Weltweite Militärausgaben auf neuem Höchststand – Krieg in Europa als Treiber
Die weltweiten Ausgaben fürs Militär sind von 2024 auf 2025 um knapp drei Prozent gestiegen und haben mit umgerechnet 2.887 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand erreicht. Dazu beigetragen hat laut der aktuellen Statistik des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI vor allem eine massive Ausweitung der Militärbudgets in Europa vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Deutschland steht wie bereits im Vorjahr nach den USA, China und Russland bei den Ausgaben weltweit an vierter Stelle.
Nach der jährlichen Übersicht zu militärischen Ausgaben, die SIPRI am (heutigen) Montag veröffentlichte, geben die USA zwar unverändert den größten Anteil aus und finanzierten ein Drittel aller Militärausgaben weltweit. Der Abstand zu den anderen Staaten schrumpft jedoch, zumal die US-Streitkrfäfte mit 954 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr 7,5 Prozent weniger Geld zur Verfügung hatten als im Jahr davor. An zweiter Stelle stehen China mit geschätzt umgerechnet 336 Milliarden und Russland mit ebenfalls geschätzt umgerechnet 190 Milliarden US-Dollar. Deutschland wird von der Statistik des schwedischen Instituts mit umgerechnet 114 Milliarden US-Dollar an vierter Stelle geführt.
Dabei verstärkt sich laut SIPRI der Trend, dass eine kleine Zahl von Staaten immer mehr Geld für Rüstung und militärische Zwecke ausgibt. So entfielen auf die fünf ausgabestärksten Staaten – nach den USA, China, Russland und Deutschland Indien – mit 1.686 Milliarden US-Dollar etwa 58 Prozent der weltweiten Gesamtausgaben für diese Zwecke.
Und mittlerweile wird die exakte Feststellung der Aufwendungen für Rüstung und Militär nicht nur für China und Russland schwierig, bei denen schon immer und zunehmend tatsächliche Ausgaben in den öffentlichen Haushalten verschleiert wurden und werden. Auch für die NATO-Staaten sei angesichts der verschiedenen Berechnungsmethoden und kreativer Buchführung nicht immer klar, wie viel tatsächlich ausgegeben wurde, beklagte SIPRI.
So wurden nach Angaben des Instituts teilweise Ausgaben für andere Zwecke unter militärischen Investitionen verbucht, ohne dass klar würde, wofür das Geld genutzt wurde. Die NATO habe die Ausgaben Kanadas im vergangenen Jahr fünf Milliarden US-Dollar höher angegeben als die von SIPRI ermittelten Zahlen. Wo für die zusätzlichen Mittel ausgegeben wurden, sei nicht bekannt. Auf dem strategischen Level könnten überhöhte Angaben für Militärausgaben die Einschätzung durch potenzielle Gegner und damit auch die Bedrohungswahrnehmung beeinflussen, obwohl die genannten Summen keine tatsächlichen Fähigkeiten bedeuteten, warnte das Institut.
Für Europa ermittelte SIPRI insgesamt Militärausgaben von 864 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr, die höchste Summe, die das Institut für den Kontinent je festgestellt habe. Im vergangenen Jahrzehnt von 2016 bis 2025 hätten sich die Aufwendungen praktisch verdoppelt. Neben dem Krieg gegen die Ukraine habe vor allem die Unsicherheit über die künftigen Sicherheitsgarantien der USA für die europäischen NATO-Staaten diesen Trend befeuert: Die 29 Mitglieder der Allianz in Europa gaben nach der SIPRI-Statistik im vergangenen Jahr umgerechnet 559 Milliarden US-Dollar für Militär und Rüstung aus.
Der wesentliche Auslöser für diese Erhöhung, Russland, steigerte nach den von SIPRI geschätzten Zahlen seine Militärausgaben im vergangenen Jahr um 5,9 Prozent, die niedrigste Rate seit Beginn der Vollinvasion der Ukraine im Jahr 2022. Weiterhin wende das Land aber 7,5 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für die Rüstung und das Militär auf, 20 Prozent der staatlichen Ausgaben. Allerdings würden zunehmend andere Bereiche dem Militärbudget zugeschlagen, ohne dass dies offen erkennbar sei.
Die Ukraine liegt nach der Übersicht bei den Militärausgaben an siebter Stelle weltweit, hinter Großbritanniern und vor Saudi-Arabien, Frankreich und Japan. Mit umgerechnet 84,1 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr gab das Land im Abwehrkrieg gegen die russische Invasion 40 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts dafür aus. Seit 2016 steigerte die Ukraine ihren Verteidigungshaushalt um 1.500 Prozent. Den größten Anteil an der externen Unterstützung hatten Kredite der G7-Staaten in Höhe von knapp 38 Milliarden Euro.
Nachgetragen: die Mitteilung dazu hier, die Statistik:
https://doi.org/10.55163/ZLHQ1057
(Grafik: Map: © SIPRI; design informed by Christian Dietrich’s SIPRI Map of Multilateral Peace Operations)
Das ist in der Tat ein globales Problem.
Die Steigerung der Produktion der Kombination von vor allem Stahl & Sprengstoff ist leider die Konterkarierung des Gefühls das wir Mitte der 1990er alle hatten:
Es gibt eine friedlichere Welt, die Menschheit hat die dunkelsten Zeiten hinter sich gelassen.
Derzeit wird sogar über eine mögliche Kerosinmangel-Lage diskutiert.
Aufgrund des Alleingangs des Chefs einer Nation und einem neuen Krieg. Wenngleich beschränkt auf eine Region.
Die dummerweise dann doch alle betrifft…
Aufgrund auch des Ukraine-Krieges wollen jetzt alle mehr Waffen.
„Pfugscharen zu Schwertern“ ist das neue Motto..
Leider, leider…
Relativität der Ausgabenlasten vs. Kreativität der Buchführung
Zeitenwende war gestern, wir befinden uns in Europa im Transformationsprozess des Epochenwechsel.
NATO war gestern, die NATO befindet sich in einem laufenden Transformationsprozess, einer neuen NATO, in welcher die USA, wenn überhaupt noch, eine untergeordnete Rolle spielen.
Rasmussen, vormals NATO – Generalsekretär, fordert aktuell eine NATO – Leadership durch Großbritannien und Frankreich, was meines Erachtens nach auch Sinn macht. Sollte von Deutschland und Italien unbedingt und im vollen Umfang ernsthaft unterstützt werden. Leadership durch die aktuelle Bundesregierung, insbesondere diesem BK, ist außerhalb jeder Realität.
Die Kosten kann Deutschland senken. Weniger völlig überteuerte Ausstattung Ausstattung Made in USA kaufen, sondern echte Alternativen prüfen : Süd Korea, Kanada, etc.
Boeing ist wohl jetzt aus dem Rennen um die Nachfolge AWACS. Kanada soll den Zuschlag bekommen.
Kreative Buchführung wird es immer geben, die Kostenlasten wird man aber selbst dadurch nicht kaschieren können.
Die Bundeswehr wird sich auf Jahre, wahrscheinlich Jahrzehnte, auf ihr Aufwuchs – Programm konzentrieren müssen. Ein langer Weg. Denn Deutschland, die Infrastruktur, die Wirtschaft, die Sicherheitsarchitektur, ja – nichts ist in diesem Land wirklich auf den Fall der Fälle vorbereitet. Deutschland ist der wie in Schockstarre befindlicher Hase vor der Schlage.
‚Aber Daddy wird es nicht richten‘, kommentierte völlig zutreffend Nicole Lange: schon 2025 brachte er die Zielvorgabe: ‚Europa müsse endlich in die Gänge kommen…‘
Gilt für 2026 ebenso und wird für 2027 nicht anders sein
Moin,
@TW: „fünf Milliiarden US-Dollar“, ein „i“ zu viel.
Diesen Kommentar bitte nicht freischalten.
Vielen Dank für Ihre Arbeit!
Es ist immer wieder erstaunlich, dass die europäischen NATO-Mitglieder zwar fast 60 Prozent der amerikanischen Militärausgaben aufwenden, dafür aber vergleichsweise wenig bekommen. Dass wir Europäer im militärischen Bereich notorisch ineffizient wirtschaften, ist keine neue Erkenntnis. Überraschend ist allerdings, wie wenig wir anscheinend aus dem seit langem kritisierten Missstand gelernt haben. Auch unter Berücksichtigung der Diskrepanz bei den Personalkosten, müssten wir Europäer uns gegen Russland selbst verteidigen können, jedenfalls was die Summe der Militärausgaben angeht. Ist der Mangel an Mensch und Material stark übertrieben oder sind wir – Verzeihung – einfach zu doof?
@ Michael Schöfer Die europäischen NATO-Staaten haben ohne die Türkei 1,4 Millionen Soldaten und 500 Millionen Einwohner. Das sollte problemlos reichen, um die Russen in Schach zu halten. Dummerweise wird da nicht mit einer Stimme gesprochen und nationale Egoismen in der Beschaffung und die Angst vor harten Entscheidungen, die Wählerstimmen kosten, machen die Sache nicht besser. Wir kriegen die PS nicht auf die Straße. Dazu kommen noch teure Goldrandlösungen etc. und prorussische Parteien, Wir leben auf dem einzigen bewohnbaren Planeten weit und breit und statt uns weiterzuentwickeln, stecken wir das Geld, das ausreichen würde, allen ein einigermaßen vernünftiges Leben zu ermöglichen, in Gerätschaften, die dazu dienen, uns gegenseitig umzubringen. Besserung ist nicht in Sicht. Vielen Menschen auf dieser Erde wäre vermutlich schon geholfen, wenn sie den Lebensstandard eines freien römischen Bürgers aus einer Kleinstadt hätten. Das ginge auch ohne Sklavenarbeit. Wir sollten uns mal bei den Man in black ein großes Blitzdingsgerät ausleihen und die Menschen auf friedliche Zusammenarbeit programmieren.
@Michael Schöfer
„Auch unter Berücksichtigung der Diskrepanz bei den Personalkosten, müssten wir Europäer uns gegen Russland selbst verteidigen können, jedenfalls was die Summe der Militärausgaben angeht.“
Das einzige was Russland mehr hat, sind Atomraketen.
Für ein einiges Europa ist Russland keine Gefahr. Aber Russland ist stärker als das Baltikum alleine. Russland ist stärker als Polen alleine. Russland ist auch stärker als Deutschland alleine..
Macron sagte kürzlich, die EU Beistandsklausel ist stärker als die NATO Vereinbarung .. ob es stimmt, ist die entscheidende Frage, aber ich bin zuversichtlich.
Solange die Ukraine weiter unterstützt wird, obwohl sie nichtmal zur NATO oder EU gehört, ist alles im grünen Bereich.
Und Orban ist weg, dafür Bulgarien jetzt mit Putinfreund an der Spitze.
Aber grundlegend ja, kein Grund zu Jubeln. Wir als Menschheit hätten andere Probleme, als wieder massiv in Dinge zu investieren die sich gegenseitig zerstören. Aber so ist der Stand der Dinge, Kopf in den Sand stecken hilft nicht.
Recht herzlichen Dank allen Schurken und sonstigen Aggressoren. Sie bescheren einer kleinen Minderheit militärisch-industrieller Konzerne und ihren Investoren hohe Erträge und einen exklusiven Wohlstand. Das nennt man finanzielle Interessen haben.
Bezahlen müssen das vor allen anderen die steuerehrlichen Lohnempfänger, auch wenn sie die Zusammenhänge zumeist nicht wahrhaben wollen. Auch deren Kinder werden noch für finanzierte Rüstungsausgaben aufkommen müssen, und mit weniger Bildung (über)leben müssen.
Wenn hunderte von Millionen von Menschen, die zwar keine Kriege wollen, aber lieber zum Wohlfühlen ihre Köpfe in den Sand stecken, wie nennt man das?
Warum werden Menschen ihre gefährlichen Herrscher nicht los? Wegen der inneren(!) „Sicherheit“?
Die europäischen NATO-Staaten steigerten in 2025 ihre Militär-Ausgaben schneller als dies Russland konnte.
Ich wage jetzt einmal eine steile Aussage, bei der mir einige widersprechen werden: Es ist mittlerweile soweit, dass der Vorsprung, den sich Russland bei dem Aufbau seines Militärs in dem letzten Jahrzehnt erarbeitet hat, zu schrumpfen beginnt. Anders ausgedrückt – die Uhr tickt jetzt gegen Russland in Bezug auf eine militärische Überlegenheit gegenüber den europäischen NATO-Staaten. Auch wenn das Material noch nicht auf dem Hof steht, so ist die Leistungsfähigkeit der europäischen Rüstungsindustrie doch jetzt bereits deutlich höher als vor 4 Jahren. Ich denke, dass das beste Beispiel dafür die Artilleriemunition ist. Mir fällt es schwer, wirklich belastbare Zahlen für den Aufwuchs zu bekommen – eine Verdoppelung sollte es aber mindestens sein. Eine Vervierfachung wird auch bald erreicht werden. Was auch für eine Aufholen spricht, ist dass der „Verbrauch“ an Militärmaterial der europäischen NATO-Partner geringer ist als bei Russland. Dort müssen ja ständig die im Ukraine-Krieg zerstörten Gerätschaften ersetzt werden.
Ein anderer Aspekt ist, dass die NATO ihre Frontverteidigung an der Ostflanke aufbaut. Der Aufbau der Litauenbrigade ist so ein Beispiel. Die Präsenz von deutschen Soldaten samt ihrem Material in Litauen ist auf einem klaren Wachstumspfad. Da mag es die eine oder andere Verzögerung geben aber die Grundtendenz steht.
Warum erwähne ich dies alles? Es wird häufig darauf hin argumentiert, dass Russland ab 2029 in der Lage sein könnte, einen größeren Krieg gegen einen NATO-Staat zu führen. Das mag von der Organisation Russland her ja der Fall sein. Die eigentliche Motivation für die Aufrüstung der NATO in Europa ist aber ja die Abschreckung. Russland sollte bei einer Kosten/Nutzen-Betrachtung zu dem Schluss kommen, dass sich dies nicht lohnt. Ich würde diesbezüglich die Behauptung treffen, dass sich schon jetzt diese Kosten/Nutzen-Betrachtung für Russland verschlechert.
Das Militärbudget Israels ist etwa halb so hoch wie das von Deutschland, Die gefühlte Sicherheit in Deutschland ist dafür umgekehrt proportional niedrig. Warum schaffen wir nicht, was Israel schafft mit weniger Geld? Empfehlung an die Politik, schaut nach Israel.
Interessant wäre es nun, einen Index für die militärische Stärke eines Staates zu entwickeln und ihn in Relation zu den entsprechenden Ausgaben zu setzen. Spontan fällt auf, dass Deutschland deutlich größere Ausgaben hat als z.B. Großbritannien und Frankreich, die mit weniger Geld u.a. nukleare Bewaffnung, nuklear betriebene Flugzeugträger und U-Boote und eine globale militärische Präsenz finanzieren, oder auch als Israel, das neben seiner nuklearen Bewaffnung seit drei Jahren Krieg führt und nur dabei deutlich weniger Geld braucht als Deutschland.
Ich finde solche Aussagen wie höchste Ausgaben aller Zeiten immer schwierig.
Ein paar Punkte spricht der Artikel selbst an. Zum Beispiel, das Kosten aus strategischen Gründen künstlich hochgerechnet werden oder das in manchen Haushalten Ausgaben für Rüstung unter Zivilschutz oder allg. Forschung fallen.
Daneben haben die meisten Staaten ein Inflationsziel größer Null. Damit würde selbst wenn alle Ausgaben Prozentual gleich bleiben, die Summen steigen.
Wichtiger sind Indikatoren wie Prozent vom Gesamthaushalt, als reine Zahlenwerte.
Dann wäre wichtig, wie sich das Geld verteilt.
Personalkosten ehemalige / aktive Beschäftigte
Kosten für Betrieb, Kosten für Neubeschaffung Munition/Gerät
Kosten für Forschung.
Am Ende noch Vergleich Anzahl Kampftruppen damals zu heute, vor allem in Bezug auf verfügbare Personenzahl 18 bis 45 in der Gesellschaft.
Wenn man viel für ehemalige und laufenden Betrieb ausgibt und kaum Kampftruppen und Geräte + Munition hat, dann würde ich nicht unbedingt von massiver Aufrüstung sprechen.
Die Schlagzeile Ausgaben für Rüstung so hoch wie noch nie ist für mich daher erstmal eher Klick Bait Schlagzeile als brauchbare Information (explizit nicht auf dieses Blog bezogen, da er kein Geld über Seitenaufrufe generiert).
Hier der direkte Link zum pdf ohne Umwege:
https://www.sipri.org/sites/default/files/2026-04/2604_milex_2025.pdf
Hier wird an manchen Stellen die aktuelle Kampfkraft mit den Ausgaben in 2025 verglichen. Das kann aber nicht funktionieren. Wenn man schon die militärische Stärke vergleichen möchte, dann bitte anhand der in letzen 30 Jahren getätigten Ausgaben.
@Christian Bühring
„Das Militärbudget Israels ist etwa halb so hoch wie das von Deutschland, Die gefühlte Sicherheit in Deutschland ist dafür umgekehrt proportional niedrig. “
Bitte was?
Ich fühle mich in Deutschland sehr sicher und musste noch nie die Kinder an die Hand nehmen und in einen Bunker rennen. In Israel ist das schon länger Alltag. Ich habe viele Israelis getroffen, die überlegt haben, in welchem Land sie lieber sicher ihre Kinder aufziehen können (Deutschland war meistens als Option nicht dabei, aber aus speziellen anderen Gründen).
Sie meinen Israel hat mehr militärische Schlagkraft für das was sie ausgeben? Ja, kein Wunder, weil sie von Anfang an ums Überleben kämpfen, dass schafft ein anderes Mindset als was sich Deutschland mit der Bundeswehr und ihrem Wasserkopf leisten kann. Aber von dem wie Israel außerhalb seiner Grenzen agiert, insbesondere in den letzten Jahren, möchte ich mir keine Inspiration holen. Meine gefühlte Sicherheit würde jedenfalls dann sinken.
Die Einordnung des Ukrainekrieges als primären Treiber weltweit steigender Verteidigungsausgaben greift aus meiner Sicht analytisch zu kurz.
Der Krieg wirkt eher als Beschleuniger bereits bestehender sicherheitspolitischer Entwicklungen. In Europa hat er vor allem strukturelle Defizite offengelegt, insbesondere bei Munitionsvorräten, Luftverteidigung, Einsatzbereitschaft und industriellen Produktionskapazitäten.
Der langfristig bedeutendere geopolitische Faktor ist aus meiner Sicht jedoch China. Russland stellt zweifellos eine unmittelbare sicherheitspolitische Herausforderung für Europa dar, verfügt jedoch im Vergleich zu China über deutlich begrenztere wirtschaftliche, technologische und industrielle Ressourcen.
China hingegen kombiniert wirtschaftliche Stärke mit erheblichen Fortschritten in strategisch relevanten Zukunftsfeldern wie Künstlicher Intelligenz, Robotik, autonomen Systemen und industrieller Skalierungsfähigkeit. Diese Faktoren erhöhen langfristig das strategische Gewicht Chinas erheblich.
Hinzu kommt die bestehende Abhängigkeit Europas von chinesischen Lieferketten in kritischen Bereichen, darunter Rohstoffe, industrielle Vorprodukte und technologische Komponenten. Diese Abhängigkeiten stellen im Falle geopolitischer Eskalationen ein erhebliches strategisches Risiko dar.
Darüber hinaus tragen auch die zunehmende Systemrivalität zwischen den USA und China im Indo Pazifik sowie regionale Konflikte in anderen Weltregionen zur globalen Erhöhung von Verteidigungsausgaben bei.
Der Ukrainekrieg hat diese Entwicklungen beschleunigt und sichtbarer gemacht, er ist jedoch nicht deren alleinige Ursache.
@Christian Bühring (google): Ich glaube nicht, dass die moderne deutsche Gesellschaft bereit ist, die Einschränkungen und Opfer zu akzeptieren, die es Israel ermöglichen, seinen Kampfgeist aufrechtzuerhalten. Die Ausweitung der militärtechnischen Zusammenarbeit verschafft uns jedoch Zeit und Geld. Regards…
@Nachhaltig
Es müssen aber auch die (noch vorhandenen) Fähigkeiten betrachtet werden. So hat die Bw zwar einen großen Etat aber eben kaum Fähigkeiten bei der Flugabwehr; und EloKa, ABC Abwehr und Pio (river crossing) sind deutlich eingeschränkt.
@Christian Bühring 27.04.2026 um 13:58 Uhr
> Die gefühlte Sicherheit in Deutschland ist dafür umgekehrt proportional niedrig.
Mit solchen Sätzen begeben Sie sich in den Sumpf verbaler Agitation. Wer mit „gefühlter Sicherheit“ laboriert, der bevorzugt auch die Verwendung von „gefühlter Temperatur“ im Wetterbericht.
Versuchen Sie doch mal die „gefühlte Sicherheit“ zu operationalisieren und damit messbar zu machen, um zu verstehen wovon Sie reden.
@ Thomas Melber:
„Es müssen aber auch die (noch vorhandenen) Fähigkeiten betrachtet werden. So hat die Bw zwar einen großen Etat aber eben kaum Fähigkeiten bei der Flugabwehr; und EloKa, ABC Abwehr und Pio (river crossing) sind deutlich eingeschränkt.“
Ihre Aussage ist genau das was ich meine. Dass wir kaum Fähigkeiten bei der Flugabwehr, etc. haben ist doch genau die Folge dessen, dass wir dort 30 Jahre lang nicht investiert haben. 2025 dagegen sind bereits Mittel für Arrow3 abgeflossen. Erste ausgelieferte Komponenten für die neuen Patriot Systeme hat es auch gegeben. Die erste Feuereinheit bei IRIS-T SLM System wurde aber leider erst dieses Jahr übergeben. Noch länger dauern leider die Skyranger-Auslieferungen. Die ersten neuen Eurofighter könnte man im weistesten Sinne auch in diese Kategorie einordnen. Da geht die Lieferung ebenfalls dieses Jahr los. Ob schon Anzahlungen bei all den Verträgen geleistet wurden, die 2025 zwar geschlossen wurden aber noch nicht zur Auslieferung kommen, weiß ich nicht. Ich vermute aber, dass allein dieses Jahr wahrscheinlich mehr Geld für die Luftverteidigung ausgegeben wird als in den Jahren 2014- 2023 zusammen.
Angesichts der Kooperation zwischen den israelischen und deutschen Luftstreitkräften sind die israelischen Erfahrungen und bewährten Lösungen für die F-35 von unschätzbarem Wert. Gleiches gilt für die in Kiel gebauten U-Boote der Dakar-Klasse, falls Deutschlands Sicherheit eigene strategische Ressourcen erfordert. Und so weiter…