Neue Rechtsextremismus-Vorwürfe gegen das KSK – aus den eigenen Reihen (Nachtrag: AKK sieht „Mauer des Schweigens“ durchbrochen)

Gegen das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr sind neue, massive Rechtsextremismus-Vorwürfe erhoben worden – aus den eigenen Reihen der Eliteeinheit. Ein Hauptmann des Kommandos habe sich in einem umfassenden Schreiben direkt an die Leitung des Verteidigungsministeriums gewandt, berichtet der Spiegel. Das Ministerium selbst bestätigte lediglich, dass ein Schreiben zum Thema KSK eingegangen sei.

Nach Angaben des Spiegels beschreibt der Offizier in einem zwölfseiten Brief, wie innerhalb des Verbandes rechtsextreme Tendenzen geduldet und gezielt vertuscht würden. Hinweise auf Extremisten in den eigenen Reihen würden intern zwar wahrgenommen, aber aus unterschiedlicher Motivlage kollektiv ignoriert oder gar toleriert.

Bereits in der Ausbildung würden Meldungen über rechtsextreme Kameraden unterbunden, zitiert das Magazin aus dem Schreiben. Dabei  werde eine Hörigkeit anerzogen, „die mit den Grenzen von Befehl und Gehorsam nach Maßstäben der Bundeswehr als unvereinbar zu bewerten“ seien. Das Training bringe einen Gehorsamkeitsanspruch mit sich, der  von Kommandosoldaten in Ausbildung bereits mit dem der Waffen-SS verglichen wurde. Zudem würden Disziplinarstrafen genutzt, um Soldaten und vor allem kritische Offiziere gefügig zu machen.

Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums bestätigte, dass im Ressort ein Schreiben zu rechtsextremistischen Vorfällen im KSK eingegegangen sei, ging jedoch nicht auf Einzelheiten ein. Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer fahre aber eine Null-Toleranz-Linie gegen solche Tendenzen, sagte die Sprecherin.

Das Kommando Spezialkräfte war in den vergangenen Jahren bereits durch rechtsextremistische Vorfälle aufgefallen und deswegen auch zu einem Arbeitsschwerpunkt des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) geworden. Nachdem Mitte Mai auf dem Privatgelände eines Oberstabsfeldwebels der Eliteeinheit Waffen, Munition und Sprengstoff entdeckt worden waren und der 45-jährige deshalb in Haft genommen wurde, hatte sich KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr in einem Brandbrief an seine Truppe gegen rechtsextremistische Tendenzen gewandt.

Ende Mai hatte Kramp-Karrenbauer eine hochrangige Arbeitsgruppe eingesetzt, die den Spezialkräfte-Verband auf strukturelle Probleme mit dem Extremismus durchleuchten soll. Die Task Force aus Staatssekretär Gerd Hoofe, Generalinspekteur Eberhard Zorn, Heeresinspekteur Alfons Mais und KSK-Kommandeur Kreitmayr soll bis zum Beginn der parlamentarischen Sommerpause Anfang Juli einen Bericht vorlegen.

Nachtrag: Am Freitagabend (KORREKTUR) veröffentlichte das Verteidigungsministerium dazu noch ein Zitat der Ministerin:

Endlich konnte die Mauer des Schweigens durchbrochen werden. Darauf haben wir mit harter Linie lange hingearbeitet.
Der betreffende Brief ist bereits in der ersten Sitzung der von mir einberufenen Arbeitsgruppe KSK besprochen worden. Jetzt geht es darum, die notwendigen Konsequenzen daraus zu erarbeiten.

(Archivbild Juni 2019: Soldaten des Kommandos Spezialkräfte seilen sich aus dem Hubschrauber H145M LUH SOF ab beim Vorüben für den Tag der Bundeswehr in Pfullendorf –  Jana Neumann/Bundeswehr)

159 Gedanken zu „Neue Rechtsextremismus-Vorwürfe gegen das KSK – aus den eigenen Reihen (Nachtrag: AKK sieht „Mauer des Schweigens“ durchbrochen)

  1. @ Koffer

    „ es ging nicht anders. Der gewünschte Personalaufwuchs auf 4+ KdoKp in den 2000er war nicht anders zu bewerkstelligen“

    Naja, alternativlos ist doch nichts – Ansätze wie zum Beispiel
    – eben weniger KdoKp aufstellen (muss man wirklich genau so gross bzw. grösser als der aktive SAS werden..?)
    – Durchfallquote verringern durch besseren Aufbau phys./psych. Konstitution oder effizienteres „Recyceln“ von Durchfallern

    hätten ja die KdoFwAnw-Nummer entbehrlich gemacht.

  2. „Koffer sagt:
    16.06.2020 um 7:40 Uhr
    @Georg sagt: 15.06.2020 um 23:31 Uhr
    Bis zum Schluss dachte ich „Ein interessanter Kommentar. Nicht alles meine Meinung, aber sachlich und bedenkenswert.“

    Aber Sie konnten es nicht lassen am Ende dann doch mit einer persönlichen und unsachlichen Spitze zu Enden, oder?!„

    Warum unsachlich? Diese persönliche Einschätzung dürfte durchaus auch zutreffend sein. So meine persönliche Meinung. ;-)
    Der sachliche Beitrag von Georg findet doch einen logischen Abschluss. Für mich auf jeden Fall.

  3. @ Koffer

    Zitat:
    „“@Georg sagt: 15.06.2020 um 23:31 Uhr
    Bis zum Schluss dachte ich „Ein interessanter Kommentar. Nicht alles meine Meinung, aber sachlich und bedenkenswert.“
    Aber Sie konnten es nicht lassen am Ende dann doch mit einer persönlichen und unsachlichen Spitze zu Enden, oder?!“

    Dann schauen wir uns den besagten Satz doch mal an, der da lautete:
    „Man ist so elitär, dass man meint sich außerhalb der Verfassung bewegen zu können.“

    Als zusammenfassende mögliche ( ! ) Bewertung der inneren Verfasstheit des KSK und als Spitze in der lfd. Diskussion gedacht.

    Was geht in der Masse der Köpfe der Kdo-Soldaten vor ?

    Wie kommen sie damit klar ihre Höchstleistungen, die sie an die Grenzen der mentalen und körperlichen Leistungsfähigkeit führen, unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit aber für die Allgemeinheit erbringen zu müssen ?
    Wo ist die Studie des sozialwissentschaftlichen Institutes der Bw, die die innere Verfasstheit des KSK durch umfangreiche anonymisierte Interviews der Kdo-Soldaten dokumentiert hat ?

    Wo sind die eventuellen Berichte von pyscho-sozialen fachärztlichen Untersuchungsstellen der Bw-Krankenhäusern über Kdo-Soldaten die diesen Druck, diesen Spagat zwischen elitären Leistungsanspruch bei gleichzeitiger Geheimhaltung und damit wenig sozialer Anerkennung von der Gesellschaft (z.B. im Gegensatz zur GSG 9 Truppe nach Mogadischu) nicht standgehalten haben ? Die aufgrund ihrer Einsätze posttraumatische Belastungsstörungen erlitten haben oder deren selbstgewählte Kompensationsmaßnahmen im täglichen Dienstbetrieb, wie Flucht in die innere Isolation, Abschottung von der Gesellschaft, Aufbau einer eigenen Werteordnung beschreiben ?

    Diese ganzen Fragen kann man durch eine Spitze in der Diskussion anschieben – allein die Antworten fehlen bis heute nach 15 Jahren Diskussion über die innere Verfasstheit von deutschen Spezialkräften.

  4. @daniel furth

    ++

    Es gibt Menschen, die sich seit Jahren damit befassen, wie sich rechtsextreme Haltungen verbreiten. Wer jetzt eher linken Soziologen und antifa Aktivisten nicht traut, kann das auch 1 zu 1 den Publikationen aus schnellroda und den Äußerungen von kubitscheck und kositza entnehmen. Daniel Furth zeichnet genau das hier nach, aus eigenem erleben. Und es gibt tatsächlich „Experten“ für Radikalisierung hier, die die wahnwitzigsten Ausreden finden. Es ist zu heulen.

  5. Einfach schade alles. Schade unnötig und blöd.

    Mir tut es einfach leid für die Soldaten die dort mit guten und ehrenhaften Ambitionen hingehen. Wirklich alles geben um dabei zu sein und sich dann mit sowas beschäftigen müssen. Das muss dringend geklärt werden.

    Es braucht einfach mal ein paar positve Nachrichten. Warum kann nicht mal was von Einsätzen veröffentlicht werden wo etwas gut gelaufen ist? Spielt ja keine Rolle, wenn diese schon länger her sind. A la Bravo two zero -SAS, oder Operation Red Wings – SEALS. Das war 2005, aber steigert das Ansehen der Truppe für Immer.
    Nein, das KSK ist mit so einem Schmutz in den Medien. Es ist einfach traurig. Und es wird das KSK letztlich auch viele geeignete Bewerber kosten die sich jetzt sagen, zu dieser Truppe möchte ich dann doch nicht gehören.

  6. @Georg

    Sie lesen auch nur das was sie auch lesen wollen. Habe ich irgendwelche Straftaten verherrlicht oder gar klein geredet?

    Nur weil ich mich sträube einen Verband unter Generalverdacht zu stellen, um schlussendlich aus einer moralisch höheren Position zu argumentieren heißt das nicht dass ich diesen Komplex mit einer rosaroten Brille betrachte. Und ich bleibe bei meiner Aussage, sollte es im KSK systemische Gründe für die Vielzahl von Fällen geben, dann muss mit allen dienst- und strafrechtlichen Mitteln der Hammer kreisen. Sollte es allerdings eine gut vernetzte kleine Gruppe sein, dann widerspricht es meinem Rechtsverständnis mal eben 1000 Soldaten in einen Topf zu werfen und pauschalisierend und vorverurteilend alle in dieselbe Ecke zu stellen.

    Zumal der von ihnen angeführte Fall mit dem Diebstahl von Sprengstoff und Munition überaus brisant ist, da hier eine Mittäterschaft zu VERMUTEN ist, da sowohl beim Transport als auch beim Schießen/Sprengen selber die Buchführung und Nachweispflicht bundeswehrweit zurecht sehr penibel ist.

    Also hören sie auf jedes Gegenargument als stumpfen Selbstverteidigungsreflex zu werten und akzeptieren sie andere Ansichten von Kommentatoren, die nicht in dasselbe Horn wie sie blasen.

    @Bundesbürger

    Irgendwie erschließt sich mir ihr Kommentar nicht, da ich damit keine Pauschalkritik äußern wollte, sondern lediglich hanebüchene Gedanken wie das Auflösen des KSK samt Übertragung der Aufgaben an die GSG9 adressieren wollte. Wahrscheinlich hätte ich mich konkreter ausdrücken müssen.

  7. @ Goaty sagt:
    16.06.2020 um 16:45 Uhr
    Einfach schade alles. Schade unnötig und blöd.

    Stimmt. Aber viel zu lange unterdrückt. Aus Gründen. Nun ist das berühmte Fass aber am Ende (der Geduld) angekommen.
    Gerade um rechtzeitig die Kurve noch zu bekommen , ist eine sachliche Aufarbeitung dringend notwendig.

    Szenario: einem geeignetem KSK Anwärter wird erst im Laufe der Ausbildung klar, dass er in fragwürdigen Traditionsvorstellungen zum Kommandosoldaten aufwächst. Hat er dann den Mut, aufzugeben oder macht er weiter?
    Der Hptm-Brief an die Ministerin ist einzigartig und belegt meinen Gedanken.

  8. @Georg sagt: 15.06.2020 um 23:47 Uhr
    „Sie wollen mir erzählen, dass ein KpChef einer wichtigen Einheit wie einer Kdo-Kp des KSK nicht ohne Angabe von Gründen vesetzt werden kann ?“

    Richtig. Das wäre rechtswidrig.

    Sie können zwar Soldaten in Führungsverwendung wegen Inkompetenz oder wegen gestörtem Vertrauensverhältnis oder in besonders heftigen Fällen sogar wegen „persönlichen Spannungen“ versetzten, aber es muss sachlich begründet sein und einer gerichtlichen Nachprüfung stand halten.

    Und wie ich schon vor einigen Kommentaren schrieb: wenn man am Ende einer Lagefeststellung und Bewertung zum Ergebnis kommt, dass eine Ablösung notwendig ist, dann ist das nicht nur zulässig, sondern möglicherweise sogar geboten.

    Aber es kann halt nicht willkürlich und überhastet geschehen.

    @Georg sagt: 16.06.2020 um 10:25 Uhr
    „Diese ganzen Fragen kann man durch eine Spitze in der Diskussion anschieben – allein die Antworten fehlen bis heute nach 15 Jahren Diskussion über die innere Verfasstheit von deutschen Spezialkräften.“

    Ja, oder man kann diese Diskussion auch ohne Spitzen und Provokationen sachlich und zielorientiert führen.

    @Landmatrose3000 sagt: 16.06.2020 um 10:15 Uhr
    „Naja, alternativlos ist doch nichts – Ansätze wie zum Beispiel
    – eben weniger KdoKp aufstellen (muss man wirklich genau so gross bzw. grösser als der aktive SAS werden..?)
    – Durchfallquote verringern durch besseren Aufbau phys./psych. Konstitution oder effizienteres „Recyceln“ von Durchfallern“

    Das erste (weniger KdoKp) war nicht gewünscht (Vorgabe militärischer Führung und politischer Leitung) und das zweite war genau der Ansatz der KdoFwAnw/FschJgFwAnw-Modells.

  9. Hierzu einmal meine ganz persönliche Sicht der Dinge.

    Der Fall des Herrn Hauptmann scheint sich ja schon etwas länger zu ziehen. Die Umstände die dazu führten, entziehen sich meiner genauen Kenntnis und sind dadurch in meine Bewertung nicht eingeflossen.
    Was mich aber genau jetzt (nicht das erste mal) wundert, ist die Tatsache das genau zu einem Zeitpunkt wo ohnehin der gesamte Verband aufgrund diverser anderer Anschuldigungen (ohne hier wieder alles zu benennen!) „Verdächtig“ ist, genau dieses Schreiben auftaucht.
    Ich meine, sollte es hierzu in der Vergangenheit bereits Anlässe gegeben haben die zu seinem persönlichen Nachteil entstanden sind (Vollkommen Wertfrei betrachtet), warum hat man sich nicht bereits frühzeitig an den Wehrbeauftragten gewandt oder gar die ehemalige IBUK direkt angeschrieben da ja alles andere angeblich vertuscht und unter den Tisch gekehrt oder geschwiegen wurde.
    Allein nur aus Angst vor einem „Rauswurf“ und dem Ende der Karriere als KdoOffz/Anwärter allein? Ehrlich?
    Mängel erkennen, ansprechen-melden, Vorsichtshalber Helm auf und in die Knie gehen um ggfs. die Einschläge aufzunehmen…danach Aufrecht gehend dem Laden den Rücken zukehren.
    Gute Leute werden anderweitig auch benötigt.
    Sich selber sagen zu können „Ich habe getan, was getan werden musste!“

    Niemand soll hier durch mich in Schutz genommen werden. Aber einen kompletten Verband nun auch noch so von innen zu beschuldigen ist m.E. falsch.
    Die Vorgänge sind anscheinend schon seit 2018 gehäuft, warum wurde dies nicht schon früher gemeldet?

    Alles dem dringlichen Wunsch zur „Elite“ gehören zu wollen unterzuordnen, Missstände zu schlucken, ist für mich kein Totschlagargument.
    Ich könnte nicht monatelang die Klappe halten, Missstände hinnehmen, widriges Verhalten einfach runterschlucken. Wie kann man da jeden morgen aufrecht in den Spiegel sehen?
    Ich hoffe auf eine rasche Aufklärung der Vorfälle um dem Verband wieder Luft zum atmen zu geben. Das ganze erinnert an die Causa Pfullendorf. Kollateralschäden immer inbegriffen…auch Jahre danach!

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