Patriot-Einsatz „Active Fence“: Der NATO-Partner zeigt sich wenig verbündet

Bei ihren Besuchen beim deutschen Patriot-Flugabwehrkontingent in der Türkei, dem NATO-Einsatz Active Fence, sparten Bundeskanzlerin Angela Merkel (Foto oben) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière nicht mit warmen Worten, was die Unterstützung und Kooperation in der NATO mit dem Bündnispartner angeht. Die Realität sieht nicht ganz so erfreulich aus: Nach einem Truppenbesuch lieferte der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, eine sieben Seite umfassende Mängelliste bei den Abgeordneten des Verteidigungsausschusses ab. Quintessenz seines Katalogs: Die Zusammenarbeit mit den türkischen Streitkräften ist, wie es der Wehrbeauftragte zurückhaltend ausdrückt, problembehaftet. Man könnte auch sagen: Die Türken verhalten sich eher destruktiv.

Die Mängel und teilweise Schikanen, die das Leben der deutschen Soldaten in der türkischen Stadt Kahramanmaras schwierig gestalten, sind heute von verschiedenen Medien bereits geschildert worden – von Schimmel in den Unterkünften bis zu unhaltbar verdreckten Sanitäreinrichtungen und Versorgungsproblemen, aber auch im Umgang türkischer Offiziere mit deutschen Soldaten. Unter anderem ist das bei Spiegel Online nachzulesen. Neben diesen, sagen wir zurückhaltend, Einsatzerschwernissen gibt es in der Mängelliste des Wehrbeauftragten aber auch einige Punkte, die belegen, dass die türkischen Streitkräfte systematisch versuchen, den Einsatz des deutschen Kontingents zu behindern.

Das wird vor allem an den Beschwerden deutlich, die den Umgang der Türken mit den Bestimmungen des NATO-Truppenstatuts betreffen:

Angehörige der Feldjägertruppe schilderten ihre Situation als unbefriedigend. Zur Zeit habe man keine dem NATO-Statut entsprechenden Befugnisse und keine ihrer Qualifikation entsprechenden Aufgaben. Sie dürften keine Waffen tragen. Sie stellten sich die Frage, ob sie ihre Kameraden im Ernstfall mit den Fäusten verteidigen sollen. Mit TUR sei keine Absprache getroffen worden, welche Befugnisse die Feldjäger außerhalb der Kaserne wahrnehmen dürfen, obwohl eine solche Absprache nach dem NATO-Truppenstatut vorgesehen sei. Die Bemühungen des Rechtsberater Stabsoffiziers, mit den türkischen Sicherheitsbehörden ins Gesprächs zu kommen, wurden dort nicht angenommen.

Grundsätzlich sind die türkischen Behörden – unklar ist dabei, ob das nur von den Streitkräften ausgeht – bestrebt, deutsche Soldaten und Militärfahrzeuge im Straßenbild zu verhindern. So dürfen die Bundeswehrangehörigen die Kaserne, wo die Patriot-Systeme stationiert sind, grundsätzlich nicht in Uniform verlassen – und schon gar nicht ihre Fahrzeuge benutzen.  Aus diesem Grund stünden viele DEU Fahrzeuge unausgelastet in der Kaserne und es müssten zivile Fahrzeuge von TUR Autoverleihern angemietet werden, um den Transportbedarf des Kontingents zu decken, bekam der Wehrbeauftragte zu hören. Diese Einschränkung gilt auch für dienstliche Fahrten:

Eine besonders gravierende Begebenheit ist dem Rechtsberater Stabsoffizier und zwei Angehörigen des Feldjägertrupps widerfahren. Nach deren Eintreffen im Einsatzland haben diese die Kaserne in Incirlik nach Kahramanmaras verlassen wollen. Hieran seien sie durch die Wache gehindert worden, weil sie keine Zivilkleidung trugen. Anschließend habe man ihnen eröffnet, dass Fahrten zwischen Kahramanmaras und Incirlik 48 Stunden im Vorhinein angemeldet werden müssten. Die drei Soldaten seien letzten Endes über mehr als zwei Tage lang durch TUR am Verlassen der Kaserne gehindert worden.

Die bürokratischen Schikanen und der lässige Umgang mit Bestimmungen des NATO-Truppenstatuts zeigen sich auch im Umgang der Türkei mit der Feldpost, wie der Wehrbeauftragte erfuhr:

Der TUR Zoll verzögere zudem den Transport an der TUR-BUL Grenze um weitere zwei bis drei Tage. TUR fordere selbst für Briefpostsendungen ein NATO-Formular, das üblicherweise nur für Paketsendungen auszufüllen sei. Internationale Zoll- und Postrechtliche Vereinbarungen würden seitens TUR nicht eingehalten. Ein Soldat berichtete, dass er kürzlich ein Paket erst nach viereinhalb Wochen empfangen habe. Es sei außerdem vorgekommen, dass der TUR Zoll mit der Transall C 160 eingeflogene (Brief-) Post an der Airbase in Incirlik habe kontrollieren und Päckchen öffnen wollen.

Der Vollständigkeit halber muss allerdings auch erwähnt werden, dass die deutsche Planung nicht optimal gelaufen zu sein scheint. So beklagten Soldaten des Transportbataillons 465 aus Ellwangen, dass viele von ihnen nach dem Afghanistan-Einsatz erst ein halbes Jahr wieder zu Hause waren, als sie in die Türkei geschickt wurden – aber dort gar nicht gebraucht würden: Die Gruppe fahre mit Klein-Kfz Mahlzeiten vom Hotel zur Kaserne. Eine Transportgruppe sei gar nicht erforderlich.

Neben den, pardon, zugeschissenen Klos (da fehlt unter anderem, aber nicht nur, die Wasserspülung) zeigt sich ein viel grundsätzlicheres Problem: Die Türkei hat zwar die NATO um Unterstützung gebeten – auf politischer Ebene. Auf der Ebene darunter, also bei den Streitkräften, scheint diese Unterstützung nicht gewollt. Das merken übrigens nicht nur die Soldaten, sondern auch der deutsche Steuerzahler. Eine längere Unterbringung in Hotels ist ein Hauptgrund für die erwartete Kostensteigerung um knapp fünf Millionen Euro. Denn in der Gazi-Kaserne sieht es übel aus: Bei der Begehung des in Renovierung befindlichen Bestandsgebäudes zeigte sich, dass in manchen Stuben Schimmel an den Wänden nicht beseitigt, sondern nur übertüncht worden war.

Nachtrag: Auf die Auseinandersetzung zwischen dem türkischen General und den Feldjägern wollte ich hier eigentlich nicht eingehen, weil die anderswo schon ausreichend beschrieben wird. Da es in den Kommentaren aber eine Rolle spielt, hier noch aus dem Mängelkatalog des Wehrbeauftragten der entsprechende Passus:

Auf der Fahrt in der Delegationskolonne durch die Gazi-Kaserne regelte eine DEU Soldatin der Feldjägertruppe das Zulaufen der DEU/TUR/NLD Ministerfahrzeuge an die vorgesehene Position in der Kolonne. Zu diesem Zweck signalisierte Sie dem sich nähernden Fahrzeug eines TUR Generals abzustoppen, um den Ministerfahrzeugen das Einscheren zu ermöglichen. Der TUR General stieg daraufhin aus seinem Fahrzeug und schubste die DEU Soldatin sowie weitere zur Hilfe geeilte DEU Soldaten beiseite. Die Soldatin klagte danach über Prellungen.

Nachtrag 2: Ich habe mal den niederländischen Journalisten- und Bloggerkollegen Hans de Vreij gefragt, ob die Niederländer ähnliches erleben. Bislang ist davon nichts bekannt, allerdings: Die niederländischen Einheiten sind auf der Luftwaffenbasis Incirlik stationiert, de facto auf einer amerikanischen Basis, was manche, äh, Infrastrukturprobleme von vorherein löst. Und bislang haben die Soldaten die Basis wohl nicht verlassen (müssen/dürfen).

Die USA hatten in der Stationierungsphase über Probleme mit der türkischen Bürokratie geklagt: US Patriot deployment in Turkey mired in bureaucratic red tape

(Foto: Bundeswehr/PIZ AF TUR via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

179 Kommentare zu „Patriot-Einsatz „Active Fence“: Der NATO-Partner zeigt sich wenig verbündet“

  • Koffer   |   03. März 2013 - 17:27

    @Luftwebel
    Einerseits stimme ich Ihnen zu, aber im Detail habe ich da heftige Bauchschmerzen:

    „Der Weg ist einfach: Gespräch mit VPs, Spießen,“

    VP und KpFw sind für die Truppe nach unten da und nicht als „Beschwerdeverstärker“ nach oben…

    „Abweichungen vom geplanten Besichtigungstour,“

    Bei angekündigter Dienstaufsicht ist das das unverschämteste was es geben kann! Die Soldaten haben sich Tage, manchmal wochenlang darauf vorbereitet und dann haben sie auch das Recht Dinge zeigen zu dürfen.

    Wer ungeschminkte Bilder haben möchte, der muß unangekündigte Dienstaufsicht machen.

    Alles andere bringt nichts.

    Und man mag ja viel berechtigte Kritik an BM Jung gehabt haben, aber bei uns stand er eines Tages mit seinem Hubschrauber unangekündigt auf dem Sportplatz :)

    DAS ist ein „schöner“ Ministerbesuch! Keine Arbeit vorher, etwas Stress am Tag und dann ist es auch wieder vorbei.

    Das Beste für ihn (weil Realtität zu sehen) UND für die Truppe…

  • Memoria   |   03. März 2013 - 17:38

    @Koffer:
    Unangekündigte Dienstaufsicht mit genug Zeit für Gespräche ist sicher das Beste. Geht aber bei nem multinationalen Ministerbesuch im Einsatz nur schwer.
    Dass Jung dies mal gemacht hat finde ich gut, seine Wahrnehmung der Realität hat sich hierdurch aber offensichtlich nicht wesentlich verändert.

    Zu Ihren anderen Punkten:
    – Man kann sich das Vorbereitete anschauen UND das Unvorbereitete.

    – VPs sind n.m.V. dafür da die Probleme ihrer Dienstgradgruppe gegenüber Vorgesetzten zu vertreten und nicht als Sprachrohr der Führung „nach unten“.

    Egal wie man es macht: Schokoladenseite-Argumente eines Ministers sind völlig daneben. Damit gibt man nur Zeugnis ab von der Unkultur der Organisation für die man Verantwortung trägt – und dem Unwillen hieran etwas zu ändern.

  • Koffer   |   03. März 2013 - 17:52

    @Memoria
    „- VPs sind n.m.V. dafür da die Probleme ihrer Dienstgradgruppe gegenüber Vorgesetzten zu vertreten und nicht als Sprachrohr der Führung “nach unten”.“

    Die VP sind die Schnittstelle zwischen KpChef und Kompanie bzw. zwischen VPV und BtlKdr.

    Für nichts anders sind sie da! Es verstößt im heftigsten Maße gegen eine vertrauensvolle Beziehung zwischen KpChef uns „seiner“ VP (die ja aufgrund der erheblichen Informationsrechte die der VP zustehen eine ganz besondere ist!), wenn Vorgesetzte hier sozusagen „Informationen“ an den KpChefs/BtlKdr vorbei einholen.

    Nicht umsonst ist beim Quartalsgespräch des BtlKdr mit den VP des Verbandes immer auch die Wenzelrunde dabei!

    Deutlicher wird dieses Problem vor allem bei den „niedrigen“ Generalsrängen. Einem BM oder einem BK kann eine VP nichts sagen, was der Chef mit Recht im „kleinen Kreis“ der Kompanie lassen möchte.

    Bei einem BrigKdr oder vergleichbar wäre es so, als würde der BrigKdr die VP als Mittel der beurteilungsrelevanten Dienstaufsicht mißbrauchen.

  • Memoria   |   03. März 2013 - 18:03

    @Koffer:
    Dann kehren wir zum Kern zurück:
    Bei Truppenbesuchen von Abgeordneten wird oftmals das Gespräch mit VP gesucht, da man das Vertrauen in die Darstellungen durch Kdre (weniger durch KpChefs) oftmals nicht vertraut.
    Dabei sollen VP keine disziplinarechtlichen Dinge preisgeben, sondern aufzeigen wo der Schuh in den jeweiligen Dienstgradgruppen drückt.
    Wenn dies die Vorgesetzten tun würden, wären diese Gesprächsrunden unnötig.
    Aber man sich natürlich auch komplett auf den Dienstweg verlassen – in AFG hat man gesehen was dies gebracht hat.
    Es ist höchste Zeit bei Truppenbesuchen wieder klar anzusprechen was klappt und was nicht klappt.
    Das aktuelle Beispiel zeigt je doch, dass weiterhin rosa gemalt wird.

  • Luftwebel   |   03. März 2013 - 18:09

    @ Koffer
    Glauben Sie blos nicht, dass die Spieße und die VP schön still halten! Die sehen das genauso und würden auch was sagen, wenn sie dürften. Spätestens beim BtlKdr ist da aber Schluß. (Der ist ja grad mal 1,5 bis 2 Jahre da-was interessieren den denn z.B. die Liegenschaftsprobleme. Der tut doch alles um gut da zu stehen)
    Denen wird genauso ein Maulkorb verpasst, wie den Offizieren auf Brig/ Div Ebene. Ich bin lange genug dabei um das nicht nur einmal erlebt zu haben.
    Nach Aussen Hui und nach Innen Pfui. Alle Probleme werden schön geredet und gar nicht oder verfälscht dargestellt. Angefangen beim fehlenden Personal bis hin zu nicht funktionierenden Waffensystemen. Ich würd mir echt wünschen, dass einer der echt was zu sagen hat (IBUK, GI, oder ??) mal unangemeldet auf dem Hof stünde und sehen könnte was tatsächlich abgeht.

  • Memoria   |   03. März 2013 - 18:17

    Edit: Bei Truppenbesuchen von Abgeordneten wird oftmals das Gespräch mit VP gesucht, da man das Vertrauen in die Darstellungen durch Kdre (weniger durch KpChefs) verloren hat.

    @Werferfehler:
    Es ist aber angenehmer nichts zu wissen – sie TdM und Schokoladenseite (Mein Name ist Hase…).
    Das BMVg verwendet erhebliche Energie die selbst errichtete Scheinrealität aufrecht zu erhalten. Störer werden als Gefahr erkannt und „bearbeitet“ (Hexenjagd).
    Es geht dabei oftmals gar nicht mehr um das Problem, sondern nur noch um das „Leck“.
    Aber das wissen Sie offenbar weitaus besser als ich.

  • Luftwebel   |   03. März 2013 - 18:19

    @ Memoria
    Danke für die Warnung. Ab jetzt halt ich die Schnauze

  • Memoria   |   03. März 2013 - 18:24

    @Luftwebel:
    Das ist aus meiner Sicht der falsche Weg.
    Dann geht es nur noch mehr bergab.

  • huey   |   03. März 2013 - 19:27

    Die Berichte aus anderen Quellen sprechen mittlerweile eine etwas andere Sprache:

    Zwar ist der Vorfall zwischen dem TUR Gen und dem DEU FJ nach wie vor ungeklärt-sieht man die Beschwerden über die sanitären Einrichtungen (unter Berücksichtigung des generellen Zustandes dieser Anlagen in diesen Ländern) jedoch mal unter dem Aspekt, das die Soldaten die Nächte im Hotel verbringen, sieht das Ganze schon wieder anders aus.

    Wenn es nur um (Entschuldigung) „vollgesch*** Toiletten“ geht-dann sollten die Soldaten (egal, ob TUR oder DEU) einen Eimer und einen Besen in die Hand nehmen, und das Problem wäre in wenigen Minuten beseitigt-ganz unpolitisch und ohne das der VtdgM das in die Hand nehmen muss..

    Aber auch hier wieder einmal: Alles, was wir hier diskutieren, ist „Hörensagen“…..

  • T.Wiegold   |   03. März 2013 - 19:38

    @huey

    Ich frage, weil ich es wirklich wissen will: Welche Berichte aus anderen Quellen?

  • Memoria   |   03. März 2013 - 19:44

    @huey:
    Das mit der Grundreinigung der Sanitätseinrichtungen ist grundsätzlich richtig.
    Aber es ist ja nur ein Beispiel für die weitaus grösseren politischen Probleme (Truppenstatut) und die Schönrednerei der Zustände durch die Bw.

    Daher geht auch die Reaktion von TdM am Kern vorbei: Die neue Infrastruktur löst nicht die anderen – grundlegenden – Probleme.

  • huey   |   03. März 2013 - 20:26

    @TW:Es gibt auf anderen Internetseiten (vor allem in bestimmten Militärforen) Soldaten, die (scheinbar?) aus dem Einsatz „bloggen“. Ich habe bewusst auf Links verzichtet, da ich mir die ganzen Ausführungen zum Leitungsschutzrechtsgedöns nicht antun wollte…
    Es handelt sich hier aber NICHT um „offizielle“ Berichte, sondern vielmehr um (scheinbare) Aussagen von Soldaten aus dem Einsatz…

    @Memoria: Ja-richtig.
    Ich bezog mich auch NUR auf die Geschichte „Sanitäre Anlagen“ und „seit 14 Tagen keine Zigaretten mehr bekommen“-DAS ist (typisch Deutsches) „Jammern auf hohem Niveau“.

    Das ändert natürlich nichts daran, das es nicht hinnehmbar ist, das es im Jahre 2013 offensichtlich KEINE Zusammenarbeit zwischen den NATO-Mitgliedsstaaten zu geben scheint…

  • Hans Tonnenkäse   |   03. März 2013 - 22:22

    Es kann nicht sein was nicht sein darf!

    Da unsere mil. Führung den HUB unbedingt will, werden wir alles, aber auch alles hinnehmen und schön reden. Am Ende wird die FJg’in noch gemaßregelt und irgendetwas wird man finden, und wenn es etwas an der Uniform ist !
    Ich stelle mir auch die Frage, was passiert wäre, wenn die FJg’in den Herrn General Festgesetzt oder gar ausgeknockt hätte? Wahrscheinlich wäre sie entlassen worden und die Kanzlerin wäre noch in der gleichen Nacht zu Erdogan geflogen um den Bückling zu machen!
    Wir finanzieren die Türkei durch diesen Einsatz doch indirekt. Die Hotels sollen gerüchteweise mittlerweile 250.000 Euro die Woche kosten ! (Das sollten die mal im Monat kostet!), Jede einzelne Leistung der Türkei rechnet diese brav und artig nach dem HNS – Regelungen ab. Da kennt die Türkei jeden Posten und Satz genau, und wir zahlen jeden Preis, wie immer!
    Kein Wunder also, das der Einsatz laufend teurer und teurer wird!
    Das der Herr Oberst nur die Weichgespühlte Wahrheit präsentiert, kennen wir ja aus allen Einsatzgebieten. Für die Folgeverwendungf ist ja immer alles super, toll,bestens… :)
    Der Botschafter wird desweigen jedenfalls nicht einbestellt…

    Gute Besserung und toi toi toi all denen die da unten abhängen…

    Schimmel gab es in den Zelten der Kongo Soldaten auch, genauso wie zugeschiessenen Toiletten- das ist wie immer -nicht schön aber kein Genickbruch !

  • Someone   |   03. März 2013 - 22:46

    @ huey

    S313 wird es aber wohl kaum sein, oder?
    Da sind die Beiträge hierzu ja auch eher mau bzw. zusammenzufassen unter „sollen sich die Herren der Lw mal nicht so anstellen, welcome to army-reality!“ ;-)

  • D.Deimler   |   03. März 2013 - 23:06

    @huey
    @TW

    >Zwar ist der Vorfall zwischen dem TUR Gen und dem DEU FJ nach wie vor ungeklärt-sieht man die Beschwerden über die sanitären Einrichtungen (unter Berücksichtigung des generellen Zustandes dieser Anlagen in diesen Ländern) jedoch mal unter dem Aspekt, das die Soldaten die Nächte im Hotel verbringen, sieht das Ganze schon wieder anders aus.<

    Ja die Herren der Luftwaffe residieren noch bis mindestens 15. März (!) im Hotel. Kosten pro Person je nach Hotel (drei wurden belegt) zwischen 130€ und 185€/Nacht. Wie ich hörte (nein – weiß) sind inzwischen bereits vier Millionen € für diesen "Einsatz" draufgegangen (Kosten vor Ort in der Türkei).
    Zum Vorfall General / Oberfeldwebel: ein "Interkultureller Einsatzberater" aus dem Einsatzführungskommando ist nun ins "Einsatz"-gebiet entsandt worden und soll´s richten. Zwischen dem deutschen Kontingentführer und der türkischen Seite herrscht nämlich eisige Funkstille.

    Das alles erinnert mich an den glorreichen "Einsatz" von weinerlichen Majoren in Erhac anno dunnemals. Auch dort waren die "Herren" überfordert wegen:
    – Abwesenheit von zu Hause
    – geregeltem Dienst
    – unerwarteter Langeweile
    – keiner Chance, eine Einsatzmedaille zu bekommen.

    …ach ja, und eine AVZ-Stufe zwei sollen sie auch bekommen. Trotz Hotelunterkunft, rundum-Betreeuung und sonstigen Annehmlichkeiten (Hotelbar, Cocktails, „türksichen Abenden“…). Wie die Kollegen in anderen Einsatzgebieten das wohl sehen ? Oder die in Trabson…….

  • Elahan   |   03. März 2013 - 23:27

    @Memoria
    “Der Minister wurde informiert ob die Botschaft persönlich bei ihm ankam, kann ich nicht sagen!”

    Aber wenn er unsere mili Führer (Entourage) nicht ermutigt, klar Mißstände anzusprechen, dann muss man sich nicht wundern!

    Er wird ja wohl auch über die Probleme der Neuausrichtung und über die evtl Fehler bei der Standortentscheidung informiert! Evtl sollte er mal einen unangemeldeten Besuch in Glücksburg, Rheine, Lechfeld, Laupheim, Schönewalde uvm machen!
    Auch da wird er die Schuld auf die Soldaten schieben!

    @Someone
    “sollen sich die Herren der Lw mal nicht so anstellen, welcome to army-reality!” ;-)

    Es sind eben nicht nur Lw Soldaten dabei! Mir ist auch nicht bekannt, dass es beim Herr unhygienisch zu geht! Der Unterschied zwischen Dreck und Krankheitserreger (Pilze, Viren und Bakterien) sind den Kommandoteilnehmern bekannt!

  • T.Wiegold   |   04. März 2013 - 0:21

    @D.Deimler

    Und ich dachte, ich hätte das deutlich genug gemacht: Es geht aus meiner Sicht nicht in erster Linie um kulturelle Differenzen und ähnliches – Hauptproblem ist, dass ein NATO-Mitgliedsland die Bestimmungen des NATO-Truppenstatuts freihändig ignoriert und gegenüber von ihm angeforderten Soldaten eines anderen Mitgliedslandes destruktiv die Aufgabenerfüllung zu verhindern versucht. Jenseits vollgeschissener Toiletten, Kaserne oder Hotel, Feldjäger oder nicht.

  • Martin   |   04. März 2013 - 0:23

    Ui, übertünchter schimmel – wie kann es sein das man hierzulande eine stube räumt und nach 12h wieder beziehen kann nach gemeldetem schimmel…!

  • Vtg-Amtmann   |   04. März 2013 - 4:00

    @Memoria, @Elahan & @all: „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen, nichts machen … Schönrednerei der Zustände durch die Bw und Nichtansprache der mangelnden Kooperationsbereitschaft der Türken. … .“ und was @Thomas W. schreibt … „NATO-Truppenstatuts freihändig ignoriert und gegenüber … angeforderten Soldaten …. destruktiv die Aufgabenerfüllung zu verhindern versucht …“, das stimmt leider auch Alles!

    Das war aber schon mal in 1976 da, wurde allerdings damals anders, mittels weniger Diskussionen und Ausreden samt weniger Herumlavieren und Kosten sowie binnen Tagen kurzfristig gelöst.

    1976 während des Erdbebenhilfseinsatzes in Friaul versuchten ansatzweise unsere „italienischen NATO-Kameraden“ auch den „Big Molly“ gegenüber den Vorkommandos der Bw, den Pioniereinheiten und uns Heeresfliegernn sowie den Amerikanen und Kanadiern zu spielen. In Masse waren dies die ganz bewußt von italienischer Seite eingesetzten süditalienischen Verstärkungskräfte, d.h. StOffze bis runter zum Primo Maresciallo Luogotenente (eine ganz besondere Sorte von Soldaten und Menschen), bei deren fast luxuriöser Unterbringungung in den besterhaltensten Kasernen und bei den Mahlzeiten selbst im Einsatzgebiet in Verpflegungszelten mit kasinoähnlichem Betrieb. Anfangs waren unsere Soldaten für die Drecksarbeiten ja gut genug und wurden eben teils entsprechend behandelt. Von gewissen Altlasten bzw. Vorurteilen bei der älteren Zivilbevölkerung – völlig im Gegensatz zu den jüngeren Generationen – gegen Bundeswehr-Soldaten einmal ganz abgesehen.

    Eine der ersten Maßnahmen des Deutschen Einsatzleiters, Oberst Weißbrodt (Korps-Pi-Kdr II. Korps) war, sich sofort und ohne vorherige Ankündigungen „per Rundreise mittels Hubschrauber“ ob der tatsächlichen Zustände und Kooperationsstrukturen zu vergewissern. O. W. hatte auch den Mumm, die objektiven Fakten sofort dem Kommandierenden General des II Korps / Ulm, Generalleutnant von Ilsemann, zu melden. Bereits 3 Tage später (!) war dann der Bundesverteidigungsminister Georg Leber zur Besprechung mit der Italienischen Regierung in Rom und forderte u.a. klare Kooperations-und Informations-Procedere sowie möglichst einheitliche sowie den Umständen angemessene bzw.mögliche Versorgungs-, Unterkunfts- bzw. Lager- und Betreuungs-Standarts für alle Soldaten im Katastrophengebiet ein. Noch am gleichen Tage besuchte Leber auch „seine“ Soldaten. Während eines Erkundungsfluges über das betroffene Gebiet fällte Leber zusammen mit O. Weißbrodt u.a. folgende weitere „Entscheidungen“:

    Die deutschen Soldaten bleiben so lange im Einsatz, wie auf NATO-Ebene beschlossen bzw. verlangt wird und/oder die italienische Seite diese benötigen („What ever comes last“). Also eine auch diplomatisch sehr kluge sowie indirekt bilaterale Erweiterung des (NATO-) Auftrags bzw. damit die Weitergabe des „schwarzen Peters“ an die Italienische Regierung, deren Militärs und deren weitere Exekutive.

    Ob der enormen Leistungen „seiner“ Soldaten – speziell in den ersten schauderhaften Einsatztagen und dies unter im wahrsten Sinne katastrophalen Einsatzbedingungen -, ob der Anerkennung und deren Motivation, bis hin zum letzten Wehrpflichtigen, wusste Leber. Er ordnete noch während seines Besuches am 15.05.1976 an, dass pro Mann eine (!) Flasche Wein zu beschaffen sei und diese rationiert ausgegeben werden. Also „kleine Mittel, große Wirkung“, fast gewerkschaftlich, aber auch für „Schwarz- bis Gelb-Anhänger“ überzeugend.

    In einem Fernschreiben des II. Korps an den Einsatzleiter hieß es hierzu: „[…] gemäß Anweisung des Chefs des Stabes habe ich Ihnen mitzuteilen: Der vom BM-Vtdg am 15.5. zugesagte Wein (1 Flasche/Mann) ist am Einsatzort zu beschaffen und von der Truppen-Verwaltung zu bezahlen. (Quellen: BA-MA, BW 1/75838, Fernschreiben zum Besuch des BM-Vtdg in Italien vom 17.05.1976. und BA-MA, BW 1/75838, Fernschreiben des II. Korps / Ulm an Oberst Weißbrodt vom 18.05.1976)

    Fazit: Die ab 12.05.1976 ersten aufgetretenen Probleme konnten sich gar nicht ausweiten und waren binnen Tagen alle gelöst bzw. konkreten Lösungen zugeführt. Also binnen 1 Woche waren jegliche Bevormundungen und/oder deren weitere Versuche durch die „Hausherrn“ vorbei.

    Unsere Soldaten waren derart vom Minister anerkannt und motiviert und alles Weitere war nur noch – wenn erforderlich – ein weiteres „Ein-Norden“ der zunehmend konstruktiv kooperierenden Italiener durch die jeweiligen Einheitsführer der BW, der Amerikaner und der Kanadier (wobei Letztere selbstverständlich vom BW-Wein auch was abbekommen haben). M.W. war eine einzige weitere Vorsprache des HFlg-Kdrs und dessen Einsatz-StOffz beim italienischen Einsatz-Kdr im südlich vom Epizentrum gelegenen Udine noch von Nöten. Unseren „NATO-Brüdern“ musste verdeutlicht werden, dass bei den Hubschrauber-Einsatzplanungen die humanitären und pionierspezifischen Einsätze absoluten Vorrang haben. In Udine war längst der Druck aus Rom angekommen und der musste – ob man wollte, oder auch nicht – gnadenlos nach unten und auch an die letzten Quertreiber weitergegeben werden. Derart war ein und für alle mal „Ruhe im NATO-Stall“!

    Wieso sollte so etwas heutzutage nicht auch funktionieren, sofern man bereits binnen Tagesfristen seitens der eigenen Truppe reagiert? Beim Türkischen Militär „sticht doch ebenso Ober den Unter“ und der Türkische Amtskollege war doch beim Besuch unseres IBUK mit dabei. Man muss ja nicht gleich eine Toiletten- und Duschraum-Führung veranstalten, um zwei Verteidungsminster samt türkischen Kasernenkommandanten ob mangelnder Kooperationsbereitschaft und Unterstützung sowie zwecks immer noch ausstehender Lösungen zu weitaus wichtigeren Problemen zu zeigen „wo die Pfanne hängt“? Das ergänzende Angebot einer solchen Besichtigung hätte gelangt, würde der „Pragmatiker und gelernte Maurer Schorsch“ warscheinlich sagen und aus seiner höheren Perspektive auf die heutige Bundeswehr und seinen heutigen Amtsnachfolger nachschieben, dass Informationen immer nur so gut wie deren Quellen und/oder auch die Fragen des IBUK sind!

    Und wenn das mit den monatelangen Hotelkosten in etwa stimmt, was unterstellt werden darf, dann sollten wir nicht auch noch hier über „übertünchten Schimmel“ diskutieren. Vielmehr wäre bei einem „Augengeradeaus“ und anschließemdem „Rührt Euch“ sowie mit einem Zwinkern der „Schorsch“ zu bitten, den Erzengel Aloisius schleunigst zwecks „göttlicher Eingebung“ zum Bundesrechnungshof zu schicken und bei der nächsten „himmlischen Stabsbesprechung“ dem Teufel zu stecken, dass dieser schon mal für die „Türkei-Einsatz-Verantwortlichen“ – d.h. vom Kontingent-Führer bis zum Minister – das Fegefeuer vorheizen möge!

  • huey   |   04. März 2013 - 7:21

    Kann einmal einer GENAU spezifizieren, WELCHES Nato-Statut hier missachtet wird-und dies an handfesten Beispielen festmachen?

  • Tom   |   04. März 2013 - 7:38

    Artikel V [Kennzeichnung der Truppenangehörigen und der Dienstfahrzeuge]:
    „Die Mitglieder einer Truppe tragen in der Regel Uniform. …
    Dienstfahrzeuge einer Truppe oder eines zivilen Gefolges führen außer ihrer Kennummer ein deutliches Staatszugehörigkeitszeichen. “

    Artikel VI [Waffenbesitz]:
    „Mitglieder einer Truppe können Waffen besitzen und tragen, vorausgesetzt, dass sie durch ihre Dienstanweisung hierzu befugt sind.“

    Artikel IX [Versorgung von Truppe, zivilem Gefolge und Angehörigen; Reiseerleichterungen]:
    „Vorbehaltlich von …, übernehmen allein die Behörden des Aufnahmestaates die Verantwortung dafür, dass geeignete Maßnahmen getroffen werden, um einer Truppe oder einem zivilen Gefolge die von ihnen benötigten Liegenschaften sowie die zugehörigen Einrichtungen und Leistungen zur Verfügung zu stellen.“

  • T.Wiegold   |   04. März 2013 - 8:15

    Zur Info: Der Kontingentführer, Oberst Marcus Ellermann, hat heute morgen dem MDR ein Interview gegeben:

    http://www.mdr.de/mdr-info/audio486268.html

  • Memoria   |   04. März 2013 - 8:45

    Das ist dann wohl die Schokoladenseite – alles andere sind nur Details.

  • Voodoo   |   04. März 2013 - 10:20

    Nun ja, Oberst Ellermann hat ja zumindest „etwas Schieflage“ bestätigt. Ich denke, der diplomatischen Grundhaltung seiner Antworten ist es geschuldet, dass es sich etwas nach „rumeiern“ anhört. Oder ist das ein Fach in Hamburg? ;-)

  • Hans   |   04. März 2013 - 10:31

    Diplomatisch ausgedrückt, aber ich denke hier kann man gut „zwischen den Zeilen“ lesen.

  • Prediger   |   04. März 2013 - 10:53

    Offizielle Stellungnahme des TUR-Generalstabs:
    http://tinyurl.com/d6curon

  • mat the rat   |   04. März 2013 - 10:59

    TdM auf Truppenbesuch in TUR:

    „……bedankte sich der Minister für die großartige Unterstützung durch die türkische Seite. Er sprach dabei speziell die geplante Unterbringung des Kontingents in der Gazi Kaserne an. „Wir bedanken uns für die Tatsache, dass die türkische Regierung extra Gebäude saniert, oder neu errichtet, damit unsere Soldaten gut und angemessen untergebracht sind.“

    „Im Gespräch mit einigen deutschen Soldaten erfuhr der Minister von der Gastfreundschaft der türkischen Soldaten und auch der Bevölkerung. Es freute ihn zu hören, dass sich die Truppe in der Türkei willkommen fühlen.“

    klagt nicht – kämpft! semper fortis

  • Elahan   |   04. März 2013 - 12:22

    Zu den hygienischen Mängeln am Einsatzort sagte der Kommandeur, die Vorwürfe des Wehrbeauftragten Königshaus seien berechtigt. Die sanitären Anlagen seien alt, verdreckt und würden nur unregelmäßig gereinigt. Es müsse jedoch berücksichtigt werden, dass der Einsatz auch für die Türkei recht kurzfristig erfolgt sei. „Die türkische Seite tut aber alles, um die Bedingungen kurzfristig zu verbessern“, betonte Ellermann. (Spon)

    Der Kdr wußte seit 14 Tagen, dass die Sanitäranlagen nicht zu gebrauchen waren! Gibt es da keinen Einsatzsofortbedarf?

  • T.Wiegold   |   04. März 2013 - 14:30

    @all

    Ich hab‘ zu dem Thema einen neuen Thread aufgemacht (mit der türkischen Stellungnahme) und die Kommentare dazu dorthin verschoben. Damit es nicht noch weiter ausfasert…. bitte jetzt alle Kommentare im neuen Thread.