Der GAU von Taloqan

Zwei deutsche Soldaten sind am Samstag bei einem Anschlag in Taloqan in der nordafghanischen Provinz Takhar gefallen, drei fünf wurden verwundet, unter ihnen der ISAF-Regionalkommandeur Generalmajor Markus Kneip. Das ist die Nachricht, die in Deutschland wahrgenommen wird und für Trauer und Empörung sorgt. Bei allem Verständnis dafür: gefährlicherweise wird – so scheint es mir jedenfalls bisher – hier zu Lande gar nicht wahrgenommen, was dieser Anschlag bedeutet.

Das prominenteste Opfer der mindestens zwei Selbstmordattentäter, die in den Gouverneurspalast von Taloqan eindringen konnten (möglicherweise in afghanischer Soldatenuniform), war der afghanische General Daoud Daoud. Eine sicherlich, äh, vielschichtige Figur, vom Kommandeur der Nordallianz gegen die Taliban über verschiedene Verwendungen in den afghanischen Sicherheitsorganen bis zur Position als stellvertretender Innenminister, zuständig für Drogenbekämpfung – dem zugleich Verwicklungen in den Drogenhandel nachgesagt wurden. Und zuletzt Chef der afghanischen Polizei (ANP) im Norden des Landes. Vor allem aber: einer der starken Männer auf Seiten der Regierung in Kabul, dem bei der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen eine wichtige Rolle zugefallen wäre.

Archivbild: KABUL AFGHANISTAN INTERNATIONAL AIRPORT (May 5, 2010)–Gen. Daud, Deputy Minister of Interior for Counter Narcotics, speaks to a crowd of Afghans from an Air Interdiction Unit during an AIU Transition ceremony.  (U.S. Air Force photo by Staff Sgt. Jeff Nevison)

Dieser General starb bei einem Anschlag, der für das Vorgehen der Aufständischen eine neue Qualität bedeutet: Nicht ein vergrabener Sprengsatz irgendwo an einer Landstraße, der auf eine vorbeifahrende Patrouille zielt. Kein Selbstmordattentäter, der eine günstige Gelegenheit nutzt und sich ausländischen Soldaten nähert. Kein Hinterhalt in ungünstigem Terrain. Die Attentäter drangen in ein sicherlich gut gesichertes Gebäude ein, in dem die wichtigsten Männer Nordafghanistans zusammensaßen und über die künftige Sicherheitsstrategie berieten. Die Gouverneure der Provinzen, ihre Polizeichefs, General Daoud und der ranghöchste ISAF-Kommandeur im Norden.

Das unterscheidet die Attacke am Samstag auch von den früheren Angriffen auf den damaligen Provinzgouverneur von Kundus (ebenfalls in Taloqan) oder den Polizeichef von Kundus. Im Militärjargon: Den Aufständischen ist eine komplexe Operation gegen ein Hochwertziel gelungen. Fast hätten sie auch noch mit Kneip einen ISAF-General erwischt.

Und das ist vor allem ein Propagandaerfolg. Wenn noch nicht mal diese wichtigen Männer mit ihren ganzen Leibwächtern und ihrem ganzen Schutzring vor den Taliban sicher sind, so die Botschaft an die Afghanen, wer kann dann noch den Aufständischen widerstehen? Wer stellt sich auf die Seite der ungläubigen Ausländer, die noch nicht mal ihre Partner beschützen können?

Verteidigungsminister Thomas de Maizière und der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Generalleutnant Rainer Glatz, erwähnten bei ihrer Pressekonferenz zum Anschlag noch nicht einmal den Tod Daouds (Glatz nannte ihn immerhin in der Aufzählung der Spitzenmänner, die sich in Taloqan versammelt hatten). Die langfristigen Auswirkungen des Anschlags in Takhar, die weit über Tod und Verwundung der sieben Deutschen hinausgehen, nannten sie nicht.

Das Thema wird allerdings noch auf die Tagesordnung kommen müssen. Nicht nur für die Frage, wie es im Norden Afghanistans weiter geht. Sondern zum Beispiel auch bei der Frage, wen man für Dezember zur großen Afghanistan-Konferenz nach Bonn einlädt. Zum Beispiel die Taliban.

Bei allem Verständnis für die Trauer: Die heutigen Gefallenen sind nicht das Schlimmste, was heute passiert ist.

Nachtrag: Bei einer Veranstaltung der ZEIT in Hamburg ist der Verteidigungsminister der Einschätzung entgegengetreten, dass der deutsche General das Hauptziel des Angriffs war. Der Anschlag habe in erster Linie afghanischen Zielen gegolten. Das sehe ich genau so (siehe oben) – ein getöteter ISAF-General hätte zwar aus Sicht der Aufständischen zusätzlichen Propagandawert, doch Daoud Daoud war für sie ungleich wichtiger.

Übrigens, auch wenn de Maizière sagt, die Zahl der Attentäter sei noch unbekannt: Bild weiß, dass es vier waren, sollten sie mal dem Minister sagen.

31 Kommentare zu „Der GAU von Taloqan“

  • J. König   |   28. Mai 2011 - 22:49

    „Vor allem aber: einer der starken Männer auf Seiten der Regierung in Kabul, dem bei der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen eine wichtige Rolle zugefallen wäre.“

    Was kommt nach ISAF und Nachsorge?

    Der heutige Anschlag ist (politisch) folgenreicher als zurückliegende. Das, was als beherrschbar angelegte war, nämlich ein Treffen auf „hoher Ebene“ in Sicherheit zu Ende zu bringen, erwies sich als nicht beherrschbar. Kein gutes Zeichen für die Zeit nach der Übergabe in und an Verantwortung.

    Ein wesentliches Kriterium für den Erfolg einer einer (erbetenen oder unerbetenen) Intervention ist die Situation für die Menschen danach. Ist sie schlechter als zuvor oder ihrer gleich, dann kann nicht von Erfolg gesprochen werden.

    Die Kriterien für Erfolg sind (dem europäischen Denken angelehnt) nicht in erster Linie materielle Erfolge, sondern Rechtsgüter. Können die nicht garantiert werden, dann war es kein Erfolg. Es geht also nicht um „Sieg über den Feind“, sondern um die Stablisierung und Garantien für einen Rechtszustandes, der es erlaubt, ohne Gefahr zu laufen, „auf die Strasse gehen zu können“. Das scheint in der Region, inder sich die internationale Staatengemeinschaft derzeit und auf Wunsch der Islamischen Republik Afghanistan bewegt, nicht sehr warhscheinlich zu werden. Wird dem – nach ISAF und Nachsorge – so sein, „dann hat es sich nicht gelohnt“

  • Voodoo   |   28. Mai 2011 - 22:57

    Und genau damit haben sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich habe erlebt, dass man letztes Jahr den Feldjägern immer mehr aufdiktieren wollte, wie ein Treffen auszusehen hat, wenn man bei den Afghanen „zu Gast“ ist. Man wolle niemanden verärgern, die können mindestens so gut wie wir für Sicherheit sorgen, Gästelisten könne man ändern bzw. bräuchte man nicht von den Afghanen und eine Übersicht der afghanischen Sicherheitskräfte hätte es noch nie gegeben. Nun hat man die Quittung für diese „Bewegung“ bekommen – die Afghanen können eben nicht für die Sicherheit solcher Konferenzen sorgen. Ich spare mir zynische Bemerkungen an dieser Stelle, denn ich weiss noch nicht, wer gefallen und verwundet ist – diese Woche ist einfach zum kotzen.

  • Delta 0219   |   28. Mai 2011 - 23:15

    @T. Wiegold
    Danke für die nüchterne Reflektion, die jetzt (wie nach jedem Vorfall) viel wichtiger ist als leere Betroffenheitsgesten, die auch jetzt leider den Großteil der offiziellen Reaktion auszumachen scheinen.

  • Roman   |   28. Mai 2011 - 23:30

    Naja, das kann man auch anders sehen. Attentäter wird es immer wieder geben, selbst bis in höchste Kreise hinein. Irgendwann klappt es. Entweder an schleust jemanden ein oder einer ändert seine Motivation. Siehe u.a. Staufenberg.
    Heute war es eben nicht anders. Die dortige Gästeliste war ziemlich exklusiv und wenn wir die Verantwortung übergeben wollen, dann muss man mehr und mehr Risiken eingehen. So blöd das klingt, wenn Markus Kneip stirbt bei einem solchen Treffen, dann schicken wir den nächsten General hin oder befördern seinen Stellverteter und schicken einen neuen Sellv hin. So ist das. Unabhänig vom persönlichen Leid der Betroffenen und dem entstehenden Führungschaos.
    Viel dramatischer ist aber die Auswirkung auf die afg. Seite. So schnell wird es keine gleichwertigen Nachfolger geben. Solange der verletzte Gouverneur lebt, wird es keinen Ersatz geben und aus dem Koma führt es sich schlecht. Gutes Personal wächst in AFG leider nicht an den Bäumen und viele wollen lieber bis 2014 warten als sich jetzt die Hände schmutzig zu machen oder irgendwo in Ungnade fallen. Dort läuft viel über persönliche Autorität ab und die erwirbt man nicht so schnell.
    T.W. hat alles aufgezählt, was eigentlich wichtig ist. Im Grunde genommen ist dies eine Zäsur für den Einsatz in AFG in unserem Bereich. Eigentlich könnte sich morgen die Merkel ans Mikro stellen und verkünden, das damit alle Abzugspläne gescheitert sind und wir vermutlich sogar jetzt aufstocken müssen, da die afghanische Seite vorerst als Partner stark geschwächt ist. Wer schonmal erlebt hat wie man bzw. wer afg. Einheiten dazu bewegt, ihre Kaserne zu verlassen und ein Geländeabschnitt zu erobern, der weiss was ich meine.

  • J. König   |   28. Mai 2011 - 23:48

    @ Roman

    „…und wir vermutlich sogar jetzt aufstocken müssen, da die afghanische Seite vorerst als Partner stark geschwächt ist

    Aus meiner Sicht der Dinge eine eher suboptimale Idee, denn der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hatte das schon mal gemacht und zieht aber -vohersehbar und terminiert- ab.

    Ich vermute, er weiss (abgesehen von innenpolitischen Motiven) um die Erfolgs- und Aussichtslosigkeit in Folge der us-amerikanischen Entscheidungen von 09/11.

    Deutschland,als Bestandteil von ISAF, sollte nicht unbedingt derjenige truppenstellende Stasst sein, der „das Licht beim Verlassene ausmachen“ wird. Gemessen an der Tragödie des heutigen Tages kein guter abschließender Satz. Also, mit Bitte um Nachsicht, so formuliert.

  • Georg   |   28. Mai 2011 - 23:52

    @ T.Wiegold

    Jenseits der Betroffenheit über den Anschlag haben Sie die weitreichenden Konsequenzen skizziert. Es mag gefühllos erscheinen, wenn man nach dem Tod von vielen Menschen, den Tod von Kameraden, über die Konsequenzen der Tat diskutiert, aber nicht über die Opfer.

    Deshalb nochmals mein aufrichtiges Beileid allen Angehörigen der gefallenen Soldaten.

    Gleichzeitig muss man aber auch die ( eventuellen ) Konsequenzen aus den beobachteten Fakten herausarbeiten, damit weitere tote Soldaten vermieden werden.

    1. Dies war kein feiger Anschlag ! Wer sich selbst für seine Überzeugung in die Luft sprengt, ist nicht feige !

    2. Es war von der Gegenseite eine gelunge Liquidierung eines Hochwertzieles.
    Elmar Thevesen vom heute-journal stellt richtigerweise fest, das wir, die Nato, die gleiche Strategie des „Targeted Killing“ seit einiger Zeit in Nordafghanistan anwenden.

    3. Wenn die AFG Armee und Polizei in den Nordprovinzen nicht bereit ist, erobertes Gebiet zu halten, dann „stabilisiert“ man bei ISAF eine Provinz, die von der eigenen Regierung nicht stabilisiert werden will. Hier müssen die Verhältnisse zwischen den nichtpaschtunischen Stämmen im Norden und den paschtunischen Enklaven im Norden, z.B. rund um Kunduz näher untersucht werden, ansonsten ist ein „weiter so“ nicht möglich.

    4. Wenn es immer wieder gelingt talebanische Agenten, Selbtsmordattentäter in die afg Polizei oder in die Armee einzuschleusen, dann stimmt etwas mit der Unterscheidung zwischen Gegner und Verbündeten nicht mehr. Hier sehe ich eine Parallele mit den Verhältnissen in der südvietnamesischen Armee Anfang der 70er in der Endphase des Krieges.

    5. In der Konsquenz von 1. – 4. sind wir, die Nato, der eigentliche Gegner der Taliban und nicht mehr die afghanische Zentralregierung. Wenn dem so ist, dann müssen wir unsere Position überdenken. Wir sind dann nicht mehr „Assistance Force“ sondern Hauptakteur in dem Kriegsgebiet. Umso dringlicher müssen wir dann unsere eigenen Interessen in AFG definieren.

    6. Es steht fest, dass wir, die Nato, früher oder später aus AFG abziehen werden. Wenn die einheimische Bevölkerung nicht mehr an den Sieg der afghanischen Zentralregierung glaubt, dann ist der Krieg für uns verloren. Wir können nicht gegen den Mehrheitswillen der afghanischen Bevölkerung das Land befrieden.

    7. Am siebten Tag der Schöpfungsgeschichte ruhte Gott. Er betrachtete sein Werk und sah, dass es gut war.

    Ich fürchte diese Feststellung werden wir am Ende unseres Engagements in AFG nicht treffen können !

  • Roman   |   28. Mai 2011 - 23:57

    @ J. König

    Dies war nur eine mögliche Folgerung, falls wir diesen Krieg auch wirklich gewinnen wollen. Aber eigentlich haben wir ja auch keinen Krieg.

    Ansonsten, gute Aufzählung Georg, aber unsere Bundeskanzlerin muss derzeit den Strommarkt umkrempel. da ist keine Zeit für die Bw oder gar Sicherheitspolitik. Vielleicht hat aber die FDP noch irgndwo in ihrem Bereich einen Kinderminister, der schon Dorktor ist und vor kurzem im Sandkasten auch immer General war.

  • J. König   |   29. Mai 2011 - 0:08

    @ Roman

    „Aber eigentlich haben wir ja auch keinen Krieg.“

    Richtig, Kriege sind eigentlich relativ einfach. Es gibt eine überschaubare Lage und zum Schluss gibt es einen Sieger und einen Besiegten.

    ISAF ist komplizierter. ISAF ist gewollter Bestandteil einer Regierung, die Teile der eigenen Bevölkerung aus Gründen, die wenig transparent sind, nicht als Bürger ihres Staates anerkennen will und deshalb – mangels eigener Kraft – mit Hilfe Dritter bekämpft. Das ist sowohl für die Dritten als auch für die Regierung mehr als kompliziert. Erfahrungsgemäß geht das eigentlich nicht gut. Nur, das muss man (eine Regierung, eine Staatengemeinschaft oder wer auch immer) vorher wissen und sagen.

  • O.G.   |   29. Mai 2011 - 0:11

    @Voodoo
    Gleiches dachte ich auch als die ersten Informationen vorlagen. Auf der einen Seite sollen die CPT´s die Sicherheit für ihre Schutzpersonen gewährleisten, was unter den gegebenen Umständen schon schwierig genug ist, und dann wird ihnen mit dieser Art „come together“ …..wir sind ja nur von „Freunden“ umgeben….teilweise fahrlässig jegliche Handlungsmöglichkeit genommen, weil man ja auf alles und jeden Rücksicht nehmen soll.

  • Georg   |   29. Mai 2011 - 0:23

    @ J.König

    „Das ist sowohl für die Dritten als auch für die Regierung mehr als kompliziert. Erfahrungsgemäß geht das eigentlich nicht gut. Nur, das muss man (eine Regierung, eine Staatengemeinschaft oder wer auch immer) vorher wissen und sagen.“

    Zumindestens muss die eigene Regierung die sich verändernde Lage beobachten und die richtigen Konsequenzen daraus ziehen.
    Einen Fehler kann man begehen, aber an dem Fehler festhalten ist schon der zweite Fehler !
    Für mich war der entscheidende Wendepunkt der Anschlag auf die deutschen Soldaten im Mai 2007 auf dem Markt in Kunduz (Die Einkäufer für das Lager).
    Zu diesem Zeitpunkt begann ein Prozess vom bewaffneten THW-Einsatz zur Kriegspartei in einem Bürgerkrieg, der im September 2009 mit der Bombardierung der Tanklaster im Kunduz-Fluss endete. Die deutsche Öffentlichkeit und Teile der deutschen Regierung haben anscheinend erst dann vom Bundesgerichtshof erfahren, dass sie Teilnehmer, dass sie Partei in einem „nicht internationalen bewaffneten Konflikt“ sind.

    Welche Konsequenzen wurden aus dem Prozess, aus dieser Erkenntnis, gezogen ?
    Ebenfalls laut Berichten von Uli Gack im heute-journal litt die Entscheidungsfreudigkeit von deutschen Kommandeuren gegen die Aufständischen vorzugehen und angemessene ( ! ) Kollateralschäden in der Zivilbevölkerung in Kauf zu nehmen.

    Kriegsparteien verstehen keine Zurückhaltung beim Gegner ! Was sie verstehen ist pure Macht und militärische Stärke. Das verstehen die Hamas und die Israelis. Die Taleban verstehen es auch, aber leider die deutsche Regierung nicht.

  • jeff costello   |   29. Mai 2011 - 1:00

    Mein herzliches Mitgefühl an die Angehörigen.
    Die Verluste sind bitter, noch bitterer ist aber, dass diese Opfer erkennbar vergebens sein werden. Die Aufständischen können und werden den Preis für unser Engagement in AFG weiter erhöhen, bis Sie jene Grenze erreichen bei der die Deutsche Politik den Einsatz abbricht. Diese Entwicklung war vorhersehbar, weil eben gerade nicht unsere Freiheit in AFG verteidigt wird. Für den Aufbau stabiler Verhältnisse in einer weitentfernten und strategisch unbedeutenden Region werden wir nicht jeden Preis zahlen und nicht unser ganzes Gewicht in die Waagschale werfen.
    In der Leidensfähigkeit (bei Clausewitz „Moral“) sind die Aufständischen uns klar überlegen. Deswegen werden Sie am Ende gewinnen.

  • Nico   |   29. Mai 2011 - 1:52

    „1. Dies war kein feiger Anschlag ! Wer sich selbst für seine Überzeugung in die Luft sprengt, ist nicht feige !“

    Sabotieren Sie nicht „unsere“ Propaganda, Sie Defätist! ;-)

  • b   |   29. Mai 2011 - 6:22

    T.Wiegold: „Dieser General starb bei einem Anschlag, der für das Vorgehen der Aufständischen eine neue Qualität bedeutet: “

    Aber nur wenn sie die Aktionen der Taliban in Kandahar und Kabul unter den Tisch fallen lassen. Dort sind bereits mehrfach hohe Funktionäre durch solche Kommandoaktionen umgekommen.

    Über den Vorfall muss man sich auch nicht wundern.

    NATO führt jede Nacht mehrere solche „gezielte Tötungen“ gegen angebliche „Talibanführer“ aus und prahlt damit auch kräftig in den Medien. Das die Taliban nun gleiches unternehmen ist doch eher selbstverständlich. (Das dabei andere Wirkmittel zum Einsatz kommen ist unerheblich.)

    Wie man in den Wald hineinruft so schallt es heraus.

    Es bleibt zu untersuchen ob es einen Zusammenhang zwischen dieser Aktion in Taloqan und dem Nightraid gibt bei dem NATO dort vor kurzem auch zwei Frauen umgebracht was zu blutige Demonstration (12 Tote Afghanen) am 18. Mai zur Folge hatte. Waren die Durchführenden/Tipgeber hier Verwandte der Getöteteten ?

  • Delta 0219   |   29. Mai 2011 - 7:52

    @b
    Die Aufständischen handeln nicht rein reaktiv als Antwort auf das Vorgehen von ISAF. Ihr Vorgehen ist das Ergebnis ihrer Absichten und Fähigkeiten, und da Tötung und Festnahme von Aufständischen ihre Fähigkeiten reduziert, werden komplexe Anschläge dadurch unwahrscheinlicher. Die Aktion in Taloqan war nicht das Ergebnis eines „night raids“. Im Gengenteil: Sie hätte nicht stattgefunden, wenn man die durchführende Zelle rechtzeitig entsprechenden Maßnahmen unterzogen hätte.

  • turan saheb   |   29. Mai 2011 - 7:57

    Eine Verbindung zu dem nightraid und den Demonstrationen ist nur geographisch und auf dem Papier gegeben; da geht es nicht nur bei der Vorbereitung einer solchen OP um ganz andere Dimensionen. Daud stammte selber aus Takhar, hat dort jahrelang gekaempft, kennt die Gegend wie seine Westentasche und hat beste Netzwerke zu allen Akteuren auf beiden Seiten; er war fuer sich genommen der Hauptgrund, dass die IMU und ihre afghanisch-usbekischen Alliierten im Norden der Provinz Feuer unter dem Hintern bekommen hat. Da stand er bei denen ganz oben auf der Hitliste, nightraids hin oder her. Und dass die INS in Taloqan beste Kontakte haben und operieren koennen, hat ja vor nem halben Jahr das Ableben von Eng. Omar eindringlich demonstriert.

    Die ganz neue Qualitaet sehe ich im Vorgehen auch nicht (Sayedkheili in KDZ, Khan Mohammad in Kandahar… uebrigens war auch Khan Mohammad ein Jamiati aus dem Norden…), das Ausmass von genau dieser gezielten Toetung (die Parallele, denke ich, kann man schon durchaus sehen) ist aber deutlich problematischer.

  • T.Wiegold   |   29. Mai 2011 - 8:35

    Die neue Qualität bezieht sich auf eine solche komplexe Operation im Norden – die anderen Anschläge galten Zielen, die bei weitem nicht so gut gesichert waren.

    Angesichts etlicher Mails und Twitter-Kommentare ist mir noch eins wichtig: Auch mein Mitgefühl gilt den Gefallenen, Verwundeten und ihren Angehörigen. Und dennoch muss man auch auf das größere Ganze schauen… ohne dass das als taktlos empfunden wird.

  • Elhanan   |   29. Mai 2011 - 11:06

    @Nico
    “1. Dies war kein feiger Anschlag! Wer sich selbst für seine Überzeugung in die Luft sprengt, ist nicht feige!”

    Aus afghanischer Sicht ist ein Attentat mit Kollateralschaden das Hochwertziele, unter aufopferung des eigenen Lebens, ausschalten soll nicht feige.
    Feige sind in deren Augen Angriffe von CIA geführten Drohnen.
    Da liegen sie in der Definition von Feigheit nicht weit von der westlichen Sichtweise.

    Höchst unanständig ist es, wenn TDM im Stile des letzten und vorletzten Jahrhunderts vom „Dienst am Vaterland“ und ähnlichen hochgestochenen Worten die Rede ist, um neues Kanonfutter für den Krieg zu ködern, auch dann wenn deutsche Interessen nicht Grundlage sind. Die Bevölkerung der BRD lehnt diesen Krieg ab und die Parlamentarier machen sich noch nicht einmal die Mühe sie zu überzeugen, im Gegenteil hinter vorgehaltener Hand sagen sie der Krieg ist verloren (spätestens wenn die USA abrücken). Innere Führung wurde durch den IBUK mit den Aussagen „auch er könne das BMVg nicht führen“ und „die Bw muss auch Einsätze ohne BRD Interesse führen“ ad absurdum geführt. Leider sind die Menschen die Sicherheitspolitik nicht nur durch die militärische Brille sehen in der Minderheit und zum Teil medial Verbraucht.
    Aber man sollte auch Papiere nicht nach den Personen beurteilen die diese geschrieben hatten, sondern nach dem Inhalt.

    Ein mili. Einsatz, der auf einem UN-Mandat basiert, ist zu keinem Zeitpunkt auch nur annährend völkerrechtswidrig aber trotzdem kann er falsch sein, vor allem wenn sich hinterher Herausstellt, dass das UN-Mandat erschlichen, betrogen und unter völlig falschen Vorraussetzungen erteilt wurde?

    Und muss ich diese Einschätzung teilen? Eine nicht demokratisch gewählte korrupte Regierung wird in AFG durch militärische Gewalt und den Einsatz von Todesschwadronen an der Macht gehalten.

    Der Hass auf die Besatzer setzt sich immer mehr in der normalen Bevölkerung durch. Vor 10 Jahren waren Deutsche in Afghanistan noch hoch angesehen.
    Doch dann war vernetzte Sicherheit nur noch ein Lippenbekenntnis und man verpasste den Zeitpunk die Afghanen ziv. zu unterstützen, betrieb den Aufbau der Polizei nicht mit dem nötigen Ernst und setzte immer mehr auf die militärische Karte. Selbst TDM sagte „Die Attentäter und ihre Befehlshaber sind Kriminelle“. Warum hat man sie dann nicht nach kriminalistischen Methoden gejagt und vor ein Gericht gestellt? Auch wenn es viele vergessen haben, wir sind nicht mehr nach Artikel 5 in AFG sondern unterstützen gem UN-Mandat die AFG-Regierung im Innern. AFG hätte eine Bundespolizei benötigt mit robustem Mandat guter Ausstattung, guten Geheimdienstinformationen und Internationaler Unterstützung. Aber nein, man setzt das Militär im Innern eines anderen Staates ein! Das ist in AFG falsch und das wäre in der BRD falsch. Wenn es um den Kampf des Überlebens eines Staates geht, also um alles (Verteidigung), dann ist das Militär das richtige Mittel. Da spielt dann auch ein Kollateralschaden keine große Rolle.
    Wer einen Staat stützten und Aufbauen möchte, sollte nicht mit dem Vorschlaghammer Familienbilder aufhängen. Und solange Bomben auf afghanische Frauen und Kinder fallen, werden die Taliban eher stärker als schwächer.

    Mein Mitgefühl gilt allen Opfern und deren Angehörigen dieses Bürgerkrieges.

  • jugendoffizier   |   29. Mai 2011 - 11:24

    Das Geschehen in Taloqan macht mich tief betroffen. Wieder sind deutsche Soldaten in einer Region gefallen, die einst als sehr sicher galt und in der auch ich mich schon aufhalten durfte.
    Neben all dem Mitgefühl für die Angehörigen gilt es aber auch zu fragen, wie man solche Aktionen in Zukunft sehr viel schwieriger machen kann?
    Sicherlich gehört dazu, dass die CPT’s (Close Protection Team) wieder mehr Einfluss auf die Veranstaltungsorganisation solcher Treffen bekommen.
    Aber man muss hier auch die Frage stellen, ob man der Schutzperson nicht auch mal einen „Maulkorb“ verpassen sollte?
    Oder ist es klug, in einem Interview anzukündigen, dass man nach Taloqan fahren wird, um sich dort mit VIPs zu treffen?
    http://tinyurl.com/3etmse8 (verkürzter BW-Link – Unterabschnitt „Wie ist denn die Stimmung nun in der Stadt Talokan? Feindlich gegenüber der Bundeswehr?“)

  • Nico   |   29. Mai 2011 - 11:58

    @Elhanan: Ich kann Ihnen nicht ganz folgen … sicher, dass Sie mich meinten?

  • Echo   |   29. Mai 2011 - 12:10

    @Elhanan

    „Ein mili. Einsatz, der auf einem UN-Mandat basiert, ist zu keinem Zeitpunkt auch nur annährend völkerrechtswidrig aber trotzdem kann er falsch sein, vor allem wenn sich hinterher Herausstellt, dass das UN-Mandat erschlichen, betrogen und unter völlig falschen Vorraussetzungen erteilt wurde?“

    Meine Sie das ernst, denn falls ja, dann habe ich selten so viele Inhaltsfehler in einen Satz gesehen .

  • Elhanan   |   29. Mai 2011 - 12:12

    @Nico ich meine nicht Sie, ich hatte Sie nur ergänzend zitiert :-)

    Zu AFG und der militärischen Sicherheitspolitik:

    Das Thema in der Internationalen und nationalen Onlienmedienlandschaft ist heute:
    „Kinder sollen bei Nato-Luftangriff getötet worden sein“

    Also, Augen geradeaus und öffnen, das Leben und Töten geht weiter…

  • Elhanan   |   29. Mai 2011 - 12:23

    @Echo

    „Meine Sie das ernst, denn falls ja, dann habe ich selten so viele Inhaltsfehler in einen Satz gesehen.“

    1. Sie verwechseln wohl Aussage mit Meinung (passiert hier ständig)
    2. Der Diskurs bringt uns weiter und nicht der Meinungsaustausch
    3. Wenn Sie ein Kontra setzen wollen, ich bitte darum!
    4. Es verwundert mich immer mehr, wie persönlich man in diesem Blog wird!
    man beachte die Fragezeichen in meiner Ausführung!
    5. Sie sollten den Versuch machen und die Inhaltsfehler aufzeigen und ich bin mir sicher, dass hätte für uns alle einen Mehrwert!
    6. Auch ich besitze keine Glaskugel, mein Display ist noch flach!

  • Elhanan   |   29. Mai 2011 - 13:00

    Regierungserlärung der Kanzlerin 22.04.2010

    „Der Einsatz“, sagt die Kanzlerin, sei „Ultima Ratio“ aber notwendig im Kampf gegen den Terrorismus. „Es wäre (…) ein Trugschluss zu glauben, Deutschland wäre nicht im Visier des internationalen Terrorismus.“ Die Gefahren gingen von Taliban aus oder von Piraten vor der Küste Somalias. Zum Einsatz der Bundeswehr im internationalen Rahmen sei Deutschland bereit, wenn er zum Schutz der Bevölkerung oder der Verbündeten diene.

    1. „… „Der Einsatz“, sagt die Kanzlerin, sei „Ultima Ratio“ …..“ Was hat man den vorher dagegen getan? Wurden nicht die Saudis und Pakistanis mit Geld gefütter?
    Bekamen die Talibanschulen nicht westliche Unterstützung?

    2. „…..aber notwendig im Kampf gegen den Terrorismus….“ Kampf ja, aber mit mili Mitteln. Wurden nicht alle Terroranschläge in der BRD durch den BND und Polizei verhindert?
    auch 09/11 hätte nicht durch mili Mittel verhindert werden können. Hatte nicht laut US Regierungsbericht der Geheimdienst versagt. Kam nicht weder das Personal noch das Geld kam aus AFG?

    3. „….Taliban aus oder von Piraten vor der Küste Somalias….“ Wird da was verwechselt? Welche Gefahr bestand durch die AFG Taliban oder die SOM Piraten für die BRD?

    4. „….wenn er zum Schutz der Bevölkerung oder der Verbündeten diene…“ Da ist TDM wohl nun schon weiter, genügen jetzt nicht auch andere Interessen?

    5. Zum Thema „…..Der GAU von Taloqan…..“
    Warum GAU? Wäre nicht ein Abzug ein GAU? Gibt es demnächst mehrere GAUs? Wettkampf der Superlative?

  • Georg   |   29. Mai 2011 - 13:58

    @ Echo 12:10 Uhr

    Was ist an der von Ihnen zitierten Aussage von @Elhanan Ihrer Meinung nach falsch ?

    Ein Beschluss des UN-Sicherheitsrates kann niemals völkerrechtswidrig sein, aber trotzdem falsch sein. Auch muss man die Umstände berücksichtigen, wie er zustande gekommen ist.

    Schauen Sie sich z.B. den UN-Beschluss 678 vom 29.11.1990 nach dem Einmarsch von Irak in Kuwait an.
    Die USA wollten vom UN-Sicherheitsrat diesen Beschluss unbedingt erhalten, weil Präsident Bush senior immerhin noch rechtmäßig Krieg führen wollte. Deshalb bekam Kolumbien, als damaliges nichtständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates mehrere hundert Millionen Dollar Schulden bei den USA erlassen und China erhielt für seine Enthaltung im Sicherheitsrat die Meistbegünstigungsklausel im Handel mit den USA eingeräumt.

    Damit ist der UN-Beschluss zur Kuwait-Befreiung und für die Opertion „Desert Storm“ nicht falsch gewesen, nur ist er aufgrund von Interessen von einigen Sicherheitsratsmitgliedern forciert worden.

    Im internationalen Fußball, bei der FIFA würde man allerdings sagen, man hat die Stimmen gekauft !

    http://de.wikipedia.org/wiki/Resolution_678_des_UN-Sicherheitsrates

  • Delta 0219   |   29. Mai 2011 - 14:43

    @Elhanan
    „Feige sind in deren Augen Angriffe von CIA geführten Drohnen.“

    Was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen? Ein Plädoyer für Bodentruppen in Pakistan?

  • b   |   29. Mai 2011 - 18:35

    Nach einigem Überlegen scheint es mir das General Daoud das Primärziel dieses Einsatzes war. Dem Mann wurden nicht nur „Verwicklungen in den Drogenhandel nachgesagt“, der Mann war wohl DER Oberboss der Heroinmafia dort.

    Afghan officials in drug trade cut deals across enemy lines

    The Lure of Opium Wealth Is a Potent Force in Afghanistan

    UNODC Sees Afghan Drug Cartels Emerging – With One Eye Closed

  • Sascha Stoltenow   |   29. Mai 2011 - 19:36

    Die exorbitanten Gewinne aus dem Drogenhandel haben genau einen Grund: Die ideologische Kriminalisierung durch Staaten. So, wie die Quelle des Reichtums der US-amerikanischen Mafia die Prohibition war, ist es unter anderem die verfehlte Drogenpolitik, die es Kriminellen in aller Herren Länder erlaubt, ihr einträgliches Geschäft zu betreiben.

    Ja, der Staat sollte nicht als Dealer auftreten, aber er hat kein Problem damit, an der Vermarktung der Drogen Tabak und Alkohol zu verdienen, warum also entkriminalisiert er nicht die Konsumenten harter Drogen? Ich befasse mich schon sehr lange mit diesem Thema, ein überzeugendes Argument für diese Kriminalisierung habe ich noch nicht gehört. Und nein, damit ist nicht gemeint, jedem Zugang zu diesen Drogen zu gewähren. Es geht schlicht und einfach darum, dass Geschäftsmodell der Drogenhändler zu zerstören.

  • MD.   |   29. Mai 2011 - 19:53

    Herr Stoltenow,

    nur am Rande: Falls nicht schon bekannt, empfehle ich Prof. Christian Haasen vom Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung der Uni HH/ UKE. Besonders die Studie der heroingestützten Behandlung schwerst-opiat-Abhängiger ist lesenswert (auch ohne med. Fachkenntnisse). Darüberhinaus umfangreiche Literaturangaben und er ist , aus eigener Erfahrung, nicht nur sehr freundlich sondern auch unaufgeregt und (be)arbeitet ohne rosa Brille.

  • Elhanan   |   29. Mai 2011 - 22:45

    @Delta 0219

    „Was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen? Ein Plädoyer für Bodentruppen in Pakistan?“

    Ich will nichts zum Ausdruck bringen, ich gab einen Komentar zum Thema „feige“ und nicht zum Thema „Wirkung“!
    Wenn Sie mich fragen was in PAK notwendig wäre, kann ich ihnen nur sagen, soweit es die BRD betrifft, schafft Sicherheit nur vernetzte Sicherheit und da gehört ein guter Nachrichtendienst und die Unterstützung der ziv Gesellschaft uvm dazu. Wer glaubt militärisch das Problem lösen zu können, den bitte ich um Vorschläge. Aber was macht die westliche Welt? Das Gleiche wie in SA (siehe Link).

    http://www.europeonline-magazine.eu/britisches-training-fuer-saudische-elitesoldaten_132274.html

    Da kämpft das Bündnis der Willigen gegen Gaddafi und in SA wird das Regim gestützt…

  • Orontes   |   30. Mai 2011 - 11:12

    @Elhanan
    Stichwort „Zivilgesellschaft in Pakistan“: Der Begriff der „Zivilgesellschaft“ ist (wie „vernetzte Sicherheit“) m.E. eine dieser Floskeln, mit denen man in der deutschen Diskussion gerne sicherheitspolitische Kompetenz vortäuscht.
    „Zivilgesellschaft“ in Pakistan ist jedoch im Wesentlichen ein Konglomerat islamistisch-geprägter Bewegungen, Strömungen und Organisationen, die sich nur hinsichtlich des Grades ihrer Radikalität unterscheiden und sich weitgehend einig darin sind, dass Osama Bin Laden ein Held des Islams sei. Das gleiche Problem hat man übrigens mit der „Zivilgesellschaft“ in Saudi-Arabien, und bald wird man entdecken, dass große Teile der „Zivilgesellschaft“ Ägyptens sicherheitspolitisch wesentlich problematischer sind als es die böse autoritäre Regierung Mubaraks war.
    Unter diesen Bedingungen hilft es wenig weiter, sicherheitspolitische Hoffnung in die Unterstützung „der Zivilgesellschaft“ zu setzen.
    Das ganze Konzept enthält soviele fragwürdige Annahmen, die eher Ausdruck westlicher Illusionen als Ausdruck des Willens zum Verständnis bestimmter Regionen sind, dass es eine tiefere Untersuchung wert wäre. Wie kommt man z.B. darauf, dass es grundsätzlich „moderate“ Mehrheiten gibt, die Minderheiten von Radikalen gegenüberstehen? Das war auch in der deutschen Geschichte nicht immer der Fall.
    Umgekehrt wäre es noch illusorischer, aus deutscher Perspektive bzgl. Pakistan von „militärischen Lösungen“ zu sprechen. Vielleicht wäre schon etwas gewonnen, wenn man von der Idee Abschied näme, dass es in solchen Fragen überhaupt Lösungen gibt, ob militärischer oder „zivilgesellschaftlicher“ Art. Die hier angesprochenen Probleme werden uns wohl noch einige Zeit lang begleiten, und im Zuge der „demokratischen Revolutionen“ im Nahen Osten könnten sie eher noch zunehmen.

  • Elhanan   |   30. Mai 2011 - 11:29

    @orontes
    „Umgekehrt wäre es noch illusorischer, aus deutscher Perspektive bzgl. Pakistan von “militärischen Lösungen” zu sprechen. Vielleicht wäre schon etwas gewonnen, wenn man von der Idee Abschied näme, dass es in solchen Fragen überhaupt Lösungen gibt, ob militärischer oder “zivilgesellschaftlicher” Art. Die hier angesprochenen Probleme werden uns wohl noch einige Zeit lang begleiten, und im Zuge der “demokratischen Revolutionen” im Nahen Osten könnten sie eher noch zunehmen.“

    Genau, deshalb geht es nur langfristig mit vernetzter Sicherheit, alle Instrumente die nachhaltig erfolgreich sein können nutzen.