Malis Soldaten: „Wir sind die lebenden Toten“

Lesestoff für alle, die am deutschen (militärischen) Mali-Engagement interessiert sind, besonders an der EU-Trainingsmission (EUTM) für das westafrikanische Land: Wir sind die lebenden Toten, hat ein französisches NGO-Magazin seinen etwas näheren Blick auf die malischen Soldaten überschrieben: Chaos und Korruption, dazu interne Machtkämpfe.

Das Original steht hier: Nous, les soldats maliens, sommes des morts-vivants (und hier die etwas krude, aber lesbare Google-Übersetzung).

(Foto: Soldaten der Malischen Armee – Französische Armee/EMA)

15 Gedanken zu „Malis Soldaten: „Wir sind die lebenden Toten“

  1. Mal ganz nebenbei, dass Foto beeindruckt mich schon. Auch wenn das nicht zu den Eindrücken im Text passt, der Kamerad im Vordegrund sieht nicht so aus, als müsste man ihm irgendetwas beibringen.

  2. @Bause, ich bin mir nicht ganz sicher, aber nach der Uniform und dem Barett, würde ich sagen, der Soldat im Vordergrund sieht nach einem Franzosen aus!

  3. Hm, Scout hat vermutlich recht (die Bildunterschriften bei den Veröffentlichungen der französischen Armee sind manchmal etwas, hm, sparsam.)

  4. Woher kommt dieser Eindruck, BausC? Nur daher, dass der Soldat cool guckt? Ich kann darin jetzt noch keinen großen Fähigkeitsnachweis erkennen.

    Zum Hauptzitat „Wir sind die lebenden Toten“: wenn man eine kleine Weile sucht findet man vermutlich auch einen Bundeswehrsoldaten, der sich zu so einer Aussage hinreissen lässt. Da kann ich wenig drin sehen.
    Der restliche Inhalt des Artikels zeigt zwar wenig Anlaß für Optimismus, bietet aber auch, soweit ich ihn verstanden habe, wenig Neuigkeiten.

  5. Das ist gallische Dramatik, die sich eben in den ex Kolonien noch gehalten hat.
    Irgenwie klingt das auf französisch viel besser :)

  6. Wenn man das Barettabzeichen des Soldaten vergrößert, kann man die malischen Nationalfarben grün, gold und rot erahnen (am unteren Rand des Abzeichens).

  7. @ chickenhawk – Sie waren schneller…^^

    Der Soldat im Vordergrund dürfte wohl doch Angehöriger der malischen Streitkräfte sein. Vergrössert man das Foto, erkennt man in der Basis des Barett-Abzeichen schwach – aber immerhin – die malischen Nationalfarben.

    Ansonsten gehe ich mit @Gramm d’accord: der coole Blick des Protagonisten in dieser Momentaufnahme (Ausbildungssituation…?) besagt absolut nichts über seine Befähigungen. Denn: wo „offiziell“ fotografiert wird, posieren geschätzte 90% der abgelichteten Uniformträger (in aller Welt) als coole Profis.

  8. Also der Kollege im Vordergrund ist meines Erachtens kein Franzose. Der Flash am Barrett sieht mir eher afrikanisch aus und die Farben unter dem Vogelvieh scheinen grün-gelb-rot zu sein –> Flagge Mali

  9. Nach Lektüre des Artikels frage ich mich, ob die malische Armee in diesem malischen Staat und unter dieser malischen Regierung tatsächlich durch Ausbildungs- und Trainingsprogramme zu einer Stabilität und Sicherheit gewährleistenden Truppe entwickelt werden kann. Zweifellos ist die Re-Organisation der nationalen Streitkräfte nur ein Teil der notwendig erscheinenden Maßnahmen, um Bürgerkrieg, Aktivitäten von Banden aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität sowie Infiltration und Übernahme des Landes durch Islamisten einzudämmen bzw. nachhaltig zu unterbinden. Parallel zu den Ad hoc-Maßnahmen bedarf es ganz offensichtlich eines Bündels an Programmen, um die ethnisch wie sozial äußerst heterogene Zivilgesellschaft aus einer Clan- und Stammesgesellschaft in etwas ähnliches wie eine rechtsstaatliche und demokratisch orientierte Gesellschaft zu entwickeln.

    Die Frage ist nur: wo sind in Mali die Kräfte, die ernsthaft und dem Gemeinwohl verpflichtet dies wünschen ? Noch eine „nation building“-Phantasie, die Realitäten wie Mentalität, (Stammes-)Kultur und ein vollkommen anderes Menschenbild in einem auf dem Weg zu einem „failed state“ befindlichen Land ausblendet und ausser mit Milliarden Euros mit der physischen und psychischen Gesundheit unserer Soldaten bezahlt werden soll ?

    Die Aussagen von Westerwelle und TdM, nach denen die nachhaltige Wiederherstellung von Sicherheit und Stabilität in Mali vor allem eine Herausforderung an eine gemeinsame Politik der EU und der Afrikanischen Union sind, halte ich für im Grundsatz richtig. Allerdings befürchte ich, dass es (derzeit ?) keine langfristig angelegten
    politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strategien der EU oder der ECOWAS gibt, die den Realitäten Korruption, Nepotismus, organisierte Kriminalität und krasser Defizite in Wirtschaft, Sozialwesen und Bildung nachhaltig Rechnung trägt. Eine Art „Marshall-Plan“ für Mali ist nmE nicht realisierbar – ein „Marshall-Plan“ für Afrika wäre wohl eher ein sinnvoller Ansatz., denn Mali ist nur e i n Nationalstaat in einer Gross-Region mit teils sehr ähnlichen Problemen und Bedrohungen. Aber – w e r will und vor allem k a n n einen solchen Plan und seine auf Jahre hinweg zu gewährleistende kontrollierte Umsetzung bezahlen…?

    Am Ende stehen dann (wieder) die Chinesen lächelnd da und übernehmen auf Basis von umfassenden Erschliessungsabkommen die faktische Macht im Land (und der Region) und ziehen mit den so den Europäern vor der Nase weggeschnappten Bodenschätzen und Rohstoffen heim ins Reich der Mitte(l). Ohne dass auch nur ein Soldat der Armee der VR China einen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt hätte.

  10. @Etienne Rheindahlen

    > Am Ende stehen dann (wieder) die Chinesen lächelnd da und übernehmen

    Das ist auch nur so eine Urban-Myth. Gerade weil China keine strukturelle Integration in der Region besitzt sind ihre Investitionen oft vorzeitig beendet. In Kenia gabs da mal ein schönes Beispiel, da hat die chinesische Petrolindustrie zwar schnell und unbürokratisch (Bestechung?) ein Ölfeld übernommen und erschlossen aber genau so schnell waren sie dann auch wieder draussen und das Ölfeld gehörte anschliessend einem Politikerverwandtem.

    Kurz gesagt wer kurzfristig denkt ist kurzfristig auch wieder draussen.

  11. Mir ist ehrlich gesagt lieber die Chinesen bauen den Kontinent auf – falls es dazu überhaupt kommt – als das es niemand macht.

    @Etienne Rheindahlen:
    Haben wir nicht schon seit ca. 60 Jahren einen Marshall-Plan für Afrika, auch bekannt unter dem Namen „Internationale Entwicklungshilfe“?

  12. @Gramm
    Es ist wirklich nur das Bild. Ein Eindruck meinerseits der, ohne fachliche Hintergründe, einfach nur ein Gefühl beschreibt.

  13. @Crass Spektakel

    Soweit ich das im Bereich Industriekooperationen, Forschung und strategisch angelegter Rahmenabkommen aus eigener zivilberuflicher Erfahrung kenne, funktioniert „lessons learned“ bei „den Chinesen“ seit etlichen Jahren ausgezeichnet. Aufgrund des doch etwas anders angelegten und in Teilen geradezu nach militärischen Organisationsprinzipien strukturierten, stringenten Wirtschaftssystems auch kein Wunder.

    Wobei Sie mit Ihrem Beispiel und der Bedeutung struktureller Integration für nachhaltig verankerte und strategisch relevante Engagements sicherlich Recht haben.

  14. Etienne Rheindahlen | 27. Februar 2013 – 12:49

    Nach Lektüre des Artikels frage ich mich, ob die malische Armee in diesem malischen Staat und unter dieser malischen Regierung tatsächlich durch Ausbildungs- und Trainingsprogramme zu einer Stabilität und Sicherheit gewährleistenden Truppe entwickelt werden kann.

    Bei SPON gibt es ein Video malischer Infanterietaktik: http://www.spiegel.de/video/mali-erneute-gefechte-zwischen-islamisten-und-soldaten-in-gao-video-1255744.html

    Da bleibt einiges zu tun…

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