Trumps Kürzungen: Keine US-Mittelstreckenwaffen nach Wiesbaden (Nachtrag: Pistorius)
Zusammen mit der von US-Präsident Donald Trump angedrohten Reduzierung von US-Truppen in Deutschland wird voraussichtlich auch die geplante Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen abgesagt. Mehrere US-Medien berichteten unter Berufung auf das Pentagon, auch die vor zwei Jahren vom damaligen US-Präsident Joe Biden und dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz vereinbarte zunächst phasenweise Stationierung weitreichender konventioneller US-Waffensysteme in Deutschland habe sich nun auch offiziell erledigt.
Über die geplanten Reduzierungen berichtete am (gestrigen) Freitagabend unter anderem Reuters:
The United States is withdrawing 5,000 troops from NATO ally Germany, the Pentagon announced on Friday, as a rift over the Iran war widens between President Donald Trump and Europe. (…)
As part of Trump’s withdrawal decision, a brigade combat team now in Germany will be pulled out of the country and a long-range fires battalion that the Biden administration had planned to begin deploying to Germany later this year will no longer deploy, the official said.
Die Planungen sind offensichtlich nicht Teil militärischer Erwägungen, sondern eine emotionale Reaktion des US-Präsidenten auf die Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz. Der CDU-Politiker hatte die USA wegen ihres Vorgehens im Angriffskrieg gegen Iran kritisiert.
Die angekündigte Truppenreduzierung um rund 5.000 Soldaten, eine rotierende Kampfbrigade, senkt die Zahl der US-Truppen in Deutschland auf die Zahl vor Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine 2022. Der damalige Präsident Biden hatte die amerikanische Präsenz in Europa als Reaktion auf den russischen Angriff verstärkt.
Interessanter, wenn auch bereits länger absehbar, ist dagegen ein Verzicht auf die Stationierung einer Multi-Domain Task Force der US-Streitkräfte in Deutschland, die mit ihren konventionellen Waffensystemen die weitreichenden Präzisionsschläge androhen können, die die Europäer bislang nicht mit eigenen Systemen leisten können. Als Teil der Abschreckung hatten die Regierungen in Washington und Berlin genau deshalb diese – zumindest zeitweise – Verlegung vereinbart. Als Stationierungsort war Mainz-Kastel bei Wiesbaden vorgesehen – in Wiesbaden-Erbenheim sitzt das Kommando der U.S. Army für Europa und Afrika, und in Mainz-Kastel wurde bereits 2021 das 56th Artillery Command reaktiviert, das für den Einsatz dieser Systeme zuständig wäre. Dabei hatte vor allem die Einbeziehung von Hyperschallwaffen schon damals zu heftiger Kritik Russlands geführt.
In der deutschen Innenpolitik hatte diese Vereinbarung ebenfalls für streitige Diskussionen gesorgt, unter anderem wurde sie als unnötige Aggression gegenüber Russland abgelehnt. In der gemeinsamen Erklärung beider Regierungen war allerdings genau die Abschreckungswirkung auch betont worden:
The United States will begin episodic deployments of the long-range fires capabilities of its Multi-Domain Task Force in Germany in 2026, as part of planning for enduring stationing of these capabilities in the future. When fully developed, these conventional long-range fires units will include SM-6, Tomahawk, and developmental hypersonic weapons, which have significantly longer range than current land-based fires in Europe. Exercising these advanced capabilities will demonstrate the United States’ commitment to NATO and its contributions to European integrated deterrence.
Parallel dazu hatten mehrere europäische Staaten mit der Entwicklung eigener weitreichender Präzisionsbewaffnung begonnen. Der European Long Range Strike Approach (ELSA) wird allerdings noch eine Weile brauchen. Deshalb planen mehrere Länder, auch Deutschland, als Übergangslösung die Beschaffung von Tomahawk-Marschflugkörpern der USA.
Die Multi-Domain Task Forces mit ihren Waffensystemen werden dagegen von den USA offensichtlich eher für Asien eingeplant. So gab es im vergangenen Jahr Übungen damit in Australien und Japan.
Nachtrag: Verteidigungsminister Boris Pistorius äußerte sich am (heutigen) Samstag zwar zu den Ankündigungen, nahm aber ausschließlich zu geplanten Truppenreduzierung Stellung und erwähnte die Absage der Multi-Domain Task Force nicht einmal. Der vollständige Wortlaut:
Die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und besonders in Deutschland ist in unserem Interesse und im Interesse der USA.
Mit den Amerikanern arbeiten wir eng zusammen, in Ramstein, in Grafenwöhr, in Frankfurt und anderswo, für Frieden und Sicherheit in Europa, für die Ukraine und zur gemeinsamen Abschreckung. Die USA bündeln hier aber auch andere militärische Funktionen, etwa für ihre sicherheitspolitischen Interessen in Afrika und im Mittleren Osten.
Dass die USA Truppen aus Europa und auch aus Deutschland abziehen würde, war absehbar. Derzeit ist von 5.000 US-Soldatinnen und Soldaten von insgesamt fast 40.000 die Rede, die aktuell in Deutschland stationiert sind.
Klar ist: Wir müssen innerhalb der NATO europäischer werden, um transatlantisch bleiben zu können. Anders ausgedrückt: Wir Europäer müssen mehr Verantwortung für unsere Sicherheit übernehmen. Deutschland ist auf einem guten Weg. Wir wachsen auf: Unsere Bundeswehr wird größer, wir beschaffen schneller mehr Material und setzen dabei auf Innovationen, und wir bauen mehr Infrastruktur.
Bei allen künftigen Aufgaben sprechen wir uns eng mit unseren Alliierten ab, zum Beispiel im Rahmen der Group of Five, also mit Großbritannien, Frankreich, Polen und Italien.
Darüber hinaus wollte das Ministerium nichts sagen: Für Detailfragen, die die US-Streitkräfte betreffen, verweise ich an die Pressestellen der US-Administration, sagte eine Sprecherin.
(Archivbild Juli 2025: Soldiers from the 3d Multi-Domain Task Force (3MDTF) conduct the first Typhon live-fire exercise outside of the continental United States, firing a Standard Missile-6 July 16, 2025, in the Northern Territory, Australia, during Exercise Talisman Sabre 25.
– U.S. Army photo by Sgt. Perla Alfaro)
Der seit Jahren gehörte Satz : „ Deutschland und Europa müssen sich selbst verteidigen können“ muss nun noch schneller Wirklichkeit werden. Auch bei eigenen Kernwaffen für die Verteidigung Deutschlands-das große Tabu in Deutschland .
Trump ist nicht unser Verbündeter, er scheint eher anzustreben Mitglied im Team aggressiver Autokraten zu werden.
Letzten Endes schützen die USA ohne diese Mittelstreckenwaffen vor allem ihre eigenen Truppen und Standorte in Europa nicht mehr bestmöglich. Es mag ein Vorbote eines strategisch angedachten, weiteren US-Abzugs sein oder ein „Denkzettel“ an uns im Sinne von verweigertem Upgrade. Bin mal gespannt, wie die USA ohne Stützpunkte in Spanien, Italien und Deutschland globale Operationen durchführen wollen. Diese Drohungen dürften für die USA sehr schnell nach hinten losgehen, wie bereits beim Iran-Konflikt sichtbar wird.
Man kann Deutschland für Vieles kritisieren, aber wir sind ein sehr loyaler Partner der USA. Mit Standorten, mit viel Bewegungsfreiheit, regionalen US-Hauptquartieren (Europa, Afrika) und mit eigenen, sehr großen finanziellen Beiträgen, siehe US-Militärkrankenhaus oder riesige Ukraine-Hilfe und deutsche Rüstungsbeschaffung in den USA. Die US-Kritik ist deshalb ungerecht und teilweise unverschämt. Das wiederholte Brechen bestehender, auch neu getroffener, Vereinbarungen (Zölle), ist eine Zumutung. Trotzdem wird es darum gehen, mit den gemäßigteren US-Kräften politisch weiter gut zusammenzuarbeiten und diesen täglichen Wahnsinn ohne Unterwürfigkeit auszuhalten und ohne die tatsächliche Partnerschaft dadurch erodieren zu lassen. Jede Eskalation spielt nur weiter den Russen in die Hände. Vermutlich müssen wir uns strategisch viel enger an den US Kongress halten.
Wenn Europa endlich wahr macht mit Einigkeit und zusammen stark sein…
muss uns der Kasper im Weißen Haus endlich egal sein.
Denn dann ist Europa stark genug um dem anderen Kasper im Kreml genug Stärke entgegensetzen zu können, ohne die USA.
Dieses ewige Anschleimen und Katzbuckel machen gegenüber den
USA muss einfach aufhören.
Wir können als Europa sehr wohl die benötigte Stärke entwickeln, bzw. haben sie schon. Denn anders als die UKR würde Europa nicht mit einer Hand auf dem Rücken kämpfen, sondern mit Allem was in den Arsenalen liegt… und das ist NICHT wenig… und wird Stück für Stück mehr.
Die Welt ist im Umbruch.
Das kann für Europa nur bedeuten sich
endlich der eigenen Stärke bewusst zu werden und Selbstbewusstsein zu entwickeln.