Kein Vertrag über neues Luftverteidigungssystem vor der Wahl

Untitled-2 copy

Die Ankündigung ist nicht wirklich überraschend: Nachdem das Verteidigungsministerium schon Anfang Februar gewarnt hatte, dass es möglicherweise vor der Bundestagswahl keine Entscheidung über das geplante neue Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) geben werde, steht das seit dem (heutigen) Dienstag fest: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen informierte die Verteidigungspolitiker der Koalitionsfraktionen darüber, dass bis zur Wahl im September kein Vertrag über das neue Flugabwehrsystem mit dem Generalunternehmer, der MBDA Deutschland, zustande kommen werde. weiterlesen

TLVS auf MEADS-Basis angeblich fast doppelt so teuer wie geplant

Untitled-2 copy

Das sieht nach einem ordentlichen Scoop der Reuters-Kolleginnen Sabine Siebold und Andrea Shalal aus:

Die Kosten für das neue Raketenabwehrsystem der Bundeswehr namens Meads könnten sich nach Angaben von Insidern um mehrere Milliarden Euro erhöhen. Die Fertigentwicklung des Systems werde laut Angebot bis zu drei Milliarden Euro teuerer als erwartet, sagten mehrere mit dem Projekt vertraute Vertreter aus Sicherheitskreisen der Nachrichtenagentur Reuters. Ein anderer Insider setzte die Gesamtkosten für Fertigentwicklung und Bau sogar noch höher an und zeigte sich skeptisch zur Zukunft des Rüstungsvorhabens: „Bei neun oder zehn Milliarden Euro ist es schwierig zu wissen, wie man denn dort noch verhandeln kann.“
(Online bislang nur in der internationalen Fassung)

Das Firmenkonsortium für den Bau des so neuen Taktischen Luftverteidigungssystems (TLVS) der Luftwaffe, das vor allem aus der US-Firma Lockheed Martin und der deutschen Tochter des Lenkflugkörperherstellers MBDA besteht, hatte Ende September ein Angebot für das System vorgelegt. Bisherige Kostenschätzungen waren von vier bis fünf Milliarden Euro für die Beschaffung ausgegangen. Nach Angaben von Reuters wollten sich weder das Unternehmen noch das Verteidigungsministerium zu den Informationen zu einem möglichen höheren Preis äußern. weiterlesen

Deutscher MBDA-Chef tritt aus Gesundheitsgründen zurück

20160602_Homberg_ILA

Der Chef der deutschen Tochter des Lenkflugkörperherstellers MBDA, Thomas Homberg, ist aus gesundheitlichen Gründen überraschend von seiner Funktion zurückgetreten. Das teilte das Unternehmen am (heutigen) Montag mit. Der frühere Fallschirmjäger hatte das Amt im August 2012 übernommen.

Ein Unternehmenssprecher betonte auf Anfrage, die Entscheidung des 50-jährigen habe ausschließlich gesundheitliche Gründe. Es gebe keinen Zusammenhang mit der möglichen Verschiebung des Vertrages für das künftige Luftverteidigungssystem, an dem MBDA Deutschland maßgeblich beteiligt ist. Diese Verschiebung sei zuvor bereits absehbar gewesen. weiterlesen

MEADS ohne Amis

Das dürfte ein schwerer Schlag für das amerikanisch-deutsch-italienische Raketenabwehrsystem MEADS sein: Die USA wollen die Finanzierung des milliardenteuren Waffensystems nur bis zur vertraglich vereinbarten ersten Teilentwicklung 2013 mitmachen, dann aber aussteigen. In erster Linie hat es damit zu tun, dass selbst das Pentagon sparen muss – allerdings, wie Reuters aus Washington berichtet, auch mit der U.S.-Bewertung der Leistungsfähigkeit des Programms: The Pentagon said it remained concerned about the overall track record of the program and might ordinarily have canceled it. But Hale noted that continuing development of the program until 2013 would avoid costly termination fees and benefit the partner nations on the program.

An dem geplanten Medium Extended Air Defense System beteiligen sich die USA mit 58 Prozent, Deutschland mit 25 und Italien mit 17 Prozent. Ob die beiden europäischen Länder das Programm ohne den Hauptpartner stemmen können? Ist eine interessante, angesichts der Haushaltszwänge vielleicht eher rhetorische Frage.

Die europäische MBDA, der Hauptauftragnehmer auf europäischer Seite, macht allerdings noch tapfer in Zuversicht: weiterlesen