Abgesetzter Heeres-Ausbildungschef wehrt sich gegen von der Leyen

Im aktuellen – man muss wohl sagen: – Streit zwischen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und (zumindest) Teilen der Bundeswehr hat sich erstmals ein direkt Betroffener öffentlich zu Wort gemeldet. Generalmajor Walter Spindler, der nach den Vorwürfen zu Vorfällen am Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf von seinem Amt als Chef des Ausbildungskommandos des Heeres abgelöst wurde, hat der Sendung Kontrovers (Korrektur!)  des Bayerischen Rundfunks ein Interview gegeben.

Der Bericht des Senders vom (heutigen) Mittwochabend (laut Bayerischem Rundfunk online bis 2022)

hier als Link
weiterlesen

Von der Leyen feuert Heeres-Ausbildungschef (Update)

Als Folge der Skandale in Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr greift Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erneut durch und setzt den Ausbildungschef des Deutschen Heeres ab. Vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestages kündigte Generalinspekteur Volker Wieker im Beisein der Ministerin am (heutigen) Mittwoch an, dass der Kommandeur des Ausbildungskommandos des Heeres in Leipzig, Generalmajor Walter Spindler (Foto oben), von seinem Posten entbunden werde, wie ein Ministeriumssprecher bestätigte. Zu den Gründen gab es, wie in Personalangelegenheiten üblich, offiziell keine Angaben.

Die Absetzung Spindlers, der bis zu seiner regulären Pensionierung im August auf einen anderen Dienstposten versetzt werden soll, war nach Informationen von Augen geradeaus! nicht allein die Folge eines einzelnen bekanntgewordenen Skandals, zum Beispiel im Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf, der zur Absetzung des dortigen Kommandeurs geführt hatte. weiterlesen

Vier Jahre EU-Ausbildungsmission in Mali (m. Nachtrag)

An diesem Wochenende ist es schon vier Jahre her, dass die Europäische Union ihre Ausbildungsmission im westafrikanischen Mali begonnen hat. Nach der französischen Militärinvention 2013, die die Kontrolle islamistischer Milizen über den abgelegenen und wüstenreichen Norden des Landes beenden sollte, hatte die EU die Unterstützung der malischen Armee gestartet (die UN-Mission, die eine deutlich robustere Stabilisierungsmission mit Kampfeinsatz ist, gab es erst deutlich später).

Eine vorläufige Bilanz dieser vier Jahre gibt es bei der EUTM Mali:

On 18th of February 2013, at the request of the Malian authorities and on the basis of UN Security Council Resolution 2085, the EU Member States started a training mission for the benefit of Malian Armed Forces (MaAF): EUTM Mali (European Union Training Mission in Mali).
Some figures to illustrate the work accomplished by EUTM Mali during these four years of existence:
9340 trained Malian soldiers. weiterlesen

Alles neu an der Führungsakademie: Ab Zweisterner antreten zum Lehrvortrag

20161103_vdl_fueaka

Über die Grundsatzrede von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAk) in der vergangenen Woche ist relativ wenig berichtet worden, dafür wurde um so mehr spekuliert. Dass die Ministerin die höchste Bildungseinrichtung der Streitkräfte komplett umkrempeln will, sie dafür direkt Generalinspekteur Volker Wieker unterstellt und der Hamburger Institution unter anderem die Rolle eines Think Tanks zuweisen will, ist zwar richtig, aber dennoch ein wenig verkürzt. Die Umbaupläne von der Leyens gehen weit darüber hinaus. weiterlesen

Zu gute Noten für Afghanistans Sicherheitskräfte?

Das Thema, das das ARD-Magazin Kontraste am (gestrigen) Donnerstag aufgegriffen hat, war mir völlig neu: Ein computergestütztes System zur Bewertung von Ausbildungsstand und Kampfkraft der afghanischen Sicherheitskräfte  soll, so der Vorwurf, von der Bundeswehr zu falschen, zu positiven Bewertung der Einheiten missbraucht worden sein – oder sogar noch missbraucht werden.

Aus dem Kontraste-Bericht:

Wir sollen uns das militärische Bewertungssystem namens CUAT ansehen. Da sei manipuliert worden. (…)
Vorher hat jedes Ausbilderteam seinen CUAT-Bericht erstellt und direkt an das ISAF-Hauptquartier in Kabul geschickt. Niemand konnte dann mehr diese Bewertungen der afghanischen Einheit verändern. Doch auf einmal wurde eine Ebene dazwischen geschoben: ein so genanntes Zugriffsrecht für die oberste Führung im Kommando der Bundeswehr.  (…)
Nach KONTRASTE-Recherchen wurden Ausbilder-Berichte offenbar manipuliert. Negative Passagen sollen entfernt oder umformuliert worden sein. So ließ man Probleme und sogar Korruptionsfälle verschwinden. Schlecht bewertete afghanische Einheiten wurden besser eingestuft als sie tatsächlich waren.

Zur notwendigen Erläuterung: CUAT steht für Commander’s Unit Assessment Tool und ist eine Datenbank, die die früheren Capability Milestones als Bewertungsinstrument abgelöst hat. Bereits 2010 kam allerdings eine Studie des amerikanischen Center for Strategic & International Studies zu dem Ergebnis, das CUAT keine sehr zuverlässigen Bewertungsergebnisse liefert. Unter anderem sei die Unparteilichkeit der Bewerter nicht sichergestellt – und das System begünstige so übermäßig positive Einschätzungen: We cannot afford to repeat the mistakes of Vietnam, when the „highly capable“ ARVN collapsed despite years of glowing reviews from American trainers.

Die Frage in die Runde: Hat einer der Leser hier Erfahrungen mit CUAT und kann was zu den angeblichen – deutschen – Manipulationen sagen?

Nachtrag: Auf diese Frage hat ein kundiger Leser geantwortet.

(Foto: Afghan National Army recruits walk back to their formation after completing marksmanship training during Basic Warrior Training in Kabul Military Training Center Jan. 12, 2011. – Navy Visual News Service/Photo by Petty Officer 2nd Class Ernesto Hernandez Fonte via Flickr unter CC-BY-Lizenz)

 

weiter »