Flug in der Grauzone: Russische Kampfjets hart an der Grenze – aber im NATO-Luftraum
Das Eindringen russischer Kampfjets in den Luftraum des NATO-Mitglieds Estland, und das gleich für vergleichsweise lange zwölf Minuten, scheint nur der vorerst letzte Beleg für einen Test der Allianz durch Russland. Eine vom estnischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Karte zeigt: Die russischen Maschinen hielten sich eng an der Grenze zum internationalen Luftraum – und die Regierung in Moskau nutzt das, um die Vorwürfe rundweg zurückzuweisen.
Die drei russischen MiG31 hatten am (gestrigen) Freitag den Luftraum Estlands durchquert, und angesichts der möglichen Geschwindigkeit dieser Jets waren sie der estnischen Hauptstadt Tallinn vergleichweise nahe gekommen. Sowohl Estland als auch die NATO sprachen von einer eklatanten Verletzung des estnischen Hoheitsgebiets. Die russischen Maschinen waren zuvor bereits von der finnischen Luftwaffe überwacht worden; über Estland stiegen dann italienische F-35 in ihrer NATO-Mission von der Basis Ämari auf. Später beobachteten die schwedischen Streitkräfte die Russen (und veröffentlichten dazu auch das Foto oben).
Nach der Karte, die das estnische Verteidigungsministerium am (heutigen) Samstag veröffentlichte, scheinen sich die drei MiG31-Jets tatsächlich auf dem Weg von einer Basis im Nordwesten Russlands zur russischen Exklave Kaliningrad befunden zu haben:
So argumentiert auch das russische Verteidigungsministerium –allerdings mit der Aussage, der Flug habe nur im internationalen Luftraum stattgefunden und sei nach einem vereinbarten Flugplan erfolgt (mit wem der vereinbart wurde, bleibt unklar; laut estnischen Angaben gab es eben keinen solchen international bekannten Flugplan). Aus der Meldung von Reuters:
Russian fighter jets did not violate Estonian airspace and flew over neutral waters of the Baltic Sea in proceeding from northwest Russia to the Russian Baltic exclave of Kaliningrad, the Russian Defence Ministry said early on Saturday. (…)
„The flight was carried out in strict conformity with international rules governing airspace with no violation of the borders of other states as is confirmed by independent checks,“ the Russian Defence Ministry said of the three MiG-31 fighters in a post on Telegram.
In den vergangenen Jahren hatten russische Flugzeuge immer wieder mal eine scheinbare Abkürzung auf dem Weg nach Kaliningrad genommen. Allerdings waren sie, soweit öffentlich bekannt, noch nie so lange im Luftraum des NATO-Mitglieds Estland unterwegs. Die auf der estnischen Karte sichtbare Fluglinie zwar über estnischem Hoheitsgebiet, aber hart an der Grenze zum internationalen Luftraum deutet auf einen weiteren Schritt der grayzone aggression hin: Ein solches Vorgehen so auszugestalten, dass die Leugnung auf internationaler Ebene plausibel erscheint – und der Betroffene sehr genau überlegen muss, wie die Reaktion ausfallen soll.
Natürlich gehört zu einer solchen Aktion auch das Austesten der Gegenseite. Wie lange die italienischen Jets gebraucht haben, um die russischen Maschinen abzufangen, ist natürlich ein grundlegendes Aufklärungsinteresse Russlands. Auf der anderen Seite dürfte die NATO schon durch die Beobachtungen durch die Finnen die Absicht der MiG-Piloten erkannt haben – und ein Angriff auf Ziele in Estland schien dann wenig wahrscheinlich. Zumal die Jets, wie das Foto der schwedischen Luftwaffe zeigt, zwar bewaffnet waren – aber mit Luft-Luft-Raketen für die Kurzstrecke.
(Foto oben: Die MiG31 über der Ostsee nach der Durchquerung des estnischen Luftraums – Foto Försvarsmakten/schwedische Luftwaffe; Karte: Verteidigungsministerium Estland)

„Die Russen können zu niedrigsten Kosten relativ willenlose Menschenmassen mobilisieren und sie ohne Rücksicht auf Verluste gegen den Gegner einsetzen“
Entschuldigung, aber das ist einfach nur Klischeehafter Unsinn,
(Russland hat massive Probleme genügend Rekrutennachschub zu organisieren und aktuell haben sie Angst wieder groß mobilisieren zu müssen, was von den „willenlosen“ Russen in der Mehrheit aber überhaupt nicht gewünscht wäre)
Und das genauso:
„Eben das es nicht die Lösung sein kann, sich in Flugabwehr zu versteigen, da es zu teuer ist“
Denn man kann es auch genau andersherum sagen, eine 50000€ Drohne kann unter Unständen von einer einzigen Kugel abgefangen werden. Es gibt verschiedenste Abwehrmöglichkeiten, teils bereits erprobt, teils in der Entwicklung. Grundlegend ja, Abschießen ist meist teurer als die einfliegende Rakete/Drohne.
Aber nicht nur Russland kann offiziell Drohnen senden.
Auch Terrorgruppen, oder andere „nichtstaatliche“ Akteure können das. Wenn der Primärjob der Bundeswehr die Landesverteidigung ist, dann MUSS sie die Fähigkeit haben alle Drohnen auszuschalten. Und in der Flugabwehr gibt es immer noch eine klaffende Lücke, also ich sehe hier nichts mit hineinsteigern, eher ungeduldig darauf drängend, dass da endlich mehr passiert.
@lukan
Mein Anspruch ist nicht Sie zu überzeugen, sondern nur Aufmerksamkeit für die genannte Perspektive zu gewinnen, deshalb ist eine Entschuldigung nicht erforderlich und Ablehnung wird anerkannt.
Um dennoch auf Ihre Punkte einzugehen:
– Sie verweisen auf die steigenden Kosten für die Gewinnung von Freiwilligen. Das betrifft nicht den Fall einer Mobilisierung und ist selbst bei aktueller Regeneration mE unbedeutend, da sich immer noch genügend Freiwillige finden. Die russischen Streitkräfte wachsen.
– Moskau und St. Petersburg ausgenommen könnten die Russen in der Peripherie ganze Dörfer zwangsweise an die Front karren, ohne innenpolitische Reibungen und die Menschen nach eingeübter Tradition so brechen, dass sie als stumpfe Sturmtruppen gegen Gräben anrennen, wie sie es in der Ukraine seit Jahren tun. Leider kein Klischee.
– Skalenmäßig bedeutsame Drohnenangriffe sind nur von staatlichen oder staatsähnlichen Akteuren zu erwarten. Gegen Terroranschläge helfen nur Nachrichtendienste. Flugabwehr zum Schutz von Truppen oder kritischer Infrastruktur ist nicht das Thema, die Kritik galt dem Ansatz umfassend defensiv gegen Shahed / Geran („Drohnenwall“) zu rüsten.
Hinsichtlich Drohnenabwehr hatte Innenminister Dobrindt heute einiges mitzuteilen.
Sämtliche Befugnisse für Kommunen, Land, Bund (Polizei und Bw) werden in einem Kompetenzzentrum zusammengefasst werden.
https://www.deutschlandfunk.de/dobrindt-plant-laut-bericht-mehr-befugnisse-fuer-bundeswehr-auch-abschuss-soll-moeglich-werden-100.html
Demnach soll etwa ein Eingreifen mit Waffengewalt möglich sein, wenn von einer Drohne eine akute Gefahr für Menschenleben oder kritische Infrastrukturen ausgehe und andere Abwehrmaßnahmen nicht ausreichten. Das betreffende „Luftsicherheitsgesetz“ wird angepasst.
Konstantin von Notz im Zusammenhang:
@KonstantinNotz
26. Sep.
„Niemand kann überrascht sein, dass #Russland seine hybriden Angriffe gegen Europa derzeit massiv verschärft. Alle Fachleute warnen seit Jahren vor dieser Entwicklung. Es straft auch alle Verharmloser und die Pressesprecher Moskaus in #AfD und #WSG Lügen“.
Es hat wahrlich keinen Sinn mehr zurückzublicken, aber die 10-jährige vermaledeite Drohnen-Verzögerung in der GroKo-Zeit ist ausschlaggebend für das aktuelle organisatorische und waffentechnische Fähigkeitsdesaster.
Zu hoffen steht, Dobrindt wird sich nachhaltig durchsetzen. Allerdings sollen laut DLF „Informationen am Morgen“ im Rahmen der Kommentierung zu obigem Bericht die Länder bereits Berücksichtigung eingefordert haben. Dies Ansinnen ist im Föderalismus Binse, bedarf keiner Betonung und wird bitte nicht in Kompetenzgerangel münden.
[Und warum fragt keiner, warum der Innenminister den bereits im Januar von der vorherigen Regierung verabschiedeten Gesetzentwurf nicht schon längst aufgegriffen hat?
https://augengeradeaus.net/2025/01/bundeswehr-soll-bei-gefahr-drohnen-in-amtshilfe-abschiessen-duerfen/
Jetzt so zu tun, als würde er machtvoll was Neues starten, ist intellektuell schon arg überschaubar. T.W.]
@ T.W.
Da stimme ich Ihnen komplett zu.
Heute gab es wieder Drohnen-Sichtungen in Dänemark.
Eigentlich ein feiner Zug Russlands, dass man den Westen lernen lässt, wie man sie ortet und bekämpft…
@Der Realist
Allerdings stellt sich – zumindest mir – die Frage wie glaubwürdig die Behauptung ist: „der Russe wars“ wenn man nicht einmal den Versuch unternimmt eine Drohne zur Auswertung (Stichwort: fremdes Wehrmaterial / FREMAT) herunter zu holen oder zumindest bis zum Absturz bzw. zur Landung zu verfolgen.
Das hätte doch über dem dänischen Stützpunkt bzw. die Verfolgung darüber hinaus möglich sein müssen. Konnte oder wollte man nicht ?
@CarloMasala1
„Man kann jetzt natürlich Jahre warten bis die Bundespolizei über die Mittel verfügt und die Konzepte hat, Drohnen abzufangen/abzuschiessen. Man kann aber auch die auf der Hand liegende Lösung wählen. Es eilt ja nicht. Diskutiert das in Ruhe aus“.
Klar lässt sich jetzt inbrünstig erörtern, weshalb Herr Dobrindt seit Verantwortungsübernahme im Mai nicht stante pede den Gesetzentwurf der GroKo weitergeführt hat, evtl weil er ihm nicht passend vorkam, oder andere Prioritäten, #nurmalso, Migration, die Agenda bestimmten?
Egal, alles nicht zielführend, da es der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland nicht dient.
Um Kompetenz fürchtend äußern Polizeigewerkschaften schon mal Bedenken:
‚Die Pläne seien „rechtlich und politisch heikel“, sagte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Dirk Peglow, dem Handelsblatt‘.
Wir haben also Zeit und machen „das mit den Fähnchen“, denn, wie sagt der Prof UniBw München: „Es eilt ja nicht. Diskutiert das in Ruhe aus“.
@KPK
Natürlich ist das „rechtlich und politisch heikel“ – es geht darum den Einsatz der Bw im Innern – ggf. außerhalb von militärischen Bereichen / Sicherheitsbereichen – abseits der üblichen und bewährten Amtshilfe gerichtsfest in Gesetze zu gießen.
Ich darf an das Luftsicherheitsgesetz erinnern und die Debatte über den Abschuß ziviler Flugzeuge (sog. Trolley-Problem).
Soll solch ein Abschuß selbstständig und eigenverantwortlich durchgeführt werden können oder muß er auch über Art. 35, 2 und 3 GG erst angefordert werden ? Oder wäre es sogar innerer Notstand gem. Art. 87 a, 4 – wobei das aufgrund der Anforderungshöhe doch unwahrscheinlich sein dürfte ?
@Thomas Melber
Ich verstehe was Sie sagen zum Sachverhalt, wie fast jeder in der Thematik Interessierte.
Nur, warum sagen Sie es?
Um mit Loriot zu sprechen, „ach was“, … Sie nicht sagen.
Von einem Vorsitzenden BDK erwarte ich in angespannter Sicherheitslage auf keinen Fall den Hinweis auf solche den Verantwortlichen ALLSEITS vertraute Rechtslage, Dobrindt kennt diese, Pistorius, der Kanzler auch.
Was soll der Hinweis also? Das riecht doch sehr nach einem Rufer, der um seine Pfründe fürchtet.
Ansonsten zitiere ich erneut den Münchner Professor: „Es eilt ja nicht. Diskutiert das in Ruhe aus“
Sicher wird sein, DAS, das kriegen wir hin.
Was ist zu erwarten?
Vor dem Hintergrund der Rechtslage Lösungswege wie die Kuh vom Eis kommt, sonst nichts.
qKPK
Sie wissen doch, daß dies ein dramatischer Paradigmenwechsel wäre und es dazu wahrscheinlich einer Grundgesetzänderung bedarf.
Das (deutsche) Problem der Trennung zwischen innerer und äußerer Sicherheit ist ja nicht neu und durchzieht viele Bereiche, z.B. auch „Cyber“. Bisher war die Gefahrenabwehr regelmäßig den Polizeien u.a. Kräften „des Inneren“ (z.B. BSI, BfV/LfV,) vorbehalten.
Die Bw hat bisher nur Aufgaben mit „Außenwirkung“ und das ändert man nicht von heute auf morgen und ggf. auch nicht ohne breiten gesellschaftlichen Konsens, der aber für mein Dafürhalten gegeben wäre.
Zum Thema der Drohnen über Polen, Dänemark und Norwegen. Ich schaue mir in letzter Zeit vermehrt Kommentare aus den USA an. Nicht selten wird da die Meinung geäussert, dass es sich dabei um False Flag Operationen der europäischen NATO Partner handelt, mit dem Ziel, die USA wieder stärker für den Konflikt mit Russland zu interessieren. Diese Kommentatoren sind sehr skeptisch was die Erfolgsaussichten solcher Maneuver anbetrifft.
Ich bin mir etwas unsicher, was ich von den Meldungen aus Dänemark und Norwegen halten soll. Es wäre nützlich, wenn es mal klarere Informationen über die Drohnen gäbe, mit denen die Luftraumverletzngen begangen wurden. Geran Drohnen wie im Fall Polen werden es ja nicht gewesen sein.
Bei Spielzeug Drohnen gleich auf die Russen zu deuten, so wie das unsere Medien tun, halte ich für falsch. In Berlin haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme mit Anschlägen auf den öffentlichen Nahverkehr und die Energieinfrastruktur zu tun gehabt. Da wurde wirklich echter und teuerer Schaden angerichtet. Bislang kam aber noch keiner auf die Idee, die Russen dahinter zu vermuten. Warum auch, Kabeldiebe oder die Wirrköpfe aus der Anarcho-Szene gibt es ja genug.
Mal angenommen die Drohnen in den Sicherheitsbereichen in Dänemark und Norwegen stellen sich als Dumme-Jungen-Streich heraus. Ist zumindest weniger gefährlich als das Blenden von Piloten im Landeanflug mit einem Laser Pointer oder das Werfen von Gullideckeln von Autobahnbrücken.
Ich will damit nicht ausschließen, das da nicht doch Provokationen durch russische Agenten dahinterstecken, aber wenn ich mir so anschaue zu was für schwachsinnige Aktionen manche Menschen fähig sind, dann ist das eben nur eine unter sehr vielen Möglichkeiten.
Was Drohnenüberflüge über militärischen Sicherheitsbereichen anbetrifft, so sollte man sie bis zu einer bestimmten Größe einfach abschießen oder zur Landung zwingen dürfen. Eine gesetzliche Grundlage, die das Konfiszieren von Drohnen erlaubt, die militärische Sicherheitsbereiche verletzen, sollte nicht so schwer zu machen sein.
[Eine dringende Bitte, können Sie auch als Aufforderung verstehen: Aussagen wie
Ich schaue mir in letzter Zeit vermehrt Kommentare aus den USA an. Nicht selten wird da die Meinung geäussert, dass es sich dabei um False Flag Operationen der europäischen NATO Partner handelt, mit dem Ziel, die USA wieder stärker für den Konflikt mit Russland zu interessieren.
sind so nach dem Motto „im Internet heißt es…“, Klar, wenn man die Kommentare der Trump-Gefolgschaft liest, dann kommt so was bei raus. Ach, dass waren gar nicht die MAGA-Extremisten? Na, dann sagen Sie doch mal wo das herkommt. Ich vermute mal, in russischen Kommentaren wird ähnliches geäußert, sollte man auch berücksichtigen?
Mit anderen Worten: Sie überspannen langsam wirklich. T.W.]
@Thomas Melber
So wie ich das verstehe, streiten sich Verteidigungsministerium und Innenministerium, wer die Zuständigkeit zur Drohnenabwehr bekommen soll. Natürlich geht es nicht nur um die Kompetenz sondern vor allem auch um das Geld dafür. Womit wir wir bei der spannenden Frage wären, woher das Geld für die Ausstattung kommen soll.
@Lukan
Tun wir und unsere Verbündeten das? Wieviele Abrams, Leopard, Leclerc und Challenger Panzer wurden denn in letzter Zeit der Ukraine übergeben?
Zitat:“Und nein, ist es nicht. Die Logik ist, die Ukraine verschafft uns Zeit. Und das tut sie, während wir Rüstung und Ausbildung hochlaufen. Und das passiert ja auch.“
Da haben Sie recht. Der Krieg in der Ukraine verschafft uns Zeit. Aber nutzen wir die auch? Wir wissen seit zwei Jahren, das es sich bei Iris-T SLM um ein effektives Waffensystem handelt. Wie viele Systeme wurden von diesem System bislang für die Bundewehr angeschafft? Mehr als eines?
Genauso lange wissen wir, dass das Gepard Waffensystem effektiv Kampfdrohnen abschießen kann. Ich verlange ja nicht, dass die Bundeswehr ein so altes Waffensystem wieder anschafft, aber was ist denn mit dem Mantis System? Wie viele Mantis Flak Panzer hat die Bundeswehr seither erhalten? Ein bis zwei zu Testzwecken?
Wie viele Leopard Panzer und wie viele Panzerhaubitze 2000 hat die Bundeswehr als Ersatz für die abgegebenen Fahrzeuge bislang erhalten?
Wie viel von der, von der Bundeswehr gelieferten Munition, wurde bislang ersetzt?
Die Radioleute beim RBB fragen jeden Regierungsvertreter, den sie vor die Mikrophone kriegen können, nach Taurus Lieferungen für die Ukraine.
Für einen Krieg mit Russland würden wir Tausende davon brauchen. Haben wir die?
Wenn Sie mehr wissen als ich, dann tun Sie sich keinen Zwang an und korrigieren mich.
Ich erkenne durchaus an, welchen Wert der Krieg in der Ukraine als ultimativer Praxistest für unsere Waffensysteme hat. Ohne diesen Krieg wäre die Öffentlichkeit nie auf die mangelnde Resilienz und die Schwierigkeiten bei der Wartung dieser hochgelobten Waffensysteme unter Feldbdingungen aufmerksam geworden.
Mein Eindruck ist, dass auch von einem „hochlaufen“ unserer Waffenproduktion, auch nach mehr als 3 1/2 Jahren, noch immer nicht viel zu merken ist.
Hier sind doch eigentlich genügend aktive Soldaten unserer Bundeswehr im Forum, die mich korrigieren könnten. Es würde mich sehr freuen, zu erfahren, wenn mein Eindruck falsch ist.
Zitat:“Und das (Anmerk. „Rekrutierungen“) geht Russland anders?“
Im Gegensatz zur Ukraine werden in Russland wehrfähige Männer nicht durch „Pressgangs“ auf offener Straße überfallen und verschleppt. In Russland werden auch noch keine Männer der Altersgruppe 60+ eingezogen. Aus Russland gab es auch nuch keine Berichte von Desertionen in dem Umfang wie es sie in der Ukraine gibt. Unsere Presse hätte uns das bestimmt nicht vorenthalten.
Und was ist mit dem personellen Ausbau unserer Bundeswehr? Unsere im Umfragetief steckenden Regierungsparteien scheuen sich, die Wehrpflicht vollumfänglich wiedereinzuführen, aber ohne einen solchen Schritt werden wir nicht vorankommen. Aber wofür brauchen wir auch mehr Soldaten, wenn wir die Ausrüstung nicht haben?
Die russische Rüstungsindustrie hat vor Beginn dieses Krieges so sehr im Dornröschen Schlaf gelegen wie unsere eigene. Wo sind die Russen heute und wo stehen wir?
Unser Problem ist zum einen eine immer noch überbordende Bürokratie und Geldmangel. Die russische Regierung hat, um die Kriegskosten zu stemmen, gerade angekündigt, die Mehrwertsteuer um 2% anzuheben. Was unser Land anbetrifft, würden mir da zuerst mal Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer einfallen.
Wir wissen nun was eine Armee in einem Krieg im Drohnenzeitalter an Waffensystemen braucht. Aber weder bei der Flugabwehr noch bei der Artillerie kommt unsere Bundeswehr voran.
Allerdings wird uns dieser Krieg in der Ukraine nicht viel mehr Zeit verschaffen. Nach den Fortschritten der Russen in diesem Jahr werden sie im Verlauf des Jahres 2026 die Gebiete der bereits annektierten Oblaste auch real vereinnahmt haben.
Angesichts der fehlenden Verhandlungsbereitschaft im Westen werden sie dann vermutlich weiter machen. Ein Angriff auf Odessa und das Abschneiden der Ukraine vom Schwarzen Meer würde die Bedrohung durch Seedrohnen beenden. Aber genauso sinnvoll wäre die Eroberung einer Sicherheitszone in den Oblasten Sumi und die Charkiv entlang der Grenze. Das würde Sabotageoperationen und Drohnenangriffe erschweren. Entsprechende Brückenköpfe hat die russische Armee ja schon.
Wir werden es erleben.
In Dänemark sind laut Medien drei zivile Schiffe und das Landungsschiff der russischen Marine im Verdacht, die Drohnen gestartet zu haben.
Abschießen wäre mit Sicherheiten EINE Option, aber dann erfährt man vermutlich nicht, wo sie her kommen, falls sie denn dorthin wieder zurückfliegen.
@DerRealist: Da stellt sich mir die Frage, inwiefern das noch als „Schattenkrieg“ oder „Hybride“ einzustufen ist, wenn militärische Mittel beteiligt sind. Merke: Die Drohnen und das Landungsschiff sind Munition und gekennzeichnetes Kriegsgerät.
@ AoR
Solange es „nur“ beobachtende Drohnen sind, wird Dänemark ruhig bleiben.
Wenn aber nachweislich Drohnen eines dieser Schiffe an Zerstörung kritischer Infrastruktur oder Schlimmerem beteiligt sind und das eindeutig bewiesen ist, werden sie das Schiff als Angreifer betrachten und es versenken.
Davon bin ich überzeugt.
@Der Realist: Davon dürfen wir ausgehen, auch von Art. 4 + 5. Und daher finde ich es so bemerkenswert. Russland verschiebt die Grenze hybrider Aktivitäten so weit wie möglich von unten an die Schwelle eines offenen Krieges. Neu ist, dass militärische Assets in Polen und Dänemark indirekt an Schadwirkung beteiligt sind.
Wie weit sind wir jetzt noch von Freischärlern, die nen estnischen Bauernhof an der Grenze besetzen, oder dass eine „völlig zivile“ Drohne in ein Umspannwerk oder Lüftungsschacht eines Serverzentrum geht? Zufällig massive KRITIS Wirkung…
@AoR
Deshalb fordert (bzw. bringt ins Spiel) Roderich Kiesewetter auch den Ausruf des Spannungsfalles (s. SPIEGEL Online, Handelsblatt):
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/drohnen-ueber-europa-cdu-politiker-roderich-kiesewetter-will-spannungsfall-ausrufen-lassen-a-672732f6-3d45-4ca9-9ac5-39e21aad3f35
Aufgrund der erforderlichen Mehrheit im BT wird das aber natürlich nicht kommen, ein Stein ist allerdings ins Wasser geworfen. Wahrscheinlich werden jetzt hektisch ChatGPT u.a. und Wikipedia konsultiert, was dies denn bedeuten würde, was für Folgen das haben könnte.
[Ich schreib‘ glaube ich schnell ein Erklärstück, bitte aber dringend! darum, das Thema jetzt nicht weiter anzuheizen. Den Spannungsfall wg. Kleindrohnen über paar kritischen Liegenschafen ausrufen? Wie weit will man dem Kreml bei seiner Narrativ-Durchsetzung noch entgegenkommen? T.W.]
@Thomas Melber: @T.W hätte auch gleich ausführlich beschreiben können, dass diese Vorderung aud x-ter Reihe damit begründet wäre, weil man dann Wehrpflicht und so… Die nordisschen Freunde machen das schon richtig, indem sie Ruhe bewahren und nicht auf den Narrativleim gehen. Ich wollte mit meinem Kommentar nur darauf hinweisen, dass schon sehr bewusst von RUS angetestet wird und das in gewisser Hinsicht auch filigran abgewogen ist. ( Randnotiz Vermerk Hausherrs Aussagen im Presseclub am Samstag)
Einen hab ich jetzt (aus aktuellem Anlass) doch noch:
1..) Im TV wird immer noch dieses eine Bild der MIG 31 von schräg unten gezeigt. Dies ist das einzige bekannte Bild. Es gibt mit Sicherheit weitere. Die wohl immer noch ausgewertet werden…
2.) Einige Politiker scheinen etwas am Rad zu drehen und den Spannungsfall zu fordern. Interessant hierbei ist das es auch den „kleinen Spannungsfall,“ zu geben scheint. Eine Vorstufe des „normalen“ Spannungsfalls, der wiederum die Vorstufe des Verteidigungsfalls ist. Keine dieser Stufen wurde je ausgerufen und meines Wissens auch nicht gefordert.
Das sollte auch so bleiben, zumindest solange nicht irgendjemand aufmarschiert oder mit Sprengstoff um sich wirft, egal von welchem Trägersystem.
[Es gibt den so geannnten Zustimmungsfall. Ich muss wohl jetzt wirklich dringend das Erklärstück schreiben… T.W.]
@Apollo 11 sagt: 30.09.2025 um 3:19 Uhr
„Das sollte auch so bleiben, zumindest solange nicht irgendjemand aufmarschiert oder mit Sprengstoff um sich wirft, egal von welchem Trägersystem.“
Sorry, aber das hört sich an wie eine Forderung aus den 80er Jahren. Klar, damals gab es noch keine Cyber-Attacken oder Störung von KRITIS durch Drohnen. Dafür muss noch nicht einmal jemand „aufmarschieren“ oder mit „Sprengstoff um sich werfen“.
Egal, was unsere Regierung beschließt, macht oder eben nicht macht, Russland fühlt sich immer provoziert. Und Deutschland ist der bevorzugte Prügelknabe, weil wir immer so schön die Schnauze halte und versuchen noch zu relativieren. Getreu dem Spruch „Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dumme ist.“. Ich habe keine Lust, der Dumme zu sein.
M.E. wäre der Spannungsfall gerechtfertigt, es würde einige Dinge auch erleichtern. Und sei es nur, die verbliebenen Reservisten, die man dringend braucht, einzuberufen und den deutschen Luftraum zu reglementieren.
Klar, das geht auch alles ohne Feststellung des Spannungsfalls, allerdings müsse dann wieder Hinz und Kunz zustimmen, es fehlt die Priorisierung etc, pp.. Mir fehlen gerade klare Ansagen wie z.B. „Wer den deutschen Luftraum unbefugt verletzt, egal ob bemannt oder unbemannt, wird, nach zweimaliger versuchter Kontaktaufnahme durch Funk und Sicht, zur Landung gezwungen oder (als letztes Mittel) abgeschossen.“ Oder „Zivile Drohnenflüge dürfen nur noch von zertifizierten Drohnenführern nach vorheriger Anmeldung (48 Stunden) bei der zuständigen Polizeidirektion durchgeführt werden. Missachtung wird bestraft, die Drohne eingezogen und vernichtet.“
Ich würde mich gerne beschützt fühlen, das ist momentan nicht der Fall. Und wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis so umhöre, dann ist das alles ganz schrecklich, aber wichtiger ist der nächste Trip zum Ballermann und ausgiebiger wird über den Bierpreis auf der Wies´n diskutiert. Wir haben vielleicht in Deutschland den Schuß gehört, aber haben ihn für den Begrüßungsböller zum Feuerwerk gehalten.
Vielleicht geht das alles auch ohne den Spannungsfall festzustellen, aber ich befürchte, es wird dann weiter so wie bisher rumgeeiert.
@Pio-Fritz: Unser Eid formuliert, „… der BUNDESrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Von „Hinz und Kunz“ ist da keine Rede.
Leider hinter Paywall, aber das ist wohl das Playbook:
https://www.spiegel.de/geschichte/ukraine-krieg-historiker-bernd-greiner-ueber-luftraumverletzungen-heute-und-im-kalten-krieg-a-a4dc72bb-3a4c-4140-b661-1d639afb75d9
Historiker über Provokationen im Kalten Krieg und heute
»Putin will die Nato zu unbedachten Reaktionen provozieren«
Spionageflüge und Scheinangriffe mit Bombern: Im Kalten Krieg setzten Sowjetunion und Nato sich unter Dauerstress. Historiker Bernd Greiner erinnert an Abschüsse, gefährliche Missverständnisse und warnt vor einer Eskalation.
Ein Interview von Christoph Gunkel
30.09.2025, 15.59 Uhr
@Heiko Kania sagt: 30.09.2025 um 14:22 Uhr
Ach, come on. Sie waren lange genug Soldat um zu wissen, wo die Unterschiede in den Entscheidungswegen liegen und wer im Friedensfall alles zu beteiligen ist. Das geht schon beim Arbeitgeber des Reservisten los, der zustimmen muss und endet bei der EU-Arbeitszeitverordnung etc.pp..
Und dann haben Sie eben Hinz und Kunz im Windschatten.