Die Brandbomben von Taloqan

Das Internet war heute in Berlin ein wenig gestört – deshalb kann ich erst jetzt dieses Youtube-Video der Bundeswehr hier einstellen (das vermutlich einige schon kennen).

Interessant darin sind die Bilder einer Überwachungskamera des Provincial Advisory Teams (PAT) in Taloqan, gegen das es am 18. Mai eine gewalttätige Demonstration gab. Bei der mehrere Menschen erschossen wurden, vermutlich auch von deutschen Soldaten. Etwas mehr Details hatte am Wochenende der Spiegel.

Drahtzieher des Anschlags von Taloqan festgenommen

Das ging schnell (wenn es so zutrifft): Nach Angaben von ISAF wurde einer der Drahtzieher des tödlichen Anschlags von Taloqan am vergangenen Samstag, bei dem unter anderem zwei deutsche Soldaten fielen, inzwischen festgenommen. Bereits am Montag habe eine Afghan-ed combined security force den Mann, der enge Beziehungen zur Islamischen Bewegung Usbekistans (Islamic Movement of Uzbekistan, IMU) haben soll, im Distrikt Masar-i-Scharif gestellt.

Offensichtlich , so ist zu hören, war das vor allem eine Operation von US-Spezialkräften.

Die ISAF-Mitteilung:

An Afghan-led combined security force captured an Islamic Movement of Uzbekistan facilitator along with several of his associates during a night-time security operation in Mazar-e Sharif district, Balkh province, Monday.

The facilitator assisted with the May 28 attack against the Takhar provincial governor’s palace that killed and wounded Afghan government officials and Afghan civilians, including the Afghan National Police commander Gen Daud Daud, and the provincial chief of police.

Recent reporting indicated he had been in direct contact with Islamic Movement of Uzbekistan leadership in Pakistan, providing them with specific reports on the damage effects of the May 28 blast.

The combined Afghan and coalition force was able to locate the facilitator at his associated compound in Mazar-e Sharif. Afghan members of the force assaulted the compound where they found the facilitator along with several associates. He identified himself to the security force and was immediately taken into custody.

Through initial questioning, the security force was able to identify several other individuals with suspected involvement with the facilitator. All men were detained and taken by the force for further processing. No shots were fired.

Nachtrag: In Taloqan wurden fünf Polizisten unter dem Verdacht der Unterstützung der Attentäter festgenommen.

Der Taloqan-Anschlag: Noch mehr Ungereimtheiten

Bei dem tödlichen Bombenanschlag am vergangenen Samstag in der nordafghanischen Stadt Taloqan in der Provinz Takhar sind zwei Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen. Für die Lage in Afghanistan allerdings entscheidend:  der Tod des afghanischen Generals Daoud Daoud, Polizeichef von Nordafghanistan.

Deswegen ist interessant, was der BBC-Producer Bilal Sarwary aus Kabul gerade auf seinem Twitter-Account aus Quellen des afghanischen Geheimdienstes NDS (National Directorate of Security) mitteilt:

NDS sources in Takhar say, After the explosion, Gen. Daud tried to return fire. But he was already shot in the head, chest &leg

Meeting was planned inside the PRT but it than took place at the governors office.NDS didnt know about the meeting in advance

ANA was responsible for security inside the governors office. Gen. Daud was alive for five minutes, Sec officials Takhar

Bedeutsam ist vor allem die Aussage der Geheimdienstquellen, das hochrangige Treffen sei zunächst im PAT (Provincial Advisory Team, hier offensichtlich gleichgesetzt mit einem PRT, Provincial Reconstruction Team) geplant gewesen – dann aber verlegt worden. Wenn das zutrifft, hatten die Attentäter keineswegs lange Zeit, den Anschlag vorzubereiten. Was einen noch besorgter über die Sicherheitslage und die Infiltration der Sicherheitskräfte macht. Andererseits: ob die NDS-Angaben zutreffen, lässt sich vorerst nicht überprüfen.

Falsche Gerüchte über den Tod der Übersetzerin

Aus gegebenem Anlass scheint mir der Hinweis nötig: heute kursieren bereits den ganzen Tag Gerüchte, die beim Anschlag in Taloqan schwer verwundete Soldatin sei ihren Verletzungen erlegen (auch hier in den Kommentaren).

Ich habe deshalb gerade eben sowohl im Einsatzführungskommando als auch im Verteidigungsministerium nachgefragt. Bei beiden konnten mir die Sprecher vom Dienst das nicht (rpt nicht) bestätigen.

Ich weiß nicht, wo diese (scheinbaren) Informationen herkommen – aber so lange ich dafür keine verlässliche Quelle kenne, ist da für mich nichts dran.

Anschlag in Taloqan mit ferngezündeter Bombe, kein Selbstmordattentat

Der tödliche Anschlag auf den Gouverneurspalast in der nordafghanischen Stadt Taloqan, bei dem am vergangenen Samstag auch zwei deutsche Soldaten ums Leben kamen, wurde mit einer ferngezündeten Bombe verübt. Es war kein Selbstmordanschlag, sagte ein Sprecher des afghanischen Geheimdienstes NDS (National Directorate of Security)  dem afghanischen Sender TOLONews. Das habe eine Untersuchungskommission herausgefunden.

Bislang waren die Bundeswehr und die afghanischen Behörden von mehreren Selbstmordattentätern ausgegangen, die sich – möglicherweise in Polizeiuniform – Zugang zu dem Treffen hochrangiger Vertreter von afghanischen Behörden und ISAF verschafft hätten. Nach NDS-Angaben waren Sprengsätze im Korridor des Gouverneursgebäudes angebracht worden. Bislang sei noch unklar, wie das möglich gewesen sei.

Bei dem Anschlag kam als prominentestes Opfer der Polizeichef für Nordafghanistan, General Daoud Daoud, ums Leben. Der ISAF-Regionalkommandeur Nord, der deutsche Generalmajor Markus Kneip, wurde leicht verletzt. Insgesamt starben bei dem Attentat sechs Menschen. Nach letzten Angaben der Bundeswehr wurden sechs  deutsche Soldaten verwundet, darunter die Übersetzerin des deutschen Generals, die schwere Verletzungen erlitt.

(Eine sehr subjektive Bemerkung dazu: Natürlich ist es auch im Interesse der afghanischen Behörden, dem Eindruck entgegenzutreten, dass die Reihe der afghanischen Sicherheitskräfte von Aufständischen unterwandert sind. Das muss man bei der Einschätzung solcher Ergebnisse im Hinterkopf behalten. Vor allem angesichts neuer Meldungen über Angriffe eines Attentäters in afghanischer Soldatenuniform auf ISAF-Truppen.)

Nachtrag: Auch ISAF und die Bundeswehr gehen nunmehr davon aus, dass es sich um einen Bombenanschlag und nicht um Selbstmordattentäter handelte:

Aus afghanischen Sicherheitskreisen wurde verlautbart, dass es sich bei dem Anschlag in Talokan nicht um einen Selbstmordanschlag gehandelt habe, sondern um eine fern gezündete Bombe. Dieses Bild deckt sich mit ersten Erkenntnissen, die am Ort des Anschlages durch Fachpersonal von ISAFdurchgeführt wurden.

Nach ersten, vorläufigen Untersuchungen ist nun davon auszugehen, dass es sich mit größter Wahrscheinlichkeit nicht um einen Selbstmordattentäter handelte, sondern um eine fern gezündete, hochexplosive Sprengstoffladung, die mit „Kugellagerkugeln“ versetzt und an einer Mauer im Gebäude „platziert“ war.

Die Brände im Gebäude sind wahrscheinlich durch die Explosion in einem hinter der Mauer liegenden Lagerraum entstanden.

Weiterhin liegen Hinweise vor, dass der regional zuständige Kommandeur der Afghan National Police (ANP), Generalmajor Daud, Ziel dieses Anschlages gewesen sein soll.

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