Das geht ab: WDR 2 zu Rüstungsexporten

Deutsche Rüstungsexporte sind ein heftig und meist auch recht emotional diskutiertes Thema – deshalb bin ich sehr gespannt, was am (heutigen) Donnerstagabend bei der Anrufsendung Arena des Westdeutschen Rundfunks (auf WDR2) zum Thema Deutsche Waffen in alle Welt? abgeht. Ich werde dann im Studio sitzen und mal darauf warten, womit die Anrufer kommen. Ich vermute: es wird recht kontrovers.

Nachtrag: Den Podcast der Sendung gibt’s

 
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(Foto: Leopard-Kampfpanzer bei der Informationslehrübung 2013 – Bundeswehr / Sebastian Wilke via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

Geschichten aus Afghanistan

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Die Zahl deutscher Journalistinnen und Journalisten, die ständig in Afghanistan leben und von dort berichten, ist, nun, extrem überschaubar (insbesondere verglichen mit der Zahl der Reporter aus den USA und Großbritannien). Deshalb ist es um so bedauerlicher, dass Ronja von Wurmb-Seibel, eine frühere Zeit-Redakteurin, in diesem Blatt zwar bis vor kurzem schrieb – aber: Meine Kolumne aus Kabul erschien sechs Monate lang wöchentlich in der ZEIT. Nach dem Tod von drei Journalisten in Afghanistan wurde sie eingestellt, teilt die Autorin lapidar auf ihrer Webseite mit.

Das hindert Wurmb-Seibel aber nicht daran, ihre Geschichten mit dem scharfen Blick auf den afghanischen Alltag weiter zu erzählen. Auf eigene Rechnung, auf ihrer eigenen Plattform. Und mit dem Wunsch, dass den Lesern diese Geschichten auch etwas Wert sind – denn einen zahlenden Kunden für ihre regelmäßige Kolumne hat sie nicht mehr:

Ich lebe in Kabul und möchte die Geschichten weiterhin schreiben. Ab jetzt finden Sie hier jede Woche, freitags, eine neue Ausgabe meiner Kolumne – für je einen Euro. weiterlesen

Von Besuchten und Intervenierten: Die Afghanistan-Debatte in Deutschland

Bevor wir alle (hoffentlich) in ein low ops Wochenende gehen, möchte ich den Lesern hier noch ein Buch fürs trübe Wochenendwetter vorschlagen: Es heißt ganz schlicht Deutschland in Afghanistan und ist eine vom Soziologen Michael Daxner herausgegebene Textsammlung, in der es vor allem um die deutsche Sicht auf und deutsche Debatte über den Afghanistan-Einsatz geht.

Manches ist einfach nur nett zu lesen, wie die Schilderung des Grünen-Bundestagsabgeordneten Tom Koenigs (Foto oben), der als Leiter der UN-Mission in Afghanistan zu den Besuchten am Hindukusch gehörte, als MdB aber auch die andere Seite kennt:

Feld- und Truppenbesuche deutscher Politiker sind zu einem wichtigen Bestandteil politischer Arbeit geworden. Früher waren es nur die ganz Harten. Seit deutsche Soldaten im Balkan, am Hindukusch, in Afrika kämpfen, gehören sie zum guten Ton. Dauert der Einsatz lange genug, kommt auch der letzte Hinterbänkler. (…) weiterlesen

Anja Niedringhaus: Eine Fotografin des Krieges, keine ‘Kriegsfotografin’

2009 09 04 anja kabulA

Mit einer recht speziellen Frage rief mich Anja Niedringhaus an, es muss irgendwann 2010 gewesen sein: Ob ich mal herausfinden könnte, in welchem Bundeswehrkrankenhaus die Ärzte am besten darauf spezialisiert seien, Granatsplitter herauszuoperieren? Auf meine besorgte Frage erzählte sie dann, eher beiläufig, dass sie bei einer Fußpatrouille mit kanadischen Soldaten bei Kandahar in einen Hinterhalt geraten sei. Eine über die Lehmmauern geworfene Handgranate hatte sie nur knapp verfehlt; die Splitter bohrten sich unterhalb der Schutzweste in ihre Hüfte.

Krieg, und zwar am scharfen Ende, hatte Anja seit Anfang der 1990-er Jahre mit der Kamera dokumentiert. Vom Balkan über Irak, Libyen und immer wieder Afghanistan (und vermutlich habe ich noch ein paar Konflikte vergessen). Die meisten deutschen Zeitungs- und Webseitenleser dürften zwar von Anja noch nie etwas gehört haben, aber etliche ihrer Bilder kennen – wie das vom deutschen Soldaten, der auf Patrouille bei Faisabad seinen 34. Geburtstag feiert; das von seinem Kameraden, der sich nach der Rückkehr aus Kundus erleichtert eine Zigarre ansteckt (hier das 20. Bild), oder das vom US-Infanteristen in Falludscha, der eine Figur des GI Joe als Glücksbringer mit ins Gefecht nimmt. Immer wieder war die deutsche Fotografin dabei in kritische Situationen gekommen, die sie immer wieder überlebte. Gut 20 Jahre lang.

Bis zum (heutigen) Freitag, als Anja  in Ost-Afghanistan von einem Mann in Polizeiuniform erschossenwurde; ihre Reporterkollegin von Associated Press, Kathy Gannon, wurde schwer verwundet. weiterlesen

RIP Anja Niedringhaus

Die Nachrichten aus Afghanistan sind (leider) inzwischen ziemlich eindeutig: Die deutsche Fotografin Anja Niedringhaus, die für die Nachrichtenagentur Associated Press arbeitete, wurde am (heutigen) Freitagmorgen in Ost-Afghanistan erschossen. Ihre Text-Kollegin Kathy Gannon wurde bei dem Angriff, der sich in den Räumen einer Polizeistation ereignet haben soll, schwer verwundet.

Anja Niedringhaus ist hier im Blog keine Unbekannte, immer wieder habe ich auf ihre Bilder und ihre Arbeit hingewiesen. Nicht nur wegen ihrer – mehrfach ausgezeichneten – Arbeit, sondern auch wegen ihrer Haltung: I should never take war as normal, sagte sie 2011 der BBC.

Im Moment kann ich mit dieser Nachricht noch nicht rational umgehen; Anja und ich hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Kontakt und Informationen über Afghanistan ausgetauscht. Mehr dazu deshalb erst später.

RIP Anja.

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