US-Armee legt Bericht zu Angriff auf Hospital in Kundus vor – Keine strafrechtlichen Folgen

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Die US-Streitkräfte haben am (heutigen) Freitag den offiziellen (und öffentlichen) Bericht zum Luftangriff eines US-Flugzeugs auf das Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen in Kundus in Nordafghanistan vorgelegt, bei dem am 3. Oktober vergangenen Jahres 42 Menschen starben. Der Bericht listet zwar Versäumnisse und Fehler des Militärs auf, über die bereits bekannt gewordenen internen Disziplinarmaßnahmen hinaus wird es aber keine strafrechtlichen Folgen geben:

The US military will seek no criminal charges against service members for a volley of airstrikes that killed 42 civilians in a hospital in northern Afghanistan in October.
While the military announced on Friday it has disciplined a dozen troops for one of the most infamous episodes of the longest-ever US war, the lack of criminal accountability defies a call from the nongovernmental group that ran the hospital in Kunduz, which has characterized the 3 October episode as a war crime. weiterlesen

Unbedingt (noch mal) lesen: ‚Drei Krieger‘ im Karfreitagsgefecht

U.S. Soldiers Awarded Highest German Medal for Bravery During Rescue

Das Karfreitagsgefecht am 2. April 2010 in Isa Khel bei Kundus in Afghanistan war für die Bundeswehr eine prägende Erfahrung – und hat auch in Deutschland den Blick auf den Einsatz am Hindukusch verändert. Die Reportage über drei ganz unterschiedliche Beteiligte an diesem Gefecht – einen deutschen Soldaten, einen Taliban und einen US-Piloten – des Stern-Reporters Jan Christoph Wiechmann erschien vor einem Jahr – aber da sie am (gestrigen) Donnerstagabend bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises als beste Reportage mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet wurde, steht sie erneut im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Wer Wiechmanns Text noch nicht gelesen hat, sollte das unbedingt an diesem Wochenende tun; alle anderen sollten die tolle Reportage noch mal lesen:

Drei Krieger

 

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USA feuern in Afghanistan immer mehr Waffen von Drohnen ab

Reaper extends range in Afghanistan

Die US-Streitkräfte haben im vergangenen Jahr erstmals in Afghanistan mehr Waffen von unbemannten Systemen abgefeuert als von herkömmlichen bemannten Flugzeugen. Und der Anteil des Einsatzes von Drohnen steigt weiter, wie Reuters in einer Übersicht über die Daten berichtet:

Drones fired more weapons than conventional warplanes for the first time in Afghanistan last year and the ratio is rising, previously unreported U.S. Air Force data show, underlining how reliant the military has become on unmanned aircraft. weiterlesen

Update: #Kunduz #Afghanistan

Wie es sich am Wochenende schon abzeichnete: Die Kämpfe zwischen afghanischen Sicherheitskräften und Taliban um die nordafghanische Provinzstadt Kundus und deren Umgebung gehen offensichtlich weiter – und aus öffentlichen Quellen ist keine klare Einschätzung der Situation zu gewinnen.

Um das Thema weiter zu verfolgen, eine Sammlung von aktuellen Informationen, Bewertung schwierig:

Eurasia Diary: UN warns of civilian casualties in Kunduz

Afghan forces fought back a renewed series of attacks on Kunduz, killing dozens of Taliban fighters, officials said on Sunday as insurgent forces stepped up their bid to retake the northern city that they captured briefly last year.
The attack on Kunduz, involving hundreds of insurgent fighters, has intensified just days after the Taliban announced the start of their annual spring offensive, aimed at driving out the Western-backed government in Kabul. weiterlesen

Bundesregierung bewertet Bedrohung für Zivilbevölkerung in Afghanistan als „eher niedrig“

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Die Sicherheitslage in Afghanistan ist in diesem Blog eher unter militärischen Aspekten ein Thema. Aber in der deutschen innenpolitischen Debatte spielt angesichts der vom Hindukusch nach Europa und nach Deutschland flüchtenden Afghanen die Bedrohungslage für die Zivilbevölkerung eine Rolle – was aus Sicht der Bundesregierung nicht unbedingt etwas miteinander zu tun hat.
Für die Debatte (nicht unbedingt hier auf Augen geradeaus!, aber insgesamt) ist deshalb von Bedeutung, wie aus Berliner Sicht die Lage eingeschätzt wird, nicht nur für die afghanischen Sicherheitskräfte (Afghan National Defense and Security Forces, ANDSF). Da ist eine Darstellung interessant, die sich in der vergangenen Woche erstmals in der regelmäßigen wöchentlichen Unterrichtung des Verteidigungsministeriums für die Bundestagsabgeordneten fand – und dazu muss man wissen, dass diese Informationen zwischen Verteidigungsministerium und Auswärtigem Amt abgestimmt werden:

Insgesamt bleibt die Sicherheitslage weiterhin regional unterschiedlich ausgeprägt. Noch ist die Sicherheitslage durch die ANDSF in den meisten urbanen Zentren, darunter fällt die Mehrzahl der Provinzhauptstädte, mindestens „ausreichend kontrollierbar“3. Insgesamt leben hier schätzungsweise zwei Drittel der Gesamtbevölkerung. Hingegen sind viele der ländlichen Gebiete mittlerweile „überwiegend nicht“ bis teilweise „nicht mehr kontrollierbar“. weiterlesen

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