Afghanistan: So viele zivile Opfer wie nie zuvor – drei Viertel durch Taliban-Angriffe

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In Afghanistan sind in diesem Jahr so viele Zivilisten wie noch nie bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen und durch Sprengstoffanschläge verwundet worden oder ums Leben gekommen. Nach Einschätzung der UN-Mission am Hindukusch wird es bis zum Jahresende vermutlich mehr als 10.000 zivile Opfer geben. Und für drei Viertel der Opfer sind Taliban und andere Aufständische verantwortlich. weiterlesen

Die Kosten der USA für den Krieg in Afghanistan: Fast eine Billion $

Die Zahl muss man zumindest mal erwähnen: Fast eine Billion US-Dollar haben die USA für den Krieg in Afghanistan ausgegeben. Allerdings, so merkwürdig das klingt: Das war noch deutlich weniger als die 1,7 Billionen für den Irak-Krieg.

Zu dieser Berechnung kommt die Financial Times zusammen mit externen Experten, und da der FT-Bericht hinter einer Paywall steckt, hier der Verweis auf einen anderen Bericht darüber:

The war in Afghanistan has cost the United States nearly $1 trillion, according to a report published Monday.
The calculation was by the Financial Times and independent researchers. They found that the war has cost nearly $1 trillion, and that most of that was spent under President Obama, who escalated the number of U.S. troops in Afghanistan upon taking office.
The war in Iraq, by contrast, cost the U.S. $1.7 trillion, according to a Costs of War Project conducted by Brown University’s Watson Institute for International Studies.

Um der Zahlen-Verwirrung wenigstens ein bisschen vorzubeugen… zur Klärung das von Wikipedia: weiterlesen

13 Jahre Bundeswehr-Einsatz ISAF: So fing es an, im Dezember 2001

Das sollte, nein muss man noch mal nachlesen, angesichts der nun zu Ende gehenden Mission: Die Debatte des Bundestages in der Sondersitzung am 22. Dezember 2001 mit der Entscheidung über die deutsche Beteiligung am ISAF-Einsatz in Afghanistan, die damaligen Vorstellungen und Einschätzungen. Zum Beispiel die von Bundeskanzler Gerhard Schröder:

Es ist gefordert worden, das Mandat müsse zeitlich begrenzt werden. Auch das geschieht. Man kann darüber streiten, ob die sechs Monate eine zureichende Begrenzung sind. Aber das ist nun einmal Gegenstand des Sicherheitsratsbeschlusses gewesen. Ich denke, wir sollten jetzt keine abstrakten Diskussionen über die Frage führen, ob sechs Monate ausreichen oder nicht, sondern deutlich machen: Es handelt sich um ein von den Aufgaben her, vom Einsatzort her und von der Zeit her begrenztes Mandat.

Das Plenarprotokoll gibt es in der Bundestagsdrucksache 14/210.

(Danke für den Leserhinweis.)

(Archivbild März 2003: Wiesel 1 mit TOW-Panzerabwehrrakete in Afghanistan – Bundeswehr/Beylem. Das ist das älteste Bild, was ich dazu gefunden habe. Falls jemand Bilder aus der Anfangszeit Ende 2001/Anfang 2002 kennt, die für Augen geradeaus! frei verwendbar sind: Bitte her damit. Ein älteres Foto aus dem ISAF-Einsatz habe ich leider nicht gefunden.
/Nachtrag: Auf der Facebook-Seite der Bundeswehr stehen zwar einige Bilder, die sind aber eben nicht wie die Fotos auf dem Flickr-Account zur Nutzung durch Medien freigegeben. Ist nicht so einfach mit deren Medienmanagement.)

ISAF erklärt den Kampfeinsatz in Afghanistan für beendet

ISAF Joint Command and XVIII Airborne Corps Colors lowering and Casing Ceremony

Ehe es untergeht: Der Kampfeinsatz der internationalen Truppen in Afghanistan ist am (heutigen) Montag offiziell für beendet erklärt worden. Mit der Außerdienststellung des ISAF Joint Command (IJC), das seit 2009 die ISAF-Truppen am Hindukusch koordinierte, gibt es formal kein operatives Hauptquartier mehr für solche Kampfmissionen. Ende des Jahres wird dann auch der ISAF-Einsatz insgesamt für geschlossen erklärt, ehe es ab 1. Januar mit der Nachfolgemission Resolute Support weiter geht, ebenfalls unter NATO-Kommando. Das soll dann aber eine Beratungs- und keine Kampfmission mehr sein.

Der Bericht von ISAF zur Außerdienststellung des IJC hier. Interessanter ist aber das, was die New York Times aus einem Interview mit dem scheidenden IJC-Kommandeur, dem US-Generalleutnant Joseph Anderson, berichtet: U.S. General Has Misgivings as Afghanistan Mission Ends

Shortly after the speeches concluded, the flags were folded and the band silenced, the last American general to lead combat operations in Afghanistan offered his candid assessment of the war. weiterlesen

Afghanistan-Sammler 5. Dezember: Mandatsberatung, Ghani-Besuch

Ashraf Ghani

Zum (späteren) Nachlesen einiges, was am (heutigen) Freitag in Berlin zum Thema Afghanistan passiert ist:

– Der Bundestag hat sich in einer ersten Debatte mit dem Mandat für die Mission Resolute Support befasst, die ab dem 1. Januar 2015 als Folgemission des ISAF-Einsatzes die Unterstützung vor allem des Westens für Afghanistan sicherstellen soll. Die Bundeswehr beteiligt sich daran – zumindest für die nächsten zwei Jahre - mit rund 850 Soldatinnen und Soldaten. Die Kernaufgabe wird Unterstützung und Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte, auch wenn dafür voraussichtlich nur ein vergleichsweise geringer Teil der Truppe eingesetzt wird: Logistik und andere Unterstützungsaufgaben dürften ein Großteil des Kontingents ausmachen; außerdem stehen auch deutsche Soldaten für Rettungsmissionen für andere Nationen und für designierte zivile Kräfte bereit, und zwar in ganz Afghanistan.  Rechtliche Grundlage für die Mission ist in erster Linie ein Abkommen mit der afghanischen Regierung und – noch – kein UN-Beschluss, was vor allem die Linkspartei in der Parlamentsdebatte geißelte (Wortlaut der Reden siehe unten).

Die Abstimmung über das neue Mandat ist für die nächste Sitzungswoche, also übernächste Woche, vorgesehen. Bereits heute billigte der Bundestag einen Antrag von Union und SPD, in dem es um die zivile Unterstüzung des Landes geht.

– Nach der Afghanistan-Konferenz in London kam der neue afghanische Präsident Ashraf Ghani nach Berlin zu Besuch; nach dem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel versicherte die deutsche Regierungschefin ihm die deutsche Unterstützung. (Abschrift der Pressekonferenz siehe unten)

– Eine Analyse der Londoner Konferenz findet sich bei Thomas Ruttig vom Afghanistan Analysts Network.

– Ebenfalls vom Afghanistan Analysts Network eine (Rand)Geschichtet: Ein Vogel, den afghanische Sicherheitskräfte als vermeintliche fliegende Bombe der Taliban vom Himmel schossen, erwies sich als seltener Greifvogel mit GPS-Gerät zur Erforschung seines Flugwegs

Zur Dokumentation:

Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel und dem Präsidenten der islamischen Republik Afghanistan, Mohammad Ashraf Ghani weiterlesen

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