Journalismus aus, über, für Afghanistan: Razistan
Manche Projekte bekommt man ja nur mit Verzögerung mit. Wie das sehr beeindruckende Projekt Razistan, dass mehr von und über Afghanistan berichten will – in der vermutlich richtigen Befürchtung, dass spätestens beim Abzug der internationalen Truppen das Interesse dramatisch abnimmt:
America’s war in Afghanistan is drawing to a close, but the tragedy that it has become is far from over. After more than a decade of fighting, it appears very likely that America will leave Afghanistan in a perilously unstable condition. The people who remain will find themselves caught between a brutal and far-from-defeated insurgency, a deeply corrupt government, armed ethnic factions, criminal networks, terrorists, and the clandestine meddling of foreign intelligence services. Afghanistan’s impoverished economy will continue to regress after foreign assistance declines, and there will be fewer NGOs to help the indigent, the displaced, the wounded, and the orphaned.
The Western media’s interest in Afghanistan will almost certainly diminish along with the Western troops. It’s already happening. Last year, the war in Afghanistan accounted for roughly two percent of the news content published in the United States. This was the same year that 3,021 Afghan civilians (a record for the war) and 566 coalition members (the second highest toll since 2001) were killed.
Derzeit läuft ein Spendenaufruf für das Projekt, aber Bilder gibt es schon reichlich zu gucken.
Hamburg Calling
Jetzt aber schnell auf die Bahn – es hat zwar mit diesem Blog nicht direkt, aber viel mit meiner journalistischen Arbeit zu tun: Wer mag, darf mir heute abend bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises in Hamburg die Daumen drücken.
Nachtrag: Nun hat es doch nicht geklappt, wie auch schon in den Kommentaren angemerkt. Danke für die netten Worte meiner Leser! Und natürlich mache ich unverdrossen weiter, hier im Blog und auch in anderen Medien. Wie es bei der Preisverleihung ablief und warum es in der Kategorie Investigation (in der ich auch nominiert war) zu einem kleinen Eklat kam, steht im Branchendienst meedia.
Einer der großen Kriegsfotografen: Horst Faas gestorben
Seine Bilder und seine Arbeitsweise haben vermutlich, ohne dass sie sich dessen bewusst sind, die Sicht- und Arbeitsweise vieler Fotografen in heutigen Konflikten geprägt: Horst Faas, der frühere Associated Press-Fotograf, dessen Bilder aus dem Vietnamkrieg berühmt wurden, ist am (gestrigen) Donnerstag im Alter von 79 Jahren in München gestorben.
Der Krieg der USA im Dschungel Südostasiens dürfte der erste gewesen sein, der von unabhängigen Medien in bislang nicht gekanntem Ausmaß beobachtet, fotografiert und beschrieben wurde. Und der gebürtige Berliner Faas hat das Bild von diesem Krieg im Westen entscheidend mit bestimmt – zu einer Zeit, als Fotos noch auf Film aufgenommen, entwickelt und auf heute antiquiert anmutenden technischen Wegen an Zeitungen übermittelt wurden.
Ein ausführlicher Nachruf von Faas’ Kollegen Richard Pyle ist hier nachzulesen. Den Nachruf eines deutschen Ex-Kollegen gibt es bei agenturjournalismus.de.
In this undated file photo, Associated Press photographer Horst Faas is shown on assignment in South Vietnam. Faas, a prize-winning combat photographer who carved out new standards for covering war with a camera and became one of the world’s legendary photojournalists in nearly half a century with The Associated Press, died Thursday May 10, 2012. He was 79. (AP Photo/File)
(Disclosure: Ich habe von 1986 bis 1999 für Associated Press gearbeitet.)
Lehrmaterial an US-Militärakademie: Totaler Krieg gegen den Islam, Modell Hiroshima
Die Bloggerkollegen von Danger Room haben etwas ausgegraben, was einen frösteln lässt: Am amerikanischen Joint Forces Staff College in Norfolk, Virgina, wurde in einem Seminar ein Krieg gegen alle (!) 1,4 Milliarden Muslime weltweit durchgespielt – einschließlich der gezielten Vernichtung ziviler Ziele, zum Beispiel der heiligen Stätten des Islam in Mekka und Medina. Dafür müsse auch der völkerrechtliche Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegen neu durchdacht werden. Beispiele für das Vorgehen könnten Dresden, Tokio, Hiroshima und Nagasaki sein, heißt es in dem Lehrmaterial, das Danger Room zugespielt wurde.
Was da in Seminaren als Planspiel durchdacht wurde, hat gehörige Sprengkraft. Aus einer Präsentation des verantwortlichen Dozenten, Oberstleutnant Matthew A. Dooley:
We have now come to understand that there is no such thing as ‘moderate Islam,’” Dooley noted in a July 2011 presentation, which concluded with a suggested manifesto to America’s enemies. “It is therefore time for the United States to make our true intentions clear. This barbaric ideology will no longer be tolerated. Islam must change or we will facilitate its self-destruction.”
und
International laws protecting civilians in wartime are “no longer relevant,” Dooley continues. And that opens the possibility of applying “the historical precedents of Dresden, Tokyo, Hiroshima, Nagasaki” to Islam’s holiest cities, and bringing about “Mecca and Medina['s] destruction.”
Das Planspiel, berichtet Danger Room, wurde gestoppt. Der verantwortliche Dozent ist aber noch an diesem College.
Nachtrag: Das Pentagon reagiert.
Eigenwerbung: Ich schreibe schneller ab
An diesem hoffentlich entspannten und (zumindest in Berlin) fast sommerlichen Brückentag kann ich mir eine flapsige Eigenwerbung nicht verkneifen: Bisweilen stelle ich die ironische Frage, worin der Unterschied besteht, ob ich oder ob eine deutsche Zeitung die New York Times abschreibt. Na, ist doch klar: Ich bin schneller.
Wer die Geschichte über den 92-jährigen “Raubkopierer” in den USA sieht und auf die Webseite einer sehr großen deutschen Tageszeitung mit vier Buchstaben guckt, wird wissen, was ich meine…
Und weil meine Art von Journalismus hier bei Augen geradeaus! nicht nur aus Abschreiben besteht… nutze ich wieder mal die Gelegenheit, auf mein Projekt Straßenmusik hinzuweisen.

Thomas Wiegold schreibt über die Bundeswehr, über Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Die Truppe hat er schon lange im Blick: 1993 berichtete er aus Somalia und seitdem aus fast allen Einsatzgebieten der Bundeswehr.

