Fürs Archiv: 18. Rotation der NATO-Battlegroup in Litauen
Vor dem Hintergrund des Aufbaus der Bundeswehr-Kampfbrigade in Litauen rückt die bereits seit 2017 bestehende NATO-Battlegroup unter deutscher Führung in dem baltischen Land ein wenig in den Hintergrund. Aber damit es nicht in Vergessenheit gerät: Im Zuge der halbjährlichen Rotation übernahm nun Oberstleutnant Tobias Tidau, Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 411, von Oberstleutnant Malte Bolanz und dem Panzergrenadierbataillon 33
Es ist bereits die 18. Rotation seit dem Start der multinationalen Kampftruppe, die der litauischen Iron Wolf-Brigade unterstellt ist. Unverändert stellt Deutschland einen Großteil des Bataillons, wie bisher tragen die Niederlande als traditionell zweitstärkster Truppensteller, Belgien, Norwegen, Tschechien, Luxemburg und Kroatien dazu bei.
Die Übergabezeremonie am Standort Rukla bei Kaunas am (gestrigen) Mittwoch fand in Anwesenheit von Brigadegeneral Christoph Huber statt, dem deutschen Kommandeur der neuen Panzerbrigade 45. Auch die Iron Wolf-Brigade steht seit Juni unter neuem Kommando; erstmals nahm der neue Kommandeur Oberst Darius Meilūnas den Kommandowechsel ab.
(Das litauische Verteidigungsministerium hat entgegen der üblichen Praxis bislang nichts zu dem Wechsel veröffentlicht; ggf. wird was von der litauischen Verteidigungsministerin Dovilė Šakalienė nachgetragen)
Die bisherigen Rotationen der NATO-Battlegroup (die ersten Jahre als enhanced Forward Presence bezeichnet):
Beginn und 1. Rotation: Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach
2. Rotation: Panzergrenadierbataillon 371, die Marienberger Jäger
3. Rotation: Jägerbataillon 292 aus Donaueschingen
4. Rotation: Panzerbataillon 393 aus Bad Frankenhausen
5. Rotation: Panzerbataillon 104 aus Pfreimd
6. Rotation: Panzergrenadierbataillon 391 aus Bald Salzungen
7. Rotation: Panzergrenadierbataillon 371, die Marienberger Jäger
8. Rotation: Panzerbataillon 104 aus Pfreimd
9. Rotation: Panzerlehrbataillon 93 aus Munster
10. Rotation: Panzerbataillon 414 aus Bergen
11. Rotation: Panzergrenadierbataillon 411 aus Viereck
12. Rotation: Panzerbataillon 203 aus Augustdorf
13. Rotation: Panzergrenadierbataillon 401 aus Hagenow
14. Rotation: Panzerbataillon 363 aus Hardheim
15. Rotation: Panzerbataillon 104 aus Pfreimd
16. Rotation: Deutsch-niederländisches Panzerbataillon 414 aus Lohheide
17. Rotation: Panzergrenadierbataillon 33 aus Neustadt am Rübenberge
(Foto: Kommandoübergabe der NATO-Battlegroup in Rukla von Malte Bolanz, l., an Tobias Tidau, r.; in der Mitte der Kommandeur der litauischen Iron Wolf Brigade, Darius Meilūnas – Foto Multinational Battlegroup via Instagram)
Es fehlt ein Litauen Bataillon der Bundeswehr, um diese überflüssige Rotation zu beenden. Ich sehe keinen Sinn darin, weiterhin Soldaten für 6 Monate nach Litauen zu schicken als Rotation, anstatt ein 3 Kampfbataillon bzw den dt. Anteil dazu, fest in Litauen zu stationieren. Der Verteidigungsminister hat einfach den Bataillonsklau verkündet und kein Verteidigungspolitiker oder Militär hat den Mut dies zu kritisieren oder in Frage zu stellen. Ein neues Kampfbataillon würde die Stärke der BW gegenüber Russland erhöhen. So aber sind alle drei Kampfbataillone der Litauen Brigade andereñ Brigaden weggenommen worden oder müssen von denen gestellt werden. Lieber mehr Freiwillige werben für Litauen, und die Zahl der Kampfbataillone erhöhen, statt Soldaten für 6 Monate von der Familie trennen & eine Brigade neu aufstellen, die mehr ein Potoemkinsches Dorf ist!
Vom PzGrenBtl SPz Puma zum PzGrenBtl SPz Marder, Hauptsache aber PzGren/Kette als „Schwere Kräfte“.
Es ist zu hoffen, dass unsere Soldaten durchhaltefähig sind. Ich meine Munition etc. Darüber sollten keine Informationen veröffentlicht werden. Aber es sollte gewährleistet sein. Das schuldet die Regierung den Soldaten.
@Closius: Die fortlaufende Rotation hat aus meiner Sicht den für die BV unschlagbaren Vorteil, dass „die Kampftruppe des deutschen Heeres“ (fast) komplett Land und Leute kennenlernt. Ein m.E. unschlagbarer Vorteil für alle potentiellen Verstärkungskräfte der Gegenwart und Zukunft.
@KPK: Woher sollen die Puma kommen? Alle Panzergrenadierbataillone im Osten haben nur den Marder. Es sind bisher nur 50 Puma nachbestellt, aber niemand weiß, ob diese neuen Puma an das Panzergrenadierbataillon 391 oder ans Bataillon 371 gehen werden? 50 Puma reichen nur für ein Bataillon. Das Panzergrenadierbataillon 411 wird sicher in Zukunft den Boxer erhalten und nicht den Puma, da es zur Panzergrenadierbrigde 41 gehört, was für die mittleren Kräfte vorgesehen ist.
Allerdings hat es die BW bisher noch nicht fertig gebracht, die Boxer Rad-Schützenpanzer für die drei Panzergrenadierbataillone ohne Puma auch nur zu bestellen oder durch den Haushaltsausschuß zu bringen,
Es dürfte schwer zu vermitteln sein, nur Westdeutsche Panzergrenadierbataillone nach Litauen zu schicken, weil die BW es seit Jahren verschlafen hat, rechtzeitig weitere Puma zu bestellen oder wenigsten die Boxer als Rad-Schützenpanzer zu bestellen. Also lieber weniger Kampfkraft, aber mehr Gerechtigkeit bei der Frage, welche Bataillone nach Litauen für 6 Monate gehen.
Wobei offiziell zwar ein Bataillon die Aufgabe als Leit-Bataillon übernimmt für die BW, hier das Panzergrenadierbataillon 411, aber meistens schickt die BW Schützenpanzer & Kampfpanzer nach Litauen, was immer bedeutet, das mindestens zwei verschiedene Bataillone Kampfeinheiten stellen, weil die BW seit langer Zeit über keine gemischten Bataillone mit Kampf – und Schützenpanzer mehr verfügt.
Nur in der Heeresstruktur 4(vor der Einheit) hatte die BW gemischte Panzer- und Panzergrenadierbataillone, mit Leopard & Marder im demselben Bataillon.
Solange man an der Rotation nach Litauen festhält, wäre es natürlich besser, es gäbe auch wieder gemischte Panzer- und Panzergrenadierbataillone in der BW. Aber nachdem dies schon die 18. Rotation ist, scheint die BW dafür zu unflexibel zu sein. Oder kann hier jemand belegen, das gemischte Panzer/Panzergrenadierbataillone schlechter funktionieren als reine Panzer oder Panzergrenadierbataillone?
@Closius:
Im Frieden gibt es sehr gute Gründe für reine Panzer-/Panzeegrenadierbataillone. Maßgeblich ist die Ausbildung des Personals, so muss sich ein Bataillon nur mit der Ausbildung einer Truppengattung auseinandersetzen und kann Ressourcen auch intern besser zusammenfassen.
Es sind auch so schon viele unterschiedliche Fachausbildungen in unterstützenden Funktionen nötig, ein zweites Haupt-Waffensystem in einer vergleichsweise Organisation wie einem Bataillon wäre organisatorisch aufwendig. (Bei der Umrüstung von Marder auf Puma war dies schon komplex).
Eine Unterstellung für den Auftrag ist zweckmäßig und erhöht die Flexibilität. Die Kohäsion der Panzer-/Panzergrenadierbataillone muss auf der Ebene der Brigade natürlich geübt werden. Das findet aber auch in der Realität statt, man kennt sich.
@2.0
Die gepanzerten Truppen (PzTr und PzGrenTr) üben grundsätzlich gemeinsam und deren Führer kennen die Einsatzgrundsätze, da auch Kp’n gemischt werden.
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/organisation/ausbildungskommando/panzertruppenschule/schule-gepanzerte-kampftruppen
Die gemischten Btl der HStr 4 waren die „1er“-Btl, die als solche gar nicht existierten, deren KampfKp aus genannten Gründen dann eben auch den jeweilig „passenden“ Pz/PzGrenBtl der Brigaden (das 2er war regelmäßig ein PzGren, das 4er ein Pz und das 3er je nach Brigadetyp ein Pz oder PzGrenBtl.
Und in den PzGrenBrig gab’s tatsächlich gemischte PzGrenBtl: Manche 4. Kp war eine JgKp mit MTW M113 als Tranportfahrzeug…
Die haben auch nicht mit den „fahrend kämpfenden“, gepanzerten Einheiten zusammen gekämpft.
Den „Gemischtwarenladen“ auf Btl-Ebene im Friedensausbildungsbetrieb halte ich auch für mindestens „sehr anspruchsvoll“.
Was aber völlig selbstverständlich sein muß, ist das gemeinsame Üben und (scharf-)Schießen mindestens im Brigadeverbund, bewer noch inkl aller „Unterstützer“ auch von außerhalb (ehem. Div/KorpsTr)!
Aber auch da kommen wir ja nach den militärisch verlorenen „Einsatzjahr(zehnt)en“ wieder hin…
@Arty1986 sagt: 09.08.2025 um 13:34 Uhr
„Und in den PzGrenBrig gab’s tatsächlich gemischte PzGrenBtl: Manche 4. Kp war eine JgKp mit MTW M113 als Tranportfahrz.“
Ja, die gsb es. Für schwieriges Gelände oder Wald. Ich habe selber in so einer Einheit meine Grundausbildung gemacht, eben 1986, wie es in Ihrem Nick steht. Das öffnet dem späteren Kampfunterstützer die Augen für das, was die Kampftruppe, hier Infanterie, wirklich braucht.
Spannend wird es mit dem Wegfall des Einsatzstatus (einsatzgleiche Verpflichtung) 2026 und damit dem Wegfall vom Auslandsverwendungszuschlag noch ausreichend Personal für die Rotation zu finden. Das ist nämlich gemäß der Tabelle Auslandszuschlag für die meisten Besoldungsgruppen 1500-1700€ abzüglich 30% da Verpflegung und Unterkunft gestellt werden. Maximal unattraktiv für die Trennung von Familie und Heimat bei Unterbringung im 12qm Container
@Arty1986: Die gemischten Panzer- & Panzergrenadierbataillone in der Heeresstruktur 4, zB Panzerbataillon 181 Neumünster, Gebirgpanzerbataillon 8, Panzerbataillon 201 Hemer, welche jeweils 2 Panzerkompanien & ein Panzergrenadierkompanie hatten oder das gemischte Panzergrenabataillon 191, mit zwei Panzergrenadierkompanien & 1 Panzerkompanien, sind etwas anderes, als das es Panzergrenadierbataillone gab, die eine 5. Kompanie mit M113 Mörser Panzern hatten. Diese Mörserkompanien beruhten entweder auf zu wenig Marder Schützenpanzer oder dem Wunsch nach indirekten Feuer. Leider haben die heutigen Panzergrenadierbataillone keine Mörser Panzer mehr!
In der aktuellen MDR Podcast-Folge 280 „Was tun Herr General“ wurde auf eine gleich lautende Frage von mir ( sogar mit Namensnennung ) und einem anderen Hörer geantwortet.
Es ging um die Litauenbrigade dessen Kommandeur ( Brigadegeneral Huber ) auch öfter am Mikro war.
Meine Frage ging in die Richtung Beteiligung Deutschlands an Kriegshandlungen im Falle eines überraschenden russischen Angriffs mit oder ohne Beteiligung des dt. Parlaments. Man müsste ja eigentlich den „Verteidigungs-“ oder Spannungs-Fall VORHER beschließen… Trickreiche Sache..
Die Antwort überraschte nicht. Die Herren Generäle haben ja selbstverständlich im Rahmen ihres Generalstabslehrgangs eine Schulung erhalten wie man Fallstricke geschickt rhetorisch umschifft ;-)
„Wir werden jeden cm NATO-Bündnisgebiet verteidigen, daran gibt es keinen Zweifel“
Das war der Anfang der Antwort von Brigadegeneral Huber, konkreter wurde es nicht.
Dann aber doch. General Bühler machte darauf aufmerksam das eine Selbstverteidigung im Rahmen eines Angriffs natürlich immer möglich ist.
Mich würde wirklich interessieren wie denn genau die Direktive des Verteidigungsministeriums da aussieht… In meiner ursprünglichen Frage an den MDR hatte ich den überraschenden „Pearl-Harbour-mässigen“ Überfall an einem Sonntag morgen thematisiert… hatte ja schon mal funktioniert.
Interessanterweise gibt es lt. dem Kommandeur kein Problem mit dem Personal der Litauenbrigade, es wird von idealen Verhältnissen vom Kindergarten, den neuen zivilen Appartements bis zu neuem Gerät wie dem Leo 2 A8 geschwärmt…
@Apollo:
Die Beteiligung D an Kriegshandlungen ist eine politische Frage, die v.a. die Bundesregierung im Vorfeld klären muss. Dazu gehören öffentliche Aussagen, Aussagen hinter verschlossenen Türen gegenüber Freund und Feind und eine Abstimmung von BK, Außenmnisterium und Vtdg-Min.
in keiner dieser Konstellationen sind militärs eingebunden, daher können diese die Fragen nicht beantworten.
@ Apollo 11 13.08.2025 um 21:29 Uhr
Fragende sind gelegentlich von ihren Fragen so sehr eingenommen, dass die Antwort nicht durchdringt. Daher hier der Wortlaut:
Audio: https://odattachmentmdr-a.akamaihd.net/mp4audiomobil/6/digas-61952d85-9446-4e82-8d8e-313bde6fe22f-0a15de5e5053_61.mp3
#Anna Lyse:
Genau diese Art von Antworten meinte ich.
Selbstverständlich darf sich die Brigade direkt verteidigen wenn sie direkt angegriffen wird. Das sagen beide Generäle im Podcast.
Wenn aber entfernt zum Stationierungsort an der Grenze Kampfhandungen losbrechen, was darf dann die Brigade an einem Sonntag morgen ohne Beschluss des Parlaments ?
Das ist nach wie vor unklar…
#aussenstehender:
„…in keiner dieser Konstellationen sind militärs eingebunden, daher können diese die Fragen nicht beantworten.“
Grundsätzlich natürlich richtig. Aber es gibt doch bestimmt, auch im Vorfeld, eine Direktive was genau die Panzerbrigade darf ohne Parlamentsbeschluss und was nicht. Und zumindest der Kommandeur ( der ja im Podcast war ) und sein Stellvertreter wissen das auch…
Und ja, natürlich ist die Wahrscheinlichkeit eines russischen Überraschungsangriffs im Morgengrauen, noch dazu ganz ohne Vorwarnung, sehr gering.
Und ja, wenn es eine Direktive gibt was ohne Parlamentsbeschluss direkt geht dann ist das sicher als GEHEIM eingestuft.
Eine echte Antwort auf meine Frage hatte ich deshalb auch nicht wirklich erwartet :-)
Die deutschen Soldaten sind in Litauen stationiert, um abzuschrecken. Eine hyperdetaillierte juristische Durchklärung der Frage „Wann dürfen die Soldaten in den Einsatz gehen – und wann nicht?“ finde ich weder realistisch noch wünschenswert, weil das eine Einladung ist, Schlupflöcher auszunutzen. Und auch bei den sicher vorhandenen (geheimen) Einsatzplänen wird nicht jedes Szenario durchgeplant werden können.
Ich vermute, daß, wenn der politische Wille da ist, eine juristische Form gefunden werden wird. Und umgekehrt: Ohne politischen Willen ist eine formale Bündnisverpflichtung nicht mehr wert als eine Herzdruckmassage nach Exhumierung. Politisch gewollte Bündnistreue schreckt natürlich nur dann ab, wenn militärische Fähigkeiten vorhanden sind. An denen mangelte es der Ukraine auf der Krim, nicht am juristischen Rahmen.