Entspannungssignal oder Geschäftssinn? Französisches Kriegsschiff für die Russen wie geplant…

Le Tonnerre

 

Diese Meldung von Associated Press von heute liest sich zumindest merkwürdig: Ungeachtet der, nun, Probleme, die die EU-Länder mit Moskau haben, bleibt Frankreich bei der geplanten Lieferung von Kriegsschiffen an Russland auf Kurs:

A French-built warship designed to strengthen Russia’s ability to deploy troops, tanks and helicopter gunships is getting its first test run Wednesday — just as Western powers are trying to rein in Russian President Vladimir Putin’s military threat to Ukraine. A spokesman for the shipbuilder says the Vladivostok helicopter carrier is setting sail from the French Atlantic port of Saint-Nazaire. (…) The warship is part of a 1.2-billion-euro deal ($1.6-billion) that marked the biggest-ever sale of NATO weaponry to Moscow, a deal that already raised eyebrows both within Russia’s military circles and among France’s Western allies when it was struck in 2011. France has criticized Russia’s military incursion into Ukraine’s Black Sea peninsula of Crimea, but says it has no plans to scrap the defense deal.

Die Frage bleibt offen, ob das im Sinne von Entspannung und Gesprächskontakt eine sinnvolle Haltung ist. Oder ob es eine gewisse Doppelmoral in EU (und NATO) verdeutlicht – Kritik ja, aber Geschäft geht vor? (Nein, ich bin da bislang nicht entschieden.)

Ein weiteres Schiff dieser französischen Mistral-Klasse, übrigens, ist als Verstärkung für die russische Schwarzmeerflotte vorgesehen, wie die Nachrichtenagentur Interfax im vergangenen Jahr berichtet hatte:

The Sevastopol helicopter carrier, a Mistral-class amphibious assault ship, will serve as the flagship of the Russian naval group in the Mediterranean after it joins Russia’s Black Sea Fleet, a Russian military source told Interfax-AVN on Saturday. „The Sevastopol helicopter carrier will become the flagship of the Russian naval operational group in the Mediterranean by 2017. After commissioning, this ship will possess all the necessary features to lead the permanent naval group in the Mediterranean,“ he said.

Allerdings: Ehe jetzt heftige Kritik an den Franzosen einsetzt, sollte man noch mal schauen, ob und welche Lieferungen von Ausrüstung deutsche Firmen an die Russen planen oder schon laufen haben. Da gab’s doch was?

(Foto: Die Tonnerre, ein Schiff der Mistral-Klasse der französischen Marine –  Béotien lambda via Wikimedia Commons)

 

14 Kommentare zu „Entspannungssignal oder Geschäftssinn? Französisches Kriegsschiff für die Russen wie geplant…“

  • b   |   05. März 2014 - 19:12

    Die Werft will bezahlt werden, die Russen haben nichts sonderliches verbrochen und nur weil Obama unter innenpolitischem Druck in den USA den starken Mann markieren muß muß sich Europa ja nicht die Geschäfte verderben lassen.

    Wer hat denn in Europa dem Iraküberfall, ein ganz anderes Kaliber als die Krim, Sanktionen gegen die USA ausgesprochen?

  • drd   |   05. März 2014 - 19:37

    @T.W.
    Es gibt auch noch eine dritte Lesart:
    „France has criticized Russia’s military incursion into Ukraine’s Black Sea peninsula of Crimea, but says it has no plans (_yet_) to scrap the defense deal.“

    Die Sache mit russischen Einkäufen in der NATO ist derzeit in jedem Fall eine interessante „Baustelle“.

  • b   |   05. März 2014 - 19:47

    Was für Sanktion gibt es eigentlich wenn man mit Hilfe gewalttätiger Demonstranten illegitim eine ordnungsgemäße gewählte Regierung und einen ordnungsgemäß gewählten Präsidenten stürzt?

  • JCR   |   05. März 2014 - 19:49

    Ich denke es liegt auch daran daß sonst niemand Geld für den Kasten hätte, zumindest nicht die frz. Marine.
    Wäre eine Option für uns als JSS falls Bernard Levi es doch noch schafft die Franzosen auch in diesen Krieg zu treiben….

  • Loki   |   05. März 2014 - 20:10

    Wie wäre das eigentlich wenn wir nicht den A400M sondern ne Antonov hätten?
    Könnten wir dann in einer Krisensituation mit Embargo weiter Ersatzteile „importieren/exportieren“? Soweit ich weiß unterscheidet das Außenhandelsgesetz nicht zwischen militärischen Flugzeugteilen und „Kooperations-Militärflugzeugteile“.

    DCNS braucht das Geld und Frankreich kann sich nicht leisten den Goodwill zu verspielen, den Russland Dassault in Indien gewährt. Da wird ja gerade über 126 Rafales verhandelt.

  • Frank   |   05. März 2014 - 21:25

    Wäre eine Option für uns als JSS falls Bernard Levi es doch noch schafft die Franzosen auch in diesen Krieg zu treiben….

    Kann das jeman erläutern,?
    Hört sich interessant an.
    Leider binn ich nicht genug Insider.

  • JCR   |   05. März 2014 - 22:40

    Das ist so ein angeblicher „Philosoph“, der eigentlich nichts anderes tut wie die Kriegstrommel zu rühren.
    Erst Libyen, dann Syrien, jetzt Krim.
    Was und ob er auf seinem angeblichen Fachgebiet irgendetwas geleistet hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber seine regelmäßigen Beiträge in FAZ oder Welt sind eher als dümmliche Propaganda zu bezeichen. Vielleicht geht aber der philosophische Gehalt auch durch schlechte Übersetzung verloren ;)

  • Thomas Melber, Stuttgart   |   05. März 2014 - 22:42

    @Frank
    Bernard Henry Lévy (BHL) ist französischer „Philosoph“, der quasi als Sprachrohr des Quai d’Orsay (frz. AA) überall vor Ort die Konflikte anheizt – Libyen, Syrien, Ukraine und versucht, medial auf mögliche Interventionen einzustimmen.

  • Felix   |   06. März 2014 - 7:44

    Mit einem Schiff wie der Mistral könnten die Russen eine Intervention auf der Krim (und anderswo) viel schneller durchführen. Frankreich könnte einen sehr sinnvollen Beitrag leisten, in dem es die Lieferung der Schiffe bis auf Weiteres aussetzt.

  • Les Großmann   |   06. März 2014 - 7:58

    @Felix
    Im Gegensatz zur DEU Marine haben die Russen Hubschrauber und Flugzeuge die tatsächlich fliegen, Schiffe mit Besatzungen. Inwieweit ein Schiff, das man bislang auch nicht brauchte, da irgendwas verhindern soll erschließt sich mir nicht. M.E. ist bis zum Referendum bei dem die Krimianer entscheiden, wo sie hinwollen, Ruhe, danach wird man weitersehen. Ein „Mittelmeerwindchen“ mehr oder weniger macht da m.E. gar nichts aus.

  • Schlammzone   |   06. März 2014 - 8:24

    Die Idee die Mistrals als JSS (Joint Support Ship) zu nehmen kam mir auch sofort. Aber ob wir überhaupt genug Personal für die Schiffe zusammen bekämen und dann am besten auch noch welche, die die kyrillische Beschriftung lesen können…
    Im DLF hab ich gerade gehört, dass Rheinmetall ein Ausbildungszentrum für 30.000 Mann an Russland liefert. Wird von RUS als Konsequenz aus dem Georgien Feldzug beschafft.

  • diba   |   06. März 2014 - 8:53

    „… dass Rheinmetall ein Ausbildungszentrum für 30.000 Mann an Russland liefert. Wird von RUS als Konsequenz aus dem Georgien Feldzug beschafft.“

    Das kann man auch in „Europäische Sicherheit und Technik“ 3/2014 im Artikel zum GÜZ lesen, dabei hat wohl auch “ … Das deutsche Heer (hat) durch Informationen und Ausbildungshilfen unterstützt.“ (S. 43).

    Ich glaub auch nicht, dass die Franzosen es sich mit einem Abnehmer ihrer Produkte der leidenden mil Wertfindustrie verscherzen wollen, sooo lange Schlangen haben die da nicht stehen und fürs eigenen Militär können die es sich auch nicht mehr leisten. Lauter europäische Zwergenarmeen mit hochgesteckten Ansprüchen, Zielen und Vorgaben, die viel kosten und autark zu wenig in der Lage sind.

  • Alarich   |   06. März 2014 - 17:25

    Schweiz ist nicht so Blöd wie Deutschland
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/schweiz-erlaubt-waffenexporte-in-laender-mit-menschenrechtsproblemen-a-957286.html
    wenn nicht wir andere warten darauf

  • Ukraine-Invasion: Eine europäisch-russische Machtabwägung | Konfliktreich   |   06. März 2014 - 23:46

    […] Regierungschefs zu sein. Von den geleakten britischen Notizen zur Sicherheitsratssitzung bis zum Nicht-Einfrieren von Waffenlieferungen an Russland gibt es da diverse […]