdem ich das glück hatte, der bw kurzfristig den rücken zukehren zu dürfen, interessiere ich mich trotzalledem weiter für die derzeitigen (teilweise wirklich spannenden entwickliungen und diskussionen). Erschreckend finde ich aber auch, mit welchem tempo scheinbar alles gen abgrund rast. ich selber entsamme dem sanitätsdienstdienst. hier weiß ich ziemlich genau welche realitäten seit jahren existieren, wie diese verleugnet oder schöngerechnet/-redet werden. Tatsache ist, dass die Sanitätsdienstliche maxime seit jahren nicht mehr den putz in der sanak wert ist, auf dem sie zur schau gestellt wird. vielmehr befinden wir uns bereits jenseits der mangelverwaltung. hier geht es inzwischen um das abwenden von schaden am einzelnen soldaten. gemeldet wurde dies mehrfach. lösungsansätze werden stoisch in regelmässigen abständen gemeldet. aber wenn weiterhin im personalamt von ungelernten (ärzten) personalverwaltung statt personalentwicklung auch bei hochwertpersonal wie sanoffz betrieben wird und hier insbesondere die attraktivität der marke bundeswehr nicht nur nicht gelebt sondern bestenfalls negiert wird, braucht man sich nicht zu wundern, dass das ärztliche personal scharenweise den (nicht nur derzeit) attraktivieren zivilen arbeitsmarkt bereichert. so werden wir dann im sanitätsdienst wohl irgendwann (in naher zukunft) nur noch medizin auf niedrigem niveau anbieten können. Das wiederum gibt der „kämpfenden truppe“ insbesondere in herausfordernden einsätzen ein äußerst beruhigendes gefühl und stärkt hier nochmals die attraktivität von auslandseinsätzen nachhaltig.

    ich bin gespannt ….

  • klabautermann   |   24. Mai 2017 - 5:39

    Schon einmal darüber nachgedacht, das die „deutsche Gesellschaft“ mit der Wiedervereinigung wohl intuitiv ein mehrheitliches „Bewußtsein“ entwickelt hat, dass sie nun endlich im postheroischen UND postideologischen Zeitalter angekommen ist. Die überwiegende Masse der alten, aber auch der jüngeren und jungen Deutschen hat einfach keinen „Bock“ nehr darauf als Versuchskaninchen in dem Gesellschaft-/Staatstheoretischen Streit zwischen der praktischen politischen Anwendung der Theorien eines John Locke einerseits und denen eines Carl Schmitt andererseits schlicht und einfach „verbraten“ zu werden, so wie das ihren Vorfahren im Zeitraum 1848 und 1948 ergangen ist und dessen Konservierung erst 1990 aufgehoben wurde.. Die wollen keinen rückwärtsorientierten konservativen/liberalen oder neo-konservativ/liberalen (amerikanischen) Pragmatismus, sondern einen zukunftsorientierten neo-liberalen deutschen Pragmatismus, in dem nicht nur „die (globalisierten) Märkte“ sondern auch sie selbst als mehrwertschaffender deutscher Bürger von der Politik wahr und ernst genommen werden. Teil dieses Bewußtseins ist wohl auch die Erkenntnis, dass Krisen und Konflikte (egal ob im Inneren oder Äußeren) – on the long run – nicht mit Gewalt – auch nicht kontrolliertrer militärischer Gewalt – zu lösen sind. Der historische Formelkompromiss Bundesrepublik Deutschland hat sich in der Tat als erfolgreiches „Unternehmensmodell“ erwiesen und nun kann dieses Modell eben auch im Bereich BW auf bestimmte ideologisch/ökonomische Altlasten verzichten, die man so gerne als gute Tradition oder „Erprobt“ politisch vermarktet. Von daher ist der neo-tayloristische Führungs-Ansatz von UvdL ein sowohl zukunftsorientierter, als auch ein pragmatischer. Sie müßte ihn nur auf deutsch vermittlen und nicht mit diesem Management-Speak – denn dann kommen gerade bei den „Traditionalisten“ immer diese Wahrnehmungs-Reflexe des kulturell-intellektuellen Antiamerikanismus hoch wie er zu Beginn des letzten Jahrhunderts im gut- und bildungsbürgerlichen deutschen Sprachraum gepflegt wurde. Also, streiche „Diversity“, setze „Vielfalt“ ;-)

  • Sailor   |   24. Mai 2017 - 7:55

    Bezüglich der „Schulversager“, im Grunde genommen ist das Werkzeug ja schon da, nämlich der Berufsförderungsdienst.

    Nur sollte man sich halt überlegen, ob man die Förderungsschwelle nicht ein wenig absenkt, derzeit hat man ja erst ab einer Verpflichtungszeit von 4 Jahren oder mehr wirklich Anspruch auf Förderung, warum gibt man einem SaZ 2 (Den man ja aufgrund der Mission 170 000+ gerade erst wieder als eines der vielen vermeintlichen Allheilmittel zur Erlangung des Ziels eingeführt hat…) nicht auch schon diverse Ansprüche?

    Das wäre doch ein Angebot, verpflichte dich bei uns für 2 od. 3 Jahre, (natürlich vorausgesetzt dass der Einstellungstest bestanden wird!) und im Anschluss kannst du auf Kosten der Bundeswehr den Abschluss der Mittelschule, Realschule oder je nach Vorbildung auch das Fach-/Abitur bei uns machen. Eröffnet dem ein oder anderen dann als möglicher Wiedereinsteller neue Laufbahnmöglichkeiten oder aber der zivilen Wirtschaft ggf. die zukünftigen Azubis/Studenten, die nebenbei ggf. auch ein wenig Lebenserfahrung gesammelt haben.

    Zudem müsste der ein oder andere BfD-Berater vielleicht auch mal aus seiner „Beamten-Verwaltungsmentalität“ raus…

  • Wa-Ge   |   24. Mai 2017 - 8:26

    @Thomas Melber | 23. Mai 2017 – 21:21

    „Daneben könnte man auch überlegen UniBw-Studienabbrechern doch noch den Weg zum BS zu ebnen.“

    Bitte bloß nicht, das akademisch vermittelte Wissen im Studium ist für den Dienst vielleicht nicht 100% zu nutzen, aber die Zeit als Student an den UniBws ist es. Selbstorganisation, ein gewisses Maß an Disziplin und der Umgang mit Stress in der Studienzeit sind ein guter Indikator ob die Person auch in der Lage ist schwierigere Aufträge über einen längeren Zeitraum (Studiumdauer 4 Jahre) zu leisten.

    Tut mir Leid, wer da schon versagt (und ich meine damit nicht die Offiziere die Ihr Studium wechseln) dessen Eignung für die spätere Dienstzeit ist mehr als fraglich. Die dafür vorgesehenen Plätze können und werden sehr gut durch Kameraden ohne Studium bzw. OffzMilFd besetzt, die nicht das Handtuch schmeissen nur weil es zu schwer wurde.

  • Wa-Ge   |   24. Mai 2017 - 8:39

    @klabautermann | 24. Mai 2017 – 5:39

    Sie haben mit Ihrer Aussage vermutlich sehr viel Wahres getroffen, eine Frage bleibt aber unbeantwortet:

    Was interessiert die Welt was die deutsche Gesellschaft denkt?
    Äußere Sicherheit endet bekanntlich nicht an der Staatsgrenze und im Jahre 2017 nicht mal an den Randzonen Europas. Solange fast drei Mrd. Chinesen und Inder eine andere Sicht bezüglich einer optimalen Gesellschaft haben können wir in Deutschland soviel Freiheit leben wie wir wollen, wenn es diesen und anderen Gesellschaften nicht mehr oportun erscheint uns mit günstigen Waren und Rohstoffen zu versorgen oder diese kippen sollten und ihr Heil in einer Expansion suchen sollten will ich sehen wieviel Effekt Ostermärsche beim Lösen einer solchen Kriese haben werden.

    Ich gebe Ihnen Recht Ziel unserer Gesellschaft sollte eine friedliche Weltordnung sein in der alle miteinander auskommen, nichtsdestotrotz wäre es auch die Pflicht unserer Gesellschaft „Versicherungen“ für den Fall des Falles zu haben. Und die Politik sollte die Pflicht haben Ihre Bürger für die Notwendigkeit dieser „Versicherungen“ zu sensibilisieren.

  • Hubi   |   24. Mai 2017 - 8:52

    Für mich sind der Begriff „Schulversager“ und hier nachzulesende Kommentare bereits unter der Gürtellinie. Ausgrenzung aus der Gesellschaft! Scxhlimmer geht es nicht.
    Wenn die Bw Teil und Abbild der Gesellschaft sein soll, dann gehören ALLE dazu. Und es ist daher vollkommen richtig, dass die Bw eben nicht eine elitäre Armee ist, sondern ALLEN im Rahmen ihrer Möglichkeiten Chancen bietet. Und das sollte nicht auf Wach- und Sicherungssoldaten heruntergebrochen werden!

    Ich selbst habe schon genug Soldaten gesprochen, denen sich mit der Bw Chgancen und tatsächliche Weiterkommensmöglichkeiten geboten haben. Eine Verallgemeinerung, dass nichts passiert, nichts angepasst wird, stimmt so nicht.

    Verbesserungswürdig ist aber alles.

    Als Arbeitgeber muss die Bw auf Erfüllung ihrer Aufgabe achten. Da nutzen gesellschaftlicher und sozialer Wandel in vielen Bereichen gar nichts. Teilzeit- und Telearbeit gehen nun mal nicht überall. Und es gibt Telearbeitsplätze – dort, wo es möglich ist. Die Vorgaben der Arbeitszeitregelung z.B. haben auch hier einen Aufschrei verursacht. Der ist aber m.E. darin begründet, dass die Rahmendedingungen nicht vorher geschaffen wurden.

  • klabautermann   |   24. Mai 2017 - 9:55

    @Wa-Ge

    „Was interessiert die Welt was die deutsche Gesellschaft denkt?“
    Nun, der „Welt“ mag das wohl egal sein, den Siegermächten des WK II allerdings nicht.
    „Vor der Wiederbewaffnung standen das Ende des NS-Regimes und die totale Kapitulation der Wehrmacht im Mai 1945. Diese Umstände hatten gewichtige Auswirkungen für die Wiederbewaffnung und die spätere Bundeswehr. Denn die Festlegung der obersten Ziele der alliierten Politik nach dem Weltkrieg erfolgte nach den historischen Erfahrungen – eine Lehre aus der Geschichte. Aus Sicht der Alliierten lag eine Ursache der europäischen Kriege des vergangenen Jahrhunderts im preußisch-deutschen Militarismus. Die vier großen Alliierten des Krieges – die USA, die Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich – waren sich zuletzt auf der Potsdamer Konferenz im August 1945 einig darin, für die Zukunft eine „Bedrohung des Weltfriedens“ durch Deutschland zu verhindern und „Nazismus und Militarismus in jeder Form“ auszuschalten. Das bedeutete Entmilitarisierung und die Kontrolle der deutschen Politik. Ein Vier-Mächte-Regime wurde über Deutschland errichtet, das die Verantwortung für die Einhaltung dieser Ziele garantieren sollte. “
    http://www.bpb.de/politik/grundfragen/deutsche-verteidigungspolitik/199276/wiederbewaffnung
    Ich habe ja in einem Kommentar einmal die strategische Einhegung der deutschen Politik und über die deutsche Politik die Einhegung der deutschen Zivilgesellschaft mittels GG plus NATO-Vertrag plus 2+4 Vertrag angesprochen, denn das Interesse der 4 Siegermächte eine Militarisierung der deutschen Gesellschaft und Re-Militarisierung der deutschen Außenpolitik ist nach wie vor gültig. Und nach der Wiedervereinigung ist nun wirklich der Zeitpunkt gekommen, dass wir führungskulturell nicht nur von den Bildern der alten Wehrmacht, sondern auch von den Bildern der „neuen, sauberen Wehrmacht“ verabschieden sollten, die Adenauer zum Aufbau insbesondere des Massenheeres der BW noch dringend benötigte. Schon die Reformpolitik der Aera Brand brachte u.a. auch gesellschaftspolitische Richtungsänderungen mit sich, die schon damals starke Auswirkungen auf die BW hatten. Ich bin nun 71 als W18 zum Heer eingezogen worden und schon damals empfand ich den einen oder anderen Traditionszopf der „neuen Wehrmacht“ aka deutsches Feldheer als obsolet, um es millde zu formulieren. Wie muß das ein „Freiwilliger“ im Jahre 2017 empfinden, wenn er diese Traditionszopfnostalgie der großkoalitionären Altherrenriege immer noch im Dienst erleben muß. Er wrd das ganz sicherlich nicht als „attraktiv“ empfinden und ein weiblicher oder homosexueller „Freiwillige_r“ schon erst recht nicht.
    Und was die Bedrohung anbelangt: in den 60ern standen an der innerdeutschen Grenze der Warschauer Pakt mit der Lead Nation Sowjetunion der NATO gegenüber, und an vorderster Front blickten sich deutsche Soldaten über Kimme und Korn ins Auge Heute steht der gewachsenen NATO gerade einmal Rußland „gegenüber“, das sich mit einer geradezu unglaublichen militärischen „Aggressivität“ einem weiteren geopolitischen und geostragischen land-locking wiedersetzt aka „den Bären in seiner Höhle einsperren“. Und von daher glaube ich nicht, dass man der deutschen Gesellschaft die Notwendigkeit für einer erneuten „Landesverteidigungs-Rück-Versicherung“ gegen Rußland „verkaufen“ kann.

  • Koffer   |   24. Mai 2017 - 9:56

    @Hubi | 24. Mai 2017 – 8:52
    „Für mich sind der Begriff „Schulversager“ und hier nachzulesende Kommentare bereits unter der Gürtellinie.“

    Absolute Zustimmung.

    Zum einen empfinde ich die negative Konnotation als ärgerlich und zum anderen ist doch gerade die Bundeswehr ein perfektes „Instrument“ der Gesellschaft um einen gesellschaftlichen „Schichtenaufstieg“ nur durch eigenen Fleiß und eigene Leistung zu ermöglichen…

    Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob wir wirklich ausreichend promovierte Rakentewissenschaftler als MG2 mit A3 gewinnen können ;)

    @Wa-Ge | 24. Mai 2017 – 8:26
    „Tut mir Leid, wer da schon versagt (und ich meine damit nicht die Offiziere die Ihr Studium wechseln) dessen Eignung für die spätere Dienstzeit ist mehr als fraglich. Die dafür vorgesehenen Plätze können und werden sehr gut durch Kameraden ohne Studium bzw. OffzMilFd besetzt, die nicht das Handtuch schmeissen nur weil es zu schwer wurde.“

    Hier kann ich nicht ganz zustimmen. Durch eine Bewährungszeit in der Truppe kann man sich den Kandidaten doch anschauen uns sehen, ob man ihn brauchen kann :)

    Ärgerlich ist hierbei nur der während der Unizeit an den Kandidaten „verschenkte“ Dienstgrad :( Aber das könnte man ja (wenn man wollte) lösen…

  • Koffer   |   24. Mai 2017 - 10:33

    @klabautermann | 24. Mai 2017 – 9:55
    „Ich bin nun 71 als W18 zum Heer eingezogen worden und schon damals empfand ich den einen oder anderen Traditionszopf der „neuen Wehrmacht“ aka deutsches Feldheer als obsolet, um es millde zu formulieren. Wie muß das ein „Freiwilliger“ im Jahre 2017 empfinden, wenn er diese Traditionszopfnostalgie der großkoalitionären Altherrenriege immer noch im Dienst erleben muß.“

    Das interessante ist doch, das es im Jahre 1971 vielleicht noch so von „oben“ vorgegeben war. Heute aber von „unten“ freiwillig so gelebt wird (denn die Führung und Leitung hat es ja offensichtlich – zumindest wenn man den Worten von IBuK und Generalität der letzten Wochen glauben kann – weder gewollt noch gewusst).

    Vielleicht ist „attraktiv“ für den Freiwilligen des Jahres 2017 etwas anders als für Sie als Wehrpflichtige des Jahres 1971 ;)

    Gerade wenn es um externe Nachwuchsgewinnung und interne Bindewirkung geht, kommt der „Glaubwürdigkeit“ des vertretenen Berufsbildes eine große Bedeutung zu. Wenn man sich zu etwas macht, was man nicht ist (oder was einem nicht geglaubt wird), dann bekommt man einfach keinen Nachwuchs… zumindest nicht den Nachwuchs den man benötigt („cultural fit“ nennt sich das in der Nachwuchswerbungsfachsprache ;) ).

  • klabautermann   |   25. Mai 2017 - 6:06

    @Koffer

    „……….. zumindest nicht den Nachwuchs den man benötigt („cultural fit“ nennt sich das in der Nachwuchswerbungsfachsprache ;) ).“

    Tja, das Heer als kulturelle Zeitkapsel zur Konservierung der „Traditionen“ der „neuen Wehrmacht“ ist ganz bestimmt ein zukunftsorientiertes Nachwuchswerbungslonzept/ironic.
    Leider hat sich der gesellschaftspolitische und der rechtliche Rahmen für die BW seit 1969 fundamental verändert, um nur einige Stichworte zu nennen: Gleichberechtigung, Homosexualität und natürlich der ganze Zivildienst-/Wehrpflichtkomplex.
    Glauben sie wirklich, dass man auf Dauer diese Zeitkapsel wirklich gegen die heutige FDGO quasi „verteidigen“ kann unter Berufung auf „Traditionen“, die Lichtjahre von der „cultural bandwidth“ der Generation Y und Z entfernt sind ? Das klingt mir verdächtig nach – bitte nicht persönlich nehmen – Insubordination gegen den Primat der Politik.
    Regeneration durch Selektion mittels Mobbing bis in die Grenzbereiche des Straf- und des Disziplinarechtes ? Rebellion der „Free (Rifle)Men“ ? John Locke 2.0.
    Vielleicht sollte in die WDO ein Paragraph aufgenommen werden, der sich an dem Gesetz gegen Staatsverweigerer in Österreich orientiert (https://www.heise.de/tp/features/Oesterreich-Neues-Gesetz-gegen-Staatsverweigerer-3723739.html)
    ;-)

  • Koffer   |   25. Mai 2017 - 9:37

    @klabautermann | 25. Mai 2017 – 6:06
    „Tja, das Heer als kulturelle Zeitkapsel zur Konservierung der „Traditionen“ der „neuen Wehrmacht“ ist ganz bestimmt ein zukunftsorientiertes Nachwuchswerbungslonzept/ironic.“

    Wenn das so wäre, dann hätten Sie mit Ihre Kritik recht.

    Aber die aktuellen „Funde“ etc. sind ja fast alles neue (die Uffz-Keller sind ja bereits bei zweimal in den letzten 20 Jahren „gesäubert“ worden), von daher kann es ja keine Überlieferung der Altvorderen sein, sondern muss (auch) von den Neuen kommen.

    Das ist mein Punkt: Sie nehmen an, dass die aktuelle Situation den Neuen von den Alten aufgezwungen wird und sehen deswegen ein Problem der Nachwuchsgewinnung.

    Ich habe das in meiner Dienstzeit weder so kennen gelernt, noch kann ich es mir vorstellen.

    Es ist ja gerade so, dass die Kampftruppe (wo es nach Ihrer Bewertung ja besonders „rückschrittlich“ zugeht) keine Probleme mit Nachwuchs hat.

    Von daher sehe ich eine ausgeprägte und nicht nur auf die letzten 60 Jahre beschränkte (aber gleichwohl differenzierte und geschichtsbewußte) Traditionspflegen nicht als Hinderungsgrund für die Nachwuchsgewinnung, sondern sogar als Pluspunkt.

    Wer sich zu etwas macht, was er nicht ist, bekommt entweder keinen Nachwuchs oder den Falschen.

    Wer aber zu dem steht was er ist und dies positiv „vermarktet“, der bekommt mehr Nachwuchs und vor allem den richtigen Nachwuchs.

    „Leider hat sich der gesellschaftspolitische und der rechtliche Rahmen für die BW seit 1969 fundamental verändert, um nur einige Stichworte zu nennen: Gleichberechtigung, Homosexualität“

    Das „leider“ teile ich hier nicht, aber inhaltlich gebe ich Ihnen recht. Aber das ist weder für die Traditionspflege noch für die Nachwuchsgewinnung ein Problem.

    Gerade die Jungen kümmern sich nach meiner Wahrnehmung um diese angeblichen „Probleme“ wenig. Als die IBuK im Januar ihre Schauveranstaltung gemacht hat, haben sich große Teile der Truppe nur gefragt warum man über solche Selbstverständlichkeiten noch so ein Aufheben machen muss.

    „Glauben sie wirklich, dass man auf Dauer diese Zeitkapsel wirklich gegen die heutige FDGO quasi „verteidigen“ kann“

    Nope. Das glaube ich nicht. Ich weiß auch nicht, wie sie auf diese abwegige Vorstellung kommen…

  • klabautermann   |   25. Mai 2017 - 10:04

    @Koffer
    „Wer aber zu dem steht was er ist und dies positiv „vermarktet“, der bekommt mehr Nachwuchs und vor allem den richtigen Nachwuchs.“ Dachte ich mir doch: John Locke 2.0 mit einer Prise Carl Schmitt (Richtig/Falsch, Legal/Legitim,Freund/Feind) mit seiner binären Dialektik. Innere Führung im Kopfstand ;-)

  • Koffer   |   25. Mai 2017 - 10:44

    @klabautermann | 25. Mai 2017 – 10:04
    „Dachte ich mir doch: John Locke 2.0 mit einer Prise Carl Schmitt (Richtig/Falsch, Legal/Legitim,Freund/Feind) mit seiner binären Dialektik.“

    Auch wenn ich mich weder mit dem einen noch mit dem anderen (Locke/Schmitt) umfänglich identifizieren kann, so ist das jetzt die schlechteste Kombination von staats- und Rechtsphilosophie, wenn man jetzt noch eine Tugendenlehre à la Joseph Piper und Handlungsethik nach Max Weber hinzunimmt, dann kann man da glaube ich wenig gegen sagen ;)

    Aber was hat das jetzt mit Nachwuchsgewinnung zu tun?

    „Innere Führung im Kopfstand ;-)“

    Ach, ach, ach :(

    Mussten Sie da schon wieder die Keule rausholen?! Was hat denn das eine jetzt mit dem anderen zu tun?

    Innere Führung fordert doch gerade von Soldaten mit einem festen moralischen Fundament zu arbeiten und sich nicht als willenloses Instrument mißbrauchen zu lassen. Warum ist dann alles schlecht, was nicht IHRE Meinung ist?!

  • T.Wiegold   |   25. Mai 2017 - 10:49

    Die Herren sind vom Thema des Threads doch ziemlich abgekommen. Habt ihr eure jeweiligen Mailadressen, oder soll ich beim Austausch behilflich sein?

  • JPG   |   25. Mai 2017 - 12:47

    @T.Wiegold | 25. Mai 2017 – 10:49

    Ich finde gar nicht, dass die Herren weit vom Thema des Threads abgekommen sind. Die Auseinandersetzung der beiden ist doch symptomatisch für das Dilemma der Streitkräfte: vor allem pluralistisch denkend, modern und progressiv handelnde Soldaten sehen sich Ewiggestrigen gegenüber, die sich gegen jede Kritik durch einen Verweis auf eine angebliche sui generis Einzigartigkeit des Militärischen immunisieren und so ihr eigenes ideologisches, tief im Dunkel des deutschen Militarismus verankertes Selbstbild nähren. Dass solche Reibereien Einfluss auf die Nachwuchsgewinnung haben, erklärt sich von selbst. Dass junge Menschen mit Ambitionen und Idealismus vor dem Eintritt in eine solche Institution zurückschrecken, und so das Ziel einer Personalstärke von 185.000 unerreichbar bleibt, ebenfalls.

    @klabautermann | 25. Mai 2017 – 10:04
    „Wer aber zu dem steht was er ist und dies positiv ‚vermarktet'“…
    John Locke, mit einer Prise Carl Schmitt, ganz recht! Ich sehe hier noch eine gehörige Portion Karl Marx: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ Insofern ist der Sinnspruch „Innere Führung im Kopfstand“ mehr als berechtigt.

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