Zukunft von FCAS: Neue deutsche Prüfschleife – und vielleicht dann unbemannt?
Die Zukunft des deutsch-französisch-spanischen Luftkampfsystems FCAS (Future Combat Air System) scheint derzeit ohnehin auf der Kippe zu stehen. Da bekommt eine Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz zu dem wichtigen Rüstungsprojekt eine zusätzliche Bedeutung: Will Deutschland vielleicht von dem bisherigen Ziel abrücken, gemeinsam mit Frankreich einen neuen bemannten Kampfjet zu entwickeln – und setzt auf die High-Tec-Drohne? Die Antwort der Regierung auf diese Frage ist vorerst, nun, merkwürdig.
Merz äußerte sich in dem Podcast Machtwechsel der Journalisten Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander in der am (heutigen) Dienstag veröffentlichten Folge. Etwa ab Minute 10:25 geht es dort um FCAS, und dann sagt der Kanzler sehr eindeutig:
Also wir sprechen zurzeit oder ich spreche mit dem Verteidigungsminister und auch mit den Soldaten darüber. Was brauchen wir eigentlich? Ich stelle auch die Frage, kann durchaus sein, dass wir zum selben Ergebnis kommen. Aber ich möchte die Frage jetzt geklärt wissen: Brauchen wir eigentlich noch in 20 Jahren von heute ein bemanntes Kampfflugzeug? Brauchen wir das noch, das wir dann ja mit hohem hohem Aufwand entwickeln müssten? Brauchen wir also sozusagen die sechste Generation der tarnkappenfähigen Kampfflugzeuge für die deutsche Luftwaffe? Wenn wir zu dem Ergebnis kommen Ja, wir brauchen das. Dann werden wir schauen, wer das mit uns zusammenbaut. Es gibt in Europa auch andere.
Der entscheidende Satz noch mal im Audio:
Danach habe ich in der Bundespressekonferenz Regierungssprecher Stefan Kornelius gefragt – denn für mich wirft das die Frage auf: Zieht Deutschland jetzt eine neue Prüfschleife ein, nämlich die Frage, ob der Next Generation Fighter, das Kampfflugzeug als Teil des FCAS-Projekts, ein bemannter Kampfjet sein soll oder eine hochentwickelte Drohne? Wenn diese Frage erst beantwortet werden soll, dann verschieben sich natürlich Zeitplan und Gewichte bei dem tri-nationalen Projekt.
Der Regierungssprecher verwies zum einen darauf, dass es jetzt um eine Entscheidung der französischen Regierung über den Fortgang des Projekts gehe. Und zum anderen decke sich das obige Zitat nicht mit seiner Kenntnis der Aussagen des Kanzlers.
Zum Nachhören der FCAS-Teil aus der heutigen Bundespressekonferenz; mein Wortwechsel mit Kornelius gleich zu Beginn:
Viel klarer ist das erstmal nicht. Ich habe das Bundespresseamt um Klärung gebeten – was hat der Kanzler denn nun wirklich gesagt? Und was bedeutet das?
Nachtrag: Das Transkript des Audios oben, und der Hinweis, dass dort neben dem Regierungssprecher auch Natalie Jenning vom BMVg zu hören ist:
Frage: Herr Kornelius, der Kanzler hat ja heute Morgen in einem Podcast unter anderem zum Thema FCAS Stellung genommen. Habe ich es richtig verstanden, dass er jetzt eine neue Prüfschleife eingezogen hat, nämlich in Bezug auf die Frage, ob der „next-generation fighter“ auch „unmanned“ sein könnte? Was bedeutet das für die eigentlich in Kürze erwartete Entscheidung von Macron und März über den Fortgang des Projekts?
Kornelius: Der Bundeskanzler hat sich ja schon mehrfach öffentlich über das Kampfflugzeug der nächsten Generation geäußert. Er hat die Parameter benannt, nach denen über dieses Flugzeug entschieden werden kann, aber nicht muss. Er hat darüber gesprochen, dass es bemannt oder unbemannt sein kann, wie das auch alles in dem Podcast korrekt nachzuhören ist.
Hinsichtlich der FCAS-Entscheidung gibt es eine Verabredung zwischen Deutschland und Frankreich. Die Ausgestaltung dieser Verabredung wird momentan zwischen Deutschland und Frankreich diskutiert. Da warten wir jetzt auf die Entscheidung, die uns von französischer Seite auch innerhalb naher Zeit, bis zum Ende des Monats, zugesagt wurde. Deswegen würde ich Sie bitten, sich bis dahin zu gedulden.
Sie wissen, dass sich Rüstungstechnologie immer weiterentwickelt. Wir sprechen davon, dass wir ein „system of systems“ haben. Wir haben das Kampfflugzeug. Der Bundeskanzler hat gesagt, was die französischen Spezifikationen sind, und gesagt, was die deutschen Interessen sind. Die Konstellation ist uns also bekannt. Jetzt brauchen wir nur eine Entscheidung.
Zusatzfrage: Ich bitte sehr um Entschuldigung, dass ich meine Frage so unpräzise formuliert habe, und will das gerne präzisieren. Zitat:
„Aber ich möchte die Frage jetzt geklärt wissen: Brauchen wir eigentlich noch in 20 Jahren von heute ein bemanntes Kampfflugzeug? Brauchen wir das noch? […] Brauchen wir also sozusagen die sechste Generation der tarnkappenfähigen Kampfflugzeuge für die deutsche Luftwaffe?“
Die Aussage „Ich möchte die Frage jetzt geklärt wissen“ bedeutet also, dass da eine neue Prüfschleife eingezogen wird, oder verstehe ich das falsch?
Kornelius: Er sagte: „Ich stelle auch die Frage […]: Brauchen wir […] in 20 Jahren ein bemanntes Kampfflugzeug?“
Er sagte nicht: „Die möchte ich jetzt geklärt wissen.“
Zusatz: Doch! Entschuldigung, dann haben Sie eine andere Abschrift. Ich zitiere es gerne noch einmal:
„Aber ich möchte die Frage jetzt geklärt wissen.“
Das ist ein Originalzitat. Deswegen frage ich.
Kornelius: Ja, gut, das kann man ja klären. Darüber kann man ja diskutieren.
Zusatzfrage: Bedeutet das eine Prüfschleife mit entsprechender zeitlicher Verzögerung?
Kornelius: Diese Debatte um FCAS beinhaltet all diese Fragen, die Sie jetzt zu Recht auch nennen und die der Bundeskanzler im Podcast genannt hat. Die Gespräche, die auch zwischen Deutschland und Frankreich geführt werden, drehen sich um all diese Punkte.
Frage: Herr Kornelius, ein Kriterium, dass er als Differenz zwischen Deutschland und Frankreich nennt, ist ja, dass die Franzosen ein Flugzeug brauchen, das auch Atomwaffen transportieren kann. Nun bestellen wir in den USA ja mit den F-35 auch Flugzeuge, die Atomwaffen transportieren sollen. Deswegen habe ich nicht ganz verstanden, wo da die Unmöglichkeit liegt, dass auch wir, also die Europäer, so ein Flugzeug gemeinsam entwickeln. Vielleicht können Sie noch einmal erklären, wo der Unterschied ist zwischen der F-35 und dem, was die Franzosen planen.
Kornelius: Die F-35 soll jetzt ja unmittelbar die nukleare Teilhabe garantieren. Deswegen ist das losgelöst von der FCAS-Entscheidung zu sehen. Ansonsten verstehe ich die Frage vielleicht nicht.
Zusatz: Entschuldigung, falls auch ich mich unpräzise geäußert habe. – Die Bundesregierung bestellt F-35-Flugzeuge in den USA, damit sie Atomwaffen tragen können und es eine nukleare Teilhabe an amerikanischen Waffen gibt. Die Franzosen wollen ein Flugzeug entwickeln, das auch Atomwaffen tragen kann. Der Kanzler hat aber gesagt, es gebe zwei Unterschiede zwischen den deutschen Planungen und den französischen, nämlich dass Frankreich ein Flugzeug will, das auf einem Flugzeugträger landen kann und das Atomwaffen tragen kann. Ich habe bei diesem einen Punkt mit den Atomwaffen nicht verstanden, warum es nicht auch im deutschen Interesse wäre, ein gemeinsames Flugzeug zu entwickeln, das atomwaffenfähig ist.
Kornelius: Die Spezifikation, die die Luftwaffe an FCAS gestellt hat, sind Ihnen ja bekannt. Die F-35, wie Sie zu Recht sagen, wird atomwaffenfähig sein, zumindest die Version, die hier auch als Nachfolger für den Tornado eingekauft wird. Deswegen, glaube ich, ist das der Stand, den wir haben, und auch voneinander getrennt zu betrachten.
Frage: An das Verteidigungsministerium: Brauchen wir in 20 Jahren noch Kampfflugzeuge, also bemannte Kampfflugzeuge, wie vom Kollegen gerade genannt?
Jenning: Sie können nicht in ähnlicher Weise von mir erwarten oder erhoffen, dass ich diese Frage jetzt sozusagen von hier aus mit einem klaren Ja oder Nein beantworten kann, sondern das sind natürlich auch Entwicklungszyklen, die wir haben. Wir dürfen nie vergessen, dass ja alle unsere Verteidigungssysteme immer auch im Wirkverbund sind, sodass ich das jetzt hier nicht als Einzelfrage herausgreifen und mit Ja oder Nein beantworten kann.
Zusatz: Ja, gut, aber die Bundeswehr bestellt das ja und will ja im Zweifel damit fliegen. Wenn Sie US-Kampfflugzeuge bestellen, die im Zweifel von den Amerikanern gekappt werden können, dann liegt die Frage ja auf der Hand.
Jenning: Jetzt nehmen Sie den etwas anderen Spin mit hinein. Ich denke, Sie nehmen auch Bezug auf die Aussagen des niederländischen Verteidigungsstaatssekretärs, die im Raum stehen. Sie wissen, dass ich die als solche nicht kommentiere. Wir haben uns ja hier auch schon im vergangenen Jahr zu der F-35 und den Möglichkeiten geäußert.
Ich möchte das vielleicht ganz allgemein noch einmal so einordnen, dass das natürlich ein Teil in dem Kampfverbund ist. Deswegen setzen wir auf die F-35 quasi in der Ausgestaltung, in der sie jetzt bestellt worden ist. Ich darf an dieser Stelle auch noch einmal betonen, dass das F-35-Projekt als multinationales Projekt aufgelegt ist. Das heißt, sowohl jetzt, in der Umsetzung, als auch später, in der Nutzung, wird es entsprechend auch um diese Interoperabilität und darum gehen, dass wir auch gerade hier eben kein US-only-Produkt haben, sondern dass daran auch verschiedene Partner beteiligt sind, nicht nur jetzt, in der Entwicklung und Umsetzung, sondern auch nachher, in der Nutzung. Sie wissen auch, dass gerade dieses System eben von gut 20 Nutzern weltweit sehr umfangreich genutzt wird und es dabei natürlich dann auch darum geht, wie gesagt, gemeinsam entsprechend wirken zu können. Dazu kann ich, ehrlich gesagt, nur noch einmal zusammenfassend sagen, auch wenn Sie das im Zweifel nicht befriedigt: Es geht hierbei natürlich um sehr moderne Systeme, die einfach auch mit einer hohen Komplexität einhergehen. Auch das haben wir schon einmal gesagt: Wir gehen nicht davon aus, dass wir sozusagen diese Sorgen hinsichtlich der Gefahr, wie Sie sie jetzt sehr streng skizzieren, teilen. Das ist das, was ich vielleicht einordnend dazu sagen kann.
Frage: Die deutsche Industrie und auch die IG Metall sind ja starke Befürworter davon, zwei Kampfjets für dieses Projekt zu bauen. Ich habe den Kanzler heute Morgen nicht so ganz verstanden. Findet er das gut oder schlecht, oder weiß er es nicht?
Kornelius: Der Kanzler hat heute Morgen nicht auf diese Gewerkschaftsideen reagiert.
Zusatzfrage: Die Frage ist ja: Gut, schlecht, weiß nicht?
Kornelius: Deswegen kann ich jetzt auch nicht auf die Gewerkschaftsideen reagieren.
Frage: Wie sieht der Plan B der Bundesregierung für den Fall aus, dass Herr Dassault aussteigt? Die Anzeichen dafür, dass er das tun will, mehren sich ja doch stark.
Kornelius: Herrn Dassault gibt es, glaube ich, nicht, aber ich weiß, was Sie meinen, nämlich Herrn Trappier bzw. die Firma Dassault.
Unser Szenario ist nicht, dass wir diese Partnerschaft jetzt auflösen, sondern, dass wir sie erhalten. Über die Umstände wird gerade verhandelt. Das ist hinlänglich bekannt und diskutiert, und wir warten jetzt auf eine französische Entscheidung darüber, ob man eine Zukunft in dieser Kooperation sieht, wie sie zu Beginn der Partnerschaft verabredet wurde.
Zusatzfrage: Deswegen stelle ich eben die Frage: Gibt es einen Plan B für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass der Partner, die Firma Dassault, aussteigt?
Kornelius: Die Bundesregierung arbeitet an der Fortsetzung dieser Partnerschaft, nicht an der Auflösung. Deswegen spekuliert sie nicht über einen Plan B.
Bonjour @Jean Pierre,
Dies als Antwort auf Ihren Kommentar im vorherigen FCAS-Thread: 1. 2018 hatten wir bekanntermaßen eine vollkommen andere sicherheitspolitische Lage in Europa. Warum also soll D als Reaktion auf die „doppelte Zeitenwende“ nicht reagieren „dürfen“ und evtl. als Teil von FCAS – oder eben in einer anderen Weise – ein Kampfflugzeug der 6. Generation mit größerer Reichweite oder eine Drohne entwickeln und beschaffen? Genau wie dann F natürlich auch.
2. FCAS ist ein „politisches“ Projekt, dass D-F Zusammenarbeit demonstrieren soll: Warum reduzieren wir es nicht auf den Teil, wo Zusammenarbeit tragfähig und verlässlich funktioniert und die Arbeitspakete Früchte tragen? Der politische Nutzen wäre für beide Länder gut. Darauf würde ich auch BK Merz hinweisen (… wenn er mich denn fragte…)
3. FCAS muss man sich nicht nur leisten wollen, sondern auch leisten können. Ich denke, dass hier D der stärkere der beiden (Noch?)Partner ist. Kann es sein, dass dies in F manchmal in Vergessenheit gerät?
3.
Lieber @T.W., herzlichen Dank fürs Nachfragen – der Kanzler müsste nun tatsächlich Farbe bekennen und ich hoffe inständig, dass er das final auch endlich macht. Bitte kein Rumgeeier oder gar „scholzen“ mehr, sondern eine klare Ansage für alle Beteiligten. Auch außerhalb Deutschlands wäre dies an der Zeit, denke ich.
Interessant fand ich in diesem Zusammenhang, dass Herr Geiger auf Hartpunkt Stellung gegen GCAP bezieht, die Maschine scheint im Hintergrund also auf Hochtouren zu brummen… :-)
Zum Thema „Neue Flugzeuge braucht das Land“:
Gegen Jets in grosser Höhe helfen nur gleichfalls teure & kompliziert zu entwickelnde Flugabwehrraketen samt Radarsystem ( im Gegensatz zum finanziell unfassbar asymetrischen Fall Baumarktdrohne / Kampfpanzer ). Also sind neue Flugzeuge auf jeden Fall sinnvoll. Aber was genau ?
Die neuesten Entwicklungen der Jets wären:
– Tarnkappe
– Vernetzt
-Unbemannt
Die ersten beiden Punkte dürften immer im Lastenheft stehen, man will ja mithalten mit dem bösen Feind…
Auf jeden Fall mit JA würde ich die Frage vom Bundeskanzler beantworten ob wir in 20 Jahren noch Kampfjets brauchen. Die stehen in 20 Jahren in der Alarmrotte und der „Altbestand“ fängt ja schon heute und in der Zukunft regelmässig auch zivile Passagiermaschinen ab weil die Crew schnarchnasen-mässig den Wechsel auf die jeweils aktuelle Flugsicherheitsfrequenz versaubeutelt hat. Das ist ( leider ) Alltag.
Ich hätte in diesem Fall sehr ungern unbemannte, schwer bewaffnete Drohnen neben mir…
Es spricht also nichts dagegen ein bemanntes Flugzeug zu entwickeln. Gerne auch in einer „B“ und „C“ – Version mit Flugzeugträger-Eignung oder Kurzstart / Senkrechtlandungs-Fähigkeit.
Die Jungs wollen nur nicht da man sich scheinbar nicht einigen kann wer die größte Fabrikhalle hat ;-)
Oder um es mit den Worten eines früheren DDR-Staatslenkers zu sagen:
“ NIEMAND HAT DIE ABSICHT EIN FLUGZEUG ZU BAUEN “
So schauts aus…
Ins Lastenheft aufnehmen würde ich dann auch: Möglichkeit der Nutzung von Behelfspisten und einfache feldmäßige Maintenance. Vielleicht wäre da eine Carrier-Variante gar nicht so verkehrt.
Hallo zusammen,
Nur der Vollständigkeit halber poste ich meinen Kommentar hier noch einmal:
Hallo der neue Alte,
Was mich an diesem Interview stört, sind die Gründe, die Friedrich Merz dafür nennt, warum er FCAS kritisch sieht. Denn der Bundeskanzler erklärte, dass Deutschland ein Problem mit den Spezifikationen des NGF hat:
„Die Franzosen brauchen in der nächsten Generation des Kampfflugzeugs ein atomwaffenfähiges und ein flugzeugträgerfähiges Flugzeug. Das brauchen wir in der Bundeswehr gegenwärtig nicht.“
Da frage ich mich ernsthaft, ob Herr Merz diese Spezifikationen erst vor Kurzem entdeckt hat. Schließlich wurden sie bereits 2018 bei der Unterzeichnung des HLCORD klar festgelegt. Die Franzosen haben dies nie verborgen, und Deutschland war damals ausdrücklich einverstanden. Wir geben also Milliarden aus, und erst jetzt realisiert die deutsche Regierung, dass die FCAS‑Spezifikationen, die sie damals unterschrieben hat, nicht passend sind? Wouah!
Unverständlich ist für mich auch, wie er im selben Interview einerseits erklärt, er wolle mit Frankreich über den französischen nuklearen Schutzschirm für Deutschland sprechen, andererseits aber behauptet, FCAS erfülle deutsche Bedürfnisse nicht, weil die Franzosen ein atomwaffenfähiges Flugzeug entwickeln wollen.
Lüstig ist auch das Wort „gegenwärtig“ – nach dem Motto: Ja, wir möchten über die französische Bombe reden, aber nein, wir wollen kein atomwaffenfähiges Flugzeug mit den Franzosen entwickeln, weil wir es noch nicht brauchen… Wirklich???
Er hätte bessere Argumente finden können (gibt es ja auch). Da muss man sich nicht wundern, wenn er jetzt dafür belächelt wird… Peinlich.
Sehr geehrter Herr Wiegold, da haben sie sich ja wieder „Freunde“ gemacht. Ich bewundere die hartnäckige Fragestellung.
Nun ja, die Franzosen verweisen zu Recht darauf, dass von Anfang an klar war, dass ein flugzeugträgerfähiger A-Bomben-Träger entwickelt werden muß. Diese Kröte hat D damals geschluckt, weil ein Alleingang mit den damaligen Budgets utopisch gewesen wäre. Die jetzt betonte hohe Reichweite zum Einsatz an der Ostflanke ohne Nachtanken stand damals auch nicht im Fokus. Ebenso war nie die Rede von 80 oder 51 % für Dassault. Die Zeiten haben sich geändert, manchmal ist es besser, getrennte Wege zu gehen…
@ Jean Pierre
Ich sehe es etwas anders, als Sie.
Die Anforderungen durch die veränderte Bedrohungslage haben sich grundlegend geändert und diese Veränderung wird von Dassault ignoriert.
1. In 15 Jahren, wenn NGF einsatzbereit ist, hat die Drohnenentwicklung ein bemanntes Trägerflugzeug überflüssig gemacht. Die Fortschritte sind atemberaubend.
2. Die nukleare Komponente soll durch ein Stealth-Flugzeug sichergestellt werden, was die Rafale in dieser Rolle ersetzt. Da wir aber auf absehbare Zeit keine Stealthbetankungsdrohne im Einsatz haben, bleibt nur ein deutlich größeres Flugzeug mit mehr interner Kraftstoffkapazität. Denn die Betankung auf halber Strecke mit dem A330 ist alles andere als ein Stealth-Einsatz..
Dieses sehr große Stealth-Flugzeug passt aber überhaupt nicht zur französischen Forderung nach Trägertauglichkeit.
Also müssen sich alle drei Seiten, also Frankreich, Spanien und Deutschland einmal in die Augen schauen und ganz ehrlich die Frage stellen, ob beim NGF überhaupt irgendwelche Anforderungen der Marine und der Luftwaffen zusammenpassen.
Ich glaube es nicht.
Schon bei der F-35 waren die drei Varianten am Ende immer nur ein Kompromiss, weswegen es jetzt wieder zwei Flugzeuge in der Entwicklung für Luftwaffe und Marine geben wird.
Hallo zusammen,
Wouah! Dieses Interview hätte sich Friedrich Merz wirklich sparen sollen – was für eine katastrophale Aussage. Wie bereits erklärt, sind die Gründe für einen möglichen deutschen Ausstieg aus dem FCAS‑Projekt äußerst widersprüchlich. Warum fällt ihm erst heute ein, dass die französische Spezifikationen nicht zur Luftwaffe passen?
Seit der Unterzeichnung des FCAS‑Projekts mit Frankreich sind 8 Jahre vergangen, und nun stellt er das gesamte Konzept auf den Kopf und überlegt ernsthaft, wieder von vorn zu beginnen. Jetzt sollen wir statt eines NGF vielleicht doch lieber eine ‚Superdrohne‘ entwickeln? Und wenn er diese Drohne dann auch noch mit Loyal Wingmen fliegen lassen will, kriege ich mich nicht mehr ein.😃
Wie viel Zeit wollen wir denn noch verlieren? Es ist ja nicht so, als hätten wir Zeit übrig, oder? Was für eine Verschwendung von Geld, Zeit, Nerven und Vertrauen.
Und was soll in weiteren 8 Jahren passieren? Wieder neue Spezifikationen, nur um die nächste Innovation oder militärische Doktrin einzubauen? Mit dieser Herangehensweise kann man es auch gleich lassen und stattdessen alle zehn Jahre einfach etwas neues kaufen, statt eine Entwickelung zu starten. Da wir aber hier unter uns sind, gebe ich euch einen kleinen Tipp: In 15 Jahren werden alle Kampfjets Laserwaffen einsetzen und klimaneutral fliegen müssen – was sich vermutlich nur mit Mini‑Kernreaktoren realisieren lässt. Herr Merz, denken Sie unbedingt daran, wenn Sie neue Spezifikationen fordern.😉
Ich bin fassungslos über so viel Unentschlossenheit und Verzweiflung. Dazu fällt mir nur dieses Sprichwort ein: Das Bessere ist der Feind des Guten. Man riskiert, alles zu verderben, wenn man versucht, etwas zu verbessern, das bereits gut ist.
@Jean-Pierre: Noch einmal: Bedrohungslage und Einsatzanforderungen haben sich seit 2018 geändert und werden sich bis zur Einsatzreife so rasant weiter verändern, wahrscheinlich für D in eine andere Richtung als für F. Wie das Projekt FCAS, das ja ein System zum Ziel hat und nicht nur ein Kampfflugzeug, angepasst werden muss, wird -s.o. – gerade verhandelt.
Für die von Ihnen richtigerweise angesprochenen Verzögerungen und Kostensteigerungen gibt es klar einen Schuldigen: Éric Trappier. Ich empfehle Ihnen dazu auch das Interview mit der Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses im Europäischen Parlament heute Morgen im DLF (Link zum Audio https://www.deutschlandfunk.de/interview-mit-marie-agnes-strack-zimmermann-fdp-europaabgeordnete-zu-fcas-100.html) .
Laut Handelsblatt denkt Deutschland über weitere F-35 nach, um Zeit für eine Entscheidung zu gewinnen.
[Nein. Das war lt. Reuters, nicht laut Handelsblatt. Und das Dementi ist auch schon da:
Currently no plans to buy additional F-35 jets, Berlin says – https://www.reuters.com/world/europe/currently-no-plans-buy-additional-f-35-jets-berlin-says-2026-02-19/
T.W.]
@ T.W.
Stimmt, Handelsblatt bezog sich auf Reuters.
Das Dementi war zu erwarten…
Ich glaube nicht, daß die unterschiedlichen Einsatzanforderungen, die der Bundeskanzler jetzt angesprochen hat, der eigentliche Hemmschuh bei FCAS sind. Sie existieren und die Lage hat sich – wie von anderen bereits richtig dargelegt – seit 2018 radikal gewandelt. Aber ich glauibe nicht, daß hier der wahre „casus knackus“ liegt.
Ich habe jüngst eine sehr gute Analyse gelesen, wonach Frankreich die absolute Technologiehoheit und nationale Unabhängigkeit bei Rüstungsprojekten an oberste Stelle stellt. Kann man alles machen, ist alles legitim und nachvollziehbar aber dann tonnenweise integrationistische Rhetorik zu verbreiten ohne die Absicht „zu teilen“ (d.h. IP, Industrieanteile etc) läßt Paris dann als scheinheilig dastehen. So auch dieses Mal, denn egal ob so gemeint oder nicht: Dassaults Forderung nach „best athlete“ und vollständiger Kontrolle und Auswahl auch von Subunternehmern mußte in Berlin als Versuch ankommen, deutsche Unternehmen ins Aus zu drängen und Deutschland zu nurmehr einem „Zahlmeister“ zu degradieren, der das Projekt gern fürstlich finanzieren darf und dann als Kunde nochmal zur Kasse gebeten werden kann.
Und eine derartige Abhängigkeit von Frankreich kann angesichts der politischen Unruhe im Land, der Aussicht auf einen potentiellen französischen Präsidenten aus den Reihen der RN und den gemachten Erfahrungen mit Donald Trump verbietet sich eigentlich von selbst.
Bei dem ganzen Drohnehype darf meiner sehr unbedeutenden Meinung nach nicht unterschätzt werden das die technischen Möglichkeiten der Unterbrechung oder Störung von den Transferdaten, seih es die Steuerung als auch Datenübermittlung, ebenfalls enorme technische Fortschritte macht, Es kann gut sein das in geraumer Zeit ein Betrieb von Drohnen über bestimmten Räumen garnicht mehr gewährleistet werden kann. Dann ständen wir aber dumm da.
Hallo der neue Alte,
Dassault, ein recht unangenehmen Partner: egoist, arrogant und unkollegial oder nicht? Naja…
Dassault Aviation blickt auf eine lange und erfolgreiche Geschichte als Flugzeughersteller zurück und das obwohl es einer der kleinsten Akteur in diese Liga war/ist. Dassault ist heute immer noch kleiner als SAAB. Dies machte sogar damals die USA neugierig, denn wie konnte eine so kleines Unternehmen mit so wenig Entwicklungsgelder qualitative und erfolgreiche Jets bauen? Die Rand Corporation wurde somit in 1973 damit beauftragte diese Gründe zu untersuchen. Das Ergbnis dieses Bericht lobt Dassault als Wegweiser in der Branche:
https://www.rand.org/pubs/reports/R1148.html
Über 50 Jahre später hat sich wenig geändert: Der Eurofighter, damals als Luftüberlegenheitsjäger geplant, nähert sich heute der ursprünglichen Dassault-Vision eines Multi-Role-Fighters. Die Rafale-Entwicklung – inklusive Marineversion – war für Frankreich günstiger als für jedes Eurofighter-Mitglied, neun Monate früher fertig und vor dem Eurofighter einsatzbereit.
Die Aussage von Herrn Trappier am 23.09.25 in der Assemblée Nationale gibt ebenfalls Einblick in die Denkweise bei Dassault: „Ehrlich gesagt, wenn es nur darum ginge, Geld zu verdienen, würde ich das Budget nehmen und die Arbeit auf ein Minimum beschränken. Aber so bin ich nicht.“
Mit der Entwicklung der Dassault nEUROn-Drohne für weniger als 500 Mio. Euro – gemeinsam mit SAAB, Alenia, HAI, RUAG, Airbus SE und CASA – hat Dassault eine Erfolgreiche Internationale Kooperation nachgewiesen.
Warum scheitert FCAS? Ganz einfach: Es ist ein politisches, kein industrielles Projekt. Politische Kompromisse sichern nationale Interessen, gehen aber zulasten der Effizienz. Für Dassault, wo Effizienz Teil seiner DNA ist, führt das zu Problemen: Warum sollte eine Kooperation 100 Mrd. kosten, wenn 80 Mrd. genügen würden?
In Deutschland fruchtet man wenn Dassault die Oberhand beim NGF bekommt, wird die deutsche Industrie leer ausgehen. Dennoch hat Herr Trappier am 23.09.25 dies verneint: „Geben Sie uns die Möglichkeit, das Programm zu steuern. In der Governance werde ich nicht akzeptieren, dass wir zu dritt am Tisch sitzen, um über die gesamte Technik zu entscheiden, die nötig ist, um ein Flugzeug auf höchstem Niveau fliegen zu lassen. Ich möchte, dass der beste Athlet die Führung übernimmt. Das bedeutet nicht, dass er alles selbst macht.“
Nicht alles sebst machen? Schwer zu glauben in Deutschland, dennoch… Frankreich hat mit der Entwicklung des Weltraumflugzeugs „VORTEX“ begonnen. Dassault soll es richten und holt sich als Partner OHB einen Bremer Raumfahrtkonzern an board. Also doch keine französichen Präferenz bei Dassault…
Wurde Dassault die deutschen Partner beim NGF verdrängen? Sicherlich nicht. Wurden deutsche Firmen weniger Aufträge erhalten? Vielleicht (oder auch nicht). Wenn aber ein effizentes FCAS die Souveränität Europas garantieren soll, sollte man hier nicht die nationale Bedenken (um nicht egoismus zu sagen) weglassen, wenn dies dem Projekt zu Gute kommt? Hum 😉
Leider spielt das alles keine Rolle mehr. Die Fronten sind verhärter. Aber keine Angst, die Sicherheit Europa wird nicht untergehen. Sie wird nur anders aussehen. Anders aussehen, muss nicht schlechter sein. Dennoch was für eine Verschwendung.
Hallo zusammen,
Die Lage hat sich seit 2018 verändert? Inwiefern denn? Welche Mission könnte das FCAS, wie es 2018 geplant wurde, heute nicht mehr ausführen? Genau: keine. Es kann sie alle.
Die Entwicklung von Drohnen geht „superschnell“ voran? Sowie etwa der Eurodrone?
Bald sind unbemannte Drohnen der Standard? Für wen denn? Für Länder, die keine bemannten Flugzeuge bauen oder kaufen können?
Drohnen seien bemannten Flugzeugen im Luftkampf überlegen? Das soll mir erst einmal jemand beweisen. Bis jetzt werden Drohnen überwiegend für Bodenangriffe eingesetzt – nicht für Luftkämpfe. Und genau deshalb soll auch das NGF Begleitdrohnen mitführen können.
Jetzt wieder zwei Schritte zurückzugehen ist kontraproduktiv. Wenn man ständig alles infrage stellt, entwickelt man am Ende gar nichts – und kauft dann erneut bei Onkel Sam ein. Von Souveränität kann man dann weiter nur träumen. Aber ich habe keine Lust mehr zu träumen. Es ist höchste Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen. Wenn so die „Zeitenwende“ für Herrn Merz aussieht, dann gute Nacht.
Aber das Beste könnte ja noch kommen – insbesondere dann, wenn die neuen Spezifikationen den bemannten Kampfjet klar unterstützen. 😉
Lieber Jean-Pierre,
deutsch-französische Projekte sind, mit wenigen Ausnahmen, eigentlich Sinnbild für verschwendete Steuergelder, da oft einer der beiden Partner im laufenden Gefecht dann doch noch abspringt. Und wenn ich das so überschlage, liegt FRA gerade beim Spingen vorn… ;-)
Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages (2018): „Die deutsch-französische Rüstungskooperation“,
https://www.bundestag.de/resource/blob/576770/c5359790a0d6d943e4ccb2900cc6d3a1/wd-2-070-18-pdf-data.pdf
Neue Timeline bis 2350?
@ Jean Pierre
Dassault baut sehr gute Flugzeuge, aber sie haben gerade zwei sehr Prestige-trächtige Aufträge von Frankreich NICHT bekommen:
1. Der Nachfolger der Atlantique 2 wird keine Falcon, sondern ein Airbus 321.
2. Der Nachfolger der AWACS wird zwar auf einem Businessjet basieren, aber nicht auf der Falcon, sondern Saab nimmt dafür als Basis den Global von Bombardier.
Zu den Drohnen:
Hat Dassault etwas im Köcher, wie die türkische Kampfdrohne, die gerade auf dem Drohnenträger getestet wird?
Nein und Airbus auch nicht.
Aber dahin sollte der Fokus gerichtet werden und nicht auf ein bemanntes Bordflugzeug, was nur auf einem einzigen Schiff, wenn es nicht gerade Liegezeit hat, eingesetzt wird.
Aber vermutlich hat Dassault eher die Ausrüstung der indischen Flugzeugträger damit im Auge als Fortsetzung des großen Rafale-Auftrages.
Aber weshalb sollen Spanien und Deutschland das mitfinanzieren?
@ Jean-Piere: Danke für Ihren kleinen Ausflug in die Firmengeschichte von Dassault. Ich möchte noch einige wenige Fakten ergänzen. 1984 zog sich Frankreich aus dem Projekt „ Future European Fighter Aircraft“ zurück, nachdem die anderen Projektpartner der Systemführerschaft von Dassault und einen fünfzigprozentigen Arbeitsanteil frz. Firmen nicht akzeptieren konnten. Aus den Vorarbeiten entstanden zwei Flugzeuge, die wir kennen: Raphale und Eurofighter. Oder, aus der jüngeren Vergangenheit: 2018 zerbrach die britisch-französische Kooperation zum Bau einer Kampfdrohne, weil die Briten wegen ausufernder Kosten die Reißleine zogen.
Und ja, FCAS ist ein politisches Projekt; die können dann erfolgreich sein, wenn das Prinzip gilt „Reduce to the Max“. Also: Zwei Flugzeuge, die die unterschiedlichen Anforderungen von D und F untersetzen, wenn möglich mit gemeinsamen technischen Komponenten, aber gemeinsamer Combat-Cloud und offenen Schnittstellen.
https://www.deutschlandfunk.de/europaabgeordnete-strack-zimmermann-sieht-wenig-zukunft-fuer-geplantes-luftkampfsystem-102.html
Das Ende?
Aus Sicht der FDP-Europaabgeordneten Strack-Zimmermann hat das geplante europäische Luftkampfsystem FCAS keine Zukunft mehr. Sie ist Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung (SEDE) im Europaparlament.
Dassault wolle 80% bei Produktion und Wertschöpfung. Der französische Präsident Macron habe nicht mehr die Kraft, sich dagegen durchzusetzen. Wörtlich nannte sie ihn eine „lahme Ente“.
Man sollte nicht so tun, als hätte D die Weisheit mit dem Schaumlöffel gegessen.
Es gilt, die Gemeinsamkeiten zu betonen.
Es gab auch zahlreiche erfolgreiche Projekte mit Frankreich (Transall, HOT, Milan, Roland, Atlantic usw.) und z.B. beim Eurofighter ohne F gab es zu Zeiten Rühes Zeiten, an denen wir uns international wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert haben.
Also, Entscheidungen treffen und Ärmel hoch.
Interessant ist die Nachricht von heute, dass Italien bis 2040 einen atomaren Flugzeugträger haben möchte.
Falls der mit einem bemannten Flugzeug der nächsten Generation bestückt werden soll, bliebe eigentlich nur NGF, denn von Tempest wird es keine Trägervariante geben…
Verkorkste Gesamtsituation.
@Brainstormer
Die von Ihnen genannten Rüstungsprojekte (Noratlas noch vor > ) Transall, HOT, Milan, Roland, Atlantic können kaum als Beispiel gelungener DEU – FRA Zusammenarbeit gelten: Sie alle waren – durchaus gelungene Entwicklungen zwar – gleichzeitig aber solche, bei denen Paris die Hosen anhatte und Bonn/Berlin mehr als angemessen zahlte.
Bei Vorhaben, die strategische Bedeutung hatten, wollte und konnte sich Deutschland nur einmal wirklich durchsetzen, was letztlich zu getrennten Entwicklungen führte: Frühe 1960er, Leopard 1 vs AMX 30 als Resultat tiefer Differenzen bei industrieller Zuständigkeit aber auch taktisch-operativem Verständnis zum Einsatz der Panzerwaffe.
Bei fast allen späteren Projekten war Französisch Lingua Franca. Besser wurde es erst in der Airbus-Zeit. Das FCAS jetzt offenbar definitiv für uns scheitert – s. Strack-Zimmermann oben – ist richtig, allerdings Jahre zu spät.
DEU – FRA Rüstungszusammenarbeit wird immer (!) beschwerlich bleiben: „Frankreich ist Atommacht, hat einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat, als ehemalige Kolonialmacht einen großen Einfluss weltweit. … FRA Präsident ist zuerst Patriot“ (H. Schmidt). Pariser Eliten verstehen sich unverändert qua Erziehung einem Weltbild mit globalem Einfluss verhaftet. In dieser Denkrichtung gibt man die Regeln wie selbstverständlich vor. Seit Schmidt wird Frankreich nicht mehr verstanden. Das Projekt konnte nur scheitern, oder deutscher Kotau.
Witzig; „…Kornelius: Die Spezifikation, die die Luftwaffe an FCAS gestellt hat, sind Ihnen ja bekannt. “ Ich hoffe die Spezifikation ist geheim!
Zum Thema bemannt vs. unbemannt:
– Es ist ein anerkannter Fakt in Kampfflugzeugbau und Streitkräften, dass ein unbemanntes Kampfflugzeug mit den GLEICHEN Fähigkeiten nicht billiger, sondern teuerer ist als ein bemanntes. Denn dann müssen alle Fähigkeiten und Tätigkeiten des Piloten durch SW ersetzt werden. Dies ist viel komplexer und teurer als ein Cockpit und die teure Ausbildung des Piloten. Z.B. stand die US Airforce vor der Entscheidung die neue B-21 (Stückpreis ca 700 M$) bemannt oder unbemannt zu machen. Sie entschied sich mit der Begründung, dass sie so hohe Verluste (Abstürze, nicht Abschüsse) bei unbemannten Systemen hat, dass wenn nur ein einziger Prototyp nicht verloren geht, weil Piloten an Bord waren, die Entwicklungskosten des Cockpits und Lebenserhaltung schon abgedeckt sind.
– Was eher die Frage wäre, ob Kampfflugzeuge durch eine Summe an anderen Systemen ersetzt werden können. Also mehrere Drohnen (hochwertige und billige), Raketenartillerie, (ggf seegestützte) Hyperschallwaffen usw. Ob diese Vielzahl an Waffensystemen tatsächlich billiger, effizienter, effektiver, …, sind von denen dann auch mehr entwickelt, gekauft und bemannt werden müssen, ist vollkommen offen, denn das hat noch nie jemand getan. Das ist kein Beweis dass bemannte Flugzeuge notwendig sind, sondern der Beweis dass sie nicht notwendig sind ist ausstehend. Wahrscheinlicher ist der Verbund von unbemannten mit bemannten am fähigsten. War das nicht die Idee von FCAS?
@Jean-Pierre
FCAS war 2017 nichts anderes als ein europapolitisches Leuchtturmprojekt – absolut und völlig dominant politisch. Die Anforderungen waren mehr oder weniger egal – absolut ein Geburtsfehler von Beginn an.
Dann kamen natürlich noch die Franzosen mit ihrem Omni-Role Ansatz, der schon immer Unsinn war. Natürlich kann man ein Flugzeug für alle Rollen entwickeln, es ist aber halt nur in jeder Rolle der Zweit- bis Drittbeste. Das ist für die Luftüberlegenheitsrolle inakzeptabel – insbesondere wenn die Amis die Luftüberlegenheit nicht mehr garantieren.
Und das ist das Entscheidende – die Luftüberlegenheit muss gesichert werden angesichts der neuen Bedrohungslage, die eben 2017 noch nicht existiert hat.
Bzgl. Dassault: Ehrlich gesagt glaube ich nicht mehr an die großartige Fähigkeit von Dassault ein neues Kampfflugzeug zu entwickeln. Sie haben mehr als 25 Jahre keines mehr neu entwickelt – Neuron ist kein Fighter. Die laufenden avionischen Upgrades der Rafale zählen da nicht. Die Ingenieursgeneration der Rafale ist längst in Rente.
Dassault kann nicht mehr als Airbus Deutschland, vielleicht sogar weniger. Themen wie Schubvektorsteuerung z.B. hat Dassault noch nie besetzt. Ein ECR Flugzeug hat in Europa auch nur Airbus Deutschland entwickelt.
Im Bereich Flugregelung ist Airbus Deutschland technologisch führend. Dieses arrogante Hosenträgerschnalzen von Dassault ist überhaupt nicht angebracht.
Ich bin nur ein französischer Fan von Dassault, aber ich erlaube mir, zu antworten.
1) Es war nicht Dassault, die mit die Deutsche kooperieren wollte, sondern kam von einem Willen zwischen Angela Merkel und Emanuel Macron, die zusammen beschlossen einen Jäger unter französischer Führung und einen Panzer unter deutscher Führung zu entwickeln. . Für Dassault steht seine Zukunft als private und unabhängige Firma auf dem Spiel, denn Spanien bedeutet Airbus Spanien, und eine Aufteilung der Kosten und der Arbeitslast 33%, 33%, 33% entspricht Dassault 33% Airbus 67%
2) Mit Ausnahme des Alphajet, die Luftwaffe hat nie Dassault flugzeugt genutzt (nicht mal ein Falcon). Die Deutschen kennen Dassault nicht und unterschätzen Dassault und Thales.
3) Dassault ist ein Familienunternehmen, das auch Dassault Systèmes kontrolliert, den zweitgrößten europäischen Softwarehersteller (direkt hinter SAP). Für Dassault steht seine Zukunft als privates und unabhängiges Unternehmen auf dem Spiel, aber der französische Staat hatte mit 26% der Aktien von Dassault Aviation ein gewichtiges Wort mitzureden. Vor einigen Jahren hatte der französische Staat diese 26% an Airbus übertragen, um den Aufbau der europäischen Industrie zu antizipieren. Leider verkaufte der damalige CEO von Airbus, Tom Enders, diese Anteile, und verlor damit jegliche Kontrolle über diese Firma.
4) Dassault weißt Flugzeuge von A bis Z bauen. seit 1950 haben sie viele Düsenjäger entwickelt (Ouragan; SuperMystère; Mirage 3, IV, G8, F1, 2000, 4000; Jaguar; SuperEtandard). Dassault hat die Rafale selbst entwickeln, ohne einzige amerikanische Teile (Itar Frei), ohne ausländisches Geld, und es funktioniert. Nach der Rafale hat die Firma die Neuron und die Falcon-Flugzeuge entwickelt.
5) Das NH90 Debakel ist ein weiterer Beweis dafür, dass europäische Kooperationen nicht ohne einen echten Führer funktionieren, der für eventuelle Verzögerungen und Versäumnisse verantwortlich bleibt. Aus diesem Grund hat sich Dassault zu Recht geweigert, die Führung beim FCAS mit Airbus zu teilen.
6) In Frankreich gibt es nicht zwei, sondern drei Protagonisten: Die Politischen, Dassault UND die Armée de L’Air. Bis heute ist die Armée de l’Air mit den Produkten von Dassault, im Vergleich zu denen von Airbus (A400M, NH90, Tiger, Eurodrohne..), sehr zufrieden und vertraut Dassault.
@WielanddS: Die Frage ist eher, ob der jahrzehntelange Fokus auf „Hightech über Alles“ angesichts der extrem schnellen Drohnenentwicklung zukünftig noch so umsetzbar ist. Russland setzt auf einen Mix aus massierten low & cheap-tech Drohnen und punktuellem High-Tech zur Übersättigung der Flugabwehr. Die Ukraine muss diese mit High-Tech zu hohen Kosten abwehren – trotzdem kommt immer was durch. Und die Innovation auf beiden Seiten erfolgt in Zyklen von wenigen Tagen bis Wochen. Aber weniger in der „tragenden Hardware“ als in den Flugkörpern etc. Und hier sehe ich das Kernproblem eines Gen 6-Jägers: kann der überhaupt so aufgesetzt werden, dass er mit solchen Innovationszyklen noch mithalten kann?
Wenn sich irgendein Feind auf eine harte Kampagne vorbereitet, dann wird nach aktuellem Verständnis aus der Ukraine ein (echt) massierter Angriff mit Drohnen erfolgen um alles zu übersättigen und so viel an Verteidigungsstrukturen zu plätten wie irgend möglich. Sprich: möglichst die Automatisierung des Angriffes. Und erst in Phase 2 dann die bemannten Flugzeuge um punktuell anzugreifen (oder Phase 1,5 wenn die Flugabwehr gerade in der Übersättigung ist, sich auf dem Präsentierteller darstellt und verwundbar ist).
Diese Erkenntnis setzt sich überall gerade durch uns wird dazu führen, dass überall wieder (tief) gestaffelte Flugabwehrstrukturen aufgebaut werden. Dann kann man natürlich das Vertrauen haben, dass die eigenen Flieger so gut sind, dass sie nicht aufgefasst / bekämpft werden können (Prinzip USA & Israel), oder aber man geht den Weg der Masse – siehe oben. Und der ist günstiger, erheblich einfacher vorzubereiten und verlustärmer, und es wird immer was im Ziel landen.
Ist übrigens bei einem möglichen Waffengang Israel/USA vs. Iran ein m.E. unterschätzter Aspekt. Kein Mensch weiß, was der Iran wirklich noch gebunkert hat an Munition. Und beim letzten Mal wurde es für die Vertreidigung von Israel, trotz der Kürze der Kampagne, schon so knapp, dass aus den USA massiv eingeflogen werden musste und die Kampagne durch Israel/USA de facto abgebrochen wurde. Ich halte einen Regierungswechsel in Iran durchaus für sinnvoll, der sehr breitbeinige Gang von Israel & USA könnte aber etwas zu überheblich sein. Niemand weiß, was z.B. China in den letzten Monaten geliefert hat – für CN könnte ein Live-Einsatz seiner Waffen durch den Iran gegen Israel & USA extrem wertvolle Daten liefern, in allen Domänen. Und nach hinten raus genau die Frage stellen, wie verwundbar Flugzeuge der 5. Generation sind und was davon in Richtung 6. Generation ableitbar ist.
Die Diskussion, ob es noch ein bemanntes Kampfflugzeug braucht, ist meines Erachtens eher auch ein Versuch einen Ausstiegsgrund zu formulieren – neben den sowieso abweichenden Anforderungen DEU -FR.
Eigentlich ein Stück weit lächerlich – überall auf der Welt werden neue bemannte Fighter entwickelt, insbesondere auch in den USA. Ausgerechnet die DEU Seite, die seit dem 2. WK wohl mit am wenigsten operationelle Erfahrung sammeln konnte und neben der gesamten Bundeswehr auch die Kampfflugzeuge runtergespart hatte, will es besser wissen – na ja …
Da ist schon noch ein weiter Weg hin, bis unbemannt alles stattfinden kann. Außerdem könnte man die Frage generell stellen, nicht nur beim Fighter, einem der komplexesten Waffen, die jemals entwickelt wurden …
@Fox1
Wir werden mit den neuesten EF und den F-35 zwei Flugzeuge im Bestand haben, die bemannt noch weitere 30 Jahre fliegen.
Und parallel läuft die Drohnenentwicklung.
Brauchen wir in 30 Jahren noch bemannte Flugzeuge an Land?
Ich vermute Ja.
Brauchen wir in 30 Jahren noch bemannte Flugzeuge auf Trägern?
Ich vermute, nur noch sehr wenige.
Der Erwerb weiterer F-35 kommt wieder aufs Tapet. Und das obwohl sie Nuklearwaffen tragen können, eine Fähigkeit, die wir ja gar nicht benötigen, weswegen die französische Anforderung an ein neues Flugzeug so gar nicht zu uns passt…SCNR
https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/germany-seeking-more-f-35-jets-european-fighter-program-falters-sources-say-2026-02-19/?utm_source=twitter&utm_medium=Social
So wird das super, mit der Unabhängigkeit von den USA. Einfach weiter Euros (Dollars) über den Teich reichen.
[Es nützt nix, den gleichen Link wie gestern noch mal zu posten und dabei das Dementi einfach zu übersehen:
https://www.reuters.com/world/europe/currently-no-plans-buy-additional-f-35-jets-berlin-says-2026-02-19/
T.W.]
@Jean-Pierre
Bzgl. der NT Rolle muss man etwas spezifischer sein. DEU setzt auf der F35 wie schon auf dem Tornado die B61 ein. Diese Bombe ist kleiner als eine 1000lb GBU32 und beeinflusst in keiner Weise die Auslegung eines Kampfflugzeugs. Das, was FR fordert, ist massiv größer und schwerer als ein Taurus und beeinflusst für sich allein schon massiv einen Kampfflugzeug Entwurf. Und dann noch in Kombination mit der Trägerfähigkeit …
Ein Truck kann nicht gleichzeitig ein Formel 1 Auto sein, selbst wenn die Politik es will. Und jetzt führt die Bedrohungslage dazu, dass das einfach nicht mehr akzeptabel ist.
Also die aktuelle ASMP der Franzosen wiegt, wenn man den frei einsehbaren Zahlen glauben darf, eine halbe Tonne weniger als die Taurus.
Von daher ist mir die Argumentation nicht klar, warum das gewichtstechnisch nicht gehen soll und die B61 hier der einzige way to go wäre.
Von den Vorteilen einer weitreichenden Lenkwaffe im mit Flugabwehr durchsetzten Raum mal ganz zu schweigen.
@Brainstormer
Bitte das lesen, was ich geschrieben habe! Die Bundeswehr nutzt die B61 – ich habe nichts davon gesagt, dass sie die einzige Möglichkeit ist.
Ich habe auch nicht von der ASMP gesprochen. Die ist harmlos – kaum größer als der Standard 1000 l Tank auf EF. Die ASN4G, die neu geplante NT Waffe in FR soll mindestens die doppelte Reichweite wie die ASMP haben – bedeutet auch mindestens die doppelte Größe …
Eine schwere Waffe muss bei Katapultstart Flugzeugträger auf der zentralen Rumpfstation getragen werden – um Asymmetrie zu vermeiden … Das ist schwierig mit Fahrwerkshöhe, Waffenschächten, etc. – insbesondere, wenn man das auch noch auf dem Flugzeugträger landen will …
Die Russen tragen bspw. die Kinshal zentral auf auf der Mig 31 – das mag eine Vorstellung geben …
Ich verstehe Frankreich nicht.
Es ist offensichtlich, dass die Anforderungen der Luftwaffen und der Marine nicht identisch sind.
Um beide Anforderungen umzusetzen, bräuchte man also zwei verschiedene Kampfflugzeuge, oder zumindest stark abweichende Varianten. So wie bei der US Navy die F-35C und bei der Air Force die A-Variante.
Aber davon ist nie die Rede bei diesem Projekt…
Darüber müssen wir aber reden, damit FCAS weiterkommt.
@ Brainstormer:
Das hypersonische Cruise missle ASN4G (Air-Sol Nucléaire de 4ème Génération) das hier das Design treibt, dürfte ca 4000 kg wiegen, 7 m lang und etwa 1,5 breit sein, wenn man vergleichbare russische CM zugrunde legt. Aber da kann sicherlich Jean-Marc mehr zu berichten.
An die Kollegen, die jetzt hier eine Waffe thematisieren (welche vorher kein Thema war) die mal ab 2035 eingeführt werden soll bzw. Maße und Gewichte in den Raum stellen:
Dass das Teil auch an der Rafale F5 zum Einsatz kommen soll, ist bekannt?
Da fallen mir Werte wie 4t usw. doch etwas schwer zu glauben. Und wie schreibt Military Technology:“ The missile’s compact design ensures compatibility with existing platforms, including the Rafale F5….“
Die hier im „Forum“ genannten Unmöglichkeiten sehe ich so nicht, sorry.
Setze „Army Recognition“, streiche „Military Technology“. Falsche Gazette /Plattform zitiert.
@Brainstormer
In dem von Ihnen zitierten Artikel steht auch, das der Antrieb ein SCRAM Jet ist. Alleine das zeigt, wie belastbar die dortigen Aussagen sind. Wahrscheinlich hat man das bei Wikipedia abgeschrieben.
Die vielerorts lesbare Information, das Scramjet verwendet wird/werden soll, stammt vermutlich von MBDA selbst, ist sie doch Bestandteil einer dortigen Pressemitteilung.
„ This high technology facility will be used in particular for the further development of our future missiles, and more particularly the ASN4G (Air-Sol Nucléaire de 4eme Génération), an hypersonic missile powered by an innovative scramjet technology, whose preliminary studies are already under way with the support of the ONERA (the French Aerospace Laboratory).“
Das die Rafale F5 ASN4G tragen soll, kann man übrigens auch bei Janes, LeMonde…“ According to Macron, the Luxeuil-Saint-Sauveur base should accommodate two Rafale fighter squadrons „by 2035“ – some 40 aircraft in the latest „F5“ standard, compared with just one conventional squadron at present. These aircraft will also be able to carry the French army’s future hypersonic nuclear-tipped missile, still in the development phase, the ASN4G… “.
https://www.lemonde.fr/en/france/article/2025/03/19/macron-announces-establishment-fourth-nuclear-air-base-in-france_6739324_7.html
@ Der Realist sagt:
21.02.2026 um 12:29 Uhr
„Ich verstehe Frankreich nicht.“
Ich verstehe das FRA-Bashing hier nicht. FRA hat seit langem mit grossem Geschick und Weitblick die technologische Souveränität hergestellt, von der DEU langsam merkt, dass Europa sie brauch. FRA kann Flugzeugträger, Kampfjets, Nukes und Plattformen dafür selbst herstellen. DEU aktuell nichts davon. Es ist doch eine völlige Illusion zu denken, dass DEU einen eigenen 6th Gen Fighter in die Luft bekommt und in ausreichender Zahl herstellt.
„ Es ist offensichtlich, dass die Anforderungen der Luftwaffen und der Marine nicht identisch sind. “
Es ist auch eine Illusion, dass FRA zwei Lfz entwickeln kann und damit die Carrier-based Variante abdeckt (die DEU dummerweise meint nicht zu brauchen, sagt Ihnen ein ehemaliger Angehöriger der Marineflieger) und das was DEU meint zu wollen daneben noch entwickelt. FRA hat seit langem begriffen, dass deutsche Goldrandlösungsdenke nicht funktioniert. Ja, FRA und Dassault könnten das auch alleine – und die Position von Dassault, dass nur eine Company das Projekt steuern soll, ist aus meiner Sicht völlig richtig, wenn es ein umsetzbares und kein politisches Projekt sein soll. Viele Köche verderben den Brei. Das Herumeiern von DEU jetzt, bei dem man seit langem definierte Charakteristika des NGF in Frage stellt, beweist doch nur, warum DEU aus Sicht von FRA besser kein gleichberechtigter Partner beim NGF sein sollte.
Ich verstehe auch überhaupt nicht, warum DEU meint was anderes zu brauchen. Es ist doch wieder mal die bekannte verantwortungslose und kurzsichtige DEU Goldrandlösungsdenke, mit erheblichem Risiko, dass am Ende nichts verwendbares herauskommt.
@Jean-Pierre: Zustimmung
Nach dem Brexit wollten wir enger mit Frankreich zusammenarbeiten. Aber: Never chance a winning Team. England und Italien waren beim Tornado und Eurofighter faire Partner. Jetzt sitzen wir zwischen allen Stühlen.
Durch die Luftwaffen Beschaffung der F-35 wird eine Tornado Lücke geschlossen. 11 europ. NATO Länder beschaffen 479 F-35. Demnach wird Frankreich wohl kaum Atomwaffen interessierte Flugzeug-Partner in Europa finden. Das FCAS erhält ein schweres Mantelstromtriebwerk (VCE) für Langstrecken- oder Loitering-Einsätzen. Evtl. brauchen östl. NATO-Staaten aber ein leichtes herkömmliches Triebwerk in einem leichten agilerem Kampfflugzeu.g. Dies will auch die Luftwaffe klären. Selbst wenn wir wie bisher mit Leonardo beim Radar und Saab bei der Eloka zusammenarbeiten, kann ich mir keinen deutschen Alleingang für ca. 250 Maschinen als Eurofighter Ersatz vorstellen. Ohne Frankreich als Partner eilt die neue Partnersuche und Festlegung auf ein Flugzeuprojekt auch nicht.
@Brainstormer
Eine Presseerklärung ursprünglich von der DGA aus dem Jahr 2019., die sie da zitieren. https://www.armyrecognition.com/news/aerospace-news/2025/france-announces-new-rafale-f5-fighters-equipped-with-asn4g-hypersonic-nuclear-missiles-by-2035
Spricht aktuell von einem RAM Jet Antrieb.
Es gibt wenige offizielle Informationen über dieses CM, insofern ist vieles Spekulation in den Medien.
Was Größe und Gewicht angeht kann man sich am russischen Zirkon orientieren: ca 8 m lang, 4-4,5t schwer bei einer Reichweite von 1000km.
@Landmatrose3000
Ich verstehe nicht, warum sie meinen, dass Deutschland eine „carrier-based“ Variante benötigt, wo wir doch überhaupt keinen Carrier haben und planen.
Ich bin ebenfalls gegen eine Frankreich-Bashing. Allerdings muss man schon schreiben dürfen, dass Trappier den ausgehandelten Deal zu Gunsten von Dassault ändern will. Dafür gibt es auch politische Unterstützung. Dass sich die deutsche Industrie dagegen wehrt, ist doch klar. Und dass es dafür auch deutsche politische Unterstützung gibt auch.
Zu Ihrer Einschätzung, dass es eine „Illusion ist, dass DEU einen eigenen 6th Gen Fighter in die Luft bekommt und in ausreichender Zahl herstellt.“: Das ist schlicht eine Frage des politischen Willens und der Zeit (wie es bei Frankreich der Fall war). Wenn das politische Deutschland das will und bereit ist zu bezahlen, dann bekommen wir dies auch hin. Es wird länger brauchen, als wenn man dies in Kooperation angehen würde. Da aber – ich zitiere – „viele Köche den Brei verderben“ könnte die Auslegung sogar schneller gehen als mancher sich vorstellt, wenn sich nur Airbus Defence and Space sich mit MTU Aero Engins und mit anderen deutschen Partnern darum würde. Wenn man dann die Auslegungszeit dazu benutzt, die Fertigungskapazitäten herzustellen, sehe ich keinen so großen Zeitverzug. Und was die Anzahl anbelangt, sollte Ihnen klar sein, dass Deutschland mehr aktive Kampfflugzeuge in die Luft bringen wird als Frankreich.
Wie gesagt – ich bin ein Freund der europäischen Zusammenarbeit mit Partner auf Augenhöhe. Das ist letztendlich für alle das Beste. Aber genau dort, wo echte Partnerschaft auf Augenhöhe gewährleistet ist und man ein recht baugleiches Produkt anstrebt. Diese Voraussetzungen scheinen mir beim FCAS nicht mehr vorzuliegen.
@ Nachhaltig sagt:
22.02.2026 um 21:05 Uhr
Stand heute benötigt die BW CATOBAR-Fähigkeit aus der eigenen Perspektive nicht, richtig. Jetzt das aber:
Force-Projection kann auch mal irgendwann für DEU wichtig werden. Derzeit überlassen wir das nur allzu gerne den lieben Freunden und Verbündeten, von denen der bislang grösste sich bekanntermassen zunehmend seltsam benimmt. Stellen wir uns mal vor, die integration und Fähigkeit euroäischer Streitkräfte soll zumehmen. Es wäre dann schon hilfreich, wenn nicht alle CATOBAR-Jets und die Träger nur aus FRA kommen.
Aus den USA haben wir den Trittbrettfahrer-Vorwurf vielfach gehört. auch zu Recht. Wenn DEU sich bei solchen Überlegungen nur Eigennützig verhält, droht aus meiner Sicht das Trittbrettfahrertum auch gegenüber FRA.
FRA hat nun mal Überseegebiete. Bündnisverteidigung ernst zu nehmen bedeutet doch auch, dass DEU FRA i Falle des Falles dort beistehen müsste.
Wir vermissen auch schmerzlich die Fähigkeiten der früheren Jetgescwader der Marineflieger. Falls das mal zurückommen sollte, wäre eine Anbindung an FRA sehr wünschenswert.
„Will nur FRA, können die mal schön selbst auf eigene Kosten machen, aber deren Untersützung wennn der Russe kommt hätten wir schon gerne“ ist mir zu viel Trittbrettfahrer.
@ Landmatrose 3000
Sie haben mich missverstanden.
Ich halte die Forderungen von einer NGF-Version für Marine und Luftwaffe, egal welchen Landes, für nicht umsetzbar, ohne am Ende zuviel Kompromisse zu erzeugen.
Woher kommt die Vermutung dass sich in den letzten 8 Jahren die Bedrohungslage für Frankreich geändert hätte? Ich denke das ist eine Fehleinschätzung und das sie keine Grundlage hat. Egal was in der Ukraine oder dem Baltikum, Polen oder Südosteuropa passiert, es berührt die französischen Interessen nur minimal. Sogar eine Wiedereingliederung Ostdeutschlands unter russische Administration hätte kaum negative Auswirkungen auf die Interessen Frankreichs, eher wäre es zu begrüßen. Und das ist in Ordnung und gut so das die Franzosen ihre eigenen Interessen verfolgen. Wir sollten es ebenso machen, mit kompatiblen Partnern, wie den USA.
Ich möchte kurz ein Wort über das Interview von Frau Strack-Zimmermann verlieren.
Erstens: Die wiederkehrende Behauptung, Frankreich und Dassault wollten sich 80 % des Programms sichern, ist schlicht falsch. Ursprünglich wurde am 6. Juli 2025 berichtet, Dassault wolle angeblich 80 % des NGF – also des bemannten Kampfjets, bei dem Dassault ohnehin Leader war – für sich beanspruchen. Wenige Stunden später mutierte diese Information, sodass plötzlich die Grande Nation 80 % des gesamten FCAS für sich wollte. Damit wären de facto auch Thales und Safran Teil dieses angeblichen Anspruchs gewesen. Kurz darauf hieß es dann, „die Erfinder der Baguette“ wollten 80 % der Produktion des FCAS an sich ziehen.
Bei einer solchen Eskalation der Darstellung muss man sich nicht wundern, dass die IG Metall auf die Barrikaden ging und sowohl Frankreich als auch Dassault als unverschämten Partnern darstellte.
Frau Strack-Zimmermann greift diese Behauptung wiederum auf, wenn sie sagt, “wenn es jetzt Verwerfungung gibt, dass der eine 80% will und der andere nur 20% lässt (…)”. In Wahrheit hat Dassault diese 80 % nie bestätigt. Was Éric Trappier hingegen sehr wohl gesagt hat, ist, dass er als best athlete die Führungsrolle bei den zentralen Entscheidungen im Programm beansprucht. Es wurde nie behauptet dass das Land von Alexandre Dumas 80% der Entwicklung und Produktion in Frankreich ansiedelt will – wie ich bereits in meinem vorherigen Kommentar erläutert habe. Diese Darstellung ist schlicht falsch. Leider hat sich dieses Gerücht inzwischen verselbstständigt.
Zweitens verbreitet sie ein weiteres Gerücht, indem sie behauptet, Herr Trappier und Jordan Bardella (Präsident des RN) seien sehr gut befreundet, und suggeriert damit, die beiden hätten sich aus politischen Gründen gegen Deutschland verbündet. Auch das ist falsch. Sie räumt selbst ein, dass sie nicht weiß, ob es stimmt – aber solange das Gerücht ihrer Argumentation dient, scheint sie nicht allzu wählerisch zu sein. Wirklich sehr professionell.
Drittens behauptet sie, Macron sei beim FCAS eine „lahme Ente“, weil er es „zu Hause nicht mehr durchsetzen kann“. Das mag innenpolitisch zutreffen, da Macron keine absolute Mehrheit im Parlament mehr hat. In Verteidigungsfragen jedoch stimmt dies nicht, denn in Frankreich hat der Präsident – nicht das Parlament – das letzte Wort. Das FCAS existiert heute im Grunde nur noch, weil Macron es weiter vorantreibt möchte. Er scheint der Einzige zu sein, der noch an dieses Projekt glaubt. Frau Strack-Zimmermann überträgt hier fälschlicherweise das deutsche System auf den französischen Entscheidungsprozess. Diese Logik dient weniger der Wahrheit, sondern soll deutschen Zuhörern mit vertrauten Mechanismen vermitteln, Macron habe beim FCAS nichts mehr zu sagen und sei nur noch eine Marionette von Herrn Trappier und dessen angeblichem Freund Bardella.
Aber keine Sorge: Einige Franzosen nehmen es auch nicht so genau mit Aussagen deutscher Politiker oder der deutschen Industrie. Das wird noch eine schmutzige Scheidung…
@Nachhaltig: Die Frage ist nicht, ob Deutschland ein Trägerflugzeug braucht sondern, ob es schädlich ist, ein Flugzeug zu beschaffen, welches von vornherein so gebaut ist, dass es auch auf Trägern landen kann. Selbst die gute alte F-4F Phantom II konnte das, weil das Flugzeug ursprünglich mal als trägergestützter Abfangjäger für die USN entwickelt worden und trotz hohem Gesamtgewicht entsprechend auf Belastung ausgelegtes Fahrwerk und der Fanghaken grundsätzlich bei jeder Variante immer noch vorhanden waren, wie auch der Bremsschirm für Landungen an Land. Und es hat dem grundlegenden kommerziellen Erfolg des Flugzeugs auch kaum geschadet. Die Nutzer der Phantom waren von der USAF über die zahlreichen Luftwaffen anderer Länder bis auf die Briten allesamt keine Nationen, die über eigene Träger verfügten…
Was man durch Weglassen solcher Details in der Grundkonstruktion vielleicht an Kosten bei der individuellebn Beschaffung sparen könnte, wenn man sich darauf versteift, dürfte letztlich wenig ins Gewicht fallen, wenn man dafür ein robustes Flugzeugmuster erhält, welches mangels tatsächlichem Trägereinsatz für härtere Belastungen ausgelegt ist, als man den Luftfahrzeugen letztlich dann zumutet.