Kommandowechsel in Litauen: Panzergrenadierbataillon 391 führt die sechste Rotation

Das von der Bundeswehr geführte NATO-Bataillon in Litauen geht in seine sechste Rotation: Der Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 391 aus Bad Salzungen, Oberstleutnant Rouven Habel, übernahm am Donnerstag die Führung der multinationalen Battlegroup vom Kommandeur des Panzerbataillons 104, Oberstleutnant Peer Papenbroock.

Seit Februar 2017 führt Deutschland in dem baltischen Land ein verstärktes multinationales Bataillon im Rahmen der so genannten enhanced Forward Presence (eFP), der verstärkten Präsenz der NATO. Zusammen mit weiteren eFP-Bataillonen in Estland, Lettland und Polen sollen die rotierend von anderen Staaten der Allianz beschickten Battlegroups den östlichen Bündnismitgliedern den Rückhalt der anderen NATO-Staaten signalisieren – und faktisch als Stolperdraht für ein vor allem von den Balten befürchteten russischen Übergreifen in diesen Ländern verhindern.

Zusammen mit Bundeswehrsoldaten sind in Rukla in Litauen Niederländer, Belgier, Tschechen und Norwegen stationiert. Auch das NATO-Mitglied Island, das keine eigenen Streitkräfte hat, hat nach Angaben des litauischen Verteidigungsministeriums einen zivilen Experten entsandt.

Die verschiedenen Mitgliedsländer der Allianz tauschen im Halbjahresrhythmus nicht nur die in dem eFP-Bataillon eingesetzten Truppenteile aus. Auch das Großgerät der Einheiten rotiert mit; so soll zugleich die Logistik hinter einer Verlegung von Soldaten an die NATO-Nordostflanke geübt werden. Zugleich kommt das Bündnis damit den Bestimmungen der NATO-Russland-Grundakte nach, die eine dauerhafte Stationierung nennenswerter Kampftruppen in den ehemaligen Ländern des Warschauer Vertrags untersagt.

Fürs Archiv die bisherigen Rotationen:

Beginn und 1. Rotation: Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach

2. Rotation: Panzergrenadierbataillons 371, die Marienberger Jäger

3. Rotation: Jägerbataillon 292 aus Donaueschingen

4. Rotation: Panzerbataillon 393 aus Bad Frankenhausen

5. Rotation: Panzerbataillon 104 aus Pfreimd

(Foto: v.l. der neue Kommandeur Oberstleutnant Rouven Habel, Oberst Mindaugas Steponavicius, Kommandeur der litauischen Iron Wolf Brigade, und Oberstleutnant Peer Papenbroock – Virginijus Stonys/Iron Wolf Brigade via Verteidigungsministerium Litauen)

 

8 Gedanken zu „Kommandowechsel in Litauen: Panzergrenadierbataillon 391 führt die sechste Rotation

  1. Es bleibt drollig, dass derartige Nachrichten unter litauischer Führung mitgeteilt werden (müssen).

    Muss sich Deutschland „klein machen“ oder gar „verstecken“ ?

    Aus meiner Sicht lernt das deutsche Heer wieder, wie das Gefecht der verbundenen Waffen funktioniert. Noch ohne Heeresflugabwehr … Das Wichtige sind die Signale, nach Litauen und nach Russland. – In der Ostsee findet gerade die nächste Demonstration statt. Ob POL oder DEU genug Boote/Schiffe mobilisieren können ?

    Teetrinken ? Zuwenig !

    [Zu Ihrer Eingangsbemerkung: Es wird sicherlich auch eine Meldung dazu auf den Bundeswehr-Webseiten geben. T.W.]

  2. Ich habe gerade eine Autoreise von Deutschland über das Baltikum und Rußland bis wieder nach Deutschland hinter mir.

    Es ist mehr als erschreckend, dass die Terrortruppen der NATO sich im Baltikum aufhalten.

    Das Problem ist nur die primitive West-Propaganda für die ich mich als Deutscher extrem Fremdschämen muß!

    Man hat Russland, dem wir u.a. die Deutsche Wiedervereinigung zu verdanken haben, einmal zugesichert, daß es keine (!) NATO Osterweiterung gibt….

    …. nun jedoch provoziert der Westen auf derart asoziale Art- und Weise, daß es an Schäbigkeit nicht zu übertreffen ist.

    Die nicht neutralen, von der westlichen Politik gesteuerten Medien hetzen dann das „dumme Volk“ auf und egal was passiert, ist Putin Schuld.

    Wenn die NATO an der russischen Grenze massive Kampftruppen, Waffen usw. aufstellt, Manöver abhält, wird es als „notwendig“ oder „richtig“ verkauft.

    Steigt aber auf russischer Seite, im russischen Luftraum dann auch nur eine MIG auf, um die Lage einzuschätzen, sieht es plötzlich ganz anders aus:
    Dann spricht man von extremer russischer Aggression. Merkt Ihr nicht, wie Höhle das ist? Angefangen hat die NATO, nicht (!) Rußland!

    Pervers, wie der Westen sich militärisch darstellt – speziell Deutschland, welches sich weit von, Polen, Baltikum, Russland usw. entfernen sollte, schauen wir uns die Geschichte an. Schämt Euch NATO, EU und Westmedien!

    Russland hat jedenfalls jegliches Recht, sich zu verteidigen!

    [Ich lasse das mal als Troll-Beispiel stehen. Ist ja keine Argumentation, sondern sehr direkte Propaganda, incl. der falschen Behauptungen und faktenfreien Darstellung. Auch mal interessant. T.W.]

  3. @all

    Interessante Reaktionen auf meinen Umgang mit dem Kommentar von „Tim“ oben – von Zustimmung bis zu der – ich weiß nicht, ob ernstgemeinten? – Frage „Wenn nur ‚die eine Meinung‘ gültig sein sollte, benötigt man meiner Meinung nach auch kein Diskussionsforum. Diesen Eindruck hatte ich bisher nicht auf ihrer Seite. … Wird sich das nun ändern?“

    Es scheint, dass der Kommentar damit sein Ziel erreicht, die Debatte über das eigentliche Thema zu „derailen“. Machen wir hier nicht, deshalb wird das jetzt auch keine Debatte nach dem Muster „Troll – ja oder nein?“.

  4. Ganz sicher ist es für RUS „ein Problem“, daß sich viele „ex-SSR“ nun als NATO-Mitglied mehr oder weniger unmittelbar an der Westgrenze tummeln.
    Nicht umsonst war die Ausweitung des NATO-Gebietes ausbedungen worden. Aber es ist halt auch schwierig, in einem Vertag „von heute“ über die Absichten und Entscheidungen zum Vertragsschlußzeitpunit noch gar nicht existenter Staaten von morgen rechtssicher zu befinden.
    Den tatsächlichen Gefechtswert eines (oder auch zusammengefaßter) eFP-Vbd angesichts einer angenommenen RUS-„Übernahme-Op“ a la UKR/Krim auf einen betroffenen Staat einmal abgesehen (genau SO oder sehr ähnlich wird der schlaue Mann im Kreml das GANZ SICHER NICHT noch einmal machen, insofern verstehe ich dieses „nachbetrachtend Vorbeugen-Üben“ überhaupt nicht…), ist es aus RUS Sicht dennoch absolut nachvollziehbar, diese „feindlichen Aktivitäten“ umfassend im eigenen Interesse „auszuschlachten“!
    Die Eignung für einen Angriff genommen Osten brauchen wir – abgesehen davon, daß dies überhaupt nicht zulässig wäre – sowieso nicht zu betrachten.
    Aus meiner Zeit in LTU (begonnen noch deutlich VOR „eFP“) sind mir die besorgten Stimmen der Litauer noch gut „im Ohr“, und ich verstehe es völlig, wenn diese von der NATO etwas mehr als den „Mitgliedsausweis“ erwarten…

  5. Ich sehe die eFP v.a. als psychologische Unterstützung sowohl für das Militär alsauch für die Gesamtgesellschaft. Gesellschaftlich ist der Hitler-Stalin-Pakt, die Folgen(losigkeit) der Garantien GB&F für Polen u.a. osteurop. Länder in den 1930ern durchaus präsent.
    Und das baltische Militär übt halt ein gemeinsames Vorgehen, damit die NATO-Standards ein.
    Hinsichtlich der russischen Bedrohung ist die Minderheitenpolitik gegen den Russen im Baltikum relevant. Der Zulauf zur Henlein-Bewegung z.B. hat auch was mit der Politik Tschechiens zu tun. mit der

    [Das wirkt so, als fehlte da was am Kommentar? T.W.]

  6. Moin, für mich interessant ist, was für einen langen Weg wir gegangen sind von PfP bis eFP.
    Auch interessant ist, dass wir nun wieder lernen – oder schon gelernt haben – Propaganda zu erkennen und damit umzugehen. Und RT sowie SPUTNIK sind nun mal Realität. Dennoch wäre mir ein EUR gemeinsam mit RUS und etwas weniger Polemik auf allen Seiten wesentlich lieber.

    ….und das Wesentliche, bei allem Unzulänglichkeiten, ein starkes militär – politisches Signal an alle anderen, die Füße ruhig zu halten

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