Europäische NATO erklärt Grönland-Solidarität mit Dänemark (m. Korrektur)
Vor dem Hintergrund der erneuten und anhaltenden territorialen Ansprüche der USA auf Grönland haben die großen europäischen NATO-Staaten ihre Solidarität mit Grönland und mit dem Königreich Dänemark erklärt, zu dem die Insel gehört. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien (KORREKTUR) und Polen betonten in einer gemeinsamen Erklärung mit dem skandinavischen Land, die Probleme der Arktis könnten nur von allen Mitgliedern der Allianz gemeinsam angegangen werden, und erinnerten die USA an ihre vertraglichen Verpflichtungen. Zugleich stellten sie klar: Grönland gehört seinem Volk.
Die gemeinsame Erklärung der sieben (KORREKTUR, nicht sechs) Länder folgt auf Solidaritätserklärungen einzelner Mitgliedsstaaten der Allianz, insbesondere aus Nordeuropa. Angesichts der zunehmend aggressiveren Töne aus der Regierung von US-Präsident Donald Trump ist es die bislang deutlichste gemeinsame europäische Aussage. Der Verweis auf die Bedeutung der Arktis ist auch eine Reaktion auf Behauptungen aus der US-Administration, nur die USA könnten angesichts einer Bedrohung durch Russland und China die Sicherheit der Nordpolarregion sicherstellen.
Zur Dokumentation der bislang nur auf Englisch veröffentlichten Erklärung eine (inoffizielle) deutsche Übersetzung:
6. Januar 2026
Gemeinsame Erklärung zu Grönland
Erklärung von Präsident Macron (Frankreich), Bundeskanzler Merz (Deutschland), Ministerpräsidentin Meloni (Italien), Ministerpräsident Tusk (Polen), Ministerpräsident Sánchez (Spanien), Ministerpräsident
Starmer (Vereinigtes Königreich) und Ministerpräsidentin Frederiksen (Dänemark) zu Grönland.
Die Sicherheit in der Arktis bleibt eine wichtige Priorität für Europa und ist von entscheidender Bedeutung für die internationale und
transatlantische Sicherheit.
Die NATO hat deutlich gemacht, dass die Arktisregion eine Priorität ist, und die europäischen Verbündeten verstärken ihre Anstrengungen. Wir und viele andere Verbündete haben unsere Präsenz, unsere Aktivitäten und unsere Investitionen erhöht, um die Sicherheit in der Arktis zu gewährleisten und Gegner abzuschrecken. Das Königreich Dänemark – einschließlich Grönlands – ist Teil der NATO.
Die Sicherheit in der Arktis muss daher gemeinsam mit den NATO-Verbündeten, einschließlich der Vereinigten Staaten, erreicht werden, indem die Grundsätze der UN-Charta, darunter die Souveränität, die territoriale Integrität und die Unverletzlichkeit der Grenzen, gewahrt werden. Dies sind universelle Grundsätze, und wir werden nicht aufhören, sie zu verteidigen.
Die Vereinigten Staaten sind ein wichtiger Partner in diesem Bestreben, als NATO-Verbündeter und durch das Verteidigungsabkommen zwischen dem Königreich Dänemark und den Vereinigten Staaten von 1951.
Grönland gehört seinem Volk. Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen.
(Übersetzt mithilfe von deepl.com, wird ggf bei Vorliegen einer offiziellen deutschen Fassung durch diese ausgetauscht. Das Original als Sicherungskopie:
20250106_Joint_Statement_on_Greenland)
Nachtrag: Die Niederlande schließen sich der Erklärung an, wie Ministerpräsident Dick Schoof auf X mitteilte:
Nachtrag 2: Am Dienstagabend hat das Weiße Haus noch mal nachgelegt:
President Donald Trump and his team are considering “a range of options” in order to acquire Greenland — including “utilizing the U.S. Military,” White House press secretary Karoline Leavitt told CNBC on Tuesday. …
“President Trump has made it well known that acquiring Greenland is a national security priority of the United States, and it’s vital to deter our adversaries in the Arctic region,” Leavitt said in an emailed statement.
“The President and his team are discussing a range of options to pursue this important foreign policy goal, and of course, utilizing the U.S. Military is always an option at the Commander in Chief’s disposal,” she said.

@KPK
Die amerikanischen Sicherheitsbedenken sind doch nur vorgeschoben. Wie hier schon geschrieben wurde sagte Trump sinngemäß, daß man motivierter sei das zu verteidigen, was einem selbst gehöre.
Sollten die USA weitere Stützpunkte dort für erforderlich halten so ließe sich darüber sicher positiv mit Dänemark sprechen.
—
@T.Wiegold
Die Financial Times ist auch nicht so sehr der „Aufregung und sich überschlagendem Anti-Amerikanismus“ verdächtig…
https://as.ft.com/r/53e52459-80af-45ff-a853-5a91e55136c1
—
-> Der Link ist scheinbar nicht mehr verfügbar. Könnten sie eventuell den Namen des Artikel teilen?
[Tut mir leid, der GiftLink ist ausgelaufen… Der Titel des Textes vom 9. Januar:
What is to stop Trump upending the rules in global finance too?
Action against Venezuela and sabre-rattling towards Greenland point to risks in US president’s approach to the Fed
T.W. ]
Ist OT, aber da erneut erwähnt:
Man sollte wissen, daß die Financial Times aus Gründen eine ziemlich kritische Haltung zur Politik der Trump Administration einnimmt. Trump/MAGA hat mit seiner wirtschaftlichen Agenda (deutliche Ablehnung der Politik des Freihandels und das „unter Kuratel stellens“ der Zentralbank) so ziemlich überall die Gegenposition zum Kosmos der FT besetzt.
Insofern wäre es natürlich absurd, der FT Antiamerikanismus zu unterstellen (hatte ich nicht), die FT ist aber nicht wirklich neutral.
Es hat sich dann doch schnell ein williger Republikaner gefunden,
der einen Gesetzentwurf eingebracht hat „ include enabling “the annexation and subsequent admission to statehood of Greenland.”
Mr. Randy Fine.
https://thehill.com/homenews/house/5685118-fine-introduces-greenland-bill/
Chillt mal, hiess es.
Grönland gehört den Grönländern.
Grönland hat das Recht, durch Referendum vollständig unabhängig zu werden, was jedoch wegen der aktuellen wirtschaftlichen Abhängigkeit von dänischen Subventionen (insbesondere für den Haushalt) derzeit unwahrscheinlich ist.
Wenn sich diese Abhängigkeit zugunsten der USA verschiebt, wird man sehen wie sich die Grönländer entscheiden.
Ich hab gerade Mal auf die Weltkarte geschaut. Geht es bei der ganzen Grönlandsache vielleicht auch um Kanada?
Das Land ist zwar riesig, die wirtschaftlich relevanten Häfen liegen aber auf zwei, relativ kleinen Küstenabschnitten. Wenn die USA Grönland „kaufen“, dann wäre der Westen im Konfliktfall abgeschnitten.
Die Diskussion über Grönland hier ist zu rechtlich und militärisch. Die eigentliche Grönland-Frage ist: Weshalb sind wir nicht in der Lage, die Bodenschätze Grönlands wirtschaftlich zu mobilisieren? Wahrscheinlich ist es dafür zu spät, denn solche Projekte brauchen 3, 5 und mehr Jahre Vorlaufzeit, aber wenn man Grönland an Europa binden will, dann ist das der Weg. Wenn wir das nicht können / wollen, und die USA es können und wollen, dann wird Grönland über kurz oder lang an die USA fallen. Hinzukommt die größere geographische Nähe zu CDN und den USA und die grundsätzlich höhere wirtschaftliche Dynamik der USA.
Recht und Militär können diesen Sogkräften kurzfristig entgegenwirken, aber langfristig ist das allein zum Scheitern verurteilt. Wenn wir also keine wirtschaftliche Strategie zur Revitalisierung Europas haben (haben wir nicht) und spezifisch zur Verwertung der Bodenschätze Grönlands haben (wüsste ich nicht), dann ist die rationale Strategie, Grönland jetzt zu „verkaufen“, da der Preis, den wir bzw. Dänemark verlangen kann, mit jedem Monat geringer wird (verkaufen nicht nur im Sinn von Geld, sondern auch im Sinn von politischen oder anderen Gegenleistungen).
@BS
Hier zwei Artikel zum Thema Bodenschätze. Deren Abbau war / ist in Grönland wohl umstritten:
https://www.dw.com/de/der-kampf-um-gr%C3%B6nlands-bodensch%C3%A4tze/a-57145542
https://www.deutschlandfunk.de/rohstoffe-groenland-und-der-traum-vom-grossen-geld-100.html
@ad astra
Ja, die Insel ist sehr groß, allerdings natürlich kleiner als es in der Merkator-Projektion aussieht – sechsmal so groß wie Deutschland und fast so groß wie Saudi-Arabien, aber nur ein Fünftel so groß wie die USA oder Brasilien.
Da hebt keiner Bodenschätze, da es n Möglichkeiten gibt mit geringerem Aufwand als solche zu kommen. Da ist Eis, und nicht nur 10 cm dick, keine Eisenbahn, wenig Straßen, keine Energie flächendeckend usw. Und: „ Besides the unforgiving climate that encases much of Greenland under layers of ice and freezes the northern fjords for much of the year, the rare earths found there tend to be encased in a complex type of rock called eudialyte, and no one has ever developed a profitable process to extract rare earths from that type of rock. Elsewhere, these elements are normally found in different rock formation called carbonatites, and there are proven methods to work with that.“
Siehe:
https://apnews.com/article/denmark-greenland-trump-rare-earths-mining-3f47c0b2ae3edfb322a908ee39c42c05
Wenn Grönland bzw. dessen Einwohner sich dazu entscheiden können, zu Dänemark zu gehören, oder auch nicht,
kann auch (wer auch immer) Grönland und dessen Einwohner auch nicht an die USA „verkaufen“.
Aber vielleicht wollen wir uns dem ein oder anderen Bundesland ja demnächst entledigen, wenn da nichts gewinnbringend rauszuholen ist …evtl. ist das für DT attraktiv, ihm zugewandte Bevölkerung findet er da ja mglw.
@BS:
Sie haben recht, die Betrachtung der Grönland-Problematik hier lässt wesentliches ausser Acht. Das gilt aber für die Diskussion in den Medien ebenfalls.
Es ist sowieso ziemlich irreal … das Thema sollte eigentlich den Grönländern selbst „gehören“ und nicht uns so sehr interessieren. Die Insel gehört nicht zur EU, in Grönland selbst gibt es seit sehr vielen Jahren große Unzufriedenheit mit dem jetzigen Statut. Bis in nennenswertem Umfang dort Bodenschätze abgebaut werden könnten, gehen noch sehr viele Jahre ins Land (angesichts der ökologisch sehr sensiblen Region wäre es ohnehin angeraten, gar nicht erst damit anzufangen!). Militärisch kann niemand ausser den USA und RUS etwas mit der Insel anfangen – also: So what?
Irgendwann wird die Insel unter die Kuratel der USA gelangen, sei es direkt oder mittelbar. Die entscheidende Rolle dabei wird spielen, wie die Grönländer selbst sich ihre Zukunft vorstellen. Irgendwann. Die Europäer haben da nicht wirklich viel Einfluss, DE am allerwenigsten.
Aber hierzulande sind wieder alle artig über das Stöckchen gesprungen, dass Trump uns hingehalten hat. Chapeau.
@BS: Ich kann nicht erkennen, dass Grönland von der Luftlinie her dichter an den USA als beispielsweise an Irland, Norwegen oder Schottland liegt. Davon unbenommen gehört es geographisch aber natürlich zu Nordamerika und nicht zu Europa. Der unbestreitbar am dichtesten dran liegende Nachbar ist natürlich Kanada. Und dieser Fakt kommt bei der jetzigen Diskussion häufig zu kurz.
Aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet, habe ich bereits die Nord-West-Passage als Faktor ins Spiel gebracht. Was die wirtschlaftliche Bedeutung der dort vorhandenen Bodenschätze anbelangt, so sind die für Europa mit Sicherheit wichtiger als für die USA. Dabei geht es mit Sicherheit nicht um das technische Können.
Lindsey Graham sollte sich vielleicht mal fragen, warum Menschen im angeblich „großartigsten Land der Welt“ überhaupt in solchen Massen das Bedürfnis verspüren, ihr Leben mittels illegaler Drogen auf den Kopf zu stellen.
Dass er daraufhin auch ausgerechnet Schnapps anrät hat ernste #Dumusstsaufen-vibes. Und das in einem Land, in dem man auf offener Straße nicht mal Alkohol trinken darf.
Der Mann ist wirklich seine eigene Karikatur.
Grönlands Premierminister heute:
“One thing must be clear to everyone: Greenland does not want to be owned by the US, Greenland does not want to be governed by the US, Greenland does not want to be part of the US. …
We choose the Greenland we know today, which is a part of the Kingdon of Denmark.”
https://www.theguardian.com/world/live/2026/jan/13/zelenskyy-ukraine-russia-strikes-drones-energy-europe-live?CMP=share_btn_url&page=with%3Ablock-696652198f08e217d516b226#block-696652198f08e217d516b226
Vance wird nun morgen auch mit am Tisch sitzen. Ohne ihm jemals begegnet zu sein, würde ich sagen, dass das Ganze „nur“ mit Rubio „besser“ wäre.
Der ein oder andere Republikaner scheint sich an sein Rückgrat zu erinnern:
“This is appalling,” Republican Representative for Nebraska Don Bacon told CNN on 6 January. “Greenland is a NATO ally. Denmark is one of our best friends … so the way we’re treating them is really demeaning and it has no upside.”
Referring to the Trump Administration’s Greenland rhetoric as one of the “silliest things” to come out of the White House over the past year, Bacon urged his fellow Republicans to join him in taking a stand. “I hope other Republicans line up behind me and make it clear to the White House this is wrong,” he said.
@Thomas Melber
Danke nochmal auf ihren Hinweis auf die tatsächliche Größe Grönlands. Ich meinte aber vielmehr, dass wenn die USA Grönland, oder zumindest die Westküste, kontrollieren, dann ist die Westküste Kanadas von beiden Seiten zu kontrollieren.
Generell erinnert mich die derzeitige Entwicklung immer mehr an das Spiel RISIKO. Auch wenn es nicht der Place to bei ist, so wäre Europa gut beraten, die Truppenpräsenz in der Region zu erhöhen um dem Sicherheitsbedürfnis von anderen zu entsprechen. Nebenbei ist glaube alles, was das einfache Denken von gewissen Akteuren wieder komplex macht, gut geeignet sie zu der Erkenntnis zu bewegen, dass andere Themen vielleicht doch reizvoller.
Wir müssen unberechenbarer werden.