Personalstärke September 2026: Erneut leichter Rückgang, Ministerium ändert Statistik (teilweise) und sieht Zielkorridor übertroffen
Die Zahl der aktiven Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr ist im September 2026 wie schon im August leicht zurückgegangen. Mit 186.200 lag sie allerdings weiterhin in dem Zielkorridor, den das Soldatengesetz für den Aufwuchs der Truppe vorgibt. Das Verteidigungsministerium nahm in einer Mitteilung dazu Bezug auf die noch nicht veröffentlichten Zahlen für Oktober und erklärte, mit über 190.000 sei erstmals dieser Aufwuchskorridor überschritten worden. Zugleich nahm das Wehrressort Änderungen an der Statistik zur Personalstärke vor – auch nach der Veröffentlichung.
Die Statistik für September 2026 wurde am (heutigen) 21. Oktober wie üblich unter dem immer gleichen Link veröffentlicht – und es gibt, neben einer neuen Optik, auch einige grundlegende Veränderungen. So werden die Zahlen nur noch gerundet veröffentlicht. Dazu gehört dann auch der Hinweis: Abweichungen aufgrund von Rundungen sind möglich. Neu aufgenommen wurden die Zahlen der Bewerbungen und Neueinstellungen.
Grundsätzlich stellt sich die Frage, was sonst noch angepasst wird. So veränderte sich am (heutigen) Mittwochabend innerhalb weniger Stunden eine wesentliche Aussage: Aus der Personalstärke von rund 186.200 aktiven Soldaten und Soldatinnen
wurde plötzlich die abgeschwächte Aussage über 186.000, und auch die Zahl der Zivilbeschäftigten sieht ganz anders aus:
(Das fiel mir auf, als ich die Webseite bei archive.org sicherte – ob und welche anderen nachträglichen Veränderungen es gab, wird noch zu prüfen sein. Zum Vergleich die vorherige Fassung:
Aktuelle Personalzahlen der Bundeswehr)
Die Statistik führt weiteren Detailfragen, die noch geklärt werden müssen – z.B. warum die Zahl der Soldaten in unmittelbar nachgeordneten Dienststellen des Verteidigungsministeriums innerhalb eines Monats von 3.888 um rund 800 auf rund 4.700 gestiegen ist. Das kann ja kaum ein Rundungsfehler sein. Zudem gibt es zwei unterschiedliche Zahlen der Zivilbeschäftigten.
Offen bleibt auch, ob in den Zahlen für den Bereich Personal wie bisher die Studierenden an Bundeswehruniversitäten enthalten sind. Genannt werden sie nicht, aber wo sind sie erfasst? Die Statistik der Dienstgradgruppen ist ebenso verschwunden: Die Zahl der Generale und Admirale (unter anderem) scheint nicht mehr öffentlich.
Geschickt versteckt (muss man so sagen) wurden auch die Angaben zu Frauen in der Bundeswehr: Die Aufschlüsselung, in welchen Bereichen und in welchem Status sie bei den Streitkräften sind, wurde auf eine gesonderte Frauen-Webseite ausgelagert; in der Übersicht hier sind die Zahlen aufgenommen. (Die Zuordnung zu Laufbahngruppen ist aber nicht mehr vorhanden – wie viele Offizierinnen dienen etc. gibt’s also nicht mehr als Information.)
Der Vergleichbarkeit wegen bleibt die Darstellung der Zahlen auf Augen geradeaus! nach Möglichkeit weiterhin bei dem seit Jahren verwendeten Schema; zusätzlich mit den Neueinstellungen und Bewerbungen, um auch da eine Vergleichsbasis zu schaffen. Wie in den vergangenen Monaten wird zudem die aktuelle Pressemitteilung des Verteidigungsministeriums dazu dokumentiert.
Die September-Statistik:
Insgesamt leisten rund 186.200 Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst bei der Bundeswehr
Bundesministerium der Verteidigung 1.100
unmittelbar nachgeordnete Dienststellen 4.700
Heer 64.300
Luftwaffe 28.300
Marine 16.200
Cyber- und Informationsraum 13.900
Unterstützungsbereich 47.900
Bereich Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen 1.100
Bereich Ausrüstung, Informationstechnik, Nutzung 1.900
Bereich Personal 6.800
Berufssoldat*innen 61.600
Soldat*innen auf Zeit lang (ab 2 Jahren Dienstzeit) 113.800
Soldat*innen auf Zeit kurz (12 bis 23 Monate) 6.100
Freiwillig Wehrdienstleistende (FWDL6 bis 11 Monate) 4.600
[Dienstgradgruppen (gerundet) entfällt]
Die Zahl der Frauen in den Streitkräften (ebenfalls gerundet)
Rund 25.500 Soldatinnen, etwa 13 Prozent
Verteidigungsministerium 70
unmittelbar nachgeordnete Dienststellen 550
Heer 5.000
Luftwaffe 3.000
Marine 1.900
Cyber- und Informationsraum 1.500
Unterstützungsbereich 11.900
Personal 1.500
Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen 150
Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung 130
[Laufbahngruppe/Laufbahnen (auch Anwärterinnen) entfällt]
Status
Berufssoldatin 6.300
Zeitsoldatin lang 17.500
Zeitsoldatin kurz 990
Freiwilligen Wehrdienstleistende 690
Die gesonderte Statistik zu den Zivilbeschäftigten – analog zu den Soldat*innen nach Teilstreitkräften und Organisationsbereichen aufgeschlüsselt; zusätzlich werden Militärseelsorge und Rechtspflege ausgewiesen.
Beschäftigt sind 83.100 zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Bundesministerium der Verteidigung 1.800
unmittelbar nachgeordnete Dienststellen 2.000
Heer 2.600
Luftwaffe 4.700
Marine 1.800
Cyber- und Informationsraum 1.900
Unterstützungsbereich 11.400
Bereich Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen 33.300
Bereich Ausrüstung, Informationstechnik, Nutzung 11.800
Bereich Personal 11.200
Militärseelsorge 490
Rechtspflege 90
Neu aufgenommen wurde eine weitere Aufschlüsselung des Zivilpersonals insgesamt, für die allerdings abweichend eine niedrigere Zahl von 82.900 genannt wird:
Bundesministerium der Verteidigung 1.800
Bundeswehrverwaltung, Rechtspflege, Militärseelsorge und weitere 57.600
Streitkräfte/militärischer Bereich 23.500
Beamt*innen 30.700
Arbeitnehmer*innen 45.700
Anwärter, Auszubildende, Praktikanten 6.600
Der Anteil von Frauen am zivilen Personal wird auf der bereits erwähnten Frauen-Webseite ausgewiesen, auch diese Zahlen stimmen nicht zwingend mit der anderen Statistik überein:
Von den insgesamt 83.100 (Angabe 1) oder 82.900 (Angabe 2) zivilen Beschäftigten sind rund 32.900 Frauen (rund 40 Prozent), die in allen Bereichen der Bundeswehr tätig sind.
Beamtinnen insgesamt 11.200
im höheren Dienst 2.300
im gehobenen Dienst 4.700
im mittleren Dienst 4.200
im einfachen Dienst 20
Arbeitnehmerinnen 19.400
im Vorbereitungsdienst, in einem Ausbildungs- oder Praktikantenverhältnis 2.300
Neu aufgenommen: Bewerbungen und Einstellungen
Im September 2026 konnten rund 58.700 Bewerbungen für militärische Laufbahnen verzeichnet werden. Das entspricht einem Plus von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Rund 18.700 Neueinstellungen von Soldatinnen und Soldaten im September 2026 bedeuten ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
(Stand 30. September 2026)
Die frühere ausführliche Statistik der Personalstärke in den Auslandseinsätzen und einsatzgleichen Verpflichtungen wurde durch die Gesamtzahl nur in den Auslandseinsätzen ersetzt. Der Stand vom 12. Oktober 2026:
Insgesamt sind circa 743 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr unmittelbar bei Auslandseinsätzen eingesetzt.
Darüber hinaus gibt es noch die Anerkannten Missionen.
(Die diversen Anerkannten Missionen wie z.B. die NATO-Battlegroup oder auch die neue Panzerbrigade 45 Litauen sind eben damit nicht erfasst.)
Den Service von Augen geradeaus!, die Vergleichszahlen, gibt es auf einer gesonderten Übersichtsseite.
Die inzwischen regelmäßig dazu veröffentlichte Pressemitteilung des Verteidigungsministeriums im Wortlaut:
Bundeswehr erstmals über gesetzlichem Aufwuchskorridor
Ordnungswidrigkeitsverfahren für Nicht-Beantwortung der Fragebögen starten
Mit dem einstellungsstärksten Monat Oktober überschritt die Bundeswehr Anfang des Monats mit über 190.000 Soldatinnen und Soldaten erstmals den gesetzlich vorgegebenen Aufwuchskorridor (186.000-190.000). Aufgrund der insgesamt positiven Personalentwicklung ist davon auszugehen, dass die Bundeswehr am Ende des Jahres weit oben im Aufwuchskorridor oder oberhalb liegen wird.
Zum Monatsstichtag 30.09.2026 dienten in der Bundeswehr rund 186.200 aktive Soldatinnen und Soldaten. Damit lag die personelle Stärke des militärischen Personals rund 4.500 Personen über dem Vorjahresmonat.
Darüber hinaus ist das Interesse an einer der größten Arbeitgeberinnen Deutschlands weiterhin hoch. Die Bundeswehr verzeichnet zum Stichtag Ende September mehr als über 95.500 Erstberatungen. Die daraus resultierenden Bewerbungen (58.700, +29%) und Einstellungen (18.700, 15 %) in alle militärischen Laufbahnen übertreffen die Vorjahreswerte deutlich.
Bis Ende September wurden rund 492.800 Fragebögen zur Wehrerfassung verschickt. Die Assessments und Einplanungen von Interessierten konnten weiter gesteigert werden.
Darüber hinaus werden ab Oktober die Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen säumige Adressaten der Fragebögen eingeleitet. Dies geschieht in den Fällen, in denen eine Rückmeldung der Männer innerhalb der im Erinnerungsschreiben genannten Frist und der folgenden Nachfrist ausgeblieben ist. Die Höhe des zu verhängenden Bußgeldes kann bis zu 250,00 Euro betragen. Auch nach der Verhängung eines Bußgeldes besteht die Pflicht wehrpflichtiger Männer zur Beantwortung des Fragebogens fort.
Die aktuelle Personalentwicklung zum Stichtag Ende September 2026 im Detail:
– Militärische Gesamtstärke:
Mit aktuell rund 186.200 Soldatinnen und Soldaten verzeichnen wir im Vergleich zum September 2025 einen Zuwachs von 2,5 Prozent (absolut rund 4.500 Personen mehr). Davon rund 700 Personen mehr im Neuen Wehrdienst als vergleichsweise FWDL im Vorjahr, sowie rund 3.800 mehr im Verhältnis Soldat/-in auf Zeit und Berufssoldat/-in.
Die Gesamtstärke zum Ende des dritten Quartals lag somit weiterhin im Aufwuchskorridor und ist im Vergleich zum Vormonat um rund 200 gesunken.
– Bewerbungen militärische Laufbahn:
Mit rund 58.700 Bewerbungen verzeichnen wir ein Plus von rund 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat (09/2025)
– Neueinstellungen:
Mit rund 18.700 Neueinstellungen haben wir ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat (09/2025).
– Freiwillig Wehrdienstleistende / „SaZ kurz“:
Derzeit dienen rund 10.800 Freiwillig Wehrdienstleistende und kurzdienende Zeitsoldatinnen und -soldaten im Rahmen des Neuen Wehrdienstes in der Bundeswehr. Das sind rund 7 % mehr als im Vergleich zum Vorjahr FWDL bis 23 Monate.
Das große Interesse an der Bundeswehr spiegelt sich auch bei der aktuellen Webserie „Generation Wehrdienst“ wider. Die Serie begeistert seit Juli 2026 auf dem Kanal Bundeswehr Exclusive und auf zahlreichen Social-Media-Kanälen hunderttausende Menschen. Seit dem Start der ersten Staffel im Sommer verzeichnete die Serie zur Ausbildung von Rekrutinnen und Rekruten in der Heimatschutzausbildung Streitkräfte plattformübergreifend bereits weit über 120 Mio. Video-Aufrufe und über 60.000 Kommentare. Ab heute (Mittwoch 21.10) startet die finale dritte Staffel der Serie.“
Wehrerfassung, Assessments und Einplanungen aus den Fragebogen-Rückläufern:
Zum Stichtag 30.09.2026 wurden insgesamt rund 492.800 Anschreiben für den Fragebogen zur Wehrerfassung versendet, davon rund 253.000 an männliche Personen und rund 239.800 an Frauen sowie Personen anderen Geschlechts. Innerhalb der Frist (inkl. Nachfrist) haben rund
96 Prozent der Männer geantwortet.
Von allen Interessierten haben bis Ende September rund 4.450 Personen ein Assessment durchlaufen. Nach erfolgreichem Assessment konnten insgesamt 1.530 Bewerberinnen und Bewerber für eine Verwendung in der Bundeswehr verteilt auf alle Laufbahnen eingeplant werden. Davon sind knapp 1.150 Einplanungen für das Jahr 2026, die restlichen Einplanungen für das Jahr 2027 erfolgt.
Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf die Rückmeldungen durch den Fragebogen, d.h. wenn Antwortende bei der Wehrerfassung ihr Interesse an der Bundeswehr äußern. Dieser anteilige Personalaufwuchs ist ein „add-on“, sprich eine Ergänzung zu den umfangreichen Personalgewinnungsmaßnahmen die zu den o.g. sehr erfreulichen Bewerbungen und Einstellungen beitragen.
Die Sicherungskopie:
PM57 – Bundeswehr erstmals über dem Aufwuchskorridor – Ordnungswidrigkeitsverfahren gestartet
(Archivbild: Ein Boxer-Radpanzer Schwerer Waffenträger Infanterie steht auf der Schießbahn während der Industrieausbildung durch Rheinmetall auf dem Truppenübungsplatz Bergen am 02.09.2026 – Jana Neumann/Bundeswehr)

