RC N Watch: ISAF-Stützpunkt in Nordafghanistan angegriffen (Neufassung)

Khilagay_DBwV_2010

Der Combat Outpost Khilagay in der nordafghanischen Provinz Baghlan, der letzte Stationierungsort deutscher Soldaten in Afghanistan außerhalb der Basis Masar-i-Scharif, ist am Samstag erneut von Aufständischen angegriffen worden. Deutsche Soldaten wurden nicht verwundet, als Aufständische zwei Mörsergranaten auf den Stützpunkt (oben ein Archivbild von 2010) abfeuerten, wie die Bundeswehr mitteilte:

Am 05.April gegen 13.55 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit (17.25 Uhr afghanischer Ortszeit), kam es zu einem Beschuss des ISAF-Stützpunktes Khilagay, circa 10 Kilometer südostwärts von Pol-i Khomri.
Es wurden zwei Mörsergranaten auf den Stützpunkt abgefeuert, wovon eine circa 100 Meter ostwärts des Lagers und eine Granate im deutschen Teil der Liegenschaft einschlug.
Es wurde kein deutscher Soldat verletzt. weiterlesen

RC N Watch: Angriff auf deutsche Patrouillen-Begleitung in Baghlan

Bundeswehr LAPV Enok

In der nordafghanischen Provinz Baghlan, südlich der Provinzhauptstadt Pul-e Khumri, ist am (heutigen) Montag eine gemischte afghanisch-deutsche Patrouille angegriffen worden. Verwundete gab es nicht. Die Meldung der Bundeswehr:

Gegen 14.53 Uhr afghanischer Uhrzeit (11.23 Uhr Mitteleuropäischer Zeit) wurde eine von deutschen Kräften begleitete afghanische Patrouille in der Provinz Baghlan, Provinz Doshi, mit Handwaffen beschossen. Dabei wurde ein deutsches Fahrzeug vom Typ Enok leicht beschädigt.
Luftnahunterstützung wurde angefordert und durch US-Streitkräfte in Form von zwei Flugzeugen vom Typ F-16 bereitgestellt.
Diese Unterstützung musste aber nicht eingesetzt werden. Bei dem Vorfall wurden weder deutsche noch afghanische Soldaten verwundet. Alle deutschen Soldaten befinden sich wieder in ihrem Feldlager.

(Gemeint ist vermutlich der Bezirk Doshi.)

Zum Enok siehe das Archivbild oben; dieser Fahrzeugtyp und der Angriffsort, also die Provinz Baghlan inzwischen ohne deutsche ISAF-Präsenz, lässt vermuten, dass es sich bei den Deutschen um Soldaten der Task Force 47, also des Kommandos Spezialkräfte, gehandelt hat. Denn normale Truppen sind nach Aufgabe der verschiedenen Outposts und Camps, zuletzt das PRT in Kundus, außerhalb von Masar-i-Scharif nicht mehr stationiert. (Mit einer kleinen Ausnahme in Kilagay in Baghlan.) Dazu passt auch, dass nur gemeldet wird, die Soldaten befänden sich wieder in ihrem Feldlager, ohne dass dies benannt wird.

Andererseits werden solche Incidents unter Beteiligung der TF47 normalerweise gar nicht gemeldet. Aber vielleicht wusste die Bundeswehr ja auch schon, dass Spiegel Online eine Meldung plante.

(Foto Thiemo Schuff via Wikimedia Commons unter CC-BY-SA-Lizenz)

RC N Watch: Bundeswehr verletzt zivilen Trucker in Baghlan

Bei Pol-e-Khumri in der nordafghanischen Provinz Baghlan ist heute ein ziviler Lastwagenfahrer von Bundeswehrsoldaten verletzt worden. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr hatte der Sicherungssoldat im letzten Fahrzeug eines Konvois auf den Lastwagen einen Warnschuss abgegeben, weil der Fahrer zu dicht auffuhr und auch auf Lichtsignale den Sicherheitsabstand nicht eingehalten habe. Dabei sei der Zivilist am Bein verletzt worden. Inzwischen werde er im deutschen Einsatzlazarett in Masar-i-Scharif behandelt.

Bei der afghanischen Nachrichtenagentur Pajhwok ist allerdings zu lesen, die afghanische Polizei habe den Verletzten mit seiner Schusswunde gefunden, während die Deutschen schon weitergefahren seien. Die Einzelheiten bleiben noch unklar; es scheint aber festzustehen, dass der Mann zunächst zur Behandlung in ein ziviles Krankenhaus gebracht wurde, ehe er in das deutsche Feldhospital kam.

Pajhwok hat auch noch eine andere Meldung aus dem RC North (leider nur für Abonnenten lesbar): Bei einer gemeinsamen Operation von afghanischer Polizei und deutschen Spezialkräften, also Task Force 47 bzw. KSK, im Dorf Khalazai im Distrikt Char Darrah bei Kundus seien sechs Aufständische festgenommen worden. Nach Angaben des Polizeichefs von Kundus sei unter ihnen ein Pakistani mit dem Namen Hayatollah, der als Experte für Sprengfallen gelte. Die Festgenommenen seien anschließend Journalisten vorgeführt worden.

RC N Watch: Deutsche Spezialkräfte stellen Taliban-Führer

Über die Festnahme von Maulawi Roshan, einem Taliban-Führer in der Provinz Kundus, hatte bereits am (gestrigen) Dienstag die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, die ihn allerdings unter Berufung auf die örtliche Polizei als Taliban-Richter bezeichnete. Heute kommt dazu nicht nur von ISAF mehr – sondern auch von der Bundeswehr: Die berichtet (nach meiner Erinnerung erstmals in dieser Offenheit), dass Roshan von deutschen Spezialkräften der Task Force 47 gestellt wurde.

Das ist eine neue Qualität – bislang blieb in der Regel unklar, welche ISAF-Nation die Spezialkräfte für einen Zugriff stellte. Insbesondere dann, wenn es dabei zu Feuergefechten kam. Oder wenn aufgrund der Art des Zugriffs die Vermutung nahe lag, dass es um eine gezielte Tötung des jeweiligen Anführers der Aufständischen ging (was ungeachtet der völkerrechtlichen Bewertung nach Angaben des Verteidigungsministeriums für die deutschen Streitkräfte keine Option ist).

Es scheint deshalb, dass diese Aktion mit der deutschen Beteiligung so offen publiziert wird, weil damit klar gemacht werden soll: die Deutschen setzen auf Festnahme, und das kann auch funktionieren, ohne dass es zu Verletzten und Toten kommt. Der Kernsatz dazu in der ISAF-Erklärung: He was detained without incident and taken by Afghan authorities for processing and questioning.

Die interessante Frage ist ja, ob es beim nächsten Einsatz, der vielleicht nicht without incident abgeht, auch eine so offene Darstellung gibt…

Wenn die Einschätzung der Intel-Leute stimmt, ist damit ISAF und den deutschen Spezialkräften ein kapitaler Fang geglückt: Roshan gilt als hochrangiges Führungsmitglied der Taliban im Raum Kunduz mit engen Verbindungen zur Talibanführung im benachbarten Pakistan. Der Festgesetzte wird mit der Vorbereitung und Durchführung zahlreicher Anschläge gegen die ISAF-Truppe und die afghanische Staatsgewalt sowie mit zahlreichen sonstigen kriminellen Aktivitäten im Raum Kunduz seit Mitte des Jahres 2009 in Verbindung gebracht.

Übrigens, neben dem oben abgebildeten offiziellen Logo der Task Force 47 gibt es auch ein inoffizielles:

Verspäteter Nachtrag: Durch Leserhinweise (danke!) werde ich auf den Bericht des Stern-Kollegen Christoph Reuter aufmerksam gemacht: Festgenommener Talibanführer ein Überläufer? Das verändert die Perspektive auf diesen Einsatz natürlich ein wenig.

„Gezielte Tötungen“ – die Diskussion geht weiter

Eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Christian Ströbele dürfte die Diskussion über gezielte Tötungen von Aufständischen in Afghanistan wieder anheizen. Denn in dieser Antwort, so ist heute zum Beispiel in einem Bericht der taz zu lesen, soll bei Einsätzen deutscher Spezialkräfte – der so genannten Task Force 47 – gezielt bombardiert worden sein.

Ich hab’s heute nicht geschafft, diese Antwort zu bekommen – die muss man sich sehr genau anschauen und gucken, wie das mit der offiziellen Aussage des Verteidigungsministeriums übereinstimmt, Zugriffsoperationen, bei denen deutsche Kräfte die Verantwortung für die Anwendung militärischer Gewalt haben, die Ausführung übernehmen oder an denen sie sich beteiligen, erfolgen ausschließlich mit dem Ziel, die Person festzusetzen.

Eine Bewertung der Antwort stelle ich deshalb erst mal zurück. Aber auf die innenpolitische Debatte dürfte sie so oder so Auswirkungen haben.

(Vorsorglich die Bitte, in den Kommentaren jetzt keine Meinungsschlacht um den Abgeordneten Ströbele zu entfachen…)