Personalstärke zum Jahresende 2019: Jetzt mehr als 183.000 (Korrektur mit neuer Heeres-Stärke)

Das Verteidigungsministerium hat das Zahlenwerk zur militärischen Personalstärke im Dezember 2019 überarbeitet (unauffällig und ohne Hinweis auf der Webseite…): Die Zahl der Heeressoldaten liegt nicht bei 66.555, sondern bei 63.555, jetzt stimmt auch die Addition der Gesamtzahlen: Die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr ist zum Ende des vergangenen Jahres erneut leicht angestiegen und hat die Marke von 183.000 – wie geplant – überschritten. Insgesamt stieg die Zahl auf 183.667 und lag damit um 688 Soldatinnen und Soldaten über der vom November 2019.

Der moderate Anstieg ereignete sich in allen Statusgruppen, vergleichsweise am stärksten stiegen aber die Zahlen der Berufssoldaten und der Freiwillig Wehrdienst Leistenden (FWDL).

Die am (heutigen) Montag veröffentlichten korrigierten Zahlen für Dezember 2019, wie üblich unter dem immer gleichen Link* eingestellt:

Insgesamt leisten rund 183.667 Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst bei der Bundeswehr

Bundesministerium der Verteidigung 1.123
unmittelbar nachgeordnete Dienststellen 3.203

Streitkräftebasis 27.825

Zentraler Sanitätsdienst 19.882

Heer 63.555 (nicht 66.555)

Luftwaffe 27.535

Marine 16.516

Cyber- und Informationsraum 13.370

Bereich Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen 972

Bereich Ausrüstung, Informationstechnik, Nutzung 1.647

Bereich Personal 8.039
davon bis zu 5.400 Studierende an Bundeswehr-Universitäten

53.965 Berufssoldaten
121.365 Zeitsoldaten
8.337 Freiwillig Wehrdienstleistende

Die Zahl der Frauen in den Streitkräften:

22.594 Soldatinnen sind aktuell bei der Bundeswehr; rund 12 Prozent (beträgt der) Anteil der Soldatinnen bei der Bundeswehr

Heer 4.390
Luftwaffe 2.331
Marine 1.634
Streitkräftebasis 2.903
Sanitätsdienst 8.098
Cyber- und Informationsraum 1.268
Ministerium und andere Bereiche 1.970

Laufbahngruppe/Laufbahnen (auch Anwärterinnen)
Offizierinnen 5.854
Unteroffizierinnen mit Portepee 7.950
Unteroffizierinnen ohne Portepee 3.509
Mannschaften 5.281

Status
Berufssoldatin 3.618
Zeitsoldatin 17.429
Freiwillig Wehrdienstleistende 1.547

Die gesonderte Statistik zu den Zivilbeschäftigten (allerdings ohne die frühere Aufschlüsselung nach dem jeweiligen Status):

Beschäftigt sind 81.535 Zivilistinnen und Zivilisten. Sie verteilen sich wie folgt:

Bundesministerium der Verteidigung: 1.582
Bundeswehrverwaltung, Rechtspflege, Militärseelsorge und weitere, dem zivilen Bereich zuzurechnende Dienststellen: 56.518
Streitkräfte und dem militärischen Bereich zuzurechnende Dienststellen: 23.435

Von den 81.535 Zivilbeschäftigten sind 30.629 weiblich. Das entspricht rund 38 Prozent.

Die Angabe zur Monats-Personalstärke der Auslandseinsätze (ohne die, wie sie jetzt heißen, anerkannten Missionen wie die NATO-Battlegroup in Litauen):

Einsatz Einsatzgebiet Stärke davon Frauen davon Reservisten davon FDWL
Resolute Support Afghanistan 1.289 101 87 1
KFORKosovo Force Kosovo 69 7 7 0
UNMISSUnited Nations Mission in South Sudan Südsudan 14 0 0 0
UNAMIDNations-African Union Hybrid Mission in Darfur Sudan 3 1 0 0
UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon Libanon 125 12 7 2
EUTMEuropean Union Training Mission Mali Mali 153 20 20 0
MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali Mali 903 72 43 2
Atalanta Horn von Afrika 24 2 7 0
Sea Guardian Mittelmeer 237 24 3 17
Anti-IS„Islamischer Staat“-Einsatz/Fähigkeitsaufbau Irak Syrien/Irak 406 39 25 1

Weitere Missionen/Unterstützungsleistungen

Einsatz/Mission Einsatzgebiet Stärke
STRATAIRMEDEVACStrategic Air Medical Evacuation Deutschland 48
MINURSOThe United Nations Mission for the Referendum in Western Sahara Westsahara 2
UNMHA Jemen 1

(Stand aller Angaben: Dezember 2019)

*Der dauerhafte archive.org-Link zu der Webseite mit diesen Angaben:
https://web.archive.org/web/20200127131856/https://www.bundeswehr.de/de/ueber-die-bundeswehr/zahlen-daten-fakten/personalzahlen-bundeswehr

Der Service von Augen geradeaus!, die Vergleichszahlen (die der Zivilbeschäftigten ab Mai 2019; die der Auslandseinsätze ab November 2019):

November 2019
Oktober 2019
September 2019
August 2019
Juli 2019
Juni 2019
Mai 2019
April 2019
März 2019
Februar 2019
Januar 2019
Dezember 2018
November 2018
Oktober 2018
September 2018
August 2018
Juli 2018
Juni 2018
Mai 2018
April 2018
März 2018
Februar 2018
Januar 2018
Dezember 2017
November 2017
Oktober 2017
September 2017
August 2017
Juli 2017
Juni 2017
Mai 2017
April 2017
März 2017
Februar 2017
Januar 2017
Dezember 2016
November 2016
Oktober 2016
September 2016
August 2016
Juli 2016
Juni 2016
Mai 2016
April 2016
März 2016
Februar 2016
Januar 2016
Januar 2013 bis Dezember 2015

(Archivbild November 2019: Angehende Fernspäher sichern die Umgebung im Technologiestützpunkt Tarnen und Täuschen auf dem Truppenübungsplatz Storkow – Jana Neumann/Bundeswehr)

42 Gedanken zu „Personalstärke zum Jahresende 2019: Jetzt mehr als 183.000 (Korrektur mit neuer Heeres-Stärke)

  1. Dann ist meine These, dass der Personalaufwuchs seit 2016 nur dem Heer zu gute kommt falsch und beruhte nur auf den falschen zahlen. Denn wenn es nur 63.000 Soldaten beim Heer sind, statt 66.000, dann geht nur die Hälfte des aufwuchs es auf das Konto vom Heer und der Rest verteilt sich auf die anderen Teilstreitkräfte.

    Schade, dass die Bw den Rechenfehler nicht klar zugibt. Merke, man darf die Bw Zahlen nicht mehr glauben, ohne diese nachzurechnen.

  2. @Closius sagt:27.01.2020 um 13:04 Uhr

    So ein Rechenfehler ist doch super. Man legt das der Ministerin vor und schon bekommt ein Fleißbienchen./sarc

    @ThoDan

    Zu Ihrer Frage, warum nicht alle BS werden wollen nur eine Gegenfrage als Denkanstoß. Möchten Sie in einer Firma arbeiten, in der ein Großteil der Maschinen und des Fuhrparks nicht funktioniert und Sie ständig improvisieren müssen? Oder sich anders die Zeit vertreiben?
    Ich nicht, das erinnert mich an die VEBs zu DDR-Zeiten, wenn Material alle, dann Material alle – Pause. Und auch dort wurde grundsätzlich Planerfüllung gemeldet. Anscheinend ist bei einigen SaZ 13+ die Grenze der Leidensfähigkeit erreicht, wenn die Zeit zur Antragstellung zur Übernahme als BS ansteht.

    Der Rückschluss, mangelndes und schlechtes Material = mangelnde oder schlechte Bewerber, wird anscheinend nicht gezogen oder geflissentlich übersehen. Das verstärkt die sowieso schon vorhandenen demografischen Probleme zusätzlich.

  3. @Closius
    Statt endlich zuzugeben, dass die „Trendwende“ Personal nicht wirklich greift, werden eben „alternative“ Zahlen produziert und schon sieht die Lage besser aus,als sie tatsächlich ist.
    Wenn man diese Schönfärberei dann immer wieder kritisch kommentiert wird man schnell als Querulant oder gar Rechtspopulist abgestempelt.
    Die Demographie in Deutschland sowie die veränderten Präferenzen junger Menschen bei der Berufswahl verhindern, dass die Bw die angestrebte Sollstärke jemals wird „freiwillig“ erreichen können. Erst eine deutliche Verschlechterung der Bedrohungslage UND die Wiedereinführung einer Wehr- oder Dienstpflicht können bewirken, dass die vielen zusätzlichen auf dem Papier geschaffenen Stellen auch wirklich mit (dann hoffentlich auch geeigneten) jungen Menschen besetzt werden.
    Bin gespannt wann man sich offiziell von den derzeitigen Luftbuchungen verabschiedet.

  4. Bei der BS-Frage spielt sicherlich auch teilweise das starre (Beurteilungs-)System Bw mit rein. Ist zumindest mein persönlicher Eindruck (Offz UTB H). Solange man primär in der Truppengattung (bzw. AVR) iVm den Vergleichsgruppen/Planzahlen die BS-Auswahl (oder auch Generalsstabausbildung) durchführt, fallen halt in der einen oder anderen AVR gute Leute raus, da es dort nur wenige BS-Plätze gibt, diese mind. eine 8,X brauchen, man aber aufgrund der Korridore nicht jeden guten Sdt auch so hoch beurteilen kann. In anderen AVR reicht dann wiederum eine 6,X weil es so wenig Interessenten gibt. Da ist die Variante mit der Potenzialfeststellung bei den Fw augenscheinlich objektiver. Truppengattungswechsel nach Abschluss der Ausbildung sind ja auch eher die Ausnahme.
    Und spätestens nach der zweiten Nichtberücksichtigung in der Auswahlkonferenz wird sich wohl fast jeder Offz primär Richtung ziviler Zukunft orientieren (müssen).
    Und bezüglich der drohenden „Vergreisung“ der Streitkräfte sollte man durchaus für die Zukunft auch andere Dienstzeitmodelle betrachten und untersuchen.

    [Oh weh, die Abkürzungen… Ob hier alle wissen, was Offz UTB H bedeutet? T.W.]

  5. @LLTr sagt: 27.01.2020 um 14:30 Uhr

    „Und bezüglich der drohenden „Vergreisung“ der Streitkräfte sollte man durchaus für die Zukunft auch andere Dienstzeitmodelle betrachten und untersuchen.“

    Sie haben recht. Allerdings ist dazu unser Beamtenrecht nicht flexibel genug. Ich erinnere nur an den BO41 für Strahlflugzeugführer, der in diesem Zuge als Ausnahmeregelung abgeschafft wurde.
    Es ist eben nicht attraktiv, SaZ 25 zu werden, dann mit Anfang bis Mitte 40 entlassen zu werden und die erworbenen Rentenansprüche werden bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) nachversichert. Da braucht es eben einen (abgespeckten) Pensionsanspruch, der eben dem Beamtenstatus auf Zeit entspricht, den man 25 Jahre hatte. Aber da müssten der Innen- und der Finanzminister mitspielen und das halte ich für unwahrscheinlich.
    Auch eine Verbeamtung auf Lebenszeit ist nicht die Lösung, nicht umsonst hat die Bundespolizei gerade wieder die Einstellungskriterien „angepasst“ und zwar nach unten. Es dürfen mehr Rechtschreibfehler gemacht werden und Sportlichkeit steht auch nicht mehr so im Fokus.
    Es ist eben schwierig, personell den gleichen Stand zu halten, wenn der Pool der Bewerber stetig kleiner wird.

  6. Ich muss kurz mal meinen Senf zur Anmerkung zur Potentialfeststellung dazu geben.

    Ich habe sowohl die alte als auch die neue Potentialfeststellung für Feldwebel durchlaufen. Meiner Meinung nach, ist die neue Potentialfeststellung noch weniger aussagekräftig als die alte. Vor wenigen Jahren wurde man am Rechner geprüft, machte mit anderen Teilnehmer eine Gruppenarbeit, hatte einen dreiminütigen Einzelvortrag und wurde dann noch von einem Offizier und einem Psychologen befragt. Man wurde von beiden durchgehend beurteilt und sie konnten sich ein umfassenderes Bild von jedem Soldaten machen. Damals habe ich die Eignung zum Berufssoldaten bekommen und wäre Mathe nicht so schlecht ausgefallen, hätte es vielleicht zum Offizier militärischer Fachdienst gereicht.

    Beim neuen Verfahren sind die Gruppenarbeit und der Einzelvortrag weggefallen. Das heißt, die beiden stützen sich jetzt nur noch auf die Prüfung am Rechner, den psychologischen Fragebogen und das Gespräch. Nach dem neuen System bin ich nicht mehr zum Berufssoldaten geeignet. Ich bin nicht der Meinung, dass ich schlechter geworden wäre, ganz im Gegenteil. Aber die Prüfung haben jetzt noch viel weniger an der Hand, um den Teilnehmer zu beurteilen.

    Um meine traurige Geschichte spanndend abzuschließen, möchte ich nur darauf hinweisen, dass die Potentialfeststellung kaum noch Aussagekraft hat.

  7. @Pio-Fritz sagt: 27.01.2020 um 14:00 Uhr
    „Zu Ihrer Frage, warum nicht alle BS werden wollen nur eine Gegenfrage als Denkanstoß. Möchten Sie in einer Firma arbeiten, in der ein Großteil der Maschinen und des Fuhrparks nicht funktioniert und Sie ständig improvisieren müssen?“

    Vergleichbare Nachwuchsproblem haben doch auch Polizeien, Zoll etc.

    Also bitte nicht alles schwarz zeichnen.

    Zudem ist bei sehr vielen Laufbahn/Verwendungen die Zahl des einsatzbereiten Großgeräts für die tägliche Dienstzufriedenheit eher nachrangig.

    @Lucky.Sailor sagt: 27.01.2020 um 14:05 Uhr
    „Statt endlich zuzugeben, dass die „Trendwende“ Personal nicht wirklich greift, werden eben „alternative“ Zahlen produziert und schon sieht die Lage besser aus,als sie tatsächlich ist.“

    Alternative Zahlen??? Ne is klar, weil das BMVg ja auch ganz offensichtlich bewusst seine Zahl um genau 3.000 manipuliert hat, dann auch noch einen Rechenfehler einbaut und es nach Ansprache postwendend korrigiert.

    Soviel zum Thema Verschwörungstheorie bzw. „alternative Zahlen“.

    @LLTr sagt: 27.01.2020 um 14:30 Uhr
    „Bei der BS-Frage spielt sicherlich auch teilweise das starre (Beurteilungs-)System Bw mit rein. Ist zumindest mein persönlicher Eindruck (Offz UTB H). Solange man primär in der Truppengattung (bzw. AVR) iVm den Vergleichsgruppen/Planzahlen die BS-Auswahl (oder auch Generalsstabausbildung) durchführt, fallen halt in der einen oder anderen AVR gute Leute raus, da es dort nur wenige BS-Plätze gibt, diese mind. eine 8,X brauchen, man aber aufgrund der Korridore nicht jeden guten Sdt auch so hoch beurteilen kann. In anderen AVR reicht dann wiederum eine 6,X weil es so wenig Interessenten gibt.“

    Sorry, aber genau so muss es sein. BS Übernahme sind kein Recht des Einzelnen, sondern erfolgen auf der Basis des Bedarfs. Wenn in einer TrGttg weniger Bedarf ist bzw. sich weniger (gute) bewerben, dann werden halt auch wenige bzw. nur bessere Kandidaten übernommen.

    Zudem geht die Personalführung das Thema schon seit Jahren (!) zielgerichtet und pragmatisch an.

    Wenn in einer TrGttg ein sehr guter Kandidat sich in einem engen Bewerberfeld nicht durchsetzen kann, wird er nicht selten gefragt, ob er in einer anderen TrGttg übernommen werden möchte.

    Wir brauchen nicht mehr Gleichmacherei, sondern weniger.

  8. @Koffer
    1. Schon bezeichnend, wie schnell man zum Schwarzmaler und Verschwörungstheoretiker abgestempelt wird, wenn man der Trendwende Personal nicht glaubt. Die Falschmeldung der aktuellen Heeresstärke war sicherlich nur der Fehler eines einzelnen und nicht systembedingt. Auch gibt es kein echtes Nachwuchsproblem für die Streitkräfte, ist alles nur herbeigeredet! (sarc off).
    2. Die Auswahl für die Generalstabsausbildung nach „Bedarf in den Truppengattungen“ ist doch keine „BESTENAUSLESE“ mehr, wie vom BAPersBw ständig propagiert, wenn besser bewertete Offiziere der „falschen“ Truppengattungen einfach hinten runterfallen. Bei der Marine war zur Zeit der Typflottillen genau dieses Proporzdenken auch bei der Auswahl zur Admiralstabsausbildung der Fall. Wie es heute mit nur noch 2 Einsatzflottillen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
    Zum Zeitpunkt der Auswahl haben die Kandidaten noch mindestens 30 Dienstjahre vor sich, da könnte und müsste man wirklich die „Besten“ ohne Rücksicht auf Truppengattungen oder AVRs für die Spitzendienstposten in den Streitkräften auswählen, wenn man den eigenen Ansprüchen gerecht werden will. Echte PERSONALENTWICKLUNG geht anders!

  9. @Koffer sagt: 27.01.2020 um 19:41 Uhr

    „Also bitte nicht alles schwarz zeichnen.
    Zudem ist bei sehr vielen Laufbahn/Verwendungen die Zahl des einsatzbereiten Großgeräts für die tägliche Dienstzufriedenheit eher nachrangig.“

    Hat man im Stab Dienstzufriedenheit? Vielleicht, wobei, Druckerpatronen sind immer ein Thema. Und Großgerät ist nicht entscheidend? Das erzählen Sie doch bitte den vielen Heeressoldaten, die tagtäglich irgendwie ihren Dienst verrichten, weil kein Großgerät für die Ausbildung zur Verfügung steht, weil es bei VJTF, in der Instandsetzung oder im Ausland ist. Oder den Eurofighterpiloten, die in den letzten Jahren gekündigt haben, weil keine Flugzeuge und damit Lehrgänge, Flugstunden etc. zur Verfügung standen. Das gleiche gilt für Hubschrauberpiloten, Schiffsbesatzungen usw. usw..
    So ein Problem wird doch nicht kleiner, nur weil andere staatliche Institutionen das auch haben. Wen soll das trösten? Der Soldat ist schließlich Soldat geworden, weil er zur Bundeswehr wollte. Ansonsten hätte er sich beim Zoll, Bundespolizei oder sonstwo beworben.
    Was erzählen Sie einem Z4 Marinemannschaftssoldaten, der nach seinem Eintritt und Ausbildung zwei Jahre Dockwache schiebt, weil das Schiff in der Werft liegt, und dann in den BfD geht und entlassen wird? Der macht bestimmt keine Werbung für die Bundeswehr und sieht seinen Sold als Schmerzensgeld.

    Das hat mit „schwarz zeichnen“ nichts zu tun, das ist einfach eine Beschreibung der Realität, die in der Generalität und dem Ministerium nicht wahrgenommen wird, weil sie ihnen dort gar nicht umfassend mitgeteilt wird. Etwas Hurrapatriotismus ist ja in Ordnung, damit man vernünftig durch den Tag kommt, man darf nur nicht in Traumwelten abgleiten.

  10. @ Lucky Sailor: Sie fahren hier ganz schön große Geschütze auf, von wegen „alternative Zahlen“.

    Mal ganz ehrlich, hier hat sich wahrscheinlich schlichtweg jemand in einer Spalte vertippt. Ockhams Rasiermesser und so. Zumal sich ja an den öffentlichkeitswirsamksten Zahlen- denen für die gesamte Bundeswehr- durch diesen Fehler genau gar nichts geändert hat.

  11. Zum Thema Polizei, Zoll und Bundespolizei haben auch Probleme Personal zu gewinnen.
    Ja aber da reagiert man zielgerichtet auf die Herausforderung.
    So haben mittlerweile fast alle Polizeien die freie Heilfürsorge wieder Eingeführt. Die Einstiegsämter wurden heraufgesetzt.
    Zoll stellt jetzt mit A7 an Land und A8 auf dem Wasser ein.
    Die Anwärterzeiten wurden wo möglich herabgesetzt. M-V bildet die Leute nur noch 1,5 Jahre aus wenn sie bei der BW Feldjäger waren. HH macht auch nur 1,5 wenn man mindestens SaZ5 war. Und die BPol stellt jetzt Seeleute für ihre Einsatzboote ein und lässt die nur 6 Monate durch die Ausbildung gehen obendrein auch als A8’er.
    Klar gibt es da nun auch Bestandskunden denen das Messer in der Tasche auf geht, aber diese Behörden schaffen bis jetzt auch alle Dienstposten zu besetzten die sie ausschreiben. Das ist der Unterschied.

  12. @ Lucky.Sailor sagt: 28.01.2020 um 8:37 Uhr
    „Schon bezeichnend, wie schnell man zum Schwarzmaler und Verschwörungstheoretiker abgestempelt wird“

    Sorry, aber wer ein offensichtlichen Tippfehler als den Versuch „alternative Fakten“ zu erzeugen abstempelt, muss sich mEn kritische Fragen gefallen lassen.

    „Die Auswahl für die Generalstabsausbildung nach „Bedarf in den Truppengattungen“ ist doch keine „BESTENAUSLESE“ mehr, wie vom BAPersBw ständig propagiert, wenn besser bewertete Offiziere der „falschen“ Truppengattungen einfach hinten runterfallen.“

    Natürlich ist sie das. Zwar kann man im Einzelfall mit Mitte 30 die berufliche Ausrichtung auch noch ändern, aber im Regelfall baut man ja auf die bisherigen 15 Jahre auf. Genau so läuft planmäßige Personalentwicklung.

    Nicht zwanghaft Leute umschulen, sondern kontinuierlich auf bisher erlerntes und erbrachtes aufbauen. Wechsel ermöglichen, aber nicht erzwingen.

    Nebenbei: die LGAN Auswahl ist nur ein Teil ein vielfältigen und gestuften, 35 Jahre andauernden Auswahl- und Förderungsprozesses. Genau wie es sein soll.

    @ Pio-Fritz sagt: 28.01.2020 um 9:28 Uhr
    „Hat man im Stab Dienstzufriedenheit?“

    Na klar kann man das haben. Sind ja nicht alles Kämpfer.

    Und auch für die Kämpfer gibt es zahllose Möglichkeiten um interessanten Dienst trotz der aktuellen Großgerät-Misere zu bieten.

    „Was erzählen Sie einem Z4 Marinemannschaftssoldaten, der nach seinem Eintritt und Ausbildung zwei Jahre Dockwache schiebt, weil das Schiff in der Werft liegt, und dann in den BfD geht und entlassen wird?“

    In der Tat ein großes Problem!

    Deswegen brauchen wir ja dringend mehr (viel mehr) HHM und eine bessere Beschaffung. Nur so können wir langfristig auch für die Kurzdiener in „Großgerät-lastigen“ Verwendungen die Wahrscheinlichkeit eines erfüllenden Dienstes deutlich erhöhen.

    Aber meine konkrete Aussage bezog sich auf die angeblich schlechten BS Zahlen. Nicht auf Kurzdiener!

  13. @Küstengang01 sagt: 28.01.2020 um 10:16 Uhr
    „Zum Thema Polizei, Zoll und Bundespolizei haben auch Probleme Personal zu gewinnen.
    Ja aber da reagiert man zielgerichtet auf die Herausforderung.“

    Wir auch.

    „Klar gibt es da nun auch Bestandskunden denen das Messer in der Tasche auf geht“

    Bei uns das gleiche.

    „aber diese Behörden schaffen bis jetzt auch alle Dienstposten zu besetzten die sie ausschreiben“

    Wir auch (ganz, ganz wenige Ausnahmen)

    „Das ist der Unterschied.“

    Welcher Unterschied?

  14. @Koffer sagt: 28.01.2020 um 10:29 Uhr

    „Aber meine konkrete Aussage bezog sich auf die angeblich schlechten BS Zahlen. Nicht auf Kurzdiener!“

    Dann ist Ihre Aussage nicht ganz richtig, denn ich bezog mich nicht auf die Zahlen, sondern auf die Qualität. Denn genau diese hat der Inspekteur Marine in seiner Rede bei der HiTaTa am 06.01.2020 bemängelt. Darauf habe ich mich auch in meinen vorherigen Posts im ersten Thread bezogen.
    Das Zitat “ Wir können uns entscheiden zwischen DIESEN jungen Leuten oder KEINEN jungen Leuten, denn es werden keine anderen kommen.“ in Bezug auf die letzte BS-Auswahlkonferenz ist schon bezeichnend und zeigt zumindest, das der Marineinspekteur nicht zufrieden ist.
    Und das, da sind wir uns ja einig, liegt eben auch an der prekären Materiallage. Man verpflichtet eben das, was man kriegen kann und gerade noch vertretbar ist.

  15. @Pio-Fritz

    Ersatzteile Just in I call the fifth

    Kostet Geld, was kostet es wenn die Maschine steht, im Fall von Soldaten und anderen Sicherungs und Rettungskräften im schlimmsten Fall Leben oder auf lange Sicht Fertigkeiten die auch Leben kosten können

  16. @Koffer…
    wenn das alles kein Problem bei der BW ist, dann gibt es kein Problem!
    Dann muss es ja tatsächlich Gejammer und Wehklagen auf hohem Niveau sein.

    „Gerät gibt’s nicht, geht nicht. Fresse bekommst doch auch so deinen Sold.“

    „Personal Entwicklung ist Scheiße, egal du hast für x Jahre unterschrieben und da stand ein Einstellungsdienstgrad und ein Dienstposten drin. Mehr hast nicht zu erwarten!“

    „BS willst du werden, bewerben kann sich jeder. Der Rest nimmt den BFD und erfüllt sich seine Wünsche und Vorstellungen außerhalb der BW.“

    Diese Thesen könnte man jetzt so stehen lassen und klar sind sie Polemik pur. Aber die BW versucht nunmal dem Kahlschlag der letzten drei Jahrzehnten gegenzusteuern. Aus verschiedenen Gründen gelingt das Mal mehr Mal weniger.
    Nur tut das die Gruppe die man am ehesten mit Soldaten vergleichen kann eben auch. Der Vollzugsdienst der Länder und des Bundes macht es nur mit mehr Erfolg. Und genau das ist der Unterschied.
    Wenn Beamte der BFR+ Missstände aufzeigen reagiert das BMI darauf.
    Das Beschaffungsamt des BMI schafft es und da ist es der Normalfall. Das Gerät und Ausrüstung im Zeit- und Kostenplan beschafft wird. Die Liegenschaften in Schuss gehalten werden, das Zivielpersonal funktioniert. Die Einheiten jederzeit voll Einsatzbereit sind.
    Kann die BW das auch behaupten?

  17. @
    Koffer sagt:
    28.01.2020 um 11:04 Uhr

    „„aber diese Behörden schaffen bis jetzt auch alle Dienstposten zu besetzten die sie ausschreiben“

    Wir auch (ganz, ganz wenige Ausnahmen)“

    Hm? Ganz, ganz wenige Ausnahmen? Der Wehrbeauftragte stellt in seinem heute vorgelegten Bericht fest, dass 23.100 Dienstposten in der BW nicht besetzt sind, davon 21.000 oberhalb der Mannschaftsebene. Ab Seite 23 des Berichts können Sie sich durch die Details lesen…

  18. @ein_versuch
    Mag ja sein, dass es DIESMAL nur EIN Tippfehler war. Wer kann denn die Zahlen schon wirklich überprüfen?
    Das ändert aber nichts daran, dass man sich sowohl im BMVg als auch hier bei einigen Mitforisten die Trendwende Personal schönredet und dabei die Augen vor der Realität verschließt. Der angestrebte Aufwuchs zur Befüllung TAUSENDER vakanter Stellen geht weiter viel zu langsam und die geplante Sollstärke für 2024 ist so nicht zu erreichen. Und hier geht’s erstmal nur um Quantität, noch nicht um Qualität der Bewerber.
    Ich denke, das Glas ist hier definitiv schon mindestens „halbleer“ und hoffe, dass dies bald auch die Verantwortlichen in der politischen und militärischen Leitung anerkennen.

  19. @ Küstengang01 sagt: 28.01.2020 um 13:51 Uhr
    „Diese Thesen könnte man jetzt so stehen lassen und klar sind sie Polemik pur.“

    Ja.

    Und wenn Sie die massiven Probleme von Polizeien und Zoll in der Personalgewinnung der letzten Jahre nicht gesehen haben, rate ich mal zu einer Internetrecherche. Da werden Sie feststellen, dass wir alle fast die gleichen Probleme haben.

    @ Landmatrose3000 sagt 28.01.2020 um 16:54 Uhr
    „Hm? Ganz, ganz wenige Ausnahmen?“

    Ja. Das besetzen unserer „ausgeschrieben“ Dienstposten ist Problem.

    Wir haben eine Problem mit der Bindung und mit dem Personalaufwuchs.

    Vor allem das erste ist eine Herausforderungen vor denen (in diesem Maße) Polizeien und Zoll gar nicht stehen und das zweite burning einzelnen Bundesländern und zudem viel weniger stark als bei uns.

    Polemisierend mag ja Spaß machen, aber es lenkt von unseren echten Problemen und Herausforderungen (zB der Überalterung und dem Wasserkopf) ab!

  20. @ Koffer sagt:
    28.01.2020 um 18:00 Uhr

    Ich wollte erst schreiben: „Versteh ich nicht, sorry.“ . Dann nochmal Ihre Vorpostings gelesen: Sie meinen, die BW besetzt fast alles, was „ausgeschrieben“ ist, also was bei KarrC BW etc. als „von Neu eingestellten zu besetzend“ im System ausgewiesen ist ? Das heisst dann aber im Umkehrschluss, dass das ganze reale Fehl an DP dann gar nicht „ausgeschrieben“ ist – also gar keine Nachbesetzung darauf erfolgen kann????

    Ich bin etwas verwirrt und bitte um Aufklärung. Falls das tatsächlich so sein sollte – wie kommt denn so ein Zustand zu Stande? Weil die „Ausschreibung“ dem realen Fehl mehere Jahre hinterherläuft, oder wie muss ich mir das vorstellen?

    Side remark: Mit dem Begriff „Ausschreibung“ hadere ich beim Thema BW-DP immer….

  21. @ LLTr sagt:
    27.01.2020 um 14:30 Uhr

    „fallen halt in der einen oder anderen AVR gute Leute raus, da es dort nur wenige BS-Plätze gibt, diese mind. eine 8,X brauchen, man aber aufgrund der Korridore nicht jeden guten Sdt auch so hoch beurteilen kann.“

    ??? Wegen der Quotelung der Bewertung wird dann also nicht nach absoluter realer Leistung, sondern nach Leistung im Verhältnis zur Vergleichsgruppe, aufgeteilt auf die gewünschte Quote, bewertet??? Wenn ja, ist das doch rückgratlose Personalführung zum Schämen.

  22. @Landmatrose3000

    Ja, – das ist mMn eines der Probleme des aktuellen Beurteilungssystems. In einer Vergleichsgruppe kann immer nur ein bestimmter Anteil „sehr gut“ beurteilt sein. Manch guter muss dann eben als „Quotenschwein“ herhalten und bleibt dann eben bei max. 6,2. Aber die Punkte sind ja nicht allein entscheidend, Text und Entwicklungsprognose haben auch Gewicht.
    Ich bin nicht im Personalgeschäft und wüsste auch nicht adhoc, wie man es besser iSv fairer machen kann. Ich denke der zivile Ansatz eines 360° Feedback ist nicht schlecht, aber für die Bw sehr aufwendig umzusetzen.

  23. @Landmatrose3000 sagt: 28.01.2020 um 22:06 Uhr

    In der Tat ist der Begriff „Ausschreibung“ rechtlich und inhaltlich für militärische DP nicht ganz passend.

    Habe ihn nur dessen verwendet, weil es hier um den konkreten Vergleich mit Polizei und Zoll ging.

    Inhalt: (fast) alle DP, die wir durch Neueinstellung besetzen wollen, können wir derzeit besetzen.

    Das Problem der unbesetzen DP hat etwas mit unseren Problemen bei der Personalbindung (zumeist hier Verlängerung SaZ, bzw. Umwandlung FWD zu SaZ, kaum Probleme haben wir bei BS Anträgen, wiewohl die Qualität hier häufiger als früher eine Frage ist).

    Mehr Neueinstellung wiederum bringen uns nichts, weil wir 1. keine Ausbildungskapazität dafür hätten und 2. wir nicht mehr 19jährige Rekruten, sondern mehr 25jähriger Fertigausgebildete benötigen.

    Im Kern ist das alles durch den jahrelangen Abbau verursacht und die dann folgende Kertwende zum plötzlichen und deutlichen Aufwuchs.

    DAS bringt unsere Struktur durch einander.

  24. @Landmatrose3000 sagt: 28.01.2020 um 22:33 Uhr

    Natürlich (!) quotieren wir unsere BS Übernahmen und unsere Förderentscheidungen (wir LGAN) nach Bedarf.

    Sonst hätten wir am Ende lauter sehr gute Leute, die keine Ahnung von dem haben wofür wir sie brauchen.

    Das GG ist da übrigens auch sehr eindeutig!

    „Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung“

    Meint ein nochso brillianter Arzt darf nicht als FschJg-BS ausgewählt werden.

    Außerdem: wir machen das schon seit Jahren „mit Sinn und Verstand“.

    Beispiel aus dem Heer: wenn in einem Jahr bei der LGAN Auswahl sehr viel sehr (!) gute in einer TrGttg sind, wählen wir in dem Jahr mehr aus als „Quote“ und gleichen das dann in den nächsten Jahren durch weniger „Quote“ aus.

    Weiteres Beispiel (zufällig auch Heer): wenn sehr gute Bewerber zum BS (OA oder Fw) in ihrer TrGttg „über“ sind, aber an anderer Stelle gebraucht werden und „umschulbar“ sind, gibt es entsprechende Angebote zur konditionierten Übernahme.

    Aber im Ende gilt dennoch: wen wir nicht brauchen, den (dürfen und wollen) wir auch nicht übernehmen/fördern.

  25. @Koffer sagt: 29.01.2020 um 13:37 Uhr

    „Im Kern ist das alles durch den jahrelangen Abbau verursacht und die dann folgende Kertwende zum plötzlichen und deutlichen Aufwuchs.
    DAS bringt unsere Struktur durch einander.“

    Welche Struktur? Das, was Sie Struktur nennen, ist doch der Kern des Problems. Aufteilung auf die jetzigen Org-Bereiche, Schaffung von Strukturen, um höherwertige Dienstposten zu bergründen, die ja alle einen entsprechenden Unterbau benötigen, etc.pp. Der ganze Laden ist bis runter zur Divisionsebene stark reformbedürftig, diese ganzen Querzuständigkeiten hemmen einen normalen Dienstablauf. Ich empfehle hierzu als „Fachlektüre“ „Asterix erobert Rom“ und zwar den Teil „das Haus das Verrückte macht“ (Ministerium?). Manche Autoren haben visionäre Fähigkeiten…
    Im übrigen bin ich der Auffassung, das Dienstposten, die ich nicht besetzen kann, weil ich keine Leute mit entsprechender Ausbildung habe oder keine Ausbildungskapazitäten dafür habe, schlicht nicht brauche. Vielleicht sollte man bei manchen DP einfach mal die Historie der Entstehung betrachten und dann die Lage neu beurteilen. Sollte man diese Leute doch brauchen, so muss man die Personaler fragen, welchen Teil von Bedarfsplanung sie nicht verstanden haben.

  26. @ Pio-Fritz sagt: 29.01.2020 um 14:30 Uhr
    „Welche Struktur? Das, was Sie Struktur nennen, ist doch der Kern des Problems. Aufteilung auf die jetzigen Org-Bereiche, Schaffung von Strukturen, um höherwertige Dienstposten zu bergründen, die ja alle einen entsprechenden Unterbau benötigen, etc.pp.“

    Alles berechtigte Probleme, aber das hat nichts mit den von mir ansprechenden Strukturptoblemen zu tun.

    Mit Strukturproblemen meine ich, dass wir obwohl wir derzeit genug externen Nachwuchs werben können wir dennoch viele unbesetzte DP haben.

    „Im übrigen bin ich der Auffassung, das Dienstposten, die ich nicht besetzen kann, weil ich keine Leute mit entsprechender Ausbildung habe oder keine Ausbildungskapazitäten dafür habe, schlicht nicht brauche.“

    Keine Ahnung was Sie damit sagen wollen. Verstehe Sie nicht. Was hat denn die Restriktion von (kurzfristiger) Ausbildungskapazität mit (langfristigem) Bedarg zu tun??

  27. @ LLTr:
    Danke für die Auskunft! Ich dachte, das Bundesverwaltungsgericht hatte diesen völlig unkameradschaftlichen Richtwerte- und Vergleichsgruppenunsinn in 2009 doch schon gekippt. Entscheidung BVerwG WB 48.07 (https://www.bverwg.de/260509B1WB48.07.0, kurze VErfahrensinformation unter https://www.bverwg.de/1WB48.07). Ein prägnanter Auszug, neben vielen anderen : „Dienstliche Beurteilungen und Stellungnahmen nächsthöherer Vorgesetzter, die auf der Anwendung des Richtwertesystems der Beurteilungsbestimmungen vom 17. Januar 2007 beruhen, sind rechtswidrig.“ Hat dieses absurde „Quotenschwein“-System in der Truppe trotzdem noch Bestand? Auf welcher Grundlage denn?

    @ Koffer:
    Dass BS und LGAN nach Bedarf ausgewählt wird, ist doch völlig in Ordnung. Bei Ihren Ausführungen lese ich dann aber heraus, dass dieses Fehl von 21000 DP eigentlich rein dadurch kommt, dass FWDL und SAZ nicht verlängern. Dann wird das aber doch noch absurder: Bei beiden kennt die BW doch seit Einstellung das vereinbarte Dienstzeitende. Dann ist doch völlig klar: Habe ich einen SaZ 12 in Tätigkeit XY, muss ich so rechtzeitig die Stelle (na gut, ich verwende den Begriff jetzt auch) neu „ausschreiben“, dass ich zum DZ-Ende des SaZ den dafür notwendigen Soldaten mir wieder ausgebildet habe. Puffer im Prozess schaffe ich dann durch Seiteneinsteiger und Weiterverpflichtungen. Eine Personalabteilung bei jedem Unternehmen muss doch logischwerweise bei einem Fehl von 21.000 Gesellen/Meistern/Managern alle diese Stellen sofort ausschreiben. Und dann versuchen über unterschiedlichste Wege diese zu besetzen. BAPersBW tut das so nicht, sondern koppelt de ausgewiesenen „Ausschreibungen“ (auf welcher Grundlage werden die dann erstellt?) völlig von den selbst von der BW benannten offenen DP ab? Das ist doch völlig verrückt.

    @ Pio-Fritz:
    „Im übrigen bin ich der Auffassung, das Dienstposten, die ich nicht besetzen kann, weil ich keine Leute mit entsprechender Ausbildung habe oder keine Ausbildungskapazitäten dafür habe, schlicht nicht brauche.“
    Also, wen ich denn Bericht des Wehrbeauftragten so lese, scheint es nicht so, als wenn bei den ganzen Beispielen von Fehl bei Schlüsselverwendungen real gar kein Bedarf vorliegt?? Die ganzen Marinesoldaten mit so ca. 270 Seetagen pro Jahr glauben sicher auch kaum, dass das Supi-Dupi-Sollzustand ist…

  28. @Landmatrose3000 sagt: 29.01.2020 um 17:41 Uhr
    „Danke für die Auskunft! Ich dachte, das Bundesverwaltungsgericht hatte diesen völlig unkameradschaftlichen Richtwerte- und Vergleichsgruppenunsinn in 2009 doch schon gekippt.“

    Missverständnis.

    Die quotierten Beurteilungen in der alten Form sind gekippt worden (Quotierungen bei Beurteilungen ansich sind übrigens nicht rechtswidrig, wie Beamtenbeurteilungen seit Jahren zeigen, lediglich die durch die Bw gewählte, konkrete Systematik war es).

    Quotierung im Sinne der Diskussion der letzten Kommentare hier im Faden war mit Blick auf die Quotierung von bestimmten Verwendungen/TrGttg mit Blick auf BS Übernahme bzw. auf LGAN Auswahl etc. gemeint.

    Konkret: Ein FschJg wird nicht mit einem Piloten verglichen bei der Auswahl, sondern Piloten werden mit Piloten und FschJg nur mit anderen Infanteristen verglichen. Je nach Auswahl sind hierbei die Gruppen enger oder weiter gefasst. Immer bezogen auf die konkrete Auswahl also abgeleitet vom Bedarf.

    „Auf welcher Grundlage denn?“

    Grundgesetz –> „Eignung, Leistung und Befähigung“.

    „Bei Ihren Ausführungen lese ich dann aber heraus, dass dieses Fehl von 21000 DP eigentlich rein dadurch kommt, dass FWDL und SAZ nicht verlängern.“

    Unter anderem. Und dadurch, das Personalstrukturen nur über Jahre (bei bestimmten Verwendungen mit besonders langem Aufbau sogar nur über Jahrzehnte) angepasst werden können.

    Und dadurch, dass man die Soldaten nicht beliebig inhaltlich und örtlich (!) verschieben kann.

    Und, und, und.

  29. Landmatrose3000 sagt:29.01.2020 um 17:41 Uhr

    „Also, wen ich denn Bericht des Wehrbeauftragten so lese, scheint es nicht so, als wenn bei den ganzen Beispielen von Fehl bei Schlüsselverwendungen real gar kein Bedarf vorliegt?? Die ganzen Marinesoldaten mit so ca. 270 Seetagen pro Jahr glauben sicher auch kaum, dass das Supi-Dupi-Sollzustand ist…“

    Keine Frage, die Probleme sieht jeder Soldat jeden Tag, wenn er seinen Dienst antritt. Es gibt aber eben auch Bereiche ab der Ebene Kommando/Ämter, z.B. Reservistenbeauftragte, die sind in jedem OrgBereich, im Ministerium und zusätzlich noch als Arbeitsgruppe besetzt. Alle machen so ziemlich das Gleiche und binden Ressourcen.
    Mit der Ausbildung wollte ich überspitzt darauf hinweisen, das BAPers und die gesamte S1-Schiene nicht in der Lage sind, die Dienstposten mit entsprechend qualifizierten Kameraden zeitgerecht zu besetzen, weil es einfach an einer entsprechenden Personalplanung mangelt. Hin und wieder liegt es auch einfach am Bedarfsträger, weil man da schlicht gepennt hat, rechtzeitig Ersatz einzufordern. Das ist aber kein Problem des Aufwuchses der Bundeswehr oder Nachwuchswerbung, das ist systemimmanent.

  30. @ Pio-Fritz

    Danke, einverstanden, das kam als Überspitzung bei mir nicht deutlich an.

    „ BAPers und die gesamte S1-Schiene nicht in der Lage sind, die Dienstposten mit entsprechend qualifizierten Kameraden zeitgerecht zu besetzen, weil es einfach an einer entsprechenden Personalplanung mangelt.“

    Den Eindruck habe ich leider auch oft. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass eine kohärente Personalstrategie fehlt. Wie schon oft hier diskutiert: Für mich sind da viel zu viele einzelne Massnahmen und Denkansätze, die einzeln betrachtet Sinn und Zweck haben können, aber viel zu oft überhaupt nicht zusammen passen und konträr laufen. Dem einzelnen S1 oder Personalführer oder Berater im KarrC oder oder oder will ich guten Willen und Bemühen gar nicht abstreiten. Aber die „Trendwende Personal“ war für mich bisher sehr Marketinglastig und noch zu wenig an den Strukturen an sich.

    @ Koffer

    „ Und dadurch, das Personalstrukturen nur über Jahre (bei bestimmten Verwendungen mit besonders langem Aufbau sogar nur über Jahrzehnte) angepasst werden können.“

    Ich hätte da eine Fangfrage: Was würde BW im BV/LV-Fall denn tun, wenn es wegen Verlusten und anderen DP-Ausfällen oder Heranziehungen eine noch viel grössere Dringlichkeit der Nachbesetzung geben würde..? Manchmal habe ich den Eindruck, die „Beschaffungszeiten- und Prozesse“ von benötigten Personal haben sich denen von hochkomplexen Grossgerät stark angenähert.

  31. @Landmatrose3000 sagt: 30.01.2020 um 16:56 Uhr
    „Ich hätte da eine Fangfrage: Was würde BW im BV/LV-Fall denn tun, wenn es wegen Verlusten und anderen DP-Ausfällen oder Heranziehungen eine noch viel grössere Dringlichkeit der Nachbesetzung geben würde..? Manchmal habe ich den Eindruck, die „Beschaffungszeiten- und Prozesse“ von benötigten Personal haben sich denen von hochkomplexen Grossgerät stark angenähert.“

    Mal ganz ehrlich. Ich verstehe hier diese Diskussion gerade nicht.

    Bestimmte Funktionen baue ich nun mal über 20 Jahre auf. Schneller geht auf Befehl natürlich immer, aber ob das dann gut ist bezweifle ich doch sehr.

    Für viele Dinge brauche ich nun mal Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung. Zumindest wenn die Bundeswehr jemand haben will, der auch gut ist in dem was er tut.

    Wenn sich die Welt in diesen 20 Jahren aber nunmal weiterentwickelt (Spoiler! das soll hin und wieder passieren), dann sind die Annahmen, die damals für eine Personalstruktur getroffen wurden eben nicht mehr zutreffend und man hat dann von einer Sorte Soldaten zu viel und von der andere zu wenig.

  32. Tut mir leid, aber Sie bringen immer Spezialbeispiele.
    Funktionen, die sich über 20 Jahre aufbauen.
    Das sind doch nur 5.000 Posten bei unserer 190.000 Mann Armee, bei denen 20 Jahre Ausbildung und Weiterbildung notwendig sind.
    Und über diese 5000 Posten und ihre Probleme reden wir hier?
    Nein!
    Wir reden hier von der Masse an Posten und diese kann ich in 2-7 Jahren ausbilden und die Vergrößerung der Bundeswehr ist jetzt schon ein bisschen länger am Laufen und trotzdem sollen noch so viele Stellen unbesetzt sein?
    Das hat doch dann mit zu wenigen Ausbildungskapazitäten zu tun und dass man es mal wieder verpennt hat diese auch zu vergrößern.
    Das meint übrigens Pio-Fritz glaube ich auch. Wenn ein Autohersteller sich im Jahr 2020 entscheidet ab Jahr 2025 Elektrofahrzeuge zu bauen, dann sollte er auch ab 2020 die dafür notwendigen Ausbildungskapazitäten herstellen und ausbauen. Alles andere ist komplettes Versagen der Personalabteilung.

  33. Koffer sagt: 30.01.2020 um 23:26 Uhr

    Lieber Koffer,

    aber darum geht es doch. Das ist doch der Kritikpunkt!
    „Sie“ bauen jemanden von einer Basis „X“ ausgehend über 20 Jahre auf und lassen ihn Erfahrungen sammeln. Zum Zeitpunkt „Z“ haben Sie dann einen guten Erfahrungträger produziert, der nicht mehr in die Strukturen passt, weil sich die Welt eben in 20 Jahren nun mal weiterentwickelt hat.
    Ich behaupte, dass der kluge Erfahrungsträger an einem Zeitpunkt „Y“ (Spoiler! der liegt irgendwo auf der Zeitlinie zwischen X und Z) merkt, dass da was ins Leere läuft und deshalb nicht verlängert oder sich zum BS bewirbt.

    PS:
    Von den Erfahrungen, die ich in 20 Jahren gesammelt habe profitiert die Bundeswehr heute nicht, denn ich muss mich irgendwo in eine immer neue andere Struktur eingliedern und in der Regel „umlernen“. Weil bei „X“ offenbar von einer Sorte eben zu viele da sind und von einer anderen Sorte eben zu wenig.

  34. Nachdem Bundestagspräsident Schäuble mehr Bundeswehreinsätze im Ausland fordert, und die Bw nicht alles Frankreich und den USA überlassen soll, sich nicht mehr wegducken soll, bin ich Mal gespannt, ob daraus was wird oder es beim wegducken bleibt. Für mehr Einsätze bräuchte die Bw jedenfalls mehr Geld, mehr modernes Material und vor allem mehr Personal.

  35. @Akula sagt: 31.01.2020 um 7:58 Uhr
    „Tut mir leid, aber Sie bringen immer Spezialbeispiele.“

    Nahezu die gesamten Streitkräfte bestehen aus Spezialfällen.

    Der „unproblematische“, schnell ausgebildete Landser der PzGren ist doch nicht das Problem. Hier können bereits nach drei Jahren erhebliche Erfolge erzielen und steuern wir innerhalb von fünf Jahren komplett.

    Aber solche Landser müssen ja auch geführt werden.

    Dafür benötige ich einen Fw, der alleine 3 Jahre für die Ausbildung benötigt, zzgl. 1 Jahr um die Stellen zu schaffen und Nachwuchs zu gewinnen und dann drei Jahre, damit er auch weiß was er tut.

    Damit brauchen wir 7 Jahre für eine „neue“ PzGrenGrp.

    Für einen ZgFhr kommen dann nochmals 7 Jahre Erfahrung hinzu.

    Und das war jetzt ein Fall ohne zivile „Spezialkenntnisse“. Wenn wir über Logistik, Instandsetzung, IT, Medizin etc. reden kommen für die GrpFhr nochmals die Ausbildung hinzu und für erfahrenere Gruppenführer und natürlich erst recht nochmals für den ZgFhr ein Meister o.ä.

    Bei Offizieren sind wir schon beim „Standardoffizier“ bei 7 Jahre Ausbildung/Studium noch bevor er Praxiserfahrung sammelt. Etc. etc. etc.

    Wer glaubt Streitkräfte würden vom Himmel fallen hat echt keine Ahnung.

    Einfach mal schauen wie lange man in den 50er und 60er gebraucht hat um die Bundeswehr überhaupt einsatzbereit zu bekommen!

  36. @ Koffer

    Ich hege noch gewisse Hoffnung, dass das, was Sie schreiben, NICHT tatsächlich heisst, dass im Personalwesen der BW tatsächlich aktuell die Denke besteht „Feld-Wald-Wiesen FW und DG/Quali höher: Bei DZE/dauerkrank/Mutterschaft/Teilzeit/Dienstunfähigkeit/tot:—> Zeitansatz Nachbesetzung: 7 Jahre+X.

    Allerdings liest sich das irgendwie so.

    Wenn ich‘s falsch verstanden habe, bin ich beruhigt. Wenn nicht, bin ich echt beunruhigt.

    Vielleicht mögen Sie mich etwas beruhigen?

  37. @Landmatrose3000 sagt: 31.01.2020 um 22:30 Uhr
    Wenn Sie damit meinen, dass eine einzelne Nachbesetzung 7+x dauert, dann ist das natürlich nicht der Fall.

    Dadurch, dass die Bundeswehr eine Großorganisation ist, können wir natürlich „querverschieben“. Damit werden Einzelfälle im Regelfall gelöst. Es ging doch um die Frage, warum es so lange dauert, bis eine neue Personalstruktur wirkungsvoll eingenommen wurde. Und die ergibt sich nicht aus dem Einzelfall, sondern aus der Kombination aller Fälle.

    Zusätzliche Einzelhinweis: Ein regulärer DZE ist fast niemals ein Problem, denn hierfür wird zeitgerecht ein Nachfolger eingestellt. Elternzeit und Teilzeit ist ein größeres Problem, denn der Gesetzgeber lässt hier keine Kompensation zu. Das ist insbesondere für die Sanität schon seit einiger Zeit ein Problem, da hier die Fallzahlen von Elternzeit und Teilzeit die Strukturen teilweise deutlich unterhöhlen.

    Dienstunfähigkeit/Laufbahnwechsel/etc. ist ebenfalls ein Problem, da auch hier keine Reserven für vorgehalten werden können.

    Aber die Zahlen sind nicht so groß, dass das alleine ein Problem wäre. Aber sie müssen bedenken, dass sich das mit dem Strukturwandel der letzten 20 Jahre kombiniert. Die zahlreichen BS mit Verwendungsaufbauten die heute kein Mensch mehr braucht und die zu alt sind um sinnvoll umgeschult zu werden kommen da z.B. noch dazu.

    Und es kommt der in den letzten wenigen Jahren (erfreulicherweise) angeordnete Aufwuchs problemverstärkend hinzu.

    Summa summarum: Personalstrukturen in Streitkräften sind aufgrund der Hyperkomplexität eine Herausforderung und Änderungen bedürfen selbst unter optimalen Bedingungen Jahre bis sie Wirksamkeit erhalten und Jahrzehnte bis sie vollumfänglich umgesetzt sind.

  38. @ Koffer

    Zitat:
    „@ Koffer
    „ Und dadurch, das Personalstrukturen nur über Jahre (bei bestimmten Verwendungen mit besonders langem Aufbau sogar nur über Jahrzehnte) angepasst werden können.“ und
    „Dafür benötige ich einen Fw, der alleine 3 Jahre für die Ausbildung benötigt, zzgl. 1 Jahr um die Stellen zu schaffen und Nachwuchs zu gewinnen und dann drei Jahre, damit er auch weiß was er tut.
    Damit brauchen wir 7 Jahre für eine „neue“ PzGrenGrp. Für einen ZgFhr kommen dann nochmals 7 Jahre Erfahrung hinzu.
    Und das war jetzt ein Fall ohne zivile „Spezialkenntnisse“. Wenn wir über Logistik, Instandsetzung, IT, Medizin etc. reden kommen für die GrpFhr nochmals die Ausbildung hinzu und für erfahrenere Gruppenführer und natürlich erst recht nochmals für den ZgFhr ein Meister o.ä.“

    Das was Sie da beschreiben nennt sich einfach „Personalentwicklung“ und diese Personalentwicklung hat die Bw vor ca. 20 Jahren abgeschafft. Wie ist das zu verstehen ?

    Früher hat sich z.B. ein Soldat als SaZ 4 verpflichtet und ist zur 7er Stufe ausgebildet worden und hat als StUffz Erfahrung gesammelt. Nach 3 Jahren hat er sich überlegt ob er sich als SaZ 8 oder gar SaZ 12 für die Fw-Laufbahn weiterverpflichten will und hat bei seinem Chef einen Weiterverpflichtungsantrag gestellt. Der Chef hat den Zugführer gefragt wie der Mann einzuschätzen ist. Der Zugführer hat dem Chef berichtet von den 10 StUffzen die er in seinem Zug oder Fachgruppe (Lw) hat, kann er sich vorstellen, dass 3 das Zeug zum Fw haben. Gehörte der Mann dazu und wurde in absehbarer Zeit eine Fw-Stelle frei, event. auch in der Nachbarkompanie, wurde der Mann weiterverpflichtet. Damit hatte man einen voll eingearbeiteten Soldaten, der nach der relativ kurzen Fw-Ausbildung die Stelle übernommen hat.

    Merken Sie etwas an dieser Beschreibung ?
    Richtig, das BAPersBw kommt darin nicht vor. Die brauchte man dazu auch nicht. Vor Ort wurde entschieden und die Bürokratie dann in Köln oder anderswo abgewickelt.
    Wie schaut es heute aus ?
    Einmal Mannschafter immer Mannschafter, oder hat sich da etwas in letzter Zeit geändert. Die UoP-Laufbahngruppe wurde abgeschafft, die Fw-Anwärter werden nicht mehr aus dem Bestand in der Truppe selektiert, sondern die KarrC maßen sich an, ob ein vorhandener StGefr dazu fähig ist oder nicht, voraussgesetzt er hat noch genügend Restdienstzeit. Noch schlimmer es kommt ein ziviler Bewerber ganz ohne Vorerfahrung zur Auswahl.

    Durch das Fehlen der 7er Ausbildung dauert die 6er Ausbildung entsprechend länger, für Spezialisten (militärfachliche Ausbildung) oftmals doppelt so lang. Nach 3 Jahren Ausbildung hat man einen Berufsanfänger in der Truppe, der dort als Führungsperson eingesetzt werden soll. In der Konsequenz braucht er 1-2 Jahre Einarbeitungs- und Erfahrungszeit (die er früher als 7er, StUffz gesammelt hätte) um seine Aufgaben zu erfüllen. Dabei ist noch nicht gesagt, ob er tatsächlich seiner Aufgabe gewachsen ist, denn die Auswahl zur Fw-Laufbahn mit der Aufgabe zur Menschenführung erfolgt ohne Praxisbezug und praktische Bewährung.

    Zu guter Letzt kommen wir zu dem Zugführer, der dann nochmals 7 Jahre zur Regeneration braucht. Damit meinen Sie offensichtlich die OffzMilFD-Laufbahn. Eine von mir sehr geschätzte Laufbahn (nicht nur weil ich selbst einer war), weil der Mann oder Frau für sein Fachgebiet eine 10 – 15 Fachkompetenz aufgebaut hat. Wenn ich mehr Fachoffiziere haben will, muss ich nur die Übernahmequote zum BS erhöhen. Ich denke die vom Insp Marine reklamierten Fehlstellen betreffen auch die OffzMilFD Stellen für die Schiffsführung. Ehrlich gesagt kenne ich genügend OffzMilFD, die nach 5 – 10 jähriger Erfahrung als Zugführer als Sachgebietsleiter in einem Führungsgrundgebiet in einem Stab eingesetzt wurden und dort zum Produktivpersonal gehörten im Gegensatz zu manchen OffzTrD. An den OffzMilFD kann es mMn nicht liegen, dass sie immer und immer wieder betonen, dass wir zu wasserkopflastig mit zu vielen alten Berufssoldaten in der jetzigen Bundeswehr sind.

    Also „back to the roots“! Wenn die Industrie ohne vernünftige Binnenwerbung (mit Aufstiegen in der gleichen Firma, oftmals in der gleichen Abteilung) und ohne die Praktiker vor Ort einzubinden, ihre vakanten Stellen durch eine zentrale Behörde in Köln besetzen müsste, dann hätte unsere Industrie auch echte „Nachwuchssorgen“ !

  39. @Georg sagt: 01.02.2020 um 17:35 Uhr
    Ohne Ihnen zu nahe zu treten, aber auch in der guten alten Zeit haben wir über 20 Jahre gebraucht, bis die Bundeswehr endlich nach Wiederaufstellung einsatzbereit wurde und fast 35 Jahre um die von Anfang geplante Stärke zu erreichen.

    Auch damals hatten wir regelmäßig als dramatisch empfunden Über- und Unterbestände an Personal in verschiedenen Verwendungsbereichen.

    Jedesmal, wenn sich die Welt weiter entwickelt hatte und wir eine Anpassung der Organisations- und/oder der Personalstruktur vornehmen mussten.

    Und in all diesen Jahren hatten wir immer den Vorteil, dass wir gewachsen sind. Und deswegen konnte man bestehende Unwuchten im Personalkörper leichter „auswachsen“ lassen.

    Jetzt haben wir das erste mal das Problem, dass wir nach 20+ Jahren Reduzierung mit all den heftigen Unwuchten die das durch unsere hohe BS Quote verursachte (dramatische Kopflastigkeit und steigender Altersdurchschnitt) immer noch nicht ganz abgebaut haben (die Unwuchten im Bereich der über 50jährigen brauchen noch einige Jahre bis sie sich ausgewachsen haben), aber im gleichen Maße die „üblichen“ Unwuchten bei einem Personalaufwuchs auftreten.

    D.h. wir haben derzeit die Art von Problem die wir in den Jahren 1955-1989 hatten UND die Art von Problemen, die wir in den Jahren 1994-2015 erfahren haben.

    Einiges davon würde sich in der Tat auch meiner Meinung nach besser darstellen, wenn wir der Truppe wieder mehr eigene Kompetenzen bei Personalaufbau und vor allem Personalauswahl geben würde, aber der Großteil der Problem wäre hierdurch leider nicht lösbar.

    Das einzige Mittel um das zu Lösen ist ein über die nächsten 20 Jahre relativ ruhige Personalstruktur und Änderungen welche nur in behutsamen Inkrementen vorgenommen werden. Kleine und schrittweise Anpassungen in den nächsten 20 Jahren wären kein Problem. Eine große Reform allerdings würde uns mEn endgültig schachmatt setzen.

    Einzige Ausnahme: Wenn wir den SaZ Langdiener attraktiv machen würden und/oder einen BSflex/BO40 für alle/o.ä. einführen würden. DAS würde massive und positive Auswirkungen auf uns haben.

    Aber das ist zu viel gewünscht, von daher müssen wir bei den Inkrementen und der konstanten und konsistenten Personstruktur bleiben.

  40. @Georg
    Nachtrag
    „Ehrlich gesagt kenne ich genügend OffzMilFD, die nach 5 – 10 jähriger Erfahrung als Zugführer als Sachgebietsleiter in einem Führungsgrundgebiet in einem Stab eingesetzt wurden und dort zum Produktivpersonal gehörten im Gegensatz zu manchen OffzTrD.“

    Ja und ich kenne auch das Gegenbeispiel. Lassen wir es dabei uns schüren keinen unangebrachten Laufbahnneid.

    „An den OffzMilFD kann es mMn nicht liegen, dass sie immer und immer wieder betonen, dass wir zu wasserkopflastig mit zu vielen alten Berufssoldaten in der jetzigen Bundeswehr sind.“

    Zustimmung!!

    MilFD haben wir sicherlich nicht zu viel. Vielleicht an der einen oder anderen Stelle sogar zu wenig.

    Was wir meiner Meinung nach zu viel haben sind StFw/OStFw und Oberstlt sowie Generale.

  41. @ Koffer sagt:
    01.02.2020 um 17:58 Uhr

    „Aber auch in der guten alten Zeit haben wir über 20 Jahre gebraucht, bis die Bundeswehr endlich nach Wiederaufstellung einsatzbereit wurde..“

    Was ist denn das für ein Äpfel-und Birnen-Vergleich?? A) Die BW ist damals von NULL angefangen. B) Erst irgendwann NACH 1970 war die BW „einsatzbereit“? Wo einsatzbereit? Auf Verbands-/Einheitsebene? Na, wenn Sie meinen…Mein Vater, damals UoP in einem LW-Geschwader, erzählt mir glaubhaft von was anderem. 20 Jahre bis zu Einsatzbereitschaft hins. Auf Gesamt-BW-/TSK-Ebene gem. Nato-Planung können Sie ja auch nicht meinen, die hat sich ja erst zu Ende der 60er massiv geändert.

    „ Das einzige Mittel um das zu Lösen ist ein über die nächsten 20 Jahre relativ ruhige Personalstruktur und Änderungen welche nur in behutsamen Inkrementen vorgenommen werden.“

    Tja dann, vergessen wir die schon absurden 10 Jahre „Vorwarnzeit“, Aufwuchs der BW brauch demnach dann 20 Jahre plus X…. (????)

    „ BSflex“

    Wundert mich etwas, dass das von Ihnen kommt, der Sie so gern mit „Treue“ als der höchsten Aufgabe des Soldaten argumentieren. „Ich bin dann mal weg“ wäre dann ja viel einfacher als jetzt. Es gibt zwar auch aus meiner Sicht gute Gründe für das BS-Flex-Modell, aber wenn man sowas macht, holla, dann muss man Attraktivitätssteigerung, dauernde Motivation und Förderung des Stammpersonals (und zwar ganz nah am Mann/an der Frau) und „arbeitgeberseitig“ flexibles Personalmanagement doch auf völlig anderem und viel höheren Level betreiben als jetzt.

    „ Aber das ist zu viel gewünscht, von daher müssen wir bei den Inkrementen und der konstanten und konsistenten Personstruktur bleiben.“

    Das hiesse doch effektiv „Wir können nichts tun!“ Na, dann, vom Gefreiten bis zum Viersterner, findet Euch mit allem ab, es ändert sich nie was, weil sich ja nichts ändern kann…Oh Mann..

    Wenn Ihre Denke weit verbreitet ist, sollte die BW besser doch noch ein paar Millionen für externe Strategie-und Organisationsberater in die Hand nehmen…

  42. @Landmatrose3000 sagt: 02.02.2020 um 11:04 Uhr
    „Was ist denn das für ein Äpfel-und Birnen-Vergleich?? A) Die BW ist damals von NULL angefangen. B) Erst irgendwann NACH 1970 war die BW „einsatzbereit“? “

    Zu a) Nein. Die Bundeswehr auf sich zehntausende Kriegsgediente (höhere Dienstgrade bzw. Spezialisten) und BGS-gediente (jüngere Soldaten) gestützt.
    Zu b) Ja. Die bedingte Einsatzbereitschaft der Bundeswehr in den 60er und die massiven Problem den Personalaufwuchs parallel zu „quergeschossenen“ Strukturanpassungen sind weithin bekannt und wurden an mehr als einer Stelle öffentlich heftig diskutiert.

    Aber ich gebe Ihnen in sofern recht, dass man A nicht mit B gleichsetzen darf.

    Die Quintessenz ist aber: auch früher schon war Personalaufwuchs eine Herausforderung, die sich nicht nebenbei lösen lies.

    „Tja dann, vergessen wir die schon absurden 10 Jahre „Vorwarnzeit“, Aufwuchs der BW brauch demnach dann 20 Jahre plus X…. (????)“

    Habe ich nicht gesagt. Bitte nichts aggressiv hineininterpretieren, nur damit es sich schöner und polemischer kontern lässt.

    „Wundert mich etwas, dass das von Ihnen kommt, der Sie so gern mit „Treue“ als der höchsten Aufgabe des Soldaten argumentieren. „Ich bin dann mal weg“ wäre dann ja viel einfacher als jetzt.“

    Die Bundeswehr muss neue Wege gehen um den berechtigten Interessen des Dienstherren (höhere Flexibilität im Personalkörper, weniger 40-60, gesündere/einsatztauglichere Soldaten) bei gleichzeitiger Wahrung der berechtigten Interessen der Soldaten (Planungssicherheit für sich und die Familie, attraktives „Gesamtpaket“ aus Besoldung während der Dienstzeit und nach der aktiven Dienstzeit) gerecht zu werden.

    Wenn das über BSflex erreicht werden kann und/oder über attraktivere SaZ Langdiener, dann soll es mir recht sein.“

    „Das hiesse doch effektiv „Wir können nichts tun!“ Na, dann, vom Gefreiten bis zum Viersterner, findet Euch mit allem ab, es ändert sich nie was, weil sich ja nichts ändern kann…Oh Mann..“

    Nein. Auch das habe ich nicht geschrieben. Ganz im Gegenteil!

    „Wenn Ihre Denke weit verbreitet ist, sollte die BW besser doch noch ein paar Millionen für externe Strategie-und Organisationsberater in die Hand nehmen…“

    Gähn.

Kommentare sind geschlossen.