Bundeswehr droht Fragebogen-Verweigerern bis zu 250 Euro Bußgeld an
Wer als junger Mann den Fragebogen der Bundeswehr zu Wehrfassung und Neuem Wehrdienst nicht beantwortet, muss künftig mit einem Bußgeld von bis zu 250 Euro rechnen. Das kündigte das Verteidigungsministerium an. Bei den Personen, die nicht zur Antwort verpflichtet sind, beträgt die Antwortquote bislang drei Prozent.
Mit Inkrafttreten des so genannten Wehrdienstmodernisierungsgesetzes zu Beginn dieses Jahres wurde zwar die Wehrpflicht vorerst nicht wieder eingeführt. Allerdings erhalten seitdem alle jungen Deutschen ab 18 Jahren mit deutschem Wohnsitz einen Fragebogen – Männer müssen ihn beantworten, Frauen können das freiwillig tun. Ebenso gilt für Männer eine Pflicht zur Musterung.
Im Gesetz war von vornherein ein Bußgeld für die Männer vorgesehen, die die Antwort auf den Fragebogen verweigern. Bisher hatte das Ministerium aber offengelassen, in welcher Höhe ein solches Bußgeld erhoben werden sollte – im Unterschied zum Bußgeldkatalog für Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr gibt es für andere Ordnungswidrigkeiten keine festgelegten Sätze. Nach Angaben des Wehrressorts vom (heutigen) Freitag ist nunmehr eine Obergrenze von 250 Euro beabsichtigt: Das verwaltungsinterne Verfahren wird derzeit ausgearbeitet.
Laut Ministerium wurden bis zum 29. April mehr als 206.000 Anschreiben an Personen aller Geschlechter versandt. Rund 86 Prozent der angeschriebenen Männer hätten innerhalb der vorgeschriebenen vier Wochen geantwortet, nach einer Erinnerung an die übrigen sei die Antwortquote der Männer insgesamt auf 90 Prozent gestiegen. Das Ressort widersprach damit einem Bericht vom (gestrigen) Donnerstag, dass mehr als ein Viertel der angeschriebenen Männer nicht auf das Schreiben der Wehrverwaltung reagiert hätten.
Allerdings gilt die hohe Antwortquote nur für die, die dazu verpflichtet sind: Die Rücklaufquote bei Personen anderen Geschlechts, die den Fragebogen im Gegensatz zu Männern nicht ausfüllen müssen, liegt bei rund drei Prozent, teilte das Ministerium mit.
Die zur Wehrerfassung vorgesehenen Schritte wie der Datenabruf bei den Meldebehörden, die Datenverarbeitung, der Versand der Anschreiben und die digitale Bearbeitung des Fragebogens funktionieren den Angaben zufolge reibungslos. Dabei erwähnte das Ministerium allerdings nicht, dass nach Inkrafttreten des Gesetzes eine darin vorgesehene Genehmigungspflicht für längere Auslandsaufenthalte junger Männer, ebenfalls Teil der zur Wehrerfassung vorgesehenen Schritte, per Allgemeinverfügung vorerst aufgehoben werden musste.
(Archivbild: Symbolfoto zum Thema Wehrpflicht, gestellte Aufnahme: Die Website der Bundeswehr mit Informationen zur Wehrerfassung wird auf einem Smartphone angezeigt – Thomas Trutschel/photothek.de)
Die Verteidigungsfähigkeit der BRD fängt bei der Bevölkerung an.
Auf diesem Hintergrund sollten wir die 100.000.000.000 EUR als herausgeschmissenes Geld ansehen.
Die Einwohner Deutschlands (unter 40 Jahren):
– kennen keinenPatriotismus, denn der wurde immer als Nationalismus geziehen und war entsprechend verpöhnt
– halten den Staat für einen Selbstbedienungsladen, dessen Ressourcen niemals enden
– sehen die Gesellschaft als etwas an, die ihnen etwas schuldet
…
Das Individuum ist alles – die Gemeinschaft ist nichts!
Solange wir diese Haltung nicht aus den Köpfen bekommen, und die Zivilgesellschaft endlich begreift, dass eine Gesellschaft nur funktionieren kann, wenn man sich aktiv (!) besteiligt, wenn man einen Staat als Verwalter des politischen Willens sieht und dessen Erungenschaften (Demokratie, soziale Sicherung, Gesundheitssystem, …) nicht „vom Himmel gefallen“ sind und die „nicht einfach da sind“, sondern täglich neu errungen und verteidigt werden müssen, wird eine Bw – so gut sie auch ausgestattet ist – nutzlos sein, denn die Verteidiger werden die Schuhe nicht schnell genug in die Hand bekommen, um sich zu verziehen, wenn sie erst begreifen, dass ein Staat sie nicht verteidigen kann, sondern nur sie selbt.
Es ist also müßig zu diskutieren, welche Starfen man verhängen will und ob man Drakon als Vorbild wählt. Wenn sich die Gesellschaft nicht beteiligt, bringt die komplette politische Debatte nichts.
Ob Starfzahlung oder nicht, die einen werden sich damit freikaufen – die anderen kann man meist eh nur bedingt gebrauchen….
Merke:
„Jedes Land hat eine Armee. Entweder eine eigenen oder eine fremde.“
—-Winston Churchill—-
9 von 10 antworten fristgerecht oder innerhalb der Nachfrist.
3 von 10o, die zu überhaupt gar nichts verpflichtet sind, melden sich aus eigenem Antrieb.
Der Prozess läuft behördlicherseits reibungslos.
Noch gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass es den Knastwagen mit Knüppeltrupp braucht, um Rekruten zu gewinnen.
Der Frustblock jammert und klagt.
@ORR sagt: 11.05.2026 um 20:51 Uhr
„Was schlagen Sie vor, wie es besser geht?“
Ob ich es besser weiß, das will ich mir gar nicht anmaßen. Auch ist es noch zu früh, zu beurteilen, ob das jetzige System vernünftig funktioniert oder nicht. Auch das habe ich schon mehrfach geschrieben.
Ich bin der Überzeugung, das es auf jeden Fall nicht hilft, die freiwillig Wehrdienstleistenden mit noch mehr Geld zuzuwerfen. Das erzeugt nur kurzfristige positive Effekte und weckt die Gier nach mehr.
Das beste Beispiel ist doch die (m.E. völlig verunglückte) Reform der Unteroffizierlaufbahn. Kommen als Oberfeldwebel und dann ist der Frust groß, das man bis Karriereende (Pensionierung) im Regelfall nur zweimal befördert wird.
Wehrpflicht war schon immer unbeliebt, jeder hat gemeckert, wenn er eingezogen wurde. Wenn man diese heute spricht, egal in welchem Alter, der Großteil blickt mit Nostalgie und Wehmut positiv auf diese Zeit zurück. Es war eben normal, seine 12, 15 oder 18 Monate abzuleisten, entweder im Wehr- oder im Ersatzdienst. Da müssen wir gesellschaftlich wieder hin (und dann natürlich auch für Frauen).
Anstatt mit einem Bußgeld zu reagieren, sollte die Bundeswehr sich die Mühe machen, Möglichkeiten jungen Menschen anzubieten, einen sinnvollen Dienst für die Gemeinschaft zu leisten.
Auch gibt es Reservisten, die gerne ihren Beitrag leisten wollen, aber das System des Onboardings nicht funktioniert. So entsteht Frustration und daraus letztlich Ablehnung mindestens Gleichgültigkeit.
Letztlich wird die Wehrpflicht das Problem lösen, denn mit der bisherigen Aufwuchsgeschwindigkeit an Personal, werden die angestrebten Ziele möglicherweise erst in 100 Jahren erreicht. Warum der umständliche Weg gewählt wird, liegt möglicherweise am Koalitionspartner SPD, aber das ändert nichts an der Realität.
Ohne mehr Menschen keine ausreichende Stärke der Bundeswehr, um ihre verfassungsmäßigen und Bündnis Verpflichtungen erfüllen zu können. Schluss mit den Debatten.
Nee. Bevor hier ein Funken überspringt, der nicht durch eine unmittelbare Krise ausgelöst wird, muss der Funken vom Fisch am Kopf klar ausgelöst werden. Es reicht nicht, wenn Pistorius alleine in Dauerotation versetzt ist. Ein Bundeskanzler könnte sich statt mit Lifestyle- und Stadtbild-Ausfällen auch mit wirklich wichtigen Themen profilieren. Es wirkt öfters so, als wolle bewusst nicht zu viel Alarm geschlagen werden (prophylaktisches Zurückrudern und Kleinreden von Themen, z.B. beim Katastrophenschutz, siehe die Seiten zu Bombardierungen in der Broschüre).
Es Bedarf viel Eklärungen und einer gewissen Motivation, um wieder in Schwung zu kommen. Wie ja schon gesagt wurde, sind die Rückläufer aus Perspektive des Marketings nicht schlecht. Ja und wenn mehr gewollt ist, muss eben auch mehr dafür getan werden …
@Bow
Mit Verlaub etwas weniger Polemik beziehungsweise Populismus wäre doch angebracht in meinen Augen.
Ich finde es kontraproduktiv pauschal auf alle Menschen unter U40 draufzuhauen und ihnen die Dinge vorwerfen, wie sie es tun. Dies kann man auch auf Menschen Ü40 tun und man hätte damit Recht.
Ich gebe ihnen dahingehend Recht, dass die von ihnen aufgezählten Errungenschaften des Staates ebendies sind und eine gewisse Wertigkeit haben.
Gleichzeitig kann ich nachvollziehen, warum vor allem die Zielgruppe des Fragebogens diesen eben nicht „mit Begeisterung“ ausfüllt. Salopp formuliert verstehe ich, warum der junge Teil der Gesellschaft darüber nicht erfreut ist, schließlich war er auch nicht an der Entscheidung beteiligt. Von den Baustellen, die der Staat zu beheben hat für junge Menschen und den tatsächlichen Einfluss den junge Menschen auf die politische Gestaltung unseres Staates gar nicht zu reden.
Am Ende würde mich von den älteren Lesern hier interessieren, wie die Resonanz zu den Zeiten der Wehrpflicht war.
Gut fünf Monate nach der Regelung zum „Fragebogenwehrdienst“ legt man jetzt die Höhe des Bußgeldes fest und regelt das verwaltungsinterne Verfahren. Wie tief kann man im BMVg schlafen, um solche handwerklichen Versäumnisse entstehen zu lassen? Wer will das Thema „Pflicht zur Antwort“ bewusst möglichst lange in der Öffentlichkeit am Köcheln halten? Am Ende für mich ein (weiteres) Beispiel ministeriellen Unvermögens.
Was kann man machen, um die Sache attraktiver zu gestalten?
Nutzt den Berufsförderungsdienst als Werbemittel. Ändert die Dienstzeitversorgung für SaZ, und versteuert die Übergangsbeihilfe nicht mehr (war „früher“ die Regel). Verlängert ggf. die Zahlung der Übergangsbeihilfe. Und stockt den BFD auf – er pfeift personell aus dem letzten Loch.
@ Bow sagt:
11.05.2026 um 22:09 Uhr
Die Verteidigungsfähigkeit der BRD fängt bei der Bevölkerung an….
Die Einwohner Deutschlands (unter 40 Jahren)…
Widerspruch, und sei er anekdotisch. Aber bei meinen Kindern und deren Freunden erlebe ich das so nicht. Mein 18jähriger Sohn, Mitglied der Grünen Jugend, könnte sich sogar generell vorstellen, nach dem Abi zur Bundeswehr zu gehen. Als Ex-Soldat rate ich ihm gerade eher ab, und da werde ich ihn der jetzigen Vätergeneration, von denen viele noch Soldaten waren, nicht der einzige sein.
Von mir wahrgenommenes Problem ist allerdings, dass gerade die „Zielgruppe“ insbesondere der männlichen 14-24 jährigen stark widersprüchliches Verhalten des Staates und der Gesellschaft ihnen gegenüber generell erlebt und die bisher erlebten Bemühungen von BuReg und BW zur Herstellung der Verteidigungsfähigkeit es an Glaubhaftigkeit mangeln lassen.
@ Pio-Fritz
Genauso ist es.
Verflucht haben es bei Wehr- oder Ersatzdienst fast alle, weil jeder das Gefühl hatte, man verliert Zeit damit.
Aber die positive Erkenntnis kam danach und die Erfahrungen, die man gesammelt hatte, egal ob beim Wehr- oder Zivildienst, haben das weitere Leben bereichert.
Und deshalb wünsche ich mir für Mann und Frau eine Dienstzeit. Egal ob bei der Bundeswehr, im sozialen oder ökologischen Bereich.
Davon profitieren alle.
Aber nicht von einer Wehrpflicht durch die Hintertür mit Fragebögen und angedrohten Strafen
@ Pio-Fritz, 12.05.2026, 8:55 Uhr:
„… Kommen als Oberfeldwebel…“
Ist das mittlerweile so?
Meine aktive Zeit ist nun schon etwas her. Damals gab es doch einige Hürden, um mit höherem Dienstgrad eingestellt zu werden, wie z.B. abgeschlossene Berufsausbildung (ganz grob: Geselle = UoP, Meister=UmP, Akademiker=Offizier/Stabsoffizier), oder bei Wiedereinstellern der Dienstgrad, mit dem man ausgeschieden war. Oder bei Wechslern aus Polizei, Zoll o.Ä. ein Dienstgrad, der dem der bisherigen Organisation entsprach.
Aber „so einfach“ als Oberfeldwebel kommen, wie sie es darstellen gab es nicht, und ich möchte auch bezweifeln, dass das heute so ist.
@ORR sagt: 12.05.2026 um 18:31 Uhr
„Aber „so einfach“ als Oberfeldwebel kommen, wie sie es darstellen gab es nicht, und ich möchte auch bezweifeln, dass das heute so ist.“
Dann klicken Sie sich einfach mal durch bundeswehrkarriere.de. Und dann fragen Sie, was sich hinter dem Begriff „Feldwebelanwärter“ versteckt. Oder fragen Sie aktive Kameraden. Sie werden erstaunt sein, versprochen.
@ORR sagt:
„12.05.2026 um 18:31 Uhr
@ Pio-Fritz, 12.05.2026, 8:55 Uhr:
„… Kommen als Oberfeldwebel…“
Ist das mittlerweile so?
Aber „so einfach“ als Oberfeldwebel kommen, wie sie es darstellen gab es nicht, und ich möchte auch bezweifeln, dass das heute so ist.“
So pauschal und einfach wie es @Pro-Fritz darstellt ist es auch nicht… Es ist die Ausnahme und nicht die Regel !
Siehe § 19 Abs 2 i.V.m. Abs 3 SLV
Als Bsp. gefordert im aFD :
„für die vorgesehene Verwendung verwertbaren Beruf die Meisterprüfung“
plus
„Die hauptberufliche Tätigkeit muss nach dem Erwerb der in Absatz 2 genannten Voraussetzungen ausgeübt worden sein und nach Fachrichtung und Schwierigkeit der Tätigkeit der vorgesehenen Verwendung entsprechen“
plus
„als Oberfeldwebel ein Jahr“ diese hauptberufliche Tätigkeit ausgeübt
Die Masse steigt ein als
Schütze FA – wenn ohne Beruf
StUffz FA – wenn verwertbarer Beruf vorhanden
Danke für die Antworten auf meine Einlassung:
Ja, sie ist polemisch. Aber das bedeutet nicht, dass sie falsch ist.
Die Generation U40 ist nur eine Folge der Generation Ü40 bzw. Ü60, allerdings ist diese Generation wehrdiensttechnisch nicht so relevant.
Und diese anekdotischen Erzählungen sind sicher richtig, aber allein daher nicht exemplarisch, dass es sich um Angehörige handelt, deren Elter sich hier austauscht, also an einer Blase teilhat, die sich schon ob des eigenen Lebenslaufs oder der eigenen Interessenlage mit dem Themenraum „Sicherheit und Bundeswehr“ auseinandersetzt.
Ganz generell lässt sich aber sagen, dass der Wille sich irgendwo aktiv (!) einzubringen und sich bei gesellschaftlich wichtigen Feldern selbst einzubringen und nicht nur zu konsumieren deutlich zurückgegangen ist.
Wer das nicht glaubt, sollte mal bei den Sportvereinen im Umkreis nachfragen. Da finden sich immer mehr Eltern, die ihren Nachwuchs da trainieren lassen wollen und immer weniger Eltern, die auch mal fahren oder gar eine Funktion als Trainer, Zeugwart, Vorstand (jeweils geschlechtsunabhängig) wahrnehmen wollen.
Grundsätzlich bin ich aber bei dem ein oder anderen Mitforisten, dass es für jemanden der beim Bund seine Zeit verbringt, keine Vorteile mehr bringt.
Früher – im Sinne von damals – konnte man mit Wehrdienst oder SaZ2 seinen NC „verbessern“ und damit Wartezeiten bei gewissen Studiengängen verkürzen.
Da – im Prinzip – alle dran waren, hatte man, im Vergleich zu allen anderen, kein Jahr Zeit „verloren“ und damit wenigstens keine Nachteile.
Aber es gibt keine aufbauenden Verwendungen. Die Inst. ist teilweise nur noch „Öl- und Reifenwechsler“. Der Rest geht an die zivilen Unternehmen.
Die Luftwaffe hat kaum noch Fw-Stellen als Mechaniker an ihren Flugzeugen. Technische Verwendungen – deutlich reduziert.
Also was bietet die Bw den Menschen mit mittleren und einfachen Schulabschlüssen oder einfachen Lehrberufen für die Zeit danach?! BFD und dann?
Für jeden, der qua Ausbildung Möglichkeiten hat, wird die Bw – abseits intrinsischer Motivation – immer unattraktiver.
Patriotismus fällt als Emotion aus. Aber ohne diese Emotion lässt sich eine Verteidigungshaltung nur schwer in eine Gesellschaft transportieren. Abgesehen davon sind junge Menschen immer weniger Resilient (emotional und geistig) und fähig, sich selbst zu überwinden. Das ist nicht nur in der Bw so; das ist allgemein in der Gesellschaft zu beobachten und weithin beschrieben.
Also woher nehmen Sie diesen Optimismus, dass doch noch alles wird?
@Bow Ich teile Ihre Einschätzung. Ich habe, was mich nicht erstaunt, mehr Argumente gegen die Bundeswehr im Netz in den letzten 2 Stunden aufgetan als Positive oder Unterstützende. Besonders augenfällig scheint mir die Radikalität mit der diese Auseinandersetzung geführt wird. So berichtet heute der Focus unter der Überschrift „Linksjugend: Bundeswehr muss mit Gewaltaktionen rechnen“ über angekündigte Störungen und Sachbeschädigungen für ein Musterzungszentrum in Jena. Der Diskurs scheint zu entgleiten…
@Bow, 13.05.2026, 10:40 Uhr:
„…Grundsätzlich bin ich aber bei dem ein oder anderen Mitforisten, dass es für jemanden der beim Bund seine Zeit verbringt, keine Vorteile mehr bringt….“
Es sind ja nicht nur „keine Vorteile“, es ist ja noch schlimmer.
Sie werden von Anfang an belogen.
Da werden im Rahmen der Werbung schicke Bildchen oder Filmchen gezeigt vom Klettern, Fallschirmspringen, Boot fahren, oder Jet fliegen, etc..
Der Werber weiß auch sehr genau, wieviel Geld man als Besoldung dafür bekommt. Es wird mit keiner Silbe erwähnt, dass die Ausbildung zu diesen Tätigkeiten sehr lange und sehr fordernd ist, sowohl physisch, als auch psychisch. Ebenfalls wird nicht erwähnt, dass es diese Tätigkeiten nicht gibt, weil die Bw ein cooler Arbeitgeber ist, sondern weil es Menschen geben muß, die einen Gegner glaubhaft abschrecken und in der Lage und (in der Ultima Ratio) auch Willens sind, tödliche Wirkmittel bei einem Gegner „abzuliefern“. Denn genau dafür sind diese Tätigkeiten da.
Das ist nicht attraktiv und mit Gefahr für die eigene Gesundheit / das eigene Leben verbunden.
Konkret darauf angesprochen, wird versucht diese „unangenehmen“ Wahrheiten „wegzulächeln“, á la „junger starker Mann, der schafft das schon“ und die Gefahr, ja, die ist da, aber eigentlich auch nicht so wirklich.
Wenn die Basis einer Freiwilligenmeldung eine solch einseitige und verlogene Werbung ist, muß man sich nicht wundern, dass man auf Ablehnung stößt, vor allem, weil ja das Vertrauen bei der Bw groß geschrieben wird., also eigentlich.
Ceterum Censeo:
Die 250 Euro für die Owi sind eigentlich ein Witz. Andere Sanktionen lese ich im WPflG nicht. „Schick‘s bloss nicht ab Sohnemann, Papa zahlt das schon“ liegt da nahe. Vor dem Hintergrund ist die Rücklaufquote eigentlich extrem gut.
Die Umsetzung eines Bußgeldes sehe ich schon bei der Verhältnismäßigkeitprüfung scheitern. Aus der nichtbeantwortung lässt sich ein Desinteresse oder ein fehlen eines Endgerätes schließen. Der Notwendige Zweck ist alleine durch das ausfüllen eines Fragebogen nicht gegeben und wenige Tage altersdifferenz und das Geschlecht entscheiden über die Teilnahmepflicht.
Um nun mit einer Bußgeldandrohung eine Antwortpflicht zu erzwingen ist eigendlich nicht zielführend, aber uneigendlich ist gerade dieser Personenteil vielleicht für die Bundeswehr besonders geignet.
Deshalb kann es sich lohnen, mit allen seinen Resourcen der Psy die unmotivation zum Erkenntnissgewinn zu ergründen
@Landmatrose
Die Zahlung des Bußgeldes entbindet aber nicht von der Pflicht zur Beantwortung des Fragebogens. Es wird dann eine neue Frist gesetzt und erneut ein Bußgeld angedroht. Bei mehrmaligem schuldhaftem Versäumnis kann dies auch zu Weiterungen führen.
Ich würde das nicht riskieren wollen, insbesondere nicht wenn ich meine berufliche Zukunft im Staatsdienst sähe. Ich wüßte auch nicht was denn so dramatisch an der Rücksendung sein soll, schließlich kann man sich ja mit dem korrekten Setzen des Häkchens quasi aus dem Bw-Funkkreis abmelden.
@ Bow, 13.05.2026 um 10:40 Uhr
„Grundsätzlich bin ich aber bei dem ein oder anderen Mitforisten, dass es für jemanden der beim Bund seine Zeit verbringt, keine Vorteile mehr bringt.“
Ich finde, Sie denken da viel zu „materialistisch“. Die wenigsten GWDler konnten mit ihrer militärischen Ausbildung im zivilen Beruflseben etwas anfangen – in meinem Falle als Richtschütze im Leo hatte das tatsächlich überhaupt keine Relevanz im Zivilen.
Aber ich habe mich selbst und andere Menschen kennen gelernt. Verantwortung übertragen bekommen und ausgeübt, gelernt, in jeder möglichen Situation Schlafen zu können, etc….
Für vergleichbare „Persönlichkeitsfindungs-Seminare“ zahlen erwachsene Menschen Unmengen an Geld. Sie schreiben später in Ihrem Beitrag auch, dass junge Menschen immer weniger resilient seien… Bei der Bundeswehr lernt man so was! Erste Hilfe, Überleben im Feld, Umgang mit Stress…
@Fussgaenger:
Genau, das trifft den Punkt.
Der Persönlichkeitsbildung tut es mit Sicherheit gut, auch mal ein Jahr lang etwas völlig anderes abseits der Schmalspur-Karriere zu machen, auch wenn man dabei nicht reich wird. Zum einen sieht man vielerlei Nutzen unter Umständen sehr viel später, zum anderen sind Lernziele wie Sorgfalt, Sozialverhalten, Fürsorge und, äh, ja, Kameradschaft doch auch wertvoll.
Ich war als heutiger Anästhesist als Wehrpflichtiger Stabsdienstsoldat und Mkf B/C/F2, was mit meiner jetzigen beruflichen Tätigkeit natürlich wenig zu tun hat. Trotzdem habe ich ordentlich profitiert, viel über Technik gelernt, meine Französischkenntnisse dem D/F Verbindungsoffizier zur Verfügung stellen können und vieles andere mehr.
Diese Schmalspurdenke „was passt in meine Karriere“ ist dem Individuum nicht zuträglich und eine gewisse Verpflichtung gegenüber unserem Land würde ich doch sehr gerne auch postulieren wollen.
@ OFA d.Res
Ich stimme Ihnen zu – beide Dienste, sowohl Wehr- als auch Zivildienst haben geholfen, den eigenen Horizont zu erweitern und Scheuklappen zu durchbrechen. Dieser Aspekt geht in der heutigen Debatte viel zu häufig unter und verschindet hinter dem vermeintlichen Argument, man hätte ja Zeit auf dem Weg zur Karriere „verloren“. Im Gegenteil, die softskills die „damals“ erworben wurden, waren für viele unheimlich wertvoll für das spätere Berufsleben, so habe ich es zumindest aus meinem Umfeld oft vernommen.
Ich frage mich – und Euch – warum regierende Politik sich scheut, eine allgemeine Dienstpflicht für alle einzuführen?
Der Dienst soll für alle Geschlechter gleichermaßen verpflichtend sein. Zwischen Militärdienst und Zivildienst kann frei gewählt werden. Der Zivildienst ist mit dem Militärdienst gleichwertig und kein „Ersatzdienst“. Für den Spannungs- bzw. Verteidigungsfall können weitergehende Regelungen erlassen werden.
Wir brauchen aufwachsende Resilienz auch im zivilen Sektor!
Eine allgemeine Dienstpflicht bildet junge Menschen aus, zum Wohl der Gesellschaft.
Ich denke, es ist nicht Zeit für eine grundsätzliche Diskussion, ob die Wehrpflicht nicht auch für Frauen gelten soll, oder eine allgemeine Dienstpflicht / allgemeine Wehrpflicht nicht doch besser ist, welche „Vorteile“ der Wehrdienst bietet oder nicht usw.
Der Punkt ist doch, dass Deutschland in absehbarer Zeit und schnell (bis z.B. 2030) eine deutlich größere Bundeswehr braucht.
Es sind Verpflichtungen gegenüber der NATO und geopolitische Gesichtspunkte (Europäisierung der NATO und Bedrohung aus Russland), die hier rasche Lösungen und tiefgreifende Veränderungen der Strukturen nach sich ziehen müssen.
Wir können nicht Zeit verplempern mit der Diskussion von „Lösungen“, die zur Umsetzung eine 2/3 Mehrheit für GG – Änderungen im Bundestag brauchen (die nicht erreichbar ist) wie z.B. Wehrdienst für Frauen) oder einer Allgemeinen Dienstpflicht / Allgemeine Wehrpflicht, für die der Aufbau der Strukturen Jahre braucht und die Bundeswehr in der aktuellen Form komplett überfordern würde (Hundertausende pro Jahre einziehen und ausbilden).
Es müssen pragmatische und schnell umsetzbare Lösungen wie die z.B. die Auswahlwehrpflicht eingeführt werden. Das Beharren auf Freiwilligkeit wird der geopolitischen Lage nicht gerecht.
Ich denke, die heutige junge Generation wird die Auswahlwehrpflicht genauso „erdulden“ wie meine Generation es Anfang der 1980er Jahre tat (soviel zu was bringt mir der Dienst). Und das bei deutlich höherem Sold.