ILA 2026: Pistorius
Von der aktuellen ILA 2026 aus Zeitgründen erstmal nur das Statement von Verteidigungsminister Boris Pistorius am (heutigen) Freitag.
Darin auch von mir zwei Fragen – mit interessanten (wenn auch nicht unbedingt befriedigenden) Antworten: Dass ide Ukraine weiterhin auf der sogenannten Länderliste steht, auf einer Stufe mit Russland, China oder Nordkorea, und deshalb die Kooperation der Industrie angesichts der Geheimhaltungsvorschriften bei Rüstungsprojekten schwierig ist, gilt schon lange. Zuständig ist da allerdings nicht der Verteidigungs-, sondern der Innenminister – und Pistorius zeigte sich problembewusst. Aber mehr als das Thema an seinen Kabinettskollegen Alexander Dobrindt weiterzuspielen kann er auch erstmal nicht tun.
Zum anderen die Frage, wann und wie das zunehmend aktuelle Thema Collaborative Combat Aircraft, ein wichtiger Punkt auf der disjähigen ILA, bei der Trupe ankommt. Da blieb der Verteidigungsminister recht vage. Aber gerade solche Dinge gehen ja bisweilen recht schnell.
Das Audio des kompletten Statements einschließlich Fragen und Antworten zum Nachhören :
(Foto: Pistorius vor einer C130 der französisch-deutschen Lufttransportstaffel)
Eines fällt mir immer auf in solchen Interviews betreffend auch den NATO Artikel 5.
Wünschenswert wäre ja die Nichtauslösung von ebendiesem Artikel.
Und die Kommunikation des US-„Partners“ ist gerade nicht dazu geeignet eine echte abschreckende Wirkung zu entfalten.
Öffentlich kommuniziert werden dann immer nur die anderen tollen Möglichkeiten die bestehen.
Irgendwann könnte dies nicht mehr reichen, gerade wenn aufgrund fehlender Abschreckungswirkung dann eben doch Artikel 5 ausgelöst werden sollte…
Aber vielleicht hab ich auch zu lange im kalten Krieg gelebt und hänge Abschreckung zu hoch…
@Apollo 11:
Also ich glaube als D und EU müssen wir, und das tun wir ja bereits, uns auf eine Welt vorbereiten, in der der Artikel 5 und die NATO nicht mehr so viel Gewicht haben. Das geht halt nur durch eigene Abschreckung durch D und EU selbst. Das macht eigentlich sogar für die NATO Sinn (zumindest militärisch). Ich würde jetzt nicht die amerikanischen Worte verwenden, dass die Europäer sich ausgeruht haben, ich denke aber schon, dass die Kritik der USA in sehr großen Teilen (leider) berechtigt war.
Ich sehe die amerikanische Strategie aktuell darin, die EU dazu zu treiben, aufzurüsten, indem sie den Artikel 5 absichtlich instabil halten. Das ist nicht schön und ist auch ein Spiel mit dem Feuer, aber wir haben gesehen (und sehen es immer noch an den Drittbrettfahrer-Staaten), dass es wohl nicht anders funktioniert.
Ich sehe das als eine strategische Vorbereitung der USA: Wenn es zu einer Auseinandersetzung, z.B. mit China, kommt, können und wollen sie nicht gleichzeitig auch noch Russland und andere abschrecken. Das müssen die Europäer dann schon selbst können. Und es kann auch ein Szenario entstehen, in dem die Amerikaner wirklich auf die Europäer und deren Fähigkeiten, z.B. auch als industrielle Basis, angewiesen sind. Dafür sehen wir die ersten Grundzüge bereits bzgl. der Ukraine und auch der Angriffskrieg gegen den Iran laufen ja nicht so super überzeugend (auch wenn ich nicht denke, dass hier mehr Engagement aus Europa den großen Unterschied gemacht hätte).
Ich hab in den letzten Monaten und Jahren mit vielen Pro-NATO-Amerikanern gesprochen, und selbst die haben sich beklagt, dass wir „unseren Laden nicht im Griff haben“, z.B. bzgl Piraterie/Schutz der Schifffahrtsgebiete, Naher Osten (was von vielen interessanterweise als ein europäisches Problem angesehen wurde), und der Terrorismus in Afrika/Naher Osten (insb. der islamistische).
Ich sehe hier viele Entwicklungen, die langsam etwas Hoffnung machen, dass wir als D und EU uns in eine Lage manövrieren, dass wir bessere Karten haben, allerdings sehe ich immer noch, dass viele in der Gesellschaft und Politik in der EU den Schuss definitiv immer noch nicht gehört haben…
Naja mal sehen. Ich will in keiner Welt aufwachen, in der wir die militärische Zusammenarbeit in der NATO nicht mehr haben. By the way, die NATO ist ein militärisches Bündnis, ökonomisch usw. waren die Amerikaner und die EU schon immer Gegner, das haben wir glaube ich einfach sehr oft vergessen.
@Bongo: Naja, „Gegner“ ist schon richtig, aber dass das „schon immer“ so gewesen sein soll, ist m.E. nicht so zutreffend. Die Amerikaner haben Europa traditionell immer auch als Absatzmarkt für ihre Produkte gesehen, zugleich haben sie aber auch traditionell hochwertige Produkte aus Europa für sich eingekauft, wie z.B. die 120mm Rheinmetall Glattrohrkanone für ihren Abrams. Auch deutsche Autos erfreuten sich ja in den USA traditionell durchaus hoher Zustimmungsraten, vor allem im hochpreisigen Segment.
Aber in letzter Zeit ist in der Tat mit der Rückkehr zur Multipolarität auch die Gegnerschaft stark gestiegen. Freihandelsabkommen zwischen den USA und anderen Staaten sind durchaus nicht unumstritten, nicht nur bei den MAGA-Leuten, die am liebsten Protektionismus betreiben würden, sondern auch bei europäischen Akteuren, die vor allem den Verbraucherschutz im Blick haben.
Möglicherweise wird die C17 Produktion wieder aufgenommen?
https://militarywatchmagazine.com/article/us-lack-air-transport-production-worsening-strategic-c17
„Boeing hat bestätigt, dass Kunden bezüglich einer möglichen Wiederaufnahme der Produktion des Schwerlasttransporters C-17 Globemaster III an das Unternehmen herangetreten sind. Unternehmensvertreter bezeichneten die Gespräche als „ermutigend“. Der Streitkräfteausschuss des US-Repräsentantenhauses hat die Luftwaffe beauftragt, eine detaillierte Bewertung der technischen und finanziellen Machbarkeit einer Produktionswiederaufnahme vorzulegen“.
Der überstürzte Abzug aus Afghanistan hat auch der Airforce verdeutlicht, es mangelt an
Schwerlasttransportern zur Bewahrung sofortiger Reaktionsfähigkeit und Flexibilität im strategischen Lufttransport. Die Einsätze im Mittleren Osten seit Ende Februar 26 werden das bestätigt haben.
Es bietet sich u.U. für europäische Luftwaffen, namentlich die deutsche, eine Aussicht der Beteiligung an? Mehr Nutzer als die U.S. Seite allein können Kosten drücken, obendrein bestünde eine Aussicht für einen europäisches Logistik-Hub. Die ursprüngliche Produktionslinie in Long Beach ist zwar beendet, gerade das aber mag aus U.S. Sicht für eine Lastenerweiterung über Europäer sprechen.
Netzfund:
Ca. $ 8 Milliarden für eine neue Produktionstrasse bei mindestens 50 Bestellungen (400 Millionen Stückpreis) wären in einer Neuauflage notwendig. US-Regierung entscheidet frühestens 2027 ( 03/2027 Frist für „House Armed Services Committee“ Bericht) darüber.
Es gibt 8 C-17 Nutzerstaaten neben den USA, außer CDN und GBR noch Indien und einige Golfstaaten. Auffällig dabei die „Heavy Airlift Wing (HAW)“, ein multinationales europäisches Konsortium mit Sitz in Ungarn.
Dortiger Insgesamt-Bedarf ist unklar, sicher könnten Investitionskosten aber gedrückt werden.
Ob die Bundeswehr bei inzwischen 53 verfügbaren A400M und 10 – 20 (?) in Zusatzorder ein zweites Schwerlasttransporter-System beschaffen wollte, ist unklar. Allerdings stünde mit der C-17 ein wirklicher (!) strategischer Transporter bereit.
In die allenthalben aus beiden Regierungsfraktionen zu hörenden Herausstellungen von mehr internationaler Verantwortung könnten C-17 allerdings gut passen.
@KPK: Wäre die BW-Führung keine Schlafwandler, dann hätten sie einige C17 bestellt, bevor die Produktion eingestellt wurde. Stattdessen wollte man von Moskaus Gnaden die Schwertransporte weiterhin durch russische und ukrainische Antonovs erledigen lassen. Seit dem Überfall von Russland auf die Ukraine sind die Antonovs im russischen Besitz ausgefallen und ich weiß nicht, wie viele Antonovs im ukrainischen Besitz noch für die BW fliegen? 5 – 10 C 17 für die Bundeswehr wären sinnvoll, um selbst größere Hubschrauber und Leopards per Flugzeug transportieren zu können. Nur wäre es Belohnung für Trump und ich traue der BW auch diesmal keine schnelle Beschaffung des Globemasters zu!
@Closius
Für welche Einsätze brächte man die C-17 jetzt noch ? Für LV/BV wohl eher nicht.
@Thomas Melber: Die C17 bräuchten wir, um Leopard 2, Panzerhaubitzen 2000 oder Hubschrauber ins Baltikum einzufliegen oder nach Afrika! Wir vernachlässigen den Panzertransport per Luft ins Baltikum und wie dürfen Afrika nicht den Russen und Chinesen überlassen. Nur mit C 17 können wir schwere Panzer nach Afrika fliegen. Die Konzentration auf LV/BV ist genauso falsch, wie die Konzentration zuvor auf Auslandseinsätze. Die BW muss beides können!