NATO-Parlamentarier: Russland als Bedrohung betrachten

US, Estonia Soldiers make some noise

Die Parlamentarische Versammlung der NATO, in der nationale Abgeordnete aus den 28 Mitgliedsstaaten vertreten sind, wird normalerweise nicht besonders beachtet. In diesen Zeiten lohnt sich aber ein Blick auf die Erklärung, die die Parlamentarier am (gestrigen) Montag bei ihrem Treffen in der albanischen Hauptstadt Tirana einmütig verabschiedet haben. (Der Deutsche Bundestag war mit sechs Abgeordneten von Union und SPD vertreten, also ohne die Opposition.)

Im Hinblick auf den bevorstehenden NATO-Gipfel in Warschau im Juli wird dort sehr eindeutig die mögliche Bedrohung von Mitgliedsländern der Allianz durch Russland beschworen; die Regierungen der Bündnisstaaten werden zu entschiedenen Schritten zur Abschreckung aufgefordert, aber auch zum Dialog mit Moskau.

Aus der Erklärung:

In the past two years, the strategic environment has experienced profound shifts. With its aggression against Ukraine and illegal annexation of Crimea as well as the continuing illegal occupation of the Georgian regions of Abkhazia and Tskhinvali Region (South Ossetia), Russia put an abrupt end to 25 years of efforts by Allies to build a genuine strategic partnership. Russia’s recent actions have also included other forms of intimidation targeted at its neighbours, dangerous behaviour and provocations directed against Allies, multiple violations of international norms and an extensive rearmament programme. weiterlesen

Schweden, die NATO – und der russische Informationskrieg

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Das neutrale Schweden, das sich faktisch als Teil des Westens sieht, ist am (gestrigen) Mittwoch näher an die NATO herangerückt – und hierzulande ist es praktisch nicht registriert worden, dafür in russischen Medien um so genauer. Das Parlament in Stockholm ratifizierte ein bereits 2014 vereinbartes Abkommen zum Host Nation Support, zur Unterstützung Schwedens für NATO-Truppen, die das Land für Übungen, aber auch als Transitroute im Krisenfall nutzen dürfen, allerdings nur auf Einladung der schwedischen Regierung.

Aus dem Bericht von Reuters zur Abstimmung:

Sweden’s parliament on Wednesday ratified a deal granting NATO more access to the neutral Nordic country for training exercises and in the event of a war in the region, a step reflecting heightened tensions with Russia. (…)
The centre-left minority government won the parliamentary vote by a margin of 291-21. weiterlesen

EU-Marineeinsatz vor der Küste Libyens wird ausgeweitet

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Der Marineeinsatz der EU im Mittelmeer vor der Küste Libyens, die Operation Sophia, soll wie erwartet ausgeweitet werden. Die Außenminister der Europäischen Union verständigten sich am (heutigen) Montag darauf, die Unterstützung der libyschen Küstenwache und eine Durchsetzung des Waffenembargos gegen das nordafrikanische Land in ein neues Mandat aufzunehmen.

Das dürfte für die Deutsche Marine ebenfalls ein neues Mandat des Parlaments bedeuten. Bislang hat die Operation Sophia zwar schon die Aufgabe, die Netzwerke von Schleusern zu identifizieren, allerdings ausschließlich außerhalb der Hoheitsgewässer Libyens. Faktisch ist die Mission unter italienischem Kommando vor allem mit der Rettung von Flüchtlingen und Migranten aus Seenot beschäftigt, die versuchen, mit seeuntüchtigen Booten von Libyen nach Europa zu gelangen (und sonst, so urteilte ein britischer Parlamentsausschuss kürzlich, wenig erfolgreich.)

Doch jetzt sollen neue Aufgaben hinzukommen. Aus den Schlussfolgerungen des Außenministerrats:

Recalling its conclusions on Libya of 18 April and also in the light of the ministerial meeting on Libya in Vienna on 16 May, the Council underlines the need to enhance the capacity of EUNAVFOR MED Operation Sophia to disrupt the business model of human smugglers and trafficking networks and to contribute to broader security in support of the legitimate Libyan authorities. weiterlesen

ExerciseWatch: Deutsche Soldaten bei „Allied Hunter“ in Litauen

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Die Übung Allied Hunter in Litauen ist zwar bereits in der vergangenen Woche zu Ende gegangen – aber um im Blick zu behalten, wo bereits jetzt Bundeswehrsoldaten an der NATO-Ostflanke mehr oder weniger ständig (Persistend Presence) unterwegs sind, ein kurzer Blick darauf. Der Kommandeur des Jägerbataillons 291, Oberstleutnant Marc-Ulrich Cropp, war voller Lob für das multinationale Manöver:

More than 1200 Soldiers from Canada, Germany, Latvia, Lithuania, Poland and the United States participated in Exercise Hunter, May 9-19, at General Silvestras Zukauskas Training Area in Pabrade, Lithuania.
The exercise allowed commanders the opportunity to integrate allied troops into their units to complete joint tasks and various defensive operations. While integrated, allied Soldiers were able to learn each other’s tactics, techniques and procedures.
Throughout Exercise Hunter, the allies trained on anti-tank platforms to include the Javelin, Spike and Carl Gustaf anti-tank weapons.
Lt. Col. Marc-Ulrich Cropp, commander of the German Army’s 291st Infantry Battalion, said the training was beneficial because of Lithuania’s terrain and the opportunity to train with allied troops. weiterlesen

Verhältnis zu Russland: NATO setzt auf Dialog und Abschreckung

Die NATO verfolgt gegenüber Russland weiterhin eine Politik der Abschreckung – mit dem Ziel, gleichzeitig den Dialog zu führen. Nachdem die Außenminister der Allianz am (gestrigen) Donnerstagabend hinter verschlossenen Türen über dieses Thema beraten hatten, ließ Generalsekretär Jens Stoltenberg bei seiner Abschluspressekonferenz des Ministertreffens (erst auf Nachfragen, siehe Video oben) ein bisschen mehr dazu raus. So soll es unter anderem ein weiteres Treffen des NATO-Russland-Rates noch vor dem Gipfeltreffen der Allianz im Juli in Warschau geben. Zu den Planungen für eine verstärkte NATO-Truppenpräsenz im Baltikum und in Polen – im Gespräch sind vier Bataillone, darunter eines in Litauen unter deutscher Führung – nannte der Generalsekretär keine Details.

Zur Dokumentation die wesentlichen Aussagen Stoltenbergs dazu:

Q:  Mr. Secretary General I wonder if you could talk a little bit more about the meeting last night on Russia. Do you have more commitments from nations to provide, to be framework nations for the battalions in the east? And is your announcement of a request for a NATO Russia Council, do you think it’s particularly important to talk with Russia about what NATO’s intentions in the east are?

JENS STOLTENBERG: One of the reasons why we so strongly convey this message of defence and dialogue is that especially when tensions are high as they are now it is important to have transparency and predictability and one of the reasons why we think it’s useful to have the NATO Russia Council is that we can use this council to be transparent about what we are doing and also of course ask Russia to be the same to us in a reciprocal way. weiterlesen

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