Industrie legt Angebot für neues Luftverteidigungssystem vor

20160929_MEADS_MBDA-SystemA

Rund fünf Monate später als erwartet hat der Lenkflugkörperhersteller MBDA sein Angebot für das künftige deutsche Luftverteidigungssystem TLVS (Taktisches Luftverteidigungssystem) eingereicht. Das neue System, basierend auf der Entwicklung des – nicht realisierten – amerikanisch-deutsch-italienischen Projekts MEADS (Medium Extended Air Defense System) soll bei der Luftwaffe das bisherige Patriot-System ersetzen.

Aus der Mitteilung von MBDA:

MBDA Deutschland GmbH hat am 28. September 2016 das Angebot für die Entwicklung des zukünftigen deutschen Taktischen Luftverteidigungssystems (TLVS) an das BAAINBw (Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr) übermittelt.
„Das Angebot ist das Ergebnis einer detaillierten Analyse und intensiver Verhandlungen mit unseren Lieferanten. Es basiert auf der Angebotsaufforderung, die wir Ende Februar 2016 erhalten haben und ist Grundlage für die Vertragsverhandlungen mit unserem deutschen Kunden“, sagte Thomas Gottschild, Geschäftsführer von MBDA Deutschland. Das gemeinsame Ziel von Industrie und Kunde ist die parlamentarische Befassung im Frühjahr 2017. weiterlesen

Werbevideo für MEADS, hier mal ohne Werbung

Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin, der gemeinsam mit der deutschen Tochter der Lenkflugkörper-Firma das künftige Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) für die Bundeswehr auf Basis der Entwicklungen für das Medium Extended Air Defense System (MEADS) schaffen soll, hat ein MEADS-Werbevideo veröffentlicht. Das ist zwar auf einer großen deutschen Nachrichtenseite mit deren selbst geschalteter Werbung zu sehen, aber das Video ist Werbung genug, deshalb hier mal solo. (Direktlink: https://youtu.be/UhTBAZ-DpZc)

Neues Luftverteidigungssystem: Entscheidung für MEADS – mit Rückfalloption

Untitled-2 copy

Die Entscheidung für das erste große Rüstungsprojekt unter der Ägide von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist gefallen: Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll die Bundeswehr ein neues Luftverteidigungssystem bekommen, das auf Basis der bisherigen Entwicklung für das  Medium Extended Air Defense System (MEADS) fertig entwickelt und beschafft werden soll. Die Streitkräfte soll das neue System, Nachfolger des bislang genutzten Pariot-Flugabwehrsystems, rund vier Milliarden Euro kosten. Angesichts der Risiken bei der noch nicht markverfügbaren Technik will das Ministerium mit so genannten quality gates, sozusagen Meilensteinen in der Entwicklung, eine Rückfalloption offen halten: Falls die MEADS-Entwicklung nicht läuft wie geplant, soll auch später ein Umschwenken auf das jetzt unterlegene Konkurrenzprodukt, eine Weiterentwicklung des Patriot-Systems der US-Firma Raytheon, möglich sein.

Den Planungen für das neue Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) liegt die Überlegung zugrunde, mit Lenkflugkörpern einen Bereich von etwa 70 mal 70 Kilometern – zum Beispiel eine Großstadt, einen Flughafen, oder auch ein Feldlager im Auslandseinsatz – gegen möglichst viele Bedrohungen aus der Luft abzusichern. Das neue Verteidigungssystem soll ebenso gegen Flugzeuge und Hubschrauber wie gegen Marschflugkörper und Raketen bis hin zu Mittelstreckenraketen einsetzbar sein. Dafür wird eine 360-Grad-Abdeckung der zugehörigen Radarüberwachung verlangt; außerdem die Einbindung verschiedener Flugkörper zur Abwehr, da gegen vergleichsweise langsame Flugzeuge und Hubschrauber ein einfacherer und damit günstigerer Flugkörper genutzt werden soll.

Ausschlaggebend für die Entscheidung für eine Weiterentwicklung von MEADS, bei dem die deutsche und die italienische Tochter der Firma MBDA sowie die US-Firma Lockheed Martin federführend waren, war offensichtlich die nationale deutsche Hoheit über die Technologie des Systems. weiterlesen

Der MEADS-Sammler: Teures System, erste Kritik

Die Spitze des Verteidigungsministeriums hat sich für ein neues Luftverteidigungssystem für die Bundeswehr auf Basis der US-deutsch-italienischen Entwicklung MEADS (Medium Extended Air Defense System) entschieden. Am (gestrigen) Montag wurden die zuständigen Bundestagsabgeordneten informiert; heute wollen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Rüstungs-Staatssekretärin Katrin Suder und Generalinspekteur Volker Wieker die Entscheidung öffentlich bekanntgeben. Das neue Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) ist das größte und teuerste Vorhaben, das bislang in der Amtszeit von der Leyens angeschoben wird; Kritik und Probleme an dieser Beschaffungsentscheidung fallen deshalb direkt auf sie zurück und sind keinem Vorgänger anzulasten.

(Ganz nebenbei der Hinweis: Neben der MEADS-Auswahlentscheidung ist wohl auch eine Entscheidung über das geplante Marinekampfschiff 180 (MKS180) gefallen. Dazu gibt’s noch bitter wenig Details, hoffentlich im Laufe des Tages mehr.)

Da heute noch diverse Stimmen zum Thema Luftverteidigungssystem zu erwarten sind, mache ich mal einen Sammelthread dazu auf:

Der Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner, Mitglied sowohl im Verteidigungs- als auch im Haushaltsausschuss, stellt die grundsätzliche Frage nach einem neuen Luftverteidigungssystem für begrenzten Raumschutz:

Primär stellt sich eigentlich nicht die Frage, ob MEADS oder ein neues PATRIOT-System beschafft werden soll. Die Kernfrage lautet viel mehr, ob wir überhaupt für viele Milliarden Euro ein neues Luftverteidigungssystem beschaffen müssen, das neue zusätzliche Forderungen und Fähigkeiten erfüllen soll. Hat  dies angesichts der Haushaltslage wirklich die größte Priorität? Ich habe an dieser Entscheidung deutliche  Zweifel. weiterlesen

Neues Luftverteidigungssystem: CSU-Abgeordneter bestätigt Entscheidung für MEADS

MEADS launch 3

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Rüstungs-Staatssekretärin Katrin Suder und Generalinspekteur Volker Wieker wollten es eigentlich erst am (morgigen) Dienstag mitteilen, jetzt hat es der CSU-Verteidigungspolitiker Florian Hahn bereits bestätigt: Das neue Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) der Bundeswehr wird auf Basis des von den USA, Deutschland und Italien entwickelten MEADS (Medium Extended Air Defense System) beschafft. Damit hat die US-Firma Raytheon mit der angebotenen neuen Version ihres Patriot-Flugabwehrsystems das Nachsehen.

Hahn bestätigte die Entscheidung tagesschau.de:

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios hat der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, die Auswahlentscheidung getroffen, ein neues Boden-Luft-Abwehrsystem zu beschaffen. Grundlage für die Beschaffung soll das von der deutsch-italienischen Rüstungsschmiede MBDA und dem US-Unternehmen Lockheed Martin entwickelte System MEADS (Medium Extended Air Defense System) sein.
Der Bundestagsabgeordnete Florian Hahn, außen- und sicherheitspolitischer Sprecher der CSU, bestätigte der ARD den Vorgang.

Dass die Spitze des Ministeriums MEADS gegenüber Patriot den Vorzug gibt, war schon spätestens seit Mitte Mai absehbar. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte dazu am Montagabend keinen Kommentar abgeben.

Details des milliardenteuren Deals dann wohl eher morgen.

(Foto: Ein Testschuss des MEADS-Systems mit einer PAC3-Rakete 2013 in White Sands – Lockheed Martin)

weiter »