Deutsche Brigade in Litauen: Verstärkung mit – vorhandener – NATO-Battlegroup
Fast genau neun Jahre nach der Aufstellung des ersten multinationalen NATO-Bataillons unter deutscher Führung in Litauen hat Deutschland einen weiteren Meilenstein für die Verteidigung der Nordostflanke des Bündnisses erreicht: Die NATO-Battlegroup, weiterhin ein multinationales Bataillon, wurde der neuen deutschen Panzerbrigade 45 unterstellt, die dauerhaft in Litauen stationiert wird. Zwei weitere Kampftruppenbataillone waren bereits vergangene Woche der Brigade unterstellt worden, bleiben aber vorerst in Deutschland.
Am 7. Februar 2017 war in dem baltischen Land das NATO-Bataillon stationiert worden, als Reaktion des Bündnisses auf die Bedrohung durch Russland nach der Besetzung der Krim. Unter der Bezeichnung enhanced Forward Presence (eFP, verstärkte vorgeschobene Präsenz) hatte die Allianz in den drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie in Polen jeweils ein solches Bataillon aufgestellt, unter anderem mit der Überlegung, damit auch einen Stolperdraht bei einem russischen Angriff auf die jeweiligen Länder zu schaffen.
Die später in Multinational Battlegroup umbenannte Truppe stand seitdem in Litauen unter deutscher Führung (auch wenn es zwischendurch einen niederländischen Kommandeur gab; die Niederlande stellten und stellen nach Deutschland den zweitgrößten Anteil an dem Bataillon). Das Kommando und auch die entsandten Einheiten rotieren halbjährlich – nicht zuletzt unter der Überlegung, möglichst viele Soldaten die Verlegung mit ihrem Gerät an die NATO-Ostflanke trainieren zu lassen. Seit der Aufstellung 2017 bis zum (heutigen) Mittwoch unterstand diese Battlegroup der litauischen Eiserner Wolf-Brigade.
Nachdem Deutschland Litauen die Aufstellung einer gesonderten Brigade der Bundeswehr in dem baltischen Land zugesagt hatte, war absehbar, dass die NATO-Battlegroup Teil dieser Brigade werden würde. Mit der formalen Aufstellung der Panzerbrigade 45 im vergangenen Jahr wurde auch festgelegt, dass der weitere Aufwuchs der Truppe von der Fertigstellung der Infrastruktur abhängen wird – so sollen ja dauerhaft rund 5.000 deutsche Soldaten, die auch von ihren Familien begleitet werden können, jeweils für mehrere Jahre in Litauen nicht nur stationiert werden, sondern auch ganz normal wohnen.
Bei der formalen Unterstellung der NATO-Battlegroup unter die deutsche Brigade betonte der litauische Verteidigungsminister Robertas Kaunas, mit dem multinationalen Bataillon als Teil der Panzerbrigade 45 sei bereits die Hälfte des Aktionsplans zur Verlegung der deutschen Brigade erfolgreich umgesetzt: Die stärkste Abschreckungsbotschaft an Russland ist heute ganz einfach: Die Soldaten der 45. Panzerbrigade ‚Lietuva‘ der Bundeswehr sind bereits hier in Litauen, sagte der Minister nach Angaben der litauischen Streitkräfte.
Sein deutscher Kollege Boris Pistorius erklärte in einer in Berlin veröffentlichten Mitteilung: Wir kommen unserem Ziel einen großen Schritt näher, bis 2027 eine einsatzbereite deutsche Kampftruppenbrigade an der NATO-Ostflanke aufzustellen. Die heutige Unterstellung der Multinational Battlegroup Lithuania ist ein Meilenstein. Damit gehören der Brigade nun drei Kampftruppenbataillone an. Unsere litauischen Freunde arbeiten parallel mit Hochdruck an der Bereitstellung der erforderlichen Infrastruktur, so wie wir es gemeinsam in der Roadmap vereinbart haben. Wir sind im Plan.
Nach dem Unterstellungwechsel der NATO-Battlegroup von der litauischen zur deutschen Brigade, für die der litauische Heereschef Brigadegeneral Nerijus Stankevičius dem deutschen Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding die NATO-Truppenfahne übergab, folgte die inzwischen 19. Rotation an der Spitze des multinationalen Bataillons: Das Panzergrenadierbataillon 411 aus Viereck unter Führung von Oberstleutnant Tobias Tidau übergab das Kommando an das Jägerbataillon 1 aus Schwarzenborn unter Führung von Oberstleutnant Sebastian Hagen. (Die Liste der bisherigen Rotationen s. unten)
Zusammen mit dem Panzerbataillon 203 aus Augustdorf und dem Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach, die in der vergangenen Woche in Deutschland der Litauen-Brigade unterstellt wurden, hat die Panzerbrigade damit nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums eine Stärke von derzeit rund 2.800 Soldaten und Soldatinnen sowie zivilen Mitarbeitenden. Im Land selbst sind laut Ministerium derzeit rund 1.800 Angehörige der Brigade stationiert, davon rund 500 Soldaten und Soldatinnen aus den anderen NATO-Ländern, die Personal für die Multinationale Battlegroup abstellen.
Fürs Archiv die Übersicht über die multinationale Battlegroup seit 2017:
Beginn und 1. Rotation: Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach
2. Rotation: Panzergrenadierbataillon 371, die Marienberger Jäger
3. Rotation: Jägerbataillon 292 aus Donaueschingen
4. Rotation: Panzerbataillon 393 aus Bad Frankenhausen
5. Rotation: Panzerbataillon 104 aus Pfreimd
6. Rotation: Panzergrenadierbataillon 391 aus Bald Salzungen
7. Rotation: Panzergrenadierbataillon 371, die Marienberger Jäger
8. Rotation: Panzerbataillon 104 aus Pfreimd
9. Rotation: Panzerlehrbataillon 93 aus Munster
10. Rotation: Panzerbataillon 414 aus Bergen
11. Rotation: Panzergrenadierbataillon 411 aus Viereck
12. Rotation: Panzerbataillon 203 aus Augustdorf
13. Rotation: Panzergrenadierbataillon 401 aus Hagenow
14. Rotation: Panzerbataillon 363 aus Hardheim
15. Rotation: Panzerbataillon 104 aus Pfreimd
16. Rotation: Deutsch-niederländisches Panzerbataillon 414 aus Lohheide
17. Rotation: Panzergrenadierbataillon 33 aus Neustadt am Rübenberge
18. Rotation: Panzergrenadierbataillon 411 aus Viereck
19. Rotation: Jägerbataillon 1 aus Schwarzenborn
(Foto: Unterstellung der multionalen NATO-Battlegroup in Litauen unter die deutsche Panzerbrigade 45 in Kaunas. Vorne im Bild Brigadegeneral Christoph Huber, Kommandeur der Brigade – Foto litauische Streitkräfte)
Spannend bleibt weiterhin die Personalgewinnung für die Brigade.
Noch wird hier ja auf Freiwilligkeit gesetzt. Das hier aber bereits „das Ende der Fahnenstange“ erreicht ist, zeigt die aktuell laufende Interessensabfrage an ca. 80.000 Soldaten… Müsste man ja nicht in diesem Umfang, wenn sich bisher genügend gemeldet hätten…
Sollten sich im diesem Rahmen nicht genügend geeignete (!!) Freiwillige finden, wird es nicht mehr lange dauern bis die ersten Soldaten auch gegen ihren Willen nach Litauen versetzt werden.
Die Zeitlinien sind halt eng definiert…
Denn den Litauern wurde eine voll kampfbereite (!!) Brigade bis Ende 2027 zugesichert…
Der „Heldenklau“ wird dann auch in den alten Einheiten der Betroffenen zu deutlichen Lücken führen. Denn ein schneller Ersatz ist ja i.d.R. nicht verfügbar…
Man darf im Übrigen gespannt sein wann eine dauerhaft stationierte Brigade auf Grönland angekündigt wird.
Vermutlich dann europäisch, nicht deutsch… und Marine, nicht Heer…nennt man das dann auch Brigade ?
Die Bundeswehr hat sich für diesen langsamen Aufbau der Litauen Brigade internationalen Spot eingehandelt. Die bestehenden Bataillon hätte man schon vor einem Jahr unterstellen können. Denn das 122. Panzergrenadierbataillon würde der 12. Panzerbrigade „geklaut“ und das Panzerbataillon 203 wurde der Panzerlehrbrigade 9 entzogen, so dass die Bundeswehr durch die Aufstellung der Litauen Brigade 45. keinen einzigen Kampfsoldaten mehr erhält. Oder anders ausgedrückt, auf dem Papier hat die Bundeswehr eine Brigade mehr, in Wirklichkeit gibt es bis jetzt keinerlei Verstärkung der BW bis jetzt. Dies ist unverständlich, weil die BW in ihrer Aufstellungsungzeit ihre Vergrößerung vor allem durch Teilung bestehender Bataillone erreicht hat . Warum hier nicht geteilt wurde, ist mir unverständlich, weil so hätten die betroffenen Soldaten eine freiere Wahl ihrer zukünftigen Einheit, in Deutschland oder Litauen erhalten. Die Battle Group ist nicht neu, sondern wechselt nur die Brigade, auch hier wird eine bestehende Brigade durch den Wechsel geschwächt. Nachdem die Bedrohung aus dem Osten unzweifelhaft ist, erweckt die Verbindung von Fertigstellen der Neuen Kasernen usw, und erst dann Verlegung, bei mir den Verdacht, dass die BW den Litauen nicht traut, dass die Litauer die Kasernen richtig bauen, wenn zuerst provisorisch verlegt würde.
@Felix2: Ohne großen Heldenklau sehe ich keine Möglichkeit, bis Ende 2027 die Brigade aufzustellen. Denn es fehlt noch die Aufklärungskompanie, die Pionierkompanie, das Versorgungsbataillon & das Artilleriebataillon. Woher sollen in nur noch 23 Monaten diese vielen Soldaten gewonnen werden, ohne die „Helden“ aus ihren bestehenden Bataillone zu klauen & ggf zwangsweise nach Litauen zu versetzen? Wir haben nur 5 Artillerie Bataillone bisher(das 6. Artilleriebataillon ist gerade erst am Anfang seiner Aufstellung), so dass ich zb vermuten würde, die BW muss bis zu jeden fünften bisherigen Artilleristen nach Litauen zwangsverpflichten oder als freiwillige gewinnen. Denn max. 23 Monate dürften zu kurz sein, um das fehlende Personal noch auszubildenden. Wehrpflichtige mag man schnell noch ausbilden können, aber die Offiziere & Unteroffiziere kann man nur anderen Bataillonen klauen, die damit über Jahre geschwächt werden.
Der Heldenklau wird zwangsläufig stattfinden.
Die Frage ist nur wann und wie.
Es hieß in den Anfangszeiten der Auslandseinsätze auch „nur Freiwillige“.
Nachdem die Anzahl der Freiwilligen trotz relativ guter Zuschläge sehr „überschaubar“ wurde, mußte jeder, der sich länger beim Bund verpflichten wollte, unterschreiben, dass er/sie grundsätzlich freiwillig bereit ist, auch in den Auslandseinsatz zu gehen. Keine Unterschrift, keine Bw-Karriere.
Im Laufe der Zeit fand der „Pflichthaken Auslandseinsatz“ auch Einzug in die Bedarfsträgerforderungen. Also kein Haken, dann auch keine Förderung, es sei denn mit gesonderter Bestätigung der Vorgesetzten, dass man bis dato noch keine Chance hatte, sich aber auf jeden Fall bewähren würde, etc.
Die Möglichkeiten der Bw sind also noch längst nicht ausgeschöpft. Da kommt ganz sicher noch etwas.
Die Konsequenz aus der Ministeraussage „Eine Brigade IN Litauen“ anstatt „Eine Brigade FÜR Litauen“.
Der BM hat es gesagt, nun muß es auch ein Erfolgsmodell werden, koste es was es wolle.
@closius
Aufwuchs durch Teilung funktioniert nur wenn auch genügend neue Soldaten eingestellt werden. Dieses Ziel hat die Bw-Personalgewinnung „noch“ nicht erreicht.
Das ist in der gegenwärtigen Situation ohne Wehrpflichtige realistisch auch nicht zu erwarten.
Deshalb wurde doch der neue Wehrdient „erfunden“ als Wehrpflicht light.
@Closius
„geklaut, entzogen, den Litauern nicht trauen, Heldenklau, zwangsweise versetzten“.
Wollten Sie eine Kriminalgeschichte schreiben, nur rumpöbeln, oder was soll die „Eleganz der Sprache“.
Der „Heldenklau“ ist dem Frühjahr 1945 zuzuordnen, Versetzung hat generell die Attitüde einer Verpflichtung, wird das nicht akzeptiert: falscher Beruf. Und wer das für sich eben nicht will, auf Wiedersehen.
Es existiert übrigens weder ein 122. Panzergrenadierbataillon noch eine 12. Panzerbrigade.
Die numerische Kennzeichnung ab Verband aufwärts hat im Heer mit Ordnungszahlen nichts zu tun. Vielmehr ist sie Folge der ursprünglichen Gliederung im Feldheer in drei Korps und zwölf Divisionen.
Die daraus folgende Zuordnung von Brig und Rgt sowie Btl wurde zur Aufrechterhaltung der Tradition, ab 1955, beibehalten.
Dass nicht einfach eine bestehende Brigade geschlossen verlegt wurde, hatte (neben dem Festhalten an der Freiwilligkeit) natürlich einfach den Grund, dass man wieder Angst um lokale Arbeitsplätze und Wirtschaft hatte – und um Wahlkreise. Im Ergebnis haben wir jetzt 8 Brigaden, die durch Abgabe von Personal und Material geschwächt wurden, sowie eine Vorzeige-Brigade, die am Ende wahrscheinlich doch nur durch Zwang tatsächlich ihr Soll erreichen wird. Da hätte man vielleicht von Anfang an lieber mit Zwang eine Brigade komplett verlegen sollen.
@Closius:
Manchmal lohnt auch ein Blick in andere informativere Medien. Dann würden Sie wissen, dass der Bau der Infrastruktur planmäßig läuft, der Standard dem DEU gleichzusetzen ist, da es DEU Infrastrukturforderungen an die Infrastruktur gibt, und den Standard so mancher DEU Liegenschaft übertrifft.
Im übrigen ist die Zusammenarbeit zwischen LTU und DEU sehr gut.
Sie tun ja gerade so, also ob nur DEU in der Lage wäre „hervorragende“ Arbeit zu leisten, und auch hier kann ich bestätigen, dass man von LTU auch lernen kann. Auch und gerade bei so einem „Mammutprojekt“.
Grüße aus Vilnius.
[Sehen Sie mal, selbst kleine Pöbler kommen hier zu Wort… T.W.]
@Klaus-Peter Kaikowsky (KPK) sagt:
„05.02.2026 um 10:15 Uhr
Der „Heldenklau“ ist dem Frühjahr 1945 zuzuordnen,
Versetzung hat generell die Attitüde einer Verpflichtung, wird das nicht akzeptiert: falscher Beruf.
Und wer das für sich eben nicht will, auf Wiedersehen.“
„Heldenklau“ in dem hier (!) benutzten Kontext hat nichts mit dem 3. Reich zu tun! (ja, da kam es her…)
Also kommen Sie mal wieder runter!
Diesen Begriff gibt es seit Jahrzehnten in der Bw… ohne Bezug zum 3.Reich!
Und mit dem danach Genannten beschreiben Sie zwar die rechtliche Realität,
werden aber in einer Zeit des Personalmangels bestimmt nicht die Umfänge
an Freiwilligen länger dienenden SaZ/BS gewinnen, die die Bundeswehr
ausschließlich (!) über Freiwilligkeit bekommen kann.
Falls Sie noch zu denen gehören die es nicht wahr haben wollen:
Das Mindset in der Gesellschaft und damit auch der Truppe… ist nicht mehr das wie noch vor 20 Jahren…
Hinzu kommt oft, dass der Soldat Familie hat…
Da gilt auch schon lange nicht mehr das die Ehefrauen/Ehemänner und Kinder alles mitmachen…
Klar, kann man alles ignorieren … dann wird das aber nix mit dem personellen Aufwuchs bei den SaZ/BS…
Egal ob in Litauen oder im Inland…
Kann man annehmen, dass einfache Wehrpflichtige nicht nach Litauen gehen, sondern nur Berufssoldaten? Oder gehen auch Soldaten dorthin, die sich nur für begrenzte Zeit länger verpflichten (falls es das Konzept überhaupt noch gibt)?
Sollen es am Ende 5000 dauernd stationierte Deutsche plus eine Anzahl multinational rotierende werden, oder minus rotierende?
Fragen über Fragen..
Keep calm – Die teilweise emotional dominierenden zum Ausdruck gebrachten „Einlassungen“ einiger Foristen passen zum Teil in unser derzeitiges Gesellschaftsbild hinsichtlich der generationenübergreifenden Grundeinstellung gegenüber unseren Streitkräften. Trennung: Die PzBrig 45 Litauen ist ein, wenn nicht das Leuchtturmprojekt der Bundeswehr und das personelle Gestellungssoll wird erreicht werden, so oder so.
@Dietrich Schulten, bevor es Wehrpflichtige in der Panzerbrigade 45 gibt braucht es erst einmal wieder Wehrpflichtige in der Bundeswehr.
Und dann wird die Frage sein was für Dienstposten gibt es die mit Wehrpflichtigen besetzt werden könnten, welche Ausbildungen sind dafür nötig, wie lange dauern die und welche Stehzeit auf dem Dienstposten ergibt sich dann noch aus der Länge des Wehrdienstes.
Fakt ist doch, das man die Panzerbrigade 45 nur in Litauen stationieren und die 10. Panzerdivision auf Nato Niveau heben konnte weil man sich bei anderen Divisionen wie der 1. Panzerdivision deren nachgeordneten Dienststellen sowie zu kleineren Teilen bei der Gebirgsjägerbrigade 23 bedient hat. Konsequenterweise wurden dort die personellen und materiellen Löcher gerissen was bedeutet das vor allem die Aufrüstung der 1. Panzerdivision aktuell absolute Priorität haben muss, zumal diese ja laut Zielbild Heer zum großen Teil Träger der mittleren Kräfte sein soll. Eventuell müsste man nach dem Abzug PzBtl. 203 noch über ein weiteres Panzerbataillon nachdenken wenn die schweren Kräfte der Division in der Panzerlehrbrigade 9 gebündelt werden sollen.
@ Marcus 05.02.2026, 17:33 Uhr:
„… weil man sich bei anderen Divisionen … bedient hat. Konsequenterweise wurden dort die personellen und materiellen Löcher gerissen…“.
Volle Zustimmung. Aber auch das hat doch System. In den 2010++Jahren hat man auch dafür gesorgt, dass die TrTle, die in die Einsätze gingen möglichst gut ausgestattet waren (zu Lasten der Truppe, die in Deutschland blieb). Hier fehlte es an (fast) allem. Ich erinnere da nur an die Marder mit den Besenstielen als MK Rohrattrappe, weil es den Besatzungen peinlich war.
Dies Vorgehen hatte sogar schicke Namen wie „dynamische Verfügbarkeit“, die Truppe nannte es eher „Kannibalisieren“, was auf Ebene des BMVg gar nicht gern gehört wurde.
Also nicht wirklich neu. Was tatsächlich neu ist, es ist neues Material bestellt, das im Laufe der Zeit zulaufen soll. Mal schauen, was es tatsächlich kann und welche „Tretminen“ á la Einrüstung Digitalfunk da noch so kommen. Es bleibt spannend.
@ Marcus
Die 1. PzDiv erhält mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zukünftig das NLD PzBtl der X43, welches in Bergen/Lohheide neu aufgestellt (werden) wird.
Genau dies @ORR muss aufhören, das man sich ständig zu Lasten anderer Einheiten personell wie materiell bedient Dieses „Dynamische Verfügbarkeitsmanagement“ war der größte Schwachsinn den man je eingeführt hat, aber ich habe den Eindruck man hat so langsam im BMVG begriffen das man so nicht mehr weitermachen kann.
@Vodoo PzBtl 414 hat doch schon in 2019 volle Einsatzbereitschaft erreicht, nachdem in 2015 die Aufstellung angekündigt wurde. Aber gut wäre es auf jeden Fall, weil dann die Panzerlehrbrigade 9 eine Kompensation für de Abgabe des PzBtl 203 erhält.
@Voodoo
Die Niedersachsen-Kaserne in Bergen-Hohne/Lohheide wird nach bisheriger Absicht das neue NLD PzBtl Leo 2 A8 (46 – 50 KPz, genaue Zahl nicht entschieden) beherbergen. Der Zulauf der KPz beginnt ab 2027, Aufstellungsende mit FOC soll 2030 bestehen.
Leider gibt’s auf/in NLD Webseiten/Medien keine Information zum Verbleib des DEU/NLD PzBtl 414.
Gerüchteweise soll 414 bei x43 ustl bleiben und das neue Btl zur „13 Lichte Brigade“ zugeordnet werden, die derzeit der Umgliederung einer InfBrig zur Brig mittlere Kräfte unterzogen ist.
Sobald die ersten nach Litauen befohlen werden, ist es natürlich aus mit der Mär der „Vereinbarkeit von Soldatenberuf und Familie“. Dass wird viele jüngere Kameraden kalt erwischen.
@Ferngärtner
Den Zusammenhang verstehe ich nicht ganz. Wenn jemand nach Litauen versetzt wird, und das nicht aufgrund freiwilliger Meldung – warum sollten dann die übrigen Dinge wie Familienmit/nachzug nicht mehr gelten? Nur wer sich freiwillig meldet darf die Familie mitnehmen?
@T.Wiegold, ich gehe davon aus das die Familie jeder mitnehmen darf egal ob freiwillig oder versetzt.
Aber, will jede Familie mit? X Jahre im Ausland den Haushalt schmeißen ist halt nicht das was alle sich erträumen. Nicht für alle Partner wird man auch eine passende Beschäftigung vor Ort finden können.
Dem neuen Kommandeur OTL Hagen alles Soldaten-Glück .
Is’n Guter.
Und ganz ehrlich warum sollte eine Frau mit Kindern ernsthaft in einen solchen Flashpoint in spe ziehen.
Das würden Amerikaner auch nicht in potentiellen Krisenherden den Soldatenfamilien zumuten.
Da beisst sich das vdL’sche Modell der Kita-Kaserne mit reellen Kriegsszenario.
Für meine Begriffe sehr unprofessionell privates und berufliches in dem Szenario zu vermengen.
@ Marcus, 05.02.2026, 20:16 Uhr:
„…aber ich habe den Eindruck man hat so langsam im BMVG begriffen das man so nicht mehr weitermachen kann.“
Das BMVg sorgt zunächst einmal dafür, dass der Minister gut aussieht und dass die entsprechenden Führungskräfte gut ausseshen. Wenn dann noch „Platz“ für die Truppe ist, dann vielleicht.
Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
Bei manchen Kommentaren hier könnte man meinen, dass Litauen wahlweise ein Drittweltland ist; bzw. der Schützengraben direkt am Kasernentor beginnt.
Grade beim Wirtschaftswachstum und bei der Digitalisierung kann sich Deutschland schon was abschauen.
Und ich frage mich auch, wo die ganzen Angehörigen der Bundeswehrsoldaten gelebt haben, als Deutschland noch „Frontstaat“ im kalten Krieg war.
Und hinsichtlich Versetzung. Jedem Zeitsoldaten sollte doch bewusst sein, dass er/ sie jederzeit in der Republik versetzt werden kann, Einsatzverpflichtungen hat man doch hoffentlich mit Unterschrift auch zugestimmt.
Ist es denn wirklich unzumutbarer in Litauen zu dienen, wie wenn man beispielsweise von Süddeutschland nach Lehnin versetzt wird? Wahrscheinlich ist man mit entsprechenden Flugverbindungen am Wochenende aus Litauen sogar schneller „daheim“.
@Marcus
Wir sprechen hier von zwei verschiedenen Verbänden:
PzBtl 414 ist ein binationaler Verband DEU/NLD und gehört zum „Project TAURUS“, dem Fähigkeitserhalt MBT des niederländischen Heeres ( https://www.rijksfinancien.nl/sites/default/files/extrainfo/beleidsdoorlichtingen_periodieke%20rapportages/2024%20NLD-DEU%20samenwerkingsverbanden.pdf ) begonnen 2011.
Mittlerweile wurde beschlossen, dass die NLD aufgrund der veränderten Sicherheitslage wieder eigene KPz-Verbände betreiben möchten, weswegen ganz konkret ein PzBtl neu aufgestellt werden wird, siehe @KPK vom 05.02.26 Was dann genau mit 414 passiert, ist in der Tat noch unklar, es gibt da verschiedene Ansätze – seitens der NLD scheint man aber das Project TAURUS grundsätzlich weiterführen zu wollen. Bisher ist man in den NLD aber wohl noch sehr wortkarg bezüglich „Unterstellungen und Abgaben“… ;-)
@Voodoo
Die Niederlande hatten über ca 8 Monate ein „Geschäftsführendes Kabinett“. Seit dem 28.01.26 besteht eine neue Regierung, allerdings als Minderheitenkabinett aus drei Parteien, gestellt von Linksliberalen, Rechtsliberalen und Christdemokraten. Neuer Ministerpräsident ist aus „D66“ der linksliberale Rob Jetten. Hinsichtlich bedeutender Strukturentscheidungen mit finanzieller Auswirkung konnte bisher also nichts wirklich entschieden werden.
Entsprechende Beschlüsse werden im ersten Halbjahr nunmehr jedoch gefasst werden müsse n: Lohheide soll ab in 11 Monaten das neue PzBtl (pantserbataljon) aufnehmen.
Wenig genug Zeit.
Hinsichtlich „Unterstellungen und Abgaben“ kann es spannend werden, die Deutschfreundlichkeit wird im neuen Kabinett weiterhin ein festes Standbein haben. Die „Landmacht“ kann ohne Rückgriff auf DEU Üb/Schießplätze innerhalb der NLD nur bis zum Zugrahmen üben – und nur eingeschränkt feuern.
Bedeutsam in diesem Zusammenhang ist die Person der neuen Verteidigungsministerin:
Dilan Yesilgoz (Mutter türkisch, Vater Kurde), gebürtig aus Ankara, ist Parteivorsitzende der VVD ~ (rechtsliberale) Volkspartei für Freiheit und Demokratie. Im letzten „Kabinett Rutte“ war sie Justizministerin.
Sie gilt als mitte-rechts in ihren politischen Ansichten, hinsichtlich der Streitkräfte sind aussagekräftige Informationen bisher nicht erfolgt.
Als sicher muss erwartet werden, dass innerhalb von „defensie“ Möglichkeiten des Handelns erarbeitet wurden und es „nur“ noch der Entscheidung bedarf.
Zu beachten ist, noch das alte Kabinett hatte eine Erhöhung im Streitkräfteumfang von 80.000 auf 122.000 Soldaten und ziv Mitarbeitern vorgesehen. Die erste Zahl beinhaltet 27.000 zivile Mitarbeiter, deren Zahl bei allgemeiner Vergrößerung naturgemäß auch wachsen wird.
Die Entscheidung zur NLD Panzertruppe ist also im Gesamtrahmen der Streitkräftevergrößerung zu beschließen.
PS: Aus persönlicher Sicht ist ein Verbleib von dann zwei (NLD) PzBtl in Lohheide zweckmäßig, Platz ist reichlich vorhanden. Allerdings wäre 414 zu „entflechten“ und jeweils für das DEU und das NLD Heer zu einem neuen Verband aufzubauen.
@Vodoo
Besten Dank für die Erläuterungen. Ich denke auf die Niederländischen Planungen sollte man sich nicht zu sehr verlassen gerade wenn die @KPK gesagt hat das neue PzBtl ebenfalls der 43 mechanisierten Brigade unterstellt werden soll. Die Bundeswehr muss für Ihre Panzerlehrbrigade 9 tätig werden und sich nicht ausschließlich auf andere verlassen.
@doc, 06.02.2026 um 12:52 Uhr
Sie gehen davon aus, dass die Amerikaner das den Soldatenfamilien nicht zumuten würden an potenzielle Kriesenherde zu ziehen?
Bedenken Sie dabei bitte, dass Deutschland vor der Wiedervereinigung ein ebensolcher potentieller Kriesenherd war und trotzdem zehntausende Soldatenfamilien aus den Vereinigten Staaten hier gewohnt und sogar gearbeitet haben – mit der amerikanischen Version von „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“.
(übrigens haben die Amerikaner auch die KiTa im Kasernenbereich. Nichts neues also….dann scheinen die Amerikanischen Streitkräfte nach Ihrer Einschätzung wohl unprofessionell zu sein)
@ SanHG93, 06.02.2026, 14:48 Uhr:
„…Und hinsichtlich Versetzung. Jedem Zeitsoldaten sollte doch bewusst sein, dass er/ sie jederzeit in der Republik versetzt werden kann, Einsatzverpflichtungen hat man doch hoffentlich mit Unterschrift auch zugestimmt…“.
Formal (in der Theorie) ist dies vielleicht so. Die Realität sieht aber anders aus. Wenn die Bw sich bereits bei dem Nachwuchs bemüht die Ausbildungsstandorte für die Basisausbildung so zu wählen, dass es für den Bewerber möglichst heimatnah wird. Wenn langdienende Mannschaften eine Förderung in die UmP Laufbahn ablehnen, weil sie dann für einige Monate weiter weg auf Lehrgänge gehen müssen, dann habe ich an der Umsetzung Ihrer Theorie erheblichen Zweifel. Gleiches gilt übrigens für eine Förderung zum A9 mZ bzw. A 15. „Förderung gern, aber bitte nicht 450km entfernt von zu Hause.“
Und es gibt reichlich Beispiele, da gibt die Bw dieser Haltung nach, Hauptsache der Mensch kündigt nicht.
@T.Wiegold
Damit meine ich, dass das eine große Belastung für Partnerin/Partner sowie Kinder wird für Jahre aus dem gewohnten Umfeld in Deutschland rausgeholt zu werden. Die Partner müssen sich dort Arbeit suchen, die Sprache lernen, sind fern von Familie und Freunden. Um dann nach 3 Jahren wieder alles hinzuwerfen und in Deutschland erneut Arbeit/Wohnung zu suchen. Die einzige andere Option ist eine Fernbeziehung über 3 Jahre, mit Besuchen an einigen Wochenenden bzw. in Urlaubsphasen.
Beide Optionen sind nicht einfach, und werden ihren Teil zur bereits jetzt hohen Trennungsrate bei Soldaten beitragen.
Dennoch wird auf der Bundeswehr-Website weiterhin die „Vereinbarkeit von Familie und Dienst“ angepriesen.
Dies wird insbesondere diejenigen hart treffen, die nicht freiwillig dorthin wollen. Darauf will ich hinaus.
@ORR @SanHG93
Sicher, LTU ist kein Dritte-Welt-Land. Aber was kann die Ehefrau dort unternehmen oder arbeiten ? Nur zu Hause herumsitzen, ohne Freundeskreis u.a. oder in der „Angehörigen-Blase“ leben ?
Bei der aktuellen Arbeitsmarktlage überlegt man es sich doppelt eine Stelle aufzugeben und nach Rückversetzung des Ehegatten quasi vor dem Nichts zu stehen; das zusätzliche Einkommen fällt ja auch weg.
Und nicht vergessen: viele Ehen gehen leider auch durch extreme Fernbeziehungen in die Brüche, Wochenendpendeln fällt aus, vielleicht gibt es einen Heimflug im Monat. Scheidungen sind teuer – finanziell aber auch unter sozialen Gesichtspunkten.
Man sollte einmal erheben wie denn die Partner zu einer möglichen Versetzung des Anderen stehen.
Zwei militärgeschichtlichee Anmerkungen: 1) Der Heldenklau war kein Phänomen des Jahres 1945, sondern schon ab Mai 1942 (!) der General der Infanterie Walther von Unruh, später dann „„Sonderbeauftragter für die Überprüfung des zweckmäßigen Kriegseinsatzes“. Ursprünglich war der Spitzname Heldenklau nur auf ihn bezogen. Solche oder ähnliche „Sonderbeauftragte“ gab es seit dem 18. Jahrhundert in etlichen längeren bzw. größeren Kriegen, zum Beispiel den Befreiungskriegen 1812-1814 bei der russischen und preußischen Armee. Oder im Ersten Weltkrieg bei nahezu allen Armeen, oft aber eher informell und nicht „öffentlich“. Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, dass der Drang zum Dienst oder gar Heldentum bei Schnee und Regen ungleich unter den Menschen verteilt ist und manchmal einfach die Organisation nicht klappt. 2) Was sich auch nicht gleich erschließt, warum das mindestens dreihundert Jahre alte System des „Auskalbens“ von Verbänden nicht genutzt wird. Meiner Einschätzung nach ein dramatisches Zeichen der Knappheit von Personal und Material, wenn man keine Perspektive sieht, einen geteilten Verband oder abgegebene Einheiten zeitnah wieder „aufzufüllen“… und zu einem einsetzbaren Kampfverband zu schmieden…Wie es klappen kann zeigte die Umgliederung der preußischen Kavallerie im Winter 1814/1815. Bei Waterloo im Juni 1815 trugen die Eskadronen oder Einzelsoldaten mancher Regimenter noch ihre alten Uniformen und gaben also im Verband ein ziemlich „unpreußisch buntes Durcheinander“ ab. Und haben doch den Feldzug gewonnen, weil Ausbildung und Führung durch das Offizierkorps funktionierten…. Wir wären also wieder bei der Frage nach einer energischen, zielführenden heutigen Führung der Bundeswehr, besonders des Heeres. Wie oben schon von anderen geschrieben: Truppe in den Mittelpunkt des Führungshandelns.
Die Bundeswehr baut eine zusätzliche Brigade im Ausland auf. Da dies nicht nur mit neu eingestellten Soldaten erfolgen kann ist ein teilweiser Übergang aus dem bestehenden Brigaden notwendig. Im Rahmen des angelaufenen personellen Aufwuchses muss dieser dann sowohl der neuen als auch den bisherigen Brigaden zufließen. Man flankiert den Aufbau der Brigade im Ausland mit diversen finanziellen und infrastrukturellen Maßnahmen um möglichst viele Soldatinnen und Soldaten auf freiwilliger Basis zu diesem Wechsel zu motivieren,
Was soll an dem bisher Geschilderten falsch sein? Aus meiner Sicht einfach gar nichts.
Natürlich passieren in der Kommunikation und Umsetzung Fehler. Die Schärfe der hier von Einigen geäußerten Kritik kann ich allerdings nicht nachvollziehen.
Eine erwachsen werdende Bundeswehr hat Wachstumsschmerzen. Manche Gehirnareale müssen neu ausgerichtet werden. Einige Erfahrungen müssen erst noch gemacht werden. Aber wenn der Körper wächst und kräftiger wird und die Persönlichkeit reift, dann werden wir bald den jungen Erwachsenen erkennen können.
SanHG93 sagt:
06.02.2026 um 14:48 Uhr
Genau so ist es. Das ewige Gejammer, weil man Mutti mal eine Woche nicht sieht, ist mir völlig unverständlich. Der Soldatenberuf bringt es nun einmal mit sich, auch Ortsfremd den Dienst zu versehen. Das gilt auch für Bundesbeamte.
Der von
ORR sagt:
07.02.2026 um 9:18 Uhr
angesprochene Umstand: „Wenn die Bw sich bereits bei dem Nachwuchs bemüht die Ausbildungsstandorte für die Basisausbildung so zu wählen, dass es für den Bewerber möglichst heimatnah wird.“
ist eine Fehlentscheidung der Führung aber leider auch eine Realität. Bewerber hat man genug. Es fehlt an geeigneten Bewerbern. So kommt es zu diesen Entscheidungen.
Für mich galt das schon während des Dienstes und heute in der Reserve. Dann komme ich halt mal 4/6/8 Wochen nicht nach Hause. Für die Wirtschaft gilt das analog. Ab dem gehobenen Management sagt der Arbeitgeber, wo es hingeht. Ich kann einmal ablehnen, mit guter sachlicher Begründung ein zweites Mal. Beim dritten Mal bin ich aus der Förderung raus. Zu recht.
Das bringt es mit sich, daß ich mit meiner Partnerin offen damit umgehe. Das sehe ich bei den meisten Betroffenen nicht, weder bei den aktiven Soldaten noch in der Reserve. Eine der häufigsten Begründungen nicht üben zu können, ist neben dem Unwillen des Arbeitgebers, weil die Frau es nicht will.
Die Abfrage in meiner Einheit hat ernüchternde Zahlen geliefert:
-94% haben kein Interesse an einer Verwendung in der PzBrig 45
-2,5% haben Interesse an einer Verwendung
-3,5% wünschen ein Beratungsgespräch
Jetzt mag man das Prinzip der Freiwilligkeit vielleicht aussetzen und hoffen, dass der personelle Aufwuchs auf dem Papier gelingt, aber Einsatzbereitschaft gewinnt man mit einer demotivierten Truppe nicht.
Und zurück bleiben gefledderte Einheiten, die zusehen müssen, wie Sie die große Auftragslage bewältigen.
Die Realität ist doch, dass sich die Bundeswehrführung mit dem derzeitigen Ansatz einer Vorortstationierung vergaloppiert hat. Leutturmprojekt hin oder her.
Die Ehrlichkeit verlangt die Lage neu bewerten und neue Möglichkeiten des Handelns zu erarbeiten.
Wir benötigen einen Ansatz, der bei Aufrechterhaltung der starken Übungsaktivität mit der Ressourcenbindung für die großen Plänen des personellen Aufwuchses in der Fläche (zusätzliche Basisausbildungen, etc) zusammen funktioniert.
@Windlicht, das Problem an der Idee „aus mehreren Kompanien einen Zug abziehen um eine weitere Kompanie zu bekommen und dann auffüllen“ ist das am Ende der Aktion ihre Gesamtstärke +1 Kompanie ist. Ich habe aber noch nix vernommen das die Zielstärke für die Bundeswehr für das Jahr x um die ~5000 Dienstposten der Panzerbrigade 45 erhöht wurde.
Sprich man will zwar eine Brigade mehr haben aber nicht nass werden und sich zu mehr Soldaten bekennen.
Der gute alte Spruch „Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken“ beschreibt die Aussagen vieler Kommentatoren hier sehr gut.
Führung, Führung, Führung.
@ EinhFhr, 07.02.2026, 14:35 Uhr: „… Die Ehrlichkeit verlangt die Lage neu bewerten und neue Möglichkeiten des Handelns zu erarbeiten….“
Volle Zustimmung, aber wann in Ihrer Dienstzeit haben Sie denn Ehrlichkeit auf höheren Ebenen erlebt?
Es gab und gibt ab einer bestimmten Führungsebene nur noch das „Grünzeichnen“ des politischen Willens.
Da können Sie die Aussagen „…es geht bergauf, die Talsohle ist durchschritten…“ über „Die FDGO wird auch am Hindukush verteidigt“ oder auch „…Die Bw ist einer der attarktivsten Arbeitgeber Deutschlands…“ sehr gut einordnen.
Der Primat der Politik ist ja grundsätzlich nicht verkehrt, er setzt aber voraus, dass die militärische bzw. militärpolitische bzw. politische Führung (da ist es wieder) damit auch verantwortungsbewußt umgeht.
Sehr oft wird aber der politische Wille nach unten „durchgereicht“, ohne auch nur im Ansatz eine Ahnung zu haben, wie es funktionieren könnte. Die Truppe macht das schon. Das war vor 25 Jahren nicht anders. Leider.
@Flo: Treffend formuliert, warum eigentlich gute und bewährte Methoden heute unter dieser politisch-militärischen Führung nicht klappen können. Ha hilft auch ein Nachfragen beim ZSMBw in Potsdam wenig…
@ORR, @EinhFhr und andere Berufsskeptiker:
Da stinkt nicht der Fischkopf, sondern Putin steht vor der Tür und die Amerikaner im „Suwalki Gap“ sind unsichere Kantonisten geworden. Mich beschleicht der Eindruck, dass der Ernst der Lage an der fälschlich immer noch als NATO-Ostflanke bezeichneten potentiellen baltischen Front in der berühmten Schlammzone noch nicht verstanden oder zumindest verinnerlicht ist. Der Verteidigungsminister hat eine permanente Brigade in LIT versprochen – seine (ihm verfassungsgemäß zustehende) politische Entscheidung. Das Heer stellt diese in der Form der x45 auf. Wenn das Personal sich nicht mit der „Karotte“ ködern lässt, wird es versetzt (sog „Stock“). Die Zeiten an denen auf jeden Ehepartnerwunsch, jede Heimatnähe und jeden Hausbau Rücksicht genommen werden kann, sind (leider wieder) vorbei. Es geht aber nicht um irgendwelche politischen „Leuchttürme“, sondern schlicht um den Schwerpunkt des Deutschen Heeres in der Umsetzung einer Regierungsentscheidung zur LV/BV. In Sachen Bezahlung, Betreuung und Ausstattung wird in LIT viel geboten. Vieles ist aber such Neuland, es quitscht, es ist nicht leicht, da ungewohnt und der Umbau ist insgesamt enorm. Wer Soldat geworden ist muss aber (leider – Danke Putin) heute damit rechnen befohlen zu werden, damit in LIT deutsche Truppe sichtbar RUS abschreckt. Das ist politisch gewollt und wird im Baltikum wärmstens gedankt. Verteifigt wird fie EU-Aussengrenze. Das ist schwierig, es fordert Einsatz, aber es braucht eine geistige Wende auch in der Bundeswehr selbst – ähnlich wie in den 1990ern mit den Einsätzen. Für die Sicherheit Deutschlands, Europas und der NATO hält sich das deutsche Volk ihre Bundeswehr. Wenn selbst ein Über-80-Millionen-Volk mit der Wirtschaftskraft Deutschlands keine Brigade in LIT aufgestellt bekommen sollte (was ich bezweifle), dann könnten wir alle gleich die alten Russischwörterbücher schon einmal mit ein paar Helmen ins Baltikum schicken… Wenn sich kaum einer mehr freiwillig meldet, dann gilt es sich sicher zu fragen, ob nicht in der Vergangenheit unter falschen Prämissen eingestellt wurde und anders geworben werden muss, aber letztlich spielt erst einmal auch das alles keine Rolle, da eben der rechtmäßige Befehl am Ende des Tages ein Befehl ist und Soldaten diesem gehorchen. Personal wird im Schwerpunkt eingesetzt. Lücken werden danach baldmöglich geschlossen – am Ende wohl mittels Wehrpflicht nach zu geringen Freiwilligenmeldungen. Es ist ausnahmsweise – um im Bild zu bleiben – nicht der Kopf der der stinkt, sondern der (Fisch)Schwanz, der versucht mit dem Hund alias Fisch zu wedeln und die Gesellschaft, die immer noch nicht verstanden hat, dass nich irgendeine „die Bundeswehr“ das Sicherheitsproblem zu lösen haben wird, sondern die deutsche Gesellschaft als Staatsbürger teilweise auch in – manchmal ungeliebter – Uniform.
[Wäre schon nett, wenn Sie nicht jedesmal einen neuen Nick verwenden würden. T.W.]
Ich wünsche den Soldaten in Litauen alles Gute und das Ihr Dienst verhindert, dass überhaupt ein Feindkontakt stattfindet. Desweiteren lese ich häufiger über die Ausstattung der Brigade mit Schützenpanzern und Panzern, gepanzerte Fahrzeuge etc. . Wenn man sich die Entwicklung des Kriegsgeschehen in der Ukraine anschaut, erkennt man aber sehr schnell wie wichtig Drohnen und Drohnenabwehr in kürzester Zeit geworden sind. Ich bin erstaunt wie schnell auch Rußland im Bereich der Drohnen ständig dazulernt. In diesem Bereich wirkt die Bundeswehr nach meinem Eindruck noch gar nicht gut aufgestellt. Ich hoffe dass die Brigade in Litauen möglichst schnell auch effektive und umfangreiche Mittel für diesen neuen Drohnenkrieg erhält.
@ Kullervo Kalervon poika (oder wie Sie sonst heißen), 08.02.2026, 21:18 Uhr:
„…Der Verteidigungsminister hat eine permanente Brigade in LIT versprochen – seine (ihm verfassungsgemäß zustehende) politische Entscheidung….“
Das klingt erst mal gut. Ist das auch wirklich so?
Ich empfehle hier das kritische Studium der Grundlagen wie Art 87a GG, Amtseid der Bundesminister, Stationierung im Ausland, usw.
Also unverändert, der Fisch beginnt am Kopf zu stinken, aber bewahren Sie sich Ihren Glauben an das System.
ORR sagt:
08.02.2026 um 9:46 Uhr
„…Die Bw ist einer der attarktivsten Arbeitgeber Deutschlands…“
Bei aller Kritik von mir … aber genau so sehe ich das. Wer sich auf die Bürokratie einlässt, sein Glück selbst in die Hand nimmt und nicht darauf wartet, daß ihm der Weg geebnet wird, wer weiter gewillt ist, sich den Anforderungen zu stellen, der kann mit der Bundeswehr mit Vollpension die Welt bereisen und das nicht nur im Krieg. Es gibt weltweit DP für alle Dienstgradgruppen. Jung beginnen als SaZ, dabei bleiben als BS oder nach 12/16 Jahren in die Wirtschaft, alles ist möglich. Wäre ich am Anfang der Karriere, würde ich die Brigade in Litauen als Chance sehen und nicht als Geißel.
@Jürgen H., ja im Bereich Drohnen hat die Bundeswehr noch die eine oder andere Lücke was Fähigkeiten angeht.
Die Frage ist aber, werden die bei einer möglichen Konfrontation im Baltikum fehlen? Das was wir aktuell in der Ukraine sehen ist die hochtechnisierte Variante vom Grabenkrieg des ersten Weltkrieges.
Sobald Bewegung in die Front kommt oder immer drin bleibt dürfte sich die Bedeutung von Drohnen massiv verändern. Per Glasfaser steuert sich eine Drohne aus einem fahrenden Boxer heraus deutlich schlechter als aus einem ortsfesten Keller.
Bevor hier ein unrichtiger Zungenschlag reinkommt; ich befürworte sehr wohl den Aufwuchs der Bw und auch die Stationierung einer Brigade an der NATO-Ostflanke. Ich kritisiere aber das WIE (überstürzt, nicht koordiniert).
@Andreas Westphal, 08.02.2026, 22:28 Uhr:
„…der kann mit der Bundeswehr mit Vollpension die Welt bereisen und das nicht nur im Krieg. …“
Mit der Aussage könnten Sie Personaler werden. Sie ist nicht falsch, entscheidend ist das KANN.
Zunächst einmal muss es den Bedarf geben. Dann muss die „Papierlage“ (Ausbildung, Beurteilung, Verwendungsreihe) passen und dann KANN der Bedarfsdecker des BAPersBw eine entsprechende Verwendung vorsehen. Entscheidend ist aber: Das Bereisen der Welt mit Vollpension ist nicht der Zweck des Dienstes. Das ist immer noch die Wahrung der FDGO. Und dazu gehört als ultima ratio auch das Abliefern tödlicher Wirkmittel beim Gegner.
@Flo: Wenn der Boxer selbst vernetzt ist, steuert vielleicht bald jemand ganz woanders die Drohne und die Glasfaser ist nur das letzte Stück auf dem Weg, zur Vermeidung von Störungen bei der unmittelbaren Zielbekämpfung.
Aber ja, Herausforderungen werden Lösungen bedingen und die Lösungen der Gegenseite werden zu Herausforderungen für die eigenen Soldaten.
@ORR:
Wie kommen Sie denn auf den Gedanken, dass Art. 87a GG ein Problem dahingehend darstellte, Soldaten im verbündeten NATO-Ausland zu stationieren? Lesen Sie mal Artikel 24 Abs. 2 GG! „System gegenseitiger kollektiver Sicherheit“, aha. NATO-Vertrag und -Truppenstatut. Kein „Out-of-area“, da in Abstimmung mit Litauen und auf NATO-Territorium, also: Haken dran. Natürlich handelt es sich vermutlich um einen zustimmungspflichtigen Auslandseinsatz, weil die Truppe ja mit einiger Wahrscheinlichkeit im Falle eines russisch/belarussischen Angriffs in Kampfhandlungen unmittelbar verwickelt würde, aber aus Sicht des Grundgesetzes stinkt da wenig bis nichts.
Sie glauben doch nicht ernsthaft, ein Bundesminister würde eine solche Entscheidung im Alleingang ohne die Abstimmung innerhalb der Regierung, zumindest mit dem Kanzler verkünden, oder? So etwas ist durchaus vorbereitet und die parlamentarische Zustimmung bei entsprechend stabiler Regierung zu erwarten.
@Metallkopf, klar ein Rüstsatz „Drohnenträger ferngesteuert“ für den Boxer wäre denkbar.
Aber auch der würde nicht das Problem lösen das ich mit einer Drohne an 20 km Glasfaser nicht mehr mobil bin. Dann muss ich halt nicht mehr den Operator mit seinem Equipment verstecken und irgendwo ein kleines Loch lassen durch das die Drohne startet sondern den kompletten Boxer.
Dann schon eher eine ferngesteuerte Basis damit ich komplett ohne Personal draußen auskomme
Moin,
warum wirbt man nicht gezielt SaZ 2 (bzw. flex) für die Brigade an?
Angehende Studenten könnten sich so ein finanzielles Polster erarbeiten und zudem in den Semesterferien dort RDL ableisten.
Wenn man es ganz geschickt anstellt, könnte man vielleicht auch den einen oder anderen dafür gewinnen, in Litauen zu studieren.
Dass dort die EU verteidigt und international zusammengearbeitet wird, könnte hierbei durchaus in der Werbung thematisiert werden.
Eine Brigade ohne Artillerie Btl ist keine Brigade, abgesehen von den ebenfalls nicht vorhandenen Kräften um nach dem Brigadeprinzip das Gefecht der verbundenen Waffen autark führen zu können.
Eine Brigade ist eben nicht nur eine Größeneinheit.
Eine Brig hat vielleicht 20-30 km Frontbreite in der Vtg. Wer werden die Nachbarn sein ? Wer die operative Reserve. Woher kommt der Wehrleitersatz ? Woher der Ersatz für zerstörte Gefechtsfahrzeuge, Mun, Nachschub, Logistik. Keine Instandsetzungskomponenten, keine Heeresflugabwehr , keine Pi Kräfte. alles was früher auf Div, Korps-Ebene „heruntergereicht“ wurde , ebenfalls Fehlanzeige.
Eine Brig im fremden Land. Durchhaltefähigkeit im robusten Gefecht 14 Tage.
Sorry . Das ist alles mehr als unseriös, ebenso der Kriegsspiel Blödsinn in der Welt.
Man kann es kaum fassen .
ORR sagt:
09.02.2026 um 10:39 Uhr
Danke für die Hinweise. Das wusste ich nicht.
@Flo: z.B. der Boxer setzt eine DGU (Drohnenbodeneinheit) ab die ist per Funk/Sat mit dem Boxer oder anderer Kontrolleinheit verbunden per GF mit der/den Drohne/n.
Ist/Sind die Drohne/n „verbraucht“ kann man die DGU bei Gelegenheit aufsammeln neue Drone/n verbinden und wieder einem Boxer zuteilen.
Wenn man so will ein Minenfeld mit hoch mobilen Minen.
@Metallkopf, 09.02.2026, 11:33 Uhr:
„Wie kommen Sie denn auf den Gedanken, dass Art. 87a GG ein Problem dahingehend darstellte…“
Mir geht es nicht darum, deutsche Soldaten in Litauen zu stationieren. Das ist möglich, vorausgesetzt man findet die Freiwilligen. Man könnte zwar auch Verpflichten, aber ganz offensichtlich will man da nicht dran.
Mir geht es um die Passage in Art 87a bzgl. Stärke und Grundzüge der Organisation. Die Einzelpläne 14 kann man im Netz leicht finden. Darin findet sich bis 2024 keine Brigade in Litauen und schon gar nicht das Personal respektive Geld dafür. Der BM hat also eine Versprechung ohne „gedeckten Scheck“ gemacht, weil er die Haushaltshoheit des Bundestags nicht beachtet hat. Und ja ich glaube, dass ein BM eine solche Entscheidung im Alleingang macht. Die ganzen Strukturentscheidungen der frühen 2000 Jahre sind voll davon.