Interview mit einer Drohnen-Mannschaft: “Ich bin nicht trigger-happy, kein Computerspieler”

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Unbemannte Flugsysteme, im allgemeinen Sprachgebrauch Drohnen, sind zwar in der Luft unbemannt. Eine Mannschaft haben sie trotzdem: Die Bediener, Piloten und (Kamera)Operatoren, die vom Boden aus diese Remotely Piloted Aircraft steuern. Über Drohnen und die Menschen, die sie bedienen, wird oft geredet – mit ihnen seltener. Der Kollege Kai Biermann von Zeit Online und ich haben mehrere Stunden mit einem Team gesprochen, das die Heron-Drohnen der Bundeswehr in Afghanistan (Foto oben) gesteuert hat, und sie nach vielen Aspekten seiner Arbeit gefragt.

Das Interview war Teil der Recherche für ein Buch über Drohnen, an dem Kai Biermann und ich zusammen arbeiten und das im Mai erscheinen soll. Viele Informationen aus diesem Interview haben wir für das Buch verwendet; das Gespräch im Wortlaut passt nicht recht in den Lese-Fluss eines Buches, ist aber dennoch wichtig. Deshalb hier (und parallel auf Zeit Online) wesentliche Teile des Interviews. (Im Interesse des Lese-Flusses hier haben wir die Reihenfolge ein wenig umgestellt und Teile des Gesprächs ausgewählt). Das Gespräch haben wir im August 2014 beim Aufklärungsgeschwader 51 Immelmann in Jagel in Schleswig-Holstein geführt. Die Namen von Pilot und Payload-Operator haben wir auf deren Wunsch durch frei erfundene Namen ersetzt.

Oberleutnant Moritz Wegmann ist 25 Jahre alt, fertig ausgebildeter Kampfpilot und seit 2013 RPA-Führer, wie es bei der Bundesluftwaffe heißt, Pilot eines Remotely Piloted Aircraft, einer Drohne vom Typ “Heron I”. Er fliegt sie als sogenannte Zwischenverwendung und wird in Zukunft wohl auch Kampfjets steuern. Hauptfeldwebel Matthias Kühl, 37 Jahre alt, ist Berufssoldat und Payload Operator der Heron. Er ist seit 2009 im Drohnenprogramm und gehörte zu den ersten zehn, die darin in Israel ausgebildet wurden. Er dürfte einer der dienstältesten Drohnenoperatoren in der Bundeswehr sein und hat inzwischen 18 Einsätze in Afghanistan und 1.300 Flugstunden mit der Heron absolviert. Beide sitzen während des Interviews in einem Büro in der Kaserne des Taktischen Luftwaffengeschwader 51 “Immelmann” in Kropp/Jagel. Im Einsatz sitzen sie “in der Box”, in einem Container mit Bildschirmen und Knöpfen in Mazar-i-Sharif und steuern eine Heron über Afghanistan. Wegmann fliegt, Kühl bedient die Kamera. Beide waren schon oft in Afghanistan, Kühl zusammen genommen mehr als 800 Tage.

Frage: Wie wird man Pilot eines Remotely Piloted Aircraft, einer Drohne?

Pilot: Luftfahrzeugführer für ferngesteuerte Luftfahrzeuge werden aus dem Stamm der Piloten der Bundeswehr rekrutiert. Transportpiloten oder Kampfflugzeugführer wie auch Hubschrauberpiloten können sich bewerben. Daher haben wir eine große Vielfalt an Expertise. Also wir haben den Transportflugzeugführer mit mehreren tausend Flugstunden, wir haben den Hubschrauberführer mit mehreren tausend Flugstunden, aber auch den ehemaligen Phantom- oder Tornado-Piloten, teilweise mit Einsatzerfahrung. weiterlesen

DroneWatch: Die deutschen Triton-Pläne

Als Merkposten, damit wir es alle wiederfinden (aber ohne detailliertere Auswertung, weil low ops…): Im Oktober, nach der Übergabe des Gutachtens zur mehreren Rüstungsprojekten, hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Beschaffung einer neuen Riesendrohne vom Typ Triton (Foto oben) als Nachfolger für das gestoppte Projekt EuroHawk ins Gespräch gebracht.

Ein bisschen mehr zu den Plänen hat nun das Ministerium dem Linken-Abgeordneten Andrej Hunko auf eine Kleine Anfrage mitgeteilt, die Antwort ist hier nachzulesen. Aus dieser Antwort zitiert (aus offensichtlichen Gründen als erstes Medium) auch netzpolitik.org: Bundesregierung skizziert Zeitplan für Beschaffung und Zulassung militärischer Spionagedrohnen

(Archivbild: The Triton unmanned aircraft system completes its first flight May 22, 2013 from the Northrop Grumman manufacturing facility in Palmdale, Calif. – U.S. Navy photo courtesy of Northrop Grumman photo by Alex Evers via Flickr unter CC-BY-Lizenz)

EuroHawk: Schadenersatzansprüche? Leider verjährt.

EURO HAWK®

Die Geschichte der gescheiterten deutschen Riesen-Drohne EuroHawk hat im vergangenen Jahr einen Untersuchungsausschuss des Bundestages beschäftigt, für politischen Wirbel gesorgt und nicht zuletzt das Ansehen des damaligen Verteidigungsministers Thomas de Maizière beschädigt. Knapp ein Jahr nach de Maizières Ausstieg aus dem Verteidigungsressort wird nun allerdings bekannt, dass 2013 noch was ganz anderes passiert ist: Ungeachtet der Warnungen einer eigens beauftragten Anwaltskanzlei, die mögliche Schadenersatzansprüche gegen die Lieferfirma prüfte, ließ das Verteidigungsministerium die Verjährungsfrist für  solche Ansprüche verstreichen. Bewusst, angesichts des Erfolgs- und Kostenrisikos, sagt ein Sprecher des Ministeriums.

Entscheidendes Datum für einen möglichen – und dann auch nur gerichtlich zu klärenden – Anspruch auf Schadenersatz wäre der letzte Tag des Jahres 2013 gewesen. Denn die gesetzliche Verjährungsfrist von drei Jahren lief nach Einschätzung der Anwaltskanzlei Redecker Sellner Dahs ab dem 3. Februar 2010.

An jenem Tag versammelte sich in Manching, dem Sitz der Wehrtechnischen Dienststelle 61 und der Militärischen Musterzulassung für Luftfahrzeuge, eine Runde aus Beamten und Industrievertretern, um über das weitere Vorgehen beim Projekt EuroHawk zu sprechen. weiterlesen

DroneWatch: Camcopter für die Marine wurde wegen Zulassungsproblemen gestoppt

Schiebel_camcopter_kl

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bundeswehr die geplante Beschaffung von Hubschrauber-Drohnen des Typs Camcopter S-100 der österreichischen Firma Schiebel (Foto oben) gestoppt. Damals gab es offiziell dazu keine Begründung; inzwischen ist klar: Aus Sicht der Beschaffer waren es vor allem Probleme mit der Zulassung, die zu diesem Stopp führten. Das geht aus der Antwort auf die Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko hervor:

31. Aus welchem Grund hat sich die Bundeswehr im zweiten Halbjahr endgültig
von dem Plan verabschiedet, selbst „Camcopter” zu beschaffen (Bundes-
tagsdrucksache 18/2241)?
Die Bundeswehr hatte sich entschlossen, im Vorhaben „System zur Abbildenden
Aufklärung in der Tiefe des Einsatzgebietes Vertical TakeOff and Landing (VTOL)”
wegen der Notwendigkeit zur Reduzierung erkannter technischer und wirtschaftli-
cher Risiken (siehe dazu auch die Antwort auf Frage 34) bei der Projektierung des
Camcopters S-100 neu anzusetzen. weiterlesen

DroneWatch: Bewaffnungsfähige Drohnen? Bitte nicht so schnell

Reaper-Symbolbild

Etwas mehr als ein Vierteljahr ist es her, da hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihre Haltung zu – auch bewaffneten – neuen Drohnen für die Bundeswehr festgelegt. In einer Rede vor dem Bundestag und zuvor schon in einem Zeitungsinterview kündigte die Ministerin an, die Bundeswehr solle grundsätzlich über Drohnen mittlerer Größe und Reichweite verfügen, die so genannte MALE (Medium Altitude, Long Endurance)-Klasse. Und bei Bedarf auch mit Bewaffnung. Vielleicht könnten die sogar geleast werden:

Der ISAF-Kampfeinsatz in Afghanistan geht zu Ende. Dort haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, eine Drohne zu leasen. Die ist jeden Tag im Einsatz gewesen, wohlgemerkt als reine Aufklärungsdrohne. Eine solche Lösung hat sich bewährt. Sie hat den Vorteil, dass man hierzulande keine eigene Zulassung braucht. Wir könnten jederzeit flexibel darauf reagieren, was künftige Einsätze von uns verlangen. Und da die neueren Modelle ohnehin bewaffnungsfähig sind, stünde uns damit künftig nicht nur die dringend benötigte Aufklärungsdrohne zur Verfügung. Für den heute noch nicht absehbaren Fall eines erneuten Kampfeinsatzes hätte das Parlament die Option, mit dem Mandat und auf den konkreten Fall bezogen auch die Frage der Bewaffnung der Drohne zum Schutz der entsandten Truppen zu entscheiden.

Nun, so denkt sich der Laie, wird doch wohl im Mininisterium, in der Luftwaffe und im Bundesamt für Ausrüstung, IT und Nutzung der Bundeswehr die Arbeit losgegangen sein. Vielleicht gibt’s sogar schon konkrete Pläne, welches Modell – faktisch stehen ja nur die US-Drohne Predator B/Reaper und die israelische Heron TP-Drohne zur Auswahl.

Das scheint nicht so zu sein. weiterlesen

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