Einberufungsbescheid für Captain CIRK

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Die Abkürzung scheint mit Bedacht gewählt. Ein Cyber- und Informationsraumkommando, abgekürzt CIRK, will sich die Bundeswehr zulegen, um von der Informationstechnik bis zur Nachrichtensammlung alle Bereiche dessen zu bündeln, was landläufig als Cyberraum bezeichnet wird. Phonetisch erinnert das nicht zufällig an James T. Kirk, den Kommandanten des TV- und Film-Raumschiffs Enterprise in der Star Trek-Serie. Ein Aufbaustab im Verteidigungsministerium soll bis zu Frühjahr 2016 die Konzeption für einen eigenen Organisationsbereich erarbeiten, der nach dem Muster ähnlicher Cyber Commands bei Verbündeten wie den USA oder Israel die technische wie inhaltliche Seite des Informationsraums umfasst – zusammen mit einem Organisationselement IT/Cyber im Ministerium selbst.

Was schon vor einigen Tagen im Grundsatz bekannt wurde, hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am (heutigen) Donnerstag in einem Tagesbefehl der Truppe mitgeteilt:

Die Bundeswehr ist im Cyber-Raum auf mindestens zwei Arten betroffen: Erstens ist der Cyber-Raum bereits heute ein fester Begleiter konventioneller Operationsführung und stellt somit eine eigene Domain dar – wie bislang Land, Luft, See und Weltraum. Zweitens ist die Bundeswehr eine hochgradig vernetzte, zunehmend digitalisierte Großorganisation, die sich schützen muss.
Für diese Herausforderung im Cyber-Raum muss die Bundeswehr sich aufstellen. Die Bundeswehr hat bereits gute Fähigkeiten im Cyber-Raum und in der Informationstechnologie (IT) – diese sind aber organisatorisch verstreut. Diese Fähigkeiten müssen wir zusammenführen und stärken. Deshalb wird ein neues Zielbild für die für die Bereiche Cyber-Raum und IT im nachgeordneten Bereich und im Ministerium entwickelt. weiterlesen

InfoWar: Propaganda ist das Ziel

Fundstück und Leseempfehlung: Der australische Jason Logue Stabsoffizier beschäftigt sich mit der Kommunikationsstrategie von Terrororganisationen, insbesondere den islamistischen ISIS-Milizen. Seine These: Es geht den Aufständischen/Terroristen/wie auch immer sie genannt werden darum, die Marke der Organisation im Bewusstsein zu verankern, vorrangig vor klassischen militärischen Zielen. Und damit die Herrschaft über den Informationsraum zu gewinnen.

In simple terms, insurgents utilise the reach and immediacy of modern communication networks to dominate the information environment. They have little concern over whether this coverage is perceived as positive or negative to their cause. They simply want the coverage of their brand and need to sustain it. This focus has insurgent leaders planning and executing operations designed purely for their propaganda appeal and in the modern age, using personnel for an information effect on the global stage rather than against a traditional military objective. Human lives are sacrificed for air time and social media prominence. Archaeological marvels are destroyed for front page coverage. Slavery, executions and public punishments drawn straight from the Dark Ages are designed to ensure each news bulletin continues to highlight the organisation’s brand.

Der ganze Text:
Propaganda of the Deed: How insurgents are seizing the initiative in the information environment

 

InfoWar Ukraine: Der Separatist, das Stofftier und der blinde Fleck

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Dass der Informationskrieg um Ereignisse in der Ukraine und deren Deutungshoheit in vollem Gange ist, ist keine neue Erkenntnis. Dass es dabei auch im Westen zumindest blinde Flecke der Wahrnehmung gibt, wird oft ausgeblendet – deshalb (verspätet) ein notwendiger Hinweis auf solche Probleme auch hierzulande: Das Bild eines pro-russischen Separatisten, der an der Absturzstelle des – höchstwahrscheinlich abgeschossenen – Malaysia Airlines-Fluges MH17 ein Stofftier aus den Trümmern hochhält, ging um die Welt. In der Regel als Beleg dafür, wie skrupellos sich die Separatisten an dieser Absturzstelle aufführen.

Ein Blick auf die ganze Sequenz am 18. Juli verändert diese Wahrnehmung – hier ein (russisches) Video von diesem Ereignis, ab 1:10 wird es interessant: weiterlesen

ISAF-Operationen: So genau sollen wir’s nicht wissen

Die internationale Afghanistan-Schutztruppe ISAF, genauer gesagt deren umfangreiches Medien- und Pressepersonal, hat ganz still und leise in ihrer Informationspolitik ein kleines, aber wichtiges Detail verändert.

Zum Vergleich – hier ein Zitat aus dem ISAF Joint Command morning operational update für den 6. Oktober:

An Afghan and coalition force detained a number of suspected insurgents during a security operation in search of a Taliban senior leader in Qal‘ah-ye Zal district, Kunduz province, today. The Taliban leader is believed to be planning a future attack targeting Afghan and coalition forces.

Und zum Vergleich ein paar Tage später, aus dem nächsten update für den 9. Oktober:

An Afghan-led security force, supported by coalition troops, arrested a Taliban facilitator and improvised explosive device producer in Kandahar province today.

Da fehlt doch was?  Genau, die Angabe des Distrikts. Afghanische Provinzen sind flächenmäßig ja nicht so klein. Das ist auch anderen Kollegen aufgefallen, und die haben bei den ISAF-Presseleuten nachgefragt, via Twitter. Die Antwort von @ISAFmedia kam prompt:

We’ve scaled back on the info included in ops updates due to operational security concerns

Hm. Die Aufständischen dürften wissen, in welchen Distrikten afghanische Sicherheitskräfte und ISAF-Truppen gegen sie vorgegangen sind. Vielleicht macht’s einfach ein schlechtes Bild, wenn Beobachter aus den vorher etwas präziseren Meldungen ein genaueres Bild über Unruhedistrikte in Afghanistan gewinnen konnten?

Somalias Islamisten und der Informationskrieg

Es ist vermutlich in dieser Art (noch) eine Ausnahme: Die militanten Islamisten in Somalia, die Al-Shabaab-Milizen, nutzen Social Media im Informationskrieg – hier gegen ihre Gegner in Kenia. Die kenianische Armee geht (zusammen mit anderen afrikanischen AMISOM-Truppen) gegen die Islamisten in Somalia vor. Al-Shabaab ist schon lange auf Twitter aktiv, ebenso übrigens auf der Gegenseite der Sprecher der kenianischen Streitkräfte.

Heute lieferte Al-Shabaab ein besonders interessantes Beispiel für die Nutzung ihrer Propaganda über die sozialen Medien – oder gibt es zumindest vor: Die Islamisten veröffentlichten eine Audiodatei mit dem angeblichen Telefonat mit der Schwester eines gefallenen kenianischen Soldaten. Und gaben am Schluss auf Twitter sogar ihre Telefonnummer an.

 

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