Afghanischer Luftangriff bei Kundus: NATO-Berater eingebunden? (Update)

Im Norden Afghanistans kamen am vergangenen Montag bei einem Luftangriff zahlreiche Menschen ums Leben. Über diesen Angriff gibt es, wie so oft in den vergangenen Jahren, sehr gegensätzliche Meinungen: Galt er einem Treffen von Aufständischen – oder wurden wehrlose Zivilisten hier zum Opfer? Der Unterschied zu früheren Vorfällen dieser Art: Es sind nicht die USA oder andere internationale Truppen am Hindukusch, die diesen Luftangriff geflogen haben. Es waren die afghanischen Streitkräfte selbst.

Und neben den Einzelheiten des Vorgangs selbst ist aus deutscher Sicht die Frage von Bedeutung: Waren die Berater der internationalen Resolute Support Mission, darunter der Bundeswehr, an der Vorbereitung für oder Entscheidung über diesen Angriff beteiligt? Haben eventuell deutsche Experten den Afghanen in diesem Fall zu- oder abgeraten? Oder lag alles ausschließlich in afghanischer Hand, ohne dass die ausländischen Trainer damit zu tun hatten?

Nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums wird derzeit geprüft, ob Trainer der internationalen Mission bzw. der Bundeswehr in diesem Fall eingebunden waren. Sowohl die afghanische Regierung als auch die UN-Mission UNAMA haben bereits eine Untersuchung angekündigt.

Update 6. April: Auskunft aus dem deutschen Verteidigungsministerium:

An dem Angriff vom 2. April 2018 waren Berater von RESOLUTE SUPPORT weder an Planung oder Vorbereitung noch Durchführung beteiligt.

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Einsatz in Faryab: So sieht das aus

In der ersten Märzhälfte waren NATO-Ausbilder, darunter Bundeswehrsoldaten, im Norden Afghanistans unterwegs, um in der Provinz Faryab den Stand der afghanischen Armee zu bewerten. (Mehr dazu gab es schon hier.) Die Deutschen stellten dabei nicht nur Berater, sondern auch einen Teil der Force Protection für das Expeditionary Advisory Package.

Der Einsatz nahe der Provinzhauptstadt Maimaneh wurde am 17. März beendet; am (heutigen) Samstag hat die NATO-geführte Resolute Support Mission (RS) dazu ein Video veröffentlicht; einschließlich eines kurzen Interviews mit dem deutschen Oberst Christoph Böcker:


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Afghanistan: Taliban scheinen so stark wie seit 2001 nicht mehr

US Army and Afghan National Army Soldiers Conduct Patrol in Nangahar Province

Die NATO-Unterstützungsmission Resolute Support (RS) und die US-Streitkräfte in Afghanistan werden angesichts anhaltender Auseinandersetzungen der afghanischen Sicherheitskräfte mit den Taliban, aber auch mit ISIS-Gruppierungen aktiver. Die US-Luftwaffe habe ihre Angriffe deutlich ausgeweitet, um vor allem ISIS-Mitglieder am Hindukusch zu treffen, berichtet die New York Times. Zudem seien die Taliban so stark wie seit 2001 nicht mehr. Alle RS-Länder weiteten die Unterstützung der ihnen zugeordneten afghanischen Truppen aus und werden dafür auch außerhalb ihrer eigenen Feldlager aktiv, auch die Bundeswehr.

Aus dem Bericht der New York Times:

The United States has significantly intensified its bombing campaign in Afghanistan in the past two months as part of President Obama’s widening war against the Islamic State militants who have seized territory outside of Iraq and Syria, according to senior military commanders. weiterlesen

RC N Watch: Was sich so tut im Norden Afghanistans

Faryab_trainingcamp_dec2014

Wenige Tage vor Auslaufen des ISAF-Mandats und des Beginns der Mission Resolute Support in Afghanistan scheinen die schlechten Nachrichten vom Hindukusch zu dominieren. Landesweit verzeichnet die UN-Mission mehr getötete und verwundete Zivilisten; in allen Landesteilen häufen sich die Anschläge der Taliban und anderer Anti-Regierungs-Gruppen. Und im Norden, für den Deutschland auch unter Resolute Support mit dem Train/Advise/Assist Command North die Verantwortung übernommen hat, gibt es einige sehr unschöne Nachrichten.

Die Taliban brüsten sich mit einem Trainingscamp in der Provinz Faryab und haben dazu ein Video veröffentlicht, wie das Long War Journal berichtet: weiterlesen