Einsatz in Faryab: So sieht das aus

In der ersten Märzhälfte waren NATO-Ausbilder, darunter Bundeswehrsoldaten, im Norden Afghanistans unterwegs, um in der Provinz Faryab den Stand der afghanischen Armee zu bewerten. (Mehr dazu gab es schon hier.) Die Deutschen stellten dabei nicht nur Berater, sondern auch einen Teil der Force Protection für das Expeditionary Advisory Package.

Der Einsatz nahe der Provinzhauptstadt Maimaneh wurde am 17. März beendet; am (heutigen) Samstag hat die NATO-geführte Resolute Support Mission (RS) dazu ein Video veröffentlicht; einschließlich eines kurzen Interviews mit dem deutschen Oberst Christoph Böcker:


(Und ein zweites Video, eingestellt am 26.März, ziemlich ähnlich:

Dem Verteidigungsausschuss des Bundestages teilte das Verteidigungsministerium dazu in dieser Woche mit:

Das Hauptquartier RS wies das TAAC North an, bei der 1. Brigade des 209. ANA Korps eine Erfolgskontrolle der Ausbildungs- und Beratungsmaßnahmen durchzuführen, um so die aktuelle Leistungsfähigkeit der Brigade zu bewerten. Das TAAC North bildete hierfür ein mobiles Beratungsteam (Expeditionary Advisory Package / EAP) und verlegte dazu multinationale Kräfte nach Maimanah. Dort erfolgten während einer laufenden Operation der ANDSF die geforderte Leistungsbewertung sowie auch die Beratung eines vorgeschobenen Gefechtsstands des 209. ANA Korps. Alle Kräfte des TAAC North wurden am 17.03.18 planmäßig nach Mazar-e Sharif zurückverlegt.
Für das EAP waren neben weiteren US-amerikanischen Kräften auch deutsche Kräfte erforderlich, die in den Bereichen Führung, Beratung und Führungsunterstützung eingesetzt waren. Die deutschen Kräfte stellten zusätzlich die erforderlichen Schutzkräfte für die Berater (sogenannte „Guardian Angel“) und unterstützten mit einem notfallchirurgischen Team (Damage Control Surgery Unit / DCSU).
Die Erfolgskontrolle beim afghanischen Führungspersonal umfasste die Bereiche Operationsplanung und Operationsführung, Logistik und Führungsunterstützung. Diese auf Eigenständigkeit und Nachhaltigkeit zielende Unterstützung ist ein wichtiger Beitrag insbesondere zur Verbesserung der Führungsfähigkeit der afghanischen Streitkräfte.

Ergänzung/Nachtrag: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist am (heutigen) Samstag zu einem Truppenbesuch in Nordafghanistan eingetroffen.

Nachtrag 2: Das Statement der Ministerin in Masar-i-Scharif am Sonntag (25. März), ein vom BMVg verbreitetes Audio:

vdL_Afghanistan_Statement_25mar2018     

 

(Foto: Screenshot aus dem Video)

15 Kommentare zu „Einsatz in Faryab: So sieht das aus“

  • Memoria   |   24. März 2018 - 14:05

    Leider wurde dem Bundestag offenbar nicht mitgeteilt was die genauen Ziele der Operation waren und ob diese erreicht wurden. Das wäre dann wirklich eine Erfolgskontrolle.

    Zudem lohnt sich dann ein Blick in den nächsten Monaten auf den gleichen Bereich. Die Erfahrung der letzten 15 Jahre hat doch eigentlich gezeigt, dass derlei Großoperationen zwar grosse Fortschritte versprechen, jedoch meistens keinen bleibenden Erfolg bringen.

    Diese Erkenntnis hatten auch bereits die die Briten in Malaya, die Amerikaner in Vietnam und die Sowjets in Afghanistan gemacht.

    Learning to eat soup with e knife.

    Hier ebenfalls noch einige Überlegungen dazu:
    http://smallwarsjournal.com/jrnl/art/six-requirements-for-success-in-modern-counterinsurgency

    Wir versuchen eben weiterhin vorallem konventionelle Antworten auf unvonventionelle Probleme zu geben.

    Und damit wird in Faryab im Sommer die nächste Großoperation geben, die auch wieder erfolgreich sein wird…

  • Alex   |   24. März 2018 - 15:16

    @Memoria
    Mal ehrlich: Bei wievielen Gesetzen sind eine Erfolgsmetrik, /-kriterien und ein Kontrolldatum vorgesehen? Hat man davor Angst, an seinen Erfolgen gemessen zu werden statt an den Worten?

  • Memoria   |   24. März 2018 - 15:39

    Hier noch etwas „ground truth“ aus den anderen Landesteilen:
    https://youtu.be/IDsyJCxYAoc

    Ein echter Ausweg ist nicht erkennbar.

  • Memoria   |   24. März 2018 - 19:28

    Die Ministerin ist heute mit Abgeordneten nach Afghanistan gereist:
    http://www.deutschlandfunk.de/afghanistan-von-der-leyen-besucht-deutsche-soldaten.2932.de.html?drn:news_id=864894

    Hoffentlich kommen auch die echten Probleme auf den Tisch und nicht wieder allgemeine Schönrednerei in der gerade vom BMVg gewünschten Richtung.

    Das kommende Jahr wird wohl erneut intensiv.

    Wenn man in dem oben von mir verlinkten Beitrag aus Helmand schaut sieht man wie kinetisch die USA im Süden wieder sind.

    Wie sehen wir dies für den Norden?
    Muss dort ähnliches passieren? Oder sind wir anderweitig erfolgreich? Was ist der Plan hinter der Aufstockung?

    Ich erkenne bisher keinen udd befürchte dies hat einen einfachen Grund: Es gibt diesen Plan nicht.
    Wir segeln halt einfach immer mit der amerikanischen Linie mit – ausser wenn es „naß“ wird.

  • Memoria   |   24. März 2018 - 22:24

    Mit Blick auf die Erfolgskontrolle fehlt wohl wieder eine sauber geplante und kommunizierte „hold-phase“:

    „Faryab residents have called on the security forces to establish security check posts in cleared areas in order to prevent Taliban from returning to the areas“
    https://www.tolonews.com/afghanistan/security-forces-advance-faryab-province

    Zudem gibt es diese Woche weitere erhebliche Machtverschiebungen:
    https://www.tolonews.com/afghanistan/jamiat-commander-faryab-joins-taliban

    Das immer gleiche Problem:
    Eine Regierung, die unzureichend auf die Bedürfnisse der Regierung eingeht und ein Sicherheitsapparat, der nach 15 Jahren der Beratung und vorgeblicher Erfolgskontrolle die immer gleichen Fehler macht. Unterstützt vom grossen Elefanten im Porzellanladen: Die internationale Gemeinschaft, insbesondere die NATO.

    Aber beim LVU für die Ministerin wird das bestimmt nochmal richtig erklärt und man verliert sich wieder in irgendwelchen Details, da die Grundfragen zu unangenehm sind.

  • O.Punkt   |   25. März 2018 - 15:52

    Vielleicht noch interessant zu wissen: Das ist nicht der erste Trainingseinsatz der Bw in Faryab/ Meimaney. Bereits für über 10 Jahren wurden dort „Polizisten“ im Rahmen eines Ausbildungsplans dort von Feldjägern ausgebildet.

  • Memoria   |   25. März 2018 - 17:22

    Mit Blick auf das von der Ministerin im O-Ton erwähnten Ende von ISAF hier eine sehr gute Reportage vom Ende von ISAF in Faryab – besonders die Rede am Ende.
    https://www.youtube.com/watch?v=7eAi0xpaMxQ

    Ein langer Atem ist also notwendig.
    Sinnvolle Ziele und Wege kann ich weiterhin nicht erkennen.

    Zum Haushalt passt es ja besser an anderem Ort:
    http://augengeradeaus.net/2018/03/dokumentation-von-der-leyens-erste-bundestagsrede-nach-erneutem-amtsantritt/#comment-290108

  • Pio-Fritz   |   26. März 2018 - 9:50

    @Memoria

    Volle Zustimmung.
    Aber was will man auch erwarten, mit einer afghanischen Regierung, die sich in verschiedene Lager (nach Warlords, Ethnien- oder Stammeszugehörigkeit) aufgespalten hat. Ein Ausfluss daraus die verzweifelten Hilferufe des afghanischen Präsidenten in Richtung Westen. Von der Korruption mal ganz zu schweigen.

    Eines der wesentlichen Probleme, warum die Taliban immer wieder erstarken.

  • Dante   |   26. März 2018 - 13:39

    @all
    aus technischer sicht recht interessant sind die md 500 helis mit afgh kennung. weiß man mehr drüber wieviele dieser „little Birds“ beschaft werden oder für die nahunterstützung noch kommen werden? die Faktenlage ist da dürftig. ist aber sicher ne gute idee.

    [Bisschen mehr zu Hubschraubern für die ANA aktuell hier:

    https://apnews.com/c8db2d238cf34bbb94dd661d97528892

    T.W.]

  • Pio-Fritz   |   31. März 2018 - 10:42

    Wer Interesse an einem ungeschönten Bericht über die Zustände in dem Dorf Abdul Khel in der Provinz Nangarhar hat, dem sei der Bericht „Der Hass und die Hoffnung“ von Wolfgang Bauer im neuen Zeit-Magazin ans Herz gelegt. Online leider hinter der Paywall.

    Ein gut geschriebener Bericht über ein Dorf, in dem sich IS, Taliban, National Police und Local Police mit amerikanischer Unterstützung um die Vorherrschaft streiten. Vor allem die Sicht der Bevölkerung ist vielsagend.

  • Thomas Melber   |   31. März 2018 - 21:46

    As a by-note:

    https://www.longwarjournal.org/archives/2018/03/inspector-general-reveals-dod-cant-verify-where-3-1-billion-was-spent-in-afghanistan.php

    Das Geld ist ja nicht weg, das hat nur jemand anderes … ^^ Im Zweifelsfall die TB. Die haben ja auch am Kraftstoffnachschub mitverdient, so sie ihn nicht abgefackelt haben – was dann wohl unter Angebotsverknappung fällt.

  • Memoria   |   04. April 2018 - 10:51

    Eine lesenswerte Reuters-Meldung von Sabine Siebold zu den Erfahrungen in Faryab ist seit heute online verfügbar („Müssen noch mindestens zehn Jahre in Afghanistan bleiben“).

    Es fehlt weiterhin an einfachen, aber wichtigen, Dingen wie Batterien für Metalldetektoren.
    Auch wieder der Klassiker mit dem fehlenden Treibstoff.
    Ob das wirklich jemals anders wird?

    [Reuters kann man hier doch problemlos verlinken:

    https://de.reuters.com/article/afghanistan-deutschland-bundeswehr-idDEKCN1HB0N5?il=0

    T.W.]

  • Boots on the Ground   |   05. April 2018 - 8:13

    Auf bundeswehr.de findet sich heute wieder ein Bericht, bei dem man sich fragen muss, ob der Einsatz in Afghanistan ernstgemeint ist: bitly.com/2GWshoF

    Guardian Angel: Schutzengel mit Feuerkraft
    Guardian Angel beschützen Personen auf Schritt und Tritt. Eine Unaufmerksamkeit ihrerseits kann in eine Katastrophe münden. In Afghanistan übernehmen deutsche Soldaten diese verantwortungsvolle Position. […]

    Kurze Zeit später hält der Dingo vor dem „Save Haven“, dem sicheren Hafen. Diesen mit Betonmauern gesicherten Bereich im Inneren der Kaserne dürfen nur NATO-Angehörige betreten. „Sobald der Save Haven durchsucht ist, ziehen die Kleinfahrzeuge dort unter“, befiehlt der Zugführer per Funk. Bevor der Rest der Gruppe absitzen darf, machen sich zwei Soldaten an den „5/25“: Zuerst wird der Bereich bis auf fünf Meter Entfernung nach möglichen Sprengfallen abgesucht, danach wird die Suche auf 25 Meter ausgedehnt. Währenddessen sichern die Bordschützen mit ihren Waffenstationen die beiden Kameraden. […]

    „Playtime ist von 08.30 bis 11.30 Uhr“, sagt er. So lange haben die Adviser heute Zeit. […]

    „Manche Besprechungen sind auf fünf Minuten angesetzt und dauern dann anderthalb Stunden“, sagt Knappe. […]
    Die Guardian Angels leisten gute Arbeit: Ihre Zahl im Camp soll erhöht werden.

    Wie sollen ANDSF unter solchen Umständen, insb. dem massiven Misstrauen und der begrenzten Zeit, die internationalen Berater den respektieren und ihren Ratschlag beachten? Und wie ist der Aufwand vertretbar?

  • Boots on the Ground   |   05. April 2018 - 9:04

    Der Link scheint nicht zu funktionieren. Der hier tut’s hoffentlich: http://kurzelinks.de/p9z0

  • Pio-Fritz   |   05. April 2018 - 9:54

    @Boots on the Ground | 05. April 2018 – 8:13

    Natürlich ist der Einsatz nicht ernst gemeint, er ist nur gefährlich. Bei der Sprunghaftigkeit des US-Präsidenten (s. neueste Meldungen zu Abzug aus Syrien) könnte der Einsatz (hoffentlich) schon morgen vorbei sein.
    Eines der größten Probleme ist die Korruption im Land, die auch gerade bei den Polizeikräften weit verbreitet ist, was jeden Erfolg in der Bevölkerung negiert. Wie heißt es so schön „was sie mit den Händen aufbauen reißen sie mit dem Ar… wieder um“.

    Peter Scholl-Latour hat bereits 1993 in seinem Buch „Eine Welt in Auflösung“ auf die Afghanistan-Problematik hingewiesen und die Situation treffend beschrieben. 2006 in dem Buch „Russland im Zangengriff“ hat er auch ganz deutlich die Problematik der NATO-Truppen in Afghanistan aufgezeigt.
    Alle Probleme, die man in den letzten 17 Jahren in AFG hatte, waren vorher bekannt, man wollte sie nur nicht sehen. Jetzt hat man den Salat und traut sich nicht, einen Schlußstrich zu ziehen.