Sicherheitshalber der Podcast #109 Die Thukydides-Falle: Gibt es die wirklich? | FCAS: Deutschland sucht den Super-Jet
Sicherheitshalber ist der Podcast zur sicherheitspolitischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt. In Folge 109 diskutieren Ulrike Franke, Frank Sauer, Carlo Masala und ich, ob es die Thukydides-Falle wirklich gibt. Wer war überhaupt dieser Thukydides und was ist die Falle? Sind Machtverschiebungen der wichtigste Grund für den Ausbruch von Kriegen zwischen Großmächten? Welche anderen Analyseebenen und Faktoren spielen vielleicht auch eine Rolle?
Im zweiten Teil findet dann die große FCAS-Obduktion statt! Wie tot ist das Projekt und woran ist welcher Teil gestorben? Vor allem aber diskutieren wir, wie es nun am besten weitergehen sollte.
Abschließend dann wie immer der Sicherheitshinweis, der kurze Fingerzeig auf aktuelle, sicherheitspolitisch einschlägige Themen und Entwicklungen – diesmal mit einer neuen Leitlinie für die Nutzung von Autonomie in Waffensystemen aus dem Verteidigungsministerium, einem Deal zwischen Iran und den USA (diesmal aber wirklich! echt!), brisanten britischen Budget-Problemen und einem neuen deutschen Rüstungsexportmodell.
Thukydides-Falle: 00:02:05
FCAS: 00:46:07
Fazit: 01:22:03
Sicherheitshinweise: 01:24:40
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Thema 1: Thukydides-Falle
President Xi Jinping invokes HKS Professor Graham Allison’s “Thucydides Trap” in summit with President Trump, Harvard Kennedy School: Belfer Center, 15.05.2026
Graham Allision, The Thucydides Trap: Are the U.S. and China Headed for War?, The Atlantic, 24.09.2015
Graham Allison, Destined for War: Can America and China Escape Thucydides’s Trap?, 2017
Thucydides’s Trap Case File, Harvard Kennedy School: Belfer Center
Kori Schake, Safe Passage, Harvard University Press, 2017
Paul Poast, Xi Is Getting the Thucydides Trap All Wrong, World Politics Review, 22.05.2026
Leo Sands, Xi Warned of the ‘Thucydides Trap.’ What Is It?, NYT, 14.05.2026
Enskat, Sebastian, Strategie, in: Enskat, Sebastian/Masala, Carlo: Internationale Sicherheit – Eine Einführung, Springer, 2014
Franz-Stefan Gady, Die Rückkehr des Krieges, Quadriga, 2024 (S. 36-39)
A.F.K Organski, World Politics. What´s it about, New York, 1958
Thukyidides, Der Peloponnesische Krieg, München 2024 (basierend auf der Übersetzung von Johann David Heilmann, 1760)
Thema 2: FCAS
Ulrike Franke, Europe’s Troubled Joint Fighter Program Ends With a Crash and Burn, World Politics Review, 10.06.2026
Ulrike Franke, A Truly European Defense Industry May Remain a Pipe Dream—Forever World Politics Review, 26.12.2026
Ulrike Franke, The trouble with FCAS: Why Europe’s fighter jet project is not taking off, ECFR, 01.12.2025
Augen Geradeaus, Kanzler bestätigt Ende des deutsch-französischen Kampfjets; Industrie sucht (europäische) Möglichkeiten, 10.06.2026
Deutschlandfunk, Deutsch-französische Rüstungskooperation in der Krise – Ulrike Franke (ECFR), 15.06.2026
Augengeradeaus, Nach dem Scheitern von FCAS: Deutsche Industrie will Kampfjet der 6. Generation selbst entwickeln (Nachtrag: Pistorius), 9.06.2026
Strategisches Positionspapier: Team Gen6, unterzeichnet 12.06.2026
„Wir müssen in Europa spätestens 2029 verteidigungsbereit sein“, Interview mit Helsing-Chef Gundbert Scherf, SZ, 10.06.2024
Sicherheitshinweise
Frank: Die Bundeswehr hat (endlich) Richtlinien für Autonomie in Waffensystemen
Carlo: Amerikanisch-Iranische Einigung. Nichts genaues weiss man…
Rike: Britischer Verteidigungsminister tritt wegen Budgetschwierigkeiten zurück
Thomas: Rüstungsexporte künftig als Government-to-Government-Geschäft der Bundesregierung möglich
BlueSky:
Sicherheitspod: @sicherheitspod.de
Rike: @rikefranke.bsky.social
Frank: @drfranksauer.bsky.social
Carlo: @carlomasala1.bsky.social
Thomas:@wiegold.de
Herzlichen Dank für den informativen Blick in das fünfte vorchristliche Jahrhundert und den angebrachten Bezug zum hier und heute.
Im Zusammenhang mit Thukydides wäre ein kurzer Abstecher zu Herodot, nach Cicero der „Vater der (griechischen) Geschichtsschreibung“, noch hilfreicher gewesen. Schließlich betrachtet dieser in seinem Werk „Historien“ Griechenland von Troja bis zu den Perserkriegen und lässt auch den Peloponnesischen Krieg nicht unbetrachtet,
Worauf ich aber eigentlich kurz eingehen möchte ist Frank Sauer und sein Satz ziemlich zum Schluss über die „absteigende Macht“, in diesem Fall nicht etwa die USA, sondern der vermeintliche permanente Aufsteiger, die Volksrepublik China.
Die aktuelle Diskussion der Thukyidide Falle, sehr gut herausgearbeitet, lebt vom „Platzhirsch USA“ und dem Konkurrenten China.
Ist aber Peking unter Berücksichtigung seiner Leistungsdaten tatsächlich noch der Konkurrent, oder fällte er der „doppelten Thukidides Falle“ zum Opfer, d.h. der Abstieg hat begonnen und Xi weiß das, daher seine versteckten Warnungen seit 2017?
Wesentliches Argument dazu ist die Bevölkerungsentwicklung. China leidet für den Rest des Jahrhunderts unter seiner 1-Kind-Politik von 1979 bis 2015, einhergehend mit verbreiteter Mysogonie der vor allem ländlichen Bevölkerung: Weibliche Föten wurden (werden?) abgetrieben.
Folge ist, erstmals in 2023 sank die Bevölkerung um 2 Millionen, bei ca 1,3 Milliarden zwar zunächst belanglos, aber ein Fingerzeig.
Bis 2050 ist ein Rückgang um insgesamt 200 Millionen Menschen erwartet, bis zur Jahrhundertwende gar um 600 – 700 Millionen.
Alle Zahlen nach
United Nations „World Population Prospe da 2024“, https://Population.un.org/wpp/assets/Files/WPP2024_ Summary-of- Results.pdf
und hinsichtlich der ökonomischen Folgerungen
Trading Economics, „China FDI Plunges to Rrcord Löw in 2024“, https://tradingeconomkcs.com/china/foreign-direct-investment-yoy/news/444485.
Dass ein Staat, dessen Bevölkerung unverändert zu ca 50% zur Landbevölkerung zählt und billige Wanderarbeiterschaft stellt, sein industrielles Wachstum nie wird bewahren könnte, ist offensichtlich.
In dieser Erkenntnis kann also Peking derjenige sein der zuschlägt, bevor es zu spät ist, und, u.U. Indien mit seinen 1,4 Milliarden, einer dynamisch wachsenden jungen Bevölkerung China den Verfolgerstatus gegenüber den USA streitig macht?
Indiens Ziel ist unverändert die Hegemonie in Südasien, die nur über die Achse Pakistan – China bedroht wird. Die Inder lehnen sich somit an die USA an, und trachten Islamabad einzuhegen.
Xis Besorgnisse haben in strategischer Abwägung also die USA und Indien im Auge, der doppelte Thukydides.
Insofern ist die Frage von Frank Sauer unbedingt weiter zu durchdenken.
Zu empfehlende Literatur dazu:
Odd Arne Westad „Der kommende Sturm“. Er untersucht Thukydides hinsichtlich der USA, China, Indien, Russland und der EU.
Vielen Dank und beste Grüsse an euch!
FCAS ist tot! Es lebe FCAS!!!
oder
Nach FCAS ist vor FCAS!
Ihr müsst also weitermachen! ;-)
…
Weitermachen!
Naja wobei die USA durchaus Parallelen aufweisen zu Athen gegen Ende des „attischen Seebund“ aufweist…
@Klaus-Peter Kaikowsky (KPK)
> Die Inder lehnen sich somit an die USA an, und trachten Islamabad einzuhegen.
Sie wollen doch nicht etwa behaupten, es gäbe eine engere Bindung/Beziehung zwischen Indien und USA? Mich würde es interessieren, welchen Quellen Sie entnommen haben, die einen solchen Gedanken rechtfertigen? Ich halte das für halluzinierendes Wunschträumen, und rate dazu sich über die historischen Gründe für die enge Verbundenheit Indiens zu Russland kundig zu machen, die darauf beruhen, dass Russland in schwierigen Zeiten Indien geholfen hat, und Indien sich unverbrüchlich bis in die aktuelle Gegenwart dafür erkenntlich zeigt. Insofern wundere ich mich immer wieder, wie unbedarfte Gemüter glauben wollen, sie könnten Indien zu einer Haltung gegen RUS verleiten, etwa durch Rüstungskooperationen. Ich halte es für plausibler, dass Blaupausen in den Kreml weitergereicht werden.
Wie nennt man denn die Falle, Frankreich nicht ihr neues Flugzeug finanzieren zu wollen, aber dann F-35 als Lückenfüller kaufen zu wollen?
Hallo zusammen,
00:55:20 Fr Ulrike Franke sagt: „Dassault hat, nach dem, was wir wissen, eben gesagt: Wir (Dassault) haben die Führerschaft beim Flugzeug, wir bauen das Flugzeug, wir haben die Zulieferer, wir machen das Ding (…) und Airbus, ihr macht da irgendwie euren anderen Kram…“
Woher haben Sie die Information, dass Dassault den NGF allein bauen wollte? Weder Dassault noch Herr Trappier haben das jemals so gesagt. Was hingegen tatsächlich geäußert wurde, ist der Anspruch, die Führung bei diesem Projekt zu übernehmen.
Assemblée Nationale, 23.09.2025:
„Geben Sie uns (Dassault Aviation) die Möglichkeit, das Programm zu steuern. In der Governance werde ich nicht akzeptieren, dass wir zu dritt am Tisch sitzen, um über die gesamte Technik zu entscheiden, die notwendig ist, um ein Flugzeug auf höchstem Niveau fliegen zu lassen. Ich möchte, dass der beste Athlet die Führung übernimmt. Das bedeutet nicht, dass er alles selbst macht.“
Zwischen der Leitung eines Projekts und dessen vollständiger Alleinrealisierung besteht ein fundamentaler Unterschied. Es wäre schön gewesen bei den Fakten zu bleiben.
https://augengeradeaus.net/2026/02/zukunft-von-fcas-neue-deutsche-pruefschleife-und-vielleicht-dann-unbemannt/comment-page-1/#comment-466503
Airbus und deutsche Politiker behaupten regelmäßig, Airbus habe lediglich eine „Junior-Partner“-Position. Zur Erinnerung: Airbus führt drei Säulen, Dassault hingegen nur eine – und nun wird sogar verlangt, dass Dassault selbst in diesem Bereich die Führung mit Airbus teilt.
Dass Herr Schöllhorn als Global CEO von Airbus Defence and Space an der Spitze der deutschen und spanischen Aktivitäten steht und damit faktisch über eine Art doppelte Einflussposition verfügt, wird dabei auffallend selten thematisiert.
Wenn Airbus drei von sieben Säulen führt, kann man schwerlich von einer Junior-Partnerschaft sprechen – im Gegenteil, besonders wenn zwei davon so wichtig sind, dass man sie nach dem FCAS Desaster doch noch gemeinsam weiterführen will…
Und was soll man von der Triebwerkssituation halten? Ursprünglich war vorgesehen, dass Safran die Führung beim Triebwerk übernimmt. Deutschland hat sich jedoch dagegen gestellt. Stattdessen wurde ein Joint Venture zwischen Safran und MTU – EUMET – gegründet, mit Sitz in München und damit unter deutschem Recht.
Die Frage ist: warum? In Frankreich wird dies vielfach als Versuch interpretiert, französische Unternehmen stärker unter deutsche Kontrolle zu bringen. Man kann sich fragen, wie die Reaktion ausgefallen wäre, wenn Frankreich im Gegenzug beim MGCS ähnlich verfahren wäre. Oh, das hat man ja fast gemacht – denn es wurde KNDS ins Leben gerufen, nur hat es seinen Sitz in den Niederlanden. Das ist natürlich ein schönes Beispiel für den nationalen Egoismus der „Grande Nation“ und für eine angeblich gleichberechtigte Behandlung zwischen Deutschland und Frankreich. Oder nicht? 😉
Dass der Kauf der F‑35 dem FCAS-Programm nicht geholfen hat, scheint hier im Land von Goethe kaum jemand zu erkennen. Ebenso wenig scheint es jemanden zu stören, dass dadurch zwangsläufig weniger NGF beschafft werden wird – Frankreich habe das einfach zu akzeptieren, denn die deutschen haben nicht um Erlaubnis zu beten, schließlich geht es hier um deutsche Souveränität.
Dass Frankreich hingegen auf einer nuklearen Komponente sowie einer navalisierten Version besteht, um seine eigene Souveränität und zugleich die Europas zu sichern, wird dagegen fast als skandalös dargestellt.
Bemerkenswert ist zudem, dass allgemein als selbstverständlich gilt, dass Airbus – obwohl es weder über Erfahrung im Bereich nuklearer Systeme noch in der Navaliserung verfügt – dennoch ein Mitspracherecht im Sinne einer gleichberechtigten Partnerschaft einfordert.
Doch gerade in diesem Bereich kann es keine Logik der vollständigen Augenhöhe geben. Dies zu sagen ist keine Beleidigung.
Um 00:56:31 wird in den Raum gestellt, dass Dassault ebenfalls ein „Medienkonzern“ sei und diesen genutzt habe, um Stimmung gegen Macron – der als pro‑FCAS gilt – und zugunsten des RN als angeblichen FCAS‑Gegner zu machen. Wirklich? Worauf basiert diese Behauptung?
Und bitte verweisen Sie nicht auf das Interview von Frau Strack‑Zimmermann vom 19.02.2026 – denn selbst sie musste einräumen, dass sie nicht weiß, ob diese Aussage zutrifft.
Es mag überraschen, aber Macron weist derzeit die schlechtesten Beliebtheitswerte der gesamten Fünften Republik auf. Dass mögliche kritische Berichterstattung im Le Figaro daher vorschnell mit der FCAS‑Debatte in Verbindung gebracht wird, anstatt zu berücksichtigen, dass sie schlicht Ausdruck der allgemeinen innenpolitischen Lage sein könnte, halte ich für eine gefährliche Verkürzung.
Nimmt man diesen angeblichen „Medienkonzern“ genauer unter die Lupe, findet man Titel wie Madame Figaro, Gala, TV Magazine, Figaro Histoire oder Le Journal des Femmes – alles Medien, bei denen weder Politik noch FCAS im Zentrum stehen. Hinzu kommen einige vergleichsweise kleinere Online-Portale wie L’Internaute oder Journal du Net.
Das eigentliche Schwergewicht ist zweifellos die Tageszeitung Le Figaro. Doch selbst dort wird in entsprechenden Artikeln zum FCAS/SCAF regelmäßig transparent gemacht, dass die Familie Dassault Eigentümerin ist. Dass die Familie Dassault ihre Magazine und Zeitschriften nutzt, um Macron beim FCAS in Schach zu halten, halte ich somit für stark übertrieben.
Das FCAS‑Projekt ist deutlich komplexer, als man zunächst annehmen könnte. Gerade in einem solchen Format hätte ich mir deutlich mehr tief gewünscht. Stattdessen bekommt man vor allem ein Frankreich‑ und Dassault‑Bashing geboten.
Ich wünschte, ich könnte mich damit aufmuntern, dass die Franzosen es besser machen – leider ist dem nicht so. Ein gewisser Trost bleibt jedoch: Deutsche und Franzosen teilen zumindest diese Schwäche, denn beide sehen den Strohhalm im Auge des Nachbarn, aber nicht den Balken im eigenen.
In Bezug auf Frank Sauers Kritik an Stealth: Dass moderne bemannte Kampfjets praktisch zwingend über eine niedrige Radarsignatur verfügen müssen, ergibt sich unmittelbar aus der Dynamik des heutigen Luftkampfs im Air-to-Air- und BVR-Bereich.
Der Ausgangspunkt ist ein einfaches Grundprinzip: Wer den Luftkampf dominieren will, muss hoch und schnell fliegen. Höhe vergrößert die Reichweite des eigenen Radars wegen der Erdkrümmung und Geschwindigkeit gibt den eigenen BVR-Raketen mehr Energie mit – beides entscheidet darüber, wer den Gegner zuerst und mit der größeren Reichweite bekämpfen kann (First Look, First Shoot, First Kill).
Genau diese Position hat jedoch einen Preis: Wer hoch und schnell fliegt, ist auch für den Gegner gut sichtbar – sowohl für dessen Jets, als auch für bodengestützte Langstreckensysteme (LRAD). Man muss daher stets davon ausgehen, dass bereits gegnerische Langstreckenraketen unterwegs sind. Abwehren lassen sich diese Raketen, indem man in geringere Höhe und dichtere Luft abdreht, wo sich ihre begrenzte Energie schneller erschöpft. Geländeeffekte und Hindernisse verstärken diesen Effekt, da sie dazu führen können, dass sowohl das gegnerische Trägerflugzeug als auch die Rakete selbst die Zielauffassung verliert.
Der Verteidiger steht damit vor einer Entweder-oder-Entscheidung. Bleibt er hoch und schnell, behält er Übersicht und bleibt für den Gegner gefährlich – muss dafür aber in Kauf nehmen, mit hoher Wahrscheinlichkeit von gegnerischen Langstreckenraketen abgeschossen zu werden. Weicht er stattdessen nach unten aus, um diesen Raketen zu entgehen, überlebt er zwar, gibt dafür aber Höhe, Übersicht und damit Raum auf. Ohne niedrige Signatur lassen sich beide Ziele – Überleben und Beherrschung des Luftraums – nicht zeitgleich erreichen: Der Verteidiger kann nur das eine auf Kosten des anderen haben.
Genau hier setzt der Wert einer niedrigen Signatur an. Ein Stealth-Jet löst dieses Dilemma auf, weil der Gegner ihn erst wesentlich später erfasst. Er kann deutlich länger hoch und schnell bleiben, seine BVR-Waffen weitgehend ungestört und mit hohem Energiebudget einsetzen und bleibt dadurch für den Gegner über einen längeren Zeitraum gefährlich, ohne sich dafür der vollen Bedrohung durch gegnerische Langstreckenraketen auszusetzen. Das zwingt den Gegner, seinerseits früher in die Defensive zu gehen – und wer früher verteidigen muss, kann seine eigenen Lenkwaffen nicht mehr mit Zieldaten versorgen und ihnen nicht das nötige Energiebudget mitgeben, um selbst gefährlich zu werden.
Einwenden ließe sich, dass passive Radare durchaus eine Auffassung von Stealth-Zielen ermöglichen. Doch auch dies gelingt aus den hier relevanten großen Distanzen nicht fehlerfrei. Entscheidend ist letztlich der kleine Radarsuchkopf in der Rakete selbst, der in der Endphase darüber bestimmt, ob ein Ziel tatsächlich getroffen wird – und genau das ist gegen ein Flugzeug mit niedriger Signatur ungleich schwieriger. Eine grobe Spur aus der Ferne ersetzt also keineswegs die finale Zielauffassung im Anflug.
Aus eben diesem Grund geht man davon aus, dass Kampfflugzeuge der 4. Generation wie Eurofighter, Rafale etc. in einem echten Peer-to-Peer-Szenario faktisch gar nicht mehr zum Zug kommen: Die Kill Chain schließt sich schlicht zu früh gegen sie.
@SAI
Indien / USA
Jenseits des Bezugs von RUS Öl und der – noch – existierenden Verbindung zur Rüstung, sowie der angelaufenen „Abhängigkeit“ von deutschen U-Booten: Leseempfehlung
1. Herfried Münkler „Welt in Aufruhr“, Kapitel 5, “ Die Weltordnung der großen Fünf“ reicht.
2. Odd Arne Westad „Der kommende Sturm“ (wie zuvor erwähnt), Kapitel 2 „Ängste und Ressentiments“ reicht.
Das Narrativ des Kalten Krieges, in dem Russland und Indien in einem Atemzug genannt werden, trifft lange nicht mehr zu. Außer Öl und offenbar ungeeigneten Waffen kann Putin Modri nichts bieten.
Die Zusammenarbeit Neu Dehli – Washington in strategischen Fragen dokumentiert sich in gemeinsamer Intelligence gegenüber CHN /RUS, modernster Militärtechnik und in der „QUAD Gruppe“ mit Japan und Australien. Putin kann Indien rein gar nichts bieten, er steigt in die 2. Liga ab: Eine Regionalmacht mit Nuklearbefähigung am Tropf von Xi.
@Lufti: Bei der Stealth-Diskussion kommt mir folgender Punkt immer zu kurz: Es ist schön und gut stealthy zu sein aber in dem Augenblick, wo man das eigene Radar einsetzt, um den Gegner ausfindig zu machen ist es mit „stealthy“ vorbei. Ich bin kein Radar-Experte aber ich bezweifle, dass ein Stealth-Jet radarbasiert seine BVR-Waffen einsetzen kann, ohne sich selber zu enttarnen.
Sehen wir uns mal das Szenario Eurofighter in größer Höhe gegen F35 ohne AWCS-Unterstützung an. Als Eurofighter-Pilot mit Meteor-Raketen würde ich ohne Radar warten bis die F35 mit Radar nach mir sucht. Oder – ganz out of the box – würde ich eine Meteor-Rakete losschicken, wenn ich begründet vermute, dass sich eine F35 in deren Reichweite befindet und mir die Radar-Daten der Meteor übertragen lassen.
Was ist an dieser Überlegung grundsätzlich falsch?
Nur zur Klarheit: Stealth an sich ist natürlich grundsätzlich immer ein Vorteil. Inwieweit dieser aber zum Tragen kommt hängt von diversen Umständen ab. Wenn es schlecht läuft, können die konstruktiv notwendigen Kompromisse (z.B. nur kleinere weil interne Waffenlast) sogar Stealth nach hinten losgehen lassen.
@Lufti
Danke für die Erklärung!
Dann wäre vielleicht eine nationale AWACS-Flotte (z.B. Saab GlobalEye) und die Weiterentwicklung der Meteor (AWACS-Datenlink, Anti-Radar-Modus gegen Luft- und Bodenziele) ein No-Brainer, weil es schnell und sicher Abschreckung bietet?
Ich muss den Podcast noch hören, danke aber schonmal für den Lacher „Deutschland sucht den Super-Jet“. Pruha.
Habe mir vorgestellt, wie Dieter Bohlen und Heidi Klum die Entwürfe von Flugzeugentwicklern medienwirksam goutieren, flankiert von Jorge Gonzales und Mark Forster. Für die Beurteilung des Flughandlings zeichnet dann Joachim Llambi verantwortlich…
Nicht mein Fachgebiet aber betrachten wir es „Spieletheoretisch“?
Der gesamt Aufwand des Kampfflugzeuges sind 100 %. Wieviel davon braucht Frankreich:
– Die Hälfte des gesamten Wertes sind Computer, Software, Sensoren, also 50%. Sagen wir DE (Hensoldt, Diehl) und FR (Thales) teilen gleichwertig je etwa 20%, ein kleinerer Teil geht nach SP (10%)?
– 20% Etwa eines Kampfflugzeuges macht das Triebwerk (teilen MTU und Safran) also jeweils 10% die vom Gesamten weggehen?
– Wieviel ist der Aufwand für die Führung eines NextGen Kampfflugzeug, ca 10% vielleicht?
– Dazu will Dassault bestimmt auch noch tolle technische Dinge tun. Sagen wir weitere 20%?
Aufsummiert heißt das, Frankreich muss 60% vom Anteil haben, damit Dassault 30% hat? Die Verhandlungen begannen dann wo? 80%?
D.h. bei einer fairen Verteilung hätte Frankreich für die Führung auf technische (industrielle!) Anteile verzichten müssen. Das war ein no-go, also Projekt tot.
PS: Und bei MGCS ist es genau umgekehrt? Verzichtet DE auf technisch / industrielle Anteile?
Zur geopolitischen Diskussion: Ich sehe gerade noch eine weitere Transformation laufen. Die USA verlieren ihren Einfluss in Europa und ein Großteil der europäischen Länder rüstet gerade massiv auf. „Die westliche Welt“ wird dann nicht mehr die Einflussphäre der USA sein. So wie Großbrittannien damals die USA gebeten hat, Hegemon im Mittelmeer zu werden, so sehr fordert die USA jetzt Europa auf, selber Hegemon in Europa zu werden. Natürlich kann man von den USA und China als mächtigen Nationalstaaten her argumentieren. Staatenbünde wie die EU oder die NATO sind aber auch nicht zu verachten. Europa steht gemäß dem SIPRI-Report jetzt an erster Stelle der Waffenlieferungen. Es laufen sowohl auf zwischenstaatlicher Ebene als auch auf industrieller Seite eine Menge mehrstaatliche Kooperationen. Insbesondere der Ostseeraum wird zunehmend von den EU-Anrainerstaaten massiv militärisch aufgerüstet. Deutschland ist voll mit dabei und ich sehe nicht die angesprochene Skepsis in Bezug auf eine militärische Führungsrolle Deutschlands. Das entspricht sicher den Befindlichkeiten in Frankreich und Großbritannieren. In Litauen ist man wohl um so erfreuter über diese Entwicklung.
Was die Thukydides-Falle anbelangt, so fällt im Verhältnis USA vs. Europa vor allem Grönland auf. Dort möchte die USA der Hegemon sein. Kanada fällt auch in diese Kategorie. Es bleibt zu hoffen, dass hier die Fall nicht zuschnappt, weil genügend einflussreiche Politiker dies verhindern. Ein wachsender militärischer Einfluss der EU im europäischen Nordmeer (U212CD, Poseidons, Type 26) ist da auch ein zweischneidiges Schwert.
Eine Bemerkung noch zum Thema Sieger und Verlierer des Irankonflikts. Ich sehe nicht, dass der Iran als Sieger daraus hervorgeht. Der Iran hat den Krieg nicht verloren – steht aber meiner Ansicht nach nicht besser da als vor dem Krieg. Der Iran hat jede Menge militärische Mittel im Krieg verloren und die anderen arabischen Staaten werden sich nun gegen weitere Angriffe seitens des Irans rüsten. Das ist kein Sieg.
Die USA sind natürlich auch nicht Sieger, weil sie das erklärte Ziel des Regimewechsels nicht erreicht haben. Die USA hat auch deutliche Verluste an ihrem Waffenarsenal zu verdauen und hat zudem als Schutzmacht in der Region sehr viel Glaubwürdigkeit und Einfluss verloren. Es gibt bei den direkt Beteiligten aus meiner Sicht also nur Verlierer. Sehe ich übrigens für Israel und die Hisbollah ähnlich.
Gute Erklärung von Lufti zur Stealth-Geschichte.
Der letzte Zeitpunkt bis zu dem sich Überschall-Militärjet-Piloten einigermassen sicher fühlen konnten war vor dem 1. Mai 1960.
Da gab es die SR 71 Blackbird. Flog zu schnell und zu hoch auch für den hochgerüsteten Feind.
Das änderte sich aber dann:
https://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Gary_Powers
Seitdem Katz- und Maus-Spiel zwischen Boden-Luft bzw. Luft-Luft-Raketen und der jeweils neuen Kampfjet-Generation. Oder auch Stealth-Bombern.
Es gibt zwei Dinge die ein Militär-Jet nicht verhindern kann:
– Hitzesignatur
– Radarquerschnitt ( teils auch eigener Radareinsatz )
Mit der immer weiterer Miniaturisierung von Sensoren in Tateinheit mit mobiler KI im Suchkopf von Abwehrrakten ist das Rennen eröffnet, auch gegen die 6. Fighter-Generation.
„Im Nebel die Zukunft liegt“ (Yoda – Krieg der Sterne)
Ein Vorteil aber bleibt immer:
Gegen minderbemittelte Gegner ist das ein Riesenvorteil. Wichtig vor allem für selbsternannte Weltpolizisten, Expansionisten oder Aggressoren.
Und über das Thema FCAS & Dassault würde wohl auch Yoda seine Alien-Hände zusammenschlagen ;-)))
Es gibt deutliche Probleme beim F-35: Bedingt Einsatzbereit!
Source: https://www.jpost.com/israel-news/defense-news/article-899714
[Und warum nicht die Originalquelle, sondern die drumrum-Berichterstattung der Jerusalem Post, der es ja mehr um die israelischen F-35 geht?
Also:
https://www.gao.gov/products/gao-26-108113
T.W.]
@Apollo 11
Loitering ammunition gibt es jetzt wohl nicht nur gegen Boden- sondern auch gegen Luftziele (s. Abschnitt iranische Drohne Product-358):
https://www.telepolis.de/article/Diehl-Defence-zeigt-Cobra-600-Jetdrohne-verzehnfacht-IRIS-T-Reichweite-11335573.html
Die im Hauptteil besprochene COBRA 600 halte ich allerdings für eine Notlösung.
@Thomas Melber:
Eines kann natürlich auch ein Super-Stealth-Flieger nicht verhindern:
Man kann ihn sehen.
Kombiniert man neueste Infrarot-Sensoren mit optischen Sensoren und KI im Suchkopf der Rakete könnte das auch für die 6. Generation zum Problem werden…
@ Apollo 11: Powers flog eine U2. Nein, nicht die von Polikarpow. Die wurde von den Nachthexen geflogen.
@FYI: Das F35-Programm hat in der Tat so seine Tücken und wir sollten in Deutschland davon ausgehen, dass auch wir lange benötigen werden bis die Einsatzbereitschaft hoch ist.
Andererseits haben wir aber auch zu genüge erlebt, dass unser Flugzeuge und Hubschrauber erst nach Abschluss der Lieferungen zu einer angemessenen Einsatzbereitschaft geführt werden konnten. Meine Beobachtung ist, dass seitens der Auftraggeber und der Industrie Auslieferungsrate immer vor Ersatzteil-Bevorratung und Wartungskapazität ging.
Unabhängig davon sollte man die bald erneut anstehenden weiteren Beschaffungen von Kampfflugzeugen von der Entwicklung des neuen Fighters trennen. Wir bestellen einfach alle fünf Jahre ein Geschwader-äquivalent bis es einen neuen Flieger zu bestellen gibt. Ich sehe da noch eine Reihe Eurofighter-Tranchen kommen.
@ Y-998201
„Apollo 11: Powers flog eine U2.“
Korrekt. Die konnte hoch aber nicht superschnell.
Der SR 71 Blackbird wurde nach dem Gary Powers Zwischenfall der Überflug über die UDSSR generell verboten. Aber Schrägausspähung über internat. Gewässern war ja die Hauptaufgabe.
Es wird berichtet es hätte eine vierstellige Anzahl von ( erfolglosen ) Abschussversuchen gegeben und die brutalst möglich motorisierten MiG 35 und 31 hatten auch Jagd gemacht. Erfolglos…
Heute wäre wohl auch eine SR 71 stark gefährdet u.a. durch die neuesten Boden-Luft-Raketen.
Zudem war der Flieger unfassbar teuer auch im Betrieb.
Immer höher, immer schneller wurde eingestellt.
Jetzt gehts eher um Stealth mit Begleitdrohnen, mit oder ohne FCAS ;-)
Es wird auch weiterhin Raum für Gen 4 und 5-Luftfahrzeuge geben. Die sind eben nicht mehr die Speerspitze, aber als Waffensystemträger für weitreichende Luft-Luft- oder auch Luft-Boden-Wirkmittel sind sie immer noch à jour, solange Gen 6 die feindliche Fliegerabwehr und deren Flugzeuge bekämpft und den älteren Modellen Raum schaffen können.
Ein Taurus dürfte an einem Stealth-Jet wohl eher keinen Sinn ergeben und die Stealth-Silhouette erfordert zusätzlich interne Waffenstationen und somit reduzierten Payload. Die Aufklärung von Gen6-Flugmustern dürfte auch weniger mittels klassischem Radar, sondern eher über andere, passive EM-Sensoren erfolgen, weil die modernen Flieger mittels Datenlink verbunden sein müssen, wenn sie ihre wahre Stärke sinnvoll nutzen sollen. Aber wer EM-Strahlung aussendet, kann grundsätzlich mal auch gefunden werden, wenn ihn gerade ein Sensor in der Nähe aufnimmt.
Aber mit weit reichenden Raketen, die von weithin sichtbaren, hoch und schnell fliegenden Gen-4-Fliegern abgefeuert werden und ihre Zieldaten per Datenlink von den vorgeschobenen Stealth-Modellen bekommen, kriegt man eben auch was hin.
Der Krieg wird immer mehr zum Krieg der Daten und der Sensoren. Neulich sah ich ein interessantes Video zu intermittierenden Kurzausfällen von GPS von bummelig Kanada bis zum Nahen Osten, zentriert auf Europa. Hochinteressant, wie hier vor allem auch die forensische Suche nach dem Übeltäter durch die entdeckenden Forscher verlief. Spoiler, es war ein russisches Satellitensystem und man wird sich wohl drauf einstellen müssen, dass wir im Konfliktfall GPS vorerst vergessen müssen, sobald anderswo die Entscheidung für eine ernsthafte und dauerhafte Störung getroffen wird.
Den alten ADAC-Straßenatlas oder das digitale Kartenmaterial also vielleicht doch noch nicht wegwerfen.
@Thukydides: Ich habe mich sehr gewundert, warum da der Melierdialog zitiert wurde und vor allem wie. Mit der Thukydidesfalle im engeren Sinne hat er nämlich erstmal nichts zu tun. Der Satz, auf den sich dann eingeschossen wurde (die Starken tun, die Schwachen erdulden) ist aber auch nicht einmal die wichtigste Teil des Dialogs. Der eigentliche Knackpunkt des Dialogs ist, dass er offenlegt, wie Hegemonen mit Neutralität von Schwachen umgehen: Umso schwächer ein Dritter ist, umso weniger kann es sich ein Hegemon (zumal mit imperialen Anspruch) leisten, die Neutralität dieses Dritten im großen Wettstreit zu tolerieren. Er kann es einfach nicht, er muss eine Entscheidung erzwingen. *Darum* geht es im Melierdialog, nicht darum, dass die Starken tun, was sie wollen (das machen beide Seiten den ganzen Krieg über ständig und das ist auch für Thukydides nicht bemerkenswert). Die Melier sagen den Athenern: Leute, wir sind unbedeutend, schaden niemandem, und obwohl wir eigentlich Sparta verpflichtet sind, erklären wir uns doch für neutral. Was wollt ihr mehr? Aber Athen kann das nicht akzeptieren, weil Neutralität ein größeres Problem für sie ist als sogar ein schwacher Gegner mehr es wäre. Das nur, um die halbgare Interpretation des Melierdialogs zurechtzurücken. Ein Lob aber an die Erwähnung des sizilianischen Abenteuers, da hat zwar Alkibiades gefehlt, sonst aber hilfreich zum Verständnis der Thukydidesfallen (von der ich ansonsten nicht viel halte).
@FCAS: Offene Frage: Spielte denn die Exportgenehmigungsfrage überhaupt keine Rolle mehr? Früher war doch immer das Problem, dass die Franzosen mit Rüstungsverkäufen Geld und Politik machen wollten und sich nicht von Berlin vorschreiben lassen wollten, wer kaufen darf und wer nicht. Ist das Problem denn inzwischen gelöst worden? Ich habe gar nichts davon gehört. Wer mehr dazu weiß, würde mich freuen es erklärt zu bekommen.
Moin allerseits!
FCAS ist tot – Hurra!
Es war schon immer ein riesiges Problem, wenn man politische Probleme wirtschaftlich lösen wollte – und das auch noch in einem freien Markt.
Dass Frankreich hier der mit Abstand größte Bremsklotz ist und war, hätte jedem klar sein müssen.
Gibt es ein (!) Waffensystem (abgesehen von der Transall und ggf. der neuen A400m-Gefechtsstandsvariante), das Frankreich fremdbeschafft?
Sogar LKW werden jetzt frankonisiert (Zetros). Frankreich exportiert Waffen und Militärmaterial. Punkt.
Viel wichtiger ist jetzt, dass wir in viel mehr Bereichen ITAR-frei werden, um unsere Exporte zu verbessern (der Bundessicherheitsrat ist hier schon deutlich pragmatischer, als noch vor 5 Jahren).
Ich denke schon, dass mit Saab deutlich mehr Synergien zu heben wären, als mit Dassault.
Allerdings nicht als gemeinsames Großprojekt, sondern in der Entwicklung von Fähigkeiten und Komponenten, die dann entsprechend skaliert werden können.
Bei GCAP ist zwar momentan Ruhe, aber je konkreter es wird, desto eher wird das Hauen und Stechen losgehen.
Deutschland wird nicht umhinkommen zweigleisig zu fahren:
Den EF Typhoon weiterentwickeln und gleichzeitig – mit Hilfe von entsprechenden Partnern – einen eigenen Gen 5/6-Fighter bauen.
Ich denke schon seit Jahren, dass allein eine zweisitzige EF-Version mit der Rückkehr des WSO zum DSO (Drohnen System Offizier) hier schon mal eine gelungene Übergangslösung ist, um kleine bis mittlere Drohnenschwärme zu führen.
Die großen Schwärme können dann gerne von einer A400m o.ä. geführt werden.
Mal sehen, was passiert, wann’s passiert und ob’s was bringt oder nur wieder eine politische „Lösung“ für ein operatives Problem raus kommt.
@Apollo 11 17.06.2026 um 20:43 Uhr
> Man kann ihn sehen.
> Kombiniert man neueste Infrarot-Sensoren mit optischen Sensoren und KI im Suchkopf der Rakete könnte das auch für die 6. Generation zum Problem werden…
Das kann man auch nur glauben, wenn man noch nie in einem Cockpit gesessen hat und nach einem Flugobjekt unter Sichtbedingungen Ausschau gehalten hat. Zuerst ist das Ding so klein, dass man es nicht sieht, dann wird es ganz schnell ganz groß. Ein Problem von Entfernung, Geschwindigkeit und Auflösung.
@Bow:
Ich bin voll bei Ihnen. Aus der Not (wir müssen weiter Eurofighter beschaffen) kann man auch eine Tugend machen: Wir entwickeln den Eurofighter konsequent in SEAD/DEAD/EK und MuM-Teaming weiter. Es sollen ja sowieso schnell CCAs dazu kommen. Den Vorschlag zweisitzige Eurofighter für die Zusammenarbeit mit den CCAs zu beschaffen unterstütze ich voll. Man könnte da jetzt umgehend mit ca. 20 Flugzeugen in die Beschaffung gehen. Die kommen dann sowieso erst Mitte der 2030er Jahre. Wichtig wäre, dass dafür die Entwicklung auf vollen Touren angeschoben wird. Ich halte übrigens eine kontinuierliche Lieferrate von einem CCA pro Monat zunächst einmal für ausreichend. Dort sollte in dem Rahmenvertrag – ähnlich wie bei der Loitering Ammunition – die kontiniuierliche oder zumindest sehr regelmäßige Weiterentwicklung, z.B jedes Jahr ein neues Los mit erweiterten Eigenschaften, vereinbart werden.
Es wäre hilfreich, wenn die Combat Cloud Entwicklungen samt Kontrolle der CCAs zu einem europäischen multinationalen Ansatz entwickelt würden. Über die FCAS-Reste, in Zusammenarbeit mit Saab oder mit GCAP. Ansonsten haben wir in Europa Rückschritte bei der Interoperabilität der Luftwaffen statt Fortschritte.
@Nachhaltig
Einen zweisitzigen EF gibt es ja bereits, in wie weit das Muster aufwuchsfähig ist weiß ich allerdings nicht. Ggf. wird es auch gar nicht mehr gebaut da bisher „nur“ als Trainer eingesetzt.
Daß wir für zukünftige Rollen einen Zweisitzer brauchen sage ich schon länger, denn auch ein Pilot kommt einmal an sein kognitives Limit.
Ein neues Kampfflugzeugsystem hat bisher nach etwa der Hälfte der Nutzungsnutzungszeit seine volle Einsatzbereitschaft mit allen eingekauften Einsatzmöglichkeiten erreicht. In der Einführungsphase kommt als zusätzlicher Showstopper keine oder nur wenig vorhandene Ersatzteile hinzu. Weiterhin wird bis zum Ende der Nutzung an dem Ausbau der Fähigkeiten durch Upgrades gearbeitet.
Ich vergleiche das immer mit der Formel 1 im Motorsport. Bis zur Mitte einer Saison wird versucht die erhoffte Leistungsfähigkeit zu erreichen. Nur im Motorsport ist die Zeit der Nutzung nur auf eine Saison begrenzt.
Die F-35 hat sich bisher sehr tapfer geschlagen. Die Einführungsphase läuft nach wie vor und dennoch hat sich der Flieger in zahlreichen Einsätzen erfolgreich bewährt. Nach der gleichen Entwicklungszeit hätte ein EF keine einzige Bombe ins Ziel gebracht und auch Air to Air Waffen nur bedingt einsetzen können.
@Jean-Pierre: Ihre Ausführungen sind eine klassische Motte und Bailey Argumentation. Ob Trappier es ausdrücklich gesagt hat, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Aussagen genau diese Schlussfolgerung (Dassault macht es alleine) nahelegen. Wer verstanden werden will, trägt auch Verantwortung für das, was er verständlicherweise vermittelt.
@Zugvogel sagt:
„Das kann man auch nur glauben, wenn man noch nie in einem Cockpit gesessen hat und nach einem Flugobjekt unter Sichtbedingungen Ausschau gehalten hat.“
Mmpf… Nen Pilotenschein hab ich schon seit über 30 Jahren ( zugegeben nicht in den teuren Jets oder Turboprops ).
Ein Beispiel:
In einem ausgewiesen Tieffluggebiet bei München kamen ca. 500m unter mir vor vielen Jahren mal zwei Alpha-Jets der BW mit über 800 km/h vorbei. Kann mich noch gut dran erinnern. Die hatte ich als sich bewegede Punkte initial im peripheren Sichtfeld wahrgenommen. Und dann noch weiter verfolgt.
Das geht also ganz gut.
Aber ja, beim Fall der frontalen Annäherung auf gleicher Höhe mit irrer Geschwindigkeitsdifferenz haben sie schon recht…
Aber wie auch immer, eine Suchkopf-Auffassumg ginge bspw. in dem Fall wenn die Loitering-Munition-Rakete von oben auf die Jets schaut.
Diese Version ging früher nicht, heute mit den neuen Sensoren und KI zusammen mit der Hitzesignatur aber durchaus. Und vor allem:
Das geht auch bei Tarnkappen-Jets. Und das bei überschaubaren Kosten des Suchkopfs…
Nachtrag zur ILA:
https://www.moz.de/lokales/koenigs-wusterhausen/ila-2026-berlin-spanischer-eurofighter-pilot-wegen-laerm-verwarnt-79183019.html
Ich musste das zweimal lesen um es zu glauben. Man kennt das auch als Nicht-Jet-Pilot schon von den Anflugkarten in denen bspw. steht „Ortschaft nicht überfliegen“ mit eingezeichneten vorgeschriebenen An- und Abflugrouten.
Aber bei dem Event ILA…?
[Ich hörte davon auch gerüchteweise bereits auf der ILA… Links zu deutschen Verlagswebseiten finden hier i.d.R. nicht statt, in dem Punkt scheint es aber sinnvoll. T.W.]
Da hier einige Punkte aufgetaucht sind, die aus meiner Sicht das Bild stark verzerren:
1. Wer einen Stealth-Jet fliegt, weiß natürlich, wie man die Vorteile dieser Plattform ausnutzt – und viel Lärm im Spektrum durch das eigene Radar zu machen, gehört sicher nicht dazu. Genau dafür gibt es AWACS und Link 16. Auch hier steht die Entwicklung nicht still: Konzepte wie Engage on Remote gewinnen mit steigender Reichweite der Lenkwaffen an Bedeutung. Hinzu kommt, dass moderne Radare keine „Always-on-Scheinwerfer” mehr sind, sondern im Millisekundenbereich abtasten. Der Gegner bekommt damit allenfalls einen Ping, aber keinen stabilen Track für die Midcourse-Updates.
2. Infrarot ist mit der steigenden Auflösung der Suchköpfe deutlich besser geworden. Trotzdem gibt es einen Grund, warum heute praktisch alle Air-to-Air Mittel- und Langstreckenraketen FOX 3 sind, also über einen eigenen Radarsucher verfügen: Eine verteidigende Trägerplattform kann der Rakete unter Umständen schon auf halbem Weg keine Midcourse-Updates mehr senden, sodass diese bereits in der Marschphase auf ihren eigenen Suchkopf umschalten muss („pitbull” geht). Und hier reicht die Auflösung eines Infrarotsuchkopfes schlicht nicht aus, um über die gesamte Strecke einen stabilen Track zu halten.
Die Entwicklung geht daher eher dahin, aktives Radar mit passivem Infrarot zu kombinieren. Daraus ergeben sich gerade in der Terminalphase einige taktische Vorteile.
3. Gen-4-Jets sind nicht nutzlos, aber ihre Relevanz ist in einer reinen Gen-4-Flotte stark eingeschränkt. Genau das ist der Fähigkeits-Gap, in den wir hineinlaufen, wenn die Amerikaner nicht mehr mit ihren F-22 und F-35 an unserer Seite stehen – denn dann kann ein „stealth“ Gegner sehr aggressiv in unseren Luftraum pushen. Wenn wir dem nicht zumindest mit Collaborative Combat Aircraft (CCA) etwas entgegensetzen können, sieht es schnell düster für uns aus. Eben deshalb ist das gerade ein so wichtiges Thema für die Luftwaffe, und es wird ordentlich aufs Gas getreten.
Ob da aber die F-35 das Mittel der Wahl ist ? Zumindest die USA – und die sollten ja die meiste Erfahrung mit dem Flieger haben – haben bei der Nutzung starke Probleme:
https://www.telepolis.de/article/F-35-am-Boden-Laut-US-Rechnungshof-nur-noch-25-Prozent-voll-einsatzfaehig-11335357.html
Wie sind denn die Erfahrungen der anderen Nutzer ? Die F-35 wurde ja nur deswegen beschafft da sie uns die nukleare Teilhabe sichert. Die wird aber unterschwellig in Frage gestellt bzw. muß ggf. damit gerechnet werden.
Wenn sie wegfällt: welche sinnvollen Einsatzoptionen bleiben dann noch für die F-35 ?
Hier noch mal was Aktuelles zum Hegemon USA: Er fordert ( Stichwort NATO 3.0), dass die NATO den „lead for the conventional defense of Europe“ übernimmt.
Ich kann mich immer noch nicht daran gewöhnen, dass wenn die US-Repräsentanten gerade von der NATO reden, sie damit eigentlich immer nur die anderen NATO-Partner meinen.
Wie auch immer: Die USA geben eindeutig den Hegemon für die konventionelle Verteidigung Europas auf. Das habe ich weiter oben ja schon mal angemerkt.
Nebenbei bemerkt führt die Aufrüstung in Europa dazu, dass sich hier auf dem Kontinent auch neue technologische und taktische militärische Standards entwickeln. Wenn man sich allein die Berichterstattung zur Eurosatory 2026 anschaut: Überall werden neue Entwicklung bei Landfahrzeugen präsentiert, neue Zusammenarbeiten zwischen den Firmen bekannt gegeben und Skalierungen bei der Produktion angekündigt.
@Luft: Danke für die erhellenden Ausführungen. Deshalb ist ja ein Mix entscheidend. Für Brot und Butter kann man die älteren Jets ja noch gebrauchen. Für die speziellen Fertigkeiten gibt es auch spezielle Lösungen.
Dass wir hierfür eine F-35 beziehen müssen heißt ja aber nicht, dass es unmöglich ist, ein zukünftiges Flugzeug auch in Europa zu bauen. Ambitioniertheit steht immer im Risiko. Aber man kann als Rüstungsindustrie auch nicht in Vollkaskomentalität erwarten, dass jede Innovation erst nach staatlicher Bestellung und finanzieller Absicherung entwickelt wird. Dann ist man immer zu spät, zu schlecht oder zu teuer.
Die Probleme, die das GAO (der amerikanische Bundesrechnungshof) bei der F-35 bemängelt, sind eher auf das dysfuntionale Vertrags- und Abrechnungswesen bei der F-35 zurückzuführen.
Kurz gesagt, Lockheed Martin wird finanziell dazu ermutigt, F-35 so schnell wie möglich „auf den Hof zu stellen“, egal in welchem Zustand der Fertigstellung. Gleichzeitig bestellt man daher zu wenige Teile bei der Zulieferindustrie.
Und die durch unfertige Flugzeuge entstandenen Strafzahlungen werden durch Prämien, wenn LM es doch schafft eine Maschine innerhalb einer gewissen Frist einsatzklar zu kriegen, wieder ausgeglichen.
Bei Exportkunden der F-35 gibt es diese Probleme nicht in dem Ausmaß
@Lufti
„wenn die Amerikaner nicht mehr mit ihren F-22 und F-35 an unserer Seite stehen – denn dann kann ein „stealth“ Gegner sehr aggressiv in unseren Luftraum pushen. Wenn wir dem nicht zumindest mit Collaborative Combat Aircraft (CCA) etwas entgegensetzen können, sieht es schnell düster für uns aus. “
Die Schlussfolgerung kann ich hier schlecht nachvollziehen, gegnerische stealth jets können in unseren Luftraum eindringen weil wir nicht mit Stealthjets entgegen halten können?
Allgemein, weil unsere Jäger unterlegen sind und Abstand halten müssen?
Nun, wäre dann ein anderer Ansatz nicht, man investiert mehr in eigene Aufklärung, Sensoren aller Art und Boden Luft Raketen wenn man den Gegner fernhalten will?
Das Ganze ist zugegebenermaßen nicht gerade mein Fachgebiet, aber ich habe eine ganz gute Physikalische Grundbildung und insbesondere IT Kenntnisse. Kombiniert man mehrere Sensoren mit maschinellem lernen, dann bezweifle ich, dass es eigene Megateure Jets braucht, um den Gegner abzuschrecken. Stealth macht ja nicht unsichtbar.
Kurz gesagt, ich würde aktuell eher massiv in den Ausbau von Abfangraketen aller Art investieren, als viel Geld in einen neuen Jet zu stecken, der irgendwann vielleicht mal einsatzbereit ist.
Stealthjets sind nach meinem Verständnis eher Angriffswaffen. Die braucht man vor allem, wenn man fremde Länder bombardieren will.
@Klaus-Peter Kaikowsky (KPK) 16.06.2026 um 23:25 Uhr
> 1. Herfried Münkler „Welt in Aufruhr“, Kapitel 5, “ Die Weltordnung der großen Fünf“ reicht.
Ich schätzte Herrn Münklers Ausführungen zur Geopolitik sehr, aber bei aller Zuneigung, nein das reicht eben nicht! Romantisches Wunschdenken, Indien in Rüstungs- und Sicherheitsfragen näher an EU zu binden ist subkomplex.
Einen etwas realistischeren Blick auf die Indien-Russland-Beziehungen könnten Sie dem entnehmen, als aktuelles Beispiel: https://aerospaceglobalnews.com/news/india-russia-military-aviation-pact/
Machen Sie sich kundig über RELOS, der strategischen Partnerschaft Indiens mit Russland, und wie sehr Indien mit seiner Rüstung an den Kreml gebunden ist. So viele Russen in Indien mit ihren Tentakeln melden fleißig nach RUS.
Die Modi-Administration vertraut RUS, nicht jedoch den USA in Sicherheitsfragen. Die EU ist wirtschaftlich interessant, ja für know-jow-transfer, aber das nützt der EU nichts in der aktuellen Bedrohungslage, und könnte im Konfliktfall zum Bumerang werden.
Indiens Politik des non-alignments nützt Indien, weil es wirtschaftliche Hegemonie in Südasien betreibt. Das ändert aber kaum etwas an seiner gegenwärtigen Bindung im Bereich der Rüstung zu Russland. Und ja, man könnte es als lästige Verstrickung ansehen, aber das ist eben die Realität.
@SAI
Gut, dass unterschiedliche Auffassungen nebeneinander bestehen bleiben können.
Die Abnabelung der indischen Republik von Russland ist unaufhaltsam.
@lukan
Wenn ich in einem Gen-4-Fighter sitze (z. B. Eurofighter) und weiß, dass mein Gegner über zumindest einigermaßen signaturreduzierte Jets verfügt (etwa die Su-57), dann werde ich nicht viel Zeit in großer Höhe verbringen. Denn ich muss davon ausgehen, dass der Gegner mich bereits erfasst hat und die Su-57 schon dabei ist, auf mich zu schießen
– auch wenn ich sie selbst noch nicht sehe. Schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb werde ich daher sehr früh in die Defensive gehen: unter vollem Nachbrennereinsatz die Höhe reduzieren und in die entgegengesetzte Richtung davonfliegen, um eventuelle gegnerische FOX 3 – die zu diesem Zeitpunkt noch per Midcourse-Update geführt werden – in dichtere Luft hinunterzuziehen und ihnen dabei möglichst viel Energie zu entziehen.
Das bedeutet aber zwangsläufig, dass ich Raum aufgebe: Der Luftraum, den ich eigentlich laut Auftrag schützen soll, wird nun nicht mehr durch mich verteidigt und steht dem Gegner offen.
Kurz: Allein die potenzielle Anwesenheit eines Stealth-Jets zwingt mich bei einer reinen Gen 4 Flotte in eine defensive Position, in der ich meinen eigentlichen Auftrag nicht mehr erfüllen kann. Ich bin nur noch damit beschäftigt zu überleben – und der Gegner hält alle Karten in der Hand: Raum, Übersicht und Geschwindigkeit.
Wenn mir nun aber ein CCA zur Verfügung steht, das einfach weiter nach vorne pusht und dabei ebenfalls seine FOX 3 absetzt und pitbull gehen lässt, dann hat plötzlich auch die Su-57 ein Problem und muss ihrerseits verteidigen (selbst wenn sie das CCA abschießt). Die Positionen haben sich damit neutralisiert.
Im Idealfall möchte ich als Verteidiger eines Luftraums aber in einem Gen-6-Fighter sitzen: um den Luftraum tatsächlich zu beherrschen und den Gegner schon durch meine potenzielle Anwesenheit vorsichtig werden zu lassen. Dazu CCA, um jederzeit pushen zu können, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen; einen ständigen AWACS-Feed, um selbst passiv bleiben zu können; und Standoff-Jammer, um es dem Gegner richtig schwer zu machen. Als Kirsche obendrauf der direkte Link zu meiner eigenen integrierten Luftverteidigung (IADS) – und damit ist man etwa dort, wo man mit FCAS eigentlich hinwollte.
Verständlich?
@Lufti
Danke, für die Erläuterung. Und ich bestreite wie gesagt nicht, dass Gen-6 Stealth Jets zu haben sehr nützlich wäre.
Mein Punkt war aber die Frage nach der Alternativlosigkeit.
„Das bedeutet aber zwangsläufig, dass ich Raum aufgebe: Der Luftraum, den ich eigentlich laut Auftrag schützen soll, wird nun nicht mehr durch mich verteidigt und steht dem Gegner offen.“
Wenn ich statt Gen 6 Jets in Frontnähe dafür mehr Radarsysteme und andere Sensoren habe – und reichlich Boden-Luft Raketen – dann sollte das doch einen Gegner auch ausreichend abschrecken und der Luftraum wird dann vor allem mit Bodenmitteln verteidigt? (plus unbemannte fliegende Systeme aller Art)
Die Frage ist am Ende, was ist günstiger und wann ist es in ausreichender Zahl verfügbar.
@lukan @Lufti
A2/AD geht eben nicht nur auf dem Wasser sondern auch in der Luft. Nicht umsonst bekommen die air-air Waffen immer mehr Reichweite, bis – aktuell – zu 300 km.
Und es hat schon einen Grund weshalb die RUS Lw. eher wie Artillerie eingesetzt wird, shoot-and-scoot (Gleitbomben).
….“mehr Radarsysteme und andere Sensoren habe – und reichlich Boden-Luft Raketen “ ….
Erstens müssten die dann auch dort verfügbar sein, wo man sie benötigt.
Zweitens müssten sie die Unterdrückung unserer eigenen Luftverteidigung überleben (wie man in UKR sieht, ist das nicht immer so einfach)
Drittens müssten wir sie erst einmal haben. Und da wird es schwierig. Vor allem das mit dem „reichlich“ ist doch eher unwahrscheinlich.
@Thomas Becker
„Vor allem das mit dem „reichlich“ ist doch eher unwahrscheinlich.“
Das ist ja eben genau die Frage vor der wir jetzt stehen. Wir haben verhältnismäßig ein sehr gr0ßes, aber doch begrenztes Kapital für Verteidigung. Wenn es für Neuentwicklung eines eigenen Gen 6 Jets und genug Raketen reicht, super. Aber wenn eben nicht – und danach sieht es stark aus – muss man sich fragen was man eher braucht.
Wie Thomas Melber schreibt, die Reichweite der Abfangraketen ist inzwischen enorm und Russland hat trotz eigener Stealth Jets und systematischer Eliminierung der ukrainischen Flugabwehr eben trotzdem nicht die Lufthoheit über die Ukraine. Und die Ukraine selbst hätte sicher gerne auch die F35 – aber nützlicher für sie wäre erst mal genügend Raketen zu haben. Ihre aktuellen verwenden sie sehr effektiv.
@all
Aus gegebenem Anlass: Extrem ausführlich hier Fremdtexte wiederzugeben, egal ob im Original oder in einer (Google)Übersetzung, noch dazu mit ner Wischiwaschi-Quelle (xx-Zeitung, vor drei Jahren) und damit mögliche Urheberrechtsstreitigkeiten auf meinem Rücken abzuladen, ist kein Kommentar, sondern nicht besonders freundlich. Bitte nicht.