Sammler zum INF-Vertrag (2): Die russische Reaktion (Update)

Nach der Erklärung der USA, sich ab dem (heutigen) 2. Februar nicht mehr an den Intermediate-Range Nuclear Forces (INF)-Vertrag zu halten, der die Entwicklung und Stationierung landgestützter atomarer  Mittelstreckenwaffen verbietet, die erwartbare russische Reaktion: Russland wirft wiederum den USA vor, den Vertrag gebrochen zu haben. Dabei bringt Moskau allerdings nicht nur Mittelstreckenwaffen zur Sprache, sondern auch andere Fragen wie die Nukleare Teilhabe mehrerer NATO-Staaten (zu denen auch Deutschland gehört).

Update: Von den mehreren interessanten Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin bei einem Treffen mit Außenminister Sergej Lawrow und  Verteidigungsminister Sergej Shoigu ist eine, so weit ich das sehe, in den aktuellen Nachrichten (noch) nicht so prominent aufgetaucht:

We proceed from the premise that Russia will not deploy intermediate-range or shorter-range weapons, if we develop weapons of this kind, neither in Europe nor anywhere else until US weapons of this kind are deployed to the corresponding regions of the world.

Zur Dokumentation hier von der englischsprachigen Webseite des Kreml das Transkript des Gesprächs: weiterlesen

USA drohen mit Schlag gegen atomare russische Mittelstreckenwaffen (Nachtrag: Dementi)

Bislang ist es nur ein Alarmsignal, aber ein ziemlich schrilles: Am (heutigen) Dienstag hat nicht nur NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg Russland vorgeworfen,  die Entwicklung neuer nuklear bewaffneter Mittelstreckenraketen voranzutreiben und damit gegen den INF-Vertrag, ein Rüstungskontrollabkommen zur Begrenzung dieser Waffen, zu verstoßen. Wenig später drohte die US-Botschafterin bei der NATO an, die USA würden notfalls die russischen Waffensysteme vernichten. weiterlesen

Zur Dokumentation: Putin und Russlands neue Waffen

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Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich am (heutigen) Donnerstag mit einer langen Rede an die Nation gewandt – und anders als die Berichterstattung nahelegt, ging es dabei keineswegs in erster Linie um die Verteidigungspolitik. Im Gegenteil, die vermutlich vor allem an der innenpolitischen Wirkung ausgerichtete Rede hatte viele andere, zum Beispiel wirtschafts- und technologiepolitische Punkte, ehe es um die Rüstung  ging.

Die neuen Atomwaffen Russlands stellte Putin dabei als unumgängliche Antwort auf die kürzlich vorgestellte neue  Nuklearstrategie der USA dar – und als einzigen Weg, der Gefahr zu begegnen, dass das gesamte Atomwaffenpotenzial des Landes nutzlos werde.

Von der Rede hat der Kreml eine englischsprachige Fassung veröffentlicht; daraus zur Dokumentation der Teil zu Verteidigung, Rüstung und Kernwaffen (einschließlich gezeigter Videos): weiterlesen

Lesestoff fürs Wochenende: Die Atompolitik der USA

Das US-Verteidigungsministerium hat am (heutigen) Freitag seinen neuen Nuclear Posture Review, die aktuelle Positionsbestimmung des Landes zur Beschaffung, Modernisierung und zum Einsatz von Atomwaffen vorgelegt. Ich werde jetzt am Abend keine tiefergehende Betrachung anstellen können – das ist Lesestoff fürs ganze Wochenende.

Wer reinschauen will:

Die Sonder-Webseite des Pentagons mit diversen Links zu zusätzlichem Material, Briefings usw.

Der Nuclear Posture Review zum Herunterladen

und die ersten Berichte und Analysen dazu:

Washington Post: Pentagon unveils new nuclear weapons strategy, ending Obama-era push to reduce U.S. arsenal

DefenseOne: Pentagon Confirms It’s Developing Nuclear Cruise Missile to Counter a Similar Russian One

tagesschau.de: Neue US-Strategie: Kleinere Sprengköpfe – mehr Abschreckung?

n-tv/Agenturen: Strategen empfehlen Trump „Mini-Nukes“

NATO zeigt sich besorgt über mögliche russische Vertragsverletzung bei Atom-Mittelstreckenraketen

Gut 30 Jahre nach Unterzeichnung des Vertrags zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion, der zur Abschaffung der nuklearen Mittelstreckenraketen führte, hat sich die NATO besorgt über mögliche neue Aufrüstungsschritte Russlands geäußert. Die Allianz selbst ist nicht Partner des so genannten INF-Vertrags (Intermediate Nuclear Forces). Dennoch verabschiedete der Nordatlantikrat, das politische Spitzengremium der NATO, am (heutigen) Freitag eine Erklärung, in der Russland dazu aufgerufen wurde, Befürchtungen über eine russische Entwicklung neuer nuklearer Mittelstreckensysteme auszuräumen.

Hintergrund sind US-Darstellungen, es seien in den russischen Streitkräften solche Systeme neu entwickelt und auch eingeführt worden. Sollten die USA sich an den Vertrag halten, Russland jedoch nicht, gebe das Anlass zu großer Besorgnis, heißt es in der diplomatischen Sprache der Erklärung. Mit anderen Worten: Die Befürchtung, dass damit eine neue Aufrüstungsspirale in Kraft gesetzt werde. Russland hat entsprechende Vorwürfe bislang allerdings zurückgewiesen.

Aus der Erklärung des Nordatlantikrats:

For 30 years, the Intermediate-Range Nuclear Forces (INF) Treaty has been crucial to Euro-Atlantic security. By removing an entire class of U.S. and Russian weapons – ground-launched intermediate-range missiles – the Treaty has contributed to strategic stability and reduced the risk of miscalculation leading to conflict. As such, full compliance with the INF Treaty is essential and we remain fully committed to the preservation of this landmark arms control treaty.
The United States is in compliance with its obligations under the INF Treaty and committed to strictly implementing it. Allies have identified a Russian missile system that raises serious concerns; NATO urges Russia to address these concerns in a substantial and transparent way, and actively engage in a technical dialogue with the United States.
Allies welcome continued efforts by the United States to engage Russia in bilateral and multilateral formats, including the Special Verification Commission, to resolve concerns about Russia’s compliance with the INF Treaty. Allies emphasize that a situation whereby the United States and other parties were abiding by the treaty and Russia were not – would be a grave and urgent concern. The Alliance is united in its appreciation that effective arms control agreements remain an essential element to strategic stability and our collective security. In this spirit, our actions, including national measures taken by some Allies, seek to preserve the INF Treaty, strengthen the Alliance, and incentivize Russia to engage in good faith.

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