RC N Watch: Neue (US-)Hubschrauber auf dem Weg
In den Details ist es noch nicht ganz klar, aber es scheint, das – deutsch befehligte – ISAF-Regionalkommando Nord in Afghanistan kann sich über das Jahresende 2012 hinaus auf die Unterstützung durch US-Hubschrauber einstellen: Die 12. Combat Aviation Brigade der U.S. Army hat in der vergangenen Woche ihre Fahne an ihren deutschen Standorten eingerollt und macht sich auf den Weg nach Afghanistan und Kuwait.
Nach einem Bericht der amerikanischen Militärzeitung Stars and Stripes soll ein Teil der Combat Aviation Brigade im Norden Afghanistans stationiert werden. Die genaue Zahl wird nicht genannt; wenn allerdings faktisch zum Mai ein zehnmonatiges Deployment beginnt, ist zumindest bis Februar 2013 mit der Unterstützung durch US-Hubschrauber im RC North zu rechnen. Bis dahin müsste dann unter anderem der deutsche NH90 als MedEvac-Hubschrauber verfügbar sein…
Katterbach Army Airfield, Ansbach – Lt. Gen. Mark Hertling, Commander of U.S. Army Europe and Col. Van Voorhees, Commander of the 12th Combat Aviation Brigade stand together after the casing of the colors at Katterbach Army Airfield April 20. The casing ceremony officially recognizes the unit preparing to depart for its upcoming deployment to Afghanistan. (U.S. Army Europe photo by Spc. Joshua E. Leonard)
RC N Watch: Sozusagen ein normaler Tag
Im Norden Afghanistans, im – deutsch befehligten – ISAF-Regionalkommando Nord (RC North), dem Einsatzgebiet der Bundeswehr, scheint heute nichts passiert zu sein, was hier den Weg in die Nachrichten gefunden hätte.
Deswegen hier ein kleiner Überblick, was sich so abgespielt hat (die meisten Meldungen kommen vom BBC-Kollegen Bilal Sarwary, Producer des britischen Senders in Kabul).
RC N Watch: Unbemannter Hubschrauber in Nordafghanistan abgestürzt
Im Norden Afghanistans ist heute ein unbemannter Hubschrauber der ISAF-Truppen abgestürzt: Nach Angaben des ISAF Joint Command deutet bislang alles auf einen technischen Fehler hin, nicht auf einen Abschuss. Es habe keine Verletzten geben.
Informationen des BBC-Kollegen Bilal Sarwary lassen vermuten, dass sich der Absturz nahe Pul-e Komri in der Provinz Baghlan ereignete.
Bislang hatte ich keine Hinweise gesehen, dass im RC North unbemannte Hubschrauber eingesetzt werden – weiß jemand mehr? (Nach früheren Berichten haben die USA damit begonnen, in Afghanistan unbemannte Lastenhubschrauber zum Gütertransport zu nutzen, nicht als Beobachtungs- oder Kampfdrohnen.)
Nachtrag: Danke für einen Leserhinweis in den Kommentaren – der führte zu einem Bericht aus dem vergangenen Jahr mit der interessanten Information über den unbemannten Beobachtungshubschrauber Fire Scout, die ich noch nicht kannte:
In May, three MQ-8Bs were deployed to northern Afghanistan to provide ISR coverage, specifically around 300 hours of full-motion video (FMV) surveillance per month. After six months in which the system proved itself to be a valuable force-multiplier, Northrop Grumman received a follow-on $18.65 million contract from Naval Air Systems Command in late September to maintain the detachment for a further year.
Deployment to Afghanistan validated the Fire Scout’s capabilities while operating in an overland role. This has been of great value as Northrop Grumman strives to explain to potential customers the advantages of rotary-wing UAVs for ISR tasks as opposed to fixed-wing. The MQ-8’s ability to use unprepared landing zones and reduced manpower requirements are key attributes.
Ebenso interessant, dass in den Berichten der Deutschen aus dem RC North zwar immer die Transport-, MedEvac- und Kampf-Hubschrauberfähigkeiten der Verbündeten gewürdigt werden, allerdings nicht diese Fähigkeit.
RC N Watch: Lecker Essen in Kundus
Das ist eher eine der lustigen Nachrichten aus Nordafghanistan: Das niederländische Verteidigungsministerium hat den Chefkoch eines Sterne-Restaurants nach Kundus geschickt, das niederländische Kontigent zu bekochen. Und natürlich kriegen in der offiziellen Mitteilung des Ministeriums auch die Deutschen ihr Fett weg…
Das Essen war nach fünf Monaten eine willkommene Abwechslung vom Geschmack der deutschen Küche im Camp in Kunduz.
(Nun soll es auch deutsche Soldaten geben, die bereits nach vier Monaten die Lagerküche nicht mehr mögen…)
Ex-RC N-Kommandeur Kneip: Kompakt auftreten – und die Afghanen müssen mehr tun
Generalmajor Markus Kneip, bis Februar Kommandeur im ISAF-Regionalkommando Nord in Afghanistan (und ab 1. April stellvertender Leiter der Abteilung Strategie und Einsatz im Verteidigungsministerium) hat heute vor der Bundespressekonferenz über seine Erfahrungen im RC North berichtet. Zwei, drei Kernaussagen, ehe ich (aus Zeitgründen vorerst) auf den Mitschnitt wesentlicher Teile seines Statements verweise:
Nicht erst seit den jüngsten Green on Blue-Zwischenfällen zählt die Demonstration von Stärke und Sicherheit: Wer Sicherheit produziert und Stärke zeigt, demonstriert im kulturellen Umfeld Afghanistan seine Macht. Dazu gehört auch, sich bei Aktivitäten außerhalb des Lagers nicht zu verzetteln: Wer mit zwei Fahrzeugen losfährt, erkennbar ohne Funkverbindung, ohne Sprachmittler, ohne Beteiligung afghanischer Soldaten, der riskiert, dass es schief geht.
Überhaupt: ohne die Afghanen zu agieren, empfiehlt sich nicht. Lieber einen Tag warten, bis die Afghanen fertig sind, lieber eine Woche warten, als es alleine machen.
Andererseits aber auch: Die afghanischen Sicherheitskräfte müssen mehr gefordert werden. Combat Outposts mit Deutschen zu bemannen, während afghanische Soldaten in der Kaserne sitzen (wie in der Vergangenheit geschen), kann so nicht funktionieren. Da habe sich zwar im Laufe des vergangenen Jahres einiges verbessert, aber: Schnell gesagt, schwer getan – da sind wir immer noch bei.
Kneips Statement (jedenfalls weitgehend), der anschließende Frage-und-Antwort-Teil war leider off the record:

Thomas Wiegold schreibt über die Bundeswehr, über Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Die Truppe hat er schon lange im Blick: 1993 berichtete er aus Somalia und seitdem aus fast allen Einsatzgebieten der Bundeswehr.
