Lesestoff: ‚Missile Defense Review‘ der USA – und: Rückkehr zu Star Wars?

Das ist ausführlicher Lesestoff fürs Wochenende: Die US-Regierung hat am (gestrigen) Donnerstag ihren neuen Missile Defense Review vorgelegt, die Planung zur Abwehr von Raketenangriffen. Offensichtlich über das hinaus, was in diesem Review selbst drin steht, hat Präsident Donald Trump bei der Vorstellung im Pentagon deutlich weit reichendere Vorstellungen skizziert:

We are committed to establishing a missile defense program that can shield every city in the United States. And we will never negotiate away our right to do this.
Second, we will focus on developing new technology, not just investing more money into existing systems. The world is changing, and we’re going to change much faster than the rest of the world. (…) weiterlesen

Merkposten: NATO-Raketenschild wird aktiviert

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Dass die NATO bereits vor sechs Jahren beschlossenen hat, mit tatkräftiger US-Hilfe ein Raketenabwehrsystem in Europa zu installieren (oder auch: ein US-System als Angebot für den europäischen Teil der NATO anzunehmen), ist hierzulande schon fast in Vergessenheit geraten. (Dabei sind auch, siehe unten, deutsche Flugabwehrsysteme Teil als Teil dieses Systems zugesagt.) Der Raketenschild sollte sich nach der ursprünglichen Planung vor allem gegen die Bedrohung aus Staaten wie dem Iran richten, und diese Aussage gilt auch weiterhin, auch wenn der Nukleardeal mit dem Iran die Gefahr durch atomar bewaffnete Raketen aus dieser Region deutlich verringert hat.

Die Arbeiten daran sind über die Jahre weiter gegangen, und das Abwehrsystem wird am (morgigen) Donnerstag für Europa aktiviert:

The United States‘ European missile defense shield goes live on Thursday almost a decade after Washington proposed protecting NATO from Iranian rockets and despite Russian warnings that the West is threatening the peace in central Europe.
Amid high Russia-West tension, U.S. and NATO officials will declare operational the shield at a remote air base in Deveselu, Romania, after years of planning, billions of dollars in investment and failed attempts to assuage Russian concerns that the shield could be used against Moscow. weiterlesen

Patriot: Weltweit

Ein Patriot-PAC3-System der japanischen Streitkräfte (Foto: Flickr-User ARTS_fox1fire unter CC-BY-NC-ND-Lizenz)

Die Meldung hat mit dem geplanten Einsatz von deutschen Einheiten mit dem Patriot-Flugabwehrsystem an der türkisch-syrischen Grenze nicht direkt zu tun. Aber im Hinblick auf dieses Waffensystem ist es dennoch interessant:

Japan stationiert auf drei seiner südlichen Inseln Patriot-Systeme mit PAC3-Raketen, die zur Raketenabwehr in der Lage sind. Damit will Tokio gegebenenfalls eine nordkoreanische Rakete abschießen, die das Regime in Pjöngjang in den nächsten Tagen starten will – offiziell für einen Satelliten, faktisch aber vermutlich als Test seines ballistischen Raketenarsenals.

Parallel, so berichtet die japanische Zeitung Asahi Shimbun, werden allerdings auch Aegis-Zerstörer mit den SM(Standard Missile)-3 Raketen in die Region verlegt. Aus rein technischer Sicht wird das eine interessante Frage: Wenn Japan tatsächlich beabsichtigt, die nordkoreanische Rakete abzuschießen – werden dafür eher die Patriot oder eher die SM3 eingesetzt?

Und als Nachtrag noch eine Frage an die Experten: Ishigaki, südlich von Okinawa gelegen, ist eine sehr hübsche Insel (ich war schon mal dort). Aber außer Tourismus gibt es da eigentlich nichts. Wenn dort Patriot-Systeme stationiert werden, kann das wenig damit zu tun haben, dass ein begrenztes Areal geschützt werden soll – es geht offensichtlich darum, den besten geographischen Ort für einen Raketenabschuss zu nutzen. Widerspricht das nicht ein wenig der oft gehörten Erklärung, mit den Patriot könnten nur Punktziele bzw. eng umgrenzte Räume geschützt werden?

Abgeordnete lassen sich zu Atomwaffen und Raketenabwehr briefen

Bei dieser Sitzung des Bundestags-Unterausschusses für Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung wäre man als Journalist doch gerne dabei:

Montag, dem 24.09.2012, 09:30 Uhr
Sitzungsort: NATO-Hauptquartier Brüssel
Konferenzraum der Deutschen NATO-Vertretung, D 248
T a g e s o r d n u n g
1 Unterrichtung durch den Ständigen Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei der NATO über den Stand der Umsetzung der Beschlüsse des NATO-Gipfels in Chicago
2 Gespräch zur künftigen Rolle von Nuklearwaffen, zu Abrüstungsinitiativen innerhalb der NATO und zum Stand des Aufbaus einer Raketenabwehr mit
• Botschafter Philippe Errera, Ständiger Vertreter Frankreichs bei der NATO
• Alexander Vershbow, Stellvertretender NATO-Generalsekretär
• General Heinrich Brauss, Stellvertretender Beigeordneter Generalsekretär für Verteidigungspolitik und -planung
• Botschafter Maris Riekstins, Ständiger Vertreter Lettlands bei der NATO
• Nikolai Korchunov, Geschäftsträger a.i., Ständige Vertretung Russlands bei der NATO
• Botschafter Ivo Daalder, Ständiger Vertreter der USA bei der NATO

Leider ist das eine nichtöffentliche Veranstaltung. Aber vielleicht sagt hinterher einer der Bundestagsabgeordneten aus diesem Ausschuss was…

Raketenabwehr aus Ramstein? Läuft.

Im Februar wurde… nun, nicht unbedingt erstmals bekannt, aber zum ersten Mal öffentlich wahrgenommen, dass auf deutschem Boden, in Ramstein, die Kommandozentrale für den geplanten Raketen-Abwehrschirm der NATO stehen wird. Und in Ramstein wird dafür schon fleißig geprobt, wie ein heute veröffentlichtes Video der NATO zeigt:

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