Das erste Freiwilligen-Gelöbnis

Vor dem Berliner Reichstag, dem Sitz des Bundestages (ich finde, das sollte man dazusagen…) haben heute erstmals im feierlichen Rahmen ausschließlich freiwillige Soldaten das Gelöbnis abgelegt. Unter den Freiwillig Wehrdienstleistenden waren auch zwei Frauen, die allerdings in der Masse der Männer untergingen. Bei den Berichten über dieses feierliche Gelöbnis am 20. Juli wird bislang immer ein Absatz aus der Rede von Bundespräsident Christian Wulff zitiert:

Der Geist der Bundeswehr wird sich mit Aussetzung der Wehrpflicht nicht verändern. (…) Was sich aber auch nicht ändern darf, ist der Geist, in dem wir als Bürger der Bundeswehr gegenübertreten. Sie gehört in unsere Mitte, in unsere Schulen und Hochschulen, auf öffentliche Plätze. Ihre Freiwilligkeit darf nicht zu Gleichgültigkeit der Gesellschaft führen. Hier mache ich mir durchaus Sorgen, die hoffentlich unberechtigt sind.

Ich bin gespannt. Und ich vermute, dass Politiiker diese Sätze künftig gern immer wieder zitieren werden. Ich finde ja, dann sollten sie auch einen weiteren Absatz aus der Rede des Präsidenten immer wieder laut sagen:

Unsere Soldatinnen und Soldaten kennen aus eigener, manchmal auch bitterer Erfahrung die Grenzen militärischer Einsätze. Daher ist es so wichtig, dass die Politik auf ihren Rat besonders hört, bevor ein Einsatzbefehl ergeht. Allein militärisch ist nicht zu gewinnen – weder der Frieden, noch kann man damit stabile Demokratien schaffen. Im Zusammenwirken von Politik, zivilem Engagement, Entwicklungszusammenarbeit und dem Dialog der Kulturen liegt der Erfolg.

Ob die Politik dem folgt? Werden wir ja sehen.

64 Gedanken zu „Das erste Freiwilligen-Gelöbnis

  1. @ T.Wiegold | 21. Juli 2011 – 15:04

    Ach Herr Wiegold, Sie wissen doch, dass ich nicht Sie mit dieser Kritik meine. Sie hatten aber mal darum gebeten, auf konkrete Namensnennung kritisierter Kollegen zu verzichten. Daran halte ich mich. Auch in Ihrem Berufsstand gibt es aber nun mal schwarze Schafe, die es mit journalistische Idealen nicht so genau nehmen.

    Leugnen Sie etwa, dass es in der deutschen Medienlandschaft ein Geschäftsmodell gibt, das darauf beruht, künstlich Skandale zu inszenieren? Ohne regelmäßig durchs Dorf getriebene Säue verkaufen sich einige Blätter halt schlecht.

    Das Fragen von richtig und falsch oft einer Debatte bedürfen, ist vollkommen richtig. Nur darf auch die BW Position beziehen und muss nicht die unterstützen, die ihr offensichtlich Schaden zufügen wollen.

  2. Das mag stimmen, Herr Wiegold, aber es hat nicht jeder ihrer Kollegen soviel Sachverstand und Hintergrundwissen wie sie. Da wird da schnell mal eine Story getippt, die, wenn man sie als wissenschaftliche Arbeit abgeben würde, noch nicht einmal den ersten Schnelltest im „drüberlesen“ bestünde, weil die inhaltlichen Fehler noch nicht einmal übertüncht werden. Nicht umsonst entstehen solche Grafiken im Netz:

    http://cdn5.thefirearmsblog.com/blog/wp-content/uploads/2009/09/guide_to_firearms_tfb-tfb5.jpg

    Da kommt einem leicht der Eindruck, das wäre vorsätzlich so geschrieben worden – erinnern sie sich doch einmal an einige Berichte zum Leopard-Verkauf. Da war der Tenor nicht selten: „Die“ haben bisher keine Panzer und durch die zugekauften deutschen Leos können „die“ das Volk dann total einfach unterdrücken, was bisher nicht so gut klappt.

    Das können wir jetzt beliebig weiterführen, auf die Bundeswehr ausweiten und abschließend zu den „Fähnchen im Winde“ kommen, die wie die Zeitung mit den vier großen Buchstaben über AFG berichten. Ihre Zunft würde ich nicht vorbehaltslos in Schutz nehmen, genausowenig wie meine eigene – schwarze Schafe haben wir überall. Und daher würde ich ebenfalls Journalisten, die durch mieses Handwerk (nicht kritische Berichterstattung!) auffallen, am langen Arm verhungern lassen.

  3. @Chris
    Ich habe das Gefühl wir steigen auf den gleichen Berg, nur von unterschiedlichen Seiten.
    Ja, es ist ein singuläres Ereignis. Es wird aber als solches nicht verkauft. Auch in der Presse sagt/schreibt niemand, dass sind ein paar fehlgeleitete Irre.
    Ein Eid und feierliches Gelöbnis sollten ein Fest sein, bei dem man mit Stolz auf die Männer und Frauen blickt, die ihren Dienst für Deutschland leisten wollen. Stattdessen wird das Volk weiträumig ausgesperrt, weil ein paar Idioten sich das Recht herausnehmen, die Mehrheit von diesen Veranstaltungen fernzuhalten. Und diese Mehrheit macht das angeführt von ihren Volksvertretern auch noch mit. Krakelende Minderheiten bestimmen die Politik und treiben die Mehrheit vor sich her. Warten wir z.B. mal die Volksbefragung zum Thema Stuttgart 21 ab. Ich hoffe die Mehrheit bekommt ihren Allerwertesten mal hoch.
    Das schweift nun ggf. zu weit vom Thema ab. @Orontes, hat ja einen Link zu dieser Thematik angehängt.
    Und nur weil ich etwas kritisiere, heißt es nicht, dass ich nichts mit meinen Mitteln versuchen. Eine Möglichkeit ist es, sich über einen Blog mit ihnen auseinanderzusetzen und dafür danke ich ihnen.

  4. @Wiegold: Belastbare Zahlen zur Beliebtheit der Wehrmacht werden sich kaum auftreiben lassen. Hinweise finden sich vielleicht am ehesten in den Gestapoberichten über die Stimmungslagen in der Bevölkerung.

    Festhalten darf man aber, daß die Popularität der Wehrmacht seit Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 kontinuierlich wuchs – parallel zu den militärisch flankierten „Erfolgen“ des Dritten Reichs, von der Rheinlandremilitarisierung über die Besetzung des Sudetenlands, den Anschluß Österreichs, die „Zerschlagung der Rest-Tschechei“, die Angliederung des Memellands bis hin zum Polenfeldzug. Ihren absoluten Beliebtheitszenit durchlief die Wehrmacht nach dem „Sieg im Westen“. Der Mythos vom den „besten Soldaten der Welt“ ist erst in Stalingrad gefallen.

    Dennoch war die Wehrmacht fast bis zum Schluß (und darüber hinaus) populärer als die Bundeswehr heute. Ich weiß, man kann sowas nur eingeschränkt vergleichen, Diktatur hin, Demokratie her… Aber allein die Wehrmachtsausstellung erhielt mehr öffentliche Aufmerksamkeit als die Bundeswehr jemals hatte.

  5. @Orontes

    Hatte das schon gesehen und mich gefragt, wann es hier auftaucht ;-)

    Meine dringende Bitte: Können wir es bei dem Link belassen? Außer der Tatsache, dass das FAZ-Feuilleton das Thema aufgreift, gibt es da nicht wirklich was Neues. Und über dieses Thema ist hier schon 280 Kommentare lang diskutiert worden…

    (Wenn es eine substanziell neue Entwicklung geben sollte, sähe das vielleicht anders aus.)

  6. @T. Wiegold
    Werde mich weiterer Kommentare zum Geschehen wie gewünscht enthalten, bis Sie es ggf. wieder aufgreifen.

  7. Hab jetzt nicht alles gelesen hier, aber:

    Wer wie ich Stauffenberg ehrt, oder vielleicht auch verehrt, sollte stets weiter schaun, als bis zum Attentat. Er ist ja sowas wie ein Neuheld der jüngeren Geschichte, welcher früher noch als Verräter verschmäht wurde, heute aber größtenteils von Menschen ins Bild gezogen wird, welche seine persönlichen Ideale und Ansichten überhaupt nicht teilen.
    Der Mann war nationalkonservativ bis es nur so krachte, vielleicht sogar mehr. Ich hab damit nicht allzu viel Stress, bin ja tolerant. Aber diejenigen die ihn vor sich hertragen, können sich ja sonst gar nicht genug darin ergehen, Menschen seiner Überzeugung auszustoßen und zu belangen.

    Das mal als Anmerkung.

    Zum obigen Bild:

    Ist jemandem aufgefallen, dass die Rekruten da ganze 4 (!) verschiedene Positionen eingenommen haben? „Stillgestanden“, „stillgestanden mit Armen wie im Rührt euch“, „Rührt euch“ und „schiefes Rührt euch“ :)))

    Irgendwer hat da einen sehr verwirrenden Befehl gegeben ^^

  8. @ Niklas | 21. Juli 2011 – 19:17

    Zitat: „Zum obigen Bild:

    Ist jemandem aufgefallen, dass die Rekruten da ganze 4 (!) verschiedene Positionen eingenommen haben? “Stillgestanden”, “stillgestanden mit Armen wie im Rührt euch”, “Rührt euch” und “schiefes Rührt euch” :)))

    Irgendwer hat da einen sehr verwirrenden Befehl gegeben ^^“
    =====

    Und ich hab mir extra auf die Zunge gebissen, als ich dachte: Schicker Hühnerhaufen …
    Ich sehe da übrigens keine Frau bei den Rekruten auf dem Bild. Ist das nicht diskriminierend und möglicherweise sogar rechtsradikal? ;-)

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