Dokumentation: Reden zum 20. Juli – von der Leyen, Wolffsohn

Die Reden beim traditionellen Feierlichen Gelöbnis der Bundeswehr zum 20. Juli, dem Tag des deutschen militärischen Widerstands gegen Adolf Hitler, dürften in diesem Jahr unter einem ganz besonderen Blickwinkel aufgenommen werden: Sagen die Redner vor dem Hintergrund der seit Monaten tobenden Debatte über Traditionsverständnis und -pflege in den Streitkräften etwas zu eben diesem Traditionsverständnis? Greifen sie das auf, und wenn ja, wie?

Am (heutigen) 20. Juli redet zudem nicht nur Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, sondern vor allem als Hauptredner der frühere Geschichtsprofessor an der Bundeswehruniversität München, Michael Wolffsohn. Der ist für oft pointierte Aussagen bekannt – und hatte aktuell in einem Interview von Soldaten mehr Bereitschaft zur Selbstkritik gefordert.

Zur Dokumentation hier wesentliche Passagen aus der – vergleichsweise kurzen – Ansprache von der Leyens und Wolffsohns Rede jeweils in der vom Verteidigungsministerium vorab veröffentlichten Fassung:

Ursula von der Leyen (Auszug)

Die Truppe stellt sich breiter und unterschiedlicher auf – weil die heutigen Bedrohungen und Aufgaben neue Antworten erwarten. Wir sprechen von hybriden Kriegen, die auch im Cyber- und Informationsraum entschieden werden. Und die Bundeswehr wird vielfältiger, weil sie die Vielfalt unserer offenen und freien Gesellschaft widerspiegelt. Nur so kann sie auch weiterhin fester Bestandteil der Gesellschaft sein, deren Schutz ihr Auftrag ist. Sie hat viele Menschen in ihrer Mitte, die das Leben gelehrt hat, sich auf andere Sichtweisen und Kulturen einzustellen. weiterlesen

Helm wieder auf! (und andere vermischte Meldungen)

Gute Nachrichten für alle Nutzer von Gefechtshelmen in der Bundeswehr (also alle): Die Sperrung des Gefechtshelms eines bestimmten Herstellers ist wieder aufgehoben. Im Mai hatte ja das Bundesamt für Ausrütung, IT und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) verfügt, dass wegen festgesteller Problemen mit Halteschrauben alle Helme der spanischen Firma Induyco überprüft werden müssten (für den Ausbildungsbetrieb wurde das dann gelockert). Jetzt ist klar: Ist doch alles nicht so schlimm mit den Schrauben.

Nach Durchführung von umfangreichen Untersuchungen im Bereich Beschussamt MELLRICHSTADT konnte nachgewiesen werden, dass kein weiterer akuter Handlungsbedarf besteht und die Nutzungseinschränkung somit aufgehoben werden kann. (…) weiterlesen

Zurück in die Tube (3): Kommentar wieder online

Meine Leser haben es natürlich längst vor mir gemerkt (ich bin derzeit unterwegs): Der zunächst aus dem Internet entfernte, umstrittene Kommentar bei Deutschlandradio Kultur zum Thema Der Wehrbeauftragte und das Gelöbnis ist wieder online und hier zu finden.

Die vorübergehende Löschung, betont der Sender, habe nichts mit dem Brief des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus und seiner Forderung nach Löschung zu tun:

In eigener Sache
Es darf kein Zweifel an der Unabhängigkeit von Deutschlandradio entstehen. Angeblich konnte der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus einen auf der Startseite von Deutschlandradio Kultur am 20. Juli nach der Sendung dort eingestellten Kommentar „löschen lassen“. Der Vorwurf trifft selbstverständlich nicht zu.

heisst es auf der Webseite von Deutschlandradio Kultur.

Nun. Gut jedenfalls, dass die Löschung rückgängig gemacht wurde.

Zurück in die Tube (2)

Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages fühlt sich in einem Kommentar des Deutschlandradios Kultur persönlich angegriffen, verlangt vom Sender die Entfernung des bereits gesendeten Kommentars zum öffentlichen Gelöbnis am 20. Juli von den Internetseiten des Deutschlandradios – und hat damit auch Erfolg. So weit sind die Fakten um diese Kontroverse bereits bekannt, und der gelöschte Kommentar ist sowohl als Audiodatei wie auch als Abschrift beim Bendler-Blog zu finden.

Im Zusammenhang mit diesem Vorfall haben Spiegel Online und die Bild-Zeitung ausführlich aus dem Brief zitiert, den der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus am 23. Juli, drei Tage nach Veröffentlichung des Kommentars, an den Autor Klaus Pokatzky wie an die Spitze des Deutschlandradios Kultur gesandt hat. Im Unterschied zu dem Kommentar selbst gibt es allerdings bislang den Brief nur in Auszügen zu lesen, damit fehlt das ganze Bild. Deshalb habe ich hier unten den Wortlaut mal eingestellt.

Um meine Sicht der Dinge noch mal auf den Punkt zu bringen: Über den Kommentar kann man durchaus heftig debattieren. Aber es handelt sich um einen Text, der in dem öffentlich-rechtlichen Sender nach den gültigen Regeln für solche Beiträge freier Mitarbeiter abgenommen und gesendet wurde. Nach der Veröffentlichung gibt es verschiedene Wege, damit umzugehen. Die Löschung von der Webseite des Senders, um damit den Text aus dem öffentlich zugänglichen Archiv zu tilgen, gehört aus meiner Sicht nicht dazu.

Der Brief:

Sehr geehrter Herr Pokatzky,

Sie haben es für richtig befunden, mich am 20. Juli in einem Kommentar im Deutschlandradio Kultur mit einer kräftigen Schmähkritik zu überziehen. Ich habe lange gezögert, zu reagieren, denn ich bin fassungslos, so etwas bei einem öffentlich-rechtlichen Programm erleben zu müssen.

Sicher haben Sie übersehen, dass Sie mit Ihrem Kommentar grob gegen den Pressekodex verstoßen, wo es heißt: “ Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.“ Das aber  haben Sie mit Ihrem Kommentar getan, denn die Schmähungen sind in der Form unzulässig und in der Sache unbegründet. weiterlesen

Zurück in die Tube

Zum Vorgang um den Wehrbeauftragten und den auf sein Verlangen gelöschten Deutschlandradio-Kommentar hat eigentlich Sascha Stoltenow vom Bendlerblog das Nötige gesagt (bei ihm gibt’s diesen Kommentar auch zum  Nachlesen, plus Link zur Tondatei), Spiegel Online hat das Thema ebenso aufgegriffen wie der Medien-Branchendienst Meedia (nachdem die Bild-Zeitung heute darüber berichtet hatte). Mich haben  etliche Leser heute gefragt, ob ich dieses Thema auch aufgreife… und ich habe als Journalist natürlich eine Meinung dazu.

Kurzes Gedankenspiel: Stellen wir uns vor, in den Tagesthemen hätte ein ARD-Kommentator die Bundeskanzlerin heftig wegen ihres Umgangs mit der Euro-Krise beschimpft und ihre Arbeit mit der bestimmter Reichskanzler in der Weimarer Republik verglichen. Und Regierungssprecher Steffen Seibert hätte nicht in erster Linie öffentlich widersprochen, sondern in einem Brief an die ARD-Gewaltigen gefordert, den – bereits ausgestrahlten – Kommentar aus dem Internetangebot der Öffentlich-Rechtlichen zu löschen. Video und Text.

Das mediale Echo darauf wäre, nun, entsprechend. Hier haben wir es ein paar Nummern kleiner, aber der Mechanismus ist der Gleiche.

Nun kann man darüber streiten, ob die harschen Töne des Kollegen Klaus Pokatzky über den Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus und dessen Kritik am Ort des Gelöbnisses zum 20. Juli berechtigt oder überzogen waren. Man kann sogar der Meinung sein, dass der Kommentar den Wehrbeauftragten unzulässig als Person in den Senkel gestellt hat. Alles denkbar.

Aber eines geht nicht: einen bereits ausgestrahlten Kommentar nachträglich vom Erdboden verschwinden lassen zu wollen. Ungefähr so, als würde man nach dem Abdruck eines nicht genehmen Kommentars in einer Zeitung die Archivexemplare schreddern lassen, damit ja nichts davon der Nachwelt erhalten bleibt. Dass, wie Spiegel Online berichtet, der Intendant die nachträgliche Löschung mit den Worten verteidigt Ein nicht stringent argumentierter Kommentar, obwohl der Meinungsbeitrag große Freiheit gestattet, sollte im Deutschlandradio weder gesendet noch im Internet veröffentlicht werden. Dass der kritisierte Wehrbeauftragte sich beschwert, hat die Entscheidung des Chefredakteurs nicht beeinflusst, ist eine lahme Ausrede. Denn der Kommentar war ja gesendet worden. Die Löschung hinterher ist wie der Versuch, die Zahnpasta in die Tube zurückzudrücken. Das Ergebnis ist entsprechend.

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