Ein Viertel mehr zivile Opfer in Afghanistan: Mehr ferngesteuerte Sprengfallen

Die Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fast um ein Viertel im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 gestiegen – vor allem deswegen, weil mehr Zivilisten Opfer von Sprengfallen, so genannten Improvised Explosive Devices (IED) wurden. Die Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) veröffentlichten am (heutigen) Mittwoch ihren Jahresbericht mit den bedrückenden Zahlen: Im Berichtszeitraum wurden 1.319 zivile Tote und 2.533 Verletzte registriert, 14 Prozent mehr Tote und 28 mehr Verletzte als in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres. Damit sei der Rückgang des vergangenen Jahres umgekehrt, warnte UNAMA.

Die größte einzelne Gefahr für Zivilpersonen sind die Sprengfallen, die für 35 Prozent aller Opfer verantwortlich sind – 433 Tote und 917 Verletzte. Werden Selbmordanschläge und andere Angriffe der Aufständischen hinzugezählt, fallen solchen Attacken sogar 52 Prozent der betroffenen Zivilisten zum Opfer. Kämpfe zwischen Aufständischen und Soldaten Afghanistans oder der internationalen Truppen waren für ein Viertel der Opfer verantwortlich.

Indirekt hat offensichtlich die weitgehende Übernahme der Sicherheitsverantwortung durch afghanische Polizei und Streitkräfte zur höheren IED-Gefahr beigetragen: weiterlesen

EuroHawk: Der Minister sieht keinen Fehler (Nachtrag: Audio)

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Es sollte der krönende Abschluss des EuroHawk-Untersuchungsausschusses im Bundestag werden: Die Anhörung des Zeugen Thomas de Maizière, Verteidigungsminister und je nach Sichtweise der Hauptschuldige an einem Debakel um die Riesendrohne oder derjenige, der aus einer verfahrenen Situation bei einem Rüstungsprojekt noch das Bestmögliche herausgeholt hat. Nach stundenlanger Befragung am (heutigen) Mittwoch blieb das Bild hängen: Nein, einen Fehler, den man ihm wirklich vorwerfen könnte, hat der CDU-Politiker nicht gemacht. Aber ob alles wirklich so weitgehend optimal lief, wie der Minister es sieht – daran bleiben Zweifel. weiterlesen

EuroHawk: Fehler im System

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In einer 50-minütigen Grundsatzrede hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière (Foto oben mit der Ausschussvorsitzenden Susanne Kastner) am (heutigen) Mittwoch dem EuroHawk-Untersuchungsausschuss des Bundestages erklärt, wo die Probleme beim Projekt EuroHawk lagen: im wesentlichen im System, dass in der Hoffnung auf einen Erfolg des Projekts Abstriche bei der Leistung hinnahm und gleichzeitig den Geldhahn aufdrehte. Er selbst, sagte der Minister, sei zwar immer wieder über Probleme im Bilde gewesen – aber an deren Lösung sei immer gearbeitet worden. Erst im Mai dieses Jahres sei klar gewesen, dass das Projekt im geplanten Kostenrahmen so nicht laufen könne, und deshalb habe er die Entscheidung seiner Staatssekretäre gebilligt, diese unbemannte Aufklärungsflotte nicht zu beschaffen.

Die Rede des Ministers steht im Wortlaut auf der Seite des Verteidigungsministeriums – so weit ich das sehen kann, hat er wortgetreu vorgelesen. (Sicherheitshalber hier noch mal zum Herunterladen: 20130731_TdM_UA_EuroHawk)

 

 

Lesetipp: US-Fortschrittsbericht Afghanistan

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Angesichts der vorgerückten Stunde nur schnell ein Lesetipp: Die US-Regierung hat ihren Fortschrittsbericht zu Afghanistan veröffentlicht, Progress Toward Security and Stability in Afghanistan (danke für den Leserhinweis!).  Daraus stammt auch die Grafik oben – die blaue Linie sind die ISAF-Gefallenen, die grüne Linie die Gefallenen der afghanischen Sicherheitskräfte, also vor allem Polizei und Armee. Von Januar 2010 bis März 2013, also bis vor dem Beginn der diesjährigen Fighting Season.

Aus der Zusammenfassung:

The security situation also remains challenging:  Afghanistan continues to face a resilient insurgency that uses sanctuaries in Pakistan to attempt to regain lost ground and influence through continued high-profile attacks and assassinations.  Although ANSF capabilities have greatly increased over the past two years, it has yet to demonstrate the ability to operate  independently on a nationwide scale.  weiterlesen

EuroHawk: Doppelt verschlüsselt hält besser

EURO HAWK®

(Northrop Grumman Pressefoto)

Am vergangenen Wochenende gab es die Meldung, dass die Aufklärungsdrohne EuroHawk ihre Steuerungssignale und die Aufklärungsdaten über den gleichen Satellitenkanal schicken – und mit dem gleichen Schlüssel sichern. Das ging aus Unterlagen des Untersuchungsausschusses hervor, und es war Anlass zur Verblüffung: Die Schlüssel für die Drohnen-Steuerung kamen aus den USA, und damit, so schien es, hatten – oder besser: hätten – die USA auch Zugriff auf die eigentlich rein deutschen Aufklärungsergebnisse des deutschen Systems ISIS.

Mit zwei Tagen Verspätung hat nun das Verteidigungsministerium festgestellt, dass es alles ganz anders ist. Es gibt nämlich, so die Erklärung, einen zusätzlichen deutschen Schlüssel: weiterlesen

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