Personalstärke Mai 2026: Mit Schwankungen bleibt es unter 186.000
Nachdem die Zahl der aktiven Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr im April leicht gestiegen war, ging sie im Mai dieses Jahres wieder zurück – mit den auch vom Ministerium angekündigten saisonalen Schwankungen bleibt die Gesamtstärke damit vorerst weiterhin unter 186.000. Im vergangenen Monat wirkten der Rückgang der längerdienenden Zeitsoldaten bei gleichzeitigem erneuten Anstieg der Berufssoldaten, vor allem aber eine um rund 500 geringere Zahl der Freiwillig Wehrdienst Leistenden aus.
Die Statistik für Mai 2026, am (heutigen) Montag wie üblich unter dem immer gleichen Link veröffentlicht (hier bleibt es der Vergleichbarkeit wegen weiterhin bei dem seit Jahren verwendeten Schema):
Insgesamt leisten 185.608 Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst bei der Bundeswehr
Bundesministerium der Verteidigung 1.074
unmittelbar nachgeordnete Dienststellen 3.916
Heer 64.295
Luftwaffe 28.695
Marine 15.910
Cyber- und Informationsraum 13.695
Unterstützungsbereich 47.606
Bereich Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen 1.115
Bereich Ausrüstung, Informationstechnik, Nutzung 1.925
Bereich Personal 7.377
davon bis zu 5.400 Studierende an Bundeswehr-Universitäten
Berufssoldat*innen 59.889
Soldat*innen auf Zeit lang (ab 2 Jahren Dienstzeit) 112.975
Soldat*innen auf Zeit kurz (12 bis 23 Monate) 4.222
Freiwillig Wehrdienstleistende (6 bis 11 Monate) 8.522
Dienstgradgruppen (gerundet)
Generale/Admirale 220
Stabsoffiziere 15.630
Offiziere 23.460
Unteroffiziere mit Portepee 62.940
Unteroffiziere ohne Portepee 27.920
Mannschaften 55.430
Die Zahl der Frauen in den Streitkräften:
25.346 Soldatinnen sind aktuell bei der Bundeswehr; mehr als 13 Prozent (beträgt der) Anteil der Soldatinnen bei der Bundeswehr
Verteidigungsministerium 74
unmittelbar nachgeordnete Dienststellen 475
Heer 5.002
Luftwaffe 3.017
Marine 1.794
Cyber- und Informationsraum 1.409
Unterstützungsbereich 11.730
Personal 1.573
Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen 141
Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung 131
Laufbahngruppe/Laufbahnen (auch Anwärterinnen)
Offizierinnen 7.193
Unteroffizierinnen mit Portepee 9.099
Unteroffizierinnen ohne Portepee 3.411
Mannschaften 5.643
Status
Berufssoldatin 6.101
Zeitsoldatin lang 17.203
Zeitsoldatin kurz 650
Freiwilligen Wehrdienstleistende 1.392
Die wie üblich von einem Leser (vielen Dank!) aktuell gehaltene Liste zur Übersicht:
Mai_2026_BWPers
Die gesonderte Statistik zu den Zivilbeschäftigten – analog zu den Soldat*innen nach Teilstreitkräften und Organisationsbereichen aufgeschlüsselt; zusätzlich werden Militärseelsorge und Rechtspflege ausgewiesen.
Beschäftigt sind 81.310 zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Bundesministerium der Verteidigung 1.855
unmittelbar nachgeordnete Dienststellen 1.607
Heer 2.467
Luftwaffe 4.729
Marine 1.820
Cyber- und Informationsraum 1.852
Unterstützungsbereich 11.231
Bereich Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen 32.796
Bereich Ausrüstung, Informationstechnik, Nutzung 11.576
Bereich Personal 10.798
Militärseelsorge 486
Rechtspflege 93
Der Anteil von Frauen am zivilen Personal wird nur nach Statusgruppen ausgewiesen:
Von den insgesamt 81.310 zivilen Beschäftigten sind 32.138 Frauen (rund 40 Prozent), die in allen Bereichen der Bundeswehr tätig sind.
Beamtinnen insgesamt 11.041
im höheren Dienst 2.297
im gehobenen Dienst 4.644
im mittleren Dienst 4.084
im einfachen Dienst 16
Arbeitnehmerinnen 19.129
im Vorbereitungsdienst, in einem Ausbildungs- oder Praktikantenverhältnis 1.968
(Stand 31. Mai 2026)
Die frühere ausführliche Statistik der Personalstärke in den Auslandseinsätzen und einsatzgleichen Verpflichtungen wurde durch die Gesamtzahl nur in den Auslandseinsätzen ersetzt. Der Stand vom 8. Juni 2026:
Insgesamt sind 701 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr unmittelbar bei Auslandseinsätzen eingesetzt.
Darüber hinaus gibt es noch die Anerkannten Missionen.
(Die diversen Anerkannten Missionen wie z.B. die NATO-Battlegroup oder auch die neue Panzerbrigade 45 Litauen sind eben damit nicht erfasst.)
Den Service von Augen geradeaus!, die Vergleichszahlen, gibt es auf einer gesonderten Übersichtsseite.
(Foto: Panzergrenadiere nutzen die Deckung neben dem Schützenpanzer Puma bei der dynamischen Vorführung am Tag der Bundeswehr 2026 in Munster am 06.06.2026 – Carl Schulze/Bundeswehr)
Wen wundert das noch. Der Dienstherr ist im Moment so umtriebig wie ich es in den letzten 12 Jahren nicht erlebt habe. Beim Wehrpflichtgesetz hektisch verschlimmbessert, das kommunikative „Missgeschick“ beim Thema Beförderung zum Stabsfeldwebel und jetzt das neue Gesetz zur Stärkung der Reserve. Auch wenn letzteres noch nicht die Aufmerksamkeit in der medialen Öffentlichkeit gefunden hat, so hat sich hier schon die Fachpresse ein Urteil gebildet.
Alle diese Fauxpas senden doch ein klar verständliches Signal an die Öffentlichkeit: Haltet euch um Himmelswillen fern von der Bundeswehr!
[Den Link hinter Ihrem Nick verstecken ist ein bisschen unsinnig, ich hole den mal hier rüber:
https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/reservestaerkungsgesetz-geplant-reservisten-wehrpflicht-einmal-soldat-immer-soldat
T.W.]
Sehr guter Webseitenverweis oben..
Mich würde mal interessieren wie das „früher“ im kalten Krieg gehandhabt wurde.
In meinem Fall ( W 15 ) kam es zu drei Wehrübungen innerhalb von 10 Jahren, von 1986 bis 1992, ein Termin wurde verschoben da Uni-Prüfung ( Staatsexamen ).
Zitat aus dem Link oben:
„Bislang setzte die Bundesregierung bei der Reserve auf das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit: Gegen den Willen der Betroffenen und ihrer Arbeitgeber wurde niemand zum Wehrdienst herangezogen.“
Bezieht sich dieser Satz auch auf die Anwendung vor 1990 ?
Im Grunde wäre eine Einziehung heute gegen den Willen von Arbeitgeber UND Soldat ein völliges Desaster, vor allem PR-mässig. Mit dem Zusatz-SuperGAU einer möglichen Gerichtsentscheidung das Frauen ausgenommen sind…
Am Ende des Prozesses könnte auch eine Situation stehen das (fast) nur noch Staatsdiener, also meist Beamte, eingezogen werden.
Schon in diesem Jahr kam es ja zu dieser juristischen Vollpanne mit der Abmeldungspflicht schon in Friedenszeiten bei Auslandsaufenthalten von über 3 Monaten.
Man kann bei diesem juristischen Personal im Ministerium weitere Pannen wohl nicht ausschliessen sollte wieder am Gesetz gedreht werden…
Hier der Verweis zum Referentenentwurf. Interessant aus meiner Sicht (hatte den Text aber nur überflogen):
– Erhöhung des möglichen Dienstalters auf 68 Jahre (Freiwilligkeit und dienstliches Erfordernis)
– die Möglichkeit auch zur PzBrig 45 einzuziehen
https://www.bmvg.de/de/service/gesetze-und-verordnungen/entwurf-eines-gesetzes-zur-staerkung-der-reserve-6107410
Boote, die auf Grund von Personalmangel nicht mehr zu See fahren können: 4…
Ich verstehe nicht so recht, was das für ein Rumgeeiere mit den Wehrübungen ist. In der Schweiz wird meines Wissens routinemäßig zu Wehrübungen herangezogen, was rechtzeitig öffentlich bekanntgegeben wird und jedem Arbeitgeber bekannt ist. Glauben wir jetzt eigentlich, dass eine akute Bedrohungssituation bevorstehen könnte oder halten wir das für Mumpitz? Wenn ein Arbeitnehmer in Deutschland zwei Wochen krank ist, wird der Arbeitgeber auch nicht um Erlaubnis gefragt.
Von einer mentalen Zeitenwende sind wir noch meilenweit entfernt.
Mai 2026 vs Dez 2025
Berufssoldat*innen 59.889 (+442)
Soldat*innen auf Zeit lang (ab 2 Jahren Dienstzeit) 112.975 (+397)
Soldat*innen auf Zeit kurz (12 bis 23 Monate) 4.222
Freiwillig Wehrdienstleistende (6 bis 11 Monate) 8.522
4222+8522 = 12.744 (+575)
Es bleibt bei Stagnation und das Ziel bei den Saz-kurz + FWDL von 20.000 in 2026 rückt in immer weitere Ferne…
@Der Halbblutprinz, 15.06.2026, 16:22 Uhr:(br)
„Wen wundert das noch…. das kommunikative „Missgeschick“ beim…“
Missgeschick?
Desaster, Super-Gau (Danke @ Apollo11), Nachweis der Inkompetenz, Steuergeld-Verbrennung, Verletzung des Treueeides, nicht vorhandene Aufsicht/Prüfung,…etc.
trifft es wohl eher..(br)
Wenn das so weitergeht, hat man bald die letzten, die vor 20 Jahren nicht einmal BS-Antrag hätten stellen brauchen, übernommen. Von Qualität braucht man da nicht mehr sprechen.
Hauptsache, das BMVg liefert dem BM positive Zahlen, koste es, was es wolle.
Unglaublich!!!
Truppe. Ohne. Zukunft.
@ OFA d.Res.
—> zur Bedrohungslage
Der NATO-Oberbefehlshaber hat vor wenigen Tagen verlautbart, dass er nicht erkennen kann, Russland würde eine Konfrontation mit der NATO suchen.
Wer ständig von Angst getrieben ist, dass es 2029 zum Krieg kommt, der macht Fehler. Juristische Fehler lassen sich korrigieren. Gleichwohl trägt es dazu bei, dass sich zahlreiche Menschen von der Bundeswehr abwenden.
Ansonsten ist eines vollkommen klar: die Bundeswehr stellt gerade im militärischen und zivilen Bereich alles ein, was zwei Beine hat. Und selbst das reicht offensichtlich nicht.
Zu Apollo 11 15.06.2026 um 17:38 Uhr:
Doppelte Freiwilligkeit bezieht sich auf die aktuelle Lage! Ohne eine Einverständniserklärung des Arbeitgebers (mit offiziellem Formular Bw-5119) brauche ich mich beim Beorderungstruppenteil oder dem BAPers gar nicht melden. Entweder bekommt man die Freigabe für einen genauen Übungszeitraum oder für das ganze Jahr.
Ich glücklicherweise zum Beispiel bisher immer direkt für das ganze Jahr. Abwesenheiten, ob für RDL Wochenenden, Übungsplatzaufenthalte oder Urlaub, muss ich sowieso im Team abstimmen.
Staatsdiener an sich, zumindest im Bekanntenkreis, haben es meist sogar schwerer für RDL freigestellt zu werden als ich in der Wirtschaft.
Ich folge dieser Seite jetzt seit etwa 2012. Hat sich bei diesem Thema seither etwas substanziell verändert oder gar gebessert? Kann mich noch erinnern wie der User
“Koffer“ (gibt es den noch?) immer vehement die Personalführung und den Aufwuchs verteidigt hat. Das wirkt mittlerweile wie Satire.
Und bei den Reservisten ist es nicht anders, wie ich seit 5 Jahren selber erlebe. Ich hätte bis heute keine einzige Wehrübung gemacht, wenn ich mich nicht kurz vor dem Ausscheiden selber darum gekümmert hätte.
Die Personalführung bei der Bw bleibt seit der Aufstellung des BAPersBw Bw ein Trauerspiel.
Man darf mal wieder festhalten, das Geld ist es offensichtlich nicht, warum die SaZ kurz nicht kommen. Wenn ich mir das so anschaue, und außerhalb der Blase denke, sind es auch nicht Vorfälle wie die Beförderung zum Stabsfeldwebel oder ähnliches. Das interessiert den Großteil der Bevölkerung nicht, das bekommen die wahrscheinlich noch nicht mal mit.
Unsere jungen Leute haben anscheinend keine Lust, etwas für diesen Staat zu tun. Bei uns werden gerade händeringend Bufdi´s gesucht. Auch diese sind Mangelware.
Wir sollten aufhören, so weichgespült zu kommunizieren, was militärische Gefahren von außerhalb angeht. Im Verteidigungsfall gilt die Wehrpflicht, so oder so. Dann gehen die eben nach Kurzausbildung an die Front und lernen es auf die ganz harte Tour.
@Pio-Fritz
> Im Verteidigungsfall gilt die Wehrpflicht, so oder so. Dann gehen die eben nach Kurzausbildung an die Front und lernen es auf die ganz harte Tour.
Das ist doch allen klar und wird auch so in Politik, Bundeswehr und Bevölkerung im Stillen anerkannt. Im Grunde spielen alle das gleiche Spiel, eben nur aus unterschiedlichen Positionen: Die Politik, indem sie die Wehrpflicht nicht einsetzt, die Bundeswehr, die den Wasserkopf hegt und pflegt, die Zivilisten, die auf Frieden wetten. Es ist doch völlig offensichtlich, dass die Bundeswehr mit einem Fleischdispositiv plant, schauen Sie sich die Verteilung über die Dienstgradgruppen an. Es greift zu kurz die Zivilisten zu kritisieren und ihnen mangelndes Engagement vorzuwerfen. Das ist mittlerweile ein strategisches Feature.
Das einzig positive der Mai Zahlen ist, dass der Anteil der SaZ kurz weiter ansteigt! Von den 20.000 SaZ kurz & FWDL, die die BW dieses Jahr erreichen will, fehlen noch 7.500 zusätzliche Soldaten! Und nur dann, wäre die Gruppe der Mannschaften größer als die UmP. Dazu müssen noch alle Abgänge bei FWDL ausgeglichen werden. Einen solchen erheblichen Zustrom von freiwilligen Soldaten kann ich mir in den nächsten Monaten nicht vorstellen. Die BW müsste die Zahl der FWDL & SaZ kurz in 7 Monaten um 60 % steigern und 60 % mehr durch die Grundausbildung schleusen. Ferner haben wir bisher eine Abbruchquote von 25 % in den ersten 6 Monaten und die BW hat bisher keine Zahlen veröffentlicht, dass die Abbrecherquoten bisher signifikant besser geworden wären. Nur eine echte Wehrpflicht würde diese Abbrecherquoten beseitigen. Um die Sollstärke/Höchststärke an FWDL der BW Reform 2011 zu erreichen von 12.500 hat die BW 15 Jahre gebraucht! Die Schulferien enden im August/September, so dass im September/Oktober die Einstellungszahl en explodieren müssten, wenn die BW ihr Ziel erreichen will. Dann gibt es keine saisonale Ausreden mehr!
Florian Staudte sagt: 16.06.2026 um 7:06 Uhr
„Der NATO-Oberbefehlshaber hat vor wenigen Tagen verlautbart, dass er nicht erkennen kann, Russland würde eine Konfrontation mit der NATO suchen.“
Naja, so unreflektiert würde ich diese Aussage nicht übernehmen. Erstmal ist der SACEUR traditionell, und auch jetzt, ein US-Amerikaner. Er vertritt natürlich auch vorwiegend us-amerikanische Interessen.
Auffällig ist doch auch, das berichtet wird, er suche Alternativen für eine strategische Stabilität Europas nach der Zeit des us-amerikanischen Truppenabzugs. Dazu die Aussage „Russland sucht keinen Konflikt“ lässt doch tief blicken, woher der Wind weht. Sie steht ja auch nicht diametral gegen die Aussage der europäischen Regierungen, Russland könne 2029 oder 2030 soweit sein, den Konflikt zu beginnen.
Rationalität darf man von Putins Russland nicht erwarten, da geht es nur um Machterhalt. Es besteht kein Grund, sich entspannt zurück zu lehnen.
@Pio-Fritz
Zwar OT, aber: der Zeithorizont 2029/2030 ist m.E.n. gewählt worden da man bis dahin mit einer – auch öffentlich sichtbaren – Verbesserung der Lage der Bw rechnet, ansonsten ist die Zielplanung sogar auf 2035 ausgerichtet (Vollausstattung, u.a.).
Nur selten wird geäußert, daß ROT keinen Grund hat zu warten bis wir ansatzweise kriegstüchtig geworden sind. Sollte der Krieg in der Ukraine dieses oder bis Anfang nächsten Jahres enden wäre Rußland wohl Ende 2027 oder bis Mitte 2028 zum Losschlagen bereit. Das neu produzierte Material geht ja in die Depots und nicht an die Front und in Rußland läuft die Kriegswirtschaft auf Hochtouren, ggf. über einen Friedensschluß hinaus und evtl. von Importrestriktionen (Elektronik) befreit.
Rußland hätte dann immer noch einen Edge z.B. bei Drohnen und Deep Strike Fähigkeiten, warum also warten ? Die Balance würde sich nur zu Ungunsten Rußlands verschieben, umgekehrt entsprechend zu 1914 als das DR zwar keinen Krieg mit dem Zarenreich wollte aber wenn er denn käme (kam ja dann auch) es besser wäre, er käme gleich wg. der russischen Verbesserungen beim Aufmarsch (Eisenbahn, Organisation der Mobilmachung).
@Pio-Fritz 16.06.2026 um 12:00 Uhr
> Rationalität darf man von Putins Russland nicht erwarten, da geht es nur um Machterhalt.
Worum geht es Ihnen mit dieser Aussage? Erfordert erfolgreicher „Machterhalt“ nicht ein Höchstmaß an Rationalität? Die Verbreitung von Angst und Schrecken beim Gegner, und unter der eigenen Bevölkerung, kann ein sehr rational eingesetztes Instrument sein, genau so wie bewusst eingesetzte Ambiguität.
Was wollen Sie uns eigentlich sagen? Sätze mit „da geht es nur um …“ sind stets suspekt.
@12345ABCDE sagt: „Es ist doch völlig offensichtlich, dass die Bundeswehr mit einem Fleischdispositiv plant, schauen Sie sich die Verteilung über die Dienstgradgruppen an.“
Wie bitte? „Fleischdispositiv“?
Wollen Sie hier einen auf dicke Hose machen, und der Bw tatsächlich unterstellen, sie schicke die niedrigen Ränge in einen Fleischwolf?
Welche Absichten haben Sie mit solchen Bemerkungen? Wollen Sie Wehrzersetzung betreiben, für wen?
[Jetzt greife ich mal ein und bitte beide (!) dringend um ein bisschen mehr Sorgfalt bei der Wortwahl. Danke. T.W.]
Florian Staudte sagt: 16.06.2026 um 7:06 Uhr
„Der NATO-Oberbefehlshaber hat vor wenigen Tagen verlautbart, dass er nicht erkennen kann, Russland würde eine Konfrontation mit der NATO suchen.“
Da mag es allerlei politische Gründe für die Aussage geben, zu trauen ist ihr auf keinen Fall. Außerdem ist den Deal-Absichten seines Präsidenten genausowenig zu trauen, vielleicht ist der gerade an russischen Rohstoffen und an einem potentiellen russischen Absatzmarkt eher interessiert als an der wirtschaftlichen Konkurrenz aus Westeuropa. Das amerikanische Engagament liegt ja auch eher in Nah- und Fernost, da passt eine innereuropäische Front nicht gut ins Kalkül.
Die russische Truppenkonzentration an der NATO-Ostgrenze und vielfältige Aktivitäten, hybrid und direkt, sprechen eine ganz andere Sprache. Deshalb sehen es die Skandinavier, Balten und Polen auch ganz anders.
@A. Metzger
Interessante Namenswahl in dem Kontext. Die „Fleischwölfe“ bleiben aber Ihr Metier. An meinem Kommentar erkenne ich außer der unsensiblen Wortwahl nichts Verwerfliches. Eine Armee, bei der 3,72 Mannschaften und Unteroffiziere pro Offizier im Dienst stehen, ist eine keine Berufsarmee, die aus sich heraus LV-BV leisten soll, sondern eine, die auf die Wehrpflicht wartet. @Pio-Fritz hatte es treffend beschrieben.
Um noch auf Ihre Anmerkungen einzugehen. Dass in einem LV/BV-Szenario die Verluste verhältnismäßig zur (dann bestehenden) Dienstgradpyramide anfallen und eine Wehrpflicht vor allem fehlende Mannschaften generiert, dürfte unstrittig sein. Der Begriff der Wehr(kraft)zersetzung hat einen gewissen historischen Kontext, falls Ihnen das nicht bekannt war. Wenn Sie Anzeige erstatten wollen, beziehen sich besser auf die sog. „Störpropaganda“. Viel Erfolg damit.
Ich bewundere ja TW dafür, dass er jeden Monat aufs Neue die Kommentarfunktion hier freischaltet – obwohl es nach fünf Minuten wieder bei „Der Russe kommt, es geht nur mit Wehrpflicht“ landet.
Weil jedesmal das Geld Thema ist:
Der Sold von 2.700–2.900 € für SAZ kurz ist ein ganz normales Einstiegsgehalt für Menschen im ersten Berufsjahr. Der gelernte Beruf eines G/OG ist halt Soldat.
Zum Vergleich: Einstiegsgehalt im 1. Jahr im Handwerk liegt bei ca. 2.400–3.000 € und als Abiturient mit Ausbildung bei ca. 2.800–3.500 €.
Obergefreite sind keine ungelernten Hilfskräfte oder Auszubildende im 1. Lehrjahr, sondern von Beruf Soldat und damit vergleichbar mit Elektrikern, Dachdeckern, Heilerziehungspflegern und anderen Berufseinsteigern.
Der Sold ist also nicht exorbitant hoch, sondern ganz normal im Mittelfeld für Berufseinsteiger.
Der SAZ kurz wurde zu sehr als niedrigschwellige Möglichkeit für einen Karriereeinstieg bei der Bundeswehr konzipiert. Er ist aber unattraktiv, wenn man nicht verlängert.
Damit zu den Nachteilen:
• SAZ haben anders als FWDL keinen Kindergeldanspruch mehr für sich selbst.
• Sie bekommen nur ca. 9.000 € Übergangsgeld brutto.
• Keine zivil nutzbare Ausbildung!
• Die Rentenversicherung wird nur mit 0,7–0,8 Rentenpunkten nachversichert.
• Keine Arbeitslosenversicherung.
• Keine Krankenversicherung (während der Dienstzeit nur unentgeltliche truppenärztliche Versorgung und nicht wie früher die freie Heilfürsorge).
• Nach der Ausbildung (6 Monate) besteht in der Regel kein Anspruch mehr auf Truppenunterkunft.
Dazu noch die fast Lebenslange Verpflichtung zum Reservedienst…
Den polemischen Teil, wo ich über die Führerschein-Prämie, das fehlende graue Tuch oder manche Kommentare hier schimpfe, spare ich mir mit Rücksicht auf die Nerven des Hausherrn.
@Sprücheklopfer sagt: 16.06.2026 um 16:33 Uhr
„Was wollen Sie uns eigentlich sagen? Sätze mit „da geht es nur um …“ sind stets suspekt.“
Was möchten Sie mir denn gerne unterstellen?
Ihr Nick ist hoffentlich nicht Programm…
@ Thomas Melber Wie viele Soldaten haben die Russen mehr als die europäischen NATO- und die EU-Staaten? Da sieht es doch sehr ausgeglichen aus, oder? Bevölkerungsmäßig steht es über 3:1 für uns. Wenn es konventionell bleibt und bei der Performance der Russen in der Ukraine, mache ich mir keine Sorge. Wenn denn doch alles so schlimm ist, warum eiert die Politik dann so rum? Wir müssen die PS auf die Straße bringen. Oder schicken wir unseren ostwärtigen Nachbarn als Beistand einen Brief?
@ Pio-Fritz
Seit 2014 sollte sich überhaupt niemand zurücklehnen. Die politische und militärische Elite unseres Landes hat die Bundeswehr in einem historischen Maß heruntergewirtschaftet, dass wir nicht einmal gegen das THW von Luxemburg gewinnen könnten.
Das unsägliche Dramatisieren von „2029“ und „Russland könnte…“ soll m.E. nur von den unverzeihlichen Fehlern ablenken. 2029 könnte einfach auch gar nichts passieren. Russland kann keinen konventionellen Krieg gegen die NATO gewinnen. Jetzt nicht und auch 2029 nicht.
Mit dem Aufwuchskurs der Bundeswehr mit den gigantischen Kosten, den ich als deren Angehöriger ganz direkt miterleben kann, brechen wir uns selbst finanzpolitisch das Genick.
Zum Thema: Um die Quoten zu erfüllen werden Leistungsanforderungen gesenkt. Quantität vor Qualität. Wieder einmal fehlt „Maß und Mitte“. Es geht alles immer nur extrem in eine Richtung.
@Giordano Bruno 16.06.2026 um 19:06 Uhr
> • Keine zivil nutzbare Ausbildung!
Der einzige Punkt, dem Sie ein Ausrufezeichen geben. Ich finde zurecht.
Doch schauen wir uns doch mal die militärische Ausbildung an, die in der Zeit durchlaufen wird.
Welche Kenntnisse und Fähigkeiten werden vermittelt? Sind die nichts wert für das zivile Leben?
Welchem zivilen Berufsabschluss würde das entsprechen?
Gäbe es die Möglichkeit mit einem zivilen Berufsabschluss die Bw zu verlassen?
@Giordano Bruno: Ich habe noch keinen ernstzunehmenden Kommentar gesehen, der mich davon überzeugt hätte, dass es ohne Wehrpflicht „ginge“. Ob es nun „der Russe ist“, „der Chinese“ oder möglicherweise sogar irgendwann einmal „der Ami“ (so wild, wie dort manche Irrlichtern ist mir nicht einmal unser „Erzfreund“ jenseits des Atlantiks uneingeschränkt geheuer). Das Problem ist nicht das stehende Heer für die Friedenszeit, das Grundproblem ist die Aufwuchsfähigkeit im Verteidigungsfall. Wenn man erst dann anfängt, junge Menschen militärisch grundlegend an der Waffe auszubilden, wenn die 185.000 vorhandenen Nasen soweit möglich schon mit Kriegsführung befasst sind, nützt kein Geld der Welt mehr etwas.
Und da sind weite Teile der Bevölkerung anscheinend mental schon etwas weiter als Sie, wie selbst eine kurze Google-Suche belegt:
Immerhin 61% der männlichen Befragten unter 50 Jahren gaben 2024 an, Deutschland im Falle eines Angriffs mit der Waffe verteidigen zu wollen. Das war 2021 noch anders mit 52%. Der Ukrainekrieg hat da offenbar ein Umdenken in Gang gesetzt. Immerhin 49% aller Befragten sind für die Wehrpflicht, bei den 16-29-Jährigen sind es nur 37% gewesen.
Quelle ist das ZMSBw. „Für ihre jährliche Bevölkerungsbefragung befragte das ZMSBw zwischen dem 18. Mai und 23. Juni 1.956 zufällig ausgewählte Personen in persönlichen Interviews. Die Stichprobe ist den Angaben zufolge repräsentativ für die deutschsprachige Bevölkerung ab 16 Jahren.“ Link zum Artikel gibt es aus den bekannten Gründen nicht.
@Y-998201 sagt: 16.06.2026 um 20:47 Uhr
„Wenn es konventionell bleibt und bei der Performance der Russen in der Ukraine, mache ich mir keine Sorge. Wenn denn doch alles so schlimm ist, warum eiert die Politik dann so rum?“
Ich mache mir schon Sorgen. Vielleicht weniger um die Front, aber die ständigen Angriffe auf die Infrastruktur im Hinterland, besonders die Energieversorgung, sind schon zermürbend und existenziell. Und Westeuropa ist in großen Teilen auf solche Szenarien nicht vorbereitet.
Und warum die Politik rumeiert? Dann schauern Sie doch mal in die aktuellen Umfragen. Wehrpflicht und aktuelle Bedrohungslage steht da nicht ganz vorne, eher im Mittelfeld. Der durchschnittliche Wähler hat andere Sorgen, die Gesundheitsreform, marode Verkehrsinfrastruktur, (gefühlte) Inflation und Migration.
Die letzten beiden Themen sind natürlich Ausfluss aus dem Bullshit-Bingo einer Partei, die gerade in den neuen Bundesländern sehr stark ist. Aber die ist ja auch für Annäherung und gute Beziehungen zu Putin´s Russland.
@Giordano Bruno sagt:
16.06.2026 um 19:06 Uhr
Weil jedesmal das Geld Thema ist:
Der Sold von 2.700–2.900 € für SAZ kurz ist ein ganz normales Einstiegsgehalt für Menschen im ersten Berufsjahr. Der gelernte Beruf eines G/OG ist halt Soldat.
Zum Vergleich: Einstiegsgehalt im 1. Jahr im Handwerk liegt bei ca. 2.400–3.000 € und als Abiturient mit Ausbildung bei ca. 2.800–3.500 €.
Obergefreite sind keine ungelernten Hilfskräfte oder Auszubildende im 1. Lehrjahr, sondern von Beruf Soldat und damit vergleichbar mit Elektrikern, Dachdeckern, Heilerziehungspflegern und anderen Berufseinsteigern.
Der Sold ist also nicht exorbitant hoch, sondern ganz normal im Mittelfeld für Berufseinsteiger.“
Das ist Äpfel mit Birnen vergleichen:
1.
Sind „Elektrikern, Dachdeckern, Heilerziehungspflegern und anderen Berufseinsteigern.“ nach ihrer Ausbildung auf Facharbeiterniveau.
Weshalb Bewerber mit entsprechenden Abschlüssen bei Bedarf und Eignung nicht im untersten Dienstgrad, wie ein SaZ-kurz eingestellt werden, sondern als Uffz bzw. StUffz.
Auch bundeswehrintern gelten FWDL und SaZ-Mannschaften als Hilfsarbeiter, unter dem Facharbeiterniveau der Fachdienstunteroffiziere.
2.
Beim Verdienst
FWDL und SaZ-kurz zahlen nur die Lohnsteuer, aber keinerlei Sozialabgaben wie die zivilen Berufseinsteiger auf Facharbeiterniveau.
@Giordano Bruno sagt: 16.06.2026 um 19:06 Uhr
„Der Sold von 2.700–2.900 € für SAZ kurz ist ein ganz normales Einstiegsgehalt für Menschen im ersten Berufsjahr. Der gelernte Beruf eines G/OG ist halt Soldat.“
Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.
Sie übersehen ganz geflissentlich, das der Handwerker 3 – 3,5 Jahre Ausbildungszeit mit Berufsschule und Prüfung vor der Handwerkskammer hinter sich hat. Zu einem wesentlich niedrigerem Salär. Und ein Abiturient ohne Ausbildung oder Studium kommt da auch nicht hin.
Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, der Mannschaftssoldat ist nach seiner Ausbildung (die im Regelfall auch nicht 3 Jahre dauert) eben nicht der Maurer, sondern der Bauhelfer. Klar, der kann was, aber eben nur in einem begrenzten Spektrum.
Nicht von ungefähr müssen die meisten ausgeschiedenen Mannschaftssoldaten nach ihrer Dienstzeit erstmal eine berufliche Qualifikation erwerben. Selbst wenn sie in einem Sicherheitsdienst arbeiten wollen, brauchen sie zumindest eine Zusatzqualifikation.
Das Thema hatten wir hier schon mehrfach. Und die Industriejobs, wo man ähnlich oder mehr Geld als angelernter Arbeiter verdienen konnte, gehen schon seit einer Weile den Bach runter. Das erledigt u.a. die Automation.
Giordano Bruno sagt:
16.06.2026 um 19:06 Uhr
„Weil jedesmal das Geld Thema ist:“
Sie vergleichen leider Äpfel mit Birnen. Die Bruttobeträge zu vergleichen, bringt hier nichts. Soldaten zahlen keine Sozialabgaben. Somit ergeben sie Netto (St.Kl 1, Kirche NRW):
SaZ kurz bei ca. 2900 EUR brutto = 2600 EUR Netto
Einstiegsgehalt 3.500 € Wirtschaft = ca. 2300 EUR Netto
SaZ kurz hat also Netto mehr raus als bei ihren Beispiel der Abiturient mit 3500 EUR Einstiegsgehalt in der Wirtschaft. Entlassungsgeld / Übergangsbeihilfe kommt ggf. on-Top noch dazu.
„“Freiwillig ist der Wehrdienst.“ Wer diesen antrete, wisse, „dass anschließend für ihn eine Verpflichtung daraus folgt, auch Reserveübungen durchzuführen“. (Zitat: B. Pistorius)
Er scheint also die Nichtverweigerung oder das fehlen phantasievoller Geschichten im Rahmen der Musterung mit freiwilligem Wehrdienst gleichzusetzen.
Wehr der Wehrpflicht unterlag und gezogen worden ist, hat sicher nicht freiwillig gedient, sondern passiv die Staatsbürgerliche Pflicht erduldet. Wie man daraus eine Freiwilligkeit konstruieren kann, ist mir schleierhaft.
Wenn weder ein realer Gewissenkonflikt für eine Verweigerung vorgelegen hat, noch irgendwelche Gründe zur Ausmusterung, war man dran. Daher habe ich auch keiner weitergehenden Dienstleistung zugestimmt.
@Metallkopf 17.06.2026 um 8:04 Uhr
> Und da sind weite Teile der Bevölkerung anscheinend mental schon etwas weiter als Sie …
Darf ich fragen, wie Sie selbst mental aufgestellt sind, wenn Sie Soldaten despektierlich als „Nasen“ bezeichnen?
Geht es Ihnen darum, mit solcher Wortwahl hier in den Kommentaren „Street-Credibility“ aufzubauen?
Finden Sie, dass ein solcher Gassen-Slang in und außerhalb der Kasernen dem Ansehen der Bundeswehr und der Wehrdienst-Debatte förderlich ist?
[Hm, diesmal scheinen sich gewisse Probleme mit der Wortwahl aufzubauen, bei einigen. Könnten wir uns darauf verständigen, dass jeder mal für sich prüft, ob seine Wortwahl angemessen ist, und wir dieses Thema damit beenden? T.W.]
@ Pio-Fritz Ich bin aus Sachsen-Anhalt. Der neue AfD-Heiland Siegmund ist bei uns am 1.Mai aufgetreten. Da gab es eine Menge Kennzeichen aus Niedersachsen zu sehen. Das ist bei 30 Prozent Zustimmung kein reines Ost-Problem mehr. Lustig finde ich, dass der Westdeutsche Höcke von Deutsch-Amerikanern spricht und Leute wie Herr Frohnmeier MAGA in den Allerwerstesten kriechen. Vielleicht sollte die Politik den Leuten noch mal die Hauptaufgabe des Staates erklären. Was die Energieversorgung angeht, da können wir ja dann einfach mal zurückschlagen. Wofür halten wir uns eine Luftwaffe?
[Und schon steuern wir mitten in den OT, den ich an dieser Stelle zu beenden bitte. T.W.]
@ Metallkopf, ich habe mich nie Pro oder Contra Wehrpflicht geäußert. Ich habe die allmonatliche Debattenkultur kritisiert. Da Sie fragen: Ich bin für eine allgemeine Dienstpflicht mit Optionen. Eine davon Bundeswehr.
//
Berufe mit kurzer Ausbildung und 2700€+ Brutto im 1. Berufsjahr:
-Staplerfahrer (1-2 Wochen)
-Rettungssanitäter (3-4 Monate)
-Busfahrer (3-6 Monate)
Liste nicht abschließend.
//
Kann man Brutto-Sold und Brutto-Lohn/Gehalt bei SaZ kurz (bis 23 Monate) vergleichen?
Selbstverständlich, sonst müsste ich ja immer erst Eckpunkte definieren wie Wohnort, Lohnsteuerklasse oder Entfernung zum Arbeitsplatz etc.
Ansonsten vergleiche ich ja Äpfel mit Birnen…
Spaß beiseite. Soldaten zahlen zwar keine Arbeitslosen- und Krankenversicherung, haben aber auch keine Ansprüche und müssen die Kosten die dadurch entstehen selbst tragen. Man kann auch einfach alles auf Rot setzen, ist aber riskant.
Arbeitslosenversicherung:
-Rücklagen müssen selbst gebildet werden, kein Anspruch bei anschließender Arbeitslosigkeit
-Im Zweifel droht nach der Dienstzeit der „Sozialfall“ in der Grundsicherung, selbst bei nur einer kurzen Lücke
-Der Sold wird im Voraus gezahlt, das Gehalt am Ende des Monats. Der letzte Sold muss also zwei Monate reichen, wodurch das Abgangsgeld verbraucht wird
-Es gibt keine nennenswerten Übergangsgebührnisse wie bei SaZ 4+
Liste nicht abschließend.
Krankenversicherung:
-Es handelt sich nur um die unentgeltliche truppenärztliche Versorgung (utV), keine vollwertige Krankenversicherung mit freier Arztwahl etc.
-Keine Übernahme von privaten Reiseimpfungen (pro Impfung immerhin 100–150 €)
-Keine Übernahme der Kosten für Verhütung (Pille, Spirale etc.)
-Kein Zuschuss zur professionellen Zahnreinigung.
-Steuerlicher Nachteil. utV ist „Sachleistung“ und das erreichen der Mindestvorsorgepauschale von 1.900€ (LSK3 3000€) nur mit PPV nicht möglich. Dadurch mehr Lohnsteuerabzug als „draussen“ weil KK Beiträge zählen (komplexes Thema weil die Pauschale bisher automatisch eingerechnet wurde)
Liste nicht abschließend.
Soldaten zahlen zwar während der Dienstzeit keine Beiträge zur Arbeitslosen- und Krankenversicherung, müssen aber die fehlenden Leistungen im Nachgang oder durch private Zusatzversicherungen (wie Anwartschaften oder Pflegepflichtversicherung) teuer kompensieren. Der scheinbare Bruttovorteil schmilzt beim genauen Hinsehen rapide dahin.
//
Das darf man gerne anderes sehen!
Dann sollte man es aber auch Begründen können.
@Insider 16.06.2026, 8:36 Uhr:
„…Die Personalführung bei der Bw bleibt seit der Aufstellung des BAPersBw Bw ein Trauerspiel.“
100% Zustimmung, ich würde angesichts dieser Tatsache aber die Bezeichnung „Personalverwaltung“ oder auch „Personalvergraulung“ bevorzugen. Geführt werden in dem Hause maximal zwei Dinge: 1) der Hund Gassi und 2) die eigene Personalakte.
@Florian Staudte 16.06.2026, 21:36 Uhr:
„Seit 2014 sollte sich überhaupt niemand zurücklehnen. Die politische und militärische Elite unseres Landes hat die Bundeswehr in einem historischen Maß heruntergewirtschaftet, dass wir nicht einmal gegen das THW von Luxemburg gewinnen könnten.“
Achtung Sarkasmus:
Das kann ja gar nicht sein. Aus dieser politischen und militärischen Elite sind ganz viele Minister bzw. StS und auch Generale hervorgegangen, allesamt nach B-Tabelle bezahlt. Wer läßt denn das für das Herunterwirtschaften des Landes zu?
Sarkasmus Ende.
Sie haben natürlich völlig Recht.
Giordano Bruno sagt:
17.06.2026 um 16:45 Uhr
Wenn, dann muss man auch richtig rechnen:
1. Arbeitslosenversicherung:
Der entsteht erst, wenn man in den letzten 2 Jahren mindestens 12 Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt war. Somit besteht der Anspruch auch nicht sofort. Und im Gegensatz zu SaZler, der weiß, wann er ausscheidet und sich somit frühzeitig die Zukunftsplanung beginnen kann, ist das beim ALG1-Bezieher ohne Sperre eben nicht der Fall. Denn dieser besteht nur bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber. Eigenkündigungen dagegen lösen eine Sperrfrist aus.
-„Im Zweifel droht nach der Dienstzeit der „Sozialfall“ in der Grundsicherung, selbst bei nur einer kurzen Lücke“: Oh ja, und wenn der Berufsanfänger nach 11 Monaten kündigt und rausgeschmissen wird, bekommt er auch sofort Bürgergeld, weil er in den letzten 2 Jahren nicht die 12 Monate sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vollbekommt. Und wenn er selbst geht, gibt es eine ALG1-Sperre. Auch Sozialfall. Man kann auch alles dramatisch sehen.
„-Der Sold wird im Voraus gezahlt, das Gehalt am Ende des Monats. Der letzte Sold muss also zwei Monate reichen, wodurch das Abgangsgeld verbraucht wird“: Nicht ganz richtig. Der SaZ bekommt mindestens als Übergangsbeihilfe mind. 1,5 fache der letzten Bezüge (§ 19 Abs. 2 SVG). Dienen die mindestens ein Jahr, steht denen mind. 1 Monat Übergangsgebührnisse zu (§ 16 SVG). Man muss natürlich schon mit dem Geld haushalten.
2. Krankenversicherung
Natürlich handelt es sich bei der freien Heilfürsorge im Form der utV um eine vollwertige Gesundheitsversorgung. In der Tat ist die freie Arztwahl eingeschränkt, spielt aber auch im Zivilen eher nur eine untergeordnete Rolle (und die Planung gehen ja jetzt auch dahin, dass diese eingeschränkt werden soll). Zu den Behauptungen:
– „-Keine Übernahme von privaten Reiseimpfungen “ -> Quelle? Vorschrift? Laut letzter Auskunft im SanVZ ist das nämlich möglich (der Dienstherr profitiert mittelbar auch von den Impfungen).
– „Keine Übernahme der Kosten für Verhütung (Pille, Spirale etc.)“: GKV -> Sie sind wohl seit über 5 Jahren nicht mehr aktuell. Das Rezept für die Pille hat die Bw zu tragen (https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/service-recht/beitrag/dbwv-erreicht-erfolg-fuer-soldatinnen-bei-der-unentgeltlichen-truppenaerztlichen-versorgung)
-„Kein Zuschuss zur professionellen Zahnreinigung“: Stimmt, es gibt keinen Zuschuss. Ist auch nicht nötig, macht nämlich der Truppenzahnarzt kostenlos. Letztens gerade wieder bekommen.
– „Steuerlicher Nachteil. utV ist „Sachleistung“ und das erreichen der Mindestvorsorgepauschale von 1.900€“: Das ist eine Milchmädchenrechnung. Man hat ja auch keine entsprechende Ausgaben. Mag ja sein, dass ich den Höchstbetrag der Vorsorgepauschale nicht erreiche, dafür habe ich aber nicht diese Ausgaben. Und die Ausgaben bekomme ich ja von der Steuer nur in Form des reduzierten Grenzsteuersatzes zurück, und nicht 1:1.
Zudem: Dafür können Soldaten mehr Versicherungen absetzen, die der Zivilist aufgrund der ausgereizten Vorsorgepauschale (Krankenkassenbeiträge & Co) eben nicht mehr ansetzen kann, wie Unfallversicherungen & Co.
Über Beihilfe für Familienangehörigen und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall will ich nicht anfangen.
Und nicht zu vergessen: SaZ(-Kurz) bekommen diese ganzen Leistungen und die Besoldung ohne jegliche Ausbildung und Schulabschluss. Sogar der Schütze, der die Schule abgebrochen hat, verdient mehr als ein ausgebildeter Busfahrer.
Natürlich hat alles Vor- und Nachteile. Schlussendlich überwiegen die Vorteile – wie bei den Beamten – sehr deutlich. Restrisiken wird es immer geben, sind aber gut handelbar und frühzeitig erkennbar.
Sie mögen zudem mit Bruttobeträge rechnen. Das ist Ihr persönlicher Maßstab. Okay. Aber der Durchschnittsmensch wird wohl schauen, was zum Schluss, nach allen Pflichtabzügen, auf dem Konto landet und somit für den Alltag, zum Sparen und den Konsum zur Verfügung steht.
@ Giordano Bruno Warum sollte es Zuschüsse zur professionellen Zahnreinigung geben, wenn die beim Truppenzahnarzt durchgeführt wird? Oder gibt es das nicht mehr? Als Pensionär kriege zwei pro Jahr anteilig bezahlt. Mein ziviler Zahnarzt war voll des Lobes über die Arbeit seiner Kollegen in Uniform, als ich bei ihm Patient wurde.
@Giordano Bruno sagt:
17.06.2026 um 16:45 Uhr
Und was soll nun Ihre Gesamtaussage
in Anschauung Ihrer langen Liste an vermeintlichen Nachteilen für einen SaZ-kurz sein ?
Ich kann hier z.B. keinen Nachteil erkennen:
„Soldaten zahlen zwar keine Arbeitslosen- und Krankenversicherung, haben aber auch keine Ansprüche und müssen die Kosten die dadurch entstehen selbst tragen. “
Denn es gibt nun einmal bei der Bundeswehr die freie Heilfürsorge in Form der utV.
https://www.gesetze-im-internet.de/bwhfv/BJNR325000017.html
Wem dieses Leistungsspektrum nicht genügt und unbedingt z.B. eine Reiseimpfung bezahlt haben möchte, darf eben nicht zur Bundeswehr.
So einfach ist das.
Die Aussage war, man könne Bruttolöhne nicht vergleichen, weil Soldaten keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen.
Meine Auffassung ist: Krankenkassenbeiträge und Beiträge zur Arbeitslosenversicherung kann man nicht als Begründung für die Nichtvergleichbarkeit hernehmen, da Soldaten auch keine Ansprüche aus diesen Systemen haben. Dazu habe ich Beispiele gegeben.
@DrStOffz: Ich danke für die Mühe. Wirklich, aber im Abschnitt eins steht nichts, was meinen Punkt widerlegt. Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung verhindern nicht den Brutto-Brutto-Vergleich. Die Prämie habe ich übrigens in beiden Kommentaren erwähnt.
Im Abschnitt zwei wusste ich tatsächlich nicht, dass die Pille übernommen wird – danke für den Hinweis. Die professionelle Zahnreinigung wird aber grundsätzlich nur bei Parodontitis durchgeführt, nicht jedoch als reine Vorsorge. Wenn Ihr Zahnarzt das macht: guter Mann. Dann ist er aber kreativ beim Ausfüllen der Unterlagen. Gleiches gilt für das Impfen. Fragen Sie mal, ob Ihr Sanitätsbereich auch Gelbfieber „einfach so“ impft.
Generell sollte das keine Kritik an der Sanität sein.
Thema 1.900 € Mindestvorsorgepauschale: Was Sie sagen, stimmt ja alles. Es ging aber darum, ob der volle Krankenkassenbeitrag beim Soldaten netto hängenbleibt, da er nicht gesetzlich krankenversichert ist. Der Krankenkassenbeitrag senkt beim Zivilisten aber über die Vorsorgepauschale die Lohnsteuer – und zwar automatisch. Der Soldat hingegen muss erst einmal private Zusatzversicherungen haben, um diesen steuerlichen Effekt überhaupt mitzunehmen. Ich rechne hier einfach die ca. 240 € Krankenkassenbeitrag Punkt für Punkt klein.
Summa summarum: Sie haben einen sehr schönen Beitrag geschrieben. Aber das Ziel war darzulegen, dass Brutto-Vergleiche sehr wohl möglich sind.
Und da haben wir uns angenähert – sofern ich Ihren letzten Abschnitt richtig verstanden habe.
@Y-998201: Als reine Prophylaxe/Vorsorge nicht mehr. Nur bei Parodontitis oder Ähnlichem.
@Felix2: „Soldaten zahlen keine Arbeitslosen- und Krankenversicherung, weil sie keine Leistungen daraus beziehen.“ So besser? Es ging bei dem offensichtlich zu langen Text nur darum, die Legitimität des Vergleichens von Bruttolöhnen aufzuzeigen. Dazu habe ich nur dargelegt, dass Soldaten die Differenz nicht einfach einsacken; denen entstehen durchaus auch Kosten. Den Sprung zu „Deswegen geht man nicht zur Bundeswehr?!?“ haben Sie gemacht. Ich gestehe aber eine Teilschuld ein. ;)
@Giordano Bruno: Also ich habe mich über die freie Heilfürsorge als Wehrpflichtiger nie beschweren können. Und die Erfahrung von Y-998201 hinsichtlich der Arbeit der Truppen(zahn)ärzte kann ich rundheraus teilen. Mein ziviler Zahnarzt hat nachhaltig geschwärmt, als er die Inlays vom TrZA gesehen hat und mochte kaum glauben, wie alt die waren.
Das berührt aber nur ein Seitenthema. Denn es heißt ja „die Pflicht“ und nicht „die Spaß“. Ich gehe mit, dass wir uns über alles politisch unterhalten können, gern auch über eine allgemeine Pflicht, für die man ja Mehrheiten im Parlament suchen kann. Aber derzeit sehe ich diese Mehrheiten realistisch nicht. Nur die nach wie vor in der Verfassung stehende Wehrpflicht gemäß Artikel 12a GG.
Das ist das, was wir ehrlicherweise aktuell haben und praktisch umsetzen könnten. Vorausgesetzt, der entsprechende politische Mut besteht. Das bedeutet nicht, dass wir die Bundeswehr der 90er wieder ausrollen, es gibt da auf einfachgesetzlicher Grundlage durchaus Gestaltungsspielraum, aber Diskussionen über grundlegend andere Formen einer allgemeinen Dienstpflicht sind angesichts der Bedrohungslage meines Erachtens keine sinnvolle Hauptbeschäftigung, wenn die Verteidigungsfähigkeit möglichst zeitnah Ergebnisse fordert.
Wenn Sie im Keller vor einem Rohrbruch stehen, ist es schließlich auch nicht sinnvoll, sich Gedanken über einen getrennten Trink- und Brauchwasserkreislauf mit Regenwasser aus der Zisterne für Toiletten und Waschmaschinen zu machen. Da dreht man erstmal am Haupthahn und guckt, dass man mit dem vorhandenen Werkzeug das Leck behebt.
Nur hatten Sie keinen Wasserrohrbruch. Ihr Nachbar zwei Straßen weiter hatte einen – und jetzt bekommen Sie plötzlich Angst.
Dabei hatte Ihnen Ihr Installateur schon vor 15 Jahren gesagt, dass der Haupthahn nicht mehr richtig schließt und dringend gewechselt werden muss.
Das haben Sie 15 Jahre lang ignoriert. Schließlich müsste dafür die Straße aufgerissen werden, der Haupthahn der Straße gesucht und abgestellt. „Ne, das machen wir irgendwann mal, wenn die Straße eh mal offen ist“,
Jetzt, wo die Angst da ist, rufen Sie den Installateur an und verlangen, dass er sofort die Straße aufreißt, um den Haupthahn zu wechseln. Der antwortet gelassen: „Wenn ein Rohr bricht, komme ich sofort – auch nachts um drei. Bis dahin müssen Sie sich auf den nächsten freien Termin einstellen. Der ist in sechs bis neun Monaten.“
Übertragen auf die Wehrpflicht:
Sobald wir den Spannungs- oder Verteidigungsfall ausrufen, haben wir sofort die Wehrpflicht. Plan B ist also vorbereitet.
Bis dahin sollte aber an einer tragfähigen, zukunftsfähigen und rechtssicheren Lösung gearbeitet werden.
Zum aktuellen Delta:
Über welches Defizit reden wir hier eigentlich genau? Gemäß den vorliegenden Zahlen bilden wir bis 2030 voraussichtlich etwa 20.000 Reservisten weniger aus, als wir theoretisch könnten. Manche Maßnahmen müssen überhaupt erst noch greifen. Die Bundeswehr ist derzeit noch mit der Grundvorbereitung beschäftigt – Betten, Ausbilder, Ausrüstung, Infrastruktur.
Der Druck ist bei weitem nicht so akut, wie er hier gerne dargestellt wird. Das Problem ist lange bekannt – und lange ignoriert worden. Es jetzt mit der Brechstange angehen zu wollen, nur weil man sich immer noch kein durchdachtes Gesamtkonzept erarbeiten möchte, halte ich für den falschen Weg.
Wie ich heute morgen YNSIDE entnehmen konnte, hat die Bundeswehr die nächste Webserie produziert in der sich alles um den Neuen Wehrdienst dreht. Drei Staffel, laut eigenem Flyer „technisch auf High-Quality-Netflix-Niveau“. Ich schau mal in meine Glaskugel und prophezeie das keiner der hier im Thread angesprochenen „Pull Faktoren“ (Geld und richtig gute Zahnärzte,…) dort eine Rolle spielen werden. Stattdessen rechne ich mit ganz viel Pathos- oder besser Kitsch.
Kostprobe gefälligst? Weil findige PR Berater dem BMVg gesteckt haben das Einsamkeit für junge Menschen ein relevantes Problem darstellt, gibt es auch einen neuen eigens produzierten Song. Titel:“ Du bist nicht allein“
Gott sei Dank noch eine Webserie! /s
@Giordano Bruno
„Übertragen auf die Wehrpflicht:
Sobald wir den Spannungs- oder Verteidigungsfall ausrufen, haben wir sofort die Wehrpflicht. Plan B ist also vorbereitet.“
Sie kennen ja das geflügelte Wort: Si vis pacem para bellum. Für Deutschland unterschreibe ich den ersten Teil sofort, aber den zweiten, das „para bellum“ ?
Welchen Plan B haben wir, wie viel zeitlichen Vorlauf hätten wir beim Aufwuchs einer Krise ? Ja, die Regelungen sind fertig aber an der praktischen Umsetzung mangelt es.
Z.B. müßte die Wirtschaft, aber auch die Verwaltung, schon jetzt UK Arbeitsplätze festlegen und die Formulare u.a. bereit halten.
Wo sind die Mob-Stützpunkte, wer stellt Dienstausweise in großer Zahl aus oder gibt sie aus an bisher unbeorderte Reservisten bzw. an Ungediente ? Wer bildet sie wo aus ? Das ganze Wehrersatzwesen muß von Grund auf aufgebaut werden, wir sprechen da nicht nur über die Musterung.
Ich kann nur hoffen, daß die „Neue Reserve“ kaltstartfähig – d.h. im Wesentlichen komplett ausgestattet – ist.
@Giordano Bruno: Jeder Vergleich hinkt selbstverständlich. So auch das Wasserleck. Dass das Problem jahrelang ignoriert wurde, gehe ich mit. Das ist ja auch bei Infrastruktur, wie Brücken und Straßen zweifelsohne der Fall, wie man jetzt plötzlich erschrocken feststellt.
Im Verteidigungsfall haben wir die Wehrpflicht. Stimmt. Aber vorbereitet ist das überhaupt nichts. Aktuell haben wir weder Kapazitäten für die Durchführung einer Musterung noch für das Schreiben von Einberufungsbescheiden. Keine Kasernen und keine Ausbilder, keine ausreichende Ausrüstung oder Uniformen, nicht genügend Handwaffen oder Munition für die Grundausbildung… Keine Wallmeistertrupps für die Kontrolle der Brückenbauwerke auf Verwendbarkeit für Truppenbewegungen, Vielleicht wird aktuell gerade der Punkt mit den Kasernen angestoßen, aber der Rest? Da sieht es zumindest in der politisch kommunizierten Meinungslandschaft doch relativ mau aus. Reservisten wurden in der IT-Landschaft der Bw über Jahrzehnte aus Kostengründen einfach nicht mitgedacht und sind demnach IT-technisch schlicht nicht einsatzfähig, bis S6 alles in die Reihe geschaukelt hat.
All das könnte man durch eine Wiederaufnahme der Wehrpflicht und die Reaktivierung der hierzu benötigten Prozesse wenigstens proaktiv angehen und für den Fall der Fälle halbwegs grundlegende Funktionalität herstellen. Aber dazu fehlt der Mut. Wenn man mit den Bemühungen erst anfängt, wenn erst ein Angreifer vor der eigenen, oder der Tür eines Verbündeten steht, braucht man keine große Fantasie um sich das suboptimale Ergebnis vorzustellen. Wird schon irgendwie gehen, klar. Aber effektiv ist anders, oder?
Was ich vorschlage ist ja gerade nicht die Brechstange. Es ist das Minimum für die Vorbereitung des Plan B mit Zeitansatz von 5-10 Jahren. Und es ist das einzige, was derzeit und mit den derzeitigen politischen Gegebenheiten überhaupt möglich erscheint. Alles andere ist m.E. Wolkenkuckucksheim. Kann man drüber nachdenken, aber bis man das gescheit auf die Gleise gebracht hat, gehen locker 20-25 Jahre ins Land.
@Der Halbblutprinz
> Kostprobe gefälligst?
Hier das Original mit Roy Black 1965: https://www.youtube.com/watch?v=xB7tsVX6XmQ
Das hilft gewiss über die schweren Stunden hinweg, ihm selbst half es bekanntlich jedoch nicht.
Anstatt PR-Beratern auf dem Leim zu gehen, sollte die Bw sich besser um die Lebensumstände in den Kasernen kümmern. Teilweise(!) üble Gesellschaft der man nicht aus dem Weg gehen kann, und übermäßiger Suff sind nach wie vor ein Problem.
@Gerd Höllerich
Made my Day! Danke für die Erkenntnis das die BW Roy Black Songs covert und das wahrscheinlich nicht mal gemerkt hat.
Und ja die Lebenswirklichkeiten in manchen Kasernen sind etwas ganz „Besonderes“. Für mich als Abiturient aus einer normalen Arbeiterfamilie war es mehr als ein Kulturschock was da vordringlich nach Dienstschluss alles als normal gilt. Am besten gehe ich hier nicht ins Detail. Die Spitze des Eisbergs kann man ja auch regelmäßig im Bericht des Wehrbeauftragten nachlesen. Mittlerweile verstehe ich alles jenseits des Stacheldrahtzauns einfach als Paralleluniversum in dem andere Naturgesetze gelten.
Im Zweifel führen wir mit Meldeblock und 6B-Bleistift.
@Metallkopf Dacor. Alle Ihre Punkte sind valide Kritik.
Aber schauen wir’s uns mal an.
In Deutschland können Brücken seit 20 Jahren nicht gebaut werden, weil da mal ein seltener Vogel gesichtet wurde.
Die BW muss aus den Rahmenbedingungen das Beste machen.
Das ist z. B. eine schlechte Containerlösung, die niemals 20 Jahre halten wird und wo ich jetzt schon prophezeien kann, dass die Klos ständig verstopfen.
Warten wir, bis die Gesetzeslage sich verbessert, haben wir aber gar nichts.
Gleiches bei den Ausbildern. Egal wann wir anfangen, es wird immer eine 2- bis 3-jährige Vakanz geben. Aber auch hier: Wenn wir es perfekt planen wollen, haben wir auf Jahre wieder nichts.
Nur, sobald es losgeht, können wir’s doch. Es gibt doch jetzt schon Unmengen an Schwarzbauten. Wenn’s losgeht, bauen die Soldaten ihre Unterkünfte einfach selbst. Im Zweifel aus Fahrzeugplänen, bis der KTF, der mal Maurer gelernt hat, den neuen Block hochgezogen hat.
Bei den Uniformen das Gleiche. Die sind bestellt, bezahlt und in der Fertigung. Ja, ein Unding in Friedenszeiten, dass da Mangel herrscht. Aber wenn sie 2028/29 nur umrüsten, wer Truppe ist und „arbeitet“, haben sie sogar einen Moralboost. Denn heizungsnahe Verwendungen behalten 5FTD. Der ist 2036 dann zwar eher Schneetarn, aber der Schlammzone würde das gefallen.
Der Truppenausweis ist ein gutes Beispiel. Eigentlich unmöglich, was da momentan an Datenschutz, Vergabeverfahren, Laufzeiten etc. los ist.
Aber wenn es losgeht, macht der GeZi-Soldat ein Foto von ihnen, klebt das auf den im Zweifel selbst erstellten Vordruck, der Spieß siegelt die Ecke vom Bild und der Chef unterschreibt.
Wir dürfen uns nicht so sehr vom potentiellen Gegner treiben lassen. Chinas Taiwan-Fenster schließt sich ja auch gerade.
Für „fight tonight“ könnten wir mehr machen. Dann sollten wir hier aber auch bessere Vorschläge vortragen.
Die Leitungsebene liest doch mit.
Ich würde beim Sold ansetzen und SAZ nicht mehr am Ende der Dienstzeit nachversichern, sondern ganz normal monatlich und auf dem Gehaltszettel ausweisen. Kostet keinen Cent mehr, aber jeder sieht dann, dass Zeitsoldaten 11 % Rentenbeiträge „zahlen“.
Das wäre ein guter Hebel für eine Vielzahl weiterer Maßnahmen der Personalgewinnung und Berufszufriedenheit.
Soldaten der Bundeswehr müssen damit rechnen ab Herbst zwangsweise nach Litauen versetzt zu werden, wie Spiegel online gestern schreibt. Bisher sollte der Dienst in Litauen freiwillig sein, aber jetzt erwägt die Bundeswehr ab Herbst den Dienst in Litauen verpflichtend zu machen, wenn sich bis Herbst nicht genug freiwillige melden. Offiziere sollen sich ausreichend freiwillig melden, aber Mannschaften, IT-Soldaten, Aufklärer und ABC Soldaten sollen fehlen, wobei die Freiwilligen dort unter 50 % des Bedarfes liegen sollen. Und dies obwohl viele Soldaten zum Schnuppern nach Litauen geflogen worden sind. Es fällt mir damit auf, dass damit Soldaten mit IT, ABC und Aufklärern gerade dort fehlen, wo keine bestehenden Verbände nach Litauen verlegt werden. Bestehende Verbände werden nur bei Panzertruppe & Panzergrenadieren verlegt. IT, ABC Truppe und Aufklärungskompanie sollen erst in Litauen aufgestellt werden, was eine Fehlplanung darstellen dürfte. Denn ich gehe davon aus, dass man eher mit seiner bestehenden Einheit in einen Auslandseinsatz geht, als mit einer neu zusammen gestellten Einheit, weil man viele Kameraden in der alten Einheit schon kennt! Hier könnte sich die uneinheitliche Aufstellung der Litauen Brigade negativ auswirken. Für Bewerbungen bei der Bundeswehr dürfte es sich nicht positiv auswirken, wenn jeder SaZ oder SaZ kurz damit rechnen muss, zwangsweise nach Litauen versetzt zu werden. FWDL dürften WG kurzer Dienstzeit bzw dass bisher nur Soldaten ab 12 Monaten und Ausland geschickt wurden, davon nicht betroffen sein.
@ Closius
Jetzt fangen die Probleme mit der PzBrig 45 erst richtig an. Sollte es tatsächlich Zwangsversetzungen geben, so wird sich nachteilig auswirken. Das war alles leider vorhersehbar.
@Closius sagt: 20.06.2026 um 10:51 Uhr
Das Problrm läsdz sich doch lösen. So, wie man einen Auslandseinsatz für eine förderliche Verwendung vorsusgesetzt hat, macht man das zukünftig mit Litauen. Wer in eine förderliche Verwendung möchte, dreht eben eine Runde in Litauen. Wesentlich angenehmer als ein Einsatz in Afghanistan oder Mali war.
Wer als Mannschafter mehr als SaZ 8 möchte, dito.
@Florian Staudte, 20.06.2026,12:07 Uhr:
Volle Zustimmung. Und wieder einmal zeigt sich, dass das Vertrauen in die wohlklingenden Worte der BMVg-Führung unbegründet ist, sollte sich die Meldung bewahrheiten.
Leider.
Vertrauen.Geht.Anders.