DroneWatch: Ukrainische Drohnenangriffe auf Russland landen im Baltikum
Es ist vermutlich nicht das erste und sicherlich nicht das letzte Mal: Mit Sprengstoff bewaffnete Drohnen der Ukraine, mit denen Ziele in Russland angegriffen wurden, sind vom Kurs abgekommen und in den benachbarten baltischen Staaten Estland und Lettland niedergegangen. Die beiden baltischen Länder teilten das offiziell mit. Allerdings erreichten auch ukrainische Drohnen ihre Ziele und sollen ein russisches Patrouillenboot beschädigt haben.
Die fehlgeleiteten Angriffe in der Nacht zum (heutigen) Mittwoch meldeten der estnische und der lettische Rundfunk.
Vom estnischen Rundfunk:
A drone that entered Estonian territory from Russian airspace hit a chimney at the Auvere power station in Ida-Viru County early on Wednesday morning.
No one was injured in the incident, and the power infrastructure was not damaged.
The government said later that several drones had crossed Esonia’s border on Wednesday morning during a Ukrainian attack on the Russian Port of Ust-Luga.
… und vom lettischen Rundfunk:
The Latvian Air Force has identified a foreign unmanned aerial vehicle entering Latvian airspace from Russia, according to the National Armed Forces (NBS), the Defence Ministry reports on Wednesday morning. Early warning systems detected a sound resembling an explosion in the Krāslava region. (…)
Latvian President Edgars Rinkēvičs confirmed later on Wednesday that the drone was Ukrainian – this unmanned aerial vehicle was part of a coordinated Ukrainian operation against Russian targets.
Bei beiden Meldungen fällt auf, dass die ukrainische Herkunft der Drohnen eben nicht in den Vordergrund gestellt wird. Der lettische Rundfunk erwähnt das sogar erst fast am Ende seines Berichts. Unklar ist bislang, ob die unbemannten Systeme durch elektronische Gegenmaßnahmen von ihrem Kurs abgebracht wurden.
Ein Teil der Drohnen der Ukraine erreichte allerdings offenkundig sein Ziel, wie der Barents Observer unter Berufung auf Fotos aus Russland und ukrainische Angaben berichtet:
A high-profile Russian security service vessel, designed for Arctic operations, has been struck by a Ukrainian drone while docked at the Vyborg shipyard near St. Petersburg.
Photographs show the vessel—a Project 23550 icebreaking patrol ship—with a significant list. The ship is believed to be the Purga, a powerful vessel under construction for the FSB Coast Guard. Its keel was laid in July 2020.
In the early hours of March 25, a large number of Ukrainian drones targeted sites in and around St. Petersburg, including the FSB icebreaker and the Ust-Luga oil terminal.
„During a joint operation of the Ukrainian Defense Forces in the Leningrad region on the night of March 25, a ship of the Russian occupiers was hit at the Vyborg Shipbuilding Plant,“ the Ukrainian General Staff reports.
Nachtrag 29. März: Inzwischen stürzten auch in Finnland Drohnen ab – von denen mindestens eine ebenfalls eine ukrainische Drohne gewesen sein soll, wie der finnische Rundfunk berichtete:
Authorities are investigating unmanned aerial devices that fell to the ground in the southeastern region of Kymenlaakso on Sunday morning, according to police. (…)
On Sunday morning, several small, slow-moving devices were detected flying at low altitude in Finnish airspace at sea and in southeastern parts of the country, according to the ministry. It said the Air Force scrambled F/A-18 Hornet fighter jets to identify the objects.
The Air Force has confirmed that at least one of the drones was Ukrainian.
Die Preisfrage ist ja ob die Ukraine den risikoreichen und längeren Anflugweg durch Belarus und Russland nutzt oder den kürzeren und sichereren Weg durch polnischen, lettischen, litauischen und estnischen Luftraum.
Ust-Luga liegt kurz hinter der Grenze und das getroffene Kraftwerk in einer Einflugschneise, wenn man von Südwest anfliegt und sich in der Höhe vertan hat.
IstEgal:
Nun, nach Aussage der Esten und der Letten kamen die Drohnen jeweils aus dem russischen Luftraum in den eigenen… Falls die Drohnen über den eigenen Luftraum nach Russland eingeflogen wären, hätten sie dort dann umkehren und zurückfliegen müssen, was unwahrscheinlich ist.
Außerdem hat Russland durchaus noch Radars, die Drohnen verfolgen können. Sollten Drohnen tatsächlich über NATO-Luftraum kommen und Russland von dort angreifen, dann, wäre das vermutlich längst von russischer Seite aggressiv thematisiert worden.
Wahrscheinlicher ist, dass es sich um Störungen des GPS und Ungenauigkeiten eventueller INS-Redundanzsysteme handeln dürfte. Schließlich sind die Drohnen auf dem Weg von der östlichen Ukraine über Belarus und Teile Russlands eine ganze Strecke unterwegs. Der Weg ist weit nach St. Petersburg.
Nachtrag: Die inzwischen offenbar erreichbare Reichweite ukrainischer Drohnen erscheint wirklich beachtlich.
Die Ukrainer können inzwischen offenbar regelmäßig auf eine Distanz von ca. 900-1000km Wirkung erzielen, wie auch bereits erfolgreiche Angriffe auf den Fliegerhorst Engels-2 bewiesen haben.
Warum wir vor diesem Gesichtspunkt immer noch keine Taurus liefern, dessen Reichweite mit immerhin nur „>500km“ angegeben wird, ist eigentlich unverständlich. Es sei denn, natürlich es hätte längst einen Technologietransfer gegeben und der Flamingo hätte gewissermaßen einen Stier im Stammbaum.
Durch Eloka abgelenkt würde das „umdrehen“ erklären, die eingesetzte Drohne war vom Typ umgebautes Kleinflugzeug.
Irgendwie will mir nicht in den Kopf das die Russen nicht in der Lage sind 600km+ ihres Luftraumes (immerhin nur 300km von Moskau entfernt der Anflug) zu überwachen. Auf der anderen Seite gebe ich zu das meine mangelnde Vorstellung nicht bedeutet das es nicht geht, wirft kein gutes Bild auf die Luftraumüberwachung eines möglichen zukünftigen Gegners, ich mein wer eine Cessna nicht vom Himmel holen kann wie soll der gegen 5th Gen Jets wirken, das macht Hoffnung.
Irgendwie sind abweichende Flugbahnen bei der Masse der gestarteten (Billig-)Langstrecken-Drohnen nicht ungewöhnlich.
Das Hauptlenkmittel ist wohl Satelliten-Navigation wie GPS.
Das ist grossflächig gestört.
Schaut man auf die Karte von z.B. GPS-JAM fallen direkt alle Krisengebiete auf.
Weltweit kam vor einigen Wochen dann die Golfregion hinzu.
Zum breitgetreteten Thema TAURUS:
Die 500 km Reichweite und die im Gegensatz zu den bisher verwendeten Drohnen in hoher und höchster Anzahl geringe Anzahl scheint heute eher ein Witz zu sein.
Zumal wohl bis zu 50% nicht einsatzbereit waren / sind (?)…
Das Patrouillenboot war wahrscheinlich egal. Die Ölverladeterminals sind das Interessante. „Sicherheitsexperten“ werden demnächst viele Frage zu beantworten haben.
https://timesca.com/drone-strikes-on-russian-baltic-ports-raise-risks-for-kazakhstans-oil-exports/
https://www.reuters.com/world/tanker-carrying-russian-oil-hit-by-drone-black-sea-near-turkey-2026-03-26/
@ someone
„Die Ölverladeterminals sind das Interessante.“
Das muss man sich mal reinziehen: Die Welt erlebt einen Ölpreisschock Marke > 1973 (größer weil damals nur jederzeit revidierbare politische „Solidarität“, heute ein existenzieller Krieg ohne absehbares Ende) und die Combo NATO/UA&Co. greift ein Ölverladeterminal an, um die globale Versorgungslage noch weiter zu verschlechtern.
Dem Weltmarkt ist es egal, wo das Öl herkommt.
Bei den Amis verstehe ich das ja noch, denn die profitieren von der Angebotsverknappung und dem noch höherem Preis, aber Deutschland? Wir schießen uns so dermaßen ins eigene Knie.
[Ihre Meinung ist Ihre Meinung, aber, sagen wir mal, diese Art von Propaganda ist schon recht befremdlich… T.W.]
Apollo11 sagt:
…. Zum breitgetreteten Thema TAURUS:
Die 500 km Reichweite und die im Gegensatz zu den bisher verwendeten Drohnen in hoher und höchster Anzahl geringe Anzahl scheint heute eher ein Witz zu sein.
Zumal wohl bis zu 50% nicht einsatzbereit waren / sind (?)…
——–
Das ist denke ich mal in Wirklichkeit mit einer der Hauptgründe warum wir keine Taurus liefern…. wir können es einfach nicht! Wenn wir eine handvoll liefern und die tatsächlich gut funktionieren, will die Ukraine mehr. Und wir dann „Ähhh… wie mehr? Das waren alle guten die wir besitzen!“
Russland hat bei der Eloka beachtliche Fähigkeiten aufgebaut. Eine körperlich vor Kaliningrad fahrende, deutsche Fregatte hat sich nach einer Störung der Radaranlage GPS technisch vor Rostow am Don im schwarzen Meer verortet. Das sind auf die Schnell mal über 2000 km.
Zum Glück war es die Ukraine. Damit entfällt vorerst der Grund für die NATO, endlich zurückschlagen zu können.
Der Alarmismus in zahlreichen deutschen Medien geht mir richtig auf den Keks.
[Dieses „Die NATO wartet nur auf einen Grund, endlich Russland angreifen zu können“, geht mir und vermutlich einigen anderen hier noch viel mehr auf den Keks. So viel Rumgetrolle muss hier nicht sein. T.W.]
BS 27.03.2026 um 9:25 Uhr:
Es ist ganz einfach: Wenn sich Rußland zurückzieht, dann kann Rußland ungestört Erdöl exportieren.
Fragt sich, ob es da ein stilles „Gentlemen’s Agreement“ zwischen den Anrainern und der Ukraine gibt, was „Abkürzungen“ betrifft. Wenn Russland mal wieder ungestraft über Rumänien und Co anfliegt, gibt es ja auch keine wirklichen Reaktionen wie z.B. Abschüsse.
@Taurus-Diskussion: Die Frage ist wohl eher, inwiefern sich die Taurus von den ukrainischen Wirkmitteln unterscheiden. Das Profil „Bunkerbrecher als Marschflugkörper“ ist doch schon nochmal was anderes, als die „Payload ins Öldepot-Gleiter“ … Allerdings sind die sinnvollen Einsatzmöglichkeiten für Taurus jetzt wohl wirklich langsam vorbei (Abschneiden der Krim in einer kritischen Phase). Jetzt hält man dieses Pfund wohl in der Hinterhand, falls Russland wirklich der EU ans Leder geht.
@BS … Ihr Hinweis zeigt, wie wenig durchdacht Art und Zeitpunkt des Angriffs auf den Iran waren/sind.
Wobei ISR da wahrscheinlich eine andere Sicht auf die Dinge hat … ist auch legitim.
Wir als Europäer sitzen nun endgültig zwischen allen Stühlen. Eigentlich sind Angriffe auf die Infrastruktur, mit denen RUS seinen Angriffskrieg in der UKR finanzieren kann, durchaus in unserem Interesse. Nun aber nicht mehr. Je nachdem, wie stark und nachhaltig die Schäden an Erdgas- und Stickstoffinfrastruktur im Golf (auf Seiten des Iran, aber auch auf Seiten der Golfstaaten) wirklich sind/sein werden, tut uns der Wegfall der RUS Kapazitäten richtig weh. In 3 Monaten wissen wir mehr.
@Metallkopf 26.03.2026 um 7:34 Uhr
> Außerdem hat Russland durchaus noch Radars, die Drohnen verfolgen können.
Das wäre technisch näher zu betrachten, und betrifft nicht nur RUS.
Das Problem ist, dass Drohnen wenig haben, das Radar reflektieren kann.
Ein ohnehin schwache Reflexion wird mit der Entfernung noch schwächer.
D.h. zuverlässige Drohnen Detektion mittels Radar ist etwas für den (eher kleinen) Nahbereich.
Großes Land, viele (kleine) Drohnen -> viele teure Radarstationen. Und dann müssen die Drohnen auch noch vom Himmel geholt werden.
@ T.W.
Meine Aussage ist eindeutig eine Kritik an der Medienberichterstattung. Das hat nichts mit „Trollen“ zu tun. Die NATO hat kein Interesse an einem Krieg gegen Russland.
Es gab ja nun mehrere Vorfälle, die nicht auf das Konto von Russland gehen.
Zweifelsfrei sollte die NATO wachsam sein und sich professionell aufstellen.
[Ihre Aussage war „Zum Glück war es die Ukraine. Damit entfällt vorerst der Grund für die NATO, endlich zurückschlagen zu können.“ Was daran „eindeutig eine Kritik an der Medienberichterstattung“ ist, bleibt wohl ihr Geheimnis. T.W.]
Der ukrainische Drohnenangriff:
„…In the early hours of March 25, a large number of Ukrainian drones targeted sites in and around St. Petersburg,..“
Wenn man auf die Karte schaut ist die Distanz Nordost-Ukraine bzw. Nordwest-Ukraine nach St. Petersburg ähnlich. Um die 1000 km.
Da waren mit Sicherheit viele Günstig-Drohnen dabei. Braucht man ja heute zur Abwehrübersättigung. Die Lenkung ebendieser ist leicht zu stören, könnte ein Grund sein fürs Verfliegen…
Die Drohnen-Flugwege am Rande der Grenzen zu Polen und dem Baltikum ( über Belarus ) um die russische Abwehr zu umgehen oder zu verwirren sind irgendwie verlockend.
Erneut hätte da ein Taurus noch nicht einmal die Reichweite….
Wie man derzeit auch in der Golfregion sieht gibt es im Grunde gegen solche Schwarmangriffe keine echte Abwehrmöglichkeit.
Mit der Ausnahme Moskau aufgrund der massiven Abwehrgürtel.
Aber das ist vermutlich nur eine Frage der Zeit..
☛ @Metallkopf & @Apollo11
Je nach Quelle hat die Luftwaffe zwischen 150 und 180 Taurus unmittelbar einsatzbereit, der Rest ist eingelagert. Das ist übrigens eine übliche Maßnahme zur Lebensdauerverlängerung.
Natürlich könnte Deutschland Taurus an die Ukraine liefern. Die Gründe, warum das nicht geschieht:
Laut BM Pistorius: Deutschland hat der NATO die Waffen für bestimme Einsatzzwecke eingemeldet.
—Das ist insofern ein vernünftiger Grund, als es (v.a. im europäischen Teil der NATO) kaum bunkerbrechende Waffen gibt, und keine mit solcher Reichweite.
Laut BK a.D. Scholz: Das ukrainische Militär würde deutschen FüUstg-Input benötigen, um Taurus ins Ziel zu bringen, und das würde Deutschland zur Kriegspartei machen.
—Ist eine rein politische Entscheidung, insb. zur Beruhigung der Stammwählerschaft. Rein rechtlich mochte Scholz sogar Recht haben, allerdings ist bekannt (Walerij Saluschnyj selbst hat das bestätigt), dass zumindest die Briten Militärberater für genau solche Zwecke im ukrainischen Generalstab sitzen haben. Und natürlich war der Kalte Krieg reich an Vorfällen der direkten Unterstützung des Feindes der jeweiligen Gegenseite, man denke nur an Vietnam.
Und laut mir: Das Triebwerk des Marschflugkörpers unterliegt der amerikanischen ITAR-Gesetzgebung. Deutschland müsste in den USA um eine Exporterlaubnis nachsuchen.
—Es darf als nahezu sicher gelten, dass weder POTUS Trump noch auch nur POTUS Biden dazu bereit wären. Theoretisch könnte sich Deutschland darüber hinwegsetzen, aber die Folgen wären gar nicht absehbar. Selbst ein demokratisch dominierter Kongress würde sich das nicht bieten lassen und könnte Sanktionen verhängen.
„… Bei beiden Meldungen fällt auf, dass die ukrainische Herkunft der Drohnen eben nicht in den Vordergrund gestellt wird.…“
Volle Zustimmung.
Das Vorkommnis „UKR Drohnen verletzen EST/LTU/LVA Luftraum“ wird öffentlich relativ geräuscharm „abgeräumt“.
Solange eine Drohne irgendwo im Baltikum landet und keine KRITIS und -noch viel wichtiger- keine Menschen „beschädigt“ kann man das alles so handhaben, denke ich.
Was aber passiert, wenn so eine Drohne in ein Einkaufszentrum, einen Kindergarten oder das HQ PzBrig 45 einschlägt?
Interessant wäre, was dazu auf der diplomatischen Ebene im vertraulichen Bereich besprochen wurde.
Solange nichts gravierendes passiert wird die baltische Bevölkerung das Vorgehen vermutlich tolerieren, was aber sagen die Menschen dazu, wenn einer fehlgeleiteten UKR Drohne Menschen zum Opfer fallen oder KRITIS stark beschädigt wird?
@ORR
Gute Frage. Die Antwort ist: Dann wird die (rechtlich) korrekte Antwort gegeben. Was auch sonst.
Dazu muss man aber bezüglich des „besitzanzeigenden“ Adjektivs vor „Drohne“ präzise sein. Dass es sich im hier in Rede stehenden Fall um eine „ukrainische“ Drohne handelt, im Sinne von Herstellung und Startregion, ist unerheblich. Erheblich ist die „Herrschaft“ über die Drohne (ukrainischer Herkunft) zum Zeitpunkt des Treffers. Im Fall von spoofing ist es in diesem Fall z.B. nicht die Ukraine.
So, in diesem Sinne wird man in einem solchen Fall die Verantwortung zuweisen.
Wenn es sich um einen Treffer auf dem Hinflug gehandelt hat und der überflogene baltische Staat faktisch dem Überflug (habituell) zugestimmt hat, kommt er natürlich in Mitverantwortung.
Unser Hausherr hier, der Sprache mächtig, zeigt mit seiner Überschrift, dass er die Problematik im Blick hat:
„Ukrainische Drohnenangriffe auf Russland landen im Baltikum“ – das geht sprachlich natürlich nicht: „Angriffe“ können nicht „landen“. Er wollte eben vermeiden zu sagen: „Ukrainische Drohnen greifen irrtümlich im Baltikum an“. Da es spoofing sein könnte, kann die Urheberschaft nicht der Ukraine unterstellt werden.
@ Ökonom, 28.03.2026, 17:22 Uhr:
Ich vermute, Sie haben Recht. Stellt sich nur die Frage, ob die Bevölkerung das so mitträgt.
@Ökonom
Ihre Argumentation ist in Bezug auf die „Herrschaft“ über das Wirkmittel nicht tragfähig. Betrachten wir den Fall, daß durch UKR EloKa-Maßnahmen eine RUS Drohne vom Kurs abkommt und statt des anvisierten (hoffentlich) militärischen Ziels ein ziviles getroffen wird – würden Sie dann ebenfalls sagen, daß dies dann in der Verantwortung des Verteidigers, also der UKR, liegt ? Das gleiche gilt natürlich für die anderen Kollateralschäden bei der Abwehr gegnerischer Angriffe (Trümmerteile, herunterkommende Geschosse, u.a.)..
Genauso wenig wie die UKR muß sich RUS ohne Gegenwehr beschießen lassen (ius in bello).
@Thomas Melber
Die Antwort ist: „Herrschaft“ muss dann natürlich auch „Herrschaft“ sein.
Ihr Beispiel ist nicht spezifisch für elektromagnetische Abwehr, es gilt für kinetische in gleicher Weise. Der Verteidiger ist in der Mitverantwortung, sofern der alternative Optionen hat und nicht die mit der geringsten Wahrscheinlichkeit für zivile Betroffenheit gewählt hat. Auch „Gegenwehr“ muss kalkuliert sein.
Vgl. Sie, was in der Neufassung des Luftsicherheitsgesetzes (§15a) an Voraussetzungen für eine verhältnismäßige Drohnenabwehr formuliert worden ist. Es geht nicht um ja/nein,
@all
Siehe Nachtrag oben: Inzwischen sind auch in Finnland vermutlich ukrainische Drohnen abgestürzt.
Papperger, der CEO von Rheinmetall äußerte sich despektierlich über ukrainische Drohnen:
https://www.theatlantic.com/national-security/2026/03/who-needs-tanks-age-drones/686540/
Auf die Frage nach den innovativen, kostengünstigen und effizienten ukrainischen Waffen tat Papperger diese als „das Werk von Hausfrauen“ mit „3D-Druckern in ihren Küchen“ ab und kritisierte die Ukrainer dafür, dass ihnen echte technologische Durchbrüche fehlten. „So spielt man mit Legos(!)“ ist vielleicht das Zitat, an dem sich Ukrainer und andere Beobachter stießen.
Irgendjemand bei Rheinmetall war scheinbar doch noch bei Sinnen und möchte in und mit UKR weiter Geld verdienen:
https://x.com/rheinmetallag/status/2038221506426093721
Wir bauen sicher Einwegdrohnen, die für die Ewigkeit halten sollen. War bei den Panzern im WK2 ja nicht anders.
Der Rheinmetallchef sollte sich nicht so arrogant über die ukrainischen Drohnenbauer äußern. Gott gebe, dass wir nicht mit dieser Art der Kriegsführung konfrontiert werden. Wir hätten keine Chance. Ich sage das nicht einfach so. Ich war vor zwei Monaten in der Ukraine und habe dort mit allen möglichen Leuten über die Situation an der Front gesprochen. Tatsache ist, dass wir zwar Eloka und Aufklärungsdaten liefern, aber keine Drohnen, dass wir unsere Panzer genauso schnell verlieren werden, wie Russen und Ukrainer, dass die Ukrainer einen unvergleichlichen Erfahrungsschatz haben und dass die ihre Drohnen selbst bauen. Monatelang haben sie mit Babu Yaga genannten umgebauten Drohnen für die Landwirtschaft die Russen terrorisiert. Beiden Seiten fällt immer wieder neues ein. Die Ukrainer sind dabei kreativer, die Russen systematischer.
Wenn wir es wirklich ernst meinten (ich habe so meine Zweifel ob es nicht eher um Geld geht), dann müssten wir jetzt alles und wirklich alles überdenken und auf den Prüfstand stellen, was wir bisher geglaubt und angenommen haben. Großsprecherei a’la Rheinmetall kommt vor dem (hoffentlich nicht) Fall.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj weist abwertende Äußerungen von Rheinmetall-Chef Armin Papperger zur Drohnenproduktion in der Ukraine zurück. „Wenn jede Hausfrau in der Ukraine tatsächlich Drohnen herstellen kann, dann kann jede Hausfrau in der Ukraine Vorstandsvorsitzende von Rheinmetall sein“, sagt er und bezeichnet Pappergers Vergleich als „grotesk“.
Ein überaus gekonnte und charmante Replik von Selenskyj.
[Und ne Quelle gibt’s dafür sogar auch…
https://www.pravda.com.ua/eng/news/2026/03/30/8027812/
T.W.]
@Brainstormer 03.2026 um 14:28 Uhr
Die Frage ist jedoch, ob sich ein Unternehmen einen CEO leisten kann, der sich gegenüber Medien mit seinen Äußerungen nicht im Griff hat, und damit ein despektierliches Frauenbild transportiert (Hausfrauen in der Küche), und damit tapfere Frauen in der UKR beleidigt, unter denen es viele gibt, die im Krieg ihre Männer verloren haben und die Kinder allein unter widrigen Umständen durchbringen müssen.
Vielleicht mag es angehen, dass solche Verbalausfälle in HUN gerne gehört werden, wo Papperger dem Beirat des ungarischen IT-Unternehmens 4iG angehört, welches von Kreisen kontrolliert wird, die dem rechtspopulistischen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán nahestehen. Da kann man schon sagen, dass er Geld von einem korrupten Kleptokraten annimmt, der Putin nahesteht. Wofür eigentlich??
Papperger ist auch Präsidialmitglied des Bundesverbands der Deutschen Industrie e. V. (BDI). Dort dürften seine öffentlichen Äußerungen überhaupt nicht gut angekommen sein, ist man doch sehr bemüht ein einigermaßen modernes Frauenbild zumindest ins Schaufenster zu stellen, und gute Beziehungen zur UKR zu pflegen.
Zum „Hausfrauen“-Zitat:
„….kritisierte die Ukrainer dafür, dass ihnen echte technologische Durchbrüche fehlten….“ ( der Vorstandsvorsitzende von Rheinmetall, A. P. )
Exakt dieser Punkt ist ja das Problem.
Der Panzerbesatzung ist es wurscht ob sie von der Hohlladung unter einer 3D-gedruckten Billigdrohne getroffen wird ( +/- 1000 € ) oder der einer modernen Drohne aus neuester deutscher Startup-Produktion für bis zu 135.000 € lt. Zahlen des BW-Beschaffungsamts.
Klar sieht ketztere viel schicker aus und fliegt auch weiter. Der Effekt ist aber in-the-end-of-the-day der gleiche. Und beides sind Einweg (!)-Drohnen…
Welche Seite sitzt bei Millionenstückzahlen wohl am längeren Hebel… ?
Der Herr Papperger liegt öfters mal daneben, mit dem was er unvorbereitet „abfeuert“. Der Mann hat auch eine sehr weite Leitungsspanne und blickt eben nicht überall wirklich durch. Dessen hier m.E. zu Recht gerügte Äußerung ist für das Denken im Firmenzweig Rheinmetall Air Defence nicht repräsentativ – da bin ich mir absolut sicher. Und außer uns Foristen wird sich damit auch niemand von Bedeutung lange aufregen. Ich sehe da drüber hinweg und sage mir – wie beim Bundespräsidenten auch gelegentlich: „Hätte er geschwiegen, hätte man ihn weiterhin für klug gehalten“.
@Hans Schommer. Erfreulich zu hören. Was allerdings unsere Rüstungspolitik angeht, so scheint sie mehr von Arbeitsplatzpolitik (VW Werk Osnabrück) als von militärischen Überlegungen geprägt zu sein. Ist zugebenenermassen auch nicht einfach. Selbst die Israelis haben da massive Probleme. Man schaue sich die Videos von der Libanonfront an. Als habe man nichts aus der Ukraine gelernt. Ansammlungen von Merkavapanzern ohne Dohnenkäfige, sondern nur mit reaktiver Panzerung. Es ist fraglich, ob Panzer überhaupt noch mehr als eine Nebenrolle im Krieg der Zukunft spielen werden. Und was bauen wir?
@Tom67
Daß bestehende Infrastruktur genutzt wird statt eine green field plant aufzubauen hat Gründe:
– Infrastruktur steht schon, Genehmigungen auch, daher:
– Kostenersparnis (Gebäude, Maschinen teilweise)
– Zeitersparnis
– Arbeitskräfte sind vorhanden
– Zuliefernetzwerk (sofern nutzbar)
@Thomas Melber Alles richtig. Fragt sich nur, was gebaut wird. Erst der Krieg in der Ukraine und nun der Krieg im Iran zeigen, dass wirklich alles auf den Prüfstand muss. Scheint mir nicht zu passieren. Man baut fröhlich weiter für Unsummen Panzer, die sich gerade in der Ukraine und im Libanon als Dinosaurier der Kriegstechnik erweisen. Und wenn was neues kommt, dann Drohnen a’la Helsing. Ich kann Apollo 11 nur recht geben: „Der Panzerbesatzung ist es wurscht ob sie von der Hohlladung unter einer 3D-gedruckten Billigdrohne getroffen wird ( +/- 1000 € ) oder der einer modernen Drohne aus neuester deutscher Startup-Produktion für bis zu 135.000 € lt. Zahlen des BW-Beschaffungsamts.“