Afghanistan-Einsatz zum Nachlesen: Zwei Bücher

BpB_Afghanistan

Zum Thema Bundeswehreinsatz (nicht nur) in Afghanistan gibt’s zwei neue, nun, Bücher, die ich gerne empfehle:

Am Hindukusch – und weiter?
Die Bundeswehr im Auslandseinsatz. Erfahrungen, Bilanzen, Ausblicke

An dem Buch, herausgegeben von Rainer Glatz, dem früheren Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, und Terrorismus-Experte Rolf Tophoven, haben ziemlich viele Autoren mitgewirkt. Unter anderem auch ich, mit einer Betrachtung der Bundeswehr-Auslandseinsätze im Spiegel der Öffentlichkeit.

Das Buch gibt’s bei der Bundeszentrale für politische Bildung hier zu bestellen.

Krieg in Afghanistan – Eine Bilanz

ist eigentlich kein Buch im eigentlichen Sinne, sondern die Antwort der Bundesregierung auf eine Große Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Und deshalb, trotz des Umfangs von 104 Seiten, auch nicht als Buch erhältlich, sondern steht als Bundestagsdrucksache 18/4168 hier zum Herunterladen bereit.

Wie bei fast jeder Parlamentsanfrage gibt’s da natürlich das Problem, dass die Antworten der Bundesregierung hinter den Erwartungen der Fragesteller zurückbleiben – das ist hier nicht anders, und die Fraktion der Linkspartei hat auch schon bemängelt, dass es auf manche Fragen keine, nur unzureichende oder nur als Verschlusssache eingestufte Aussagen gebe. Dennoch ist das mal ein Ansatz für einen Überblick über einen Einsatz, der ja noch nicht zu Ende ist.

 

 

Erstmals seit vier Jahren: Angriff auf Camp Marmal

Erstmals seit fast vier Jahren ist am frühen Freitagmorgen ein Raketenangriff auf das Camp Marmal, das Feldlager der Bundeswehr bei Masar-i-Scharif in Afghanistan, verübt worden. Die Bundeswehr-Mitteilung:

Afghanistan: Flugplatz im Camp Marmal beschossen – keine Verletzten
Masar-i Scharif, Afghanistan, 24.04.2015, Einstellzeit: 11.35 Uhr.
Am 24. April gegen 5.52 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) wurde der Flugplatz des Camps Marmal in Masar-i Scharif – vermutlich mit einer Rakete – beschossen.
Der Einschlag wurde am Rand des Flugfeldes in der Nähe einer Halle beobachtet. Der Tower wurde evakuiert. Es wurden keine Personenschäden gemeldet. Die Gebäude in der Umgebung der Einschlagstelle wurden durch Splitter leicht beschädigt.
Die Untersuchungen zur Art des Geschosses dauern zurzeit an.

(0552 MESZ ist 0322 0822 Ortzeit in Afghanistan)

Nach ergänzenden Angaben des Einsatzführungskommandos handelte es sich vermutlich um eine 107mm-Rakete, das ist aber ebenso noch nicht gesichert wie die Abschusstelle.

Am 11. Mai 2011 hatte es einen ähnlichen Angriff gegeben, damals mit zwei Raketen ebenfalls in der Nähe des Towers. weiterlesen

Exercise Watch: ‘Operation Letzlingen Freedom Shock’

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Hm, wenn die U.S. Army Europe über eine gemeinsame deutsch-amerikanische Übung im Gefechtsübungszentrum (GÜZ) der Bundeswehr in der Letzlinger Heide berichtet… klingt das für deutsche Ohren doch recht ungewohnt. Angefangen vom Übungsnamen Letzlingen Freedom Shock bis zur Frage, welche deutschen Truppenteile unter dem German 2nd Mechanized Battallion (PzGrenBtl 2?) zu verstehen sind.

Anyway, wie die Amis vermutlich gar nicht sagen würden:

U.S. and German Soldiers teamed up to kick off a bilateral training exercise in Germany, April 16, as part of Operation Atlantic Resolve.
Operation Letzlingen Freedom Shock, which is scheduled to run through April 28, includes troops from 3rd Battalion, 69th Armor Regiment, 1st Armor Brigade Combat Team, 3rd Infantry Division, and the German 2nd Mechanized Battalion to increase training interoperability readiness between the U.S. and German armored forces. weiterlesen

Das Ende fürs G36 bei der Bundeswehr. In der derzeitigen Form… (Update: Haushaltsausschuss)

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Gut drei Stunden hat am (heutigen) Mittwoch der Verteidigungsausschuss des Bundestages die Verteidigungsministerin und Beamte des Ministeriums zum Sturmgewehr G36 angehört. Dabei ging es um etliche technische Detailfragen, aber auch um die administrative und politische Verantwortung für die Präzisionsprobleme mit der Standardwaffe der Bundeswehr.

Unterm Strich nach den drei Stunden: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagt zwar, das G36 habe keine Zukunft in der Bundeswehr. Was sie im öffentlichen Statement (siehe unten) zwar nicht, aber im Ausschuss wohl sehr ausdrücklich gesagt hat: in der derzeitigen Form. Denn die Truppe soll langfristig ein neues Sturmgewehr bekommen. Und, als Überbrückung, vielleicht auch etliche neue Waffen für einen Teil der Bundeswehr. Was das wird, das ist alles noch offen – und die Ministerin hat sich offensichtlich bewusst den Ausweg offen gelassen, dass das auch ein modifiziertes G36 sein könnte. (Vielleicht mit ‘ner anderen Nummer?)

Und klar ist auch: Einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss wird es wohl zu diesem Thema nicht geben. Sowohl die Grünen als auch die Linkspartei verwiesen darauf, dass sie erst mal abwarten wollten, welche Akten das Ministerium auf ihre Frage herausrücke, und die Antworten aufarbeiten wollten.

Update zwischendurch: Nach Angaben des Grünen-Haushaltspolitikers Tobias Lindner gibt es vorerst keine Mittel für eine weitere Beschaffung von G36-Gewehren:

—–

Eine vorsichtige Prognose: Es wird ein überarbeites G36 oder ein anderes Modell von Heckler&Koch als Übergangslösung geben; die langfristigen Anforderungen an die künftige Standardwaffe werden jetzt mal formuliert (was eigentlich schon längst hätte passieren müssen), und ein Untersuchungsausschuss wird nicht kommen.

Im O-Ton (die wg. der Tonqualität nicht verständlichen Fragen der Kollegen, das waren fast alle, habe ich rausgeschnitten):

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen

vdL_G36_22apr2015.mp3     

 

.. und die Sprecher der Fraktionen in chronologischer Reihenfolge: weiterlesen

Neue Vorwürfe von H&K zum G36-Streit: MG36 nicht berücksichtigt

Rekruten bei der Bundeswehr | Recruits at the Bundeswehr

Im der Debatte über das G36 und dem Streit (so muss man das wohl nennen) zwischen dem Verteidigungsministerium und der Herstellerfirma Heckler&Koch hat sich am (heutigen) Dienstag erneut das Unternehmen zu Wort gemeldet. Heckler&Koch wirft nun der Bundeswehr und vor allem der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 91 in Meppen vor, bei den Vergleichsschüssen nicht das ebenfalls von Heckler&Koch entwickelte MG36 getestet zu haben, obwohl diese Maschinenwaffe formal in die Bundeswehr eingeführt sei – wenn auch nicht beschafft wurde.

Die Kernaussagen:

• Bundeswehr-Erprober ließen eingeführtes HK-Gewehr MG36 unberücksichtigt
• Beschusszyklen und Auswertungsmethoden offensichtlich willkürlich geändert
• Vergleichbarkeit der jüngsten Ergebnisse mit bisherigen Untersuchungen, sowie Vorgaben der Technischen Lieferbedingungen und Vorschriften der Bundeswehr unmöglich
• BMVg verweigert Herausgabe des Berichts

Die Stellungnahme im Wortlaut zu Nachlesen hier: Stellungnahme Nr. 6 von Heckler & Koch zum Sturmgewehr G36

(Dabei bezieht sich das Unternehmen auch auf die hier bei Augen geradeaus! veröffentlichte Abbildung aus dem Bericht. Ohne Absprache, ehe die Frage kommt.)

(Archivbild: G36 in der Grundausbildung 2010 in Torgelow – Thomas Köhler/photothek)

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