Fürs Archiv: Bundeswehr nimmt israelisches Arrow-System in Betrieb
Die Bundeswehr hat die ersten Teile des israelischen Luftverteidigungssystems Arrow in Betrieb genommen. In Holzdorf-Schönewalde südlich von Berlin erklärte die Luftwaffenführung die Anfangsbefähigung, die Initial Operating Capability (IOC) für das System, mit dem weit reichende ballistische Raketen erkannt und abgewehrt werden sollen. Der Einstieg in dieses israelische System mit US-Technologie war in Deutschland seit 2022 diskutiert worden; Mitte 2023 hatte der Bundestag die ersten Mittel dafür bereitgestelt. Die israelische Industrie lieferte in vergleichsweise kurzer Zeit, trotz der Prioritäten des Krieges in Gaza.
In der israelischen Presse wurde im Hinblick auf die heutige Übergabezeremonie in Holzdorf nicht nur hervorgehoben, dass der Arrow-Export mit einem Finanzvolumen von fast vier Milliarden Euro der größte bisherige Rüstungsexport Israels ist. In den offiziellen Reden von israelischer Seite habe auch eine Rolle gespielt, wie das Land gut 80 Jahre nach der Shoa nun zur Verteidigung Deutschlands beitrage:
“As a second-generation Holocaust survivor, I stand here deeply moved because a ballistic missile defense system, developed by the finest Jewish minds in Israel’s aerospace industry, out of our existential necessity, will now help defend Germany,” Baram said at the ceremony, according to remarks provided by the Defense Ministry.
zitierte die Times of Israel den Direktor des israelischen Verteidigungsministeriums, Amir Baram.
Das deutsche Verteidigungsministerium erklärte ausführlich, warum dieses System gegen eine Raketen-Bedrohung beschafft wurde, die nach Ansicht mancher Fachleute weniger dringend angegangen werden muss als die Abwehr von Mittelstreckenraketen:
Heute hat die Bundeswehr am Standort Schönewalde mit dem Arrow-Luftverteidigungssystem (AWS-G: Arrow Weapon System – Germany) die Anfangsbefähigung erreicht.
Damit erweitern wir die Luftverteidigungsarchitektur („Zwiebelschalenprinzip“) oberhalb des Abfangbereichs der vorhandenen Patriot-Systeme um die „Territoriale Flugkörperabwehr“.
Bundesminister [Boris] Pistorius dazu: „Mit dem neuen Arrow-System erweitern wir unsere Luftverteidigung um die äußere Schale. Wir erlangen damit erstmals die Möglichkeit zur Frühwarnung und zum Schutz unserer Bevölkerung und Infrastruktur vor weitreichenden ballistischen Raketen. Mit dieser strategischen Fähigkeit, die im Kreis unserer europäischen Partner einmalig ist, sichern wir unsere zentrale Rolle im Herzen Europas. Damit schützen wir also nicht nur uns, sondern auch unsere Partner. Wir stärken damit den europäischen Pfeiler der NATO und übernehmen ein NATO-Planungsziel. Wir zeigen, Deutschland übernimmt Verantwortung.“
(…)
Im Falle eines möglichen Konflikts ist Deutschland aufgrund der zentralen geografischen Lage potentiell durch ballistische Waffensysteme großer Reichweite bedroht. Mit der Beschaffung des AWS-G erlangen wir erstmals die Fähigkeit zur Frühwarnung vor und Bekämpfung von exoatmosphärisch, also außerhalb der Erdatmosphäre (> 100 km) anfliegenden Flugkörpern. In der Zielstruktur kann das System das gesamte Territorium Deutschlands, unsere Bevölkerung und kritische Infrastruktur gegen diese ballistischen Raketen, rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr schützen.
Deutschland hat mit seiner zentralen Lage für das Bündnis im Falle eines Konfliktes eine besondere Rolle. Wir werden wichtige Truppen- und Materialbewegungen und die logistische Versorgung der Alliierten durch und in unserem Land sicherstellen. Mit Arrow schützen wir also auch diese „Drehscheibe Deutschland“.
Der Betrieb des AWS-G ist eine Dauereinsatzaufgabe der Luftwaffe, die dafür Hand in Hand mit den Heimatschutzkräften, aber auch mit den Behörden der Inneren Sicherheit zusammenarbeitet.
Das durch Deutschland beschaffte AWS-G besteht aus einem Kontrollzentrum, Radargeräten und Abschussvorrichtung mit dem für diese Aufgabe optimierten Abfangflugkörper vom Typ Arrow 3.
Es wurde in einer israelisch-amerikanischen Kooperation entwickelt und nun erstmalig durch Israel exportiert. Dies ist ein deutliches Signal der Verbundenheit und binationalen Partnerschaft zwischen Israel und Deutschland.
Das System wird nun in einer Anfangsbefähigung betrieben. In den nächsten Monaten und Jahren werden zusätzliche Einsatzstellungen in Deutschland aufgebaut und das System so erweitert. Dafür werden aktuell bereits weitere Standorte vorbereitet. Die Verteilung auf mehrere strategisch ausgewählte Standorte bietet eine optimale Abdeckung des gesamten Territoriums der Bundesrepublik, eine hohe Wirksamkeit sowie die notwendige Resilienz im Falle von Ausfällen, Störungen oder Sabotage.
Wir bitten um Verständnis, dass weitere Einzelheiten zum System der militärischen Geheimhaltung unterliegen.
Wegen dieser Geheimhaltung sagte die Bundeswehr auch nicht so laut, dass die Zeremonie in Holzdorf zumindest zum Teil eine Scharade war. Denn das dort aufgebaute Raketenwerfer-System mit den Arrow3-Abfangraketen war vor allem Show: entscheidener Punkt der Installation in der Annaburger Heide sind nicht die Raketen, sondern die Radarstellung. Das Green Pine-Radar, wesentlicher Teil des Luftverteidigungssystems Arrow, erlaubt der Luftwaffe in bisher nicht mögliche Reichweiten für die Erfassung von Flugkörpern. Nicht ohne Grund hob Pistorius in seiner Aussage hervor, dass die Bundeswehr mit der Beschaffung erstmals die Fähigkeit zur Frühwarnung vor und Bekämpfung von exoatmosphärisch, also außerhalb der Erdatmosphäre (> 100 km) anfliegenden Flugkörpern erlange – die Frühwarnung nannte er offensichtlich bewusst als besondere Fähigkeit.
Die Abfangraketen werden dann irgendwo anders stehen und ganz sicherlich nicht direkt neben dem Radar. Auch wenn das bei der heutigen Zeremonie so aussah.
Nachtrag: Da die Frage aufkam: Das Militärgebiet Annaburger Heide liegt unmittelbar neben dem Fliegerhorst Holzdorf-Schönewalde (die markierte Position); die Karte von OpenStreetMap:
(Foto: Feierliche Erklärung der Anfangsbefähigung; im Hintergrund die Kuppel des Radars – Francis Hildemann/Bundeswehr)

(Google) Es ist klar, dass dies nur eine formelle Zeremonie ist. Die Israelis erklärten, dass die Tests von Arrow-4 laufen und die technischen Spezifikationen für Arrow-5 unter Berücksichtigung potenzieller Bedrohungen entwickelt werden. Vielen Dank.
Man sollte hier mal erwähnen was unter „äusserer Schale“ ( der Raketenabwehr ) zu verstehen ist
Da geht es um feindliche Mittelstrecken-Raketen ( bis 5000 km ) und die darüber angesiedelten ICBM’s ( Intercontinentalraketen ).
Gerade letztere tragen immer strategische Atomsprengköpfe bis hin zum Megatonnenbereich, d.h. bis über das hundertfache der Hiroshima-Bombe.
Geht man davon aus das sich das angenommene Szenario ausschliesslich auf staatliche Akteure bezieht ist die Zielrichtung klar:
Kalter Krieg 2.0 , diesmal aber ohne die atomare Aufrüstung der Landstreitkräfte. Die Bedrohung kommt von weither mit Hyperschall.
Wer zu den Chancen des Abfangens in diesem Szenario mehr wissen will ( shooting a bullet with a bullet ) dem empfehle ich den aktuellen Film „A house of dynamite“.
Die einen sagen “ gut es zu haben „. die anderen “ trügerische Sicherheit ‚…
Es wäre beindruckender ohne den großen Schriftzug INERT auf den Startcontainern :)
Es wäre interessant, welche Flächen gegen welche Bedrohungen geschützt werden können – also: Welcher Kreis (Oval?) auf der Karte kann gegen Raketentyp SS-xx geschützt werden?
Ich verstehe das so, dass die Größe des „Schutzbereichs“ einer Raketenabwehrstellung stark von der Geschwindigkeit der anfliegenden Flugkörper abhängt. Die Mitteilung des BMVG klingt so, als ob mit den „weiteren Stellungen“ später einmal das gesamte Bundesgebiet geschützt werden kann. Das gilt dann vermutlich nur für relativ langsame Ziele. Oder ist das anders?
Kann irgendwer was zu dem Bunker und der Kuppel im Hintergrund sagen?
Das sind noch Installationen aus dem Kalten Krieg, oder?
[Ich empfehle, auch den Bildtext, ganz unten, zu lesen – was Ihnen wie ein Kalter-Kriegs-Museum vorkommt, ist der Radar Dome des Radars für Arrow. Also das, worum es da überhaupt geht. Der Speilmannszug und die Raketenwerfer im Bild sind nur Dekoration. T.W.]
@“Nicht ohne Grund hob Pistorius in seiner Aussage hervor, dass die Bundeswehr mit der Beschaffung erstmals die Fähigkeit zur Frühwarnung vor und Bekämpfung von exoatmosphärisch, also außerhalb der Erdatmosphäre (> 100 km) anfliegenden Flugkörpern erlange…“
Auch ein „Problem“ von ARROW-3.
Dieses System kann nur (!) außerhalb der Erdatmosphäre wirken.
Dies ist konstruktiv bedingt.
Russland hat aber aktuell keine Mittelstreckenraketen die dieses Anflugprofil nutzen…
Iskander, Kinschal und russische Marschflugkörper bleiben in der Erdatmosphäre.
Das Kill Vehicle von ARROW kann aber in der Erdatmosphäre nicht wirken, es würde selbst zerstört.
D.h. das System würde erst zur Anwendung kommen können, wenn es reale Bedrohungen aus
dem Weltraum gibt … aber dann reden wir schon von nuklearer Bedrohung… wo eh alles zu spät wäre…
Raketenabwehr kann nur im Rahmen eines umfassenden Abschreckungskonzepts sicherheitspolitisch wirksam sein. Zu dieser fehlt Deutschland vor allem noch eine zuverlässig zur Verfügung stehende nukleare Komponente.
Arrow 3 ist das einzige Waffensystem der Zeitenwende, welches wir Ex-Kanzler Scholz verdanken. Alle anderen Waffensysteme die wir jetzt beschaffen oder beschaffen wollen, existieren schon in BW-Überlegungen, es fehlt nur das Geld meist zuvor für die Beschaffung. Und die BW hat sich mit dieser Beschaffung eines ersten Arrow 3 Standortes tatsächlich beeilt.
Vor allem im Vergleich zur Wiederaufstellung der Heeresflugabwehr, die Generalleutnant Mais beschlossen hatte, ohne mit der Aufstellung des Heeresflugabwehrregimentes in Lüneburg tatsächlich anzufangen und einem neuen Heeresinspekteur, der es auch in 2 Monaten Amtszeit immer noch nicht geschafft hat, endlich mit der Wiederaufstellung des Heeresflugabwehr zu beginnen! So daß jetzt die Luftwaffe mit ihrem Flugabwehrzug und sogar die Bundespolizei in Sachen Drohnenabwehr dem Heer die Show gestohlen haben! Der Wechsel an der Spitze des Heeres war also bisher erfolglos.
Peinlich dagegen ist, daß es die Luftwaffe auch nach 3 Jahren nicht geschafft hat, die beiden anderen Standorte für Arrow 3 auch nur zu benennen. Und ich glaube kaum, daß die BW mit dem Bau weiterer Radar-Radome beginnen könnte, ohne daß dies auffallen würde, weil oben im Text behauptet wird, daß bereits andere Standorte vorbereitet würden, was ich aus vorgenannten Gründen bezweifeln muss.
Wenn es hier aber um Scharade geht, wundert mich viel mehr als eine Raketenstartrampe neben dem Radar Radom, als daß bisher in keinem Artikel erwähnt wurde, welche Einheit der Luftwaffe denn das System Arrow 3 betreibt und vor allem, ob diese Soldaten schon vor Ort tatsächlich stationiert sind oder ob hier als Schrade oder Potemkinsches Dorf vorgeführt wird, aber das Raketensystem mangels Soldaten vor Ort noch gar nicht betrieben werden kann?
Denn wir haben mit dem Flugabwehrraketengeschwader 1 nur eine Einheit der Luftwaffe, welches sich für den Betrieb dieses Systems anbietet. Aber ich kann nichts dazu finden, daß das Flugabwehrraketengeschwader 1 oder eine der 4 Raketenflugabwehrraketengruppen(21, 24, 26, 61) der Luftwaffe bisher nach Holzdorf verlegt worden seien oder welche Raketengruppe das System Arrow 3 tatsächlich betreiben soll? Zum Standort Holzdorf heißt es nur, daß er 700 neue Dienstposten für Flugabwehr und Transporthubschrauber erhalten soll. Ich hätte erwartet, daß in den Artikeln über Arrow 3 die betreibende Einheit groß herausgestellt wird, aber bisher habe ich in keinem Artikel dazu was gefunden. Aber vielleicht weiß hier jemand, welches Personal das System betreibt & ob das Personal schon tatsächlich schon vor Ort ist? Das Flugabwehrraketengeschwader 2 soll erst in den 30iger Jahren aufgestellt werden & die Flugabwehrraketenruppe 61 bekommt das System Iris-T.
@hmwilker: Das gesamte Bundesgebiet & ggf. Verbündete sollen durch das System Arrow 3 geschützt werden. Dazu soll es drei Arrow 3 Standorte in Deutschland geben. Einen Standort in Schleswig-Holstein für Norddeutschland, einen in Holzdorf für Ostdeutschland/Berlin und einen dritten Standort in Bayern für Süddeutschland. Bisher sind die Standorte in Schleswig-Holstein bzw. Bayern auch Jahre nach der Beschaffungsentscheidung nicht benannt worden. Klar ist nur, daß es nicht Penzing/Fliegerhorst Landsberg/Lech wird, welcher zwar auf der Liste der 187 BW-Standorte steht( im Gespräch war für Arrow 3), welche erstmal nicht privatisiert werden sollten, aber mittlerweile wurde schon vermeldet, daß Penzing doch privatisiert werden soll. D.h. die BW hat sich für den Erststandort beeilt, für die weiteren Standorte, um ganz Deutschland zu schützen, gilt dagegen wieder die übliche Kriechgeschwindigkeit der BW!
Bei BMD sollte der Startplatz der Rakete tatsächlich relativ nahe am voraussichtlichen Zielgebiet stehen, da dies den zu korrigierenden Vorhaltewinkel auf das Minimum reduziert.
Was die nur-befähigung zu außeratmosphärisch angeht, es gibt keine wirkliche „ab da Weltraum“ Grenze, Das Kill Vehicle von Arrow 3 ist im Prinzip ein kleines Kamikaze-Raumschiff, das Kursänderungen mit reaktiven Thrustern durchführt. Das funktioniert innerhalt der unteren Atmosphäre natürlich nicht aber in der Tropopause definitiv.
Arrow 4 soll hierzu das Pendant für untere Höhenbereiche werden und die BW hat bereits Interesse bekundet.
Außerdem haben wir immer noch PAC-3 für untere Bereiche.
Der Übergabeappell verdeutlicht im Rückblick den historischen Wert der langjährigen Arbeit des damaligen InspLw Generalleutnant Gerhartz für die weitere erhebliche Vertiefung der deutsch-israelischen Luftwaffen-Beziehungen. Die Luftwaffe hat offensichtlich den Wert strategischer Beziehungen rechtzeitig erkannt. Vor diesem Hintergrund wäre ein Rauswurf nach der Webex-Affaire in der Tat ein Sieg Moskaus gewesen.
@Felix2 „Russland hat aber aktuell keine Mittelstreckenraketen die dieses Anflugprofil nutzen…“
Die neue Oreschnik soll nach Einschätzung von Herrn Schiller aus München perfekt zum Waffensystem passen. Putin hat ja gerade die beabsichtigte Serienproduktion der Oreschnik verkündet. Insofern ist ein einsatzbereiter Arrow3 Schirm bis 2029 vermutlich eine ziemlich gute Versicherung. Großer Dank gilt den israelischen Freunden für die große Unterstützung und das Teilen der Technologie.
Eine geographische Frage:
Im Bildtext ziemlich weit unten steht, dass sich die Radarinstallation in der Anaburger (sic!) Heide befindet. Google Maps zeigt mir als „Annaburger Heide“ ein Waldgebiet und Vogelschutzgebiet in paar Kilometer südwestlich des Fliegerhorstes Holzdorf-Schönewalde an.
Befindet sich die Radaranlage denn nun auf dem Fliegerhorst (wovon ich bislang immer ausgegangen bin), oder in diesem Waldgebiet?
[Upsi, „Anaburger Heide“ hatte ich aus dem Bildtext übernommen; tatsächlich ist „Annaburger Heide“ richtig, und ich sehe das auf Karten als militärisches Gebiet bei Holzdorf-Schönewalde markiert – also nahe am Fliegerhorst, aber eben nicht direkt identisch. Danke für den Hinweis; habe oben eine Karte nachgetragen. T.W.]
„Ich empfehle, auch den Bildtext, ganz unten, zu lesen – was Ihnen wie ein Kalter-Kriegs-Museum vorkommt, ist der Radar Dome des Radars für Arrow.“
Hatte ich gelesen und mich gewundert.
Alle sonst gezeigten Fotos im Internet vom Green-Pine-Radar zeigen eine rechteckige Phased-Array-Antenne auf einem Trailer.
Nur die Bundeswehr zeigt einzig eine Kuppel auf einem Hügel. Da wird man doch mal nachfragen dürfen…
„als militärisches Gebiet bei Holzdorf-Schönewalde markiert“
Ist dies das Gelände vom CRC Sunrise / Bunker Anlage Harald?
@Windlicht. (google) Ich hoffe, dass er sich wie schon zuvor in seiner neuen Position in Israels „hohen Ämtern“ wohlfühlen wird. Regards…
Die Frage ist doch wofür brauchen wir die Dinger? Alle reden über den Russen was in meinen Augen absoluter Quatsch ist. Warum? Weil der uns mit nuklearen Kurzstrecken und Intercontinentalraketen derartig zupflastern kann dass die drei beschafften Batterien nach 5 min leer/übersättigt wären (wenn sie eine von beiden Bedrohungen überhaupt abwehre könnten…).
In meinen Augen ist die einzige realistische Bedrohung jetzt und auch in naher Zukunft, dass im Iran jemand freidreht/sich in die Ecke gedrängt fühlt/um seine Macht fürchtet und einige europäische Städte mit einer handvoll! nuklear bestückter Mittelstreckenraketen bedenkt.
Die Trägertechnologie in Form Raketen haben sie, spätestens nach den jüngsten israelischen/amerikanischen Angriffen werden sie alles daran setzen möglichst schnell die passenden Gefechtsköpfe zu bekommen (so sie sie noch nicht haben) und bei so einem counter value Ziel wie einer Stadt kommts auf den letzten Meter CEP auch gar nicht an. Und dagegen und auch nur dagegen helfen die Dinger – für wie realistisch man das Szenario hält darf dann jeder für sich beantworten
Auf dem obigen Bild (und auch wenn man im Netzt nach Videos zum Appell sucht) sieht man ein m.E. neues Wappen (Wappenschild schwarz-rot-gold umrandet, Deutschlandkarte mit stilisierter Rakete). Dieses Wappen habe ich so noch nie gesehen. Wurde mit der Arrow3 nun auch eine neue Einheit aufgestellt?
Zitat:
„…In der Zielstruktur kann das System das gesamte Territorium Deutschlands, unsere Bevölkerung und kritische Infrastruktur gegen diese ballistischen Raketen, rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr schützen… “
Das klingt wirklich gut. Dazu weiter unten später mehr…
Unter „diese ballistische Raketen“ und „ausserhalb der Erdatmosphäre“ fallen ja auch Mittel- und Langstreckenraketen mit einzeln teils gelenkten Mehrfachsprengköpfen ( MIRV) .
Es gibt Raketen mit bis zu 14 MIRV’s, teils Dummys. Erlaubt seit SALT 1 sind sechs Stück. Die Kontrollen wurden aber ab 2020 seitens Russland ausgesetzt.
MIRV’s trennen sich in der Regel im Scheitelpunkt der Flugbahn. Das sind mehrere hundert bis weit über tausend Kilometer Höhe bei teils über 20.000 km/h.
Was weit über den Spezifikationen von Arrow 3 liegt. Völlig anderes Kaliber als die Bedrohung Israels mit „zusammengeschusterten“ Systemen…
Und selbst wenn es eine Arrow 4 oder 5 geben würde. 14 MIRV’s pro Rakete abfangen, ernsthaft jetzt ?
Zusätzlich zu beachten wäre die Attacke Russlands im November 2024 auf Dnipro mit einem ähnlichen System.
Bei Umrüstung der regulär nuklear bestückten Rakete ist es also möglich unterhalb der Atomschwelle, die vielen sehr unwahrscheinlich erscheint, zu bleiben.
In diesem Zusammenhang möge man jetzt nochmals das Zitat ganz oben lesen…
Was schreibt die Bundeswehr selber? „Erstbefähigung (auch: Anfangsbefähigung): Zustand, in dem die ersten Systemanteile betriebsbereit sind und eine minimale Einsatzfähigkeit hergestellt ist. Radar, Startgeräte und geschultes Personal sind verfügbar, um den Schutzbetrieb in einem begrenzten Umfang aufzunehmen. “
Mag sein, dass für die Zeremonie die Startfahrzeuge nur zur Show dort positioniert wurden. Dennoch würde ich jetzt davon ausgehen, dass eine Erstbefähigung vorhanden ist, da die Bundeswehr dies deklariert hat. Natürlich ist nur der Anfang und natürlich kann das ASW-G auch nur einen begrenzten Teil der Bedrohungen abwehren. Dennoch ist ein weiterer Schritt zu einer Aufrüstzung/Ausstattung der Bundeswehr in allen Bedrohungsdimensionen. Und – wie bereits erwähnt – ein Kind der Zeitenwende. Weitere werden folgen. Gut so!
Und was das Radar anbelangt: In der Tat sollte dies seinen Beitrag zum umfassenden Lagebild der Bundeswehr beitragen. Wäre interessant zu erfahren, welche Synergien es mit dem Smart-L Multi Mission (MM) – Radar von Hensoldt in Parow gibt oder geben wird. Schließlich soll der Radar-Typ ja bei der Marine zur Ballistic Missile Defence beitragen….
Die vergleichsweise schnell erreichte „Anfangsbefähigung“ bei diesem Waffensystem zeigt, dass man von Israel eine Menge lernen kann – und dass die permanente Bedrohungssituation eines Landes ein Glücksfall für das Erreichen und Erhalten seiner Wehrhaftigkeit ist.
@DoH Und in Israel, Südkorea und anderen Orten befinden sich diese Radargeräte unter Kuppeln.
Falls ich die Idee der Luftverteidigung einigermaßen richtig verstanden habe, ist das ganze nur wirksam und glaubwürdig wen es komplementär aufgebaut ist?
Arrow 3 nun also als äußerste Schale, okay.
Die „richtige“ Arbeit beginnt aber erst mit dem Aufbau der untersten Schicht, weil es nicht nur drei Standorte mit einer relativ überschaubaren Anzahl von Bedienern braucht, sondern Massen an Material und Personal an einer großen Anzahl von Standorten. Mit allem was an Logistik, Ausbildung etc. dazu gebraucht wird.
Davon ist aktuell sehr wenig zu vernehmen, obwohl der Aufbau solcher Kapazitäten mit Blick auf die Vorkommnisse der letzten Wochen viel dringender erscheint.
Und noch eine Frage eines FlA-Laien an die Spezialisten hier: wer und was schützt eigentlich wie diesen Dome, wenn darin das Herzstück des Systems verbaut ist?
Was mich wundert ist die (offensichtliche) fehlende Trennung des Radoms?
[Trennung von was? T.W.]
@54er(google) In Südkorea herrschte eine hohe Luftfeuchtigkeit, die dazu führte, dass das Radar etwa einmal täglich ausfiel.
Closius sagt:
04.12.2025 um 10:03 Uhr
„[…] Wenn es hier aber um Scharade geht, wundert mich viel mehr als eine Raketenstartrampe neben dem Radar Radom, als daß bisher in keinem Artikel erwähnt wurde, welche Einheit der Luftwaffe denn das System Arrow 3 betreibt […]“
Wenn auch kein Artikel, aber:
https://youtube.com/watch?v=PDO0-kdtnHg
1. FlaRakStff – offenbar (bisher?) selbstständige(?) Staffel ? (Mit dann direkter Unterstellung des LwTrKdo?)
JCR sagt:
03.12.2025 um 23:13 Uhr
„Es wäre beindruckender ohne den großen Schriftzug INERT auf den Startcontainern :)“
Warum denn dem interessierten Feind das tatsächliche Aussehen der Werfer präsentieren? :-) na gut, Täuschung ginge tatsächlich auch ohne den Schriftzug ;)
Respekt für das Tempo, muss man schon sagen. Ist das beste Abwehrsystem der Welt für diese Schale, 4 wird wohl auch beschafft und es gibt keinen Grund warum es nicht mit dem in Entwicklung befindlichen 5 weitergehen sollte.
Solange wir strikt auf ABC verzichten ist aufwändige Abwehrfähigkeit das Nächstbeste. In dieser strategischen Dimension müssen wir das einordnen. Die anderen Standorte kommen dazu und werden durchaus ernst zu nehmende Abschreckung bieten. Denn nicht nur muss jeder Angreifer wissen, dass es nicht mehr klar ist, dass sein Angriff gelingt.
Über nukleare Teilhabe und Artikel 5 muss er auch mit einem Gegenschlag durch die neuen F35 rechnen. Die Flugabwehr der Russen kann sie nicht erkennen (wie man über dem Iran gesehen hat, die S400 waren auch machtlos). Und es reicht ja wenn nur ein Bomber durchkommt. Da müssen die Amerikaner gar nicht direkt zurück schlagen, die Luftwaffe kann das schon alleine hinreichend androhen, solange die Teilhabe bestehen bleibt.
Das ist das beste was wir bezüglich Abschreckung derzeit machen können.
Da war leider die Rechtschreibprüfung. Sorry.
Es muss heißen:
Was mich wundert, ist die (offensichtliche) fehlende Tarnung des Radoms?
@JoH: nein, das Gelände ist nicht das gleiche…
Formulieren wir es mal so: etwa 10km Südlich des Fliegerhorsts auf ziemlich genau auf der Landesgrenze Sachsen-Anhalt/Brandenburg und unweit des Dreiländerecks zu Sachsen und dem Standortübungsplatz Holzdorf (Gemarkungen Annaburg/Herzberg(Elster) zeigen aktuelle Google Maps Bilder eine Baustelle, die sehr gut auf, die in Pressefotos ersichtliche, Anlage der Radarstellung passen.
Qleg olkha:
Klar, Umwelteinflüsse neutralisiert man so weitgehend.
Ich gebe es zu, ich bin über FlA aller Truppen nie wirklich hinaus gekommen, daher die Frage.
Braucht es da Skyranger und IRIS T zum Schutz gegen Bedrohungen, gegen die Arrow 3 nicht wirken kann? Ich war davon ausgegangen, dass dieses System mobil ist und dadurch schon mal schwerer zu orten ist.
(google) „GaN (Gallium Nitride) technology “ ist eine sehr fortschrittliche und empfindliche Technologie. Dieses Radar (Reichweite 900–1000 km) dient der Erkennung und Verfolgung ballistischer Raketen im Raum Minsk. Arrow-4 ist vollständig kompatibel. „…Skyranger und IRIS T“. Sie sind in einer mehrschichtigen „Schutzkuppel“ notwendig. Regards…
Der Verbandszeitschrift der FlaRak, dem „Tinchen“ vom April 2025 (Link wenn der Hausherr gestattet: https://www.tinchen-husum.de/archiv-2025 ), ist zu entnehmen, dass die 1. FlaRakStff TerFKAbw seit diesem Jahr besteht und wohl dem Flugabwehrraketengeschwader 1 zugehörig ist. So wie das Wappen auf der Zeitschrift seitdem verwendet wird, vermutlich eine Direktunterstellung.
Die Nutzung des Radoms und dieser festen Infrastruktur zeigt meiner Meinung, dass die Rolle „Aufklärung und Frühwarnung“ wohl wesentlich bedeutsamer ist, als die Öffentlichkeit, bisher mit Fokus auf die Bekämpfung von Bedrohungen, erkennt. Man will innerhalb von Minuten einsatzbereit sein. Das Radar wird dafür vor Witterung, gegnerischer Aufklärung bezüglich Ausrichtung und Einsatzbereitschaft sowie hybriden Bedrohungen wie Kleinstdrohnen gut geschützt.
Zu den weiteren Standorten hört man ab und zu was von Regionalpolitikern. So leicht ist das wohl aber eben nicht, gemäß Angaben der Luftwaffe vom Mittwoch wird allein für die Radarstellung etwa 4o Hektar Freifläche benötigt (u.a. wegen der Strahlung). Und diese Fläche muss dann auch noch komplett angeriegelt werden, gar nicht so leicht in Deutschland, behaupte ich mal.
@J.D. & Silent User: Das Video auf YouTube & die Verbandszeitschrift zeigen das Wappen dieser neuen 1. Staffel der Flugabwehrraketengeschwaders 1 & im Video wird ausdrücklich von der 1. Staffel gesprochen. Merkwürdigerweise sind auf der Raketenstartrampe viele Wappen oder Abzeichen abgebildet, aber nicht das Wappen der 1. Staffel oder des Flugabwehrraketengeschwaders. Interessant wird es sein zu sehen, sobald die nächsten Standorte eröffnet werden für Arrow 3, ob diese dann auch durch die 1. Staffel betrieben werden oder ob dann weitere Staffeln, z.B. eine Staffel für jeden Standort aufgestellt werden? Als Luftwaffe würde ich da eine ganze andere Pressearbeit aufziehen, um mehr Personal für die neue Staffel gewinnen zu können und die Luftwaffe besser darzustellen. Leider haben einzelne Kompanien & Staffeln meist auch noch das Pech, daß sie auf der HP der Bundeswehr ganz vergessen werden oder nur rudimentär dargestellt werden, im Vergleich zu Bataillonen oder Geschwadern.
Für Schleswig-Holstein werden in den Regionalmedien Hohn oder Husum als möglicher Standort für Arrow 3 genannt und für Bayern nennen Bayerische Medien die für Fliegerhorste Kaufbeuren oder Lagerlechfeld. Aber dies scheinen bisher nur Spekulationen zu sein bzw. verbergen sich die Artikel hinter Zahlschranken.
Wir versuchen immer noch den letzten „kalten Krieg“ zu gewinnen. Als die Überlegungen zur Anschaffung von Arrow 3 begonnen haben, da mögen ballistische Raketen ja tatsächlich eine ernstzunehmende Bedrohung für unser Land gewesen sein. Aber das war einmal. Arrow 3 wird uns weder vor Hyperschallraketen schützen, die eben nicht einer ballistischen Bahn folgen, noch vor Schwärmen von hunderten von billigen Drohnen.
Hinsichtlich des Gewinnens vergangener Kriege sehe ich auch die Anschaffung des Leo 2A8 kritisch. Die Bundeswehr erhält Panzer, die keinen Schutz vor FPV Drohnen haben.
Was mich aber wirklich anfixt, dass ist der Umstand, dass wir uns in unserer Verteidigung von einem Land abhängig machen, dessen oberste Führung aus steckbrieflich gesuchten Kriegsverbrechern besteht.
@Schlammstapfer: Auch Hyperschallraketen fliegen grundsätzlich auf einer ballistischen Bahn, bloß schneller.
Schön, dass Sie Ihre Moral gegenüber Kriegsverbrechern entdecken, wenn es um die Beschaffung eines israelischen Waffensystems geht. Diese Form von Moral würde ich freilich auch gern mal bei Ihnen beobachten, wenn es um die Frage russischer Verbrechen im Ukrainekrieg geht.
Außerdem: Was hat persönlich vorwerfbares Verhalten von einzelnen Personen eigentlich noch gleich mit der Qualität eines militärischen Systems zu tun? Genauso viel wie die Religion des Entwicklers, nehme ich an, nämlich nichts.
@Closius:
Im Flurfunk im FlgHorst Kaufbeuren erzählt man sich als Launcher Stellung den ehem. ÜbPl Schwabstadl, südlich des Lechfeldes und den Platz für die Radarkuppel einen Höhenzug westlich von Kaufbeuren auf dem Gelände des Staatsforstes…