Neue Rechtsextremismus-Vorwürfe gegen das KSK – aus den eigenen Reihen (Nachtrag: AKK sieht „Mauer des Schweigens“ durchbrochen)

Gegen das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr sind neue, massive Rechtsextremismus-Vorwürfe erhoben worden – aus den eigenen Reihen der Eliteeinheit. Ein Hauptmann des Kommandos habe sich in einem umfassenden Schreiben direkt an die Leitung des Verteidigungsministeriums gewandt, berichtet der Spiegel. Das Ministerium selbst bestätigte lediglich, dass ein Schreiben zum Thema KSK eingegangen sei.

Nach Angaben des Spiegels beschreibt der Offizier in einem zwölfseiten Brief, wie innerhalb des Verbandes rechtsextreme Tendenzen geduldet und gezielt vertuscht würden. Hinweise auf Extremisten in den eigenen Reihen würden intern zwar wahrgenommen, aber aus unterschiedlicher Motivlage kollektiv ignoriert oder gar toleriert.

Bereits in der Ausbildung würden Meldungen über rechtsextreme Kameraden unterbunden, zitiert das Magazin aus dem Schreiben. Dabei  werde eine Hörigkeit anerzogen, „die mit den Grenzen von Befehl und Gehorsam nach Maßstäben der Bundeswehr als unvereinbar zu bewerten“ seien. Das Training bringe einen Gehorsamkeitsanspruch mit sich, der  von Kommandosoldaten in Ausbildung bereits mit dem der Waffen-SS verglichen wurde. Zudem würden Disziplinarstrafen genutzt, um Soldaten und vor allem kritische Offiziere gefügig zu machen.

Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums bestätigte, dass im Ressort ein Schreiben zu rechtsextremistischen Vorfällen im KSK eingegegangen sei, ging jedoch nicht auf Einzelheiten ein. Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer fahre aber eine Null-Toleranz-Linie gegen solche Tendenzen, sagte die Sprecherin.

Das Kommando Spezialkräfte war in den vergangenen Jahren bereits durch rechtsextremistische Vorfälle aufgefallen und deswegen auch zu einem Arbeitsschwerpunkt des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) geworden. Nachdem Mitte Mai auf dem Privatgelände eines Oberstabsfeldwebels der Eliteeinheit Waffen, Munition und Sprengstoff entdeckt worden waren und der 45-jährige deshalb in Haft genommen wurde, hatte sich KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr in einem Brandbrief an seine Truppe gegen rechtsextremistische Tendenzen gewandt.

Ende Mai hatte Kramp-Karrenbauer eine hochrangige Arbeitsgruppe eingesetzt, die den Spezialkräfte-Verband auf strukturelle Probleme mit dem Extremismus durchleuchten soll. Die Task Force aus Staatssekretär Gerd Hoofe, Generalinspekteur Eberhard Zorn, Heeresinspekteur Alfons Mais und KSK-Kommandeur Kreitmayr soll bis zum Beginn der parlamentarischen Sommerpause Anfang Juli einen Bericht vorlegen.

Nachtrag: Am Freitagabend (KORREKTUR) veröffentlichte das Verteidigungsministerium dazu noch ein Zitat der Ministerin:

Endlich konnte die Mauer des Schweigens durchbrochen werden. Darauf haben wir mit harter Linie lange hingearbeitet.
Der betreffende Brief ist bereits in der ersten Sitzung der von mir einberufenen Arbeitsgruppe KSK besprochen worden. Jetzt geht es darum, die notwendigen Konsequenzen daraus zu erarbeiten.

(Archivbild Juni 2019: Soldaten des Kommandos Spezialkräfte seilen sich aus dem Hubschrauber H145M LUH SOF ab beim Vorüben für den Tag der Bundeswehr in Pfullendorf –  Jana Neumann/Bundeswehr)

159 Gedanken zu „Neue Rechtsextremismus-Vorwürfe gegen das KSK – aus den eigenen Reihen (Nachtrag: AKK sieht „Mauer des Schweigens“ durchbrochen)

  1. Zitat: „Zudem würden Disziplinarstrafen genutzt, um Soldaten und vor allem kritische Offiziere gefügig zu machen.“

    — Falls diese Vorwürfe zutreffen, ließe dieser Satz bei mir alle Alarmglocken schrillen. Es würde bedeuten, dass hier wirklich ein System vorherrscht, oder anders ausgedrückt: Es würde heißen, dass die beschuldigten Soldaten nicht KSK-Angehörige und Extremisten sind, sondern extremistische KSK-Angehörige. (Der kleine aber feine Unterschied sticht, so hoffe ich, ins Auge.)

    Als pragmatischer Zeitgenosse gehe ich eigentlich davon aus, dass es in jeder Stichprobe von Menschen gleich welchen Hintergrunds einen gewissen Prozentsatz extremistischen Gedankengutes gibt. Dies erscheint mir unvermeidbar und ist, ohne verharmlosen zu wollen, auch weniger problematisch, als es den Anschein haben mag, denn die Gesellschaft funktioniert ja dennoch.

    Aber von diesem Status Quo zu einem sich gegenseitig stützenden und schützenden System – das wäre eine gewaltige Eskalation! Trotzdem muss man abwarten, ob sich diese Vorwürfe erhärten, auch wenn dergleichen Umsicht heute unmodisch geworden ist.

  2. Klingt wirklich dramatisch. Ich hoffe, dass das nicht wirklich so ist, wie in den Medien kolportiert. Aber angesichts der bekanntgewordenen Fälle und des sich verdichtenden Bilds muss man wohl davon ausgehen, dass Wesentliches davon zutrifft. Da kann man sich als geneigter Beobachter schon an den Kopf fassen. Wie kann das über all die Jahre an den Kommandeuren vorbeigegangen sein? Mindestens ein Kommandeur der letzten Jahre war Kommandosoldat und seit Ende seines Studiums fast ausschließlich entweder im KSK oder in Verwendungen mit direktem Bezug zum KSK eingesetzt. Wie kann so jemand das nicht mitbekommen haben? Wenn es kein persönliches Versagen (bewusstes Wegschauen) ist, dann ist es strukturell oder ablauforganisatorisch bedingt oder hängt mit anderen institutionellen Faktoren zusammen und muss hier zu effektiven Konsequenzen führen. Da können einem wirklich all diejenigen, die voll und ganz für unsere Verfassung einstehen und all die Strapazen auf sich genommen haben, um beim KSK dazuzugehören, sehr leid tun. Sie müssen sich aber auch fragen lassen, ob sie nicht schon vorher etwas gesehen haben und zu oft die Augen verschlossen haben.

    Nach meiner Kenntnis ist hier insbesondere dieser Fall Daniel K. bemerkenswert. Ein offensichtlicher Rechtsextremist, der über Jahre bis hin zum Oberstleutnant aufsteigt und ja sogar an der verbandsinternen Personalauswahl zumindest mittelbar beteiligt war. Das geht gar nicht. Aber es findet ja kein Ende. In sozialen Medien fand ich letzte Woche den Verweis auf den Erfahrungsbericht eines ehemaligen Navy Seals, der ebenfalls nach 2001 mit dem KSK zusammenarbeitete: https://brandontylerwebb.com/wp-content/uploads/2020/03/The-Red-Circle-Brandon-Webb.pdf (hier S, 176-183, S. 189-191). Bereits darin wird beschrieben, dass offensichtlich alte Wehrmachtslieder gesungen wurden und im Gespräch bewusst Bezüge zur Wehrmacht geknüpft wurden. Die Tagesschau kam vorletzte Woche ja auch wieder mit einer weiteren Story zu einem offensichtlichen Rechtsextremen (siehe https://www.tagesschau.de/investigativ/swr/ksk-soldat-101.html ). Naja, wünsche viel Erfolg bei der Aufarbeitung.

  3. Zitat:
    „Es habe sich ein nicht auszutrocknender Sumpf innerhalb des KSK entwickelt, dieser sei „tief greifender und struktureller als derzeit im Ministerium bekannt sein dürfte“. Die Führung des KSK sei jedenfalls mit einer straffen Aufklärung „offenbar überfordert“.“

    So meine Herren Relativierer und Einzelfallbetrachter und kritische Stimmen, die behaupten man darf niemanden vorschnell verurteilen usw.

    Jetzt sind wir offenbar am Boden der bitteren Realität beim KSK angelangt. Diese Diskussion haben wir in den letzten 3 – 5 Jahren in gefühlt 10 -20 gleichartigen Threads mit den immer gleich verteilten Positionen hier im Blog geführt.

    Die Ministerin hat jetzt aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten .

    Entweder schonungslos mit externen Kräften unter dem Personal des Verbandes ausmisten und aufräumen oder den Verband auflösen.

    Ich persönlich bin der Meinung, nur eine Auflösung des KSK und eine Zerstreuung der geheimen Truppe in alle anderen Truppenteilen des Heeres bringt eine wirkliche Verbesserung. Sicherheitstechnisch können wir eine Auflösung des KSK bei den deutschen Ambitionen im internationen Spezialeinheitengeschäft verkraften !

  4. Spezialkräfte sind eine strategische Fähigkeit unseres Landes. Im gemeinsamen Einsätzen mit unseren Verbündeten haben sie meines Erachtens nach viel dafür getan, unsere militärische Reputation zu steigern – im Gegensatz zu unseren „Besenstiel“-Manövern und aufgeblähten National Support Elementen in „einigen“ Einsatzgebieten.

    Die Männer und Frauen des KSK sind mir persönlich als zutiefst entspannte und ausgeglichene Kameraden in Erinnerung geblieben.

    Inwieweit Operateure Grenzen überschritten haben, sind mir gleichwohl nur die medienwirksamen Beispiele bekannt, und ja, von der Bierbank meines Lieblingspub ist das ein Fall für eine verstärkte Dienstaufsicht.

    Aber „Hörigkeit“ und „Gehorsam“? Eher komplettes Vertrauen zum Team und Leistungsbereitschaft.

    Es wird dem Kommando schwerfallen, dieser Kampagne standzuhalten und sich nur auf die notwendigen und zweckmäßigen Reformen zu beschränken. Mit der Formel „Kämpfer“+ „Drohbriefe an das Darmstädter Signal“ + „vergrabene Sprengmittel und Munition“ verbunden mit den jüngsten „Waffen – SS“- Behauptungen des Hauptmanns ist in der Tat ein teuflischer Mix in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung entstanden. Ich hoffe bei den bevorstehenden Reformen auf Rückrat und Augenmaß.

  5. @ Georg sagt: 12.06.2020 um 17:48 Uhr
    „So meine Herren Relativierer und Einzelfallbetrachter und kritische Stimmen, die behaupten man darf niemanden vorschnell verurteilen usw.„

    Ganz falscher Ansatz!

    Jetzt (!) haben wir das erste mal einen Anhaltspunkt für ein tatsächlich systematisches Problem. Alles bisher war lediglich Ihre persönliche Spekulationen.

    Mal davon ausgehend, dass es kein anonymes Denunziationsschreiben ist und/oder persönlicher Groll gepflegt wird, können die zuständigen Stellen auf dieser Basis aufbauend weiter recherchieren und möglicherweise auch geeignete personaltechnische und ggf. organisatorische Maßnahmen ergreifen.

  6. KSK auflösen, neue Spezialkräftestrukturen schaffen! Verantwortliche Kommandeure zur Rechenschaft ziehen! KSK hat Brigadecharakter, was die disziplinäre Struktur betrifft. Es gibt dort Bataillonskommandeure für jeweils die Einsatzkräfte und die Kräfte der Unterstützung. Fehlt nur noch, dass die Bataillionsebene jetzt auch noch je einen Brief schreiben und sich medial in Szene zu setzten und sich de facto der Verantwortung zu entziehen. 12 Seiten von einem Offizier innerhalb! Da sprechen einige noch von mangelnden Möglichkeiten der Aufklärung? Wer sehen will kann sehen! Doch die Gruppe ist ja mit bisherigen Verantwortlichen des Heeres besetzt. Kann man bei Wiki nachlesen. Ja und der Herr Kommandant KSK ist doch seit 2 Jahren dort. Hat er als Disziplinarvorgesetzter nichts gesehen? Ist er nun überrascht? Fehlt nur noch der Kdr der DSK. Aber wahrscheinlich verfasst er gerade einen Brief. Oder gibt Interviews? Erklärt auch seine Betroffenheit und das er wie die Kommandeure des KSK völlig überrascht sind und von nichts wussten. Letzteres war Ironie. Es ist eigentlich nur traurig. Andere Worte würden hier im Blog sicher nicht zugelassen.

  7. Mit diesem Schreiben bestätigt sich meinen Eindruck des vollumfänglichen Versagens der Dienstaufsicht bzgl. Calw.
    Mir stellt sich jetzt insbesondere die Frage wie es um die Integrität und Zuverlässigkeit der ehemaligen Kommandeure, in nun teils höheren Verwendungen, bestimmt ist.

  8. Soweit die Medien den Inhalt des Briefes wiedergeben, enthält er keinerlei konkrete Hinweise auf bislang unbekannte rechtsextreme Vorfälle im KSK, sondern vage Mutmaßungen. Ein Beispiel: Die Pflicht des Soldaten zum Gehorsam ist im Soldatengesetz festgehalten. Inwieweit beim KSK davon mit rechtsextremem Kontext abgewichen wurde, bleibt trotz vager Andeutungen völlig offen. Es fällt zwar das Wort „Waffen-SS“, aber der Kontext bleibt unklar. Statt dessen wird suggeriert, dass ein Anspruch auf Gehorsam bereits irgendwie verdächtig sei. Ein solches Vorgehen trägt nicht zur Aufklärung bei, sondern eher zur weiteren Anheizung eines ohnehin schon aufgeheizten, pauschal gegen das KSK und die Bundeswehr gerichteten Meinungsklimas bei. Man muss daher die Frage nach den Motiven des Autors des Briefes stellen.

    [Im Gegensatz zu Ihrer Behauptung werden sehr wohl konkrete Beispiele genannt; einfach mal den verlinkten Spiegel-Text lesen. Man muss daher die Frage nach den Motiven für Ihren Kommentar stellen. T.W.]

  9. Spannend ist dabei ja auch die Frage, wieso der Hauptmann das Schreiben nicht an seinen General (oder noch die in oder andere Ebene tiefer) gesendet hat, sondern gleich ganz nach oben. Zumindest der General müsste nach seinem „Rundschreiben“ ja sehr empfänglich für alle Aufklärungsversuche sein…

  10. @Koffer

    Vollste Zustimmung. Ich weiß auch nicht, was sich die angeblichen Relativierer hier vorzuwerfen hätten. Die letzten Jahre sind überreif an Beispielen für falsche Anschuldigungen, gerne auch in Serie, die sich als völlig haltlos erwiesen – sowohl in den Streitkräften als auch in der Zivilgesellschaft.

    Und die Unschuldsvermutung ist keine Netiquette, sondern Bürgerpflicht. Vor einem rechtskräftigen Urteil davon abgehen kann man als unbeteiligter Beobachter nach meinem moralischen Empfinden erst dann, wenn die Beweislage keine anderen Schlüsse mehr zulässt – und selbst in dem Falle gilt sie formal weiter.

    Was das anlangt, kann man erst mit diesem Schreiben ein systematisches Versagen vermuten.

    [Ich bin jetzt etwas irritiert über die Aussage “ Die letzten Jahre sind überreif an Beispielen für falsche Anschuldigungen, gerne auch in Serie, die sich als völlig haltlos erwiesen“ – die vom Ministerium neulich aufgelistete (und hier wiedergegebene) Übersicht über Verfahren, Disziplinarmaßnahmen etc. beim KSK ist der Beleg für falsche und haltlose Anschuldigungen? T.W.]

  11. Es ist schwer vorstellbar, dass das Hintergrundbrummen solcher Zustände nicht auch nach außerhalb der Einheit gedrungen ist. Es müssen viel mehr zumindest eine Ahnung gehabt haben, denn so abgeschottet sind sie in Calw nun doch wieder nicht. Dass eine öffentliche Kontrolle, sicherlich aus einsatztaktischen Gründen gefehlt hat, hat ein übriges dazu beigetragen.
    Jetzt, auch wo die Vorwürfe auch so präsent an die Öffentlichkeit gedrungen ist, führt kein Weg mehr an effektiven und schnellen Maßnahmen vorbei. Maßnahmen, die schon lange überfällig sind. Dazu zählt auch die „Beweissicherung“, sprich Maßnahmen die dazu dienen, Verdunklungshandlungen und Vertuschungen vorzubeugen: Zeugenschutz!! ist besonders wichtig; Versetzen der Einheiten, nicht größer als Kompaniegröße, an andere Standorte; Austausch der Vorgesetzten; Durchsuchungen nach illegal gehorteten Waffen, auch wenn nur ein Anfangsverdacht besteht; Sicherstellung der IT-Technik; Datenlöschungen verhindern…….

  12. Mir fehlen die Worte. Wie kann es sein, dass sich ein Offizier der KSK direkt an das BMVg wendet. Es gibt Disziplinarvorgesetzte, aber denen wird offensichtlich nicht mehr vertraut. In jeder Kaserne hängt die Nummer des MAD aus (der sich bekanntermaßen mit der Angelegenheit befasst), aber die wird offenbar nicht genutzt.
    Ich hoffe, dass mindestens die Hälfte der in dem Schreiben enthaltenen Anschuldigungen nur böswillige Behauptungen eines sich nicht richtig wahrgenommen fühlenden Offiziers sind. Aber dann sind das immer noch viel zu viele.
    Ich habe bereits in einem Vorläuferthread festgestellt, dass die Auflösung der KSK keine Lösung ist. Aber wie bereits dort erwähnt, fällt mir keine bessere Lösung ein.
    Ich wiederhole mich: Mir fehlen die Worte!

  13. Ich finde die Informationspolitik seitens des BMVg in dieser Sache kommentierenswert (und welche sachlichen Schlüsse man daraus ziehen kann):

    Ein persönlicher Brief an die Leitungsebene des Hauses wird an die Presse weiter- und zur (teilweisen) Veröffentlichung freigegeben. Diese veröffentlicht daraus Informationen zum Autor, die ihn innerhalb der Einheit identifizierbar machen.
    Davon ausgehend, dass dies alles mit Einverständnis der handelnden Personen erfolgt, zeigt wie viel Druck im Kessel ist und dass das BMVg anscheinend keine Hoffnung mehr auf eine interne Aufarbeitung hat (genausowenig der Briefautor). Sonst hätte man doch nicht die öffentliche Guillotine auf den Verband herabsausen lassen. Eine grundlegende Umstrukturierung erscheint vor diesem Hintergrund nur noch eine Frage der Zeit.
    Trotzdem erschließt sich mir nicht direkt, warum dafür diese Veröffentlichung als notwendig/zielführend angesehen wird. Sind die Beharrungskräfte im konservativen Lager so stark, dass zu deren Überwindung erst ein Insiderbericht benötigt wird? Mit Blick auf den Kommentar von Koffer scheint diese Vermutung jedenfalls nicht abwegig.

    Hoffentlich ist das also keine AKK´sche Kommunikationspanne, von der es in der Vergangenheit einige gab…

    @Unreal: +1
    @Georg: Da hatten wir leider recht mit den Einschätzungen in den letzten Jahren.

    [Hm, wenn Sie noch den Beleg für Ihre Behauptung „Ein persönlicher Brief an die Leitungsebene des Hauses wird an die Presse weiter- und zur (teilweisen) Veröffentlichung freigegeben“ nachreichen würden? T.W.]

  14. @ muck sagt: 12.06.2020 um 17:37 Uhr
    Zitat: „Zudem würden Disziplinarstrafen genutzt, um Soldaten und vor allem kritische Offiziere gefügig zu machen.“
    „Falls diese Vorwürfe zutreffen, ließe dieser Satz bei mir alle Alarmglocken schrillen.“

    Das wird auch in anderen Verbänden und bei Thematiken die nicht in Verbindung mit Rechtsextremismus aber mit anderem Fehlverhalten stehen, gelegentlich versucht. Die Vorgehensweisen solche Soldatinnen/Soldaten „gefügig“ zu machen sind vielfältig.

  15. Ich habe mal eine Gruppe KSK-Leute eingeschifft an Bord einer Fregatte erlebt. Die Abschottung gegenüber dem Rest der Besatzung und das Getue um den Besonderheitsstatus sind mir unangenehm in Erinnerung.
    Ich meine, Deutschland braucht auch Spezialkräfte. Aber der aktuelle Laden gehört erst mal ganz, ganz hart abgeschafft und alle noch greifbaren ehemaligen Vorgesetzten gemaßregelt. Natürlich ist es kaum vorstellbar, dass sie nichts wussten.

  16. @Reiter90

    Wie kommen Sie darauf, dass es sich hierbei um eine Kampagne handelt. Wenn dem so wäre, dann würde die vom MAD und vom Kommandeur KSK angeführt werden. Das gauben Sie doch wirklich nicht, oder?

    Und warum der Hauptmann diesen Brief an das Ministerium geschickt hat und nicht den „offiziellenWeg“ eingehalten hat, wird aus den Zitaten im Spiegel ja ersichtlich. Wenn es ein strukturelles Haltungsproblem beim KSK gibt, dann helfen ihnen die normalem Beschwerdewege nicht.

  17. @T.W.:
    [Hm, wenn Sie noch den Beleg für Ihre Behauptung „Ein persönlicher Brief an die Leitungsebene des Hauses wird an die Presse weiter- und zur (teilweisen) Veröffentlichung freigegeben“ nachreichen würden? T.W.]

    Ich bin einfach mal davon ausgegangen, dass alle Beteiligten professionell gearbeitet haben. Solche Brandbriefe kursieren doch eigentlich nicht offen im gesamten BMVg. Und der Spiegel (bzw. Matthias Gebauer) würde – in meinen Augen – keine Sachen veröffentlichen, die eine Kompromittierung bzw. persönliche Gefährdung des Whistleblowers bedeuten.

    Aber vielleicht irre ich mich da, und die Wege des Herrn bzw. des Journalismus sind einfach unergründlich.

    (Meta-Ebene: Das sollte explizit KEIN Angriff auf die Arbeit von Journalisten sein! Ich gehöre nicht zu der Fraktion, die Journalisten als dunkle Gesellen und Geheimnisverräter einstuft. Und bitte um Entschuldigung, falls das anders angekommen ist.)

  18. Mit dem Verweis auf die Waffen-SS ist natürlich ein wunderbares Schlagwort in den Raum geworfen.
    Dennoch hat auch in der Bw jeder Vorgesetzte den Anspruch darauf, daß seine Befehle befolgt und ausgeführt werden, sofern diese rechtmäßig sind.
    Im weiteren Verlauf hoffe ich auf eine Aufklärung nach rechtsstaatlichen Verfahrens- und Rechtsgrundsätzen, bei denen es keine Vorverurteilungen gibt.
    Urteile werden in Deutschland von Gerichten gesprochen und sonst von niemandem.

  19. Der langjährige Leser dieses Blogs, der aufgrund fehlenden beruflichen Backgrounds im Militär-/Sicherheitsbereich die Kommentarfunktion bislang nur sehr sporadisch genutzt hat, steht mittlerweile mancher hier geäußerten Auffassung mit einer Mischung aus ungläubigem Staunen und Fassungslosigkeit gegenüber:
    „…Sicherheitstechnisch können wir eine Auflösung des KSK bei den deutschen Ambitionen im internationen Spezialeinheitengeschäft verkraften !…“ „…schonungslos ausmisten…“
    Man sollte vielleicht darüber nachdenken, ob nicht die Unterhaltung bewaffneter Streitkräfte angesichts solcher Grundeinstellungen generell unnütze Vergeudung öffentlicher Mittel ist, frei nach dem Motto „Lieber tot als Y-88“ (siehe oben verlinkter Spiegel-Artikel)

  20. @T.W.
    Wenn man juristische Kriterien anlegt (allein diese werden für die Aufarbeitung des Geschehens relevant sein), wird in den Medienberichten über den Brief praktisch kein konkreter Sachverhalt benannt. Es werden vorwiegend Meinungen und Mutmaßungen wiedergegeben, die auf subjektiven Wahrnehmungen des Autors des Briefes beruhen. Konkret wären im Gegensatz dazu z. B. solche Angaben gewesen: „Dienstgrad X ist nach eigener Aussage Mitglied der Gruppierung Y“, „Dienstgrad X äußerte am 01.01.2001 in Anwesenheit von Y und Z, dass ….“ oder „Dienstgrad Z trägt auf dem linken Unterarm eine Tätowierung, die ein verfassungsfeindliches Symbol zeigt.“ Die Qualität einer Aussage bemisst sich wesentlich daran, ob solche konkreten, nachprüfbaren Informationen darin enthalten sind. Dieses Kriterium wird hier nicht erfüllt.

  21. @T. Wiegold

    Ich habe @Georg’s Kritik so verstanden, dass seiner Ansicht nach die jetzt aus der Leserschaft eintrudelnden Reaktionen schon früher fällig gewesen wären, etwa als vor Jahren im Gefolge jenes ominösen Briefs an das „Darmstädter Signal“ die ersten Presseberichte über extremistische Umtriebe in Calw erschienen.

    Und dazu kann ich nur sagen: Wie @Koffer sehe ich das anders.

    Die Anschuldigung kann nicht das Ermittlungsergebnis und den Schuldspruch ersetzen – auch wenn ein gesellschaftliches Klima heraufzieht, wonach der Verdacht genügen soll, um über jemandem den Stab zu brechen.

    Und ganz abgesehen von der grundsätzlichen rechtsphilosophischen Erwägung, sehe ich mich in dieser Überzeugung durch die Beobachtung bestärkt, dass ebendieses Klima der Voreiligkeit in den letzten Jahren viele falsche Verdächtigungen, inkorrekte Behauptungen und haltlose Anschuldigungen hervorgebracht hat.

    Was die Zivilgesellschaft anbelangt, genügt es wohl, auf „Me Too“ hinzuweisen. In den Streitkräften hingegen reicht die Palette von einer erfundenen Vergewaltigung in einer Oldenburger Kaserne bis hin zu einem Gerichtsurteil, das dem Verteidigungsministerium untersagt, unwahre Behauptungen zu verbreiten.

    Gerade in Bezug auf die Bundeswehr bin ich sehr vorsichtig geworden, was die Presseberichterstattung angeht. Denn auf sie medial einzuschlagen ist en vogue. Für linke Medien ist die Bundeswehr eine rechtsextreme Gurkentruppe, für rechte Medien eine vaterlandslose Söldnerarmee im Dienste der „VSA“, und nach einhelliger Meinung besitzt sie kein fliegendes Flugzeug und keinen fahrtüchtigen Panzer. Das mag überspitzt formuliert sein, trifft aber den Tenor der Berichterstattung.

    Nicht zuletzt sind Pauschalurteile immer falsch, egal gegen wen sie sich richten.

  22. @Klaus, 19;26h

    Von der „Sause“ auf der Standortschießanlage (Verabschiedung KpChef) wird wohl das halbe KSK – zumindest im Bereich der Operateure – gewußt haben, das spricht sich doch herum bzw. war man selbst eingeladen und vor Ort.

  23. Es wäre wirklich interessant zu lesen was im gesamten Brief steht. Denn die Masse der im Spiegel aufgeführten Vorfälle ist ganz klar Daniel K. Zuzuordnen (er war ja für die Kommandoausbildung verantwortlich) und dieser wurde ja 2019 bereits aus dem KSK entfernt.

    Somit kann man nicht behaupten, dass da nicht gehandelt wurde.

    Die anderen Vorwürfe sind zumindest vermutlich Daniel K. zuzuordnen, da der schreitende Hptm, wenn seit 2018 beim KSK, seine Ausbildung zum Kommando noch nicht abgeschlossen haben kann.

    Deswegen wäre meiner Ansicht nach sehr interessant was da genau alles vorgeworfen wird und wem diese Vorwürfe zuzuordnen sind.

    @Alpha November
    Woher wollen Sie wissen, dass der besagte Hptm noch Angehöriger des KSK ist. Wenn er bspw. seine Ausbildungung dort nicht abschließen konnte (aus welchem Grund auch immer), dann wäre er kein Angehöriger des KSK mehr und der Kommandeuer des KSK wäre nicht mehr sein Vorgesetzter. Wenn ich das nicht überlesen habe, dann kann ich in dem Spiegel Bericht keinen eindeutigen Hinweis darauf finden, dass er derzeit noch bei KSK dient.

  24. @Michael Fabian
    Ok. Damit wissen wir jetzt auch was Sie in Staunen versetzt. Persönlich hoffe ich natürlich auf noch mehr Stimmen der „Gegenseite“.
    Achso, ich bin auch so einer.
    Da müsste ja nun wirklich was kommen…

  25. Da kann man nur an alle redlichen Angehörigen dieses Verbandes appellieren, in sich zu gehen: Wenn Ihnen das ein oder andere in der Vergangenheit nicht ganz koscher vorgekommen ist, dann sollte dieses Wissen jetzt unverzüglich an die zuständigen Stellen weitergetragen werden, um die schwarzen Schafe schnellstmöglich zu identifizieren. Alles andere führt dazu, dass sich die Angelegenheit nur noch länger hinzieht und die Reputation des Verbands länger beeinträchtigt. Der Geist ist aus der Flasche. Statt Briefe an die Verteidigungsministerin zu schreiben, scheint mir dafür allerdings in der derzeitigen Lage der Gang zum MAD zweckmäßiger. Die dortigen Kameraden sind auf solche Tipps aus der Truppe angewiesen.

  26. Mein Mann ist Berufssoldat und sagt mir, er würde sich als aktiver Soldat hier nicht äußern. Ich bin Zeitsoldat und habe nur noch wenig Restdienstzeit. Also mache ich es! Denn es beschäftigt uns, da wir in räumlicher Nähe stationiert sind und einige Soldaten und Beamte aus Calw kennen. Also. Hoffen wir wirklich auf konsequentes Durchgreifen? Oder werden wir nicht wieder hören, dass dies alles (bedauerliche) Einzelfälle sind. Die im BMVg bereits bewährte Methode des Kleinredens, der Verniedlichung, von zur Schau gestellter Betroffenheit haben wir schon oft erlebt. Allein die Besetzung der Arbeitsgruppe ist ein Witz. Allein 3 Heeresgenerale haben genug damit zu tun, ihr eigenes Wirken zu erklären. Teil in jetziger Zuständigkeit (InspHeer und Kdr KSK), teils in früheren Verwendungen. (war GI nicht Kdr DSK?). Die werden sich doch nicht selber in die Pfanne hauen. Die Karriere soll ja bestimmt für die jüngeren Generale noch weitergehen. Staatssekretäre haben genug Erfahrung Dinge im Nebel zu lassen (siehe ‚Freispruch‘ Frau VdL, Frau Suder). Na dann noch die Wehrbeauftragte, die jetzt mal richtig anpacken will. War ihr Vorgänger (auch SPD) denn blind? Ich sehe schon, wie im Kommando Heer und im BMVg nun alles versucht wird, da endlich mal Ruhe reinzubekommen. Aufklärung oder Verschleierung, was wird kommen?

  27. Ein Hauptmann, der seit 2018 dem KSK angehört, wobei sich sofort die Frage stellt, in welcher Funktion, der dazu offensichtlich als Offizier, damit als Vorgesetzter, Vorbild und Kamerad seine charakterliche Nichteignung durch die nachgewiesene Affäre mit einer Sanitätssoldatin bewiesen hat, dadurch sich selbst in das dienstliche Aus manöveriert hat, zeigt nun erneut seine charakterliche Schwäche, indem er als sogenannter “ Whistleblower “ , was nichts anderes als die zeitgerechte sprachliche Umschreibung für einen Verräter ist, nun kleingeistig, weil wohl beleidigt, indem er meint, sich auf diese Art und Weise an einem Elite – Verband rächen zu können, der nachweislich in etlichen Einsätzen unter schwierigsten Bedingungen auf Anweisung unseres Parlaments und damit im Interesse von uns allen tapfer und mutig gehandelt hat und das auch unter dem größten Opfer, welches ein Soldat geben kann, nämlich das eigene Leben. Hinzu kommt, dass es einen Dienstweg gibt, den man als Soldat einzuhalten hat.Und der Spiegel, bekannterweise das Politmedium einer bestimmten politischen Richtung, meint nun, dieses Pamphlet eines Ungeeigneten und Gescheiterten an den Herausforderungen eines Eliteverbandes zum Anlaß zu nehmen, ungeprüft dessen Vorwürfe, die ein Konglomerat aus derzeit untersuchten Vorwürfen und der Wahrnehmung dieses Gescheiterten bestehen, einfach zu übernehmen, weil diese so schön zu der politischen Einstellung des Spiegels und sowieso dessen negativen Einstellung zur Bundeswehr passt. Ist einfach nur erbärmlich, was Sie hier abliefern, verehrter Spiegel.

    [Ich lasse hier ein breites Meinungsspektrum zu, und es ist natürlich recht interessant, mal einen Einblick in die Gedankenwelt weit rechts außen zu werfen. Ansonsten ist Ihre Wortwahl entlarvend genug; wir haben den Einblick bekommen, vielen Dank, und den Rest sondern Sie anderswo ab. Ach so, lesen ist eine wichtige Kulturtechnik – das Statement der Ministerin oben im Nachtrag gehört dazu. T.W.]

  28. Über die Wahrnehmung auf Seiten unserer strategischen Wettbewerber ist hier noch nicht konkret geschrieben worden. Die Wahrnehmung dort kann nur folgende sein: Die politische, demokratisch legitimierte Führung der Bundesrepublik Deutschland kann sich auf einen Teil ihrer militärischen Führer und Unterführer NICHT verlassen. Und das ausgerechnet in Truppenteilen, die in allen Streitkräften das höchste Ansehen genießen: Spezialeinsatzkräfte und Kampftruppen des Feldheeres. Deswegen Schluss mit Nabelschau, nicht alles, was formal legal ist, ist auch legitim. Allein um der Welt klarzumachen, das Soldaten mit einem Nichtverhältnis zu ihrem Diensteid keine Platz in deutschen Streitkräften haben, ist diese Skandalnudel von Kommandoverband aufzulösen. Back to the Roots, daher Auftrag und Fähigkeitsprofil auf die treuen Kampfschwimmer übertragen.

  29. Wenn es schon so weit ist, dass dem KSK nur Disziplinarmaßnahmen gegen Offiziere bleiben, um diese auf KSK-Linie zu bringen, wird es höchste Zeit, dessen Strukturen nachhaltig zu zerschlagen. Eine KSK-Führung, die solche Zustände nicht bemerkt oder duldet, ist völlig fehlbesetzt.
    Ein KSK in diesem Zustand ist keine „strategische Fähigkeit“, wie gesagt wurde, sondern ein Schandfleck für eine dem Grundgesetz verpflichtete Bundeswehr.

  30. Ich äußere mich ob meines fehlenden Fachhintergrundes eigentlich nie aktiv hier, aber dies ist kein gewöhnlicher Anlass. Sollten die Anschuldigungen des Briefautors hier auch nur ansatzweise stimmen, kann ich nicht erkennen, wie das KSK in seiner aktuellen Form weiterbestehen könnte.
    Ich bin zwar überzeugt davon, dass ein Verband mit den Speziellen Fähigkeiten des KSK notwendig ist, allerdings muss man sich hier schon die Frage stellen, ob der (politische) Preis, den man hier bezahlt nicht zu hoch ist.
    Deshalb halte ich (neben einer nun absolut Notwendigen) Untersuchung des KSK i.S. der Forderung des Autors eine Disskussion über die Frage, wie man die möglicherweise durch Auflösung des Verbandes eingehenden Fähigkeitslücken füllen könnte.

  31. Zur Informationspolitik des Hauses:
    Derlei Dokumente fanden und finden immer einen Weg an die Presse, letztendlich wohl glücklicherweise, damit diese ihrem Ruf als „vierte – kontrollierende –
    Gewalt“ gerecht werden kann. Auffallend ist, dass bereits zu Zeiten von UvdL dieser Redakteur dieses Magazins dabei immer ganz vorn war.

    Zum KSK:
    @ SB63: genauso!
    Wie verzweifelt muss eigentlich ein Hptm sein, der sich an allen Vorgesetztenebenen vorbei umittelbar an die IBuK wendet? Man darf getrost unterstellen, dass er alle anderen – auch abseitigen – Wege kennt, einschließlich Wehrbeauftragter/MdB seines Wahlkreises/Strafanzeige.
    Als Verfechter der Gewaltenteilung und des Durchleuchtens jedweden Klüngels von außen, verstärkt durch die Vermutung, dass auch nunmehr wieder resortintern letztlich an diesem – in dieser inneren Verfassung abzulehnden – Großverband festgehalten wird, hoffe ich inständig, dass die Generalbundesanwaltschaft die strafrechtliche Seite an sich zieht. Der automatische Statusverlust bei rechtskräftiger Verurteilung zu mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe düfte hier die einzig angemessene Sanktion sein

  32. Nur noch soviel, Hr. Wiegold: Wenn Sie meine Kritk an dem Verhalten dieses Hauptmannes und am Spiegel als “ rechtsaussen “ diskreditieren, nun ja. Ich persönlich sehe das KSK nach wie vor als einen militärischen Verband, der vielfach in der Vergangenheit sich für unseren Staat und seiner freiheitlich demokratischen Grundordnung bis auf das Letzte konsequent eingesetzt hat. Wenn man nun meint. über diesen Verband ungeprüft aufgrund eines Pamphletes eines Einzelnen und dazu offensichtlich an den Herausforderungen desselbigen Gescheiterten brechen zu müssen, nun ja, das läßt tief blicken.

  33. @Uwe und sonstige Herren, die einer Auflösung des Kommandos das Wort reden.
    Bei restriktiver Umsetzung solch einer Entscheidung ist das KSK in Gänze aufzulösen, sein gesamtes Personal wegzuversetzen und die Nachwuchswerbung/-rekrutierung sofort zu beenden.
    Davon ausgehend, dass die Notwendigkeit der Existenz von Spezialkräften nicht bestritten wird, beginnt also irgendwann mit neuem Personal ein Neuanfang? Konsequenterweise liefe dies nicht am verbrannten Standort Calw.
    Wer aber sollte sich bei dem dann unterirdischen (!) Ruf solcher Kräfte dafür noch hergeben? Mit Befehlen funktioniert das nicht, nur über Freiwilligkeit können die bekannten Anforderungen physischer und psychischer Natur bewältigt werden.
    Ich behaupte, ein Unterfangen „alles zurück auf Null“ und dann komplett von vorn mit neuen Köpfen an anderem Standort wird nicht gelingen.

    Und selbst falls eine Truppe neu errichtet würde, nach frühestens 5 Jahren wäre KSK 2.0 (muss natürlich anders benannt werden) auf Niveau IOC.
    Das BAMAD hätte dazu vorab die wichtigste Funktion überhaupt inne: Verhinderung der Aufnahme für rechtsextremes Gedankengut anfälliger Bewerber.
    Kann dieser Ansatz mit absoluter Sicherheit Erfolg haben? Nein.
    Aufgrund der außerordentlichen Besonderheit der Aufgabe, der erforderlichen und fortlaufenden Einsätze mit anderen SOF und des Fehlens einer (zulässigen und intern akzeptierten) Traditionslinie wird im Ergebnis die Innere Lage im Kommando vergleichbar der jetzigen sein.
    Ein ausgeprägter Korpsgeist, ein ebensolches Elitebewusstsein – beides fordere ich ein, ist zwingend für ein Gelingen -, mit der Folge: es finden sich erneut Wirrköpfe mit abstrusen Ideen.
    Somit erwarte besser ich die Aufklärung im Jetzt, Ahndung/Bestrafung und Entlassung/Versetzung und dann – dem Kommando den Rücken stärken.
    Das ist dringend geboten.

  34. @ Christian Falk 12.06.2020 um 21:14 Uhr
    Na da hat ja jemand in seiner Enttäuschung und seiner Wut einen klaren Hinweis gegeben, wie in einigen Bereichen der Bundeswehr gedacht wird. T.W. hatte völlig Recht, diese entlarvende Meinungsäußerung zuzulassen. Da haben wir es, „Verräter“, „dieses Pamphlet eines Ungeeigneten und Gescheiterten“ uvm. Vor dem Hintergrund bereits bekannter Vorfälle, stärkt es meine Vermutung, wie bei einigen im KSK gedacht und abseits offizieller Aufritte gesprochen wird. Da haben wir einen guten Ansatz geliefert bekommen. Offiziell, wenn Dienstaufsicht kommt oder die Frau WB erscheint, „so“ – bei Themen FDGO schön auswendig gelernt und auch gern nach dem Mund reden – und wenn man glaubt unter sich zu sein, die Eingeweihten, die Kämpfer, die Krieger, die Echten, die „Geeigneten“, dann wird das wahrscheinlich ungefähr so rausgelassen, wie Herr Falk schreibt. Wahrscheinlich ist seine Einlassung noch eine milde Formulierung. Der Punkt ist doch, dass herausragende körperliche Leistungsfähigkeit und psychische Belastbarkeit nicht automatisch mit einer stabilen Haltung zu unserem Land und zur FDGO verbunden sind. Herausragende körperliche Leistungsfähigkeit und psychische Belastbarkeit verführt aber rasch zu einem seltsamen Elitebegriff. Doch Eliten alter Art braucht man nicht. Auch bei Bestehen einer strengen Auswahl gilt: Staatsbürger in Uniform. Bekenntnis zu unserem Land, zum Grundgesetz. Nebenbei, mit Blick auf SAS u.ä Einheiten gilt profesionelle Bescheidenheit als Merkmal. Es gibt wohl im KSK eine Lesart sich nach außen im Sinne der FDGO zu zeigen und wenn man unter sich ist, anders zu reden und zu handeln. Danke Herr Falk, für die, welche ernsthaft aufklären und verändern wollen, haben sie eine gute Steilvorlage geliefert. Ich hoffe, dass die Arbeitsgruppe und die WB sich nicht mit offiziellen Auftritten täuschen lassen.

  35. @ SB63

    Zitat: „Mir fehlen die Worte. Wie kann es sein, dass sich ein Offizier der KSK direkt an das BMVg wendet. Es gibt Disziplinarvorgesetzte, aber denen wird offensichtlich nicht mehr vertraut. In jeder Kaserne hängt die Nummer des MAD aus (der sich bekanntermaßen mit der Angelegenheit befasst), aber die wird offenbar nicht genutzt.“

    Sich an den Dienstweg halten ist wichtiger als rechtsextreme Verbindungen in einer Eliteeinheit aufdecken, oder ?

    @ Muck

    Bezüglich Daniel K. und Brief an OTL Rose des Darmstädter Signals in 2007

    Finden Sie es also normal, das ein Brief der als Morddrohung aufgefasst werden kann und wo eine Verschwörung von neuen Kräften in Deutschland angekündigt wird, mit einem einfachen Verweis diziplinar geregelt wird, der Hptm Daniel K. dann zum OTL befördert wird und nochmal 12 Jahre sein Unwesen im KSK betreiben durfte, bis zum endgültigen Rauswurf 2019 ?

    @ Koffer

    q.e.d. nach gefühlten 100 Diskussionen mit Ihnen wegen Rechtsextremismus in der Truppe

  36. Immer wieder unfassbar: ein, ja irgendein Vorwurf, keine Ermittlungen, nur Schilderungen eines Einzelnen. Und schon soll ein Verband aufgelöst werden?
    Wie war das noch mit
    -Haltungsproblem
    -Pole Dance Stange
    -dem anderen Rechts-Verpfeifer aka Whistleblower


    Nur weils einem in die Agenda passt (haben wir doch schon lange gesagt), wirds nicht richtiger.
    Auch auf die Gefahr hin, persönlich zu werden: „das besondere Getue der KSKs an Bord war mir unangenehm“. Wieder etwas, was so schön ins Raster passt.
    Spezialkräfte sind halt was besonderes und das ist von allen zu akzeptieren, die von deren Geschäft nichts verstehen.

  37. @ Manula

    Sie haben da einen interessanten Punkt angesprochen, denn die Causa KSK könnte in der Tat Eruptionen in der Riege der Arabeskenträger verursachen. Da wird bestimmt die ein oder andere Frage gestellt werden, und wenn es nur darum geht, wer wem was aufgrund welcher Kenntnis beurteilungsmäßig attestiert hat.

    Ansonsten hilft ein Blick ins Geschichtsbuch, da wurde die FschJgAusbKp 6/9 vom zuständigen Kommandierenden General aufgelöst, weil „die Ehre der Kompanie besudelt“ worden war. Man darf gespannt sein, was man heute macht (und ja, das KSK ist eine andere Hausnummer als eine AusbKp 1963).

  38. @ Thomas Melber

    Andre S. war lange Zeit der Koordinator (Pseudonym „Hannibal“), bzw. der Vorsitzende des Uniter e.V. Netzwerkes zu dem mehrere rechtsextreme Polizisten gehörten, u.a. der SEK-Mann aus Rostok. Also Andre S. als „Kronzeugen“, bzw. als Vertrauensperson, als „Informellen Mitarbeiter“ des MAD beim KSK zu machen, bedeutet den Bock zum Gärtner zu machen. Das bei einer solchen Vorgehensweise nichts heraus kommt ist klar.

    siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Uniter

  39. @ Wa-Ge sagt:
    12.06.2020 um 21:00 Uhr

    Wieder was gelernt – dieser Daniel K. , dieser Drohbrief-aus-der-Dumpfrechts/Reichsbürger-Ecke-Schreiber, wurde nicht nur TrpDst-OTL, sondern auch noch Chef der Ausbildungseinheit?

    Wusste ich nicht.

    Mir wurd grad etwas übel.

    Wer zur Hölle setzt so jemanden denn auf eine solche Funktion mit derartiger Multiplikatoren-Wirkung?

  40. M.Crais sagt: 12.06.2020 um 22:21 Uhr
    Ihr Kommentar zeigt nur eines an: Sie stellen sich auf die Seite eines Umfeldes, welches aufgrund bisher nicht bewiesener Beschuldigungen bzw. Unterstellungen eines Einzelnen, dessen dienstliches Verhalten den geforderten charakterlichen Merkmalen eines Offiziers nicht entspricht, den Stab über einen Eliteverband unserer Armee bricht. Und mir ist nicht bekannt, dass das KSK in der Öffentlichkeit unbescheiden und protzerisch auftritt. Das Gegenteil ist der Fall, allein, wenn man die Art der Auszeichnung gegenüber dem Oberstleutnant sieht, der damals die von den Taliban angegriffene deutsche Botschaft in Masar al Sharif mit seinen Soldaten freigekämpft hat und dabei Personal dieser usw. und sofort rettete. Ebenso die Unterstellungen mir gegenüber sprechen auch für sich. Tut mir leid, dass ich nicht in den Canon unreflektierter und pauschalisierender Beschuldigungen und Unterstellungen gegenüber einen Eliteverband unserer Armee mit einfalle. Da bin ich wohl nicht Zeit geistig genug.

  41. @Klaus-Peter Kaikowsky (KPK) 12.06.2020

    Auflösen geht natürlich. Mann muß es nur wollen. Bundeswehrreformen haben dies gezeigt, positiv und negativ. Der Schaden im Meinungsbild zum KSK ist schon so, dass man das also denken darf. Nicht nur im linken Spektrum. Militärisch sprechen wir von Fähigkeiten und Fähigkeitserhalt. Ein akutes Thema, Rettung deutscher Staatsbürger liegt auch in der Verantwortlichkeit der GSG 9. Diese hat erstaunliche Fähigkeiten, welche denen des KSK ähnlich sind. KSK kommt nur zum Zuge, wenn es militärische Rahmenbedingungen gibt. Mit Blick auf die USA darf erwähnt werden, dass auch maritime Spezialkräfte in allen Aufgabenfeldern der Spezialkräfte einsetzbar sind. Das haben sie mehrfach erfolgreich unter Beweis gestellt. Haben wir nicht Kampfschwimmer, zwar wenige aber bisher ohne Skandale? Dann kommt noch die in anderen Anmerkungen schon erwähnte Verortung im Heer, unter eine Division!! Diese kümmert sich kaum, in wichtigen Dingen spricht das Einsatzführungskommando und natürlich das BMVg. Kdr KSK ist zwar General aber ein Herrscher ohne Land. Musik, vor allem in Einsatzfragen und streitkräftegemeinsamer Weiterentwicklung spielt in Berlin und Potsdam. Also Fähigkeiten, modern und für die Zukunft, ohne Verstöße gegen FDGO, warum soll das nicht gehen? Da können wir einen großen Wurf wagen.

  42. @Carlo Masala
    Dass eine Kampagne gegen das KSK stattfindet, ist offensichtlich. Damit will ich ausdrücklich nicht sagen, dass dies bedeutet, dass alle Vorwürfe gegen einzelne Soldaten unbegründet sind. Einige der bestehenden Vorwürfe wurden ja bereits im Rahmen der für die Prüfung solcher Vorfälle vorgesehenen Abläufe bestätigt. Vor allem die letzte Verteidigungsministerin hat es aber geschickt verstanden, mittels dieses sehr öffentlichkeitswirksamen Themas nach dem Bekanntwerden des Falls Franco A. (der bis heute nicht aufgeklärt ist) von anderen Themen in ihrem Verantwortungsbereich abzulenken. Wie ich hörte, handelte es sich dabei um eine Vorgehensweise, die im Bereich Krisenkommunikation durchaus üblich ist.
    Der Hintergrund der aktuellen Kampagne dürfte etwas komplexer sein. Als treibende Kraft sehe ich hier die SPD, die populistische Stimmungsmache gegen Polizei und Bundeswehr als politisches Aktionsfeld entdeckt hat, wie nicht nur jüngste Personalentscheidungen, sondern auch Äußerungen der Parteispitze belegen. AKK steht jetzt unter Druck und wird vermutlich Stärke demonstrieren wollen, indem sie das KSK opfert. Hier wird zum Schaden der Sicherheit Deutschlands ein böses Spiel gespielt, in dem die Bundeswehr leider keine Verbündeten mehr in Politik und Gesellschaft hat.

  43. Ich hab‘ jetzt mal eine Botschaft an all die, die hier mit Aussagen wie „Kampagne gegen KSK offensichtlich“, Stimmungsmache der SPD, „unreflektierte und pauschalisierende Beschuldigungen und Unterstellungen gegenüber einen Eliteverband unserer Armee“ usw. unterwegs sind:

    Danke, es reicht. Vermutlich hat jemand dem Oberstabsfeldwebel den Sprengstoff in den Garten gelegt, und die von der Bundeswehr eingeleiteten Disziplinarverfahren sind auch nur politische Willkür, nehme ich an.

    Sie können eine Meinung haben. Aber Sie sollten nicht unterstellen, dass alle anderen hier blöd wären. So viel Verachtung gegenüber den anderen Lesern muss ich hier nicht zulassen.

  44. Sehr geehrter Herr Wiegold,
    diese Art der Moderation bringt uns auch nicht weiter. Sie dürfen annehmen, was sie wollen. Nur ist gefundener Sprengstoff was anderes als „Ich schreibe einen Brief an den IBUK“.

  45. Liebe Kommentatoren/innen,

    unabhängig von der eigentlichen Thematik stelle ich nach der Durchsicht der vorherigen Kommentare erleichtert fest, dass es in unseren Streitkräften aufrechte Demokraten gibt, die für demokratische Werte einstehen und diese auch artikuliert einfordern können. Vielen Dank dafür und vielen Dank dafür, dass Sie Ihren Diensteid ernst nehmen! Dies sage unabhängig davon, ob sich die hier konkret behandelten Anschuldigungen im Detail bewahrheiten werden oder nicht. Wir brauchen anständige Menschen in unseren Sicherheitsorganen und auch in deren Umfeld!

  46. @Klaus-Peter Kaikowsky (KPK) sagt:
    12.06.2020 um 22:20 Uhr […]

    Volle Zustimmung!

    Auch ich plädiere für schonungslose Aufklärung und Ahndung der Fälle – aber Auflösung des KSK? Wirklich?

    Und das bringt dann genau was?

    Einige hier scheinen so zu tun, als sei das KSK ein Nazi-Rockerclub. Auflösen, fertig.

    Ich weigere mich, die (wahrscheinlich) über 1000 militärischen und zivilen Angehörigen über einen Kamm zu scheren, weil es dort auch Verwirrte gibt.

    Beschämend sind zudem Suggestivaussagen á la „die Bundeswehrführung hat selbst Dreck am Stecken und versucht jetzt alles zu vertuschen“ oder „bei Dienstaufsicht machen die in Calw Bella Figura und danach werden wieder Schweinsköpfe geworfen“.

    Das hat wahrlich Dorfklatschniveau.

  47. @Georg sagt: 12.06.2020 um 22:23 Uhr
    „q.e.d. nach gefühlten 100 Diskussionen mit Ihnen wegen Rechtsextremismus in der Truppe“

    Ja in der Tat und gefühlt das erste Mal haben Sie Fakten auf Ihrer Seite (vorausgesetzt der Brief ist inhaltlich zutreffend) und nicht nur Spekulation und innere Abneigung.

    q.e.d.

  48. Eine schöne Diskussion hier in AG. Es macht Spaß der Schwarz-Weiß Diskussion hier zu folgen.

    1. Daß es Zufall ist, daß der Brief beim Spiegel landet, glaubt doch kein Mensch. Seit spätestens VDL war es immer wieder auffällig, was und wann Bild und Spiegel ihre Exklusivberichte und Skandalstories über die BW bringen. Daß kann nicht immer Zufall oder gute Recherche gewesen sei, sondern vor allem der Zeitpunkt, der so oft ins Konzept von VDL passte, lässt sich nur erklären, wenn das Ministerium absichtlich Briefe und Berichte durchsteckt. Es passt wie die Faust aufs Auge, daß es bisher (laut Ministerin) eine Mauer des Schweigens aus dem KSK gab und kaum wird die Mauer des Schweigens durchbrochen, feiert die Ministerin dies! Dies spricht einfach für eine gelenkte Aktion des Ministerium mit dieser Briefveröffentlichung. Das Ministerium oder der MAD kann damit meiner Meinung nach -seine Kampagne gegen das KSK rechtfertigen, die bisher auf schwachen Füßen stand. Sehr Herr, selbst ein Offizier des KSK sieht Rechtsextremismus im KSK.
    2. Bei so einer Kampagne gegen die KSK ist die Frage zu stellen, cuno bono, „wem zum Vorteil“ ist diese Kampagne. Der einzige Gewinner dieser Kampagne gegen die KSK bzw. die BW ist der MAD. Der hat bisher schon 700 Stellen(Bataillionsstärke) für den Kampf gegen Rechts bekommen und kann jetzt sicher auf weitere Stellen hoffen. Niemand spricht jetzt mehr über die Abschaffung des MAD, was Grüne und FDP jahrelang gefordert haben. So daß der MAD jetzt nicht mehr um seine Existenz fürchten muss, selbst wenn es nach der nächsten Wahl zu einer Jamaika-Koalition kommen sollte.
    3. Für die KSK geht es jetzt um die nackte Existenz. Dem KSK droht die Zerschlagung wegen ein paar Einzelfällen in der Truppe. Aber jedes Faß läuft mal über und der Bürger will auch mal wieder was anderes lesen, als jeden Tag einen neuen oder alten Skandal über die KSK. Wir leben in eine Rechtsstaat und damit ist jeder Einzelfall zu beweisen. Zwanzig Fälle von Rechtsextremismus wären für mich kein Grund, das KSK aufzulösen. Schuld ist immer etwas individuelles und muß in jedem Einzelfall in einem rechtsstaatlichen Verfahren nachgewiesen werden. Aber auch mir als Wehrmacht Apologeten und KSK-Fan werden die Fallzahlen langsam zu hoch und Kadavergehorsam hat in der Bundeswehr nichts zu suchen, weil es mit dem Leitbild des Staatsbürgerin in Uniform nicht vereinbar ist. Aber Kommandosoldaten brauchen wir weiterhin und eine populistische Zerschlagung des KSK würde zu einem Fähigkeitsverlust über Jahre führen.
    4. @Manula: Sie haben völlig Recht, daß die eingesetzte Kommission ein schlechter Witz ist. Ein Staatssekretär und ein paar Generale können eine Kommandotruppe nicht verändern, weil sie keine oder nur geringe Ahnung von dieser Truppe haben. Die Kommission ist eine politische Showveranstaltung, die die Probleme nicht lösen kann. Im Gegensatz zu Ihnen bin ich allerdings davon überzeugt, daß diesmal ernst gemacht wird – gerade auch nach dem hier diskutierten Brief. Ich gehe davon aus, daß in Zukunft jeder Soldat aus dem KSK entfernt wird, der auch nur konservativ sein könnte.
    5. @Carlo Masla: Das es eine gelenkte Kampagne ist, zeigt sich an dem öffentlichen Brandbrief des Kommandeurs schon, der ausgerechnet den MAD-Chef zitiert hat in seiner Brandrede, anstatt sich die Vorverurteilung des MAD gegen das KSK sich zu verbitten!
    6. @Christian Falk: Ich kann Ihnen nicht zustimmen. Ob der Hauptmann eine Affäre mit einer Sanitätssoldatin hat, ist in der Bundeswehr und für diesen Fall völlig unwichtig und eine Privatsache. In den USA wird eine hoher General eher gefeuert, weil er eine Affäre hat, als weil er einen Angriffskrieg führt. Aber diese amerikanische Doppelmoral(Sex schlimmer als Gewalt) müssen wir wirklich nicht übernehmen. Daß der Hauptmann gescheitert sein soll zu behaupten, ist ohne Belege oder Beweise, völlig haltlos und unkameradschaftlich.
    7. Das auftauchen des Totschlagargumtes „Waffen SS“ in dem Brief an das Ministerium ist verdächtig. Ich bezweifle, daß irgendein Angehöriger der BW tatsächlich in der Lage ist, die Ausbildung der Waffen SS mit dem KSK zu vergleichen, weil kaum noch jemand lebt, der in der Waffen-SS gedient hat.
    8. Die wichtigste Frage zum Rechtsextremismus im KSK muss doch sein, ob die Rechtsextremisten im KSK sich erst im KSK radikalisiert haben oder ob sie als Rechtsextremisten einfach durch das Auswahlverfahren schlüpfen konnten, weil die demokratische Gesinnung nicht überprüft wurde. Erst wenn diese Frage geklärt ist, können tatsächliche Konsequenzen für die Ausbildung zum Kommandosoldaten gezogen werden.

  49. Was geht hier eigentlich ab? Es gibt ein Pronblem in einem Verband der Bundeswehr. Das Problem muss selbstverständlich sachlich und rechtlich einwandfrei gelöst werden. Dafür gibt es verantwortliche Vorgesetzte bis hin zur Ministerin. Also, laßt sie mal das Problem angehen! Was hilft das aufgeregte „Geschnatter“ in dieser Runde zur Problemlösung?

    Immer mehr denke ich, dass das große Problem unserer Zeit die sozialen Medien und Blogs sind. Probleme werden nicht mehr sachlich dort gelöst wo sie hingehören und wo die Kompetenz zur Problöemlösung sitzt. Stattdesessen entwickelt sich eine aufgeregte Debatte zwischen informierten und nicht informierten Debattierenden welche die Entscheidungsträger – in diesem Fall die Leitung der Bundeswehr- unter Handlungsdruck setzen und zu eventuell vorschnellen Äußerungen und Maßnahmen zwingen. Am Ende schadet das natürlich einem sachlichen und problemorientierten Lösungsweg.

    Aber ich gebe es auf, daran zu glauben, dass ich mit dieser Meinung auch nur eine kleine Minderheit überzeugen könnte. Man will eben heute die „action“, die Sensation, das Spektakuläre. Eigentliche Problemlösungsvorschläge sind völlig egal geworden. Hauptsache man hat einen „Tagessieg“ im „social media“ – Wettbewerb erreicht. Probleme werden dadurch aber nicht gelöst.

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