An der Grenze der Wahrnehmungen: Afghanistan-Geschichten aus einem Land im Krieg

Wurmb-Seibel_AFG

In den langen Jahren des Einsatzes internationaler Truppen in Afghanistan habe ich mich immer wieder über eines gewundert: Darüber, dass (fast) kein deutsches Medium es für nötig gehalten hat, die Situation im Land und das internationale militärische Engagement mit festen deutschsprachigen Korrespondenten am Hindukusch zu begleiten. So wichtig diese Mission aus deutscher Sicht war, so viel Aufmerksamkeit es für den Bundeswehreinsatz gab: Für die kontinuierliche Berichterstattung hat es in Deutschland (im Unterschied zu anderen Ländern, neben großen wie den USA oder Großbritannien selbst die Niederlande) offensichtlich nie genügend Interesse gegeben.

Um so wichtiger fand ich deshalb engagierte Einzelkämpferinnen wie Ronja Wurmb-Seibel, eine junge Journalistin, die nach Auslaufen ihres Vertrages bei der Zeit auf eigene Faust nach Afghanistan gegangen ist. Ihre Arbeit dort hatte hier im Blog vergangenes Jahr schon mal eine Rolle gespielt. Und jetzt hat Wurmb-Seibel aus ihrem Jahr Afghanistan ein Buch gemacht. Ein Buch, das sich von dem Blick, den selbst regelmäßige Außen-Beobachter des Landes haben, grundlegend unterscheidet: Die Journalistin hat dort gelebt, hat die scharfe Grenze zwischen der Realität der internationalen Truppen und der Realität der Afghanen aus nächster Nähe mit angesehen. weiterlesen

Neues aus Kabul: US-Botschaft warnt vor Anschlägen

USemb_kabul_20150224

Fürs Protokoll: In einer dringenden Warnung an US-Bürger hat die US-Botschaft in Kabul am (heutigen) Dienstag auf drohende Anschläge in der afghanischen Hauptstadt noch in dieser Woche hingewiesen:

The U.S. Embassy in Afghanistan received the following information concerning threats to U.S. citizens living in Afghanistan:
As of late February 2015, militants planned to conduct multiple imminent attacks against an unspecified target or targets in Kabul City, Afghanistan.
There was no further information regarding the timing, target, location, or method of any planned attacks.

(Beim Auswärtigen Amt gibt’s bislang keine aktualisierte neue Warnung.)

Lesestoff Afghanistan: Über die Brücke der Freundschaft

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Für diejenigen hier, die sich noch für Afghanistan interessieren (das werden auch immer weniger…) ein sehr lesenswertes Stück von Thomas Ruttig für das Afghanistan Analysts Network: Am 15. Februar 1989, vor genau 26 Jahren, zogen die letzten sowjetischen Soldaten vom Hindukusch ab und verließen über die Brücke der Freundschaft bei Termez (Foto oben) das Land. Ruttig, damals Diplomat in der DDR-Botschaft in Kabul, erinnert sich an diesen Abzug, was darauf folgte und die Lehren daraus.

Der Text, auf Englisch: Crossing the Bridge: The 25th anniversary of the Soviet withdrawal from Afghanistan

(Der Text wurde zum 25-jährigen Jubiläum des Abzugs 2014 geschrieben; hat aber vor dem Hintergrund der Ende 2014 ausgelaufenenen ISAF-Mission weiter Aktualität. Ein Stück von Thomas Ruttig auf Deutsch dazu gibt es hier: Abzug der letzten sowjetischen Truppen aus Afghanistan – eine Bilanz)

(Foto: Die letzten sowjetischen Soldaten auf der Brücke der Freundschaft – Wikimedia Commons/RIA Novosti archive/image #58833/A. Solomonov/CC-BY-SA 3.0)

Sammler am Freitag den 13.

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In diesen Tagen passiert zu viel, als dass der Ein-Mann-Betrieb Augen geradeaus! immer hinterherkäme. Deshalb hier eine Sammlung mit Meldungen teils von gestern, teils aus der Nacht und vom heutigen Freitag:

In Dresden, aber auch darüber hinaus wird am 13. Februar der Opfer des verheerenden Luftangriffs auf die sächsische Landeshauptstadt vor genau 70 Jahren gedacht. Die Kollegen von Associated Press haben einen Überlebenden besucht: 70 years after: Dresden bombing still fresh for survivor. Und vor der deutschen Botschaft in London lag heute morgen, wie schon seit Jahren, ein kleiner Poppy-Kranz zum Gedenken an diesen Angriff und die Folgen. Offensichtlich von einem Briten. (Vielen Dank an einen Leser für das Foto.) Dazu auch der Hinweis auf eine Multimedia-Reportage des MDR: Mythos Dresden – Der lange Schatten einer Bombennacht

Aus der Nacht: Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan? weiterlesen

Januar-Bilanz in Afghanistan: 700 Zwischenfälle, 1.600 Tote (mit Ergänzungen)

Afghanistan ist nicht nur wegen anderer Krisen aus den Schlagzeilen verschwunden. Sondern auch, weil im Westen nur noch gelegentlich zusammenfassende Statistiken ein Bild der (Sicherheits)Lage geben. Deshalb ein Blick auf die Januar-Bilanz des afghanischen TV-Senders TOLONews: Im ersten Monat dieses Jahres wurden bei 700 Vorfällen rund 1.500 Menschen getötet.

TOLOnews’ monthly security report indicates that 696 insecurity events were recorded across the country in January; the month after the Afghan troops took over complete security responsibility of the country.
Based on the report, 1,324 armed oppositions, 171 Afghan forces and 108 civilians were killed during the first month of 2015 after NATO forces formally ended their 13-year combat mission.

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