RC N Watch: ISAF-Stützpunkt in Nordafghanistan angegriffen (Neufassung)

Khilagay_DBwV_2010

Der Combat Outpost Khilagay in der nordafghanischen Provinz Baghlan, der letzte Stationierungsort deutscher Soldaten in Afghanistan außerhalb der Basis Masar-i-Scharif, ist am Samstag erneut von Aufständischen angegriffen worden. Deutsche Soldaten wurden nicht verwundet, als Aufständische zwei Mörsergranaten auf den Stützpunkt (oben ein Archivbild von 2010) abfeuerten, wie die Bundeswehr mitteilte:

Am 05.April gegen 13.55 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit (17.25 Uhr afghanischer Ortszeit), kam es zu einem Beschuss des ISAF-Stützpunktes Khilagay, circa 10 Kilometer südostwärts von Pol-i Khomri.
Es wurden zwei Mörsergranaten auf den Stützpunkt abgefeuert, wovon eine circa 100 Meter ostwärts des Lagers und eine Granate im deutschen Teil der Liegenschaft einschlug.
Es wurde kein deutscher Soldat verletzt.

Das Camp in Khilagay ist nach offiziellen Angaben Stützpunkt für deutsche Spezialkräfte der Task Force 47. Außerdem ist dort ein MedEvac-Hubschrauber der US-Streitkräfte stationiert. Das Feldlager soll nach derzeitiger Planung am 15. Juli von ISAF an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben werden.

Zur Orientierung – wo der in Deutschland relativ unbekannte Außenposten liegt (ein Klick öffnet die Karte):

khilagay_osm

(Khilagay ist zwar weder bei Google Maps noch bei Open Street Map namentlich verzeichnet, aus öffentlichen Quellen findet man aber die Koordinate 35° 52′ 30.88″ N 68° 47′ 42.82″ E (42S VE 81515 70131) – und genau an jenem Ort hat Open Stret Map ein militärisches Gefahrengebiet markiert. 10 km südostwärts von Pul-i Khumri kommt auch hin.)

Eine Übersicht zu diesem Combat Outpost nach Bundeswehr-Quellen (vorsorglich zitiert, da die Links nicht unbedingt dauerhaft sind):

UdÖ 18. März 2014
Am Einsatzort Khilagay in der Provinz Baghlan (RC North) haben seit Anfang März 2014 die Vorbereitungen zum Rückbau des deutschen Anteils an der vorgeschobenen Einsatzbasis (Forward Operating Base / FOB) begonnen. Erstes Material und Teile der Ausrüstung trafen am 07.03.13 in Mazar-e Sharif ein.

19. Februar 2014 – UdÖ 26. Februar 2014
In der Provinz Baghlan wurden am 19.02.14 ISAF-Kräfte in der Nähe der gemeinsam durch ISAF und ANSF genutzten vorgeschobenen Operationsbasis (Forward Operation Base/FOB) Khilagay mit Handwaffen beschossen. Es wurden keine ISAF-Kräfte verwundet.

14. Februar 2014
Die in Khilagay eingesetzten deutschen Spezialkräfte beraten und unterstützen Einheiten der afghanischen Sicherheitskräfte in der Provinz Baghlan. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit werden Fertigkeiten vermittelt, die jeder Angehörige der Partnereinheit beherrschen muss. In Ergänzung dazu werden diese afghanischen Partner bei der Planung, Vorbereitung und Durchführung von Operationen beraten.
Sie unterstützen sie – wo nötig – auch bei Operationen durch Fähigkeiten, über die die afghanischen Sicherheitskräfte gegenwärtig nicht oder noch nicht in hinreichender Qualität verfügen, zum Beispiel im Rahmen der Kampfmittelabwehr oder –beseitigung (EOD). Die deutschen Kräfte in Khilagay sind in einer sogenannten Forward Operating Base (FOB) untergebracht.

31. Januar 2014
Berlin, Khilagay, 06.02.2014, Einstellzeit: 17 Uhr.
Am 31. Januar gegen 16.20 Uhr mitteleuropäischer Zeit wurde im Distrikt Doshi in der Provinz Baghlan der durch die ISAF und afghanische Sicherheitskräfte gemeinsam genutzte Außenposten Khilagay durch drei Raketen vom Typ 107-Millimeter beschossen.
Die Einschläge der Raketen wurden rund 500 Meter südlich des Außenpostens beobachtet. Es kam zu keinen Personen- und Sachschäden.

7. November 2013 – UdÖ 12. November 2013
Am 07.11.13 beschossen regierungsfeindliche Kräfte (Opposing Militant Forces / OMF) den gemeinsam durch ISAF und ANSF genutzten Außenposten (Forward Operating Base / FOB) Khilagay in der Provinz Baghlan mit einer Rakete vom Typ 107mm. Die Rakete schlug außerhalb der FOB ein und verursachte weder Personen- noch Sachschaden.

19. Oktober 2013 – UdÖ 22. Oktober 2013
Am 19.10.13 beschossen OMF den gemeinsam durch ISAF und ANSF genutzten Außenposten (Forward Operating Base / FOB) Khilagay in der Provinz Baghlan mit mehreren Raketen vom Typ 107 mm. Die Raketen schlugen außerhalb der FOB ein. Dabei entstand weder Personen- noch Sachschaden.

4. Mai 2013
Baghlan/Potsdam, 05.05.2013, Einstellzeit: 13.20 Uhr.
Am 4. Mai 2013 um 21.44 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit wurden zwei deutsche Helikopter vom Typ CH-53 auf der Flugstrecke zwischen Khilagay (Provinz Baghlan/Afghanistan) und Kabul mit Flugabwehr- und Handwaffen aufständischer Kräfte beschossen.

5. Juni 2012 – UdÖ 12. Juni 2012
Am 05.06.12 wurden gegen 23:10 Uhr afghanischer Ortszeit deutsche Kräfte rund 40 Kilometer südlich des ungarisch geführten regionalen Wiederaufbauteams (Provincial Reconstruction Team / PRT) Pul-e Khumri mit Hand- und Panzerabwehrwaffen beschossen. Die Soldaten marschierten in einem Konvoi zusammen mit amerikanischen Kräften vom Salangpass in Richtung der Forward Operating Base (FOB) Khilagay. Das Feuer wurde erwidert. Es gab keine deutschen Verwundeten. Ein deutsches Fahrzeug vom Typ DINGO A1 wurde durch den Beschuss leicht beschädigt. Der Konvoi setzte seinen Marsch fort.

(Neufassung deshalb, weil die Leser – siehe unten in den Kommentaren – zu Recht Ungenauigkeiten Fehler bemängelt haben. Ich bitte um Entschuldigung.)

Nachtrag 7. AprilAktualisierung der Bundeswehr:

Weitere Untersuchungen ergaben, dass es sich bei den von den Aufständischen genutzten Waffen nicht um Mörser, sondern um Raketen vom Kaliber 107-Millimeter handelt.
Am Sonnabend den 05. April gegen 16.00 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (18.30 Uhr afghanischer Zeit) wurde der ISAF-Stützpunkt mit drei weiteren Raketen dieser Art beschossen. Alle Raketen schlugen erneut etwa 100 Meter östlich des Feldlagers ein, es entstand weder Personen- noch Materialschaden. ISAF-Soldaten erwiderten daraufhin das Feuer.

(Archivbild 2010: Deutscher Bundeswehr-Verband, Karte Open Street Map)

27 Gedanken zu „RC N Watch: ISAF-Stützpunkt in Nordafghanistan angegriffen (Neufassung)

  1. Frage: Ist dieser Angriff etwas neues und noch nie vorgekommenes?
    Zweite Frage: Wurde ein anderer Soldat verletzt?
    Zu erstens: Wenn ja, dann kann ein Bezug zur Wahl bestehen.
    Zu zweitens: Es ist ja sehr beruhigend zu wissen, dass kein deutscher Soldat verletzt wurde, aber wie sieht es mit dem Rest aus?
    Werferfehler

  2. @ Werferfehler: Zu Frage 1: definitiv nein. Obwohl die Tageszeit mMn eher ungewöhnlich ist.

  3. Zur Wahl sehe ich auch eher eine zeitliche Koinzidenz. Die zweite Frage tät‘ mich ja auch interessieren…

    (Obwohl: eine Granate außerhalb, eine im deutschen Teil des Camps eingeschlagen – das legt nahe, dass andere ISAF-Truppen nicht betroffen waren.)

  4. Darf ich was sagen? Auch nur ganz kurz…

    Der Raketen/Mörser/SAF Beschuss ist NICHTS neues. Das geht schon JAHRE so! Und das hat auch nix mit Wahlen oder sowas zu tun, sondern weil das Personal aus Doshi und Umgebung die Ungläubigen einfach nicht symphatisch findet. Und nein – Ich glaube es nicht – ich weiß es!

  5. Klar dürfen Sie was sagen ;-)

    Danke für die Info. Interessant ist ja, dass bislang solche Angriffe auf Khilagay nie nicht in den Bundeswehr-Meldungen auftauchten (man möge mich korrigieren, aber ich kann mich da an nichts erinnern). Das führt natürlich zu der Frage, warum jetzt…

  6. @Zuckerhut

    Stimmt, das hatte ich übersehen.

    Dennoch: von Angriffen auf Khilagay war sonst noch nicht die Rede, oder?

  7. Danke. 2010 würde ich auch als länger her ansehen ;-) Den Angriff im Januar hatte ich nicht mehr auf dem Schirm (als das im Februar bekanntgegeben wurde, war ich in Urlaub…). Korrigiere das oben im Eintrag.

  8. Ich seh schon, zu viel Leser-Rückmeldung macht einem die ganze Geschichte kaputt ;-)

    (Deswegen, übrigens, ein Blog; als Hinweis für die zweifelnd mitlesenden Kollegen.)

  9. @T.W.:
    Wenn wir schon dabei sind – K. Ist nicht einer „der wenigen“, sondern der letzte Außenposten im RC-N in dem (noch) deutsche Soldaten eingesetzt sind.

  10. @Memoria

    Hm. Kein anderer Außenposten, welcher Größenordnung auch immer, aus dem Teile der TF47 agieren? Sicher?

  11. Ist doch keiner mehr übrig? Evtl. noch Meymaneh, aber das als „Außenposten“ zu bezeichnen, wäre wohl verfehlt ;)

  12. @Vodoo:
    In Faryab haben die ANSF massive Probleme (siehe UdÖ) – eine Rückkehr von ISAF ist praktisch nicht in Sicht. Nun hat man aus der NRU ja auch ne QRF gemacht…
    Derzeit ist zumindest niemand in Meymaneh.

    @T.W.:
    Sicher bin ich mir da natürlich nicht, aber eine weitere Liegenschaft mit dauerhafter Präsenz gibt es sonst nicht mehr – das meinte ich.

    Für was man dann noch so viele Leute in MeS braucht, ist dann die andere Frage…

  13. So, aufgrund der berechtigten Einwände jetzt mal eine Neufassung und ein paar ergänzte Informationen.

  14. Tja woran liegt das wohl, dass man Khilagay nicht erwähnt?

    Können sie sich an das Poster erinnern?

    „Für die deutsche Bevölkerung gibt es in Afghanistan 3 Stützpunkte. Wir kämpften im vierten.“

    Für Khilagay gilt „status quo“:

    „Für die deutsche Bevölkerung gibt es in Afghanistan einen Stützpunkt. Wir kämpften im zwoten.“

    Aber nicht nur für die Bevölkerung gibt es den Stützpunkt nicht – auch außerhalb vom Gehege in MeS weiß keine Sau wo Khilagay ist und was die Leute da machen. Soll auch keiner wissen, sonst stellt ja jemand Fragen. Fragen Sie doch mal, wo die Inst Unterstützung für die DEU Kräfte war. Oder was die DEU Führung in MeS den Kräften in Khilagay erlaubt um offensiv gegen den seit Jahren andauernden Beschuss vorzugehen. Fragen Sie doch mal, was die TF47 da genau macht – und ob die zufrieden sind, mit dem was sie da tun. Fragen Sie doch mal, was die Afghanen in PEK gebacken kriegen und was passiert wenn keiner mehr da ist, der halb legal ihre Drecksauträge übernimmt.

  15. Sorry wenn das jetzt zynisch klingt, ist aber nicht so gemeint:
    Die Taliban-Afghanen scheinen ja recht schlechte Schuetzen zu sein, haeufiger Beschuss aber keine Treffer? Sollten das nur Drohgebaehrden sein?

    Und zur info – ich war auch im Feuer, in Angola, 1973.

  16. @ pec

    Was soll denn bei der tf 47 so mysteriös oder kontrovers sein.

    Istar recce, mentoring der ana sf und gelegentlich anti hvt operationen sind doch hinlänglich bekannt.

  17. @ MikeMolto | 06. April 2014 – 15:21

    „Ich fühle mich sicher, so lange sie auf mich zielen und schießen – Sorgen mache ich mir, wenn sie woanders hinzielen, dann weiß ich, dass die wissen, wohin ihre Knifte schießt.“

    Zitat eines befreundeten FschJg

  18. „Aktualisierung: 07. April, 21.25 Uhr

    Weitere Untersuchungen ergaben, dass es sich bei den von den Aufständischen genutzten Waffen nicht um Mörser, sondern um Raketen vom Kaliber 107-Millimeter handelt.

    Am Sonnabend den 05. April gegen 16.00 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (18.30 Uhr afghanischer Zeit) wurde der ISAF-Stützpunkt mit drei weiteren Raketen dieser Art beschossen. Alle Raketen schlugen erneut etwa 100 Meter östlich des Feldlagers ein, es entstand weder Personen- noch Materialschaden. ISAF-Soldaten erwiderten daraufhin das Feuer.

    Stand: 21 Uhr

    Ansprechpartner für die Presse: Einsatzführungskommando der Bundeswehr“

    bundeswehr.de

  19. Der Verfasser schreibt „…der letzte Stationierungsort deutscher Soldaten in Afghanistan außerhalb der Basis Masar-i-Scharif.“

    …dann frage ich mich was ich gerade in KAIA, meine Kameraden im Camp Qasaba, HQ ISAF, Rest-Kabul, in Kandahar und Bagram machen…

    Mir ist klar, das (korrekterweise) auf das RC-N, und im besonderen MeS, das Hauptaugenmerk in Deutschland liegt.
    Allerdings ist Afghanistan und ISAF , auch fuer Deutsche, mehr als nur RC-N und MeS. Ich bitte dies fuer die Zukunft zu beachten, denn alle Deutsche, egal wo sie eingesetzt sind, liefern ihren Beitrag im Rahmen des ISAF Einsatzes.

  20. @Nanasty

    Sie haben natürlich Recht – und ich hab’s wirklich auf das RC North bezogen. Bitte um Nachsicht, das sollte Ihre Arbeit und die Ihrer Kameraden in Kabul etc. nicht zurücksetzen.

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