EuroHawk: Der Minister sieht keinen Fehler (Nachtrag: Audio)

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Es sollte der krönende Abschluss des EuroHawk-Untersuchungsausschusses im Bundestag werden: Die Anhörung des Zeugen Thomas de Maizière, Verteidigungsminister und je nach Sichtweise der Hauptschuldige an einem Debakel um die Riesendrohne oder derjenige, der aus einer verfahrenen Situation bei einem Rüstungsprojekt noch das Bestmögliche herausgeholt hat. Nach stundenlanger Befragung am (heutigen) Mittwoch blieb das Bild hängen: Nein, einen Fehler, den man ihm wirklich vorwerfen könnte, hat der CDU-Politiker nicht gemacht. Aber ob alles wirklich so weitgehend optimal lief, wie der Minister es sieht – daran bleiben Zweifel.

Einen Fehler räumte der Maizière nur an einer Stelle ein: Er hätte, im Nachhinein, vielleicht mal nachfassen sollen, wie groß die Probleme beim Thema EuroHawk tatsächlich waren. Denn von der Entscheidungsvorlage seiner Staatssekretäre Mitte Mai, die einen Stopp des Projekts empfahlen, sei er dann doch überrascht worden – von der Dimension der Probleme und der Kosten. Vor dem 13. Mai dieses Jahres habe er davon ausgehen können, dass an den Problemen konstruktiv gearbeitet wird, sollte heißen: dass es eine zufrieden stellende Lösung geben werde.

Von dieser Grundlinie ging der Minister auch bei den zahlreichen Detailfragen der Opposition nicht ab. Frühere Informationsvorlagen hätten sicherlich auch Zulassungsprobleme des EuroHawk thematisiert, aber das war für ihn, simpel ausgedrückt, kein Anlass zu einer Entscheidung. Ähnlich war es nach de Maizières Worten auch bei einer Rüstungsklausur im März 2012, als der designierte Luftwaffeninspekteur Karl Müllner von Zulassungsproblemen der Aufklärungsdrohne sprach, der – vom Ausschuss bereits als Zeuge angehörte – Abteilungsleiter Rüstung, Detlef Selhausen, mit den Worten reagiert habe: Herr Minister, das klären wir gemeinsam. Danach habe, schilderte de Maizière, Müllner genickt, damit war die Sache für mich erledigt. Details habe er erst viel später erfahren.

Geradezu empört, dennoch zurückhaltend, reagierte der Minister auf den SPD-Vorwurf, er habe mit seinen Aussagen über eine Befassung mit dem EuroHawk Parlament und Öffentlichkeit belogen. Er bedauere doch, dass er selbst dazu beigetragen habe, dass der Eindruck erweckt worden sei, er sei nie über die Probleme informiert worden: Dass ich nie etwas gewusst habe, habe ich nie vorgetragen. Aber es sei doch ein Unterschied, ob er Informationen habe – oder so Alarm geschlagen werde, dass eine Entscheidung nötig sei.

Insbesondere den Vorwurf, er habe doch aus einer Gesprächsvorbereitung bei der Firma Cassidian im Dezember 2012 wissen müssen, wo die Schwierigkeiten liegen (und sei damit eher als zugegeben informiert gewesen), wies der Minister zurück. Für den Besuch habe er eine 60 Seiten umfassende Informationsmappe erhalten mit allen möglichen Projekten – und könne nicht mehr sagen, wie gründlich er sie gelesen habe. Mit Cassidian-Chef Bernhard Gerwert habe er dann auch über konkrete Probleme beim EuroHawk während dieses Besuchs gar nicht gesprochen: Eine Werksbesichtigung ist dafür auch kein geeigneter Anlass.

Dennoch habe er viele Informationen auf vielen verschiedenen Wegen erhalten – ich trinke auch mal ein Glas Rotwein, ich rede auch mit Mitarbeitern. Doch die Entscheidung, ob man ein Projekt abbricht oder nicht, treffe man nicht beim abendlichen Rotwein.

Im übrigen, ließ  der Minister die Abgeordneten wissen, liefen große Rüstungsprojekte doch immer nach dem gleichen Schema: Zu Beginn gebe es große Erwartungen, dann werde das Projekt eventuell zu niedrigen Kosten angeboten, damit es politisch durchsetzbar sei. Auf eine erste Phase mit großer Euphorie folgten Probleme und viel Frust, Probleme bei der Zulassung und Anfangsprobleme im Detail. Dann rudert sich das nach einer Weile so zurecht, dass alle sagten, das ist ein tolles Gerät.

Beim EuroHawk allerdings sei eine Grenze erreicht worden – und deshalb sei die getroffene Entscheidung auch richtig. Vor allem aber: auch bei früherer Kenntnis der Probleme hätte er nicht anders entschieden, betonte de Maizière. Ein Grund dafür war die Notwendigkeit, den Test des Aufklärungssystems ISIS sicherzustellen – auf Dauer wäre das System so aber nicht nutzbar: Es gibt eine Grenze der Finanzierbarkeit auch bei der Schließung von Fähigkeitslücken.

Ob er, wie schon angekündigt, auch personelle Konsequenzen aus dem gescheiterten Projekt ziehen werde, ließ der Minister ausdrücklich offen. Das behalte er sich aber weiterhin vor.

Mehr als sechs Stunden dauerte de Maizières Vernehmung. Und während der Hautpzeuge bei den ersten Fragen nach seiner fast einstündigen Eingangsrede noch ein bisschen gereizt wirkte, wurde er im Verlauf der Fragerunden zunehmend gelassener. Ein Reputationsverlust, weil er nicht mehr als der fehlerlose Verwalter erscheint, als der er sich vor dem EuroHawk-Debakel gerne präsentierte – viel mehr scheint im nicht zu drohen. Von Rücktritt ist nicht ernsthaft die Rede, das war im politischen Raum schon mal anders. Das mag an seinem Ansehen kratzen – aber wie sehr es ihn wirklich beschädigt? Das ist noch ein bisschen zu früh einzuschätzen.

(Zum Eingangsvortrag des Ministers geht’s hier.)

Nachtrag: Das Statement de Maizières nach seiner Zeugenanhörung:

deMaiziere_EuroHawk_Statement_31jul2013.mp3     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

72 Gedanken zu „EuroHawk: Der Minister sieht keinen Fehler (Nachtrag: Audio)

  1. @Jupiter: Könnte mir vorstellen, dass sich kein AG-User von Ihren Absätzen 2 bis 4 angesprochen fühlt, geschweige denn sich zu den von Ihnen benannten Spezies zählt. Hier in AG wurde eigentlich bislang sehr deutlich über einem Niveau von „Brummer-Experten“, „Verantwortungs-Auftragstaktik-Interpretations-Gurus“, „nicht passenden politischen Richtungen“, Spätpupertierenden“ sowie „hilflosen Zivilisten“ diskutiert!

    Mit Blick auf die Spezialstrecke Luftfahrt dürfte sicherlich nicht nur ich Ihnen sehr verbunden sein, wenn Sie z.B. Ihren Rundumschlag „Dann alle die Experten, die es schon immer gewusst haben, dass ein unbemannter Brummer in Deutschland wegen der Vorschriften – Jawoll – nicht geht“ näher substantiieren könnten?

    Und wenn Sie allerdings zu dem „Fähnlein der ganz Aufrechten“ gehören, die der Aufassung sind, der Minister habe keine Fehler gemacht, dann muss Ihnen auch diese Meinung unbenommen bleiben. Wenn Sie aber Andere von Ihrer Meinung überzeugen wollen, dann solten Sie entweder diese bitte sachlich und fachlich, also fundiert begründen, oder diese besser für sich behalten. Aber leider erscheint mir eine solche Begründung oder auch fassbare Meinung bei aller „Lesenkunde“ und „Begriffsstutzigkeit“ aus Ihrem Beitrag bzw. Ihren völlig unspezifizierten Rundumschlägen als nicht erkennbar.

    e.g. So wurde z.B. der Begriff „Muddi“ von zig Usern in zig Threads stets sehr spezifiziert und auch sehr gezielt verwendet, aber nicht bzw. nie in der von Ihnen unterstellten Weise.

  2. @Vtg-Amtmann

    „…oder diese besser für sich behalten…“

    Dies ist wohl nicht Sinn eines Blogs.

    Wie in der Vergangenheit werden Sie schnell persönlich, wenn man nicht Ihre Meinung teilt. Das sollte auch nicht Teil des AG Niveaus sein.

  3. P.S. @Jupiter4: Und „aalglatte Minister die einen persönlichen Vertrauten ins Amt bringen, so ganz anders als beim Militär“, die kann man für die Bundeswehr ohnehin nicht gebrauchen. Unsere Bundeswehr braucht einen Minister und Staatssekretäre, die neben reiner Amtsauthorität, auch Sach- und Fachauthorität sowie neben Intellekt und Bildung auch Herzensbildung haben und einbringen. Unsere seit 2000 reformgeprügelte Bundeswehr hat solche auch längst verdient. Charaktere und/oder Saubermänner sowie Vertraute sowie „Universal-Verwaltungshengste“ und Seilschaften, die sich wie ein Haufen nasser Seife präsentieren, sind absolut fehl am Platze!.

  4. @St.Michael: Man kann stets gerne anderer Meinung sein und ich bin da auch absolut tolerant und lernwillig, aber man sollte stets mit Fakten überzeugen und nicht mit hohlen Sprüchen, denn das gehört zum Niveau.

  5. Mal off topic, aber es wäre ein eigenes Thema wert:

    „Und genau da gibt es ein Problem: Laut Schmidt prüft derzeit der Bundesrechnungshof das Standortkonzept bzw. die Kosten für die Standortverlagerung auf ihre Wirtschaftlichkeit hin. „Solange verbieten sich große Investitionen am Standort Oldenburg. Eile mit Weile“, sagte Schmidt.“
    Das hat Schmidt bei einem Besuch in Alternstadt geäußert. Wenn also das gesamte Standortkonzept erst noch durch den BRH geprüft wird, liegen noch einige Investitionsmaßnahmen und damit ein Großteil der Vorhaben auf Eis und der Sack ist noch lange nicht zu.
    Aber das hat dem Minister wohl auch noch keiner gesagt.

  6. @Schorsch: Zu O.T.; klasse Beitrag und wirklich einen extra Thread wert. Die „Sack ist zu Entscheidungen“ führen sich langsam selber adabsurdum. Aber auch das fällt beim BMVg und dessen Spitze unter „Filter“. Ch. Schmidt aus dem Nachbarwahlkreis Fürth und als „gerissener Bauernadvokat“ aus dem Aischgrund bekannt, weiß wirklich wovon er spricht.

  7. @Vtg-Amtmann:
    Es wäre einmal interessant, Aussagen zur Leitung des BMVg und des AINBw hier und in allen anderen einschlägigen Threads im Hinblick auf Ihren Anspruch zu überprüfen, mit Fakten zu überzeugen und auf hohle Sprüche zu verzichten. Haben z.B. die Theorien über die Zukunft von Minister oder Sts etwas mit Fakten zu tun?

    @Alle, besonders @T.W
    Ich habe niemanden treffen wollen, mir aber die Freiheit genommen, mal genauso kräftig zu argumentieren wie andere.
    Ich verspreche hiermit, mich nicht mehr zu melden.

  8. @Jupiter: Die „Fakten“ treffen sich i.d.R. im Restaurant Le Cochon Bourgeois, Fichtestr. 24, 10967 Berlin-Kreuzberg. Diesmal war’s warscheinlich bei Maria & Josef und das „Protokoll“ bzw. der „Entschluß mit Begründung“ wurde wahrscheinlich nach dem 2ten Weißbier geschrieben.

  9. @Schorsch

    Danke für den Hinweis. In der Tat, das hatte ich noch nicht gelesen – hab‘ ich übersehen, dass der Bundesrechnungshof Standortverlagerungen prüft?

  10. @all

    Zum Thema Standorte und Bundesrechnungshof habe ich einen neuen Thread aufgemacht (mit der gebotenen Vorsicht – finde außer der einen Zeitungsmeldung nichts sonst in dieser Richtung).

    Und habe die Kommentare zu dem Thema in den neuen Thread verschoben.

  11. Mal so ganz nebenbei eine Zwischenreflexion zu demjenigen, der hier die Meinungsführerschaft beansprucht – nein, es ist nicht der Moderator!

    Schon bitter, wenn man trotz überragender Fachkompetenz aus 12 Jahren Bundeswehrzeit und gefüllt 123 Jahren im wirklichen Leben als Coach der Linken und Ultralinken in UA EH an der Realpolitik gescheitert ist. Volkshochschulangestellte und Kommunalpolitiker denken unabhängig von der Sachverhaltsaufklärung zuerst an das eigene Überleben – und das heißt Wiederwahl. Da werden gerne auch mal Fragen gestellt, die längst fraktionsübergreifend geklärt sind – man ist sich ja als Parlamentarier zu nichts zu schade.

    Respekt ist übrigens keine Einbahnstraße. Wenn Vertreter der Institution Bundestag hemdsärmelig mit hinter dem Kopf verschränkten Armen den Antworten von Vertretern der Institution Bundesregierung eher gelangweilt lauschen und anschließend Fragen wiederholen mit dem Zusatz “ ,,, ich habe das noch nicht verstanden.“ läßt das schon Rückschlüsse auf den IQ des Fragestellers zu. Leider kommt diese Sicht des UA in der veröffentlichten Meinung zu kurz.

    Folgt man konsequent der Argumentationn der Oppositionj im UA, dann hätte die Entscheidung zum Verzicht auf die Serienbeschaffung EH nicht getroffen werden dürfen. Für die Geschäftsidee z, B, eines Vtg-Amtmanns gäbe es auch damit keine Haushaltsmittel.

  12. @UlliKBonn
    Vielen Dank für den Hinweis. Ich wunderte mich schon, warum nur noch unprofessionelle Medien-Beiträge produziert und auch noch veröffentlicht werden.
    Ist aber in der gleichen Schublade, wie die Sportentscheidungen zu finden. Auch da wird die Sportschule nicht mehr um Ihre Fachexpertise gebeten. Es wird auch dort unprofessionell gearbeitet. Beispiel: Die Schwimmfähigkeit wird mit Kleiderschwimmen nachgewiesen. So’n schmarn gibt’s auch nur beim Bund im Jahre 2013.

  13. @STULOUNO: Könnten Sie bitte mal etwas zurückhaltender sein mit Ihren völlig haltlosen Unterstellungen wie u.a. „als Coach der Linken und Ultralinken in UA EH an der Realpolitik gescheitert ist“ oder „Folgt man konsequent der Argumentationn der Oppositionj im UA, dann hätte die Entscheidung zum Verzicht auf die Serienbeschaffung EH nicht getroffen werden dürfen. Für die Geschäftsidee z, B, eines Vtg-Amtmanns gäbe es auch damit keine Haushaltsmittel.“

    Und wenn ich tatsächlich als „Coach der Linken und Ultralinken“ meine Brötchen aus Haushaltsmitteln verdienen würde (was ganz sicherlich beides nicht der Fall ist), ginge dies Sie denn auch nichts an, solange ich bei AG nicht entsprechend parteipolitisch argumentieren würde! Bislang war ich zumindest stets bemüht mit fliegerischer, luftfahrttechnischer und betriebswirtschaftlicher Fachkompetenz völlig unpolitisch und mit soldatischer Erfahrung, immerhin bis zum Hauptmann – beim rein Militärischen soweit opportun aus einem konservativ bis liberalen Blickwinkel – zu argumentieren.

    Ansonsten sehen Sie bitte bei http://augengeradeaus.net/2013/07/eurohawk-der-minister-sieht-keinen-fehler/#comment-73020, bevor Sie sich in weitere Verbalinjurien verlieren.

  14. @STULOUNO: Doch noch ein PS. Ich freue mich, dass sich nicht alle kritischen und von „Experten“-Seite als „belehrungsbedürftig“ angesehenen Geister bei AG und in diesem auslaufenden Thread verabschiedet haben.

    @Vtg-Amtmann: „völlig unpolitisch…zu argumentieren“ – Danke für den Brüller.

  15. @Jupiter: „Völlig unpolitisch“ wurde meinerseits explizit mit „nicht parteipolitisch“ gleichgesetzt! Dann zeigen Sie doch bitte die Substanz Ihres rein rhetorischen Brüllers und die von Ihnen benannten angeblichen Expertendefizite einmal konkret auf, statt hier substanzlos und akklamationsheischend zu agieren. Ich darf vermuten, da kommt nur noch „James Watt“, aber nichts Substanzielles, was zurück zum originären Thema beiträgt.

  16. Laut AFP von heute 02.08.2013 gilt:

    Trotz „NSA-Spähaffäre“ und dem „Euro Hawk-Debakel“ ist mit 52% die Zufriedenheit der Bürger mit der Bundesregierung so hoch wie noch nie seit 1997. Das sind 9% Prozent mehr als im Mai 2013!

    Allerdings schwindet vehement der Rückhalt für Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière: Fast jeder zweite Deutsche (42 Prozent) ist inzwischen laut Umfrage für einen Rücktritt des Ministers, dessen Ansehen offenbar zunehmend unter der Drohnenaffäre leidet. Im Juni war nur jeder Dritte (33 Prozent) dafür, dass de Maizière seinen Hut nimmt. AQktuell liegt TdM in der Beliebtheitsskala sogar hinter Steinbrück.

    Da hätte ich für die Demoskopen einen prima Vorschlag: Diese sollten all diejenigen Soldat(inn)en und Verwaltungsbediensteten der Bundeswehr und des BMVg aufforden, die für den Verbleib von TdM sind, Ihre Stimme (anonym) abzugeben. Schließlich ist das BMVg bereits aus „Unterstellung“ aller Soldat(inn)en ein sehr spezielles Minsterium. Aus einer Stimmabgabe pro TdM kann auch selbst bei einer etwaigen Aufdeckung der Anonymität Kein(er)em seitens des BMVg „Einer gepopelt“ werden!

    Dann ziehe man diese Stimmen vom Personalbestand ab, d.h. der Rest der Bw und des BMVg ist gegen einen Verbleib des Ministers bzw. über dessen Verbleib unentschlosen oder auch meinungslos. Das desaströse Ergebnis einer solchen verkürzten Meinungsumfrage dürfte zwar nicht repräsentativ sein, aber in Wahlkampfzeiten als durchaus signifikant ercheinen

    Da würden vielleicht Viele hellwach werden und unserer Bundeswehr mehr Augenmerk geben sowie selbst einige Funktionäre der „Gewerkschaft Pulver & Blei“ vehement aufwachen!

    Ich bin dafür, daß es nach den Wahlen keinen IBUK namens TdM und keinen StS namens SB unsere Bundeswehr zuliebe mehr gibt. Dies ist meine parteipolitisch und kKoalitionsionspolitisch vöölig übergreifende Meinung

  17. Laut Reuters „Berlin und Paris wollen EU-Regelung für Drohnen-Flüge“ von heute Sonntag, 4. August 2013, 12:20 Uhr (http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE97300J20130804), setzen sich Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière und sein französischen Amtskollege Jean-Yves Le Drian dafür ein, die Zulassung unbemannter Flugzeuge europaweit einheitlich zu regeln und fordern daher, dass der Europäische Rat im Dezember darauf hinarbeitet, Drohnen „in den Flugverkehr zu integrieren“. Um Drohnen-Systeme zu entwickeln, müsse man auch über steuerliche Anreize nachdenken.

    Das ist m.M.n. ja wohl die konsequente Fortsetzung des TdM’schen Herumlavierens, Verdrängens, Täuschens und für Dumm-Verkaufens des Parlaments und des Volkssouveräns sowie eindeutiges Indiz für dessen „Drohnen-Syndrom“.

    Die einheitlichen Regelungen, sprich Zulassungs- und Sicherheitstandards sind längst mit EASA CS23 und CS25 gegeben! Es fehlen allerdings die Anerkennung und Umsetzung dieser Standards bei der EDA, MAWA und in den STANAGs. TdM und sein französicher Kollege tragen also in ihrer fadenscheinigen Argumentation – sprich Lobbyismus pro EADS – „Eulen nach Athen“ und hätten sich besser an Brüssel und Genf gewandt!

    Das sieht man schon daran, daß jenseits einer arroganten, aber ahnungslosen „§-30-LuftVG- und ZdV 19/1-Tellerrand-Perspektive“ der Bundesregierung bzw. des BMVg es an den militärischen Regelwerken krankt. Man sehe sich deshalb einmal das „Policy Statement Airworthiness Certification of Unmanned Aircraft Systems (UAS) E.Y013­01“ der EASA genauer an:

    Darin werden für die militärische Musterprüfung und Verkehrszulassung, die Lufttüchtigkeitskriterien und die Umweltschutzmaßnahmen bei militärischen UAS gleiche Standarts wie für zivile UAS gefordert. Ferner wird auf die militärischen Lufttüchtigkeitsrichttlinien gem. STANAG 4671 (UNMANNED AERIAL VEHICLES SYSTEMS AIRWORTHINESS REQUIEREMENTS (USAR)) welche wiederum komplett auf EASA CS 23 als Minimalforderungen basieren. Richtig interessant wird es dann im Anhang 1 bei ’FIGURE 1 ­ UNPREMEDITATED DESCENT’ SCENARIO’ und bei ’FIGURE 2 ­ LOSS OF CONTROL SCENARIO’ sowie den ’3. Practical Examples’: Demgemäß wird der EuroHawk mit einem MTOW von 14,6 to den Zulassungvorschriften der EASA CS 25, also denen für turbinengetriebene Großflugzeuge ohne explizite Begrenzung der Flugzeugmasse (CS 25.1) zugeordnet. Zudem kennt CS 25 nur mehrmotorige Flugzeuge. Weder das BMVBS noch das BMVg haben gegenüber der EASA zu deren „Policy Statement Airworthiness Certification of Unmanned Aircraft Systems (UAS) E.Y013­01“ eine Stellungnahme abgegeben.

    Kein Witz ist dagegen, dass bei der in 2008/2009 erfolgten Ausschreibung zum MALE-System (Deutschland, Spanien und Frankreich) für das „Advanced UAS“ bereits die Zweimotorigkeit gefordert wurde: „Das zweistrahlige Antriebssystem stellt nicht nur die Energieversorgung der Bord­Missionssysteme (Sensor­und Kommunikationsnutzlast) sicher, sondern gewährleistet auch einen sicheren Flugbetrieb im stark frequentierten europäischen Luftraum.“ Schön und wahr formuliert und der einzig mögliche „Wettbewerber“ war damit die EADS-Tochter Cassidian mit dem TALARION (MTOW von 7 to, also EASA CS 23). Und beim EuroHawk (A 320-Format, mehr als doppelt so hohem MTOW von 14,6 to, also EASA CS 25) stellte man sich dumm?

    Ach so und Talarion (Sorry nunmehr FEMALE) soll auch noch steuerlich begünstigt werden!

    Für mich ist TdM als „Minister Ahnungslos“ der größte und verlogenste EADS-Lobbyist und genauso fachlich ahnungslos und inkompetent wie die kleineren seiner Spezies!

  18. @TW: Richtig, der Brief liegt auch mir vor. Symptomatisch ist aber, daß man genau jetzt und nach der gröbsten Arbeit des U-Ausschusses die „Zulassungs-Eulen“ medial und propagantistisch „pro StS SB und TdMs Falsch-Aussagen“ aufwärmt.

    Statt seinerzeit beim T€uroHawk „die Notbremse zu ziehen“, war man im Februar 2012, gem. einer Anfrage / Bundestag Drucksache 17/8693) noch so richtig großkotzig!
    Frage 10: „Inwieweit gedenkt die Bundesregierung, bei der €päischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) in Köln auch den Betrieb von UAV mit einem Betriebsgewicht von über 150 Kilogramm zu beantragen, bzw. welche Haltung vertritt die Bundesregierung zu etwaigen Bestimmungen?“
    Antwort: „Die Bundesregierung wird keine derartigen Anträge bei der EASA stellen. Die EASA ist zuständig für den Bereich des zivilen Luftverkehrs; der Betrieb von UAS der Bundeswehr oder der Polizei liegt daher außerhalb ihrer Zuständigkeit, so dass ein entsprechender Antrag insoweit nicht in Betracht kommt.Auf § 30 LuftVG in Verbindung mit der Zentralen Dienstvorschrift 19/1 (Prüf- und Zulassungswesen für Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät der Bundeswehr) wird hingewiesen.“

    Und jetzt wendet sich der Minister „ahnungslos und saß nur daneben“ an die EU?!

  19. re: Vtg-Amtmann

    Sie verweisen in ihrem Kommentar auf eine Ausschreibung aus 2008/2009 (Zitat: „Kein Witz ist dagegen, dass bei der in 2008/2009 erfolgten Ausschreibung zum MALE-System (Deutschland, Spanien und Frankreich) für das „Advanced UAS“ bereits die Zweimotorigkeit gefordert wurde:…“) Gibt’s auf diese (alte) Ausschreibung einen link?

  20. @audio001: Auf die Schnelle. Bitte kopieren und die Klammern entfernern, bei mehr als 2 Links fällt bei T.W. die Klappe „Kommentar wartet auf Freigabe“.

    (h)ttp://www.flightglobal.com/news/articles/eads-receives-60-million-contract-for-advanced-uav-220307/
    (h)ttp://www.airforce-technology.com/news/news56559.html
    (h)ttp://www.eads.com/eads/int/en/news/press.20090615_eads_defence_mas_talarion.html
    http://www.ainonline.com/aviation-news/singapore-air-show/2010-01-27/eads-forges-ahead-two-uav-programs
    (h)ttp://www.airforce-technology.com/projects/talarionuav/
    (h)ttp://www.defensenews.com/article/20100113/DEFSECT01/1130308/EADS-Seeks-Answers-From-France-Spain-Germany-Commitment-UAV-Program

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