TLVS auf MEADS-Basis angeblich fast doppelt so teuer wie geplant

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Das sieht nach einem ordentlichen Scoop der Reuters-Kolleginnen Sabine Siebold und Andrea Shalal aus:

Die Kosten für das neue Raketenabwehrsystem der Bundeswehr namens Meads könnten sich nach Angaben von Insidern um mehrere Milliarden Euro erhöhen. Die Fertigentwicklung des Systems werde laut Angebot bis zu drei Milliarden Euro teuerer als erwartet, sagten mehrere mit dem Projekt vertraute Vertreter aus Sicherheitskreisen der Nachrichtenagentur Reuters. Ein anderer Insider setzte die Gesamtkosten für Fertigentwicklung und Bau sogar noch höher an und zeigte sich skeptisch zur Zukunft des Rüstungsvorhabens: „Bei neun oder zehn Milliarden Euro ist es schwierig zu wissen, wie man denn dort noch verhandeln kann.“
(Online bislang nur in der internationalen Fassung)

Das Firmenkonsortium für den Bau des so neuen Taktischen Luftverteidigungssystems (TLVS) der Luftwaffe, das vor allem aus der US-Firma Lockheed Martin und der deutschen Tochter des Lenkflugkörperherstellers MBDA besteht, hatte Ende September ein Angebot für das System vorgelegt. Bisherige Kostenschätzungen waren von vier bis fünf Milliarden Euro für die Beschaffung ausgegangen. Nach Angaben von Reuters wollten sich weder das Unternehmen noch das Verteidigungsministerium zu den Informationen zu einem möglichen höheren Preis äußern.

Die Bundeswehr hatte sich im Juni vergangenen Jahres dafür entschieden, auf Basis des von den USA, Deutschland und Italien entwickelten MEADS-Flugabwehrsystems (Medium Extended Air Defense System) ein neues Waffensystem zur Abwehr von Flugzeugen und künftig vor allem auch Raketen in Auftrag zu geben. Damit sollen die bisher genutzten Patriot-Abwehrsysteme ersetzt werden, die im nächsten Jahrzehnt veraltet sein werden. Der Patriot-Hersteller Raytheon offeriert als Konkurrenz zum TLVS auf Basis von MEADS ein verbessertes System.

(Grafik: Lockheed Martin)

44 Kommentare zu „TLVS auf MEADS-Basis angeblich fast doppelt so teuer wie geplant“

  • Fux   |   17. Oktober 2016 - 22:19

    Da im Falle von TLVS – wenn ich es richtig verstanden habe – zwar eine grundsätzliche Entscheidung gefallen war, diese aber auf anderen preislichen Fakten beruhte und noch keine Beschaffung beauftragt wurde, kann man ja hier noch immer von einem Irrweg abgehen.. wenn denn der Wille dazu da ist und man vielleicht nach all den letzten Erfahrungen mit Preissteigerungen und Schönrechnerei auch mal ein deutliches „so nicht mehr“-Signal gen Industrie senden wöllte…

    Allein mir fehlt der Glaube

  • Hans   |   17. Oktober 2016 - 22:43

    Na dann mal hoffen, dass man die Kosten vor der endgültigen Entscheidung abwägt… hier kommen dann UvdL und Suder ins Spiel die hier beide ihre Veränderungen im Beschaffungswesen erproben können.

  • Thomas Melber   |   17. Oktober 2016 - 22:54

    Wir können ja auch in CHN beschaffen wie TUR … (wenn das dort durch ist).

  • Ottone   |   17. Oktober 2016 - 23:55

    @Thomas Melber: … und dann wie die Türken das chinesische System nicht in die NATO einbinden.

  • Sven Ortmann   |   18. Oktober 2016 - 1:27

    SAMP/T ist MOTS – military off the shelf.
    Es braucht nur noch eine Übersetzung der Bedienungsanleitung und Beschriftungen.

  • klabautermann   |   18. Oktober 2016 - 6:13

    Na, nach dieser Ankündigung ist ja eine Verdopplung der MEADS-Kosten locker drin:

    Wir werden mehr für die Sicherung unserer äußeren Sicherheit ausgeben müssen. Der Präsident Barack Obama sagt immer zu mir: ‚Angela, es wird auf Dauer nicht gut gehen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika 3,4 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben, und ihr knapp 1,2.‘ Die Menschen in Amerika, die dortigen Bürger, werden die Frage stellen: ‚Warum können die europäischen Länder das nicht auch?‘ Wir sind weit entfernt von dem, was die Nato mal beschlossen hat, 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Und wir müssen dann an dieser Stelle besser werden. (…) Und da wird uns im 21. Jahrhundert nicht mehr so viel geholfen werden, wie im 20. Jahrhundert. Und die Konflikte dieser Welt sind im Augenblick vor der europäischen Haustür, ganz massiv.
    Angela Merkel“ (Quelle: Telepolis)

    Nun hat ja Theo Sommer in der Zeit schon 2014 angemerkt:
    „Die Zahlen sprechen für sich:
    Streitkräfteumfang 2000: 1,274 Millionen Soldaten und Soldatinnen, Verteidigungsetat: 280 Milliarden Dollar gleich 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
    Streitkräfteumfang 2010: 1,563 Millionen, Etat: 712 Milliarden Dollar gleich 4,9 Prozent des BIP.
    Es waren George W. Bushs Wunschkriege und, damit einhergehend, eine sträfliche Übermilitarisierung und Sicherheitsmanie, die zu der finanziellen Unwucht in der Nato führten. Inzwischen haben die Amerikaner den Wehretat etwas reduziert – auf 618 Milliarden Dollar, 3,8 Prozent des BIP. Doch kommen dazu Sicherheitsausgaben für Heimatschutz (59 Milliarden Dollar), Nachrichtendienste (55 Milliarden), Atomwaffenentwicklung, untergebracht im Haushalt des Energieministeriums (2011: 17 Milliarden), weitere verteidigungsrelevante Posten in den Budgets anderer Ressorts (2011: 7 Milliarden) und Veteranenversorgung (140 Milliarden) – immer noch rund 900 Milliarden.
    Das ist heller Wahnsinn. Obama hat ihn nicht einzudämmen verstanden“

    Und nun 2016 läuft Frau Merkel diesem Wahnsinn wie ein Halsbandlemming hinterher ?
    „Der Zug der Lemminge: Heute stehen wir am Abgrund, morgen sind wir einen großen Schritt weiter“ (Peter Filzmaier, 2010)
    Hat man soviel Schiss vor Trump, dass der die vom American Enterprise Institute stammende Idee umsetzen könnte, allen Nato-Verbündeten, die dieses Ziel nicht schaffen, im Ernstfall den Beistand nach Artikel 5 zu verweigern. ? Oder hat sich Hillary diese Ansicht auch schon zu eigen gemachr ? Nun, vieles deutet darauf hin, denn Hillary weiß ganz genau, dass der von Sommer als Wahnsinn beschriebene Rüstungs-Kurs nicht so weiter gehen kann.
    Also nun mal ganz schnell noch ein paar Sanktionen gegen Rußland, damit deren Rüstungskosten auch nach oben gehen…….srlbst wenn das in Sachen Aleppo nun überhaupt nix bewirkt.
    Obama hat zwar Rußland den Status einer Regionalmacht zugestanden, aber doch bitte keiner europäischen oder nahmittelöstlichen oder……dieser Mann ist wirklich nur eine Marionette.der Eliten hinter dem Thron in Washington, die mitllerweile zu Junkies ihrer eigenen neo-lib-con Globalisierungsdroge geworden sind.

    [Guten Morgen und Aufwachen – das ist jetzt so was von am Thema vorbei, dass ich kurz vorm Löschen bin…. T.W.]

  • Sehenden Auges   |   18. Oktober 2016 - 7:00

    Naja – da gibt es ja noch den Plan B (PATRIOT evolved) – und in den Nebel des „Spontankaufs“ von fünf Korvetten kommt jetzt auch etwas Licht.

  • Ingo Heinscher   |   18. Oktober 2016 - 7:21

    Wir haben uns daran gewöhnt, dass öffentliche Projekte teurer werden als versprochen, länger dauern als versprochen und nicht ganz das leisten, was versprochen wurde. Das finde ich unerträglich. Eine Ausschreibung sollte stets die Klausel enthalten, dass das Angebot zur Ausschreibung einen festen Preis, ein festes Lieferdatum, ein festes Leistungsspektrum und saftige Konventionalstrafen bei Nichteinhaltung dieser drei Faktoren vorsieht, rechtlich so wasserdicht, dass sich da kein Hersteller heraus winden kann. Das kann nicht so schwer zu machen sein.

  • Sehenden Auges   |   18. Oktober 2016 - 7:42

    Naja – vermutlich werden wir heute noch eine ausgefeilte Stellungnahme des „Beauftragten für die strategische Steuerung von nationalen und internationalen Rüstungsangelegenheiten“ (oder so ähnlich) zu lesen bekommen, der uns staunenden Lesern eben diese Situation als grandiosen Erfolg der „Agenda Rüstung“ verkauft.
    In der Vergangenheit war es ja eher so, dass man die Großprojekte vor Vertragsschluss solange schön rechnen musste, bis sie (für ein paar Jahre) in den Haushalt passten. Die wirklichen Kosten wollte in der jeweiligen Legislaturperiode keiner hören.

    Jetzt aber – mit verbessertem Vertragsmanagement, externer Beratung, offener Kommunikation und modernen Managementmethoden ist eben alles viel besser, und wir erfahren schon am Anfang, was das Projekt tatsächlich kostet.

    Dieselbe Ebene, die in der Vergangenheit das „schönrechnen“ forciert hat, macht uns also heute weis, dass das Missmanagement der Mitarbeiter im Rüstungsbereich ursächlich war für die Rüstungsflops?

    Mir wird schlecht.

  • STEK   |   18. Oktober 2016 - 8:08

    Im Artikel vom 9.6.15 hier im Blog:
    http://augengeradeaus.net/2015/06/neues-luftverteidigungssystem-entscheidung-fuer-meads-mit-rueckfalloption/

    wird ja mehrfach von der Rückfalloption auf den Patriot-Systemvorschlag gesprochen

    “ .. In einer Gegenüberstellung der beiden möglichen TLVS-Angebote MEADS und Patriot neuer Generation kommt das Verteidigungsministerium zu dem Ergebnis, dass zwar beide Systeme die Forderungen an ein solches System ungefahr gleich erfüllen …… und der Preis für Entwicklung und Beschaffung mit rund vier Milliarden Euro ungefähr gleich hoch liegen werde. Auch gemessen an den Forderungen der NATO seien die Fähigkeiten beider Systeme nahezu gleich. ..“

    Bei einer Verdoppelung der Kosten wird eine Entscheidung zugunsten MEADS bei einer nur geringfügig höheren Leistung nur schwer zu begründen sein ….

    schau mer mal …

  • kek   |   18. Oktober 2016 - 8:29

    Damit hätte aber auch wirklich niemand rechnen können! ;)

  • Schorsch   |   18. Oktober 2016 - 8:36

    TLVS ist ja umfangreicher als MEADS.
    Das BAAIN hat MBDA aufgefordert ein Angebot vorzulegen, über das, was man haben will.
    Jetzt sagt die Industrie, das, was ihr haben wollt ist aber wesenlich teurer als nur MEADS.
    Ich finds gut, wenn die Industrie alle Kosten auf den Tisch legt, statt schön zu rechnen.
    Denn PATRIOT ist bei weitem nicht zu umfangreich und flexibel wie TLVS.

  • Frank   |   18. Oktober 2016 - 9:28

    Wenn man berücksuchtigt, dass in Zukunft auch noch ein neues Heeresflugabwehrsystem oberhalb von Ozelot her soll, womöglich durch die Luftwaffe betrieben, ist so eine Preissteigerung einfach nicht mehr vertretbar. Wo soll das Geld für all diese Fähigkeiten herkommen ? Sicherlich nicht von einer schon halb abgewählten Kanzlerin, welche Verteidigungsetats verkündet welche nicht kompatibel zu unserer Gesellschaft sind und eher einem chronisch wiederkehrenden 2 Prozent Fibertraum gleichen.

  • Micha   |   18. Oktober 2016 - 9:46

    Wäre es nicht sinnvoll im Rahmen von europäischen Harmonisierungen auf Aster zu setzen? Es ist verfügbar, günstiger und man könnte dafür vielleicht mehr Einheiten beschaffen!?

    Alternativ könnte Siggi bei seinem Kumpel Vladi das Edelste vom Edlen beschaffen: S400…

  • Edgar Lefgrün   |   18. Oktober 2016 - 9:58

    @Frank

    Und welche Alternative haben Sie zu bieten?

  • Obibiber   |   18. Oktober 2016 - 11:06

    Spontanidee… Wie wäre es wenn man nach israel schaut…
    Die haben sehr erprobte und günstige Systeme
    Man könnte auf eine Kombination aus Iron Dome und davids sling setzen
    Bei beiden kosten die effektoren nur ein Bruchteil von Meads …ca 10%
    Der FK von davids sling ist ja auch als PAC4 FK für Patriot im Gespräch…
    Soll deutlich günstiger und leistungsfähiger als PAC3 sein

  • Obibiber   |   18. Oktober 2016 - 11:07

    Bei der heeresluftabwehr macht eigentlich nur eine Kombination aus Millenium Geschütz, IRIS-t SL und Lasern … auf Boxer oder Dingo Basis Sinn

  • Voodoo   |   18. Oktober 2016 - 13:12

    Auf Dingo wohl eher nicht, denn das Chassis schaukelt jetzt schon wie blöd… da möchte ich insbesondere keine BMK. Wenn, dann Laser aber das wird kostentechnisch ebenfalls noch nicht in Serie händelbar sein. ;-)

    Das ist auch das Stichwort: Wenn ein Projekt wie TLVS aus Kostensicht so dermaßen unbeherrschbar erscheint, müssten alle Beteiligten eigentlich automatisch Red Alert ausrufen und bei den Haushältern das hermetische Siegel über dem Staatssäckel auslösen. Ein Milliardengrab wie die F-35 können „wir“ schlicht nicht verkraften.

  • Voodoo   |   18. Oktober 2016 - 13:14

    Ergänze zu vorigem Beitrag: „Da möchte ich insbesondere keine BMK –> drauf erleben <—" …

    ———
    @ T.W.
    Ist eine Editierfunktion bald wieder in Aussicht oder fiel diese einem Update zum Opfer?

    [Ich hatte eigentlich gehofft, dass das Update des entsprechenden Plugins vor einigen Tagen dieses Problem behebt – aber offensichtlich nicht. Ich bin da auch bisschen machtlos, mehr als die Plugin-Entwickler anschreiben kann ich nicht tun… T.W.]

  • Obibiber   |   18. Oktober 2016 - 13:24

    @Vodoo: ja… die Millennium könnte auf Dingo spannend werden… das ist korrekt…
    Laser wird in den nächsten 3-5 Jahren auch in Deutschland so weit einsatzbereit und bezahlbar sein… zumindest für den Einsatz gegen Drohnen und Mörser ist das aktuell schon sehr effizient… und spart große und teure Raketen… man kann Ziele damit auch blenden und muss sie nicht direkt abschießen…
    Auf Boxer Basis wäre sowohl Iris-T, aber auch Millennium denkbar… Dingo könnte auch das Radar dazu tragen
    Durch Verwendung von bewährten Einzelkomponenten (Millennium, Iris-T, Boxer+Dingo) wäre hier das Risiko auch sehr überschaubar…

    bzgl TLVS und Kosten:
    ja…ein Milliardengrab mit extremer Verzögerung kann man sich hier nicht leisten…
    deswegen meine Idee mit den Systemen aus Israel… die sind einsatzbereit und das Risiko ist gleich null… außerdem wäre hier eine Partnerschaft mit Know-How Transfer und evtl Fertigung in Deutschland machbar…

    man könnte auch auf Iris-T SLM von Diehl als TLVS setzen… wurde ja schon nach Schweden oder so verkauft…. jedoch hat man hier Einschränkungen bzgl Reichweite und Zielsprektrum… was wohl auch nicht der Sinn ist…

  • Edgar Lefgrün   |   18. Oktober 2016 - 13:46

    Entwicklung und Bau des TLVS in Deutschland und Europa ist wohl auch Wirtschaftspolitik, das Geld soll in der Heimat bleiben.

  • Schorsch   |   18. Oktober 2016 - 14:07

    @Oberbiber
    IRIS-T SL ist ja schon Bestandteil von TLVS.
    Ursprünglich bestand MEADS aus einem Searchradar (SR), einem Feuerleitradar (MFCR), einem Gefechtsstand (TOC) und den Launchern für PAC 3 MSE.
    TLVS soll aber nicht das SR von MEADS bekommen, sondern ein anderes. Dann will man den „günstigen“ Zweitflugkörper IRIS-T SL. Um IRIS-T SL auch ohne SR und MFCR und TOC einsetzen kann, wird jetzt noch ein Mittelbereichsradar geplant und ein eigenes TOC für IRIS-T SL. Vom Prinzip also zwei FlaRak-Systeme in einem, die zusammen oder getrennt eingesetzt werden können.
    Das zwei Systeme (TLVS) doppelt so teuer sind als eines (MEADS) sollte einleuchten….

  • Frank   |   18. Oktober 2016 - 14:15

    Was hat denn MEADS und TLVS dann noch gemeinsam?

    Wieso braucht denn IRIS T und PAC 3 MSE ein eigenes MFCR und FOC, damit handelt es sich doch um ein vollkommen selbständiges neues System bis auf die Stromversorgung vielleicht.
    Ich dachte die IDEE hinter MEADS war der hohe Grad an Interoperabilität bzw. Plug & Play.

  • Obibiber   |   18. Oktober 2016 - 14:24

    @Schorsch: dachte auch dass nur Iris-T SL als FK in MEADS integriert werden soll.
    Eigenes Radar usw. wäre mir neu.
    Man muss auch zwischen Iris-T SL und Iris-T SLM unterscheiden!

  • Wolke   |   18. Oktober 2016 - 14:36

    Naja, wenn die Rüstungsprojekte weiterhin so im Preis ansteigen, relativiert sich das mit den 2% vom BIP Ziel ja deutlich ( ;

  • Schorsch   |   18. Oktober 2016 - 14:37

    Danke, ich kenn den Unterschied.
    SLS nicht vergessen!
    ;-)

  • STEK   |   18. Oktober 2016 - 14:58

    Die zu klärende Frage wäre also:

    Hat Reuters in der o.g. Meldung Äpfel (MEADS solo) mit Birnen (TLVS gesamt, wie von @Schorsch beschrieben) verglichen? Dann wäre es halt mal wieder ein kleiner Sturm im Wasserglas bis alles richtig gestellt ist …

    Oder haben sich tatsächlich die für TLVS insgesamt erwarteten Kosten verdoppelt?! Das würde dann schon eher für Bauchweh bei den Entscheidern sorgen …

  • Daniel   |   18. Oktober 2016 - 23:25

    Wieder ein Paradebeispiel, das seines gleichen sucht…und bei der Bundeswehr auch findet.

    Am Ende wird das System wieder fertig entwickelt und ein mal beschafft, um dann festzustellen, dass es zu teuer ist und doch nicht gekauft wird. Zahlen werden wir dennoch dafür. Aber so hat wenigstens irgendwann ein Museum was davon.

  • N.D.   |   19. Oktober 2016 - 0:14

    Ich muss immer schmunzeln wenn ich von MEADS oder verwandten Projekten lese. Schon während meiner aktiven Dienstzeit Ende der 90er in einer HAWK FlaRakGrp war MEADS, damals noch geplant als Ersatz für HAWK, ein Running Gag. „Kommt nie!“ sagte mein Spieß. Sieht aus als behalte er Recht.

  • Edgar Lefgrün   |   19. Oktober 2016 - 13:39

    @N.D. | 19. Oktober 2016 – 0:14

    Missile away Kamerad

    Warum sieht es so aus? Das gibt der Artikel doch gar nicht her, auch die Quelle nicht. Wer mögen diese Experten wohl sein? Und was mag deren Motivation sein?

    Und ob ein Spiess damals zu solchen Vorhersagen wirklich qualifiziert war, das nötige Wissen haben? Natürlich könnte er ohne eignes Zutun Recht behalten. Zufällig.

  • Georg   |   19. Oktober 2016 - 14:04

    Machen denn die Amerikaner bei MEADS überhaupt noch mit ?
    Meiner Erinnerung nach sind sie doch bei Produktion und Beschaffung ausgestiegen, oder ?

  • bellibutton   |   19. Oktober 2016 - 22:09

    Die Industrie im SOB Wald hat wohl noch nicht verstanden, wie ernst es UvDl und Frau Suder ist- die beiden wollen das Vertragswesen umkrempeln und Rüstungsprojekte wie den Kauf von Sofa-Garnituren abwickeln! Aber: Risiken auf die Industrie übertragen kostet eben! Wer 100% und noch mehr Leistung bei Null Risiko will muss eben höhere Preise zahlen…. und Schorsch hat Recht: TLVS ist weitweitweit mehr als MEADS!
    Und dass die Powerpointfolien von PATRIOT NG im Ergebnis billiger wären… Gelächter! Es bleibt spannend … vor der Wahl passiert jedenfalls nix mehr!

  • Zimdarsen   |   22. Oktober 2016 - 11:08

    @bellibutton

    So ist es und ihr ABER ist Zielmitte.

  • K.B.   |   24. Oktober 2016 - 16:58

    @SAMP/T / ASTER:
    In der Tat erstaunlich, wie wenig das in der Diskussion auftaucht. Ich hätte erwartet, dass zumindest Franzosen oder Italiener das Angebot an die Presse lancieren.
    Dass bei nationaler Industriepolitik weder der europäische Gedanke noch das gute Argument eine Chance hat, steht auf einem anderen Blatt.

    @Schorsch:
    Haben Sie eine Quelle für Ihre Aussagen bezüglich eigener Systeme für IRIS-T?

    Die Sache mit dem Weitbereichssensor (und vieles mehr!) war hier schon mal Thema: http://augengeradeaus.net/2016/07/neues-luftverteidigungssystem-erst-naechstes-jahr-zur-billigung-ins-parlament/

    @MEADS oder TLVS:
    Sollte sich der Reuters-Artikel auf TLVS inkl. Integration weiterer Sensoren wie Effektoren beziehen, dann wäre dies eine erhebliche Kostensteigerung.
    Sollte sich der Reuters-Artikel nur auf MEADS im engeren Sinne beziehen (d.h. ohne IRIS-T etc.), dann wäre das desaströs.
    In keinem Fall ein Sturm im Wasserglas, sondern immer schlecht.

    STEK hat bereits darauf hingewiesen, dass Patriot NG aus finanzieller Sicht wieder betrachtet werden müsste.

    @Grundsätzliches zum weiteren Vorgehen:
    Weder MEADS noch Patriot NG sind aktuell sinnvoll, da kein System absehbar eine breite Nutzergemeinschaft hat, auf die Entwicklungs- und Modernisierungskosten verteilt werden können. Und im oben verlinkten Thread hat (u.a.) Memoria bereits auf die Personalprobleme beim BAAIN hingewiesen, die die fachliche Begleitung weiter erschweren.

    Welches Szenario ist also sinnvoll? Die Niederländer modernisieren ihre Patriotsysteme, um sie bis 2040 in Dienst zu halten ( https://www.shephardmedia.com/news/landwarfareintl/raytheon-upgrade-netherlands-patriot-system/ ). Da könnten wir uns anschließen.
    Was macht dann die Industrie? Sie entwickelt die mobile bodengebundene Luftabwehr: SysFla 2.0.

  • Hans Schommer   |   25. Oktober 2016 - 13:36

    K.B. | 24. Oktober 2016 – 16:58:
    “ … Was macht dann die Industrie? Sie entwickelt die mobile bodengebundene Luftabwehr: SysFla 2.0. “
    Gibt es da über den zusammengeschusterten SKYRANGER mit Holzsensorik eine Idee zu etwas wirklich Neuem? Das würde mich interessieren.
    Hans Schommer

  • K.B.   |   25. Oktober 2016 - 21:07

    @Hans Schommer:

    Ist nur mein unqualifizierter Vorschlag, was ich als sinnvoll erachten würde. Bitte um Entschuldigung, wenn das anders rübergekommen ist.

    Allerdings gab es doch letztens (von einem General?) die Aussage, es wird ein neues System zur mobilen, bodengebundenen Flugabwehr angestrebt. Von daher ist meine Aussage nicht komplett spekulativ.

  • Schorsch   |   25. Oktober 2016 - 21:42

    @Hans und K.B.
    Es gab schon, als die Fla noch beim Heer war ein System mit dem LFK NG.
    Die Gelder waren bereits vom Heer eingestellt, sind dann aber auch beim Heer geblieben, deshalb gabs Jahre lang nichts mehr in der Richtung. Mittlerweile ist IRIS-T SLS auf Boxer u.a. eine Option.
    PATRIOT noch bis 2040? Ernsthaft?
    @K.B.
    Ja, war schon mal Thema. Weiß ich deshalb, weil ich den Link zur Ausschreibung gepostet habe….

  • Oozlefinch   |   25. Oktober 2016 - 22:06

    Mit etwas Schadenfreude habe ich neulich die Orginal-Meldung bei reuters gelesen.
    Bin zwar kein FlaRaki – aber der von MBDA immer wieder propagierte Vergleich von MEADS als neu entwickeltes System, gegen Patriot mit den Leistungsdaten von 1996 hinkte für mich schon immer etwas.
    Aber wenn ich mir anschaue, wieviel Euros der Steuerzahler hier noch in Seehofers Schrobenhausener Klingelbeutel stecken muss, dann scheint MEADS beim jetzigen Entwicklungsstand ja mit Patriot von 1997 gleich auf zu sein.

    Mir ist schleierhaft, wie – bei einem in der deutschen Fla (sei es HFla oder Lw) stets propagierten Gedanken der Interoperabilität – eine Einzellösung gegangen werden soll, wenn doch das Haupt-Fla-System der NATO ein anderes ist – nämlich Patriot.
    Zumindest erinnere ich mich an einen Bericht aus dem FlaRakG1 von Kreta 2014, als zum ersten mal (offiziell) eine aus verschiedenen Natoländern zusammengestellte Crew gemeinsam einen scharfen Schuss geübt hat.
    Diese Vorteile scheinen aber im Bmvg keinen Einzug in die Entscheidungsmatrox gefunden zu haben. Und das trotz der durchweg positiven Erfahrungen von „Active Fence“ in der Türkei mit 3 Nationen mit dem gleichen Waffensystem.

    Aus meiner Sicht ist der vernünftige Schritt in eine robuste und zukunftsfähige Flugabwehr ein Mix aus Effektoren und Sensoren – aber unter einem einheitlichen Waffensystem.
    Und da ist man mit einer Modifikation des Patriot-Systems durch jeweils nationale Effektoren und Sensoren der Partnerländer definitiv näher und günstiger am Ziel des Lastenhefts.
    Somit wäre auch einem deutschen ENtwicklungsanteil (und dem viel propagierten „hands on technique“) Rechnung getragen.

    Als Rückgrat könnten dann die Radare und Raketen von Patriot dienen – NATO-weit einheitlich.

  • Hans Schommer   |   25. Oktober 2016 - 23:00

    @ Schorsch | 25. Oktober 2016 – 21:42
    Ausschreibung für ein „Neues System zur mobilen, bodengebundenen Flugabwehr“?
    Bitte hier nochmal für Leute mit schwachem Gedächtnis.
    Hans Schommer

  • K.B.   |   29. Oktober 2016 - 13:15

    @Hans Schommer:
    Dazu gab es noch keine Ausschreibung, sondern nur Überlegungen und Wünsche.
    Eine Ausschreibung gab es zur Erweiterung von MEADS u.a. mit Weit- und Mittelbereichssensoren.
    http://ted.europa.eu/udl?uri=TED:NOTICE:246600-2016:TEXT:DE:HTML&src=0

    @Schorsch:
    In der Tat hatten Sie den Link zur Ausschreibung gepostet.
    Nur ist dort die Rede von den oben erwähnten Sensoren, allerdings nicht davon, den IRIS-T-Anteil unabhängig vom MEADS-Anteil betreiben zu können (z.B. mit eigenem TOC).
    Als Quelle finde ich nur folgende Aussage auf hartpunkt.de:
    „Untersucht werden auch Optionen für ein Mittelbereichsradar, das ausreichen würde, um den für TLVS vorgesehenen Zweitflugkörper IRIS-T zum Ziel zu führen.“
    https://www.hartpunkt.de/2016/09/29/mbda-deutschland-hat-angebot-abgegeben/

  • Zimdarsen   |   29. Oktober 2016 - 14:16

    @K.B.

    Kann ich bestätigen und es gibt schon schöne Bilder vom FLAK- Boxer mit der Option nach 2025+ zur Aufrüstung mit LASER.

  • Hans Schommer   |   29. Oktober 2016 - 14:25

    Zimdarsen | 29. Oktober 2016 – 14:16:
    „@K.B.
    Kann ich bestätigen und es gibt schon schöne Bilder vom FLAK- Boxer mit der Option nach 2025+ zur Aufrüstung mit LASER.“
    Wo gibt es ein Bild, welches einen „Flak-BOXER“ mit Fla-Sensorik zeigt, die nicht gefakt ist? Bitte Link.
    Hans Schommer

  • Zimdarsen   |   30. Oktober 2016 - 6:00

    @Hans Schommer

    Davon war nie die Rede. Natürlich gibt es noch keinen Flak Boxer!
    Eben nur Bilder und keine Abbildung ;-)

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   30. Oktober 2016 - 10:22

    @Hans Schommer / Zimdarsen
    Etwas antiquiert, aus 2010, zu Fla-Boxer.
    http://www.whq-forum.de/invisionboard/index.php?showtopic=29031
    „Die Bundeswehr wird bis 2012 insgesamt 78 Boxer mit entsprechenden Modulen für die Heeresflugabwehrtruppe beschaffen um die entstehende Fähigkeitslücke im Bereich Flugabwehr ausmerzen zu können. Die Entscheidung zugunsten eines Rad-Fahrgestells ist vor dem Hintergrund getroffen worden, dass die Fahrzeuge auch zu Aufgaben im Lager- und vor allem Konvoischutz gegen Bodenziele eingesetzt werden sollen. Mit den Fahrzeugen sollen zwei Bataillone ausgerüstet und für diese Zwecke ausgebildet werden. …“

    Da die Veröffentlichung vom 01. April datiert, ggf nur ein Aprilscherz?
    Andererseits, der Boxer ausgerüstet mit 30mm LANCE-Zweimannturmsystem (Rheinmetall Eurosatory 2014) könnte einen Einstieg in „HFla-Boxer“ bilden.
    Spekulation, -sicherlich.
    Absolut sicher bin ich mir aber, dass in Berlin/Koblenz angesichts der Tatsachen im syrischen Luftraum über Wiederbelebung der HFlaTr nachgedacht wird.