Erkundungsmission auf Grönland: Das war keine Übung
Im Januar dieses Jahres flogen Soldaten aus mehreren europäischen NATO-Ländern, darunter auch Deutsche, nach Grönland. Mitten in den immer lauteren US-Drohungen mit einer Annexion der zum Königreich Dänemark gehörenden Insel sollte mit der Erkundung für die Mission Arctic Sentry ein Zeichen gesetzt werden. Inzwischen, so berichtet der dänische Rundfunk, ist klar: Das war keine Übung. Die dänischen Soldaten, aber auch ihre europäischen Partner waren bereit, als Stolperdraht gegen einen amerikanischen Angriff zu dienen.
Die sehr ausführliche Geschichte veröffentlichte Danmarks Radio am (heutigen) Donnerstag. Aus urheberrechtlichen Gründen kann ich natürlich hier keine komplette Übersetzung einstellen (da sollte jeder die Übersetzungsmaschine seiner Wahl bemühen). Aber eine englische Zusammenfassung gibt es hier. Und als Zitat aus dem Bericht:
Als dänische Soldaten im Januar dieses Jahres in aller Eile nach Grönland geflogen wurden, hatten sie Sprengstoff dabei, um unter anderem die Landebahnen in Nuuk und Kangerlussuaq zu zerstören. Dies sollte verhindern, dass US-Militärflugzeuge Soldaten auf der Insel absetzen, falls Präsident Donald Trump im Extremfall beschließen sollte, Grönland mit Gewalt zu erobern. Mit an Bord war auch Blut aus dänischen Blutbanken, damit Verwundete im Falle eines Kampfes behandelt werden konnten. (…)
Das Ziel, Soldaten auf grönländischem Boden zu stationieren – mit so vielen verschiedenen Flaggen auf den Schultern wie möglich –, bestand laut sechs der Quellen darin, dass die Amerikaner zu einer größeren feindlichen Handlung gezwungen wären, sollte Donald Trump tatsächlich versuchen, Grönland militärisch zu besetzen. Das sollte die USA davon abhalten, es überhaupt zu versuchen.
(übersetzt mit deepl.com)
Auslöser für die sehr konkreten Planungen und das harte Vorgehen bis zum königlichen Befehl, sich mit Waffengewalt zu verteidigen, war laut Danmarks Radio der US-Schlag gegen Venezuela. Wenn Trump ohne Rücksicht auf das Völkerrecht agiere, so sei die damalige Einschätzung in Kopenhagen gewesen, werde ihn auch nichts von einem gewaltsamen Angriff auf ein NATO-Land abhalten.
(Archivbild: Ein Gebirgsjäger der Bundeswehr beobachtet das dänische Patrouillenschiff P 570 Knud Rasmussen beim Einlaufen in den Hafen während einer multinationalen Erkundung in Nuuk/Grönland, am 17.01.2026 – Marc Tessensohn/Bundeswehr)
@KPK: Was meinen Sie denn mit „Die besitzenden Fünf.“? Die, die das sog. „Veto-Recht“ innehaben?
@Hans Schommer
Ja.
Die Fünfer-Gruppe der Vetomächte.
Herfried Münkler apostrophiert sie als „Pentarchie“ der Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates, die in dieser Funktion eine unantastbare, herausgehobene Stellung behaupten.
Nicht nur glaube ich an keine Aufgabe dieser Position, auch nicht an Zulassung neuer Mitglieder, ausgestattet mit Veto. Afrika und Südamerika werden also weiterhin nicht präsent sein, ebenso ist DEU Wunsch nach Zulassung zu diesem elitären Club: illusorisch.
Innerhalb dieser Pentarchie besteht wiederum eine Bi-Polarität: RUS-CHN vs FRA-GBR-USA andererseits.
@KPK:
Dazu gehört allerdings, dass Frankreich und Großbritannien hinsichtlich Veto seit 1989 Zurückhaltung üben.
Eine Zulassung neuer Mitglieder wäre nur dann denkbar, wenn mindestens zwei ständige Mitglieder gemeinsam ein Veto einlegen könnten. Das würde immerhin ein bisschen mehr Verantwortung bedingen. Allerdings könnten dann immer noch China und Russland gemeinsam alle Maßnahmen gegen einen der beiden durch unheilige Allianz kippen.
Demokratie funktioniert eben nur mit ausreichend Demokraten an allen Stellen so richtig gut.
@Metallkopf (26.03., 07:44): Sie schreiben „…Eine Zulassung neuer Mitglieder wäre nur dann denkbar, wenn mindestens zwei ständige Mitglieder gemeinsam ein Veto einlegen könnten.. …“
So funktioniert das nicht. Es gibt in der UN-Charta kein „Veto-Recht“. Noch nicht mal den Begriff „Veto“. Es gibt lediglich die nicht nur m.E. unselige Bestimmung, dass (fast) alle Beschlüsse des Sicherheitsrates mit Außenwirkung im Sinne der Charta nur wirksam werden, wenn auch ausnahmslos alle Ständigen Mitglieder diesen zustimmen.
Der Völkerbund als auch die Vereinten Nationen sind Ergebnis der Anstrengungen von Siegermächten zweier Weltkriege, das Unmögliche zu kodifizieren: Weltfrieden über eine Friedensordnung, derzeit die Charta der Vereinten Nationen, als Weltgrundgesetz zu etablieren.
Bis zur sicherheitspolitischen Zeitenwende des Zusammenbruchs der Sowjetunion haben die UN Anstrengungen in Peace Missions durchaus leidlich funktioniert. Ohne stetes Bemühen im Sicherheitsrat wäre manches noch übler ausgegangen: Kambodscha, Namibia, Mosambik als Beispiele.
Doch schon in den 90ern begann der Stern der UN zu sinken, exemplarisch mag dafür Srebrenica stehen. Ein NLD Blauhelm-Btl leichter Infanterie „sekundierte quasi“ tausendfachen Mord an Muslimen. Der Auftrag der Friedenstruppe UNPROFOR, ihre Unterstützung waren eine Zumutung, bzw wurden abgelehnt. Das ICTY stufte das Geschehen als Völkermord ein, also Völkermord in UN Namen?
Warum wurde NY bis heute zunehmend machtlos?
Bis 1989/91 bestand weltweit Bi-Polarität in Form der Machtgruppierungen „Der Westen“ vs UdSSR/CHN. Diese klaren Verhältnisse brachen mit dem UdSSR Nachfolger Russland, dessen Staatsziel bis heute „zurück zu sowjetischer Machtfülle“ ist und dem CHN Ziel Augenhöhe zu den USA zu erreichen, auseinander. Folge ist die steigende Multipolarität, verbunden mit vielfach sich ausschließenden strategischen Interessen, die ein Sicherheitsrat mit fünf über Veto-Recht“ dominierenden, alten Mächten nicht darstellen kann.
Die Hoffnung auf Revision des UNSR hatte ich in älterem Beitrag bereits ausgeschlossen.
Eine „Alternative“ die immer wieder aufpoppt, „dann brauchen wir NY aber auch nicht“, ist keine.
Ohne das Hochhaus am East River wär die Welt ärmer dran und gefährdeter: Nicht vielleicht Chaos, sicher aber Anarchie in den internationalen Beziehungen wären unausweichlich.