Deutsche Brigade in Litauen: Verstärkung mit – vorhandener – NATO-Battlegroup
Fast genau neun Jahre nach der Aufstellung des ersten multinationalen NATO-Bataillons unter deutscher Führung in Litauen hat Deutschland einen weiteren Meilenstein für die Verteidigung der Nordostflanke des Bündnisses erreicht: Die NATO-Battlegroup, weiterhin ein multinationales Bataillon, wurde der neuen deutschen Panzerbrigade 45 unterstellt, die dauerhaft in Litauen stationiert wird. Zwei weitere Kampftruppenbataillone waren bereits vergangene Woche der Brigade unterstellt worden, bleiben aber vorerst in Deutschland.
Am 7. Februar 2017 war in dem baltischen Land das NATO-Bataillon stationiert worden, als Reaktion des Bündnisses auf die Bedrohung durch Russland nach der Besetzung der Krim. Unter der Bezeichnung enhanced Forward Presence (eFP, verstärkte vorgeschobene Präsenz) hatte die Allianz in den drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie in Polen jeweils ein solches Bataillon aufgestellt, unter anderem mit der Überlegung, damit auch einen Stolperdraht bei einem russischen Angriff auf die jeweiligen Länder zu schaffen.
Die später in Multinational Battlegroup umbenannte Truppe stand seitdem in Litauen unter deutscher Führung (auch wenn es zwischendurch einen niederländischen Kommandeur gab; die Niederlande stellten und stellen nach Deutschland den zweitgrößten Anteil an dem Bataillon). Das Kommando und auch die entsandten Einheiten rotieren halbjährlich – nicht zuletzt unter der Überlegung, möglichst viele Soldaten die Verlegung mit ihrem Gerät an die NATO-Ostflanke trainieren zu lassen. Seit der Aufstellung 2017 bis zum (heutigen) Mittwoch unterstand diese Battlegroup der litauischen Eiserner Wolf-Brigade.
Nachdem Deutschland Litauen die Aufstellung einer gesonderten Brigade der Bundeswehr in dem baltischen Land zugesagt hatte, war absehbar, dass die NATO-Battlegroup Teil dieser Brigade werden würde. Mit der formalen Aufstellung der Panzerbrigade 45 im vergangenen Jahr wurde auch festgelegt, dass der weitere Aufwuchs der Truppe von der Fertigstellung der Infrastruktur abhängen wird – so sollen ja dauerhaft rund 5.000 deutsche Soldaten, die auch von ihren Familien begleitet werden können, jeweils für mehrere Jahre in Litauen nicht nur stationiert werden, sondern auch ganz normal wohnen.
Bei der formalen Unterstellung der NATO-Battlegroup unter die deutsche Brigade betonte der litauische Verteidigungsminister Robertas Kaunas, mit dem multinationalen Bataillon als Teil der Panzerbrigade 45 sei bereits die Hälfte des Aktionsplans zur Verlegung der deutschen Brigade erfolgreich umgesetzt: Die stärkste Abschreckungsbotschaft an Russland ist heute ganz einfach: Die Soldaten der 45. Panzerbrigade ‚Lietuva‘ der Bundeswehr sind bereits hier in Litauen, sagte der Minister nach Angaben der litauischen Streitkräfte.
Sein deutscher Kollege Boris Pistorius erklärte in einer in Berlin veröffentlichten Mitteilung: Wir kommen unserem Ziel einen großen Schritt näher, bis 2027 eine einsatzbereite deutsche Kampftruppenbrigade an der NATO-Ostflanke aufzustellen. Die heutige Unterstellung der Multinational Battlegroup Lithuania ist ein Meilenstein. Damit gehören der Brigade nun drei Kampftruppenbataillone an. Unsere litauischen Freunde arbeiten parallel mit Hochdruck an der Bereitstellung der erforderlichen Infrastruktur, so wie wir es gemeinsam in der Roadmap vereinbart haben. Wir sind im Plan.
Nach dem Unterstellungwechsel der NATO-Battlegroup von der litauischen zur deutschen Brigade, für die der litauische Heereschef Brigadegeneral Nerijus Stankevičius dem deutschen Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding die NATO-Truppenfahne übergab, folgte die inzwischen 19. Rotation an der Spitze des multinationalen Bataillons: Das Panzergrenadierbataillon 411 aus Viereck unter Führung von Oberstleutnant Tobias Tidau übergab das Kommando an das Jägerbataillon 1 aus Schwarzenborn unter Führung von Oberstleutnant Sebastian Hagen. (Die Liste der bisherigen Rotationen s. unten)
Zusammen mit dem Panzerbataillon 203 aus Augustdorf und dem Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach, die in der vergangenen Woche in Deutschland der Litauen-Brigade unterstellt wurden, hat die Panzerbrigade damit nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums eine Stärke von derzeit rund 2.800 Soldaten und Soldatinnen sowie zivilen Mitarbeitenden. Im Land selbst sind laut Ministerium derzeit rund 1.800 Angehörige der Brigade stationiert, davon rund 500 Soldaten und Soldatinnen aus den anderen NATO-Ländern, die Personal für die Multinationale Battlegroup abstellen.
Fürs Archiv die Übersicht über die multinationale Battlegroup seit 2017:
Beginn und 1. Rotation: Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach
2. Rotation: Panzergrenadierbataillon 371, die Marienberger Jäger
3. Rotation: Jägerbataillon 292 aus Donaueschingen
4. Rotation: Panzerbataillon 393 aus Bad Frankenhausen
5. Rotation: Panzerbataillon 104 aus Pfreimd
6. Rotation: Panzergrenadierbataillon 391 aus Bald Salzungen
7. Rotation: Panzergrenadierbataillon 371, die Marienberger Jäger
8. Rotation: Panzerbataillon 104 aus Pfreimd
9. Rotation: Panzerlehrbataillon 93 aus Munster
10. Rotation: Panzerbataillon 414 aus Bergen
11. Rotation: Panzergrenadierbataillon 411 aus Viereck
12. Rotation: Panzerbataillon 203 aus Augustdorf
13. Rotation: Panzergrenadierbataillon 401 aus Hagenow
14. Rotation: Panzerbataillon 363 aus Hardheim
15. Rotation: Panzerbataillon 104 aus Pfreimd
16. Rotation: Deutsch-niederländisches Panzerbataillon 414 aus Lohheide
17. Rotation: Panzergrenadierbataillon 33 aus Neustadt am Rübenberge
18. Rotation: Panzergrenadierbataillon 411 aus Viereck
19. Rotation: Jägerbataillon 1 aus Schwarzenborn
(Foto: Unterstellung der multionalen NATO-Battlegroup in Litauen unter die deutsche Panzerbrigade 45 in Kaunas. Vorne im Bild Brigadegeneral Christoph Huber, Kommandeur der Brigade – Foto litauische Streitkräfte)
@Ex_Inst, da wäre sicher vieles denkbar. Es bleibt aber dabei, sobald ich keine starre Front habe wird sich das Thema Drohnen wieder ganz anders darstellen und keiner weiß wie.
@Stubenviech, weil eine Brigade nicht nur aus SaZ 2 besteht die ein verlängertes Gapyear zwischen Schule und Studium einlegen. Ja als Indianer in der Brigade die vorne im Schlamm steckt kann man die sicher gezielt anwerben und auch gut einsetzen. Aber das komplette Führungspersonal und auch das Fachpersonal im Hintergrund wird anderweitig herkommen müssen.
Oder wollen sie jährlich einen neuen Ablauf bei der Versorgung im Feld mit Munition und Kraftstoff einüben weil ein neuer Jahrgang eingetroffen ist und das System seiner Vorgänger total kompliziert und umständlich findet und das anders doch viieeelll besser geht.
@Flo: Natürlich besteht eine Brigade zu weiten Teilen aus Mannschaften. An Führungspersonal dürfte ja kein Mangel herrschen…
Jahrzehntelang hat der nahezu sprichwörtliche deutsche OG (Zumeist mit Ausbildung oder Abi) diese Tätigkeiten problemlos wahrgenommen. Warum denn auf einmal nicht mehr?
Ja, man hat sich im letzten Jahrzehnt daran gewöhnt, sich in der eigenen Unfähigkeit zu suhlen und ja, viele OFw bleiben hinter einem klassischen HG zurück; aber das kann doch nicht der Anspruch sein…
Oder hat jemand eine Idee, die gegen diesen Ansatz spricht?
@Stubenviech, klar kann das klappen das ein OG der nicht völlig auf den Kopf gefallen ist im vierten Durchlauf einer Übung den ausfallenden Gruppenführer ersetzt bekommt. Nur bis zu dem Punkt muss ich den erst einmal ausgebildet bekommen und so eine Brigade hat ja noch mehr Dienstposten für Führungs- und Fachkräfte für die sich das nötige Fachwissen nicht Mal eben aneignen lässt. Oder reicht ihnen im Sanbereich auch der OG der schon einige male zugesehen hat beim Nähen?
Ich bezweifle derzeit stark, dass es in absehbarer Zeit möglich sein wird, das nötige Personal aus Freiwilligen zu rekrutieren. Belege für meine Vermutung sind u.a. die persönlichen (Werbe-)Anschreiben von BAPers die im Moment nach und nach jeden erreichen und die Werbetour des BAPers durch Deutschland.
Angeblich soll die Verwendung in Litauen ja attraktiv sein – wieso steht dann in den Schreiben, dass z.B. Verwendungswünsche im Anschluss berücksichtigt werden „können“? Jeder weiß, dass das nicht passiert. Dies wurde mir auch schon bei meiner integrierten Verwendung vorher gesagt, um dann alle Verwendungswünsche vom Tisch zu wischen und mich an meinen alten Standort zu versetzen. Außerdem glaube ich, die finanziellen Anreize für eine freiwillige Meldung sind ebenfalls viel zu niedrig.
Ebenso ist es wirklich löblich (unironisch) dass eine deutsche Schule etc. in Litauen aufgebaut wird. Aber die Lebensrealität vieler Kameraden gibt es einfach nicht her mit der gesamten Familie umzuziehen. Und da gerade Mannschafter fehlen, diese meist jüngeren Alters sind und oft gerade am Beginn ihrer Familienplanung stehen, wundert es mich nicht wenn da nur wenige bereit sind sich freiwillig zu melden.
Unsere Strukturen und Gewohnheiten sowohl gesellschaftlich als auch militärisch sind nicht wie bei den USA z.b. Dort ist es von vornherein klar, wer zur Armee geht, muss mit langen Versetzungen ins Ausland rechnen. Dies ist bei uns anders,
Sicher kann man jetzt sagen, das sind alles Luxusprobleme in Anbetracht der geopolitischen Situation – aber, der Arbeitgeber Bundeswehr ist hier eben bei weitem nicht Konkurrenzfähig im Vergleich zu zivilen Firmen, die weitaus bessere Vergütungen für Personal bieten, welches so lange ins Ausland muss.
@Herr W.: Junge Mannschafter; siehe oben.
@Stubenviech, es geht um komplett verschiedene Zielgruppen. Ja neue SaZ 2 Mannschafter gezielt für eine Verwendung in Litauen anwerben ist eine gute Idee. Das ist dann aber Personal das ich extern gezielt dafür in die Bundeswehr hole.
Daneben brauche ich aber auch Bestandpersonal mit längeren Verpflichtungszeiten das auch schon über entsprechende Fachausbildung verfügt. Die wollen aber nicht so wirklich aus diversen Gründen.
@Flo, 12.02.2026, 21:32 Uhr:
„…Daneben brauche ich aber auch Bestandspersonal mit längeren Verpflichtungszeiten das auch schon über entsprechende Fachausbildung verfügt. Die wollen aber nicht so wirklich aus diversen Gründen….“
Völlig richtig. Die Bundeswehr tut aber auch wirklich alles dafür, dass dieses Bestandspersonal (mit Ausnahme der oberen 5-10%) frustriert ist.
Man investiert intensiv in die Werbung von „Neukunden“, Wiedereinstellern und Weiterverpflichtern, was sehr „zu Lasten“ der Bestandskunden geht. Die miserable Binnenwerbung, auch hier im Blog immer wieder zu lesen kommt nicht von ungefähr.
Immer wieder das gleiche Thema: Hauptsache die Zahlen steigen.
Telekom und Vodafone,…etc. arbeiten genauso.
Demnächst wird befohlen oder grotesk viel Geld gezahlt. ich tippe auf zweiteres.
im yt-Kanal „die andere Frage“ gibt es ein Video zur Bw in Litauen. Die sicherheitspolitischen Aussagen sind etwas dünn, interessanter sind die beiden vorgestellten SoldatInnen. Das Pärchen hat in Vilnius eine Wohnung.
Das sah schon ganz hübsch aus. Könnte durchaus attraktiv sein.
Bei der Beurteilung bitte generell beachten, daß der 08/15-Deutsche die Zielgruppe ist.
@ORR:
Das entsprechende Bestandspersonal kocht halt auch schon seit Jahren im eigenen Saft und hält sich für die beste Erfindung seit vorgeschnittenem Toastbrot… als wir noch eine Armee hatten, in der Wehrpflichtige regelmäßig eine Innenansicht der Veranstaltung mit nach draußen brachten, war das wenigstens noch ein kleines Bisschen anders.
Metallkopf, 13.02.2026, 14:29 Uhr:
„Das entsprechende Bestandspersonal kocht halt auch schon seit Jahren im eigenen Saft und hält sich für die beste Erfindung seit vorgeschnittenem Toastbrot…..“
Zum Einen ist das ja wohl so gewollt, oder zumindest akzeptiert, wenn sogar schon Prämien gezahlt werden, damit ein Soldat einen BS-Antrag einreicht und damit zum Bestandskunden wird.
Zum Zweiten, um Ihr kulinarisches Bild zu vervollständigen, wie mögen Sie Ihren Braten lieber? Roh, oder langsam bei geringer Hitze in eigenem Saft gegart?
Wofür das Bestandspersonal sich selbst hält ist eigentlich völlig egal. Das sind diejenigen, die da sind und Aufträge abarbeiten. Bis die „Neukunden“ soweit ausgebildet und erfahren sind, dass sie übernehmen können, vergehen viel viele Jahre.
Zitat (Der Spiegel vom 12.02.2026, 11.48 Uhr): „Viel zu wenige Freiwillige für die Litauen-Brigade“
Laut den Autoren des Artikels, Matthias Gebauer und Christian Schweppe, steht dieses Projekt unter keinem guten Stern. Im Netz kursieren auch weitere Meldungen nach denen aktuell nur rund 10% des benötigten Personals durch freiwillige Meldungen zur Verfügung steht. Wenn das so bleibt, dann wird das Projekt scheitern. Ich bin gespannt, wie Herr Pistorius das Problem lösen will.
@Schlammstapfer
„… dann wird das Projekt scheitern“.
Sie vertrauen Ihren Worten, – dann Konsequenz vom IBuK, vom Kanzler, von der Bundesrepublik Deutschland?
T’schuldigung liebe Litauer, liebe NATO, wir haben uns getäuscht, unsere Jungs und Mädels haben keine Lust, wir hören auf mit x45.
So oder ähnlich wäre Ihr Ausblick?
Es wird versetzt werden. In 12 Monaten steht die Brigade! Und wer nicht will, zieht den Rock aus.
@ chlammstapfer, 13.02.202617:52 Uhr
„…Wenn das so bleibt, dann wird das Projekt scheitern. Ich bin gespannt, wie Herr Pistorius das Problem lösen will…“.
Wie @ht bereits schrieb: Entweder befehlen, das wird schwierig mit der politischen Akzeptanz oder bezahlen, das wird teuer.
Ein Scheitern wäre gleichbedeutend mit politischem Versagen und ist daher abwegig.
@KPK
Ich habe keinen Ausblick. Wie die meisten Bundesbürger schaue auch ich nur von aussen auf unsere Bundeswehr. Ich kann nicht beurteilen, wie die Stimmung in der Truppe gegenüber diesen Entwicklungen aussieht.
Ich höre die Ankündigungen von unserer Regierung, ich lese was die Kommentatoren, die aktiv oder wenigstens in der Reserve sind, hier im Forum dazu zu sagen haben und ich lese was unsere Presse dazu zu schreiben hat.
Was glauben Sie, welchen Informationsquellen ich die höhere Glaubwürdigkeit zuschreibe?
Werden wir den Ankündigungen nicht gerecht, dann wird das ziemlich blamabel für unser Land. Aber ohne mehr Soldaten können wir den Ankündigungen nicht gerecht werden. Ohne das nötige Material zur Ausrüstung wird da natürlich auch nichts draus.
Aber solange man das Personal nicht hat, kann man das Geld für die Ausrüstung auch ebensogut der Ukraine geben. Wie ich von den Statements der Münchener Un-Sicherheitskonferenz entnehme, ist das auch der Plan.
@Schlammstapfer
„Werden wir den Ankündigungen nicht gerecht, dann wird das ziemlich blamabel für unser Land“.
Und weil das so zuträfe, wird es nicht dazu kommen. Seien Sie unbesorgt.