Eckpunkte für neuen Wehrdienst: Sechs Monate Dienstzeit, 260.000 Aktive
Die Eckpunkte für das von Verteidigungsminister Boris Pistorius geplante neue Wehrdienstgesetz zeichnen sich ab: Angestrebt wird danach ein Minimum von einem halben Jahr Dienstzeit. Die Zahl der aktiven Soldaten und Soldatinnen soll innerhalb von zehn Jahren von derzeit gut 180.000 auf 260.000 wachsen – und vorerst will der SPD-Politiker Freiwilligkeit als Prinzip beibehalten. Das geht aus Berichten mehrerer Medien über ein Briefing des Ministeriums für Koalitionsabgeordnete hervor.
Darüber berichtete zunächst die Nachrichtenagentur Reuters am (heutigen) Freitag:
Der neue Dienst soll nach Angaben aus Regierungs- und Parlamentskreisen vom Freitag ein halbes Jahr dauern. Mit dieser Kurz-Ausbildung wolle man auf freiwilliger Basis schnell ausreichend Rekruten zumindest für einfache Aufgaben wie Bewachung und Kontrollen gewinnen, sagten mit den Plänen Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters. Aufbauend auf dieser Heimatschutz-Ausbildung könnten die Freiwilligen sich für weitere Zeiträume verpflichten, um etwa den Lkw-Führerschein zu machen oder sich zum Panzerfahrer ausbilden zu lassen. Verankert werden soll dies im neuen Wehrdienstgesetz, das zunächst auf Freiwilligkeit setzen will. Fehlen trotz der kurzen Ausbildungszeit die nötigen Soldaten, soll eine Form der Wehrpflicht greifen.
Wie der Spiegel (hinter Paywall) berichtet, soll das Gesetz für einen neuen Wehrdienst im August im Kabinett beraten werden, dann Ende des Jahres in Kraft treten und ab Frühsommer 2026 gelten. Wie Pistorius bereits im vergangenen Jahr angekündigt und in einem Gesetzentwurf der damaligen Ampelkoalition vorgeschlagen hatte, soll ein Fragebogen verpflichtend von jungen Männern ausgefüllt werden. Im Unterschied zum damaligen Entwurf soll aber die Musterung für sie verpflichtend sein.
Für eine Wieder-Einführung der Wehrpflicht für Männer soll nach dem neuen Gesetz ein entsprechender Beschluss von Kabinett und Bundestag erforderlich sein, hieß es in den Berichten. Ein neues Gesetz sei dafür nicht erforderlich.
Mit dem Gesetzentwurf legt sich das Verteidigungsministerium damit auf die Zielgröße von 80.000 zusätzlichen Soldaten und Soldatinnen fest, die sich vor allem aus den der NATO zugesagten künftigen Fähigkeiten der Bundeswehr ergeben. Offiziell hatte der Verteidigungsminister bislang nur von 50.000 bis 60.000 gesprochen. Die Gesamtzahl von 460.000 Angehörigen der Streitkräfte einschließlich der Reserve war dagegen bereits seit einiger Zeit auch öffentlich kommuniziert worden. Wie schnell dafür eine Wehrpflicht wieder eingeführt wird, scheint noch offen.
@Metallkopf
Mit den „kriegsgeilen“ Kommentaren habe ich Sie nicht gemeint.
Wohl sprechen Sie aber den Fakt an, dass das jeweils geltende Recht irgendwie halt auch dem herrschenden moralischen Empfinden entsprechen muss.
Und da kommen wir halt zum Punkt, dass wir in einer möglichst gleichgestellten, diskriminierungsfreien, inklusiven, diversen etc. pp. Gesellschaft leben, das alte Wehrrecht aber so ungefähr der Gesellschaft der 1980er (alternativ auch 1960er oder 1930er) entspricht: Deutsche Männer, deutsche Frauen (die aber primär Kinder bekommen sollen), meinetwegen Gastarbeiter, die aber sicherlich wieder gehen.
Angewandt würde das aber eben dazu führen, dass ggf. eben alleine deutsche Männer (bzw. moderner gesagt, männliche deutsche Staatsbürger) dafür verantwortlich sein sollen, in allen Feldern gleichgestellte Frauen, vor Kriegen geflohene Asylbewerber und jene Migranten zu verteidigen, die unter anderem eben den Fachkräftemangel in der Wirtschaft bekämpfen sollen (der auch in Friedenszeiten größer werden würde – auf Dauer summieren sich eben auch die RDLs). Das soll jetzt nicht nach AfD-Stammtischparolen klingen, aber so wäre eben die Gesetzeslage. Es sei auch eingeräumt, dass es natürlich auch Migranten ohne deutsche Staatsbürgerschaft gibt, welche das hier eigentlich schützens- und verteidigenswert finden und selbst gerne zum Bund wollen würden. Briefe bekommen sie aber keine.
Und das ist noch ein Unterschied zur Ukraine, Polen oder Estland.
Und da sind wir wieder bei dem Punkt: Eigentlich müsste man dafür das GG ändern. Den Rest kennen wir.
Lange Rede, kurzer Sinn: Man möchte wehrhaft wie Polen, engagiert wie GB oder Frankreich, divers wie Westeuropa, verfassungspatriotisch wie die USA, gleichgestellt wie Schweden und von einer „Miliztradition“ wie Finnland geprägt sein und dann aber auch noch alle möglichen deutschen Befindlichkeiten bewahren. Nein, das geht auf Dauer eher nicht.
#T. Wiegold:
„Die genannte Summe ergibt sich aus der Planung, dass es mit dem „neuen Wehrdienst“ grundsätzlich nur noch Berufs- und Zeitsoldaten geben soll,“
Zeitsoldat nur für 6 Monate ?
Und dann 2000 Euro netto ? Ohne vorherige Ausbildung wäre das ein Rekord im „Ausbildungsmarkt“…
Ist denn auch die Bezahlung und die Dienstzeit bei Verweigerung bekannt ?
Wenn es dort 8 Monate geht bei 800 Euro würde es dann erfolgversprechende Klagen geben ?
@Küstengang01
Ich bin mit Ihren Berechnungen einverstanden bis einschließlich der 462.000 ingesamt als potentieller Rekrutenpool für den 2008er Jahrgang.
Danach machen Sie einen Denkfehler. Selbst wenn die BW 80.000 pro Jahr ausbilden könnte (aktuell sind es lediglich 30.000!) und 35.000 Ersatzdienst bei Feuerwehr oder THW machen (wie kommen Sie auf diese Zahl?), glauben Sie im Ernst das die Hälfte einen KDV Antrag stellt wenn die Chancen 3:1 zu den eigenen Gunsten steht bei Aussitzen gar nichts machen zu müssen?
Und komme mir jetzt bitte niemand mit dem toten Pferd „Dienstpflicht“, dafür braucht es eine Verfassungsänderung (wofür es keine politischen Mehrheiten gibt), and falls doch stehen die Chancen schlecht das diese Dienstpflicht in Karlsruhe oder spätestens in Strassburg bestand hätte. Also vergessen wir diesen Schwachsinn einfach.
@Apollo11
Die 2000€ netto wären in der Tat ein Gamechanger. Gerade für junge Abiturienten, die so mit 6-12 Monaten Dienst was fürs Studium zurücklegen können und dabei auch noch unabhängiger von Ihren Eltern werden. Ein paar kommen auf den Geschmack und bleiben beim Bund und die Gesellschaft als ganzes wird verteidigungsfähiger. Wenn das so funktioniert Win-Win für alle Beteiligten.
Und das Zivilpersonal der Bundeswehr kann als Reservist nicht mehr beordert werden. Zivilpersonal der Bundeswehr bekommt als Reservist keine Laufbahnausbildungen und kann keinen Laufbahnwechsel absolvieren. Sie werden aus der Beorderung ausgegrenzt. Wenn Soldaten auf Zeit ausscheiden sind diese Grundbeordert, allerdings wird die Beorderung aufgehoben, wenn diese Zivilpersonal der Bundeswehr werden. Auch können Reservisten die der Polizei oder der Berufsfeuerwehr angehören nicht mehr beordert werden. Darüber redet niemand… wenn dann gleiches Recht für alle…
@TW: Eine Frage zur umfassenden Einführung des Bundesbesoldungsordnung für alle Wehrdienstleistenden: Wäre es dann, ähnlich wie in Finnland und der Schweiz, einfacher oder sogar angedacht (?!), dass besonders leistungsfähige Wehrpflichtige ohne Statuswechsel ggfs. lehrgangsabhängig einfach verlängern und bis zum Unteroffizier/Fahnenjunker befördert werden können und dann bereits mit ersten Laufbahnlehrgängen in die Reserve wechseln? D.h. eine flexiblere Festsetzung der Wehrdienstdauer? In Israel gibt es ja auch Unterschiede bei anspruchsvolleren Einheiten. Die alten starren zwei Jahre ROA / RUA waren in der Praxis ja immer wieder unglücklich, wenn Führerscheine oder Speziallehrgänge nicht in das enge Zeitkorsett passten oder kurz vor einer wichtigen Großübung die zwei Jahre rum waren und eine Verlängerung um ein Quartal nicht zulässig war…und die Anschlusswehrübung eine gewaltige Hürde darstellte…
[Die Frage stellen wir mal zurück, bis der endgültige Gesetzestext vorliegt… T.W.]
@Rene sagt:
08.07.2025 um 21:05 Uhr
…glauben Sie im Ernst das die Hälfte einen KDV Antrag stellt wenn die Chancen 3:1 zu den eigenen Gunsten steht bei Aussitzen gar nichts machen zu müssen?…
Ja, tue ich weil das etwa auch die Quote bis zum Ende der Wehrpflicht 2011 war. Von der anderen Hälfte muss man ja auch erstmal einen Zurückstellungsgrund haben…
…35.000 Ersatzdienst bei Feuerwehr oder THW machen (wie kommen Sie auf diese Zahl?)…
Es gibt etwa 23.000 Freiwillige Feuerwehren im Land. 1900 DRK Bereitschaften und 668 THW Ortsverbände. Plus die anderen KatSchutz Organisationen… reicht wenn da im Schnitt 1 bis 2 Leute pro Jahr kommen weil ihnen der eine Ausbildungsdienst pro Monat weniger auf den Keks geht. Und noch in den 80’ern hatte alleine das THW knapp 200.000 Helfer. Heute sind es noch 80.000 von denen 35.000 auch Einsatzbefähigt sind.
@Küstengang01, warum ziehen Sie die 35000 für den Ersatzdienst erst am Ende von denen ab die die Bundeswehr einberufen müsste um Wehrgerechtigkeit zu erreichen? Ich würde die gleich am Anfang vor den untauglichen abziehen, spätestens aber nach der Musterung weil die auch keinen KDV Antrag stellen werden.
Auf WELT.de lese ich, dass die Umstellung von FWD auf SAZ „kurz“ zu einem enormen Verwaltungsaufwand führt und die Ziele des Aufwuchses aufgrund des Wegfalls des so wahrgenommenen „Schnupperkurses FWD“ konterkariert werden könnte. Wenn es im Wesentlichen nur um eine Erhöhung des Solds gehen soll, warum erfolgt dies nicht in Form der Erhöhung des Wehrsoldes über das Wehrsoldgesetz? Die „Gehaltsangaben“ des BMVg sind für mich schwer nachvollziehbar und Vergleiche zwischen SaZ und FWDL hinken, denn bekanntlich muss ein SAZ im Vergleich zum FWDL für Unterkunft und Verpflegung zahlen. Es wirkt alles sehr planlos sowie bedingt kreativ, zusätzliche Attraktoren sind leider nicht mehr im Gespräch. Letztendlich fehlt die Beantwortung der Frage, wie man auf der Zeitachse auf 260.000 Zeit- und Berufssoldaten kommen will. Mein bisheriges Fazit aufgrund der veröffentlichten Fakten: das wird nichts!
@Küstengang01, wieso braucht man einen Zurückstellungsgrund? Wenn von 462.000 potentiellen Wehrpflichtigen nur 80.000 einberufen werden, würde ich Lotto spielen und mit dem Antrag auf KDV warten bis zur Einberufung statt den frühzeitig zu stellen und sicher Zivildienst leisten zu müssen.
Zumal wir ja hier nur die Zahlen für den Jahrgang 2008 betrachten, im Folgejahr sinkt ja automatisch die Wahrscheinlichkeit eingezogen zu werden weil zu den ungedienten 2008ern dann der Jahrgang 2009 kommt.
Von daher, Wehrgerechtigkeit sich schön rechnen weil man großzügig mit KDV Anträgen plant dürfte schnell schiefgehen.
@Küstengang01
Ihren Zahlen passen nicht. Sie haben korrekt vorgerechnet das für den 2008er Jahrgang mit ~462.000 potentiellen Rekrukten zur Verfügung stehen. Dem stehen 30.000 Ausbildungsplätze (über die Zahl sind wir uns einig?) bei der BW gegenüber, mehr kann sie nicht einziehen. Nicht einer von diesen 30.000 seien zu wollen ist bei den allermeisten der Antrieb sich für einen Ersatzdienst zu verpflichten oder einen KDV Antrag zu stellen. Wenn die „Gefahr“ eingezogen zu werden so gering ist wird kaum einer sich beim THW oder der Feuerwehr verpflichten, und einen KDV Antrag kann man auch noch stellen wenn der Einberufungsbescheid im Briefkasten liegt. Halten Sie die jungen Menschen jetzt ernsthaft für so dumm nicht zu merken das sie durch einfaches Aussitzen mit hoher Wahrscheinlichkeit um jeden ungewollten Dienst herumkommen?
Wehrdienstleistende sollen also als Zeitsoldaten bezahlt werden und somit mehr als 2000 Euro netto monatlich erhalten.
Mehr als 2000 Euro netto? Auch für Gammelei in vielen Bereichen?
Ein negativer Eindruck der ‚Gammelei‘ könnte eine allgemeine Unlust an der Bundeswehr verstärken. Doch es gibt so etwas! Mehr als gedacht.
@Fko sagt:
09.07.2025 um 5:58 Uhr
…@Küstengang01, warum ziehen Sie die 35000 für den Ersatzdienst erst am Ende von denen ab die die Bundeswehr einberufen müsste um Wehrgerechtigkeit zu erreichen? Ich würde die gleich am Anfang vor den untauglichen abziehen, spätestens aber nach der Musterung weil die auch keinen KDV Antrag stellen werden….
Dann bitte Mal den Artikel 12a GG lesen. Der Dienst bei den Streitkräften und dem Zivilschutz ist gleichwertig.
Es kam erst die Musterung, des weiteren wurde kein KDV Antrag gestellt. Statt vom KWEA als Soldat eingezogen zu werden haben die Ersatzdienstleistenden eine Verpflichtungserklärung bei ihrer Zivil- & Katastrophenschutz Organisation unterschrieben.
Für das KWEA war es ein und das selbe. Statt Wehrdienst wurde Wehrersatzdienst geleistet. Statt zur Militärischenverteidigung beizutragen wurde zur Zivilenverteidigung durch den Wehrpflichtigen beigetragen. Wehrdienst und Wehrersatzdienst im Zivilschutz waren zwei Seiten der selben Medaille. Wohingegen der bekannte Zivildienst gesondert stand.
Es gab ja auch Berufe die von der Wehrpflicht befreiten. Weil man damit im V-Fall direkt in die Landesverteidigung eingebunden worden wäre.
-Theologen, die müssten aufgrund von Staatsverträgen der Kirchen mit dem Bund die Militärgeistlichen stellen.
-Seeleute in der Kauffahrteischifffahrt, die hätten die Handelsschiffe bemannen müssen und die Versorgungssicherheit der Bundesrepublik im V-Fall sicherstellen müssen. (#Konvoi fahren)
-Polizisten, hätten im V-Fall die innere Ordnung aufrecht erhalten müssen. Sicherungsaufgaben übernehmen und wären als Teil des BGS oder der Bereitschaftspolizei sogar Kombatanten gewäsen.
Also ja die Reihenfolge war immer…
1) unterliegen des Wehrpflichtgesetzes
2) tauglich gemustert
3) kein KDV Antrag gestellt und positiv beschieden
4) nicht UK gestellt auf Grund von Beruf oder hinterbliebener eines Kriegsgeschädigten bzw. einziger Sohn der Familie
5) nicht zurück gestellt wegen Ausbildung/Studium
6) keinen Ersatzdienst geleistet
7) erst jetzt kann der Bund deinen Arsch ziehen. Willkommen bei ihrer AGA
@Küstengang01, ja Verpflichtungen im Zivilschutz ist gleichwertig zum Wehr-/Zivildienst.
Aber auch dort dürften viele überlegen was für sie günstiger kommt. Abwarten ob die Bundeswehr ruft und dann verpflichten oder freiwillig bei FF, THW und Co mitmachen ohne Verpflichtungen? Denn die meisten die die Option ins Auge fassen werden schon vorher Kontakt zu den entsprechenden Organisationen haben.
GANZ Wichtig.
Situation beim früheren Wehrdienst ( Zwei Zeitrahmen, d.h. mit und ohne Auslandseinsätze ):
Kalter Krieg und kurz danach für ALLE BW-Soldaten:
– Keine Polizeiaufgaben
– Keine Grenzsicherung ( Der BGS war zuständig )
– KEINE AUSLANDSEINSÄTZE
Der letzte Punkt änderte sich FÜR WEHRPFLICHTIGE auch nach der Gesetzesänderung nicht, ab der Auslandseinsätze als zulässig eingestuft wurden !
Wenn jetzt „Wehrpflichtige“ (wie wohl geplant ) als Zeitsoldaten einsortiert werden wie ist das dann mit diesen Auslandseinsätzen ?
Der Hausherr T.W. , dessen längeres TV-Interview gestern ich auch gesehen hatte, könnte da mal inquisitorisch nachhaken…
Man darf gespannt sein…
@Rene sagt:
09.07.2025 um 9:04 Uhr
…Dem stehen 30.000 Ausbildungsplätze (über die Zahl sind wir uns einig?)…
Stand heute! Morgen, in einem Monat oder in zehn Jahren sieht das garantiert anders aus.
Wo ist das Problem die AGA Einheiten aufzustocken oder wieder in jedem Verband einen AGA Zug aufzustellen?
Wer nicht will findet Gründe! So war das schon immer.
Die 460.000 Soldaten für den V-Fall wie von der NATO gefordert müssen ja irgendwo her kommen.
Die 200.000 Reservisten kann man über 40 Jahre aufbauen und holt im V-Fall 60’ig Jährige an die Front oder man sagt den Leuten nach xy Jahren bist durch mit dem Thema.
Und die 200.000 Reservisten muss man bei einer täglichen Verwundetenquote von 1,1% auch innerhalb Jahresfrist ersetzen. Also braucht man einen Personalpool von 200% oder 300% aus dem man Ergänzen kann.
Reichen die aktuellen Kapazitäten nicht muss man eben aufbauen. Den Jahrgang 2008 hatte ich exemplarisch gewählt weil es wohl der erste ist den es trifft.
@Flo sagt:
09.07.2025 um 13:57 Uhr
…Denn die meisten die die Option ins Auge fassen werden schon vorher Kontakt zu den entsprechenden Organisationen haben…
So war das früher schon. Man war in der Jugendfeuerwehr, THW Jugend ect.pp. bekam Post vom KWEA und ist dann hoch zum Wehrführer oder OB und hat die Verpflichtung unterschrieben… anders als heute sind die Leute dann nicht verschwunden wenn sie studieren gegangen sind oder der Job etwas mehr Zeit forderte. Sie waren Dienstverpflichtet und mussten auch zu jedem Dienst auf der Matte stehen.
Fragen sie mal im THW oder der FFW wie viele zu Ausbildungsdiensten tatsächlich auch da sind…. als ich noch im THW war haben Helfer abgesagt mit der Begründung „heute hat mein Hund Eingewöhnung beim neuen Dogsitter“. Wär früher nicht denkbar gewesen.
Und zum Argument… da wartet man ab bis man gezogen wird und verweigert dann. Das war schon der KDV für fortgeschrittene, Problem dabei ist. Man kann nicht selber planen. Man weiß nicht wann der Einberufungsbescheid kommt. Die guten Zivi Stellen sind dann schon wech und hat man das eigene Leben schon weiter gelebt und geplant muss man plötzlich die Bremse reinhauen. Deswegen haben die Leute so früh wie möglich verweigert um ihr Leben drum herum zu planen.
Oder man hat sich alle halbe Jahre zur Oma oder Tante am andern Ende der Republik umgemeldet um der Musterung zu entgehen… tricks gab’s viele. Die Masse hat aber funktioniert.
@Küstengang01, richtig früher musste man sich früh entscheiden.
Da gab es aber auch eine echte Wehrgerechtigkeit bei der jeder der wirklich konnte ( und nicht durch immer schärfere Vorgaben zur Tauglichkeit die Zahlen künstlich klein gemustert wurden) auch musste und nur wenige durchs Raster gefallen sind. Wenn aber absehbar die Bundeswehr nicht wird jeden einziehen können, dürften viele anfangen zu pokern.
@Segestes sagt:
05.07.2025 um 17:43 Uhr
„Kein größeres NATO- Land (Türkei und Griechenland sind sicherlich Sonderfälle) hat derzeit eine Wehrpflicht, auch nicht die Frontstaaten Polen und Rumänien. […]
Was ist bei den anderen NATO- Staaten so grundsätzlich anders, dass sie mit einer Berufsarmee, zumindest bisher, klarkommen? Oder anders gefragt, welche ganz spezifisch deutschen Randbedingungen zwingen zur Wehrpflicht?“
Unser ureigenes Problem ist, dass wir das Militärische aus der Gesellschaft gebannt haben. Also eine innere Hürde zur Bewerbung bei den Streitkräften vorherrscht. Dazu kommt, dass wir de facto jetzt einen Quantensprung hinlegen möchten.
Zu den anderen europäischen Staaten sei gesagt: Polen bereitet derzeit alles vor um eine Wehrpflicht einzusetzen und auch um bereits ältere Semester zuzuziehen. Ist mir aus dem persönlichen Umfeld bekannt. Dazu kommen Dinge wie Schießunterricht in der Schule um die Wehrfähigkeit zu steigern.
Frankreich hat einen Tag (um den 18. Geburtstag herum) an dem Jugendliche den Kontakt zur Armee bekommen, dazu einen Monat Pflichtdienst (Allgemeiner Nationaldient) der auch bei der Armee geleistet werden kann. Damit ist zumindest der Kontakt aufgebaut, die Daten werden gesammelt und man bildet zumindest mal einen Personalpool.
Im UK fand der Wehrdienst generell nur während Kriegszeiten Anwendung. Bedeutet die Briten haben seit jeher ein anderes Mindset zu dem Thema.
Italien hat die Wehrpflicht ausgesetzt und diskutiert – ebenso wie wir – die Wiedereinführung.
Spanien hat die Wehrpflicht abgeschafft – hier findet auch keine Diskussion derzeit statt. Was zwei Gründe hat: 1. war die Wehrpflicht in Spanien als Symbol der Militärdiktatur Francos verhasst und 2. ist Spanien ewig weit von einer künftigen NATO-Russland-Front entfernt. Es fehlt also die Dringlichkeit.
Aber: vielleicht sollten wir weniger auf andere und mehr auf uns gucken.
Ich kann jetzt mal aus der Sicht eines ehemaligen BS und gleichzeitg Vater dreier Söhne im wehrpflichtigen Alter eine Bewertung zum Thema Zivilschutz als Alternative abgeben.
Alle 3 Jungs (Alter 16 – 21) sind seit vielen Jahren, seit dem 8. bzw. 9. Lebensjahr, bei Feuerwehr (2) und THW (1) aktiv. Aus deren Organisationen kenne ich es schon aus den noch alten Wehrpflichtzeiten, dass es eine Auswahl für den Zivilschutzdienst gab. Sprich, es gab immer mehr Bewerber, als Plätze. Somit obliegt es der örtlichen Führung, die freien Plätze zu vergeben.
Die kolportierte Version, dann unterschreib ich halt mal schnell bei der örtlichen FF oder bei meinem THW OV wird sicher nicht für diejenigen ziehen, die kurzfristig einen Ausweg ohne KDV aus dem Wehrdienst suchen, ohne schon über einen längeren Zeitraum im „Blaulicht“ aktiv gewesen zu sein. Da werden meistens eher die zum Zug kommen, die man erstens schon kennt und zweitens schon über Jahre ihr Interesse an FF / THW gezeigt haben und auch „dabeigeblieben“ sind.
Für meine Jungs gesprochen, die sind sogar interessiert, sich bei der FF / beim THW länger zu verpflichten. Die Bw kommt für alle 3 aktuell aus unterschiedlichsten (von mir auch mitgetragenen) Gründen leider nicht in Frage. Da Zivilschutz aber einen ebenfalls sehr hohen Stellenwert hat, kann ich mich als Soldat damit sehr gut abfinden, auch wenn der über mehrere Generationen gehende Dienst als Offiziere dann in dieser Generation abreißt.
Für mich selber hat die Sache einen kleinen persönlichen Haken, da meine eigene Blaulichttätigkeit im DRK und mein aktueller Beruf beide in Kriegszeiten so relevant sind, dass hier eine Doppelverpflichtung vorliegt. Da bin ich sicher nicht alleine, denn wenn ich in die Feuerwehr, das THW und das DRK schaue, dann sehe ich da sehr viele Reservisten (und natürlich auch aktive Soldaten und zivile Mitarbeiter der Bw) und Mitarbeiter von KRITIS. Auch hier muss daher eine persönliche Entscheidung erfolgen, für wen ich tatsächlich zur Verfügung stehe. Mein Gefühl sagt, dass sich die Anzahl der Ehrenamtlichen dann leider deutlich reduziert, da eben diese sich oft auf mehreren Ebenen gesellschaftlich einbringen, sowohl beruflich, als auch ehrenamtlich.
Von daher bin ich ein absoluter Verfechter der Politik, keine zivilen Angestellten der Bw parallel noch zu beordern; das muss aber mittelfristig dann auch für „Blaulicht“ Angehörige kommen. Wenns hart auf hart kommt, gibt’s mich nur einmal und ich muss dann für diese Stelle auch 100%ig zur Verfügung stehen. Auch Doppelmitgliedschaften bei den HiOrgs sind dann eigentlich nicht mehr vertretbar.
@NoName: Bei einer Beorderung der Zivikangestellten der Bundeswehr sollte aber keine pauschale Regelung erfolgen, denn es gibt da durchaus Stellen, die nicht kriegswichtig sind, deren Expertise oder frühere militärische Verwendung aber im Soldatenstatus durchaus gebraucht werden kann. Auch für einige militärische Dienstposten trifft dies zu. „Früher“ war es zum Beispiel vorgesehen, dass die Historiker (ziv./mil) des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes im V-Fall als Kriegstagebuchführer einzurücken hatten. Mit Ausbildung dafür durch Lehrgänge. Da gäbe es noch viele Hausaufgaben zu machen, damit alle Ämter und Dienststellen der Bw eine klare „V-StAN“ hätten.
@NoName, ja die Frage der Doppelmitgliedschaft oder hauptberuflich im KRITIS Bereich dürfte die Zahlen im Zivilschutz sehr schnell auf auf ein unangenehmes Minimum schrumpfen lassen. Zumal in dem Fall ja noch weitere Aufgaben dazu kommen. Letztens erst gelesen das die Bundeswehr wieder mit Lazarettzügen und für den Weitertransport in Krankenhäuser mit den anerkannten Hilfsgesellschaften plant. Wo kommt dafür Personal und Material her?
Was mir dann noch auffällt. Wenn die künftigen Wehrpflichtigen wie SaZ bezahlt werden sollen, gilt das nur für die die in der Anfangszeit sich freiwillig melden oder auch noch wenn die Pflicht kommt? Weil dann müsste ja der Zivildienst entsprechend bezahlt werden.
@Flo sagt:
11.07.2025 um 7:56 Uhr
„[…]Was mir dann noch auffällt. Wenn die künftigen Wehrpflichtigen wie SaZ bezahlt werden sollen, gilt das nur für die die in der Anfangszeit sich freiwillig melden“
Wenn die wirklich Pflicht-Wehrpflicht zurück kommen sollte, wie wir sie kannten, dann wird auch die Bezahlung unter gehen. Aktuell wird sowas angesprochen um es politisch und gesellschaftlich tragfähiger zu bekommen. Sollte man aber den Bocksprung gemacht haben ist der Rest komplett egal.
Ich kann nicht sehen, dass bei einem vollumfänglichen Wehrdienst im Sinne der Wehrpflicht eine SAZ-Besoldung der GWDLer erfolgt.
Das wäre – wenn man dadurch ein Massenheer aufbauen will – auch ein kompletter finanzieller Wahnsinn